ERFAHRUNGEN.

Wenn ich immer wieder die These von den Erfahrungen höre, die ein Mensch angeblich machen muss, dann bekomme ich immer wieder Bauchschmerzen, denn was heißt das im Klartext, gerade wenn es um die Erfahrungen mit dem Geschlechtsverkehr geht? Dabei bin ich ja gar nicht gegen alle Erfahrungen - auch und gerade nicht im Bereich der Sexualität! Ja, warum aber immer Holterdiepolter gleich alles? Der Geschlechtsverkehr ist doch nun wirklich etwas äußerst Problematisches und in manchen Kulturen gelten Frauen, die sich unverheiratet drauf einlassen, als Prostituierte. Und wenn ich etwa in Reportagen oder auch in dem wohl berühmtesten Prostituiertenroman "Fanny Hill" lese, wie Prostituierte zu ihrem Job kamen, dann drängt sich bei mir der Eindruck auf, dass ie Grenzen zwischen Nichtprostituierte mit Hobby-Affären und Prostituierte mit Profi-Affären zumindest fließend sind.

Und muss der Geschlechtsverkehr denn wirklich sein? Warum nicht ein Schritt nach dem anderen? Habt doch erst mal Spaß an unschuldiger Nacktheit und sinnvollerweise nicht im Zusammenhang mit einem Rumgeknutsche und Rumgefummle in trauter Zweisamkeit auf einem Zimmer - sondern wohldurchdacht irgendwo in schöner Natur, wo dann auch noch andere Leute in der Nähe sind und wo "man" sich nicht daneben benehmen kann und wo Ihr die Erfahrungen machen könnt, ob Ihr Euch beschützt fühlt! Und wenn es schon irgendetwas mehr sein soll, dann lasst Euch stattdessen - wo das heute nun schon mal in der Mode ist - doch lieber mal von dem Freund Eure Muschi rasieren! Wie, das traut Ihr Euch nicht? Oder das findet Ihr ekelhaft? Na, das sollte Euch aber zu denken geben! Dabei könnt Ihr doch auf diese Weise sehr gut feststellen, wie Eure Beziehung wirklich ist, ob Ihr etwa Angst haben müsst, dass er Euch verletzt, ob er sorgfältig ist, ob ihr ihm vertraut, ob Ihr Euch bei ihm wirklich fallen lassen könnt, ob Ihr stolz auf Eure Weiblichkeit sein könnt, ob Ihr Euch traut, mit ihm zu reden - und nicht zuletzt, hier wächst auch alles wieder nach, was da mal entfernt wurde - ja, hierbei gibt es sinnvolle Erfahrungen! Dagegen die Erfahrungen mit dem Sex? Und "Erfahrungen" meint ja auch immer etwas "mit mehreren Partnern" - habt Ihr Euch das wirklich gut durchdacht, ist das Eure ernste Absicht?

"Erfahrung ist eine teure Schule, aber Narren gehen in keine andere",

lautet ein deutsches Sprichwort, und der irische Schriftsteller Oscar Wilde (1856 - 1900) schrieb, dass `Erfahrung' der Name ist, mit dem jeder seine Dummheiten bezeichnet.  Der alte chinesische Denker Konfuzius sagte einmal: „Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken: Das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen: Das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung: Das ist der bitterste".

Wir sollten an diese Worte denken, wenn jemand mit seinen Erfahrungen protzt oder wenn Erfahrungen als das Normale hingestellt werden, die einfach zum Leben dazu gehören. Wäre man wirklich intelligent gewesen, hätte man sich das doch alles sparen können.

Das gilt auch und gerade für die sogenannten Ehe- und Geschlechtsverkehrerfahrungen mit verschiedenen Partnern, denn ein wirklicher Gewinn sind die im Grunde nie, für Jungen und Männer nicht und erst recht nicht für Mädchen und Frauen. Das Wort "Erfahrungen" ist im Grunde sehr oft ein Euphemismus für Enttäuschungen und von Traumata und von der Zerstörung des größten menschlichen Traums von Liebe und Harmonie in diesem einen jetzigen Leben hier.

