Die EMANZIPATION (ursprünglich "Entlassung des Sklaven aus der Hand/Obhut des Besitzers) oder auch "Mündigkeit" heißt, jemanden für die Freiheit fit zu machen, daß er sein Schicksal in die eigene Hand nehmen kann. Wir kennen das Wort "Emanzipation" in der Kirche nicht, der betreffende Begriff in der Kirche davon ist am ehesten "Freiheit" und bei Dostojewski gibt es in seinem Roman "Der Großinquisitor" eine Diskussion darüber zwischen diesem und dem angeklagten Jesus vor ihm. Mehr darüber unter dem Stichwort Freiheit.

Die heutige Bedeutung "Befreiung aus Abhängigkeit" greift daher zu kurz, Emanzipation sollte eigentlich mehr sein: Die "Emanzipation der Frau" etwa sollte nicht nur die Befreiung von ihrer entwürdigenden materiellen, sozialen und rechtlichen Abhängigkeit vom Mann sein, sondern auch, sie so auf das Leben vorzubereiten, dass sie wirklich gleichberechtigt ist und ihr Leben wirklich selbstverantwortlich leben kann - auch im Hinblick auf ihr persönliches Glück. Und das ist oft wohl wirklich noch gar nicht der Fall.

Wir müssen daher nach eher äußerer und innerer Emanzipation unterscheiden:

  1. Die äußere Emanzipation ist erreicht, wenn niemand mehr in seinen Rechten und Pflichten gegenüber einem anderen benachteiligt ist. Emanzipierte Menschen können dann ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten und sich mit anderen zusammentun, wenn eine Gemeinschaft zu dieser Gestaltung erforderlich ist. Der "emanzipierte Mensch" "besitzt" also etwa das Wahlrecht und kann einen Reisepass, einen Führerschein haben und ist unabhängig von der Bevormundung durch Eltern, Lehrer oder Kirche. Er kann - zumindest, wenn man nicht so genau hinschaut - frei entscheiden, welchen Beruf er ergreift, welcher Konfession er angehört und ob er sich vom Religionsunterricht abmeldet, welche Verträge er abschließt und wen er heiratet. Schließlich liegt es natürlich auch in seinem Belieben, ob und wie er sich versichert, wie er sich bei Krankheiten behandeln lässt, ob und welche Drogen er konsumiert (ganz so weit ist es bei uns glücklicherweise noch nicht), wie lange und wo er tags und nachts seine Zeit verbringt und auch, mit wem er Geschlechtsverkehr hat, ob und welche Verhütungsmittel er benutzt oder auch, ob er eine Abtreibung machen lässt oder ob er gar homosexuell wird (siehe Homosexualität).

    Es ist allerdings höchst unsicher, ob eine solche umfassende Emanzipation wirklich zum höheren Glück eines Menschen beiträgt. Nur zu oft dürfte ein derartig emanzipierter Mensch  eher als "Emanzipationskarikatur" wirken - siehe Emanze. Zu gelungener Emanzipation gehört wohl eher die 

  2. innere Emanzipation. Bevor wir von Emanzipation reden können, muss der Mensch erst einmal dafür fit sein - sonst geht es ihm wie dem Kind, dem man die Erbschaft von der Großmutter gibt, ohne dass das Kind überhaupt gelernt hat, mit Geld umzugehen. Wer ohne diese Bedingung Emanzipation befürwortet oder auch gar nicht einmal an diese Bedingung denkt, dem geht es doch nur um das Geld des Kindes!

    Und das gilt ganz allgemein, auch im Hinblick auf die Sexualmoral! Am Beispiel von zwei unterschiedlich veranlagten Menschen oder auch Menschen, die von unterschiedlichen Voraussetzungen herkommen, wird deutlich, um was es geht. Denn für einen aus irgendwelchen Gründen schwächere Menschen bedeutet eine rein äußerliche Gleichstellung schlicht und einfach auch immer eine Benachteiligung - bei der sogenannten Aushandlungsmoral, wie sie heutzutage bei uns weitgehend modern ist, wird er also immer letztlich nicht wirklich in seinem eigenen Interesse handeln (siehe Egoismus). Inzwischen hat es sich wenigstens schon einmal herumgesprochen, dass man bei Leichtathletikkämpfen nicht "gleichberechtigt" Frauen gegen Männer antreten lassen kann, denn Frauen würden dabei unverhältnismäßig oft den Kürzeren ziehen. 

    Dabei sind Frauen nicht grundsätzlich schwächer, sondern sie sind nur anders veranlagt als Männer. Ursache dafür ist die unterschiedliche Rolle von Mann und Frau bei Weitergabe des Lebens, und wie das vom Körperlichen gilt, gilt das auch vom Seelischen, also bei der Erfüllung der Einheit von Leib und Seele. Wir empfinden gewiss richtig, wenn wir uns dagegen wehren, dass es da beispielsweise Sinn der Emanzipation sein soll, wenn Mädchen wie manche Jungen und Männer hier alle Hemmungen beiseite werfen und alle möglichen Abenteuer durchleben. Allenfalls wäre es ein Zeichen von Emanzipation, wenn die Mädchen so selbstbewusst und kritisch auftreten, dass sich die Jungen einer höheren Vorstellung von Moral anpassen.

