Die BEFREIUNGSTHEOLOGIE ist eine vor allem in Brasilien entstandene moderne Variante der Politischen Theologie. Es geht hier auch um gesellschaftliche Fragen, allerdings eher gegen den Staat und gegen die herrschende Ordnung.

Besonders das Anliegen der Religionskritik von Karl Marx wird hier positiv gesehen. Damit ist sie ein Versuch in unserer heutigen Zeit, von den üblichen Leerformeln unseres Glaubens loszukommen und die Vorstellungen von einer Erlösung des Menschen hier auf Erden, so wie es eigentlich Sinn unseres christlichen Glaubens ist, mit den Vorstellungen vom Paradies (allerdings immer aus der Sicht des Marxismus) zu verbinden und sogar zu erreichen. Die Harmonie unter uns Menschen, die ja gewiss Jesus vorschwebte, kann nach den Vorstellungen der Befreiungstheologie erreicht werden, wenn endlich die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen (im wirtschaftlichen Bereich) aufgehört hat. Damit setzt die Befreiungstheologie bei den äußeren Lebensumständen an. Und aus diesem Grund stellt sich - genau wie im marxistischen Kommunismus - das Problem, ob eine Veränderung dieser äußeren Lebensumstände auch tatsächlich eine innere Veränderung des Menschen nach sich zieht. Christlicher Glaube geht jedoch davon aus, dass zunächst die innere Änderung des Menschen geschehen muss, die dann irgendwann alle Menschen zu einer einzigen großen Familie macht, also auch auf alle nur denkbaren äußeren Lebensumstände zum Positiven verändernd wirkt.

 

Ob hier nicht ein morscher Zweig ( = marxistische Ideologie) auf einen morschen Baum (= dekadente Dogmatik) aufgepfropft wird? Und das soll funktionieren?

Leider ist in der Geschichte unseres Glaubens die Verwirklichung der Idee von der inneren Veränderung (oder auch Erlösung) - in der Einheit von Leib und Seele - vor allem auch durch den Einfluss der Gnosis schon recht früh in ein Leben nach dem Tod verlegt worden. Statt nun in wirklicher Nachfolge Jesu die Theologie und die Dogmatik zu ändern, die diese Verlagerung zu verantworten zu haben, baut die Befreiungstheologie auch noch darauf auf, wenn auch mit einem neuen politischen Engagement. Doch christlichem Denken ist im Grunde ausgesprochener Aktivismus auf politischer Ebene fremd, denn der ist auch gar nicht nötig. Menschen, deren Einheit von Leib und Seele gelungen ist oder die auf dem Weg sind, würden nämlich von ganz allein etwa auch mit ihrem Privateigentum so bewusst und menschlich umgehen, dass sie sogar damit dem Werden eines wirklichen Paradieses dienen könnten. In einem wirklichen christlichen Glauben werden nämlich alle einbezogen, nicht zuletzt haben ja auch alle mit der Einheit von Leib und Seele dieselben Probleme!

 

Warum eigentlich nicht als Vorbild einer wirklichen Befreiungstheologie das Modell der Zehn Gebote - allerdings ganz konsequent?

Bei meiner Fahrt durch Brasilien erzählte mir jemand, dass jeder weiße Brasilianer im Grunde zwei Frauen hätte, eine weiße als Statussymbol und eine Mulattin für die Liebe... (Mehr darüber unter Schokoladenseite! Dass die Erzählung von den zwei Frauen dann noch jemand ergänzte, dass die weißen Brasilianer nämlich eigentlich drei Frauen hätten, als dritte nämlich noch die "Virgen", also die jungfräuliche Maria, ist eine andere Sache. Wahrscheinlich brauchen sie zur Kompensation noch eine ganz reine und völlig unsexuelle Frau, das ist dann ihre Interpretation von katholischer Religion, in der sich dann allerdings alle einig sind, sowohl die Reichen wie die Armen..)

In den ganzen Ungerechtigkeiten dieser Gesellschaft - wie im übrigen wohl in allen südamerikanischen Gesellschaften, und nicht nur in denen - ist offensichtlich auch immer eine ganz gehörige Portion Machismo gegen Frauen dabei: Die eine sitzt zu Hause und wird belogen und betrogen und kommt zu kurz (vermutlich wird sie sich wenigstens heute irgendwo "entschädigen"), und die andere ist zwar gut für die Liebe (oder was man darunter versteht), jedoch nicht für eine wirkliche Partnerschaft. In beiden Fällen werden Frauen wie Sachen gebraucht. Und ist das nicht dasselbe wie in der Sklaverei? Wenn wir also bedenken, dass die Zehn Gebote durchaus auch ein geschicktes psychologisches Konzept gegen die Sklaverei waren, warum nur setzen wir heute diese Gebote nicht auch in diesem Sinne ein? Und das gilt auf alle Fälle auch bei uns, das gilt schlichtweg überall auf dieser Welt! Warum also vertreten wir nicht ein pädagogisches Konzept der Freiheit und Emanzipation für die jungen Leute (man muss ja irgendwo anfangen - und einen Religionsunterricht für Kinder gibt es doch!), in dem Liebe und Sexualität wieder zusammengehören? Und wenn die Kirche (beziehungsweise die Amtskirche)  nicht will, dann könnten ihr doch (christliche) Politiker nachhelfen, denn denen brennt es ja unter den Nägeln, sie müssen wirklich etwas hier und jetzt schaffen (durchaus auch um wieder gewählt zu werden - siehe Glaube und Politik!) In diesem Sinne trifft die auf der Eingangsseite www.basistheologie.de aufgerollte Problematik voll auf die Situation in Brasilien zu: Reiche oder zumindest wohlhabende Männer haben zusätzlich eine Sexgespielin - und die Lösung kann nur ein Konzept von wirklicher Liebe und Partnerschaft sein, dass man wohl eine Mulattin als "Gespielin" haben könnte, doch dass es eine Ehre für alle gibt, dass diese zugleich Partnerin ist.

Und dann würden sich mit der Zeit wirklich die Trennungslinien zwischen Arm und Reich, zwischen Oben und Unten und auch zwischen den Rassen verwischen und schließlich auch verlieren... Das wäre wirklich christlich, das wäre Basistheologie. Und vor allem grenzt diese nicht die Reichen aus und sieht sie auch als Menschen mit ihren Sehnsüchten und Idealen...

(Der kolumbianische Schriftsteller und Nobelpreisträger Gabriel García Márquez beschreibt in seinem Roman "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" genau eine solche typische Beziehung, lesenswert - und Kolumbien grenzt ja irgendwo auch an Brasilien! Siehe auch das Vorwort 16 über den Kurzroman "Erinnerung an meine traurigen Huren" von Gabriel García Márquez in dem Buch "Das Durchblickkonzept für junge Menschen"!)