DREI KÖNIGE. Es wird auch in der Theologie immer gerätselt, was das wohl für Könige waren, die da einen Stern in ihrem Land im Osten sahen und zur Krippe kamen, um den neugeborenen wirklichen König zu begrüßen und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe zu schenken. Da sie angeblich einen Stern gesehen hatten und ihn im Sinn der Bibel zu deuten wußten und da die sonstige Geschichte nichts von Königen weiß, die um diese Zeit nach Palästina und gar nach Bethlehem gezogen waren, werden die König kurzerhand zu Sterndeutern umgedeutet, also zu Astrologen. Doch über die Astrologie, die ja immerhin auch Aberglaube ist, zu Jesus finden? Und selbst wenn nun das Auftauchen des Halleyschen Kometen oder eine andere kosmische Erscheinung wie die Begegnung der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische vor 2000 Jahren als Hinweis auf Jesus gedeutet werden können, so bleibt doch immer noch offen, wieso die Weisen aus dem Morgenland auf die Idee kamen, gerade in der Gegend um Jerusalem herum nach einem Erlöser-Kind zu suchen. Denn schließlich scheint so ein Stern ja letztlich über jedem Ort oder auch über keinem zu stehen, wenn man erst einmal in die richtige Richtung schaut... 

Und was sind das überhaupt für merkwürdige Geschenke für ein neugeborenes Kind? Gold könnte man ja noch verstehen, arme Leute können so etwas immer gebrauchen. Doch Weihrauch und Myrrhe? Versetzen wir uns einmal in die Lage der Eltern - würden wir das so gut finden?

Diese Geschichte ist ein PR-Knüller für die Leute im "Osten", die an die Wiedergeburt des - diesmal - wahren Buddha glauben

Eine Lösung kann es hier nur aus dem Zusammenhang geben. Wenn wir bedenken, daß die Geschichten von der Junfrauengeburt und der Auferstehung in die Bibel kamen, weil die Ägypter sich nur so einen wirklichen Abgesandten Gottes vorstellen konnten, die Wunder wegen der Erwartungen der Griechen und der Stammbaum Jesu und der Geburtsort Jesu wegen der Erwartungen der Juden, dann können wir uns auch fragen, was für eine Geschichte aus Gründen des Kerygmas <also wegen der "Verkündigung"> wohl für die Menschen "im Osten" in die Bibel aufgenommen wurde? Wie wurde Jesus denn dort konkurrenzfähig gemacht? Schließlich haben diese patriarchalischen Gesellschaften dort mit ihrer speziellen Frauenverachtung (siehe etwa Kamasutra) ja wohl auch eine Erlösung nötig!

Anders als bei der Jungfrauengeburt oder der Auferstehung orientierte man sich diesmal nicht an eher abendländischen <also z.B. ägyptischen> Mathologien, sondern eben an morgenländischen: Noch heute wird in Tibet, einem Land, in dem an die Wiedergeburt geglaubt wird, der Nachfolger eines verstorbenen Priesterfürsten <also des Dalai Lamas>, genauso festgestellt und verehrt, wie es in der biblischen Geschichte von den Sterndeutern berichtet wird! Sternkundige ziehen dort beim Tod des alten Dalai Lamas aus, um dasjenige <männliche> Kind zu suchen, das als nächstes nach dem Tod des verstorbenen Dalai Lamas geboren wurde, in das also dessen Seele vermutlich weitergewandert ist. Dazu überprüfen zunächst einmal normale buddhistische Mönche im ganzen Land die Geburtenverzeichnisse, die wohl in den örtlichen Klostern geführt werden und die wir mit unseren heutigen Taufregistern in den Kirchen oder Geburtsregistern bei den Standesämtern verglichen können <daher fragten unsere Weisen also beim König Herodes an>, und besonders ausgewählte Mönche huldigen schließlich dem Kind, das nach umfangreichen und schwierigen Erkundungen in dem von hohen Gebirgsketten <die nur während weniger Monate des Jahres überschritten werden können> durchzogenen Land und ihren Sternenberechnungen <den früheren Datumsvergleichen> gefunden wurde. Und diese Kindsucher bringen auch Gaben für das Kind dar, die aus dem Besitz des verstorbenen Priesterfürsten stammen. Dabei beobachten sie vor allem die Reaktion des Kindes, um festzustellen, ob es daran Interesse hat und danach greift und damit spielt <sie sagen, es erkennt seinen Besitz wieder>, und beugen so vor, daß ein völlig ungeeignetes oder gar geistig behindertes Kind Nachfolger wird, denn es gibt im begrenzten Rahmen noch die Möglichkeit, ein anderes Kind auszuwählen. Daher kam es auch zu den merkwürdigen Geschenken für ein Kind: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Wie auch bei Jungfrauengeburt und bei der Auferstehung darf der Bericht von den Heiligen drei Königen nicht als Lüge angesehen werden, er war - im Gegenteil - vor zweitausend Jahren ein völlig legitimes Mittel, den Menschen die Bedeutung Jesu plausibel zu machen - eine Art Lüge wurde erst durch unsere Wörtlichnahme daraus.

Und die Konsequenzen für die Praxis heute? Siehe unter Stichwort "Kindergarten" den Essay "Das Rätsel der heiligen Drei Könige und der `Nacktkindergartenskandal´ von Duisburg".

Allerdings: Es gibt auch noch die Möglichkeit einer völlig anderen Interpretation, dass die drei Weisen nämlich Essener sind, siehe unter Johannes!

 (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)