Unter dem Begriff FRÜHSEXUALISIERUNG werden heute alle In­formationen von Kindern, die irgendetwas mit Sexualität zu tun ha­ben, in einen Topf gewor­fen. Ob man Kinder über die Praktiken von Homose­xuellen und über die Ein­richtung eines Bordells aufklärt oder sie über den Ge­schlechtsverkehr von Mann und Frau infor­miert, es ist in den Augen der sogenannten Beschützer der Jugend alles irgendwie das­selbe – und für Kin­der völlig ungeeignet. Also müs­sen Kinder davon ferngehalten werden. Dass Kinder etwa bei der Sexualmoral­erzie­hung gar nicht wissen, um was es geht, und daher auch kein eigenes Le­benskonzept entwickeln können, stört nicht. Die sexuellen Erfahrun­gen, die oft leid­voll und enttäuschend sind, kommen angeblich sowie­so, dage­gen kann man grundsätzlich also nichts machen. Daher soll­ten die Kinder wenigstens ei­ne unbes­chwerte Jugend (was auch im­mer darunter zu verstehen ist) erleben, indem sie von all­dem, was mit Sexualität zu tun hat, am besten noch nicht mal et­was wis­sen.

Dass die Pubertät bei uns Menschen erst recht spät einsetzt, wenn die jungen Menschen schon die Fähigkeit haben, wirklich vernünftig zu den­ken, und also ein Konzept aufbauen könnten, wie sie über­haupt ethisch leben und leidvolle und enttäuschende Erfahrungen vermeiden können, liegt offenbar außerhalb aller Vorstellungen. Ja, was haben alle diese Gegner der Frühsexuali­sierung nur für ein Menschen- und hier eben Kin­derbild?

Daher möchte ich hier einmal die Geschichte von einer heute 75-jähri­gen Freundin unserer Familie mit dem schö­nen Namen Susan­ne er­zählen, wie sie von ihrem Vater im Al­ter von acht Jahren „auf­geklärt“ wurde.

Ihr Vater, so erzählt sie, sei also ums Jahr 1950 herum einmal von ei­ner Män­ner­wallfahrt mit dem Kölner Kardinal Frings total erheitert nach Hause in ihr Dorf bei Köln zurückgekommen und hätte der Mutter et­was erzählt, was sie mitbekam, doch was sie allerdings of­fen­sichtlich nicht wissen sollte: Im Ab­schlussgot­tesdienst im Kölner Dom hat­te der Kardi­nal nämlich von der Freude Christi gepre­digt. Die Predigt hatte er mit den Wor­ten abge­schlossen: „Und so möge nun ein jeder von Euch die Freude unse­res Herrn Jesus Christ­us mit nach Hause neh­men, auf dass je­des Haus zu einem Freu­den­haus werde.“ Prus­tend hät­ten viele Männer da ein La­chen zu un­terdrücken versucht. Dann aber hätte ei­ner laut aufge­platzt, und schon bald hätte eine Lachla­wine durch den Dom gedonnert. Da­von hatte der Vater also der Mutter erzählt.

Und neu­gierig, wie unsere Su­sanne nun ein­mal war, wollte sie den Grund für diese Heiterkeit richtig insistie­rend von ihrem Vater wis­sen. Dass eine Wallfahrt und eine Predigt auch lustig sein können, das war doch mal was! Der Vater, ein ehema­liger hoher Waffen-SS-Dienstgrad, der da­mals als Maurer ar­bei­tete und mit dem sie eine sehr vertrauens­volle Beziehung hatte, ver­sprach ihr, dass er mit ihr in ein Café Eis es­sen ge­hen und ihr da­bei alles er­zählen werde.

Und die Gelegenheit suchte er auch bald. Wie Susanne mir erzähl­te, hatte er für sich den SS-Slogan „Meine Ehre heißt Treue“ nach all den unsäglichen Geschehnissen der Nazizeit umgewan­delt in „Meine Ehre heißt Ehrlichkeit und Sachlichkeit (gegenüber den mir Anver­trauten)“, also galt auch jetzt für ihn: Nur kei­ne Panik und schon gar keine Hys­te­rie und Para­noia und auch keine Lügerei und Herumre­derei – egal was andere sagen und seien es noch so hoch­studierte Kinderpsychologiefachleute. Denn das alles ist in sol­chen Fällen das Fal­scheste und Dümmste. Besser erst mal drüber schla-fen, und dann wird einem der gesunde Menschenverstand schon das Richtige sagen. Sind nicht gerade Mäd­chen (also auch die ei­gene Tochter) von Natur aus hoch­mo­ra­lisch und wollen sie denn nicht nur wissen, was „bei diesem Thema“ rich­tig und was falsch ist – um es im eigenen Leben einmal richtig zu machen?

