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Ein Freund hat mir eine kurze Begebenheit aus der Autobiographie der Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger, heute in den USA, aus ihrem Buch „Weiter leben“ zugemailt, die ihr vermutlich das Leben gerettet hat: Als 13jährige steht sie in langer Reihe, aus der die kräftigen 15jährigen zum Arbeitseinsatz herausgesucht werden. Die junge Sekretärin (die wohl den SS-Mann, der "selektiert", begleitet, sagt zu Ruth: „Sag, dass du 15 bist.“Als der SS-Mann meinte, sie wäre doch noch klein, sagt die Sekretärin: „Aber kräftig gebaut ist sie. Die hat Muskeln in den Beinen, die kann arbeiten.“ Ruth Klüger: „Warum tat die junge Sekretärin damals das, sie ging ein großes Risiko ein?“ Es war wohl Mitgefühl, Empathie. Natürlich freuen wir uns, wenn wir
so etwas erfahren, und sind beruhigt, dass es auch damals noch
anständige Menschen gab, die menschlich gehandelt haben. Vermutlich
finden wir uns in diesen Mesnchn wieder oder möchten uns wenigstens in
diesen Menschen wieder finden. Das
Mutter-Theresa-Phänomen Ja, da ist also eine Frau, die
sich um die Armen kümmert, um die Elenden, um die im Dreck Sterbenden
kümmert, um die sich sonst niemand kümmert. Und sie bekommt viele
Spenden, sie erhält sogar den Friedensnobelpreis. Doch deswegen geht es
uns, die im imWohlstand leben, kein wenig schlechter, wir geben ncihts
von uns ab, das uns weh tun würde, sie erhält sozusagen
Brotkrumen, die vom Tisch des Reichen fallen. Hier handelt es sich also
ganz offenscihtlich um das berühmte Feigenblatt der Moral. Und ist es bei dieser Begebenheit
der kindlichen Ruth Krüger nciht dasselbe? Denn es sind doch Millionen
umgekommen - und da gab es offenscihtlich keine Empathie, kein
Mitgefühl? Und viele haben doch mitbekommen, wie jüdischen Männer,
Frauen und Kinder - biseilen auch mit erhbenen Händen - durch die
Straßen getrieben wurden... Zu Arbeitseinsätzen - angeblich. Und auch
die Kinder? Warum kümmerte die nicht, was da passierte? Siehe etwa das
Stichwort Judenseife... Ja warum wurden die Menschen
ausgegrenzt, warum wurden sie umgebracht, warum hatte man keine
Empathie, was ging damals in den Köpfen vor? Und ich meine nun (undnicht nur
ich!), das alles von damals ist noch gar nciht richtig aufgearbeitet,
denn es geht um Dinge, die man gar nciht aufarbeiten will, siehe etwa
unter Nationalsozialismus. U. a. wird
hier auf das Bild von einer Großkundgebung hingewiesen mit dem
Spruchband "Frauen und Mädchen die Juden sind euer Verderben", über das
außer in der Website basisreligion
ansonsten nirgends im Internet eine Aufarbeitung auch nur ansatzweise
versucht wird... Ich frage mich längst, ob bei der
Leidsituation eines Menschen das
mit
dem Appell an das Mitgefuehl so klappt. Vermutlich muss der Mensch
einen entsprechenden Hintergrund haben, damit er überhaupt bereit
dafür ist. Hingewiesen wird dazu üblicherweise auf gute Familien, in
denen so etwas praktiziert und daher dann auch gelernt wird. Doch warum
klappt das dann auch sehr oft nicht, obwohl eigentlich doch solche
"guten Familien" da waren? Daher habe ich mit dem Appell an
das Mitgefühl meine Probleme, ich finde inzwischen, gerade wenn es
drauf ankäme, haben die Menschen nun einmal kein Mitgefühl. Sie haben
immer irgendwelchen Ausreden und Rationalisierungen, warum das
Mitgefühl gerade in dem Fall, in dem es eigentlich gefragt ist, fehl am
Platze ist. Ein
Mitgefühl bei menschlichen Enttäuschungen scheint es nicht zu geben -
es gibt immer genügend Rationalisierungen! Beweis: Ich hatte im Zusammenhang mit meinem Anliegen auf meinen Faltblatt damals mein Erlebnis mit dem "Besuch der alten Dame" gewählt, weil ich dachte, das muesste doch alle ansprechen. Doch irgendwie hatte ich nicht das Gefuehl. Selbst ein Freund, der mir das Faltblatt nett durchsah und überarbeitete, hatte sich in der Folgezeit nicht geändert, also mein Konzept besser zu verstehen. Das ist einfach nicht sein Thema, nicht sein Hintergrund... Das ist kein negatives Urteil, sondern das ist nun einmal so, das ist eine Feststellung, da kann man nichts machen. Jeder mag es ja selbst ansich sehen, wieviel Rationalisierungen er immer findet, dass das doch alles nicht so problematisch ist. Ein anderer Freund findet etwa immer wieder genügend Rationalisierungen,
Da ist dann einfach kein Platz
mehr für Empathie oder eben Mitgefühl für junge Menschen für deren
Enttäuschungen
"mit dem einen", die gehören dann einfach dazu zum Leben. Damit hat
sich dieses Thema erledigt, da prallen alle
meine Argumente ab. Im Übrigen: Das ist auch das
Problem von Theater- und Opernautoren und auch von Regisseuren: Welche
Mühe geben die sich sehr oft, damit die Zuschauer Empathie empfinden,
damit die merken, dass ist (sehr oft) ihr Problem, um was es da auf der
Bühne geht! Doch die Zuschauer kommen nur wegen des Spektakels, wegen
dier schönen Musik, wegen der tollen Sänger... (siehe auch unter Kulturproduktion). Von Erwachsenen ist kein Heil zu erwarten: Also muss der gesunde Egoismus junger Mesnchen direkt angesprochen werden! Das Problem ist ja auch, dass sich Menschen im Allgemeinen nur um Dinge kümmern, wo sich auch noch einen Vorteil haben. Und welcher Vorteil sollte für die bestehen, die "alles hinter sich" haben? Die geht das also schon deswegen nichts an - und den jungen Mennschen wird erfolgreich ausgetrieben, sich damit auseinander zu setzen. Dennoch versuche ich immer wieder, an die jungen Menschen heran zu kommen und dabei an ihren gesunden Egoismus zu appellieren, nach dem Motto: Niemand möchte so dumm sein wie eine dumme Blondine, niemand möchte verarscht werden, niemand möchte ausgebeutet werden, niemand möchte, dass man über ihn lacht...oder positiv: Jeder möchte wirklich Mensch sein, jeder sehnt sich nach heilen Beziehungen. Und vielleicht hat er dann auch eher Empathie für andere in diesen Dingen? Nach dem Motto: "Was du nicht willst, was man dir tut, das fueg auch keinem anderen zu!" Aber dazu muss man eben an die, die sich davon ansprechen lassen, unmittelbar herankommen - denn die, die eben nicht diese Erwartungen haben, die eben auch eine eher polygame Lebensweise gut oder akzeptabel finden könnten, bilden eine ziemlich undurchdringliche Sperre... So weit ich sehe, gibt es gerade
in den Dingen, wo es wirklich nötig sein sollte, keine Empathie unter
den Menschen - udn es ist daher auch ziemlich sinnlos, an die Empathie
von Menschen zu appelieren, um etwas besser zu machen.
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