So ist man sich schon bewusst, dass man zum Beispiel in einer Verliebtheit nicht erkannt hatte, dass der Geliebte in Wirklichkeit die eigene Hingabe gar nicht wert war. Man will sich aber nicht selbst eingestehen, dass man nicht die richtige Menschenkenntnis hatte, das schon vorher festzustellen, und eigentlich ganz schön blind und dumm war. Also macht man sich etwas vor und glaubt es auch schließlich selbst, dass solches Vertun nun einmal die Erfahrungen sind, die zum Erkenntnisgewinn über andere Menschen nun einmal unerlässlich sind. Das ist dann eine der typischen verlogenen Rationalisierungen, mit der nicht wenige Menschen leben (müssen).

Oder Pädagogen reden sich heraus, warum sie jungen Menschen nicht die geeigneten Informationen gegeben haben und Hilfestellung geleistet haben, damit die sich vernünftig verhalten und auch von sinnlosen Ängsten wie etwa die der Leibfeindlichkeit rechtzeitig befreit haben. Klar, wenn Erfahrungen sowieso zum Leben dazu gehören, braucht man nicht kritisch gegen sich selbst zu werden und sich auch keine Vorwürfe zu machen.

Wenn das mit der Notwendigkeit von Erfahrungen stimmen würde, wären wir doch eine arge Fehlkonstruktion der Natur, dass wir erst immer Fehler machen müssten, um die Wirklichkeit zu begreifen. Haben wir nicht gerade deswegen unser Gehirn mitbekommen, damit wir vor allem die Fehler mit zerstörerischer Wirkung vermeiden?

Müssen wir erst immer vom Kölner Dom mit einem aufgespannten Regenschirm hinunter springen, um zu merken, dass dieser Schirm nicht als Fallschirm taugt, müssen wir erst immer reinfallen, um zu merken, dass wir so die ersehnte große Liebe und die damit geglückte Einheit von Leib und Seele nur um so schwerer oder gar nicht erreichen?

Ursache für die angebliche Notwendigkeit solcher Erfahrungen in der Praxis unseres Lebens ist vor allem erst einmal ein mangelhafter Einsatz unseres Gehirns! Und schuld daran sind in erster Linie die falschen oder überhaupt fehlenden Informationen über unser Leben und die sich daraus ergebenden Mauern in den Köpfen von Kindheit an. Zwangsläufig kommt es dadurch dann immer wieder zu ungenügender Menschenkenntnis und zu einem gestörten Realitätsbewusstsein und in der Folge davon zu einer Unfähigkeit, ein für sich sinnvolles Lebenskozept mit wirklich brauchbaren Strategien zu entwickeln, das die schmerzlichen Erfahrungen überflüssig macht.

Wer trotz aller dieser Überlegungen und dem Zugeständnis einer sinnvollen Reihenfolge beim Umgang mit andersgeschlechtlichen Partnern immer noch meint, dass es gerade ohne die intimen sexuellen Erfahrungen nicht gehe, muss sich die Frage gefallen lassen, ob das mit den Erfahrungen nicht doch nur eine Schutzbehauptung ist und ob es ihm letztlich nicht doch nur schlicht und einfach um Abenteuer geht.

Dazu basisreligion: „Jedenfalls sehe ich es als meine Aufgabe als Pädagoge, Situationen, in die ein junger Mensch kommen kann, vorherzusehen - und ihm rechtzeitig Strategien an die Hand zu geben, damit er diese Situationen ohne schmerzvolle Erfahrungen bewältigen kann.“


Neuere Erkenntnisse der Forschung:  Auf Fehler anderer reagiert das Gehirn wie auf die eigenen.
 
Nijmegen - Für das Gehirn ist Fehler gleich Fehler - unabhängig davon, ob er selbst gemacht oder beobachtet wird. Bei eigenen Missgeschicken und bei denen anderer werden die gleichen Gehirnregionen aktiv, berichten Forscher von der Universität in Nijmegen in "Nature Neuroscience".

Bei den Tests leuchteten ganz kurz Bilder von Pfeilen auf, die entweder nach rechts oder nach links zeigten. Im ersten Teil sollten die Probanden durch Hebeldruck mit der rechten oder linken Hand anzeigen, in welche Richtung der Pfeil zeigte. Dabei wurde ihnen nach jedem Durchgang mitgeteilt, wie viele Fehler sie gemacht hatten. Im zweiten Teil sollten die Probanden einen anderen Teilnehmer bei der gleichen Aufgabe beobachten und zählen, wie häufig er den falschen Hebel bediente.