Und wie ging der Vater des kleinen aufgeweckten Mädchens bei dem versproc­henen Cafébesuch nun mit dem Thema um?

Von Vorteil war nun, dass Susanne längst wusste, was Mann und Frau mitein­ander tun, wenn sie sich lieben und wie sich dann eine männliche und eine weibliche Zelle manchmal miteinander vereini­gen, und es von da­her dazu kommt, dass ein Ba­by im Bauch der Mutter zu wachsen be­ginnt. So konnte der Vater nun gleich auf die Ambiva­lenz zu spre­chen kommen, also auf die Dop­pelwertigkeit der ge­schlechtlichen Vereini­gung: Mann und Frau ma­chen das ein­fach gerne, weil gerade diese kör­perliche Ver­einigung von Mann und Frau etwas sehr Schönes und Lustvolles ist. Doch das kann eben nun ein­mal wie alles Schöne und Lust­volle auch miss­braucht wer­den, wie es eben auch die zwei Seiten des Feu­ers gibt: Kerzen­flammen sind doch et­was Wunder­schönes, sie gibt es sogar in der Kir­che auf dem Altar, doch wenn ein Haus brennt und die Bewoh­ner all ihr Hab und Gut verlieren und wenn so­gar je­mand dabei noch um­kommt, dann ist es etwas Schreckli­ches. So gibt es eben bei der kör­perlichen Liebe Frauen, die „das“ nur für Geld ma­chen, einfach weil Männer dieses „Lustge­fühl“ brauchen, de­nen aber sonst diese Frau­en völlig gleichgül­tig sind. Also denkt keiner dabei an ir­gendei­ne Ehe und schon gar nicht an ein Kind, das dabei entstehen kann, also auch nicht an eine wirkliche Liebe. Im Grunde werden diese Frauen auch verach­tet, und man macht auch blöde Witze über sie. Oft machen die Frauen das auch gar nicht wirk­lich freiwillig, denn sie wer­den dazu von krimi­nellen Männern ge­zwungen, für die die Liebe nur ein großes Ge­schäft ist. Ande­re rut­schen in so eine „Ar­beit mit der käuflichen Liebe“ hin­ein, einfach weil sie da­mit aus Neugier oder auch aus Dummheit angefan­gen haben und dann nicht mehr dar­aus her­aus­kommen. Na ja, und Häuser, in denen die Frauen die­sem fragwür­d­igen Gewer­be nach­ge­hen, nennt man eben Freuden­häuser – ob­wohl das alles Sünde ist und mit wirklicher Freude nichts zu tun hat. Nur ist das eben al­les sehr dop­pel­deu­tig – und man kann nur aus dem Zu­sammen­hang erken­nen, was ge­meint ist. Der Kardinal hatte nun „Freu­de“ in dem Sinn gemeint, dass wir uns in der Erinnerung an Christus so richtig schön freuen sol­len – doch wie er dann den Satz zu Ende ge­bracht hatte, war das missver­ständlich, weil „Freudenhaus“ eben zu sehr an diese Häuser mit den Frauen erinnert, wo es eben wirk­lich schöne Freude gar nicht gibt. Und wie das manch­mal so ist, wenn man nicht so richtig weiter weiß und auch nicht ge­nauer nach­denken will, dann lacht man eben darüber.

Und die Reaktion unserer kleinen Susanne? „Also, bevor ich so et­was mache, dann gehe ich doch lieber zum Bauern, Kartoffeln rausma­chen, wenn ich mir etwas Geld verdienen will. Da bin ich we­nigstens an der frischen Luft...“

Ja, war das nicht eine eindrucksvoll-patent-logische Reaktion eines klei­nen Mäd­chens, dem ein Vater mit Durchblick und mit gutem päd­agogischen Gespür „das alles“ offensicht­lich sehr gut er­klärt hatte?

