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Die EINSAMKEIT ist ein Gefühl des wirklichen oder eingebildeten Alleinseins und des Nichtverstandenwerdens, das für viele Menschen sehr schwer zu ertragen ist. Wir sind nun einmal zur Geselligkeit ganz allgemein oder wenigstens zur Gemeinschaft mit einem auf uns bezogenen einzelnen Menschen von der Natur her veranlagt.

Doch müssen wir dabei zwischen Einsamkeit und Alleinsein unterscheiden.

Der Einsamkeit zugeordnet sind eher irrationale Ängste etwa von mangelnder Menschenkenntnis oder gar von Enttäuschungen her, dem Alleinsein zugeordnet ist eher eine konkrete Furcht, weil man gerade wegen guter Menschenkenntnis (noch) nicht denjenigen anderen Menschen gefunden hat, bei dem man wirklich ganz man selbst sein kann (siehe Manselbstsein) und mit dem eine Gemeinschaft in der Einheit von Leib und Seele und damit eine Gemeinschaft ohne Einsamkeit aussichtsreich erscheint.

Daher begründete beispielsweise ein (jungfräuliches) Mädchen die Verweigerung des Geschlechtsverkehrs mit einem guten Freund, der sie darauf ansprach, ob sie sich nicht einsam fühlte, mit ihrer Furcht, dann vermutlich noch einsamer zu sein. (Er meinte hier wohl, ob sie sich nicht allein fühlte, und sie meinte, daß sie Furcht habe, sich dann einsam zu fühlen.) Dieses Argument wurde sogar sehr verständnisvoll akzeptiert, denn was hätte dieses Mädchen schon davon gehabt, nach einer solchen Erfahrung dann vielleicht niemandem mehr so recht trauen zu können, wenn es um die wirklichen seelischen Sehnsüchte nach Einheit von Leib und Seele ging?

Das Phänomen der Einsamkeit ist ein ganz wesentliches Tabu in unseren Gesellschaften: Wohl nur deswegen kann es geschehen, daß sich gerade Mädchen oft mehr oder weniger leichtfertig auf das Abenteuer einlassen, eine Geliebte zu werden. Wenn sie nur ahnten, wie die Einsamkeit für die bisweilen ein Problem ist, wenn sie verlassen werden.

Junge Menschen meinen bisweilen, daß die Einsamkeit vor allem ihr Problem sei. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, weil ihnen die entsprechenden Erfahrungen und Techniken fehlen, mit dem Alleinsein fertig zu werden. In Wirklichkeit geht es ihnen nämlich besser als vielen Erwachsenen, da sie in ihrer Situation zwei Vorteile haben: Einerseits waren sie noch nie einmal an die enge Gemeinschaft mit einem Menschen gewöhnt und haben daher bei ihrem Alleinsein auch nicht mit Entzugserscheinungen zu kämpfen.

Andererseits könnte es sich bei ihrer Einsamkeit um ein fruchtbares Alleinsein handeln, weil ihnen genau die Enttäuschungen fehlen, die für manche erwachsenere Menschen das Leben so aussichtslos erscheinen lassen.

Gefährlich kann die Einsamkeit oder das Alleinsein für einen Menschen vor allem deshalb werden, weil Menschen, die sich einsam fühlen, leichter zu manipulieren sind. Schließlich sind sie nämlich froh, wenn es wenigstens so aussieht, daß sich jemand um sie bemüht und aus ihrer einsamen Lage erlöst, es kann dann zu einer ausgesprochenen Überrumplung und Verführung kommen. Denn gerade für denjenigen, der allein ist, scheint das innige Zusammensein mit einem anderen Menschen die Erlösung schlechthin zu sein, ganz gleich, um welchen Preis es erreicht wird und was dabei schließlich herauskommt.

Wichtig vor allem für junge Menschen ist, das Alleinsein als Wert anzuerkennen und auszuhalten und als Phase der Reifung einzusehen, ohne die wahrscheinlich nie eine wirklich vernünftige Beziehung zu einem anderen Menschen zustande kommen kann. Wer immer Betriebsnudel ist und nie allein sein kann, steht auch im Verdacht, oberflächlich zu sein. Für junge unenttäuschte Menschen gilt daher: Lieber Alleinsein als Bindung an einen anderen Menschen um jeden Preis! Wenn es nämlich der Falsche ist, ist eine solche Bindung schließlich noch unerträglicher und bedeutet echte Einsamkeit.

Auch enttäuschte Menschen sollten sich genau ansehen, mit wem sie das Alleinsein beenden wollen, damit es nicht zu neuerlicher Enttäuschung kommt. Doch scheint es gerade für diese Menschen den Zeitpunkt zu geben, daß das Alleinsein schwieriger zu ertragen ist als die Einsamkeit, es kommt dann nur noch darauf an, ob überhaupt ein Mensch in der Nähe ist, gleichgültig ob man sich mit ihm zankt oder innerlich aneinander vorbei läuft. Doch wer es nicht nötig hat, sollte alles tun, damit es gar nicht erst zu dieser Zwangssituation kommt (siehe Lebenskonzept). Die vielleicht beste Möglichkeit, gegen Einsamkeit und Alleinsein anzugehen, kann durchaus das Gebet sein. Dadurch erhalten wir Kraft zum Aushalten und zuversichtlich auf eine Lösung zu warten, ohne uns zu verkrampfen und dadurch genau das Falsche zu tun. (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)