BEKEHRUNG - eigentlich eine tolle Sache, wenn jemand schließlich einsieht, was richtig und besser für ihn ist und vor allem gewesen wäre! So manche unserer bedeutendsten Religionsstifter oder zumindest als besonders prägend für die jeweilige Religion geltenden Menschen sind zu ihren Ideen durch Bekehrungserlebnisse (nach einem nicht sonderlich frommen beziehungsweise religionskonformen Leben) gekommen: Buddha (siehe Buddhismus), Mohammed (siehe Islam), der christliche Apostel Paulus, der christliche Kirchenvater und Kirchenlehrer Augustinus, der biblische König David - nicht aber Jesus. Denn der hatte eine Bekehrung überhaupt nicht nötig, der war von Anfang an sündenfrei oder sozusagen perfekt (ob man ihn deswegen allerdings gleich zum Sohn Gottes machen muß?).

So schön und gut solche Bekehrungserlebnisse sind: Die entsprechenden Leute sind zu ihrer neuen Einstellung aus letztlich nicht ganz unproblematischen Gründen gekommen: Irgendwie waren sie vom Leben frustriert. .Damit kannten sie das Leben mehr oder weniger vor allem aus der Sicht des Mißbrauchs  - und weniger oder gar nicht aus der Sicht des Gebrauchs (siehe Gebrauch und Mißbrauch). Sie können von daher mit den für sie nun einmal gefährlichen Dingen nicht mehr nüchtern (oder eben mit einer rationalen Furcht) umgehen, sondern eigentlich nur noch mit einer irrationalen Angst.

Solange solche Menschen nun ein beschauliches Leben irgendwo in der Einsamkeit führen, ist das alles wunderbar und stört auch niemanden.

Das Problem ist, wenn diese Leute ihren Glauben oder ihre sonstige Einstellung aufgrund einer Bekehrung an andere und vor allem junge Leute weitervermitteln. Denn in irgendeiner Weise wird ihre innere Einstellung der Angst doch immer durchschlagen. Und was für sie selbst durchaus gut und nützlich sein kann, ist insbesondere für junge Leute Gift und absolut kontraproduktiv für deren wirklichen Glauben oder deren wirkliche Moral.

Zum besseren Verständnis siehe die zweite schematische Darstellung im Stichwort Grundschema. Denn gerade die jungen Leute sind nun einmal in einer völlig anderen Situation: Sie haben das Leben vor sich, sie haben noch eine idealistische und hoffnungsvolle und auch unverdorbene Weltsicht und brauchen eigentlich nur noch Rezepte oder eben Strategien für die Unterscheidung von Gebrauch und Mißbrauch oder eben eine sinnvolle Furcht. Doch gerade die können frustrierte Menschen eben nicht geben, weil sie selbst sozusagen angstfixiert sind, sie sehen sozusagen etwa in der Nacktheit immer etwas Unmoralisches, sie könne darüber gar nicht sachlich reden, sie sind also immer leibfeindlich. (allein, dass ich das hier schreibe, reicht schon, um das ganze etwa als unseriös abzulehnen!)

Dazu kommt noch, daß die "Bekehrten" dazu neigen, ihre unangenehmen Erfahrungen zu verdrängen und sich in entsprechenden Leidensgemeinschaften mit Gleichgesinnten zu treffen, in denen sie sich gegenseitig bei ihren Verdrängungen unterstützen und bestärken. Das führt dann zu allen möglichen versponnenen Phantasiewelten - seien es nun Götter- oder Dogmenkonstruktionen, die im allgemeinen jeder Realität und Vernunft entbehren. Das alles sind dann gewiß keine christlichen Offenbarungen, doch genau das kann dann zum Sinn des Lebens werden (je skurriler, je besser!), zumal dieser "neue Glaube" ja auch noch mit Anstrengungen und Entbehrungen verbunden ist, weil sie sich ja von den Verführungen des früheren Lebens gelöst haben oder zumindest haben möchten, die dennoch ja immer noch ein wenig verlockend sind.

Und wenn solche Leute nun anderen - und insbesondere jungen Menschen - ihren Glauben oder sonstige Werte vermitteln, dann können sie eigentlich nur von ihren skurrilen Konstruktionen ausgehen, bringen das jungen Leuten zunächst auch wunderschön bei, doch erzeugen bei ihnen doch nur ein über-ich-gesteuertes Gewissen, das letztlich dazu führt, daß diese einmal genauso handeln wie sie selbst. Obwohl sie alles noch so gut meinen, halten sie doch wieder nur den Teufelskreis "am laufen" - sie machen dabei mit, was eben im zweiten Schaubild im Stichwort  Grundschema so angeprangert wird. Sie waren einmal Opfer und werden jetzt zu Tätern, die neue Opfer produzieren  - siehe Opfer und Täter und Gotteserfahrung.