Ich behaupte nun, dass mit ihrer Frage unsere kleine Susanne kein Ausnahme­fall war, denn alle Kinder fragen ihre Eltern etwas in die­ser Richtung. Doch die Fragen werden entweder nicht als solche erkannt oder die Kinder werden mit der Ausrede der Vermeidung der Frühse­xualisierung anders abgespeist. Ich er­innere mich, dass ich – etwa mit 11 Jahren – einmal meine Mutter gefragt hatte, ob Frauen auch ohne Heirat Kinder be­kommen könnten. Mir war ja erzählt worden, dass Gott die Ba­bys un­ter dem Herzen der Mutter wachsen lässt. Also wollte ich wissen, wie dieses Wachsen anfängt. Oder die Tochter eines Freundes hatte ihn gefragt, was denn die „unbefleckte Empfängnis“ sei. Hier wären doch tolle Einstiege, aber nein, die Kinder erfahren gar nichts oder nur hilflose und leib­feind­liche Ausflüchte. Und sie fra­gen dann nie mehr, weil sie merken, die Eltern wol­len oder kön­nen nicht vernünftig re­den, wie man eben mit vernünftigen und gut­willigen Menschen redet.

Ach ja, Susannes Vater hatte auch noch eine Beziehung zum Glau­ben an Christus her­gestellt, dass wir also in Erinnerung an ihn stark und in­telligent wer­den mögen und dass er uns auch schützen mö­ge, gerade in der Liebe immer alles vernünftig und richtig zu ma­chen.

Und wie ging´s weiter? Wenn sie mir nach mehr als einem halb­en Jahr­hundert davon erzählte, dann war bei ihr in ihrer Kindheit je­denfalls eini­ges ganz anders und unkomplizierter als bei mir in mei­ner Kindheit gelaufen. Sie hatte nun mit­bekommen, was wirkliche Sün­de ist und von daher hatte sie auch keine Proble­me, etwa mit den Dorf­jungen und an­deren Kindern in einem Dorfbach nackt zu baden, ganz anders als ich, der ich bei einer solchen Lockerheit nie mitge­macht hätte, weil ich sie als „Sünde“ empfunden hätte. Und sie konnte auch mit fortschreiten­dem Alter völlig organisch in eine echte mo­ralische Einstellung hin­einwachsen – ganz an­ders als die allermeis­ten Men­schen mit ihrer Scheinmor­al der Scham. Ja, zu­nächst verstand sie mich auch gar nicht bei unse­ren Diskussion­en über Moral und Sün­de, warum ich bei meinen Befrei­ungs­ideen sol­che Probleme aus der Über­windung der Scham machte. Für sie war doch im­mer klar, wo die wirk­lichen Proble­me waren und sind.

Auch hatte sie mit irgendwelchen Liebesabenteuern später keine Pro­bleme, so etwas gab es für sie einfach nicht. Und irgendwann hatte sie dann auch ihren Mann „gefunden“, der sie gerade we­gen ihrer Einstel­lung den übrigen Frauen vorzog, die er sonst kannte.

Wenn sie heute davon erzählt, dann ist sie immer noch voller Dank­barkeit an ihren Vater: „Ich habe mich als Kind bei meinen Eltern, beson­ders bei meinem Vater, total sicher und wohl ge­fühlt. Mein Vater hat mich nie dumm gelassen. Und wenn Mitschüler aus unter­schiedlichen Elternhäusern „blöde Sachen“ er­zählten, wie ich es nannte, hat mich das nie tan­giert. Ich fühlte mich sou­verän, in jeder Beziehung si­cher.“

Ja, so kann schon ein kleines Mädchen durch eine gute Informa­tion im­mun werden!

Und jetzt wieder zu mir: Noch bevor ich Susanne kennen lernte, hatte ich ein­mal Erstkommunionsunterricht gemacht – und war ähn­lich wie der Va­ter von Susanne „vorgegangen“. Nur leider nicht so genial, denn der An­satz mit den Freudenhäusern war ja viel besser, um auf die Ambi­valenz zu kom­men. Doch auch ich war er­staunt, wie lebhaft insbe­sondere die Mädchen mitmachten und was sie al­les wis­sen woll­ten – wichtig war für die Mädchen eine vernünftige Moral. Und zwei Mütter, die das mitbekamen und mit de­nen ich dar­über re­den wollte, brauchten mein Gespräch gar nicht und meinten nur: „Lassen Sie man, es ist schon gut, wie Sie das machen ...“

Ja, so etwas ist doch das, was die Kinder wollen und brauchen - und eigentlich doch ganz einfach. Na­türlich läuft das in einem ge­meinschaftlichen Unterricht noch viel besser, schließlich ist es ja auch wun­derbar, wenn die Kameraden zu Sexualität und Moral die­selbe Einstel­lung haben.

