-          Und wenn ich gar in manchen religionsfeindlichen Internet-Seiten blättere: Woher wissen deren Verfasser eigentlich, dass nach Abschaffung der Religion alles besser wird?

DOGMATIK (von DOGMA, gr. =  für unumstößlich, ewig und überall gültig gehaltener philosophischer, politischer oder theologischer Lehrsatz).

Nach der Lehre der christlichen Kirchen von Auferstehung und Himmelfahrt müssten doch Jesus (und bei manchen auch Maria) jetzt als quicklebendige Satelliten die Erde umkreisen.

Und das glauben wohl selbst die verknöchertsten Dogmatiker nicht: Auch sie interpretieren - na also! Dogmen können nun einmal nicht wörtlich genommen werden! Und da gibt es nun einen Interpretationsspielraum "von - bis": Man kann Dogmen als Totschlaginstrument einsetzen (bis hin zum Verbrennungsgrund für Kritiker oder Ketzer), doch man kann sie aber auch lösungsorientiert oder sachorientiert interpretieren - etwa für menschliche Probleme, die bis heute noch als unlösbar gelten!

Achtung im Februar 2017, das Stichwort wird gerade überarbeitet!

Wie es zu den christlichen Dogmen kam:

  • Wenn unser christliche Glaube für einen Menschen der heutigen Zeit weitgehend unverständlich ist und merkwürdig anmutet, so liegt das schlicht und einfach auch daran, dass er ein Kind der Spätantike ist (siehe auch Mysterienreligion) mit den typischen Göttermythen, die es damals in Ägypten, in Babylon, in Griechenland, in Rom und sogar in Indien so gab. Ja, damals (und etwa in Indien auch heute noch!) waren bei den Göttern solche Geschichten von einer Jungfrauengeburt und von dem Tod und von der Auferstehung und Himmelfahrt eines Gottessohns, der dann auch noch zur Rechten des Vatergottes sitzt, und wo dann auch noch ein Gott des Geistes hinzukommt, so dass wir eine Dreifaltigkeit vor uns haben, zwar nicht alltäglich, so doch schon vorhanden. Und in dieses Denken hat man dann diesen Jesus von Nazareth eingebaut, so kam er bei den damaligen Menschen einfach besser an, weil sie sich so und nur so einen Erlöser vorstellen konnten. Oder dachten das die christlichen Theologen nur? Doch: Was war aber nun wirklich, was war das Besondere an Jesus? Was waren die Probleme der Menschen damals? Und was geht das alles uns heute an?

  • Ja, die damalige Gesellschaft gerade im Vorderen Orient muss wohl eine ziemlich üble männerrechtliche Gesellschaft (oder auch Machogesellschaft) gewesen sein, vergleichbar etwa der Gesellschaft der Taliban oder auch der saudi-arabischen Gesellschaft heute (nur dass damals niemand sonst außer Jesus eine solche Gesellschaft als anormal empfand), die geradezu nach einem Befreier oder eben auch Erlöser schrie. Denken wir einmal an die Geschichte von der Sünderin (im Johannesevangelium), die angeblich auf frischer Tat ertappt wurde und von Männern verurteilt und zur Hinrichtung geschleppt wurde - und zwar von Männern, die allesamt nicht ohne Sünde waren, die also dasselbe getan hatten wie diese Frau – wie sich durch die gezielte Frage Jesu herausstellte. Was wurde also hier gespielt? Ich habe versucht, das kurz zu skizzieren - siehe unter kriminologischer Ansatz. Ich sehe Jesus hier sozusagen als "Ausrutscher", der einmal etwas hinterfragte, was damals so selbstverständlich war, dass es sonst niemand hinterfragte - und daher wurde er weitgehend auch gar nicht verstanden. Also wurden die Evangelien unter einem ganz anderen Aspekt geschrieben...

  • Und wir wissen nun nicht so recht, welche Stellung die Frauen damals hatten – doch wir können durchaus von den heutigen Gesellschaften in dieser Region (im Großraum), in der es ja durchaus noch bisweilen Hinrichtungen und sogar Steinigungen (!) von Frauen bei Ehebruch gibt, auf die Zustände ganz allgemein vor 2000 Jahren schließen. Es wird wohl alles auch sonst so ähnlich gewesen sein. Warum nur gibt es hier keine oder nur so wenige Untersuchungen? Und bei uns heute? Ich verweise auf das Heft (oder die Broschüre) "Zuerst einmal Spaß mit Paradieserlebnissen" - ob das denn nicht ein Indiz für eine Machogesellschaft ist, wenn Mädchen dumm und unberechenbar und unfähig für eine hohe Moral eingeschätzt werden?

  • So weit zur Theologie. Und jetzt einmal zur Praxis - und da wäre es doch wohl auch heute sinnvoll, Verhaltensweisen zu hinterfragen, die heute als so selbstverständlich gelten, dass sie üblicherweise einfach nicht hinterfragt werden? Eigentlich sollte doch klar sein, wenn wir wirklich etwas ändern wollen, müssen wir das vermeintlich Selbstverständliche hinterfragen! Setzen also auch wir bei der Sexualmoral an - und nur eben ein wenig anders als üblich: Wir haben doch seit über 100 Jahren bei uns eine "Nackedei-Bewegung". Und es ist nicht bekannt, dass die Menschen, die dabei mitmachen, irgendwie verkorkster oder sexistischer sind als die Menschen, die da nicht mitmachen, aus welchen Gründen auch immer. Ja, es scheint sogar eher das Gegenteil der Fall zu sein, dass es weniger sexuellen Missbrauch gibt, und das ist sicher auch objektiv so, also nicht nur, weil das die Nackedeileute so sagen. Und wenn wir nun gerade an die Problematik des sexuellen Missbrauchs denken, sollten wir hier nicht eine Anregung sehen, einmal in dieser Richtung zu forschen, ob Nacktheit nicht wirklich besser ist? Doch nichts dergleichen. Dabei nehmen wir heute doch ansonsten keine angeblichen Selbstverständlichkeiten mehr einfach so hin, warum denn also hier? Warum hinterfragen wir das nicht wissenschaftlich, und nicht nur, woher etwa die Scham kommt (ob sie also angeboren oder anerzogen ist) - sondern auch nach ihrem Nutzen?

