Die FIRMUNG ist ein katholisches Sakrament und entspricht etwa der Konfirmation bei evangelischen Christen, die dort allerdings nicht als Sakrament gilt. Nach heutiger Auslegung bezieht sie sich auf die Treue zu unserem Glauben an Jesus und an die Kirche, was auch immer darunter zu verstehen ist, auch sollen wir durch sie ein Zugehörigkeitsgefühl für unsere Gemeinde verstärken und in ihr mitarbeiten. Das alles entspricht jedoch nicht unbedingt den Vorstellungen in der frühen Kirche, als dieses Sakrament als Bewusstmachung der (Kinder-)Taufe eingeführt wurde, sobald die jungen Christen ins Erwachsenenalter kamen.

Der uralte Segenstext gibt Hinweise auf den ursprünglichen Sinn der Firmung.

Nach frühkirchlicher Auffassung geht es nämlich keinesfalls um den problematischen Ansatz beim Glauben, sondern bei der Lebensführung, also bei der Moral - und zwar bei der im Sinn von Sittlichkeit! Die Welt war noch in Ordnung, die Moral war "im Kampf gegen die damalige dekadente Gesellschaft" das Primäre und der Glaube hatte Unterstützungsfunktion, siehe Glaube und Moral! Jedenfalls lässt der Segenstext darauf schließen, dass junge Menschen Strategien erwerben mögen, die Einheit von Leib und Seele in diesem Leben hier und jetzt zu verwirklichen. Es sieht so in diesem Punkt nun so aus, als ob den Konstrukteuren dieses Sakraments (es ist nun wirklich nicht von Jesus eingesetzt!) die Problematik Täter und Opfer voll klar war und dass sie so auch die Einsicht hatten, dass es unmöglich ist, die „Täter“ zu ändern – dass man also die möglichen „Opfer“ ändern muss. Besonders die Sieben Gaben des heiligen Geistes, die den Gefirmten zugesagt werden, weisen auf ein Kampfkonzept für die möglichen Opfer hin, damit sie „fit“ werden und geschickt und selbstbewusst ihre Einheit von Leib und Seele und keinesfalls irgendwelche religiösen Phantome anstreben können und eben keine „Opfer“ mehr werden. Im einzelnen geht es dabei um folgende Eigenschaften und Fähigkeiten:

  1. gute Menschenkenntnis (Gabe es Wissens),

  2. gute Beurteilung seiner Situation (Gabe der Urteilsfähigkeit),

  3. einen geeigneten Entschluss (Gabe des Rates, also das Konzept einer Strategie und einer konkreten Reihenfolge) und

  4. konsequente Durchführung dieses Entschlusses in der Wirklichkeit des Lebens (Gabe der Stärke oder des Mutes).

Die drei restlichen Gaben - in der offiziellen Lesart Frömmigkeit, Demut und Furcht des Herrn - sind der Wunsch der Gnade Gottes bei alledem, die nun einmal unbedingt nötig ist.

Voraussetzung für einen vernünftigen Empfang dieses Sakraments ist also ein wenigstens einigermaßen zutreffendes Realitätsbewusstsein über alles das, was mit der Einheit von Leib und Seele zusammenhängt, das natürlich nur mit entsprechenden wirklichkeitsnahen konkreten Informationen zu erreichen ist.

Und so wie die Gefirmten selbst auf die Verantwortlichkeit anderer ihnen gegenüber angewiesen sind, sollten sie unbedingt an ihre eigene Verantwortlichkeit für andere denken. Die Firmung ist nämlich auch ein "Sakrament der Öffentlichkeit". Wer auf die Erfahrung wirklicher Liebe im eigenen Leben hofft, muss bedenken, dass diejenigen, die ebensolche Vorstellungen von wirklicher Liebe haben und auf die man bei der eigenen Suche nun einmal angewiesen ist, auch schließlich irgendwo herkommen müssen. Kein Mädchen hat etwas davon, eine einsame Jungfrau zu bleiben mit noch so hohen Idealen. Und darf nicht nur derjenige erwarten, der sich darum bemüht, dass Vorstellungen von höheren Idealen bei seinen Mitmenschen wachsen, der also Diener wirklicher Liebe ganz allgemein ist, dass er sie in der Wirklichkeit einmal auch selbst erfährt? Und wenn es ihm nicht gelingt, seine Ideale durchzusetzen, wird ihm da auf die Dauer nichts anderes übrig bleiben, als sich mit dem zufrieden zu geben, was so üblich ist, also vielleicht sogar "mit den Wölfen zu heulen"? Dafür ist also ein solches Sakrament sogar sehr sinnvoll!

Warum also sollten wir nicht den jungen Menschen ein sinnvolles Konzept von Liebe und Partnerschaft vermitteln, das ihnen Spaß macht und Selbstbewusstsein gibt, dass sie sich dafür in  ihrer schulischen Sexualkunde einsetzen? Und dass Moral Spaß machen und Selbstbewusstwein bringen kann, allerdings ist es Kennzeichen typischer Moralapostel, dass sie sich das nun wirklich nicht vorstellen können!

Vermutlich haben zudem junge Menschen eine größere Überzeugungskraft als Erwachsene vor allem, wenn sie mit ihrem ganzen Lebenskonzept dahinter stehen (siehe Female Choice). Auch kann das alles nur im Rahmen eines (positiven) Gruppeneffekts  funktionieren (siehe auch Religionsunterricht).

Wir können also durchaus sagen, dass gerade Taufe und auch Firmung Sakramente für die "sexuelle Selbstbestimmung" und gegen den "sexuellen Missbrauch" in der Weise sind, dass der Täufling oder auch Firmling sozusagen fit gemacht wird, hier das Richtige in seinem Eigeninteresse zu tun. 

(Wörterbuch von basisreligion)