EIFERSUCHT ist in der Liebe immer ein Hinweis darauf, daß irgend etwas in der Beziehung nicht stimmt, entweder bei einem selbst oder beim geliebten Partner. So eine richtige Einheit von Leib und Seele scheint nicht gegeben zu sein; falls intime Beziehungen bestehen, dann mangelt es zumindest am Gefährtesein (siehe auch Partnerschaft) oder an anderen geistigen Verbindungen. Vermutlich hatte man also von Anfang an Liebe und Verliebtheit miteinander verwechselt und so spürt man, daß man den Partner nicht "ganz" hat, weil der im Herzen woanders ist - und ist mißtrauisch. Dabei ist es durchaus möglich, daß der Eifersüchtige ohne Grund von sich auf einen anderen schließt, daß die Unterstellungen dem anderen gegenüber reine Projektionen sind, also auf eigenen Mangel hinweisen.

Sinn des Konzepts der Adam-und-Eva-Erzählung mit der Empfehlung des Erlebnisses der "Phase der Ästhetik" mit den "erlaubten Früchten" (siehe Enthaltsamkeit) und der Warnung vor den "unerlaubten Früchten" (siehe vollendete Tatsachen) ist es durchaus auch, rechtzeitig festzustellen, ob die Bedingungen für eine wirkliche Gemeinschaft tatsächlich gegeben sind. Unter Gefährten gibt es keine Eifersucht!

Bei Beziehungen, die bereits "fest" sind, ist eine spürbare Eifersucht höchstes Alarmsignal, sich etwas Sinnvolles zur Verbesserung der Beziehung zum Partner einfallen zu lassen, wenn einem noch etwas daran gelegen ist. Um bei Freundschaften oder Kameradschaften mit mehreren Personen die Eifersucht in Grenzen zu halten, sollten wir immer versuchen, ihr vorzubeugen und daher die Regeln der Äquidistanz - gleicher Abstand zu allen - von vornherein strikt einhalten.

Die Ursache der Eifersucht von Vätern: Sie wissen wie sie früher einmal als junger Hirsch mit den Töchtern anderer Väter umgegangen sind und sehen jetzt, wie die jungen Hirsche mit der eigenen Tochter umgehen.

Ein besonderes Kapitel der Eifersucht ist dasjenige von Vätern auf die Freunde ihrer heranwachsenden Töchter. Diese sogenannte Eifersucht entpuppt sich bei näherem Hinsehen jedoch fast immer als typische Furcht von Vätern um ihre Töchter. Väter nämlich hatten ja auch einmal eine Jugend und sind in dieser Jugend höchstwahrscheinlich mit den damaligen Mädchen im Sinn von Kavaliersdelikten, also von Anmache, Ausnutzung und Gleichgültigkeit gegenüber deren Enttäuschungen, umgegangen. Sie wissen also aus eigener Erfahrung um die Schäbigkeit, wie Mädchen eingeschätzt und behandelt werden (siehe ficken) und projizieren diese eigenen Erfahrungen jetzt auf ihre Töchter. Sie kennen die Rationalisierungen, mit denen sie selbst einmal alle Gedanken an die Sehnsüchte und Gefühle der Mädchen verdrängt und sich eingeredet hatten, daß es den Mädchen bei den Abenteuern immer genauso um oberflächliches Vergnügen und sexuelle Befriedigung gegangen sei wie ihnen selbst. Doch irgendwo war ihnen schließlich schon bewußt, daß das nur ein Teil der Wahrheit war, daß sie nur zu oft von der Dummheit und der Naivität der Mädchen profitierten und ihnen bisweilen sogar etwas vormachen mußten, damit sie einwilligten (siehe Verführung). Als nun diese früheren Don Juans und Casanovas dann eigene Töchter bekamen, verdrängten sie zunächst ihre Vergangenheit und spielten eine selbstverständliche Moral (natürlich eine im Sinn von Sitte und Anstand) vor. Zu einer inneren Auseinandersetzung mit dem Wesen der Mädchen und der Frauen und ihren Sehnsüchten nach Kameradschaft und Gefährtesein kam es nicht, im Grunde fehlte auch jedes echte Verständnis für die Fähigkeit der Frauen in den Kategorien von Freiheit und Emanzipation zu denken und ihr Schicksal auch in moralischen Dingen selbst in die Hand zu nehmen. Wie viele Väter unterhalten sich schon über solche Probleme mit ihren Töchtern und geben ihre Erfahrungen an sie weiter, damit die Mädchen Bescheid wissen und anders und vernünftiger handeln als die früheren Freundinnen der Väter und auch vielleicht die eigene Frau und Mutter der Töchter? Alles, was die Väter kennen, ist Abwehr (siehe Verdrängung, Tabu, Scham)!

Und dann kommen diese Töchter irgendwann einmal selbst mit Freunden an und die Väter spüren, daß jetzt andere mit diesen letztlich geliebten Töchtern dasselbe schäbige Spiel treiben, das sie früher einmal mit den Töchtern anderer Väter getrieben hatten. Kann man da die Furcht (oder auch die Ängste) der Väter bis hin zur Panik nicht verstehen? Wundert es da noch, daß Väter in solchen Situationen unzugänglich für jedes vernünftige Gespräch sind und nur zu Verboten und Drohungen bis hin zu Erpressungen ihre Zuflucht nehmen ("wenn du diesen oder jenen Freund nicht aufgibst, dann darfst du nie wieder unser Haus betreten, dann kennen wir dich nicht mehr usw.").

Die Ängste der Väter sind also weniger Eifersucht, sondern Sorge. Mädchen können solche Sorgen ihrer Väter verhindern, wenn es ihnen gelingt, ihre Väter davon zu überzeugen, daß sie ein wirkliches moralisches Lebenskonzept besitzen und sich unter keinen Umständen von den Freunden zu vollendeten Tatsachen anmachen und für dumm verkaufen lassen. Es empfiehlt sich allerdings, die Väter nicht auf deren frühere Abenteuer anzusprechen oder durchblicken zu lassen, daß man sich darüber auch nur Gedanken macht und Ahnungen hat. Wenn man selbst einem verhaßten Gegner, den man durchschaut hat, einen ehrenhaften Rückzug lassen muß, um wieviel mehr dann dem eigenen Vater, auf dessen Hilfe und Wohlwollen man schließlich ständig angewiesen ist?

Eine Oper, die das Problem "Sorge eines Vaters um seine geliebte Tochter" in ergreifender Weise anspricht, ist die Oper Rigoletto von Guiseppe Verdi.

Und noch eine Meldung von dpa: Eifersucht hat bei Männern und Frauen verschiedene Gründe. Bei Frauen lösen vor allem aufkeimende Liebesgefühle des Partners für einen anderen Menschen Eifersucht aus. Männer reagieren eher auf Anhaltspunkte für Seitensprünge der Frau. Das bestätigten Psychologen der Universität Bielefeld in drei Experimentreihen mit je zwischen 121 und 206 Probanden. Die Forscher führen dies auf die Rollenverteilung in der menschlichen Frühgeschichte zurück, die bis heute nachwirkten....
Artikel erschienen am Freitag, 4. März 2005. Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2005/03/04/604724.html.

Eine besondere Art von Eifersucht ist auch der Potenzneid! (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)