Eine falsche Antwort zeigte im EEG der Probanden ein bestimmtes Muster: Sowohl das Bewegungszentrum als auch der vordere cinguläre Cortex, der als eine Art Alarmsystem im Gehirn fungiert, reagierten auf den Fehler. Ähnlich war es, wenn die Probanden eine falsche Reaktion eines anderen Teilnehmers beobachteten.

Diese Reaktion des Gehirns sei für das Lernen durch Beobachtung sehr wichtig, schreiben die Forscher um Hein van Schie. Sie vermuten, dass Fehler bei solchen Lernprozessen eine Schlüsselrolle spielen, da die aus ihnen gewonnenen Erkenntnisse das zukünftige Verhalten prägen.

Artikel erschienen am 26. April 2004 - Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2004/04/26/269816.html
 

Es gibt natürlich auch Erfahrungen, die "man" (oder "frau") machen muss!

Immer wieder kommt es zu heißen Diskussionen auch und gerade mit Eltern, dass auch ihre Töchter nun einmal ihre Erfahrungen machen müssen. So weit so gut. Natürlich müssen sich junge Menschen die anderen ansehen und mit ihnen auch ins Gespräch kommen und etwas unternehmen - und dabei kommt es auch nach Meinung dieser Eltern keinesfalls auf den Geschlechtsverkehr an. Doch wozu steht dann immer im Raum, dass sie nichts gegen Kondome und andere Verhütungsmittel einzuwenden haben? Ja wozu braucht man die denn, wenn nicht zum Geschlechtsverkehr? Also werden Alternativen zum Geschlechtsverkehr letztlich doch nicht richtig gesucht und praktiziert, es bleibt somit alles beim alten. Und zu richtigen Strategien gegen ein Denken und Handeln à la Gespräch 2 kommt es auch nicht, auch können sich letztlich keine Konzepte einer schönen weiblichen Sexualität mit einer vernünftigen Enthaltsamkeit und einer Phase der Ästhetik entwickeln (siehe auch Gespräch 9 und Gespräch 16) und auch nicht die Gespräche unter den jungen Menschen, die zu all dieser Praxis nun einmal nötig sind.

Es bleibt also bei den typischen halben Sachen, die am Ende doch nicht weiter führen. Wir kommen nicht umhin, dass für die Entwicklung von Lebenskonzepten es also reichen muss, wenn man die letzten Erfahrungen, nämlich die des Geschlechtsverkehrs mit all den damit zusammenhängenden Problemen, lediglich im Geiste macht. Und man wird durch diese geistigen Erfahrungen genügend motiviert, Wege zu suchen, um sie im eigenen Leben zu vermeiden! Wichtig ist eben, dass die geistigen Erfahrungen auch wirklich realistisch sind!

Also noch mal: Wenn schon Erfahrungen, dann doch die, bei denen es nicht um vollendete Tatsachen geht! Warum nicht stattdessen Erfahrungen mit Dingen, bei denen sich gar nichts verändert oder die wieder nachwachsen? Siehe Phase der Ästhetik, Gandhi-Methode, Schamrasur... Vor allem gehört dazu Pfiffigkeit und Menschenkenntnis - wie in dieser Website immer wieder gesagt, jemanden für den Geschlechtsverkehr zu finden, dazu braucht ein Mädchen nun wirklich weder Pfiffigkeit und Menschenkenntnis, das schafft doch auch die doofste....

Erfahrungen und Computer

Unter  Kybernetik (siehe allerdings besser in "Mensch und Computer") ist auch dieses Problem der geistigen Erfahrungen mit dem "internen Modell der Außenwelt" beschrieben. Und es ist nciht so, dass wir das bei den "Maschinen" abgucken, sondern die Konstrukteure der Maschinen überlegen sich, wie Intelligenz beim Menschen läuft und übertragen das dann auf die Maschine. Und gerade durch deren Arbeit wird uns klar, was in uns abläuft - wenn wir uns wirklich intelligent verhalten wollen....

  (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)