Doch genau das Anliegen Jesu vom Gottesreich in dieser Welt wird natürlich verdrängt - und so werden die alten mythischen Geschichten, die inzwischen niemand mehr so recht glauben kann(siehe sacrificium intellectus) zu Lehrsätzen, die von jedem richtigen Christen blind geglaubt werden müssen. Und immer mehr entwickelt sich daraus dann eine ausgefeilte Dogmatik mit immer tollsten Sprachregelungen. 

Und wenn wir diese Dogmen heute sinnvoll umsetzen wollen, dann müssen wir immer auf das Anliegen zurückkommen, das hinter diesen Dogmen steckt! Eine Wörtlichnahme des jeweiligen zeitbedingten äußeren Rahmens ist blanker Unsinn!

Vergessen wir also die übliche Vorstellung von Dogmatik, dass sie nämlich die Lehre von dem ist, was von allen Gläubigen als Wesentliches dieser Religion ohne viel Nachdenken geglaubt werden muss und was daher der Inhalt eines allgemein verbindlichen Glaubensbekenntnisses ist.

Denn das alles bedeutet für einen vernünftigen Menschen nur zu oft ein ausgesprochenes Opfer des Verstandes <siehe sacrificium intellectus>, weil es jeder Logik, jeder Plausibilität, jeder Wissenschaftlichkeit (wissenschaftlich kann allenfalls eine Dogmengeschichte sein, also etwa wie die Dogmen entstanden sind) und bisweilen sogar noch den Grundsätzen und überlieferten ausdrücklichen Anweisungen des jeweiligen <Religions-> Stifters widerspricht und schadet im Endeffekt wirklichem christlichen Glauben mehr als es nützt. Die Verfechter der einzelnen Lehrsätze können sich schließlich nur noch auf eine übernatürliche Offenbarung berufen, die nun einmal unverzichtbarer Bestandteil ihres Glaubens seit jeher und nicht nachprüfbar ist (wodurch wir uns aber nicht wesentlich von anderen Religionen unterscheiden, denn die haben alle auch solche Offenbarungen), oder auf irgendwelche Aneinanderreihungen von Worten, die zwar zugegebenermaßen keinen rechten Sinn ergeben, zumindest keinen, über den man sinnvoll und rational diskutieren kann, sondern nur im Sinn von Vereinsstatuten gebraucht werden, weil so etwas nun einmal sein muß.

Die merkwürdigen Anlässe für die typischen christlichen Glaubenssätze:

  1. Verdrängung von Konzepten, bei denen es ursprünglich gegen konkrete Missstände ging (siehe Sündenfall, Erbsünde, Erlösung)

  2. Wörtlichnahme von Propagandamaßnahmen der frühen Kirche (siehe Kerygma und Jungfrauengeburt, Auferstehung, Himmelfahrt Jesu)

  3. Erfordernisse der weltlichen Obrigkeit, um den Staat innerlich zusammen zu halten und Gegner auszuschalten nach dem Motto: "Ein Glaube, ein Reich, ein Führer" (siehe etwa Dreifaltigkeit). Wie sehr gerade dabei (doch auch sonst!) Synkretismus im Spiel war, deutet Rupert Lay an, wenn etwa Kaiser Konstantin (321 n.Chr.) "in seinem synkretistischen Bemühen, aus Christentum, orientalischen Mysterienkulten und den manichäistischen Kirchen (Anm.: siehe Gnosis) eine staatstragende politische Einheitsreligion" errichten wollte ("Die Macht der Moral", 1991, S. 174).

  4. Einbau der Bedürfnisse des Volkes nach einer üblichen Religion - also etwa nach einer Muttergottheit (siehe Maria).

  5. Einbau der zeitgenössischen (Glaubens-)Wissenschaft in das Lehrsystem der Kirche (siehe Fronleichnam)

  6. Offizielle Bestätigung von Glaubensdingen der Tradition nach dem Motto: "Was schon so lange geglaubt wurde, kann doch nicht falsch sein!" (Ich denke hier an das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele.)

  7. So eine Art "incorporated Identity" wie im Wirtschaftsleben, die zu haben für jede Religion, also auch für unsere, angeblich unverzichtbar ist. Wenn ein solches Argument kommt, ist das schon fast peinlich, haben wir denn sonst nichts? Ist eine wirklich funktionierende christliche Ethik denn nichts mehr? Was würde denn Jesus von einem solchen Argument halten?

  8. Dekadenz in Richtung Priesterreligion: Priester können auf diese Weise von ethischen Anliegen ablenken (dazu zählt auch das Lehren der Gebote, so daß sie auch gehalten werden können, siehe Matthäus 5, 19!) und sich darauf berufen, daß sie "viel wichtigere" Aufgaben haben. Daß das Aufgaben sind, die keinem weh tun und die nichts verändern, wird allerdings nicht so schnell hinterfragt...
     

Doch ganz und gar unakzeptierbar für wirklichen christlichen Glauben sind Dogmen von den Folgen her:

  1. Wir stecken in einem argen Dilemma: Ein auf Dogmen aufbauender Glaube ist immer irgendwie festgefahren, weil nicht Probleme, die gelöst werden müssen, im Vordergrund stehen, sondern irgendwelche Sätze, die geglaubt werden müssen. Wir können also sagen, daß ein auf Dogmen aufbauender Glaube zu einer leeren Ideologie geworden und nicht problemorientiert ist. (Die Suche nach einem Konzept wie in dieser Website, wie Liebe nicht mißbraucht werden kann, interessiert fast nie oder nur so am Rande! Die übliche Rationalisierung, dass die Vollendung des Gottesreiches leider erst nach dem Tod möglich sei, ist sozusagen eine Art Offenbarungseid, dass ein Reich Gottes hier und jetzt mit der bestehenden Dogmatik nun einmal nicht zu erreichen ist...)