Wie Bekehrte dennoch sinnvoll produktiv tätig werden können.

Es dürfte nun nicht realistisch und auch gar nicht einmal erstrebenswert sein, alle "Bekehrten" etwa von pädagogischen Aufgaben auszuschließen, schließlich ist gerade deren pädagogisches Engagement, "daß so etwas nicht wieder passiert" ja auch ein ganz großer Wert. Doch sollten solche Leute sich ihrer Problematik unbedingt bewußt sein und nicht von vornherein alles besser wissen, sondern sich mit Menschen, die solche Bekehrungserlebnisse nicht hatten und auch nicht nötig hatten, an einen Tisch setzen und sich beraten. Denn im Zweifelsfall können diese eher unsinnige und kontraproduktive Konstruktionen enttarnen. Doch wer entscheidet dabei, wer hier neutral und nüchtern das Richtige vom Falschen und das Vernünftige vom Unsinnigen unterscheidet, wer ist wirklich nicht auch irgendwo in diesem Täter-Opfer-Kreislauf? Die "Für-das-Gute-fanatischen-Bekehrten" würden solche neutralen Instanzen ohnehin nicht anerkennen, wenn sie eine andere Meinung haben als sie selbst... Eine Chance wäre, wenn sich die "Bekehrten" von ihren persönlichen Emotionen mal frei machten - und sachlich anerkennten, wenn etwas logisch oder eben nicht logisch, funktionierend oder nicht funktionierend, plausibel oder nicht plausibel (siehe Plausibilität), wichtig oder unwichtig ist... Doch man rede mal mit den typischen "Bekehrten" - gerade sie kommen sich ja als die ganz besonderen Spezialisten und Fachleute vor ("aus eigener Erfahrung") und sind im Grunde für jede wirklich rationale Aufarbeitung unzugänglich... Da bleibt eigentlich nur noch das sich-selbst-verändernde Gebet übrig - vielleicht gelingt es damit schließlich auch, daß sie zu einer vernünftigeren Einschätzung der eigenen Irrungen kommen!

Bekehrung und psychische Krankheit.

Wir neigen dazu, einen "Bekehrten" als psychisch Kranken (oder zumindest als einen "mit Hau") abzustempeln, denn es paßt natürlich nicht, daß einer aus dem allgemeinen Trott ausschert.  Damit ist für uns normale Menschen dann die Sache erledigt. Und es stimmt ja auch sehr oft ganz offensichtlich mit dem "Hau"!

Doch so einfach ist die Sache nun wieder auch nicht. Das Problem ist, daß an der Sache, die der "Bekehrte" im Kopf hat, schon etwas dran ist! Und im Allgemeinen ist seine Analyse sogar sehr richtig: "Einen Hau zu haben", ist nun einmal auch kein wissenschaftliches Kriterium, ob man etwas richtig oder falsch sieht. Es gibt derart verfahrende Situationen, daß nur "Sonderlinge" oder vor allem "Querdenker" überhaupt in der Lage sind, noch etwas Falsches zu erkennen und gegen den Strom zu schwimmen. Allerdings ist eben doch etwas falsch: nämlich ihre Therapie!

Denn auf Grund ihres gestörten Gebrauch-und-Mißbrauch-Gefüges stecken unsere "Bekehrten" ja voller Ängste und diese Ängste bauen sie nun in ihre Lösungen mit ein. Und heraus kommt ein Konzept, das zumindest auf Dauer weder das Problem löst, sie selbst krank erscheinen läßt (oder eben "mit Hau") und das schließlich auch andere sehr oft abstößt.

Beispiel: Eine allein erziehende Mutter, die aus irgend welchen Gründen mit dem Partner nicht klar kam, weiß genau, daß ihre Tochter vermutlich ein Vaterproblem bekommt, weil sie ja keinen Vater hat. Allerdings hat sie aus den eigenen enttäuschenden Erfahrungen mit Männern wahnsinnige Ängste, daß sich ihre Tochter nun in einen älteren Mann verlieben könnte, statt ihn als Vaterersatz zu nehmen und sich entsprechend zu verhalten. Sie hält folglich - so gut sie kann - alle älteren Männer von ihrer Tochter fern oder macht sie schlecht und ist erleichtert, wenn ihre Tochter schließlich eine "Dauerbeziehung" mit einem etwa gleichaltrigen oder nur wenig älteren Jungen anfängt. (Gegen eine Kameradschaft oder eine Bruder-Schwester-Beziehung wäre ja nichts einzuwenden, doch erfahrungsgemäß "passiert immer mehr" und damit wird eine solche Beziehung überstrapaziert und die möglichen Vorteile verpuffen.) 