Ich sehe auch keine Schwierigkeiten, gerade solch einen „Unter­richt“ zu ma­chen. Vor allem könnten wir uns das ganze Jammern über die böse schulische Frühsexualisierung heute sparen, denn die jungen Men­schen brauchen sie ein­fach nicht mehr – oder kön­nen vernünftig mit ihr umge­hen. Viel­leicht können sie sogar ihren Lehrern, die ihnen nun wirklich Ungeeignetes erzählen, das Le­ben schwer machen.

Warum allerdings haben übliche Eltern und andere Pädagogen sol­che offens­ichtlich für sie unüberwindliche Schwierigkeiten, so offen und vernünf­tig mit den Kindern zu reden?

Meine Vermutung: Ursache ist eine immer noch vorhandene unbe­wältigte Leib­feindlichkeit. Das heißt, dass alles, was unterhalb der Gürtelli­nie ist (bei Mäd­chen und Frauen gehört noch der Bu­sen dazu), per se schlecht ist, dass man das alles versteckt und dar­über noch nicht ein­mal spricht – oder nur hinter vor­gehaltener Hand. Dagegen der Vater unserer kleinen Susanne: Es gibt nichts Schlechtes am Menschen, al­les ist von Gott er­schaffen und gut. Doch es kommt eben darauf an, wie man es benutzt.

Wie – diese Leibfeindlichkeit stimmt nicht? Dann schauen Sie doch einmal ins Internet unter „Frühsexualisierung“. Sie können leicht er­kennen, dass alles, was auf eine Information der Kinder hinausläuft, von vornherein in Bausch und Bogen verteufelt wird. Ich habe je­denfalls kein Stichwort ge­funden, wie man es richtig machen kann. Daher also dieser Punkt hier.

Die Professionalität des Vaters der kleinen Susanne im Umgang mit ihr kann ich mir durchaus auch von seinem ersten Beruf her erklä­ren: Als Offizier war er eben auch Menschenführung gewohnt und Überlegun­gen, seine Untergebenen vernünftig zu führen und zu be­denken, was sie alles aus seinen Befehlen ma­chen könnten. Und die Aufar­beitung der schrecklichen Vergangenheit unseres Volkes bestand für ihn darin, einer echten Moral eine Chance zu geben, auch bei der Erziehung sei­ner Tochter. Es gibt eben immer Gele­genheiten, wo man etwas bes­ser machen kann. Leider ist solches Denken gera­de in der Sexualmoralp­ädagogik nicht sehr verbrei­tet, hier gibt es vor allem Hysterie und Pa­ranoia und Aktionis­mus. Gerad­e typische Akademiker scheinen hier durch alle möglichen und unmöglichen Bedenken blockiert, die wirklic­hen Fehler zu er­kennen und Wege zu fin­den, sie zu beseiti­gen. (Viel­leicht wollen sie ja auch gar nicht?) Daher sollten wir einmal schauen, wie jemand, der eher prakti­sche Be­rufe hat, vor­geht.


Bis hierher eine Neufassung im Mai 2016 - und ab hier die alte Fassung!


FRÜHSEXUALISIERUNG
ist heute (Anfang des 21. Jahrhunderts) ein (Tot-)Schlagwort, mit dem von besonders konservativen Zeitgenossen alle Bemühungen, Kindern Dinge der Sexualität beizubringen, über einen Kamm geschert und abgelehnt werden.
Dabei muss doch unterschieden werden:

1. Eine völlig überzogene Ausbildung zu "Sexexperten" mit konkreten Anleitungen.
Was etwa in der entsprechenden Sexualkunde im schulischen Unterricht den jungen Menschen geboten wird, fällt hierunter. Allerdings muss auch gesehen werden, dass - je nachdem, welcher Lehrer vor den Schülern steht - die jungen Menschen diesen Unterricht sogar gern haben. Hier erfahren sie wenigstens etwas, was sonst eher tabuisiert wird. Es gibt ja auch sehr viel sehr nützliches Wissen.

Natürlich, es gibt auch eine Sexualkunde, die eher etwas mit Pornografie oder zur Erziehung zur Promiskuiät zu tun hat und daher abzulehnen ist.