  2. Dazu kommt noch, dass ein auf Dogmen aufbauender Glaube immer etwas mit einem über-ich-gesteuerten Gewissen zu tun und entspricht nie wirklichem heiligem Geist. Daher "hält" ein über-ich-gesteuertes Gewissen nun einmal nicht, wenn´s darauf ankommt! Ein über-ich-gesteuertes Gewissen ist eben kontraproduktiv und führt nie zu wirklicher Moral.

  3. Die Folge ist ein typischer Dienst nach Vorschrift à la Dünnbrettbohrer, es wird also nur das gemacht, was nicht allzu viel Anstrengung kostet und wenigstens halbwegs bequem ist, was aber den Dogmen entspricht. So wird der Teufel vorzugsweise mit allerlei mythischem Brimborium bekämpft und nicht mit wirklicher Selbstveränderung und mit zweckmäßigen Strategien.

  4. Dogmen bedeuten immer Opfer des Verstandes (siehe sacrificium intellectus),  ja sie zerstören damit sogar den Verstand, der eigentlich für eine wirkliche Moral bitter notwendig wäre.

  5. Dogmen beruhen zumindest bisweilen auf falsch verstandenen "Wahrheiten" aus anderen Zeiten, die in diesen Zeiten jedoch eine wichtige Bedeutung hatten. Und für die entsprechenden Zustände heute fehlen uns nun die geeigneten Mittel. Es ist wie mit einer Medizin, die zur Bekämpfung einer bestimmten Krankheit geeignet ist. Wenn diese Medizin nun für eine andere Krankheit zweckentfremdet wird, ist sie in doppelter Weise falsch: Sie hilft bei der "neuen" Krankheit nicht und für die "alte" Krankheit haben wir auch nichts. Ein Beispiel ist die Erlösungstat des historischen Jesus: Das, wofür sie heute angeblich gilt, treibt die Leute eher aus der Kirche, und in den wichtigen Dingen, auf die die Erlösungstat eigentlich sehr gut passt, haben die Menschen nichts.   

Mit Dogmen funktioniert eine wirkliche Moral nie und damit kann es auch nie zu einem wirklichen Reich Gottes kommen, dem Ziel des Christseins. Dogmen sind also direkt kontraproduktiv zum Anliegen des wirklichen Jesus, dem es ja um dieses Reich Gottes hier und jetzt ging! Hatte sich nicht Jesus schon zu seiner Zeit genau mit solchen Leuten gestritten, die meinten, mit Glaubenswissen die Menschheit beglücken zu können und doch nur Schaden anrichteten - siehe Pharisäer?

Hinter den Theologien von  Sündenfall, Erbsünde, Erlösung, Sühnetodheologie stecken ursprünglich Forderungen einer wirklichen Moral - doch die waren recht schnell schlichtweg unbequem.

Es  ist ganz gewiss nicht so, dass der Sinn von dogmatischen Lehrsätzen auch schon von Anfang an immer so unverständlich und so vernunftwidrig war! Ähnlich wie bei Symbolen gibt es auch für dogmatische Lehrsätze zunächst einmal völlig plausible Anlässe, die allerdings später in Vergessenheit gerieten oder verdrängt und schließlich neu (und falsch) erklärt wurden. Nur: Je kompromissloser ein Anliegen ist und je einschneidender es in unsere menschliche Wirklichkeit eingreift und je mehr dieses Anliegen üblicherweise mit einem Tabu belegt ist, desto eher kommt es zu einer Verdrängung, die sich letztlich in einer nicht mehr nachvollziehbaren Dogmatik niederschlägt. Man will einfach an ein bestimmtes unangenehmes Thema nicht erinnert werden und man will es schon gar nicht lösen! 

Vermutlich ging es in der biblischen Botschaft - sowohl im Alten Testament wie im Neuen Testament - zunächst einmal um eine ethisch-moralische Zielsetzung (hier also liegt "der Hase im Pfeffer"!). Bestimmte ganz konkrete Missstände, die zwar lebenserschwerend waren und oft genug als Last empfunden wurden, jedoch tief im Bewusstsein der damaligen Menschen verwurzelt waren und auch durch Tradition, Mythologie und Religion abgesichert waren und als notwendig empfunden wurden, sollten überwunden werden. Solche Überwindung kann immer nur gelingen, wenn sie psychologisch absolut geschickt geschieht und dabei bei den Denkstrukturen der jeweiligen Menschen ansetzt. So haben reine Gesetze etwa keine große Chance, allenfalls befolgen die Menschen sie oberflächlich, jedoch in ihrem Innern hintertreiben sie alles, wo immer sie können. Wir kennen die übliche Heuchelei

Wir müssen immer von der Situation der Menschen ausgehen, aus deren Zeit die unverständlichen Lehrsätze stammen.

Derartige im Grunde himmelschreienden Missstände waren (und sind bisweilen immer noch!) etwa die Sklaverei, die Menschenopfer und vor allem der Mißbrauch der Frau in Form von kultischer Prostitution (siehe Tempelprostitution) oder in normaler Prostitution, zu der im Grunde auch die Haremshaltung gehört, wie wir sie etwa aus dem indischen Kamasutra kennen. Oder siehe auch Recht der ersten Nacht. Und auch die Beschneidung der Frauen gehört zu diesem Mißbrauch, schließlich wird sie damit zum passiven Gebrauchsobjekt für die Männergesellschaft. Von einer möglichen Partnerschaft zwischen Mann und Frau kann jedenfalls bei all diesen verachtenden Traditionen keine Rede sein. 

