BEDINGUNG, OHNE DIE NICHTS GEHT (lateinisch: conditio sine qua non) nennen wir einen inneren oder auch offen diskutierten Vorbehalt. Ohne Erfüllung von bestimmten Bedingungen können oder wollen wir keine weiteren und schon gar keine endgültigen Entscheidungen treffen; auf diese Weise wollen wir verhindern, daß ein folgenschwerer Schritt getan wird, durch den dann möglicherweise viele Ideale und Hoffnungen für immer oder zumindest für lange Zeit zerstört werden und wir unsere Zeit mit der Aufarbeitung verschwenden müssen. Wir alle denken üblicherweise in solchen Bedingungen, ohne daß uns dies im allgemeinen bewußt wird. Ein sicheres Bewußtsein hier wäre allerdings angebracht, denn es gibt gewiß innere Vorbehalte, die hilfreich für uns sind, weil sie uns vor Fehlern schützen, doch auch solche, die überflüssig sind und durch unsinnige Mauern in den Köpfen bisweilen sogar mehr schaden als nützen. Und dann wären da ja auch noch Vorbehalte, die wir erst gar nicht in Erwägung ziehen und die daher auch gar nicht in unsere Entscheidungsfindung einfließen, die wir jedoch besser bedenken sollten!

Völlig unsinnig ist der Ansatz aller Religionen, daß die Bedingung für eine vernünftige Moral der Glaube an das ist, was sie uns jeweils anbieten - siehe Glaube und Moral.

Zu den sinnlosen Mauern in den Köpfen gehören die Bedingungen aller typischen Religionen, daß man erst einmal deren Lehrmeinungen und Ritualien (siehe Dogmatik) fest glauben beziehungsweise übernehmen muß, weil das persönliche Glück angeblich nur dadurch zu erreichen sei. So etwa wird im christlichen Glaubensbekenntnis gefordert, an die Jungfrauengeburt, an die Auferstehung oder an ein Leben nach dem Tod zu glauben. Die mit einem Nichtdaranglauben verbundenen Ängste sind jedoch völlig überflüssig, weil sie überhaupt nichts helfen, es profitieren davon stets nur die Religionsorganisationen, und so steht es auch mit den Ängsten, die uns da für den Umgang mit anderen Menschen beigebracht werden. Denken wir hier nur an deren Vorstellung, daß die Grundbedingungen für wirkliche Moral der Glaube an Gott einerseits und die (Sexual-)Scham andererseits seien, daß also ohne Unterwerfung unter die Anordnungen von Religionen und ohne die Einhaltung von bestimmten Regeln von Sitte und Anstand jeder Versuch einer glücklicheren Liebe von vornherein sinnlos sei. Doch haben all diese Ängste ja wohl noch nie jemanden vor dem Reinfallen geschützt! 

Für wirklich emanzipierte junge Menschen (siehe Emanzipation) sollte Bedingung sei, "ohne die es nicht geht", erst einmal die Phase der Ästhetik (oder auch die Phase der Freude an der Unschuld) im eigenen Leben zu erleben, um hinterher nicht lebenslang an einem nicht oder nur schlecht verarbeitbaren Cinderella-Komplex herumzudoktern!

Und so sollten wir uns statt dessen hier wirklich nützliche Bedingungen, ohne die nichts geht oder ohne die zumindest nichts gehen sollte, zurechtlegen, hinter denen gerade nicht bewußt oder unbewußt übernommene Ängste stecken. Vor allem wenn wir den ersten Geschlechtsverkehr mit einem ersehnten und geliebten Menschen erleben wollen, sollten wir uns fragen: Treibt uns da wirklich Liebe oder doch nur Verliebtheit? Ist der andere ein wirklicher Gefährte, dem wir auch tatsächlich etwas bedeuten? Stecken in uns am Ende nicht doch unaufgearbeitete Ängste mit der Sexualität, die wir mit unserer Handlung nur in einer in einem Gefühlsrausch aufgekommenen Alles-egal-Stimmung übereilt über Bord werfen wollen (siehe Überrumplung)? Jetzt können wir davon profitieren, wenn wir die Spielregeln einer sinnvollen Menschenkenntnis nach der Toreromethode so in uns haben, daß wir sie auch leben: Haben wir beispielsweise schon wirklichen Spaß an unschuldiger Nacktheit und auch den Rausch erlebt, der bisweilen bei bewußter Enthaltsamkeit von Anti-Streß-Hormonen erzeugt wird? Und wie steht es mit den Orgasmus-Erlebnissen, die ja besonders für Mädchen auch ohne vollendete Tatsachen möglich sind? Kennen wir diese wirklich oder fallen wir doch nur auf eine uns anerzogene Ahnungslosigkeit und Naivität in allen diesen Dingen herein?

Für bewußt handelnde Menschen dürfte also die Einhaltung einer festen Reihenfolge diejenige Bedingung schlechthin sein, ohne die nun wirklich nichts geht. Wenn da vor allem nicht die Punkte des Gefährte-Seins oder vergleichbare Vorstellungen von der Auslegung der Zehn Gebote erfüllt sind, ist es sozusagen schon wahnsinnig oder sogar selbstmörderisch, weitere Schritte im Hinblick auf vollendete Tatsachen zuzulassen oder sogar einzuleiten. Inwieweit der Glaube an Gott im Hinblick auf unser Glück zu den Bedingungen, ohne die nichts geht, gehört, ist schwer zu entscheiden. Wenn dazu überhaupt Glauben notwendig ist, dann ganz gewiß nur im Sinn von wirklichem christlichen Glauben.

Wenn junge Menschen zu einem Verständnis vernünftiger Bedingungen, ohne die nichts geht, erzogen werden sollen, sollte man ihnen auch positive Erfahrungen damit vermitteln. So wird ein Mädchen, das in ihrer Jugend wirklich anregende Reisen mit ihrem Vater, ihrem Bruder oder einem anderen Mann, der wirkliche Verantwortung spürte, unternommen hatte, sich eher einen fremden Partner daraufhin genauer ansehen als ein Mädchen, das solche Erlebnisse nicht hatte. Und welches Mädchen als Kind ausgelassen und unbefangen mit dem Vater (oder dem Bruder) herumtollen konnte (bei passender Gelegenheit durchaus auch nackt), bei dem werden sich vermutlich auch hier Bedingungen für die eigene Partnerwahl bilden. (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)