Eine Schädlichkeit wird eventuell darin gesehen, dass Kinder zu genau informiert werden, während früher das Prinzip "learning by doing" galt, dass man also durch das Tun lernte. Ob dieses "learning by doing" wirklich der Weisheit letzter Schluss war, darf bezweifelt werden. Denn schließlich haben wir doch von der Natur unser Gehirn vor allem auch dazu mitbekommen, dass wir vor dem Tun erst einmal über dieses Tun nachdenken, damit wir dann in der Praxis keine Fehler begehen. Und dass es bei dem "learning by doing" sehr oft zu sehr unschönen Überrumpelungen kommt, wird geflissentlich übersehen.

2. Eine sinnvolle Information, damit junge Menschen sich ein Konzept zurecht legen können, um gegen zerstörerische Überrumpelungen gefeit zu sein und eine schöne harmonische Partnerschaft zu erreichen. 
Früher und bei vielen Menschen auch heute noch galt (bzw. gilt) auch jede sinnvolle Information junger Menschen und insbesondere junger Mädchen über die Dinge der Sexualität als schädlich und daher als verwerflich. Schon die Information über den Geschlechtsverkehr galt als Frühsexualisierung und wurde vehement abgelehnt. Man hatte bzw. hat die Theorie im Kopf, dass allein das Wissen um den Geschlechtsverkehr die Unschuld von Kindern und gerade kleiner Mädchen zerstört und dass sie das, wovon sie hören, auch ausprobieren wollen. Dass Wissen schädlich ist, würde auch heißen, dass Unwissen gut und nützlich ist. Wer solche Auffassungen vertritt, darf sich nicht wundern, wenn er nicht ernst genommen und also bei der Entwicklung pädagogischer Konzepte nicht beachtet wird. Schließlich geht es ja auch darum, Geschlechtskrankheiten und Minderjährigenschwangerschaften vorzubeugen.

Im Übrigen: Was wird denn sonst den jungen Menschen über die Sexualität erzählt, wie sie mit ihr umgehen sollen und was falsch und was richtig ist? Hier kommt es dann eben zu dieser fragwürdigen Scheinmoral der Scham. Und die jungen Menschen lernen sozusagen, nicht mehr das zu tun beziehungsweise zu unterlassen, was wirklich wichtig bzw. problematisch ist, sondern sie investieren ihr moralisches Potential in Verklemmtheit, Verdrängungen und Leibfeindlichkeit. Die Folge ist, dass sie peinlichst darauf achten, dass niemand sonst (außer vielleicht in der Familie, und oft noch nicht einmal dort) ihre "Intimzonen" sieht, statt zu erfahren, wie sie später einmal mit dem Geschlechtsverkehr sinnvoll und ethisch umgehen können. Und je nachdem, wenn die Intimzonen dann doch einmal  von "Unbefugten" gesehen werden, führt das dann zu traumatischen Belastungen. Es wird also etwas, worüber wissende junge Menschen mit einem sinnvollen moralischen Konzept nur lachen können, bei ihnen zum Trauma. Ob das denn sinnvoll ist? Siehe hierzu auch den zweiten Punkt "Der fragwürdige Nutzen einer Erziehung junger Menschen zur Scham" unter dem Stichwort Scham.

Vorteile einer sinnvollen Frühsexualisierung

Sehen wir lieber einmal die Vorteile! Ohne eine vernünftige Information über die Sexualität kann sich bei jungen Menschen gar nicht die Reife entwickeln, dass sie eine wirklich selbstbestimmte Sexualität planen und erleben können. Sie sind von Zufällen abhängig, etwa in wen sie sich verlieben und mit wem sie den Geschlechtsverkehr anfangen.

Doch nicht nur das! Sie können jetzt auch die moralischen Spielregeln (oder auch Gebote), wie sie unserer christlichen Religion entsprechen, ganz anders und vor allem richtig verstehen. Bisher war es ja zumeist so, dass sie etwas für Sünde hielten, was überhaupt keinen Sünde ist, und in etwas keine Sünde erkannten, was im Grunde bisweilen sogar sehr sündig ist.