Sowohl in der jüdischen wie in der christlichen Tradition kam es nun zu psychologisch äußerst geschickten Strategien bei der Ablehnung des vielfältigen Mißbrauchs des Menschen: Gegen die Menschenopfer wurde etwa die Geschichte geschrieben, wie ein Vater dem Willen eines Gottes gehorsam ist, selbst wenn er seinen Sohn schlachten soll, und dafür mit der Errettung des Sohnes belohnt wird: die Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isak können wir in diesem Zusammenhang gerade noch nachvollziehen. Bezeichnenderweise haben wir bei anderen bekannten Bibelgeschichten schon mehr Schwierigkeiten, das Anliegen zu erkennen, Mißbrauch zu beseitigen: Dass es in der Adam-und-Eva-Erzählung nicht um die Erschaffung der ersten Menschen geht, sondern um eine Kritik an den zeitgenössischen Sexualkulten und Sexualpraktiken und damit auch an dem genannten Mißbrauch der Frau geht, ist uns im allgemeinen völlig ungewohnt! Auch dass Hintergrund der Zehn Gebote und besonders des Gebots von der Heiligkeit der Ehe durchaus auch der Wille für eine Abschaffung der Sklaverei ist und eine Strategie für partnerschaftliches Verhalten unter allen Menschen ist, wird nicht mehr gesehen. 

Doch das Wissen um diese Situation wird nur zu gerne verdrängt, dann ist man nämlich davon befreit, es auf vergleichbare Situationen in einer anderen Zeit zu übertragen.

Zu erfolgreich wurde nämlich die Forderung der Bibel nach einer Emanzipation der Frau und nach ihrer Bestimmung  für wirkliche Partnerschaft verdrängt, als dass wir sie noch hinter dieser Geschichte bzw. hinter diesen Geboten erkennen können! Auch die Theologie erinnerte sich mit der Zeit nicht mehr daran.

Doch da die Geschichten oder Gegenmythen nun einmal da waren und als Glaubensgut nicht einfach über Bord geworfen werden konnten, wurden sie - durchaus auch unter dem Einfluss zeitgenössischer Philosophien wie der Gnosis - neu interpretiert - und natürlich so, dass sie niemandem von denen, die das Sagen hatten, mehr schadeten. Ja, die neuen-alten Establishments hintertrieben sogar noch im Gegenteil das ursprüngliche Anliegen von der Befreiung derer, die eben nicht das Sagen hatten. Also wurden jetzt unverständliche Geschichten (oder Gesetze) draus, die schließlich den Status von Glaubenswahrheiten bekamen und Kennzeichen von "echtem" christlichen Glauben wurden.

Die Berliner bezeichnen solches Verfahren von unverschämter Dreistigkeit, wenn etwas, was vergleichsweise eine Mafia oder auch "Seilschaften" bekämpfen sollte, - etwa nach dem Verfahren Dienst nach Vorschrift - in etwas umgewandelt wird, was jetzt genau dieser Mafia hilft, mit dem hebräisch-jiddischen Begriff Chuzpe. Doch vermutlich liegt hier weniger Böswilligkeit vor sondern nur die übliche menschliche Dünnbrettbohrerei

Dekadenz - oder die raffinierten Methoden der Entschärfung des Anliegens des wirklichen (also des historischen) Jesus:

  1. Geschichten wie die Adam-und-Eva-Erzählung  wurden schlicht und einfach in Kindergeschichten von einer Schöpfung durch einen gütigen Gott umgewandelt mit Anspruch auf Wörtlichnahme. Dass sie auch heute noch nicht nur das Weltbild gutgläubiger Menschen nachhaltig ins Nichtwissenschaftliche und ins Unwirkliche abdrängen und damit diese Menschen in ihrem Denken behindern und bisweilen sogar in die Lächerlichkeit abdrängen, gehört zum System. 

  2. Die Zehn Gebote wurden zu göttlichen Gesetzen für die sowieso schon Benachteiligten, deren Befolgen oder Übertreten ewige Belohnung oder Bestrafung in einem Leben nach dem Tod nach sich ziehen.

  3. Um das Anliegen Jesu durchzusetzen, das genau in das Anliegen der Bibel passte, wurde seine Lebensgeschichte bald nach seinem Tod mit dem zeitüblichen Beiwerk (oder "Legenden") ausgeschmückt, das auf eine größtmögliche Autorität verweisen soll, so wurde er als Sohn Gottes von einer Jungfrau geboren (siehe Jungfrauengeburt), er tat Wunder und es gab vor allem nach seinem Kreuzestod seine Auferstehung und Himmelfahrt.

  4. Vor allem im Mittelalter kam es mit den Vorstellungen der damaligen (Natur-)Wissenschaften schließlich zu den Verkrustungen, die bis heute unser theologisches Denken bestimmen, siehe Fronleichnam.

Aus alledem wurden dann nicht nur ein Glaubenssystem mit immer ausgefeilterer Dogmatik vor allem von einer Erbsünde und der dann notwendigen Erlösung von dieser Erbsünde, sondern bisweilen wurden diese Glaubenssätze schließlich  noch weiter missbraucht, um Feindbilder aufzubauen und um Andersdenkende zu verfolgen. 

Inzwischen ist wenigstens bei uns das Problem der Verfolgung Andersdenkender  erledigt, vermutlich weil es sich überlebt hat, doch ist ein weiteres wesentliches Problem höchst aktuell: Nicht nur, dass aus alten und einmal sehr sinnvollen Strategien für ein ethisches Christentum sinnlose Glaubenssätze wurden, die sozusagen auch ein "Opfer des Verstandes" sind (siehe sacrificium intellectus), sondern wir werden nachhaltig daran gehindert, diejenigen neuen Strategien zu konstruieren, die dem Denken heutiger Menschen gerecht werden, wenn das Anliegen Jesu durchgesetzt werden soll! Jesus sagt selbst, dass neuer Wein nicht in alte Schläuche passt, weil diese dann undicht werden, dass also in anderen Zeiten andere Wege gegangen werden müssen. Wenn wir die heutigen Menschen zu wirklicher christlicher Moral motivieren wollen, brauchen wir nicht nur unsere sondern auch deren höchste Intelligenz, und es kann nur absolut schädlich sein, wenn wir diese Intelligenz auch noch durch faule Denkwidrigkeiten (sacrificia intellectus) zerstören!

