CHRISTLICHE KONFESSIONEN (Bekenntnisse) oder christliche Kirchen sind so vielfältig, daß hier nur ein ganz grober Überblick gegeben werden kann. Bereits in den ersten Jahrhunderten kam es zu zahllosen Streitereien über die Person und die Botschaft Jesu, bis es dann vor etwa tausend Jahren zur großen Spaltung zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil der Christenheit kam: Fortan existierten im Osten vor allem die "orthodoxen" (= "rechtgläubigen") Kirchen und im Westen vor allem die "katholische" (= "allumfassende") Kirche. Von der westlichen Kirche spalteten sich dann etwa vor fünfhundert Jahren die evangelischen Kirchen ab, bei denen es dann immer wieder zu weiteren Gruppierungen kam. Ursachen der Spaltungen waren eigentlich immer Entfremdungen von der Nachfolge (siehe auch christlicher Glaube).

Begonnen hatten diese Entfremdungen vermutlich schon wenige Jahre nach dem Tode Jesu, als vom vermutlich wirklichen Anliegen Jesu abgegangen wurde und Glaubensgut aus anderen Religionen übernommen wurde, um Jesus zu erklären und aufzuwerten. Während diese ersten Verfälschungen eher äußerlicher Art waren, waren diejenigen durch die Einflüsse der Gnosis in den ersten Jahrhunderten hintergründiger und wohl noch verheerender, da sie die Botschaft Jesu völlig umkrempelten, indem sie sein Anliegen von der Erlösung in eine künftige jenseitige Welt verlagerten. Dazu kam dann noch im Laufe der Jahrhunderte bis heute bisweilen weitgehende Verweltlichung mit Machtstreben und Sittenverfall des jeweiligen kirchlichen Establishments.

Natürlich blieben auch die jeweils abgespaltenen Kirchen von dem Verfall nicht verschont (siehe Dekadenz), weswegen sie sich ja eigentlich einmal selbständig gemacht hatten. 

In starker Vereinfachung können die wichtigsten Kirchen wie folgt charakterisiert werden (allerdings verwischt sich das alles heute ein wenig):

-     Das Problem der orthodoxen Kirchen ist die Erwartung der Erlösung in einer jenseitigen Welt durch Erstarrung im Kult (schöne traditionelle Gesänge, schöne Bilder, inniger Gottesdienst, was alles auch zumindest teilweise direkt vom alten heidnischen griechischen Kult übernommen wurde), 

-     das der katholischen Kirche mit ihrem Oberhaupt, dem Papst, ist die Erwartung der Erlösung durch Erstarrung im Tun von Werken (siehe Ablässe) in der Vermischung mit allem möglichen nichtchristlichen Ideengut (siehe Synkretismus) und der Rechtfertigung von alledem mit ausgefeilter Dogmatik ("Glaubenssätze mit komplizierten und unverständlichen Beweisen").

-     und das der evangelischen Kirchen ist die Erwartung der Erlösung durch Erstarrung im Glauben, also im Fürwahrhalten aller möglichen Unglaublichkeiten über Jesus (siehe Rechtfertigungslehre und Sacrificium Intellectus), die dem wirklichen Jesus vor zweitausend Jahren vermutlich gar nicht einmal bekannt waren, und in der Diskussion darüber. Es könnte auch sein, daß ein Missverständnis der Worte Martin Luthers, daß nämlich die "Werke" unwichtig seien, wichtig sei allein der "Glaube", sich nicht nur auf unser Glaubensverständnis in allen westlichen Kirchen (also auch in der katholischen) ausgewirkt hat, sondern auch nicht unwesentlich zum Primat des Glaubens und damit zum heutigen Sittenverfall beigetragen hat. Die Meinung mancher, mit denen ich über das Konzept basisreligion diskutiert habe, ist nämlich durchaus, daß auch alle Normen im Sexuellen von der Idee der "Freiheit eines Christenmenschen" her (auch das sind mißverstandene Worte Luthers!) unwichtig seien, man könne da letztlich machen, was man wolle, wichtig sei eben allein der Glaube (was auch immer darunter zu verstehen ist). Luther hatte allerdings mit den "Werken" keinesfalls die Abschaffung der Zehn Gebote gemeint (oder doch? Siehe unter Martin Luther!), sondern die Bußleistungen (zur Vergebung) im Sinn der Ablaßbriefe (siehe Ablass) und auch mit der "Freiheit" keinesfalls eine sexuelle Freizügigkeit, sondern die Freiheit, eigene Wege zu Gott im Sinn der Bibel zu finden (Anmerkung: Luthers "Freiheit" ist gewiß eine andere als die Freiheit, um die es in der Diskussion zwischen Jesus und dem Großinquisitor geht). Doch wir wissen ja, die Menschen sind erfinderisch, wie sie mit ganz offiziell "rechtgläubigen" Gründen moralische Normen aushebeln können (siehe Dünnbrettbohrer)! 

