AUGE UM AUGE. Die Bibelstellen Exodus 21,24,  Levitikus 24,20 und Deuteronomium 19,21 mit der Aussage "Auge mit Auge und Zahn mit Zahn zu vergelten, werden üblicherweise mißbraucht: Es geht hier nicht um den Befehl zur Rache, sondern um eine Abmilderung zeitüblicher brutaler Verfahrensweisen. Im Buch Exodus wird sozusagen das Schmerzensgeld gegenüber Sklaven geregelt (sie sind zu entschädigen für ein ausgeschlagenes Auge usw.), und im Buch Levitikus geht es um die Verhältnismäßigkeit, die es bis dahin nicht gab: Wenn einer einem ein Auge ausgeschlagen hat, dann soll man ihm auch "nur" ein Auge ausschlagen (und ihn nicht wie bis dahin gleich ganz tot schlagen oder ihm zumindest das ganze Gesicht zerschlagen o.ä.) und wenn einem ein Zahn ausgeschlagen wurde, dann soll dem Täter eben auch nur einen Zahn und nicht gleich das ganze Gebiß ausgeschlagen werden. Jesus hat später diese Vorschriften noch weiter abgemildert, wenn er davon redet, daß man auch "die andere Wange hinhalten sollte", wenn man geschlagen wurde. Er hinterfragt vor allem, warum Menschen anderen etwas wegnehmen - es wird Gründe haben, daher soll man ihnen geben (Lukas 6,29, Matthäus 5,39). (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)