Und überhaupt zu Jesus: Eigentlich wäre es ja normal, wenn neue Forschungsergebnisse zum "wirklichen Jesus" und überhaupt zur Bibel dazu führten, dass die Dogmatik der Kirchen geändert würde - so wie etwa Forschungsergebnisse über die Eigenschaften von Metallen den Einsatz dieser Metalle ändern. Doch in unserer Religion gelten diese Grundsätze nicht: Es ist wie in einer Addition. Da kann sich "oben" ändern, was will, das Ergebnis steht schon immer fest. Die Sätze der Dogmatik sind unantastbar, und es gibt da eine Art Zensur, damit auch ja nichts anderes behauptet wird, indem etwa den "Ketzern" die Lehrerlaubnis entzogen wird. Und das kann doch nicht richtig sein! (Allerdings kann Zensur auch offiziell durchbrochen werden - siehe dort!)

HINWEIS: Eine ausführliche Diskussion mit einem engagierten (evangelischen) Theologiestudenten über dieses Konzept des historischen Jesus finden Sie HIER!

Muss ein guter Christ - und insbesondere ein guter christlicher Religionslehrer - aber nicht an die typischen christlichen Dogmen glauben?

Die Antwort kann nur sein: Hätte ich vor 400 Jahren auch für die Hexenverbrennungen sein müssen, weil das damals gerade als typisch für "guten christlichen Glauben" galt? Aber sind Dogmen nicht etwas völlig anderes als Hexenverbrennungen, anders als die schaden sie etwa doch niemandem... Wirklich nicht? Schlechtes Handeln kommt doch immer von schlechtem Denken - oder auch: abstruses Handeln hat doch seine Ursache immer in einem abstrusen "geistigen Überbau"! Und wenn wir also schlechtes Handeln verändern wollen, dann müssen wir wohl erst einmal etwas am "geistigen Überbau" tun - sonst doktern wir doch nur wieder an Symptomen herum! Im Zweifel kann für Menschen, die wirklich Christ sein wollen, also immer nur die Lehre Jesu gelten - siehe auch unter Irrlehre!

Und im Übrigen: Der bekannte Theologe Rupert Lay wies bisweilen darauf hin: Die Kirchengeschichte berichtet davon, dass sich in der frühen Kirche schon mal Menschen nach einem kurzen Gespräch "von kaum mehr als einer halben Stunde" zum christlichen Glauben bekehrt hatten und dann so sehr Christen waren, dass sie sogar für ihren Glauben starben - und sie kannten kein einziges Dogma! Ob also etwa die jungen Leute, von denen der hl. Ambrosius berichtete (siehe unter Märtyrer) an Dogmen geglaubt hatten? Wenn wir uns demgegenüber einmal vor Augen halten, zu was für allen möglichen Schlechtigkeiten Menschen, die offiziell an alle möglichen Dogmen glauben, fähig sind, und dass diese ganze Dogmengläubigkeit also ganz offensichtlich vor gar nichts schützt...

Und "Dogmatiker" kann auch ein Schimpfwort sein!

Wegen der Unverständlichkeit, der Starrheit, der Selbstherrlichkeit und der Wirklichkeitsferne und schließlich auch der Herzlosigkeit, die bei jeder Dogmatik im Spiel sind, werden Menschen, die Unverständliches und Starres behaupten und nicht problemorientiert sind und damit auch noch selbstherrlich über andere herrschen (wollen), dogmatisch genannt. (Jawohl, christliche Dogmatiker sind zumeist tatsächlich herzlos! Lassen Sie sie doch einmal über den kriminologischen Ansatz urteilen, wie das soll alles gewesen sein, um was es Jesus ging? Wenn Menschen kaputtgehen, so war das noch nie ein Thema von Theologen - und schon gar nicht, wie man das realitätsnah verhindern kann.)

Das Gegenteil von dogmatischem Denken ist strategisches Denken: Der dogmatisch denkende Mensch ist eben dogmenorientiert und beharrt auf Denkstrukturen nach dem Motto: "Was einmal ist, ist heilig und darf nicht geändert werden", während der strategisch denkende Mensch sachorientiert ist immer wieder neu überlegt, ob ein bestimmtes Ziel - gleichgültig ob gut oder böse - mit den bekannten Mitteln tatsächlich ereicht werden kann oder ob die Strategie geändert werden muss. Wer nun in einer Pädagogik auf die unabänderliche Gültigkeit von Dogmen pocht, der erreicht letztlich nur, dass die Guten gegenüber den Bösen dauerhaft benachteiligt werden, ihnen damit unterlegen sind und schließlich so werden wie sie. Einem Dogmatiker müsste also klar sein, dass es ihm weder um das Wohl von Einzelmenschen noch der Gesellschaft geht, denn er tötet ja nachhaltig genau die schöpferische Phantasie, dringliche Probleme sinnvoll zu lösen.  

Da es in der Natur der Dinge liegt, dass ursprüngliche Zusammenhänge und Hintergründe immer wieder verloren gehen, wird es auch immer Meinungen oder Vorgänge geben, die einem dogmatisch vorkommen. Falsch wäre es, das dann auch gleich immer alles als Unfug abzutun (siehe Kritik). Richtig dagegen wäre es, dogmatische Lehren auf ihre Hintergründe und auf ihre Anliegen zu untersuchen und gegebenenfalls das Anliegen in die gegenwärtige Zeit zu übertragen und neu zu lösen.

Und hier aus einem ganz anderen Bereich ein Beispiel für dogmatisches Denken - und wie ein deutsches Gericht dieses verurteilte. Wir finden den kurzen Bericht davon in vielen Medien im Mai und Juni 2005: "Ein Schaffner darf Reisenden nicht grundlos das Aussteigen aus einem auf freier Strecke haltenden Zug verweigern, wenn sie nur so ein wartendes Flugzeug erreichen können." Näheres erfahren Sie etwa unter http://www.anwalt-suchservice.de/verbrauchertipps/index_5807.html. Kommentar von basisreligion: Der Schaffner verhielt sich dogmatisch, er interpretierte die Vorschriften der Bahn, Fahrgäste nicht auf freier Strecke aussteigen zu lassen, in unsinniger und für das Wohl der Fahrgäste kontraproduktiver Weise.Der Zug hielt ja sowieso!

