AMOKLAUF.

Natürlich stellt sich immer wieder die Frage nach dem Warum. Ja, warum erschoss der Schüler Tim K. im März 2009 am Berufskolleg in Winnenden 15 Menschen und dann auch noch sich selbst? Und das, wo er doch zwei Monate vorher Ethikunterricht genau zu diesem Thema "Amoklauf" hatte? In einem Aufsatz zum Abschluss der Unterrichtseinheit hatte er schließlich auch genau das geschrieben, was das Anliegen des Unterrichts der Lehrerin war und was diese also auch hören woolte.

Wenn dann aber in der Praxis "so etwas" beim Ethikunterricht heraus kommt, dann stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Sinn eines Ethikunterrichts beziehungsweise dieses Ethikunterrichts.

Ob der Schüler am Ende vielleicht sogar durch diesen Ethikunterricht überhaupt auf die Idee zu dem Amoklauf kam?

Wir wissen es nicht und wollen es auch nicht hoffen.

Doch eines ist gerade in den Dingen klar, die mit der Seele zu tun haben, dass es nun einmal nicht so einfach funktioniert, dass es nur eines schönen Unterrichts zu einem bestimmten Thema bedarf - und dass dann dieses Thema abgehakt ist in der Weise, dass die jungen Menschen sich also nunmehr vernünftig verhalten. Nein, die Dinge der Seele funktionieren eher nach der Masche des elektrischen Stroms, also "hier ist der Schalter - und ganz woanders geht das Licht an".

Und der Zusammenhang "mehr oder weniger freier Zugang zu Waffen und Munition führt zum Amoklauf" ist einfach zu einfach, denn wieviele junge Menschen haben auch Zugang zu Waffen und sie kommen ganz offensichtlich nicht auf die Idee eines Amoklaufs.

Woran liegt es also?

In einem anderen Artikel der Zeitung "Die Welt" lesen wir, dass Tim K. Probleme mit dem weiblichen Geschlecht hatte - und schließlich waren es vor allem Mädchen, die er erschoss. Manche Mädchen hatten ihn sogar gehänselt und einige nannten ihn sogar "Mini Tini".

"Nein, das hat nichts mit dem Amoklauf zu tun, denn Tim K. interessierte sich ja ganz offensichtlich gar nicht für Mädchen", mögen manche einwenden. Dagegen ist zu sagen, dass das vielleicht so aussah, dass er sich nicht interessierte, doch ist es nicht so, dass sich in Wirklichkeit jeder Junge in diesem Alter für Mädchen interessiert und dass diesem Tim K. solche Hänseleien also durchaus weh getan haben mögen?

Die Lösung könnte also auch hier sein: Harmonischer Umgang der Geschlechter untereinander! Und kann es denn nicht so sein, dass gerade bei einem Umgang der jungen Menschen nach den alten christlichen Regeln - jetzt aber offen und bewusst - genau auch solche vermutlich eher sensiblen Jungen wie dieser Tim K. besonders gute Chancen haben und von daher das Leben für sie so lebenswert ist, dass sie nie und nimmer auf so einen Amoklauf kommen? Wäre also ein richtig guter Religionsunterricht - allerdings einer, der auf dem historischen Jesus basiert, also einer nach dessen Ethik - vielleicht nicht sinnvoller gewesen?

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)