Die Analyse des Problems der Tochter war gewiß richtig, daß sie ein Vaterproblem hat. Doch daß sie dem Mädchen überhaupt keinen Vater gönnt, ist falsch. Denn das Mädchen hätte zuerst einmal eine wirkliche Vaterfigur gebraucht. Und die hätte sie dem Mädchen "besorgen" sollen. Dabei hätte es durchaus schon ein engagierter Lehrer, ein Priester oder auch ein Bruder der Frau oder sonst ein alter Freund getan. Das Problem ist natürlich: Wo gibt es einen solchen geeigneten "Vater" schon, auf wen ist wirklich Verlaß, wie kann man es anstellen, daß man nicht "einen Bock zum Gärtner" macht - und kann die Mutter mit ihrem Männerproblem den überhaupt finden? Sie ist ja sozusagen von daher darauf angelegt, genau die vernünftigen Männer zu verprellen. Der Tipp von basisreligion in einem solchen Fall: Ein gutwilliger Freund wird ihre Situation erkennen und mit ihm kann sie zusammenarbeiten, damit in irgendeiner Weise eine Beziehung entsteht, die zwar nahe ist mit allem, was dazu gehört, doch in der auch eine Art Inzesttabu mitschwingt - wie eben in einer normalen Vater-Tochter-Beziehung.

Bedenken wir: Auch die schlimmsten Verbrecher hatten ihre Bekehrungserlebnisse...

Auf ihre Weise waren auch Adolf Hitler, Josef Stalin, Bin Laden, Saddam Hussein "Bekehrte". Und an ihrer Analyse der menschlichen und politischen Probleme war gewiß vieles richtig. Doch ihre Lösungen waren dann fast nur noch verbrecherisch...

 

Wie man lästige Bekehrungsversuche kontert

 

Ein Besucher der Website ("Walter") schrieb im Februar 2005 (in Auszügen):

Meine Frau hat unsere Beziehung für gescheitert erklärt, und alles läge nur an mir. Es gab eine bösen Streit mit bösen Worten. Ich weiß, ich war verletzend.

Auf der Suche nach Antworten bin ich auf Deine Seiten gekommen. Mir gefällt sehr die offene direkte Sprache, endlich wird nicht um den „heißen Brei“ geredet, sondern so wie es ist. Meiner Meinung nach sind Psychologie, Soziologie und Theologie etc. Wissenschaften, die nicht alleine dastehen sollten, wenn es um so grundlegende, wichtige Dinge wie Liebe Partnerschaft etc. geht. Mir haben Deine Erklärungen zum Thema Partnerschaft, Liebe und so weiter einiges klarer werden lassen - ich hätte dies alles gern als junger Mensch auf den Weg bekommen, dann wäre mir vermutlich einiges erspart geblieben., und die jetzt herrschenden Schwierigkeiten gäbe es dann wohl auch nicht.

Ich hadere nicht mit dem Schicksal, ich wäre nicht der der ich bin, hätte ich nicht erlebt was ich erlebt habe, und wäre jetzt nicht der, der Dir schreibt. Ich habe auch langsam wieder etwas Mut bekommen, die Probleme doch zu meistern, und den Willen, es mit Hilfe – vielleicht Deiner – zu einer guten und liebevollen Zweisamkeit werden zu lassen. Da meine Frau stets sagt, dass ich derjenige bin, der die Probleme bereitet, bin ich nun bereit, mich zu verändern, weiß aber nicht recht wie. Sie sagt, ich solle auch einige Nächte auf den Knien verbringen um den Herrgott um Vergebung zu bitten, ich muss allerdings sagen, und nimm meine Rede bitte nicht als Blasphemie, bin ich eher ein Heide, der sich auf den Berg setzt, um Gott zu suchen (die Zeiten der Berserker, welche die Grenzerfahrung in der Schlacht suchten und sich damit Gott nahe wähnten sind ja nun wohl endgültig vorbei – auch halte ich ein solche Unterfangen heute für wenig praktikabel...)