Moderne Dogmen

Menschen, die sich für modern halten, denken im Allgemeinen von sich: "Wir selbst sind natürlich nie und nimmer Dogmatiker, Dogmatiker sind immer nur die anderen!"

Wirklich? Hier einige Beispiele von heutigen Dogmen oder von "Sätzen mit Dogmencharakter'":

-          Welchen wirklich rationalen Grund gibt es eigentlich, warum wir in einer bestimmten Religion sind, sei es in der katholischen, evangelischen, islamischen? Die wenigsten unter uns haben sich doch ihre Religion selbst gesucht, sie ist doch im allgemeinen das Ergebnis einer Tradition. Und das alles hat doch mit Rationalität von vornherein wenig zu tun. Ist der wahre Grund also ein dogmatischer?

-          In den Fragen der Moral sind wir doch alle irgendwie dogmatisch. Nur wenige trauen sich, den Sinn der Scham zu hinterfragen. Wo gibt es denn wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Sexualscham - also die Leibfeindlichkeit oder auch die Unnatürlichkeit - wirklich natürlich ist und vor allem auch tatsächlich zu mehr Moral führt bzw. je geführt hat? Haben also die entsprechenden angeblich unabdingbaren Voraussetzungen für Moral nicht auch Dogmencharakter? Und sind solche Einstellungen denn etwa rational, also sachlich und "undogmatisch"? (Es sieht so aus, also ob gerade hier der Kern des Pudels liegt: Die Leibfeindlichkeit steht sozusagen felsenfest - und alle andere Dogmen werden dann drumherum gebaut! Wir sind eben eine zutiefst gnostische, dualistische Gesellschaft, und keinesfalls eine christliche..)

-          Oder unsere Einstellung gegenüber anderen Menschen: "Es wird immer das Böse und böse Menschen geben!" Woher wissen wir das denn schon wieder so genau? Woher wissen wir, dass die Menschen ihr Ungemach einfach nicht anderes wollten? Haben wir sie alle gefragt? Oder schließen wir etwa von uns auf andere?

-     Die andere Einstellung ist: Warum sollte man sich überhaupt für eine Änderung so engagieren - wir können im Endeffekt doch sowieso nichts ändern? Wirklich nicht? Wo steht das denn wieder? Also ich bin auch hier nicht Dogmatiker!

-          Und wenn ich gar in manchen religionsfeindlichen Internet-Seiten blättere: Woher wissen deren Verfasser eigentlich, dass nach Abschaffung der Religion alles besser wird? 
Allerdings auch: Ist wirklich Religion unabdingbar, dass Menschen besser werden?

-        Ein merkwürdiges Phänomen finden wir bei den jungen Leute von heute (und nicht nur bei denen): Die Einstellung, das Sex vor der Ehe nun einmal sein muss, scheint inzwischen absoluten Dogmencharakter zu haben! Über das "dass" wird gar nicht mehr diskutiert, allenfalls über das "wie"! Und ob das sinnvoll ist, ob das wirklich zu etwas Positivem führt, ob man sich damit nicht unter Umständen einer Verarschung ausliefert, ob man wirklich die Erkenntnisse bekommt, die man braucht, ob das alles nicht anders geht, ist alles kein Thema! Wer gegen "Sex vor der Ehe" ist, gilt als exotisch und ist einfach out. Und auf die Vorstellung, mit einer unschuldigen Nacktheit - unter der lockeren Aufsicht von anderen Menschen - zu beginnen, kommen die jungen Leute gar nicht. Und wenn man sie darauf anspricht, sind sie entgeistert, wie kann man nur... Auch ihre Verklemmtheit hat also Dogmencharakter!

-          Dass Abtreibung oder Schwangerschaftsabbruch inzwischen normal ist, hat inzwsichen auch Dogmencharakter. Wer anders denkt, wird gar nicht mehr für voll genommen.

-          Die Kondombenutzung (oder die Benutzung anderer Verhütungsmittel) ist normal: Auch diese Behauptung hat Dogmencharakter. Undenkbar, dass wir Liebes- und Partnerbeziehungen haben, die so sind, dass wir nur dann Spaß am Eindringen haben, wenn auch Babys entstehen dürfen. Warum sollte das nicht gehen?

-          Bordelle und Prostitution müssen sein. Wer das bezweifelt, ist doch nicht normal. Wieso muss das alles sein? Ich erinnere mich an eine militärische Übung 1962 in Frankreich. Man erzählte sich in der Kompanie, dass alle Soldaten des Vorkommandos, die sich die Bedingungen des Übungsplatzes und der Unterkünfte vor Ort ansahen, nach ihrer Rückkehr ins Krankenrevier mussten, denn sie hatten sich alle mit Geschlechtskrankheiten angesteckt. Komoaniechef  und Kompaniefeldwebel waren natürlich beunruhigt, zumal sie erfahren hatten, dass es sich unter den Prostituierten in Paris herumgesprochen hatte, dass deutsche Einheiten nach Franreich kamen - wo es also Geld zu verdienen gibt. Was würden die Eltern und die Freundinnen der Wehrpflichtigen sagen, wenn die aus Frankreich mit einer Geschlechtskrankheit zurück kämen? Mit Verboten war hier nichts zu machen. Doch es gab einen Weg: Die beiden Kompanieverantwortlichen sorgten für eine ideale Bar, wo es genug und günstig zu trinken gab und wo schöne Filme vorgeführt wurden und wo man gemütlich zusammen sitzen konnte. Und das Ergebnis: Kein einziger Fall von Geschlechtskrankheit! Die Männer kamen gar nicht auf die Idee, dass ihnen etwas fehlte! Es gibt also auch kein Dogma, dass Männer "so" sind und immer Sex brauchen. Alles eine Frage der Kultur!


