BABYKLAPPE: Die Etablierung der "anonymen Geburt" beugt das Recht und nimmt Kindern ihre Rechte.

Der folgende Artikel erschien am 23. Juni 2004 - die vollständige Url des Artikels ist: http://www.welt.de/data/2004/06/23/295084.html

Kaspar Hauser in der Babyklappe - von Alfred Wolf.

Das deutsche Familienrecht steht vor einer Revolution. Die anonyme Geburt soll gesetzlich geregelt werden. "Donum vitae" in Bayern will sein "Moses-Projekt", aus dem anonyme Kinder wie einst Kaspar Hauser hervorgehen, durch Gesetz legalisieren lassen. Baden-Württembergs Justizministerin Corinna Werwigh-Hertneck hat das Gesetzgebungsverfahren dazu eingeleitet.

Eigentlich dürften Schicksale wie das von Kaspar Hauser heute nicht mehr vorkommen. Denn es ist das natürliche Recht von Mutter und Vater und vor allem die ihnen obliegende Pflicht, für ihr Kind zu sorgen. Das Grundgesetz hat diese Selbstverständlichkeit in Artikel 6 festgeschrieben. Eltern und ihre Kinder sind untrennbar. Trotzdem sind Kinder gefährdet. Jährlich werden etwa 150 000 abgetrieben, etwa 720 000 geboren und etwa 30 Babys nach der Geburt getötet. Gleichzeitig gibt es etwa 15 000 kinderlose Paare, die ein Kind anderer Eltern als eigenes Kind gern annehmen würden.

Im April 2000 wurde in Hamburg die alte Praxis der Babyklappe wieder belebt, in die, von wem auch immer, unerwünschte Kinder anonym gelegt werden können. Seit Januar 2001 bietet "Donum vitae" Müttern an, ihr Kind kostenfrei medizinisch betreut in einem Krankenhaus zu entbinden und das Kind anonym zurückzulassen oder ein Kind anonym einer Mitarbeiterin zu übergeben. Wie ein Lauffeuer haben sich diese Angebote verbreitet, es gibt jetzt über 70 Babyklappen, viele Geburtsstationen bieten wie eine Regelleistung inzwischen auch die anonyme Geburt an. Adoptionsforscher schätzen die Zahl so anonymisierter Kinder auf inzwischen etwa 100 im Jahr.

......

Die Anonymität wird weiter gerechtfertigt mit der Behauptung, wenn die Mutter das Kind nicht in eine Klappe gelegt, einer Mitarbeiterin übergeben oder anonym geboren hätte, hätte sie das Kind getötet oder zum Tode ausgesetzt. Eine obskure Behauptung, die widerlegt ist: Seit der Eröffnung der ersten Babyklappe im April 2000 ist die Zahl getöteter Babys nicht zurückgegangen. Denn im Jahre 2000 wurden 17 und im Jahre 2003 30 getötete Babys aufgefunden.

........

Der Verfasser, Ministerialdirigent a.D., lehrt als Familienrechtler an der Humboldt Universität zu Berlin

Die Frage bleibt: Warum sind wir so unfähig zu einer ethischen Erziehung, damit solche menschlichen Tragödien gar nicht erst geschehen? Wenn das nicht Dekadenz ist! Denn die Menschen, denen das alles passiert, die sind doch nicht blöde, da kann man doch etwas machen! (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)