Meine Frau ist sehr gefestigt, was den Glauben angeht, sie hat die Erfahrung der Bekehrung gemacht, hat ihr Leben daraufhin geändert und ist nun jemand, der sehr gut umgeht mit der Vergebung (ich habe Deinen Beitrag gelesen und musste schmunzeln, ...dass mit der Vergeberei...die Formulierungen Deiner Beiträge sind zuweilen recht erheiternd, auch wenn es um ernste Themen geht.).

Nun hat sie mir geraten, in mich zu gehen und mich an Gott zu wenden, damit auch ich Vergebung erlange, für mich und für die, die mir schlimmes angetan haben (soweit sie mir halt bekannt sind) und denen ich schlimmes getan habe. Ich muss gestehen, dass mein Bild Gottes eher das einer undefinierbaren nicht zu erklärenden Übermacht ist, der man einiges überantworten kann, sozusagen abgeben, übergeben, weitergeben aber die einem nichts schenkt im Sinne von „ich gebe alles ab, Jesus ist für mich am Kreuz gestorben – na ja dann kann ich ja lustig weiter sündigen – so geht es meiner Meinung nach nicht, man muss schon das meiste selbst in die eigenen Hände nehmen. Ich vertraue darauf, immer genau dass zu bekommen, was ich grade brauche - nicht mehr und nicht weniger.

Und aus der Antwort von basisreligion an Walter:

Also: Diese gegenseitige Bekehrerei kann einem schon auf die Nerven gehen - und ich finde, man sollte davon die Finger lassen. Du weißt, daß ich mein Problem mit den Bekehrungen habe, daher das Stichwort.... Im Grunde sind wir ja alle gar nicht wirklich schuld an dem, was wir das hinter uns haben: Hätten wir´s besser gewußt (natürlich auch mit den entsprechenden Erfahrungen von Kindheit an), hätten wir besser gehandelt. Und das weiß auch Gott - und er wird das berücksichtigen, wenn er über uns urteilt oder urteilen sollte. Es kommt drauf an, was wir jetzt draus machen. Ob wir weiter diese Heuchelei (um es einmal so zu sagen) praktizieren und an andere weiter geben usw... Und wenn ich nicht schuld bin, brauche ich auch nicht zu vergeben oder so, also nach vorne blicken...
 
Auch ich bin ja vor Bekehrungsversuchen anderer nicht gefeit. Ich weiß nicht, was da manche Leute denken, wenn sie meinen, sie müßten mich bekehren, zuletzt etwa eine Studentin, aber schon vor langer Zeit hatte mir mal eine Nonne einen Bildband zu Rembrandts Bild vom Verlorenen Sohn geschenkt, gewiß lieb gemeint, doch etwas daneben... Inzwischen gehe ich in solchen Fällen bisweilen zum Angriff über (nach Clausewitz ist Angriff die beste Verteidigung - was natürlich nicht immer stimmt): Ich empfehle dringend, die Susannageschichte zu lesen (und weigere mich, zu diskutieren, wenn der andere das nicht tut),  und erkläre sozusagen die Bibel neu - und wenn meine Gesprächspartner da nicht mitgehen, durchaus auch Frauen, dann komme ich mit dem Argument Hartherzigkeit, gegen die schon Jesus (vergeblich) anging... Genau aus diesem Grund habe ich dazu auch das Stichwort gemacht.
 
Und dann kann man eine Art Vertrag schließen: Ich bekehre dich nicht weiter und du bekehrst mich nicht.... Denn es ist doch noch längst nicht richtig klar, wer den wahren Jesus kennt!
 
Also: theologisch fit machen (dazu habe ich meine Website gemacht) und dann "aus der Tiefe des Raumes" zum Angriff übergehen. Das ergibt so nebenbei viele vernünftige Gespräche - und man kommt sich näher... (falls einem an dem anderen überhaupt liegt).

Und wieder Walter:

Also lag ich doch nicht so verkehrt, habe mir schon so etwas gedacht, es sollte keiner für sich in Anspruch nehmen, Jesus wirklich zu kennen und damit dogmatisch auf Leute loszugehen, sie sozusagen überfahren. Mittlerweile weiß ich auch, dass immer zwei dazugehören, wenn es schön ist, genauso aber auch, wenn es daneben geht - jeder hat seinen Anteil, um nicht von Schuld zu reden, was ja gemeinhin problematisch und unbequem ist.

Und noch einmal von basisreligion:

Ganz verstehe ich Deine Frau wirklich nicht bzw. mir ist sehr unklar, warum Dich Deine Frau so unter Druck setzt. Wenn sie doch von ihrer Vergebungsfähigkeit so überzeugt ist? Und dazu gehört doch vor allem, den anderen anzunehmen, so wie er ist. Wie kann ich von Vergeben reden, wenn ich das nicht tue? Vor allem, wenn dem anderen ja ganz offensichtlich an der Beziehung gelegen ist?

