BASISRELIGION.

Unterschied von traditioneller Theologie und der von basisreligion.

1. Traditionelle Theologie:

Der Mensch ist von Anfang an durch den Sündenfall der ersten Menschen Adam und Eva (des "Urelternpaares") mit einer Erbsünde. belastet. Dadurch haben alle Menschen das Paradies, also den Zustand "natürlichen Gutseins" verloren und sind der Sünde ausgeliefert und können sich von allein aus dieser Verstricktheit nicht mehr befreien und also auch nicht mehr wirklich gut sein. So ganz nebenbei sind die Menschen auch bis hin zu dem, was nach dem Tod mit ihnen passiert, zu einer Gottesferne verurteilt - oder auch verdammt. Die Tat der Erlösung durch Jesus hebt nun diese Verdammnis zum Bösen auf, wenn nicht auch nicht unbedingt sofort für das diesseitige Leben, hier müssen viele leider noch leiden, so doch für ein zukünftiges Reich Gottes in einem Leben nach dem Tod mit wirklicher Gottesnähe.

Und wir sollen uns aus Dankbarkeit für das, was Jesus durch sein Erlösungswerk für uns getan hat und was in dieser Theologie zu einer Art Gnaden-Reservoir für uns geworden wird, das die Kirche verwaltet und von dem uns immer wieder gegeben wird, schon hier und jetzt um das Gute bemühen und wie Brüder und Schwestern zueinander verhalten.

Was nun genau hinter all diesen Begriffen steckt, darüber gibt es seit Paulus die vielfältigsten Interpretationen, die ganze Bibliotheken füllen. Und um zumindest etwas von alldem zu verstehen, bedarf es ausgedehnter Studien, eben einer ausgeprägten Theologie, die schließlich nur noch die Spezialisten einer Priesterkaste verstehen (oder auch nicht), die sich dann auch noch etwas darauf einbilden (siehe Arroganz und Hochmut). Oft fragt man sich auch, ob hinter der ganzen ausgetüftelten Theologie überhaupt noch etwas Vernünftiges steckt, ob das alles nicht nur Worthülsen und Leertermen (siehe Leerformeln) sind nach dem Motto: "Je verrückter und weltfremder, desto eher wird es geglaubt"?

Oder vielleicht ist alles ganz einfach, wenn allerdings auch anders?

2. Theologie von basisreligion:

Wir kennen alle die Geschichte des Troja-Entdeckers Heinrich Schliemann (1822 - 1890). Der sah in den überlieferten Schriften, nämlich in Homers Epen Ilias und Odyssee, durchaus konkrete Angaben und er meinte, dass hier tatsächlich eine Wirklichkeit beschrieben wird. Also ging er hin, sah sich die möglichen Gegenden an, bedachte mögliche Veränderungen im Laufe der Jahrtausende und fing an zu graben und suchte ganz konkrete Siedlungen, auf die das zutraf, was da in den Epen stand - und fand das alte Troja (und noch mehr).

Bei basisreligion ist das nun genauso. Hier wird die Botschaft der Bibel mit dem Anliegen Jesu einmal genau aus einem kritischen Blickwinkel wie dem eines Schliemanns gesehen: Welches konkrete Anliegen mag sich wohl hinter all dem verbergen? Immerhin gibt es ja neben den Passagen, die man als Legende einstufen kann, andere Passagen, die überhaupt nicht nach Legende klingen. Außer von Wundern und von Jungfrauengeburt und von Auferstehung, steht da schließlich auch etwas von Pharisäern und Heuchlern, die die Menschen betrügen und mit denen sich Jesus herumschlug, weil sie nur einen äußerlichen Glauben haben und nur an ihr Geschäft denken, und von Prostituierten und Zöllnern. Allgemein bekannt ist da die Erzählung von der Sünderin, die gesteinigt werden sollte und die Jesus durch sein Eingreifen rettete. Überhaupt hatte sich Jesus so ganz nebenbei häufig mit Frauen unterhalten, und nicht nur mit Prostituierten, eine in der damaligen Zeit bei den Juden ganz verwerfliche und verdächtige Sache, vergleichbar etwa mit der Situation zu Zeiten des Gottesstaats der Taliban in Afghanistan (und gewiss nicht nur dort!).  Es liegt also nahe, dass das auch etwas mit seiner "Aufmüpfigkeit" zu tun hat. Dann meinte Jesus auch, das die Kinder zu ihm kommen sollten, weil sie die sind, derer das Reich Gottes ist. Und schließlich ist er für seinen Einsatz für die Liebe und gegen die Sünde auch gestorben.

