Eine EHESCHEIDUNG ist leider nur zu oft der letzte Ausweg aus einer verfahrenen Ehe. Sie ist im allgemeinen der Schlußstrich unter eine Entwicklung, die man bei wirklicher Menschenkenntnis eigentlich schon von vornherein hätte absehen können. Es war eben von Anfang an nicht Liebe, sondern allenfalls Verliebtheit oder gar noch weniger gewesen, vielleicht etwa irgendwelche wirtschaftlichen Interessen, was die beiden zusammengeführt hatte. Vielleicht hatte man schon früher geahnt, daß man nicht so ganz zusammen paßte, aber man hatte gedacht, die Unstimmigkeiten im Laufe der Zeit mit Kompromissen hinzubiegen. Vor allem die Liebe, oder wie man sonst die sexuelle Anziehung interpretierte, würde als tragendes Fundament schon ausreichen - und sie reichte eben nicht.

Eine wirklich lockere und unproblematische Sache (wie uns nur zu oft eingeredet wird) ist Ehescheidung keineswegs, man muß nur mehr oder weniger näher hinschauen.

Da das Scheitern einer ehelichen Partnerschaft mit großer Enttäuschung, oft genug auch mit Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit, zumindest aber mit der Aufgabe der höchsten und einmaligen Ideale von der Einheit von Leib und Seele verbunden ist, ist die Ehescheidung auch einer der gröbsten Verstöße gegen unseren christlichen Glauben. Und da nach den Zehn Geboten die Heiligkeit einer Ehe allerdings schon durch den Geschlechtsverkehr zwischen unverheirateten Paaren betroffen ist, kommt das Verlassen eines Partners, mit dem man einmal solche Beziehungen aufgenommen hatte, einer ehelichen Trennung gleich. Auch hier werden ja die höchsten Ideale von Liebe und Treue aufgegeben, falls das nicht durch ähnliche Geschehnisse schon vorher geschehen war. Das Kirchenrecht der katholischen Kirche hat allenfalls bei einer Ehe, die keine richtige war, eine Annullierung vorgesehen.

Trotz mancher Bosheit und möglicher Verantwortungslosigkeit eines Partners sollte man mit der Unterstellung von Schuld bei einer Ehescheidung oder beim anderweitigen Zerbrechen einer Partnerschaft sehr vorsichtig sein, es könnte sich um eine eigene Projektion handeln.

Kein Mensch zerstört bei sich selbst oder auch bei einem anderen bewußt und freiwillig ein so hohes Ideal, wie es eine erfüllte Ehe sein könnte. Hatte nicht jeder irgendwann einmal gehandelt, weil er es einfach nicht besser gewußt hatte? Die Schuld an einer Ehescheidung - wenn man überhaupt von Schuld reden kann - liegt also vor allem an denjenigen, die den davon Betroffenen nicht rechtzeitig (siehe Kairos) die Auseinandersetzung mit der ganzen Problematik Partnerschaft und Sexualität zugänglich gemacht hatten, ja die einen sogar nur allzu oft an solch einer Auseinandersetzung gehindert hatten, die immer wieder alle möglichen Rationalisierungen vorgebracht hatten, warum christlicher Glaube, heiliger Geist, Taufe, Erstkommunion nichts mit einem glücklichen diesseitigen Leben zu tun haben. So war man schließlich in alles das hineingeschlittert, was dann zur Katastrophe geführt hatte. Doch dürfen wir diejenigen, die uns so "falsch" erzogen haben, die uns den christlichen Glauben so entstellt vermittelt hatten, das auch wieder nicht verargen, auch sie wußten es von ihrer eigenen Erziehung früher ja nicht besser und auch sie hatten wohl unter den Folgen dieser Erziehung zu leiden. Umso verwerflicher ist es, wenn man weiß oder wissen könnte, wie man Kinder sinnvoller erzieht - und dennoch nur so weiter macht wie bisher und nichts tut. Und das ist das Problem unserer (katholischen) Kirche - und sie bestraft dann auch noch diejenigen, die etwas falsch gemacht haben, mit Exkommunikation, also mit dem Ausschluß von den Sakramenten! Siehe Scheidungsrecht.

Menschen, die von einer Ehescheidung unmittelbar als einer der Partner betroffen sind, sollten sich klar sein, daß das erlittene eigene Schicksal sich überproportional häufig bei den eigenen Kindern wiederholt (siehe Wiederholung des Schicksals).

Vor allem für Frauen ist es auch aus finanziellen Gründen wichtig, von Anfang an nicht zu blauäugig zu sein und sich um eine vernünftige Ehe zu kümmern, denn gerade für sie bedeutet eine Scheidung sehr oft einen Abstieg in die Armut. Siehe den Artikel in der WELT vom 27. 08. 2005 "Mit der Scheidung in die Armut - Besonders Frauen leiden finanziell unter der Trennung - Millionen-Kosten für den Staat" unter der Url:  http://www.welt.de/data/2005/08/27/765999.html. "Studien zeigen: Scheidung ist teuer: Für beide Eheleute - und für den Staat. Rund 214 000 Ehen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland geschieden. Ob bei der Zahlung von Prozeßkosten, bei Vorschüssen für den Unterhalt oder mit dem Auffangnetz der Sozialhilfe, immer häufiger springt in gescheiterten Beziehungen die Allgemeinheit ein. Besonders hilfsbedürftig sind Frauen..., die ihren Beruf aufgegeben haben, um zu Hause bei den Kindern zu bleiben. Dies ist paradoxerweise genau das Modell, zu dem der Staat seine Bürger ermuntert."
 

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)