Die Ungleichheit unter rein äußerlich emanzipierten Menschen lässt sich nun recht leicht künstlich herbeiführen, indem man sie etwa mit allen möglichen Tabus und Ängsten während ihrer ganzen Erziehung manipuliert.

Dadurch wird es dann nur wenigen gelingen, die entscheidenden Informationen erhalten, die zum Aufbau eines brauchbaren Realitätsbewusstseins und eines selbstverantworteten Lebenskonzepts erforderlich sind, was nun einmal wirklich die Grundlage jeglicher innerer Emanzipation ist. Bei der sogenannten Aufklärung für Kinder wird man sich so auf die biologischen Zusammenhänge beschränken und die Ambivalenz von alledem verschweigen und durch Verbote oder verbotsähnliche Ratschläge von jedem Argwohn ablenken, darüber nachzudenken. Dadurch kann man den angeborenen und daher natürlichen Egoismus von Menschen in eine falsche Richtung lenken und folglich ihre Phantasie blockieren, diejenigen Strategien zu entwickeln, mit denen sie zu einem wirklichen Sinn des Lebens gelangen können. Und so vereitelt letztlich die äußerliche Emanzipation die innere Emanzipation. Gerade junge Menschen werden durch sie um so mehr verleitet, dass sie sich nur noch tiefer in der Ungleichheit verstricken und noch abhängiger und ausbeutbarer werden als je zuvor!  Mit Erziehung hat das dann alles nichts mehr zu tun, selbst wenn es sich so nennt, sondern eigentlich nur noch mit Manipulation. Solange Menschen dermaßen in ihrem Lebenskampf benachteiligt werden, ist es blanker Hohn, von Emanzipation zu sprechen, denn hinter allem steht sozusagen das Konzept, den Benachteiligten die Erfüllung ihrer Einheit von Leib und Seele unmöglich zu machen. Und so lassen sich Menschen schließlich sogar "freiwillig" zu jener Sklavenmoral erniedrigen, die für Frauen auch immer auf eine Existenz als Dienstmagd und Dirne hinausläuft.

In einem vergleichbaren Zusammenhang hatte einmal der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King, der sich für eine wirkliche Emanzipation der Schwarzen in Amerika eingesetzt hatte, gesagt: "Einem Mann, der nicht laufen kann, ein paar Schuhe zu geben - das ist wirklich ein grausamer Scherz." Wer nicht erst einmal für die Emanzipation fähig gemacht wurde, dem hilft sie nicht im geringsten, sondern schadet sie am Ende nur.

Ob das alles absichtlich oder unabsichtlich geschieht, ist für den Effekt belanglos, eine derartige Entmündigung des Menschen findet auch heute immer noch statt. Treueste Helfer des Patriarchats, das dafür verantwortlich ist, sind, Gott sei's geklagt, einerseits die Religionen (siehe allerdings jüdischer Glaube!) und dann noch wie bei der Beschneidung der kleinen Mädchen bei den Ägyptern letztlich wohl überall auch ausgerechnet Frauen, und nur zu oft dann noch genau diejenigen, die sich besonders emanzipiert vorkommen, also die Emanzen. Ohne sie und andere nützliche Idioten könnte sich auch eine solche Hartherzigkeit, wie die heimliche Unterdrückung einer wirklichen Emanzipation durch Vernebelung und Verschleierung durch Tabuisierung und Falschinformation und Phantasielosigkeit in der Erziehung, auf die Dauer nicht halten.

Alle anderen geistig und seelisch bedingten Benachteiligungen dürften mit dieser wesentlichen Benachteiligung im Lebenskampf zusammenhängen, wenn beispielsweise schon den Mädchen von klein auf beigebracht wird, nur Dinge zu tun, bei denen sie sich sicher und wohl fühlen, wenn Mädchen viel weniger als Jungen auf die Freiheit vorbereitet und dazu so mit der Wirklichkeit vertraut gemacht werden, dass sie auch damit umgehen können, sondern eher auf das absolute Gegenteil - die Abhängigkeit. Der Cinderella-Komplex bei vielen Frauen hat ja schließlich eine Ursache!

Irrationale Angst kennzeichnet einen nicht emanzipierten, rationale Furcht dagegen kennzeichnet einen emanzipierten Menschen.

Der nicht-emanzipierte Mensch hat überall Angst, vor Überfällen, vor Vergewaltigung, vor den berühmten Dachziegeln, die einem überall auf den Kopf fallen können, und schließlich auch vor der Bestrafung für alle seine Sünden in einem Leben nach dem Tod, kurzum er ist schissig vor mehr oder weniger allem und jedem. Und er geht immer davon aus, dass der unwahrscheinlichste Zufall gerade ihn treffen könnte. Dass ihm am Schluss dann doch alles Unglück passiert, ist für ihn eben Schicksal.

