Die sexuelle BEFRIEDIGUNG erfolgt normalerweise mit dem Orgasmus, der beim Mann mit der Ejakulation einhergeht. Allerdings ist es völlig falsch, wenn die Funktion von sexueller Anspannung und Befriedigung so gesehen wird, wie wenn ein Staudamm gefüllt wird, der sich dann ab und zu entlädt. Wie sonst könnte es geschehen, daß sich manche Menschen trotz intensiven Sexuallebens einfach nicht befriedigen lassen und ständig "Appetit" auf neue Partner haben?

Wirkliche beglückende Befriedigung kann nur aus der Einheit von Leib und Seele heraus entstehen und hat sogar nur ganz entfernt etwas mit der gegenseitigen mehr oder weniger intensiven Berührung beziehungsweise Manipulation der Geschlechtsteile usw. zu tun.

Und weil nun keinesfalls jeder Geschlechtsverkehr - und oft auch selbst noch so heiß ersehnter - vor allem bei Frauen zur Befriedigung führt (was dann letztlich auch für die beteiligten Männer unbefriedigend ist, obwohl diese mit der Ejakulation reagieren) sollte vorher auf andere Weise als durch Verkehr sorgfältig geprüft werden, ob es mit einem geliebten Partner zu erfüllender Spannung auch ohne Befriedigung kommt (siehe "Phase der Ästhetik", Reihenfolge und Enthaltsamkeit). Ein Vertun hier hat nämlich zur Folge, daß wir mehr oder weniger bald nach anderen Partnern Ausschau halten, was als Suche nach Abenteuern ausgelegt werden kann, worunter schließlich vor allem bei Mädchen und Frauen deren Ehre leidet. Es sieht so aus, als ob eine der Ursachen über das abfällige Reden über einen Partner ist, mit dem man Geschlechtsverkehr hatte, daß man ihn gerade eben nur zur eigenen (oder auch gegenseitigen) vordergründigen Befriedigung benutzte.

Und so können wir nicht nur das sechste der Zehn Gebote, sondern auch die Adam-und-Eva-Erzählung so auslegen, niemals sich selbst oder einen anderen Menschen als Objekt der Befriedigung zu mißbrauchen und damit zur Sache zu machen.

Überhaupt stellt sich die Frage, ob unser Sinn - wenigstens zunächst einmal - tatsächlich auf Befriedigung ausgerichtet ist. Ist es nicht viel mehr die Spannung, die wir suchen, den Kick, den die Spannung bringt, den Rausch - oder eben die Produktion unserer Hormone - mit oder ohne Erregung beziehungsweise Erektion? Und weil es in unserer verklemmten und leibfeindlichen aber dennoch nicht moralischen Gesellschaft dafür keine "Kultur" gibt, weil das sogar als Geilheit verpönt ist (warum eigentlich nicht Sinnlichkeit?) und weil "man" oder "frau" eher an eine oder einen gerät, für die die Befriedigung "dazu gehört", nur deswegen ergibt sich die dann auch für "uns" - wenigstens zunächst einmal?

Nicht nur Kinder und besonders kleine Mädchen haben noch einen Sinn für diese vollkommen integre Spannung ohne jeden Gedanken an eine Befriedigung, und es wird wohl so sein, daß sie am besten die auch erst einmal erleben, damit sie lernen, Spaß daran zu haben (siehe Sexualität des Kindes), um später für die Gandhi-Methode oder für das, über das sich Beatrix und Martina im Gespräch 9 unterhalten, offen zu sein und das auch können!

Zu bedenken ist schließlich, daß jegliche auf Befriedigung ausgerichtete Handlung zu bisweilen höllischen Enthaltsamkeitsqualen führt, wenn einmal keine Gelegenheit zum Ausleben mehr da sein sollte. Nicht nur die Selbstbefriedigung, sondern auch der Genuß von Drogen, sind in gewisser Weise eine Ersatzbefriedigung. (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)