In jedem Fall war das Ergebnis eine Art Priesterreligion mit einem Primat des Glaubens (siehe Glaube und Moral), gegen das sich Jesus zu seiner Zeit ausdrücklich engagiert hatte.

Allen Konfessionen dürfte gemeinsam sein, genau alles das zu verdrängen, was auf den wirklichen Jesus in den überlieferten Schriften hinweist und was wir nach den Gesichtspunkten der Plausibilität dazu mit gutem Gewissen ergänzen können. Nach unserem Glauben können eigentlich nur wir in unseren Konfessionen es sein, die etwas falsch machen, denn ansonsten würden wir ja Jesus unterstellen, daß er etwas falsch gemacht hat, wenn die (wohl meisten) Menschen heute ihn nicht akzeptieren (wollen).

Doch statt wirklich in uns zu gehen, berufen wir uns lieber auf den sogenannten Christus des Glaubens (siehe Kerygma), also auf den Jesus, der bereits von den Verfassern der Evangelien unter "public-relation"-Gesichtspunkten verändert wurde, um ihn den damaligen Zeitgenossen verständlich zu machen.

Und diesen Änderungen wird nun im Laufe der Kirchengeschichte bis heute mehr oder weniger stark Bedeutung beigemessen, sie werden mehr oder weniger verschieden interpretiert - und das ist dann der inhaltliche Unterschied der einzelnen Konfessionen. Darüber hinaus finden sich sogenannte Fundamentalisten (oder auch Traditionalisten) in allen Konfessionen, die nur eine strikte Rückkehr zu weitgehender Wörtlichnahme des alten Glaubensguts akzeptieren - oder eben zu entsprechender Dogmatik. Allerdings geht es keiner der christlichen Konfessionen mehr von vornherein um das diesseitige Glück der Menschen, also um deren Einheit von Leib und Seele, sie alle fühlen sich dafür nicht so recht zuständig (siehe auch Hartherzigkeit), sondern sehen die Erlösung des Menschen mehr oder weniger in einer späteren, irrationalen Welt.

So interpretiert zur Zeit auch keine der Konfessionen den Sündenfall des mythologischen Urpaars Adam und Eva ausdrücklich als Stellungnahme gegen die Verachtung der Frau durch die kultische Prostitution (siehe Tempelprostitution) und Plädoyer für ihre Aufwertung als Gefährtin und auch nicht den Einsatz des vermutlich wirklichen Jesus, diesem Konzept wieder Geltung zu verschaffen (siehe auch Jesus und die Sünderin und Erlösung). (Wenn sich heute etwas im Hinblick auf die Gleichwertigkeit der Frau tut, dann vor allem deswegen, weil es in einer modernen Welt einfach anliegt, ob das allerdings immer so christlich ist, was dabei herauskommt?) Alle Konfessionen dürften sich da in irgendeiner vom Kern der biblischen Botschaft ablenkenden Deutung verstiegen haben, mit der sie ihre Existenzberechtigung vertreten und sich bisweilen auch noch untereinander bekämpfen, oft auf Kosten ihrer Gläubigen.