Auf welche menschliche Situation passt das alles nun auch heute? Weit muss man da eigentlich nicht suchen! Da kommt doch eigentlich nur ein kriminologischer Ansatz infrage!

Basisreligion geht nun davon aus, dass also die Erzählung von Jesus und der Sünderin bei Johannes 8 ("Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein") nicht eine Geschichte zur Vergebung ist (nur in dieser Richtung ermitteln die Theologen üblicherweise), sondern eine Episode aus dem Halbweltmilieu, wie sie typisch für alle sogenannten Gottesstaaten ist (und nicht nur für die!). Es ging nämlich gar nicht um den Ehebruch - oder was auch immer - dieser Frau, sondern hier sollte schlicht und einfach eine Prostituierte bestraft und aus dem Weg geräumt werden, die irgendwie unbequem geworden war, sei es das sie "aussteigen" wollte, sei es, dass sie mehr von ihrem Hurenlohn für sich behielt, als was ihre Zuhälter ihr zubilligten. Und so hatte man sie auflaufen lassen, so daß die offiziellen Gesetze auf sie angewendet werden konnten und sie hingerichtet werden musste, was dann auch zur Warnung der übrigen Frauen diente. Als die so hart richtenden Männer nun etwas naiv Jesus um Rat fragten, wie er zu der Steinigung steht, durchschaute Jesus - von seinen früheren Gesprächen mit Frauen und Prostituierten her -  sofort, was hier gespielt wurde, Jesus hatte also das zutreffende Insiderwissen, dass es gar nicht um Ehebruch usw. ging, sondern dass er hier in eine Zuhälterstrafaktion hineingeraten war. Und so sprach er die Männer direkt auf den ihm nun bekannten Hintergrund an: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!" - und hatte damit voll ins Schwarze getroffen, denn alle Männer fühlten sich überrumpelt und verließen den Schauplatz! Und nur vor diesem Hintergrund ist zu erklären, warum die ihr Urteil (so etwas wird es doch gegeben haben?) auch so schnell über den Haufen warfen.

Das also ist der Ansatz von basisreligion - klar dass sich damit in unserer Theologie so einiges ändert! Es geht in einer Theologie nach Jesus nicht mehr in erster Linie um Gott, sondern um ein Leben in Glück, Freiheit und (wirklicher) Moral und Emanzipation. Siehe "Lehre des Jesus"!

Der Unterschied zu traditioneller Theologie ist erst einmal, dass es nicht ein theologisches "heiliges bzw. göttliches System" gibt, das schließlich so eine Art "Konstruktion im Wasserglas" ist und uns sozusagen von oben her eine Moral befiehlt, und wir uns dann auch noch aus Dankbarkeit zu diesem System und zum Glauben (und zur Kirche) bekehren sollen. Nein, zunächst geht es bei basisreligion einmal darum, dass die Moral aus sich heraus attraktiv ist, und gerade auch die Sexualmoral! Denn wer möchte schon so dumm sein und auf einen Idioten reinfallen, wer möchte nur als Notnagel dienen, weil der andere zwar einen Traumprinzen gesucht hatte, doch mit solchen Typen auf die Nase gefallen ist und man jetzt für ihn gut genug ist, wer träumt nicht von der großen Liebe und möchte dafür nicht immer nur die abgelegten Partner anderer haben? Und es kann ja nicht sein, dass Liebe immer nur das ist, das alles schließlich zu akzeptieren oder darüber hinwegzusehen, wie es die Kirchen gerne empfehlen (siehe Liebesgebot)!