Und die Dogmen dieser Website?

Das ist schlicht und einfach die Biophilie: „Handle stets so, dass du durch dein Handeln eigenes und fremdes personales Leben eher mehrst als minderst.“ Und damit das ganze nicht eine leere Worthülse ist, mit der jeder schließlich doch macht, was er will, gehört dazu nun einmal die Ausrichtung des Lebens an den Zehn Geboten - und dazu gehört nun einmal auch die Monogamie! Ziel von basisreligion ist, dass diese wieder Wirklichkeit wird! (Natürlich sollen damit nicht Menschen kritisiert werden, die mehr oder weniger zwangsläufig Partnerwechsel hinter sich - oder auch noch vor sich - haben, es geht auch nicht darum, diesen Menschen irgendwelche Schuldgefühle aufzuschwatzen, sondern es geht darum, dass junge Menschen, die noch alles vor sich haben, Konzepte erhalten, dass sie diese Monogamie gern und freiwillig in die Wirklichkeit ihres Lebens umsetzen können! In gewisser Weise ist damit natürlich genau das Gegenteil von dem verbunden, was da das Dogma der jungen Leute zur Zeit <noch> ist...)

Und wie kommt man aus den Dogmen raus, wenn sie Unsinn sind?

Wir alle stehen in der Gefahr, dogmatisch zu sein, also nicht nur die Kalkmühlen in Religion, Politik und Wirtschaft. Wir alle haben höchstwahrscheinlich irgendwelchen erstarrten Ballastkram im Kopf, der oft so etwas wie ein Sinn des Lebens geworden ist, und sind noch nicht einmal bereit, über ihn nachzudenken oder ihn gar infrage zu stellen. Und das wäre eigentlich nötig, denn Dogmen in den Köpfen können wie eine Krankheit sein und sind oft kostspielig und beziehungszerstörend. Das Problem ist, dass auch hier vielleicht einmal ein sinnvoller Grund war, den wir jetzt verallgemeinern, auch dort, wo es gar nicht mehr sinnvoll oder sogar schädlich ist. 

Es ist nun eine ausgesprochene Gnade, solche Dogmen zu erkennen und zu überdenken - und wir sollten auch Gott darum demütig bitten, uns diese Gnade zu schenken, gerade hier ist das selbstverändernde Gebet im Allgemeinen hilfreich und wirksam. Und wir sollten denjenigen Menschen dankbar sein, die sich mit uns anlegen oder geradezu zanken, um uns zu einem Nachdenken über unsere Dogmen zu bringen. Die Lösung muss ja nicht unbedingt die sein, die uns dieser Zänker vorschlägt, vielleicht gibt es ja eine viel bessere? Aber irgendetwas ist schon falsch, und wenn es das ist, dass wir unsere Ansichten nicht richtig rüberbringen - vielleicht ist es aber auch das, dass es eben nicht rüberzubringen ist, weil es unsinnig ist! Bedenken wir: Nur der Mensch, der ständig bereit ist, seine festen Meinungen in Frage zu stellen, ist noch lebendig. Siehe auch Meinungsänderung!

Anmerkung: Immerhin gibt es inzwischen auch von kirchlicher Seite ein Lichtblick. Vom bedeutenden katholischen Theologen Karl Rahner (1904 - 1984) ist eine nun wirklich kritische Einstellung überliefert (Hervorhebungen durch basisreligion):

Das beschreibt, das wollen auch Rahners Gegner nicht leugnen, die Situation des Glaubens. Die Kritik entzündete sich vornehmlich an seiner Forderung nach einer neuen Kirchlichkeit, an seiner Vorliebe für eine Theologie mit "Sitz im Leben". Diese Kritik hallt bis heute nach. Schon vor dem Zweiten Vatikanum wagte er es zu sagen, dass auch nach katholischer Auffassung Dogmen ihre Zeitbedingtheit hätten, dass es nicht nur eine Geschichte der Dogmenentwicklung, sondern auch eine des Dogmenvergessens gebe. Selbst Konzilsdefinitionen zur Person Christi ("wahrer Gott und wahrer Mensch") konnten nach Rahner nicht nur als Ende, sondern auch als Anfang theologischen Denkens gedeutet werden. In seinem "Grundkurs des Glaubens" (1976) versuchte er, ohne dogmatische "Fachidiotie" das Evangelium "unbeschadet seiner Einmaligkeit und Unvergleichlichkeit so gut es geht in die Verständnishorizonte eines Menschen von heute" einzurücken.

Karl Rahner - ein berufener Sprecher der Fragenden: Warum sollten Subjektivität und Freiheit, ja selbst die Anthropozentrik, quer zum christlichen Glauben stehen? Ist nicht der Mensch der Adressat des Heilshandelns Gottes? Ist er nicht durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus in eine Anthropozentrik eingewiesen, die nicht der Gegensatz, sondern Ausdruck und Folge der Theozentrik ist? Hat nicht Paulus die Inhalte der christlichen Botschaft als Freiheit verstanden? Und war nicht die Freiheit das große Naturerlebnis der ersten Christen? "Es wird immer Karl Rahners theologiegeschichtliches Verdienst bleiben, dass er der deutschen katholischen Theologie die Tore aus dem Gefängnis der römischen Neuscholastik geöffnet hat" (Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2004/03/06/247082.html).

Siehe auch Bernhard Lohse, "Epochen der Dogmengeschichte" unter Lohse.pdf in http://www.fvtheol.uzh.ch/download/apparat/. Lohse weist hier auch auf Adolf von Harnack hin: "Dogmenbildung = Verfallsprozess".

Anhang:

Kopie eines Briefs des Verfassers an den Pfarrer (und Dechanten) einer Gemeinde, zu der besondere Beziehungen bestehen und wo sich eine Mitarbeit anbietet, die dieser Pfarrer aber nicht will. Immerhin hatte es mit dem Pfarrer (oder eben "Pastor") ein Gespräch gegeben. Hier die Kopie des Briefs:

Lieber Herr Pastor....!