Doch der wirklich emanzipierte Mensch kennt die berühmten Fallgruben des Lebens und hat vor ihnen Furcht (umgangssprachlich würden wir hier sagen "Respekt") und weiß allerdings auch, wie etwas normalerweise nicht passiert und packt in diesem Bewusstsein Wissenskraft statt Willenskraft mutig sein Leben an. Er weiß allerdings auch, was er besser nicht tut. Und von daher hat er sich grundsätzliche Vorstellungen von Menschenkenntnis angeeignet und kennt das spieltheoretische Dilemma (siehe Spieltheorie) bei der Suche nach Glück und lebt danach. Daher wertet er auch die Zehn Gebote nicht als ärgerliche und miesepetrige Einengung des Lebens sondern als Orientierung für sein Handeln, um zu vermeiden, bei einem Drauflosleben hinterher doch sein Leben damit vergeuden zu müssen, die Suppe auszulöffeln, die er sich einmal eingebrockt hatte.

Richtig verstandener christlicher Glaube will Emanzipation schlechthin.

Sinn von heiligem Geist sind ja gerade die Informationen, die für ein gezieltes Streben nach Glück nun erst einmal eine realistische Basis darstellen. Leider hat sich in der Vergangenheit des Christentums das Anliegen der Emanzipation nur zu oft in das Gegenteil verkehrt, das Christentum wurde sogar weitgehend zum Instrument der jeweiligen Patriarchate, um Menschen, und da durchaus auch die Frauen, nur um so besser unterdrücken und ausbeuten zu können.

Als triftige Rationalisierung solcher Emanzipationsverhinderungen wird oft die Bedeutung der Eigenart einer jeweiligen Kultur angeführt, der eine Emanzipationserziehung, die diesen Namen auch verdienen würde, ja zuwiderlaufen würde. Wenn Emanzipation und Kultur sich allerdings tatsächlich gegenseitig ausschließen sollten, sollten Christen in jedem Fall die Emanzipation vorziehen! Siehe auch Geschlechterkampf, Weiblichkeitsbild, Recht der ersten Nacht. Siehe auch das Unterrichtsmodell zur Emanzipation!

Und wie sähe eine wirkliche Emanzipation nun für einen jungen Menschen - und insbesondere für ein Mädchen - aus?

Ganz einfach in dem Vorsatz: Eine sinnvolle sexuelle Selbstbstimmung! "Bevor ich also den Schritt der vollendeten Tatsachen tue, will ich erst einmal alle möglichen Schritte davor tun! Und zu denen gehört unbedingt das Erlebnis der Phase der Ästhetik. Und wer mir diese Phase nicht gönnt oder verschweigt (was auf dasselbe hinausläuft) oder gar verderben will, der will auch, dass ich unter Umständen lebenslang durch einen nur schwer aufarbeitbaren Cinderella-Komplex gehandicapt bin. Derjenige will mir also nicht Gutes - also der Nächste bitte! Und wenn das eine Religion ist, die eine solche Verweigerungshaltung hat, dann gilt dasselbe - nur das Problem ist, welche ist denn wirklich besser? Dann bringen wir es eben der unsrigen bei - wir brauchen wohl oder übel so etwas wie Gemeinde oder Kirche!

Ja, wenn das wäre, dann würde vermutlich auch das Interview in der WELT vom 6. September 2005 "Entropie des Sexuellen" - Der Philosoph Norbert Bolz (Professor für Medienwissenschaft an der Technischen Universität Berlin, Trendanalytiker und Medienphilosoph) über Machtstreben, die Harmonie des Begehrens und die Frage: Was ist die Frau?" anders verlaufen!

Norbert Bolz sagt, das größte Missverständnis sein, "dass es eine Harmonie des männlichen und weiblichen Begehrens geben könnte." Und, auf die Frage der WELT-Interviewerin, "Wenn Männer strukturell Opfer einer radikal demokratischen Rhetorik sind, wie können sie sich wieder berappeln?": "Durch eine Rhetorik, die Lust an der Geschlechterdifferenz weckt. Das ist aber angesichts der Hegemonie homosexueller Diskurse  sehr unwahrscheinlich."

Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2005/09/06/771094.html

Bedenken wir: Dass es diese Harmonie nicht gibt, hat auf alle Fälle etwas mit unserer kulturell verordneten Leibfeindlichkeit und mangelhaften Menschenkenntnis zu tun! Wir beginnen unsere Beziehungen einfach unter völlig falschen und sogar un-menschlichen Voraussetzungen! Aber das kann man doch ändern (siehe Trendwende), wenn es auch schwer sein dürfte, weil es den Sinn des Lebens all derer, die anders leben, durcheinander bringen könnte!

Und wie bringt man als Pädagoge (ob Eltern, Lehrer, Pfarrer) junge Menschen dazu, sachlich über eine echte Emanzipation nachzudenken? Siehe unter Einstieg!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English

Hinweis für einen Freund: Wenn Sie einmal etwas zu drucken haben, dann fragen Sie doch einmal ihn nach einem Angebot: http://freenet-homepage.de/lotus/satzservice.htm .