Und so gibt es ganz konkrete Sünden gegen die wirkliche Liebe, also gegen die Liebe der Einheit von Leib und Seele. Und von diesen Sünden, die gerade zu seiner Zeit durch viel Böswilligkeit und Dummheit und Wegsehen zustande kamen, hat nun dieser Häuserbauer Jesus erfahren und er hat gegen die Schuldigen (klar, bei Dummheit oder Böswilligkeit ist immer Schuld mit im Spiel) gepredigt und gekämpft - bis hin zu seinem Tod, ja, er ist sogar für die Verwirklichung dieser Liebe gestorben. Diese Sünde ist auch der Hintergrund der Adam-und-Eva-Erzahlung, dort als Mißbrauch des Menschen im Rahmen kultischer Prostitution, von Liebe und Partnerschaft zwischen Mann und Frau findet sich bei einer solchen Götterverehrung (oder eben bei einem solchen Gottesdienst) ja keine Spur. Und so wie damals und auch zur Zeit Jesu die unschuldige und paradiesische  Liebe durch primitiven Hedonismus beim einzelnen Menschen und auch bei der Menschheit allgemein zerstört wurde und nicht zum Tragen kam, geschieht das auch heute noch - nur etwas anders.

Wirkliche Nachfolge Jesu besteht nun darin, nicht irgendwelche traditionellen "heiligen Systeme zu kultivieren"!

Denn wird ja allenfalls immer nur ein über-ich-gesteuertes Gewissen aufgebaut, um einmal in der Sprache der Psychologen zu reden, wodurch üblicherweise nie etwas wirklich geändert wird. Nein, Nachfolge Jesu heißt, dort weiterzumachen, wo er aufhören musste, und den Menschen schon von Kind an ein Konzept wirklicher Emanzipation und Freiheit zu vermitteln und ihnen dabei diejenigen Informationen über die Wirklichkeit von Sünde zu geben und Strategien anzubieten, dass sie ihr Paradies (oder eben Reich Gottes) auch leben können - und nicht mehr oder weniger aus einer Angst-Situation heraus, sondern aus Freude und Eigeninteresse (also die Menschen zu einem ich-gesteuerten Gewissen zu führen). Es soll also nicht mehr die Leibfeindlichkeit geben, die die (jungen Menschen) geradezu falsch programmiert, so daß sie schließlich auf Erlösungsversprechungen nach der Don-Juan-Methode geradezu gieren (oder regelrecht notgeil werden) und auf sie reinfallen (wie in dem Brief an ein religiöses Mädchen angesprochen) und infolgedessen immer mehr Schwierigkeiten mit ihrer Einheit von Leib und Seele haben, wenn sie diese nicht gar zeitlebens verpassen...

Ob das alles aber nicht zu einseitig und zu wenig ist, ob es im Christentum nicht um mehr geht? Dazu ist zu sagen, dass genau mit dieser Argumentation immer nur verhindert wird, dass man sich auf genau das konzentriert, was nun einmal wichtig ist. Und so erleiden wir auch heute mit unserer ganzen religiösen Pädagogik letztlich ziemlichen Schiffbruch, sowohl bei einzelnen Menschen als auch ganz kollektiv. Die wirkliche Chance liegt nun immer darin, keine halben Sachen zu machen, und das bedeutet nun einmal eine gewisse Einseitigkeit - man muss eben nur den richtigen Nerv treffen und dann die Nerven behalten! Und wenn man den getroffen und hier etwas in Ordnung gebracht hat, dann ändert sich auch einiges andere... (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)