Ein großer Vorteil ist auch, dass junge Menschen jetzt die Werke unserer Kulturproduktion verstehen können. Bisher war es doch so, dass von den Opern in den Schulen mehr oder weniger nur die Zauberflöte besprochen wurde, weil in dieser Mozartoper im Wesentlichen nichts vom Sex vorkommt, also von einem Thema, das lieber ausgelassen wird. Dabei ist diese Oper im Grunde völlig ungeeignet für junge Leute. Jetzt können aber Mozartopern wie Don Giovanni oder Figaros Hochzeit besprochen werden, Verdiopern wie Rigoletto oder La Traviata und Pucciniopern wie Tosca oder La Boheme - und viele andere Opern. Natürlich kann auch Goethes Faust ganz anders verstanden werden.

Bedenken wir auch, dass es die Natur gewiss nicht umsonst so eingerichtet hat, dass beim Menschen die Pubertät erst relativ spät eintritt. Sie braucht also nicht mehr auf unvorbereitete junge Menschen zu treffen, sondern auf informierte Menschen, die wissen, was sie im Hinblick auf Liebe und Partnerschaft in ihrem Leben erreichen beziehungsweise verpassen können und also längst ein gutes praktikables Konzept verinnerlicht haben, wie sie sinnvoll vorgehen können.

Wir können also das Problem "Frühsexualisierung" also auch einmal anders sehen: Wer jegliche auch sinnvolle Information junger Menschen über die Dinge der Sexualität unter dem Vorwand der Gefahr der "Frühsexualisierung" ablehnt, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er junge Menschen von vornherein für unfähig hält,  dass sie sinnvolle Informationen verarbeiten und in ihr Lebenskonzept einbauen können, damit sie ihr Leben selbstbestimmt führen können. Das ist dann besonders verhängnisvoll für Mädchen, die damit regelrecht naiv und dumm bleiben und sich auf leidvolle Liebesabenteuer einlassen, die (über den Weg zur Schlampe, siehe auch Flittchen) durchaus zur Prostitution führen können. Eine grundsätzliche Einstellung gegen jeder Art von "Frühsexualisierung" ist also auch zutiefst frauen- und mädchenfeindlich.

Unter dem Strich kommt also aus beiden Verfahren dasselbe heraus, sowohl aus dem einer exzessiven Frühsexualisierung, bei der junge Leute alles und jedes über die Sexualität gelehrt wird bis zu konkreten Anweisungen für die Praxis, wobei auch durchaus die Promiskuität akzeptiert wird, als auch aus dem Verfahren "gegen jede Frühsexualität", wobei alles, was sachlich und sinnvoll auch für eine ethische Lebensführung ist, tabuisiert also verschwiegen wird. Bei beiden Verfahren ist eine wirklich selbstbestimmte Sexualität kaum möglich beziehungsweise vom Zufall abhängig. Essieht also alles danach aus, als ob das Ziel beider Verfahren das ist, dass in unserer dekadenten Gesellschaft der Frischfleischnachschub im Coituszirkus nicht unterbrochen wird: Einmal direkt und das andere Mal eher versteckt mit der Ausrede, Kinder nicht mit sexuellem Wissen zu belasten. (Merke: Eine Gesellschaft, die nicht mehr weiß, wie sie ihre jungen Menschen über die Dinge der Sexualität informiert, so dass die auch eine funktionierende Ethik entwickeln können, und die Sexualmoral mit Leibfeindlichkeit verwechselt wird, ist dekadent!)

Warum nur ist ein sinnvoller Mittelweg so schwer? Ein solcher Mittelweg ist jedenfalls das Ziel des Engagements dieser Website, siehe etwa das HEFT "Zum Glück der hohen Liebe"!

Hier muss auch etwas zum Verständnis von Unschuld gesagt werden: Wenn ein junger Mensch "unschuldig" ist, was die Sexualität betrifft, so ist es doch eine falsche Romantik, wenn er deswegen unschuldig ist,  weil er einfach unwissend ist oder weil er sich vor lauter Ängsten "nichts" traut. Denn das kann ja auch heißen, dass er es eigentlich "gerne täte", aber dass einfach noch nicht die passende Gelgenheit oder die passende Begründung da war. Nein, echte Unschuld hat ein junger Mensch, wenn er weiß, um was es geht, und sein enthaltsames Verhalten eine bewusste Einstellung ist.

Praxis

1. Praktisches Beispiel einer sinnvollen und vor allem auch notwendigen "Frühsexualisierung" (um sie einmal so zu nennen)
2. Dagegen das, was wirklich eine zumindest sehr problematische Frühsexualisierung ist.

