Die ESSENER (oder "Essäer") sind eine asketische jüdische Gruppierung (oder auch Sekte) zur Zeit Jesu. Näheres siehe etwa im Internetlexikon von Wikipedia unter http://de.wikipedia.org/wiki/Essener.

Die Frage wird immer wieder gestellt, ob Jesus zu dieser Gruppierung gehörte, manches über Jesus klingt ja nach dieser Sekte. Doch gaben sich bisher für eine Zugehörigkeit Jesu keine konkreten Anhaltspunkte.

Nicht jeder, der für Bedürfnislosigkeit plädiert, ist auch gleich ein Mönch oder eine Nonne.

Als etwas deftiges Argument, daß Jesus nicht dieser asketischen Gruppierung oder einer anderen gehörte, wird gern die Bibelstelle Matth. 11, 19 zitiert, daß er nämlich ein "Fresser und Säufer" ist, daß er also von einer Weltverachtung, wie sie auch die Essener lebten, nichts hält (natürlich im Rahmen von Gebrauch und Mißbrauch!).

Am einfachsten ist es vielleicht, wenn wir einmal die damalige Situation in unsere heutige Zeit übertragen: Auch bei uns gibt ja es die unterschiedlichsten Gruppierungen, die nicht mit unserer Gesellschaftsordnung und dem Lebensstil der Menschen einverstanden sind und eine Veränderung wollen. Und kein Mensch denkt heute deshalb daran, etwa die Zeugen Jehovas und andere Fundamentalisten, die Marxisten, die Satanisten oder gar die Naturisten oder Vegetarier zusammen zu sehen – obwohl gerade sie ja alle etwas Neues wollen! Manches  klingt zwar nach einem inneren Zusammenhang, doch zu groß sind die Unterschiede:

-     Die einen versuchen eine grundsätzliche Veränderung mit der Rückkehr zu einer Wörtlichnahme alter Geschichten (also die Fundamentalisten)

-     andere mit einer Neuordnung der Besitzverhältnisse (also die Marxisten)

-     andere mit einer Rückkehr zur natürlichen Lebensweise (die Naturisten und die Vegetarier)

-     und wieder andere mit einer Neuordnung der Religion unter einem umgekehrten Vorzeichen (so die Satanisten).

Und so etwa muß man sich das wohl auch vor zweitausend Jahren vorstellen! Die Besonderheit des historischen Jesus (siehe auch Leben-Jesu-Forschung) war nun, daß er nicht für irgendeinen Aktionismus plädierte, der der Menschheit am Ende doch nur wieder eine neue Gruppierung beschert, sondern die verheerenden Zustände im Zusammensein der Menschen anprangert – gerade im Hinblick auf die Liebe und die Freiheit. Und dazu muß man nicht gleich welt- oder leibverachtend - oder eben leibfeindlich - werden. Die Botschaft Jesu ist die Idee einer geistigen Veränderung, eben eine Veränderung mit "heiligem Geist"!

Und genau diese Idee Jesu ist auch heute noch ganz offensichtlich so schwer zu verstehen, daß wir immer wieder versuchen, ihn vor die Karren irgendwelcher Ideologien zu spannen.

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)