Nachdem die Ferien vorbei sind (ich war mit T. bei ihrer Familie in Vietnam und dann noch in Laos und Kambodscha), möchte ich mich doch endlich einmal bei Ihnen für Ihr Gespräch bedanken. Sie können sich vorstellen, dass mir das natürlich immer noch durch den Kopf geht…

Mein Problem ist allerdings: Wir sind bei unserem Gespräch leider bei den Dogmen stecken geblieben. Ich würde ja alle Dogmen anerkennen (schließlich bin ich in meiner Ablehnung auch nicht dogmatisch!), wenn ich einmal erkennen würde, dass die fundamentalen Probleme der menschlichen Beziehungen - und das sind nun einmal die der Liebe und der Partnerschaft - heute mit diesen Dogmen besser gelöst würden (dass diese mit unserer dogmenorientierten Theologie zwar angegangen werden, doch dass wegen der Unvollkommenheit der Menschen eine Vollendung erst nach dem Tod möglich ist, ist für mich kein Argument, denn damit kann man schließlich alles begründen und wir unterscheiden uns auch nicht viel von anderen Religionen, die das genauso sehen…). Doch wie ich eben sehe, sind gerade die Dogmen eine Art Blockierung, die wesentlichen innerweltlichen Sehnsüchte und Möglichkeiten des Menschen sind letzten Endes gleichgültig. Ich habe - nach einer Anfrage aus dem Internet - in diesem Zusammenhang in meiner Website die Stellungnahme der Missiokommission komplett zitiert (unter Missio bzw. Lehrerlaubnis) und dazu nur kommentiert: „Schauen Sie sich das einmal an: Die sind überhaupt nicht sachorientiert sondern nur dogmenorientiert, es geht also bei denen nur um die Dogmen, bei den wichtigsten menschlichen Dingen wissen die überhaupt nicht, um was es geht, St. Pölten ist also wohl nicht nur rein zufällig...“

Dabei müsste man nur die Dogmen „knacken“, also auf das zurückführen, was hinter ihnen steht. Für mich war der Einstieg hier die Erbsündentheologie. Hinter der steht ja wohl eindeutig eine Entzauberung der kultischen Prostitution und dergleichen, wenn man wirklich an den Ursprung der Sündenfallgeschichte usw. geht. Man kann dieses Problem natürlich einengend ausdrücken, dass es also nur um ein nebensächliches Randproblem in irgendwelchen alten Kulturen geht, man kann das allerdings auch grundsätzlich sagen, dass es um das Werden von Partnerschaft und Liebe geht, was ja bei solchen Kulten alles mit den Füßen getreten wird. Na ja, und heute gibt es diese „Treterei mit den Füßen“ ja wohl auch noch, sie sieht eben nur etwas anders aus – doch den Sinn der Sündenfallgeschichte können wir doch nur richtig übertragen, wenn wir die Problematik in unserer Zeit damit entsprechend angehen? Und damit ist gewiss nicht nur „St. Pölten“ gemeint, was ja wieder eine Einengung wäre. Ich verstehe hier die Kirche nicht – es pfeifen doch die Spatzen von den Dächern, dass wir (ich sehe mich natürlich auch als Teil der Kirche und also verantwortlich!) hier ganz grundsätzliche Defizite haben. Hier wäre also eine Sachorientierung weiß Gott nötig. Und in der Ablehnung meines Engagements durch die „Amtskirche“ sehe ich, dass man ganz genau die nicht will und man daher lieber weiter „dogmenorientiert“ ist, denn das erspart einem das weitere Nachdenken und die entsprechende Umsetzung in die Praxis.

Ich möchte hier noch einmal betonen, dass ich gern an einer Änderung (unter der Bedingung einer echten Nachfolge Jesu!) mitarbeite, aber auch nicht mehr und nicht weniger!

Mit besten Grüßen 

Ihr  M.P.

Dazu der Kommentar eines (ehemaligen) Priesters, mit dem sich durch das Internet eine Freundschaft ergeben hat:

"Dogmen - der rechte Glaube - die Rechtgläubigkeit ("es geht nicht um Frömmigkeit, sondern um Rechtgläubigkeit" habe ich mehrmals von Bischof Krenn gehört) - Orthodoxie. Das ist wichtig für Leute, die auf Nummer sicher gehen wollen, um ein Hereinfallen auf "nicht heilbringende" Gurus oder Ideologien zu vermeiden, und um sich den Schutz der Obrigkeit zu erhalten.
Nun gibt es aber Menschen, die sich ganz gut selber in der Welt zurechtfinden, und zu denen gehörst auch Du."

Eine gute Zusammenfasssung der Dogmengeschichte der Kirche von dem Theologen Bernhard Lohse finden Sie HIER! Und ob es hier nicht deutlich wird, was ich dem Internetbesucher geschrieben habe, der mich auf diese Zusammenfassung aufmerksam gemacht und mir geschrieben hat, das ihm davon förmlich schwindelig wird:  "Ein guter Vergleich ist vielleicht der mit einem Kartenhaus - und es ist alles reine Konstruktion aus Papier und jedes Jahr, jedes Jahrhundert, jedes Jahrtausend werden neue Karten hinzugefügt, um die bisherigen zu stabilisieren und wieder bedeutend zu machen. Und es ist alles immer nur Papier - und es bleibt auch so. Und daran soll ein Gott seine Freude haben, so etwas soll ein Gott wollen? Unvorstellbar! Daher kann mir das Kartenhaus egeal sein und ich kümmere mich lieber um das meschliche Glück und um Details, selbst wenn ich damit (auch und gerade Dich!) nerve. Verzeih, das möchte ich eigentlich nicht, doch es bleibt uns doch nichts anders übrig, wenn wir wissen wollen, was swirklich ist - und was man machen kann."

 

Siehe auch ein Streitgespräch zum Thema Dogmatik und Dogmengläubigkeit!

 

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Einen schnellen Überblick der Website finden Sie in der Kurzfassung: HIER!

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