(Es ist Punkt 3 im Konzept "Zum Glück der hohen Liebe")

Zu 1: PÄDAGOGISCHE EINFÜHRUNG in das Konzept „Zum Glück der hohen Liebe“ hier für junge Leute ab ca. 8 Jahren.


Vorbemerkung zur Frage der Kindgemäßheit

Auf die Idee mit der „Kleidung des Paradieses“, also der Nacktheit, die zum An­satz des Konzepts gehört, haben mich Kinder gebracht. In einer Kinderferi­enfreizeit in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren sie es, die mit dem Paradieskostüm anfingen. Leider hatte ich damals auch zu denen ge­hört, die „so etwas“ mit abgewürgt hatten – als ob für Kinder das sexuelle Selbstbe­stimmungsrecht nicht gilt (zumal bei durchaus Unschuldigparadiesi­schem!). Doch damals ging das einfach nicht anders, die Zeit war einfach nicht reif. In­zwischen sehe ich hier eine Chance, Kindern gegenüber nicht et­was grundsätz­lich zu verteufeln und sie damit schon irgendwie leibfeindlich zu ma­chen, sondern ih­nen das Problem der Ambivalenz nahezubringen, dass also et­was gut oder schlecht sein kann, je nachdem, wie man es gebraucht. Dabei muss dann natür­lich weiter ausgeholt werden, vor allem Mädchen wol­len Zu­sammenhänge wis­sen. Leider lehnen sehr viele Erwachsenen hier alles unter­schiedslos ab mit ei­nem Hinweis auf die Vermeidung von Frühsexualisie­rung. Diese Erwachsenen müssen sich allerdings den Vorwurf gefallen las­sen, unter einem Deckmantel die Kinder dumm und naiv belassen zu wollen. Denn auf diese Weise können Kinder wohl kaum ein eigenes ethisches Hand­lungskonzept entwickeln und so werden sie später umso anfälliger für Mani­pulationen, von welcher Seite auch immer.

Der Eindruck vom Wissenwollen von Zusammenhängen hat sich für mich in ei­nem Religionsunterricht mit Kindern ein paar Jahre nach dieser Kinderfrei­zeit mit anderen Kindern voll bestätigt, als ich mit einer ähnlichen Geschichte wie der der Oper Rigoletto auf das Thema kam. Es war, als ob ich ein Fass aufge­macht hätte – was die jungen Menschen, sowohl die Mädchen wie die Jungen, nicht alles wissen wollten! Und es blieb nicht bei der einen Stunde, in der nächsten und übernächsten ging es weiter. Es gab ja so viel zu bereden! Mein Eindruck war, dass sich gerade die Mädchen freuten, einmal einen Er­wachsenen gefunden zu haben, der eine Einstellung im Sinn ihres unschuldi­gen mora­lischen Empfindens hatte und mit dem sie reden konnten. Als ich Müttern erklä­ren wollte, was ich machte, bekam ich nur zu hören: „Lassen Sie mal, ist schon gut, wie Sie das ma­chen!“ Offensichtlich hatten die Kinder also zu Hause von meinem Unterricht er­zählt. Hier in der Gruppe ging das alles viel einfacher und selbstverständlicher, was im Einzelgespräch Eltern/Kind eher nach Krampf aus­sehen und die Kinder abschrecken würde. Deshalb dann auch die positive Re­aktion der Mütter.

Warum also nicht gleich richtig!

Da Geschichten bei jungen Leuten immer gut ankommen, schlage ich also vor, mit einer unserer berühmtesten Opern anzufangen: „Rigoletto“. So be­kommen unsere jungen Leute gleichzeitig etwas von unserer Kultur mit.

In dieser Oper geht es um die Sorge eines Vaters um seine von ihm innigst ge­liebte Tochter. Ich finde, dass man an dieser Geschichte das Thema sehr gut „aufrollen“ kann, sowohl für Mädchen wie für Jungen. Die Mädchen sind die eher Betroffenen, daher spreche ich sie an. Doch es geht auch um die Jungen, sie sind dabei in ihrem Beschützerinstinkt angesprochen, den sie er­fahrungsgemäß auch gerne wahrnehmen, wenn sie nur frühzeitig gefordert werden.