Unsere Aufgabe kann daher nicht sein, hier für die eine oder die andere Auffassung Partei zu ergreifen und die eine oder die andere Konfession zu bevorzugen. Das Beste, was wir tun können, ist, wenn wir zunächst einmal versuchen, daß innerhalb der Konfession, in die wir nun einmal hinein geboren sind, daß die Idee Jesu vom Reich Gottes (nicht zu verwechseln mit Gottesstaat!) oder eben diesseitigen Paradies Wirklichkeit wird. Es macht keinen Sinn, immer wieder neue Gruppierungen aufzumachen. Immerhin ist etwa der Verdienst der evangelischen Kirchen, daß bei ihnen auf die Erforschung der Bibel den größeren Wert gelegt wird und es auch zu hervorragenden Einsichten gekommen ist. Doch schließlich landete die Forschung in einer Sackgasse: Bei der Suche nach dem wirklichen Jesus stieß man auf die Gemeindetradition - und die entpuppt sich bei näherem Hinsehen immer mehr als ziemliches Chaos, so daß man daraus über den wirklichen Jesus doch nicht so viel und zumindest auch nichts Entscheidendes entnehmen kann! Und die Katholiken landen mit ihren vernunftmäßigen Begründungen für (christlichen) Glauben entweder bei der Konstruktion einer üblichen Religion oder auch Priesterreligion, wie wir sie auch mehr oder weniger im Nichtchristlichen kennen (also bei der Verehrung von Fürsprechern bzw. Heiligen und  Fronleichnam, bei Fegefeuer und Ablaß - und  im ethischen Bereich heute bei den Problemen des Anfangs des Lebens, der Verurteilung von Verhütungsmitteln und der Abtreibung, der Gentechnologie und der Euthanasie, alles schön und gut, ob das aber alles wirklich das Thema Jesu damals war beziehungsweise heute wäre? Denn Abtreibung gab es ja mit Sicherheit zur Zeit Jesu, und wenn er sich mit Frauen unterhalten hatte, wird er auch davon erfahren haben. Merkwürdig, daß davon nichts in der Bibel berichtet wird. Oder hatte er die Frauen immer nur in der Rolle der Opfer gesehen und müssen wir die Reden gegen die Pharisäer als Stellungnahme Jesu auch bei dieser Problematik werten? Können wir also diese Einstellung Jesu auch auf die anderen erwähnten heutigen Probleme übertragen?).

Jedenfalls dürften beide Konfessionen sich vermutlich mit ihren jeweiligen Stärken sehr gut ergänzen, wenn es darum geht, herauszufinden, was wirklich war und wie wir heute den Menschen dienen können.

So könnte das Bild des Jesus, wie es in basisreligion dargestellt wird, durchaus die Vorstellungen von einer katholisch-evangelischen Kooperation erfüllen: Katholisch ist die Beobachtung einer Problematik in unserer heutigen Welt und die Erarbeitung von Wegen zu einer Lösung - und evangelisch dabei ist die Überprüfung anhand der Bibelforschung und die Perfektionierung der Lösung, um es einmal so zu sagen...

Auf alle Fälle: Erst wenn in unserer angestammten Konfession wegen unüberwindlicher Mauern in den Köpfen hartnäckig kein Verständnis aufkommt und eine Klärung dringlich wird, weil vor allem Kinder zu einem geeigneten Religionsunterricht geschickt werden sollen, könnte man nach reiflicher Prüfung eine andere Konfession bevorzugen. Die Frage ist nur: Machen die es wirklich besser oder fällen wir nur "vom Regen in die Traufe"?  

95 Thesen Martin Luthers: http://www.ekd.de/bekenntnisse/149.html

Und zu den anderen Religionen siehe jüdischer Glaube, Buddhismus, Hinduismus, Islam, Schintoismus und Religionsvergleich.