Hier ein Mailwechsel Juli 2005:

Hallo,
 
zum ersten - die Seite ist inhaltlich wirklich gut, und da ich nur den Teil über Sex vor der Ehe gelesen habe, und wirklich erfreut bin, das es noch Menschen gibt, die sich auch an die Bibel halten wollen, ein Lob; -)
 
Trotz alledem habe ich eine wichtige Frage.
Was ist mit dem Pärchen, das ein halbes Jahr zusammen ist, sich schon ein Jahr kennt, und sich an alles in der Bibel halten will,
sich wirklich kennt, die ersten 4 Monate nicht einmal einen Kuss gewechselt hat (geschweige denn mehr) -
Und jetzt trotzdem kaum weis, wie man die Begierden am Partner noch bremsen soll. Beide Menschen in dieser Beziehung haben vor dieser Beziehung mehrere Beziehungen gehabt, (auch Sex)
und sind seit >1,25 und <1 jahr Christ.
Sie wollen es von ganzem Herzen, aber sie schaffen es nicht. Und auch die Regeln die gesetzt wurden helfen nicht.
 
Was dann?

Simon

Antwort von basisreligion:

Lieber Simon!
 
Besten Dank für Deine Mail - und ich freue mich, daß ich hier Ansprechpartner bin!
 
Und jetzt zu dem Pärchen: Das ist natürlich ein schwieriges Problem - um es mal deutlich zu sagen, da weiß ich auch nicht weiter! Und genau das, daß ich in "solchen Fällen" nicht weiter weiß, ist der Grund, daß ich mich in meiner Website so engagiere, denn da geht es ja darum, Kinder so zu erziehen, daß "solche Situationen" von vornherein vermieden werden. Denn wenn "solche Leute" "nachher" ihre Bekehrungserlebnisse haben, so ist das doch ein Zeichen, daß sie an und für sich ernsthafte Menschen sind, und Kennzeichen ernsthafter Menschen ist doch, daß sie auch von vornherein anders gehandelt hätten - wenn sie es nur vernünftig gewußt hatten... Also habe ich mich darauf "spezialisiert" - und habe dabei auch festgestellt, daß vieles in unseren Kirchen, wohl ursprünglich einmal genau darauf abgestimmt war und heute nicht mehr als das erkannt und angewendet wird. Doch das Problem bei diesem Erziehen "jungfräulicher Menschen" ist, daß das die, die eben "das" schon hinter sich haben, im Allgemeinen nicht mehr verstehen (können oder wollen), und daß die, die es noch vor sich haben, eben etwas "ganz anderes" brauchen.
 
Und so habe ich etwa für junge Leute die Gandhi-Methode beschrieben, wichtig ist auch, daß die jungen Menschen dafür auch wirklich nachdenken und miteinander reden müssen. Es könnte ja auch sein, daß der Sinn der Taufe junger Leute in der frühen Kirche nur so nebenbei ein Sündenabwaschen war (die jungen Leute hatten ja noch keine), sondern - die Taufe fand ja komplett nackt statt - die Überwindung der Leibfeindlichkeit und stattdessen das Anlegen der Rüstung des "heiligen Geistes" - was auch mir heute vorschwebt.
 
Ach ja zur frühen Kirche: Es scheint so, daß die Situation "Deines Pärchens" genau diejenige ist der frühen Christen: Auch die hatten ja wohl alle ihre Erfahrungen und wandten sich durchaus auch aus dem Grund dem Christentum zu, damit ihre Kinder in eine andere Welt hineinwüchsen, in der es diese Erfahrungen nicht mehr zu geben bräuchte. Und die Freude über dieses Gelingen strahlt dann auch auf die Eltern zurück: Gott hat jetzt wirklich verziehen!
 
Doch zu Deiner Frage: Was soll das Pärchen jetzt machen? Eine Besucherin war auch in dieser Situation und gab mir diesen Tip: Sie würde erst einmal die Phase der Ästhetik nachholen und die Gandhi-Methode... Und genau dabei ist ja das Miteinanderreden das Wichtigste! Ansonsten sollten die jungen Leute in diesem Fall vielleicht sogar etwas größzügiger sein und sich nicht unnötige Qualen antun - aber ich weiß, es ist schwierig, hier einen Rat zu geben!
 
Tschüs und alles Gute!
 
Michael P.
 

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English !