Der Vorteil heute: Schon sehr junge Menschen wissen über das Biologische der „Vermehrung“ Bescheid, also auch über den Geschlechtsverkehr. Es fehlt nur noch zur Ergänzung ein geeignetes Moralkonzept. Und wie gesagt, nach meinen Erfahrungen wünschen sich die Kinder das ja auch!

Konkret zur Geschichte der Oper: Der Vater heißt Rigoletto. Ein Hofnarr, ver­krüppelt. Die Tochter heißt Gilda und ist wunderschön. Rigolettos Frau, Gildas Mutter, ist verstorben. Die Handlung spielt am Fürstenhof des Herzogs von Mantua in Norditalien, etwa vor dreihundert Jahren. Dieser Herzog ist ein Wei­berheld, wie man so sagt, der seinen Charme und gewiss auch seine Macht ausnutzt, um mit den Frauen seiner Schlossbeamten und mit noch vie­len ande­ren Frauen Sex (Geschlechtsverkehr) zu haben. Er benutzt die Frau­en, verach­tet sie und spielt ihnen zuerst Liebe oder auch nur Ehrerbietung vor. Die Frauen machen mit, viel­leicht auch, weil das Leben sonst für sie zu langweilig ist. Doch der Herzog amü­siert sich, wie dumm und naiv die Frauen sind, ihm seine Lie­beslügen zu glauben und bei seinen Sexabenteuern mitzu­machen. Die Männer dieser Frauen fühlen sich natürlich betrogen und sehen sich als die Ausge­tricksten, zumal der Herzog auch über sie und ihre Wut, weil er ihre Frauen ver­führt, nur lacht und spottet. Doch was sollen sie sonst machen als gute Miene zum bösen Spiel. Sie sind ja auch von ihm abhängig.

Auch der Hofnarr verspottet nun die anderen Schlossbeamten, weil sie sich von dem Herzog das alles gefallen lassen. Doch gleichzeitig hat er eine wahnsinnig große Sorge um seine Tochter Gilda, dass die sich auch einmal in den Herzog verliebt und sie in ihrer Liebe von ihm ausgenutzt wird. Und so verheimlicht er al­len anderen seine Tochter Gilda und versteckt sie vor ihnen. Nur sonntags darf sie – natürlich unerkannt – in die Kirche gehen, man ist ja fromm.

Und da begegnet sie einem netten Studenten, in den sie sich verliebt. Die­ser Student ist nun dieser Herzog – verkleidet, so erkennt also auch Gilda ihn nicht.

Die Oper endet sehr traurig, denn Gilda schenkt dem Herzog ihre Unschuld, sie ist bei der näheren Begegnung so überwältigt, dass sie mit ihm ihren ers­ten Sex hat. Doch er verachtet sie nur, nachdem er erreicht hat, was er wollte, und ver­gnügt sich bald darauf wieder mit anderen Frauen (hat also Sex mit ih­nen) – und singt dann noch seine berühmte Arie „Oh wie so trügerisch sind Weiberher­zen ...!“ Dabei verdreht er die Wirklichkeit, denn eigentlich sind ja nicht die Frau­en so trügerisch, sondern er ist es – wenigstens erst einmal.

Als am Schluss der Oper Rigoletto den Herzog ermorden lassen will, stirbt Gil­da statt seiner. Es ist nicht ganz klar, ob sie sich aus Liebe für ihn opfert oder ob sie nur noch den Tod will, weil ihre Unschuld und damit – wie sie meint – die Mög­lichkeit einer großen Liebe für sie sowieso für immer verloren ist und das Leben also kei­nen Sinn mehr hat. Alles sehr traurig.

(Anmerkung: Bei den Jungfrauen gibt es im Scheideneingang ein Jungfern­häutchen, das beim ersten Sex zerstört wird „man“ kann also später erken­nen, ob ein Mädchen schon Sex hatte. Allerdings stimmt dieser „Beweis“ nicht immer. Der mögliche Schock nach einem solchen Erlebnis wird heute vielfach als Folge einer leibfeindlichen Erziehung angesehen. Dagegen wird der mög­liche Schock, den junge Menschen erfahren, wenn sie mit der Nacktheit kon­frontiert werden, als etwas angesehen, wovor junge Menschen geschützt werden müssen. In dem Konzept dieser Heftes ist die Sicht nun umgekehrt.)

Ich finde es jedenfalls toll, wie der Komponist der Oper (Guiseppe Verdi) eine hinreißende Musik über das Schicksal eines Mädchens geschrieben hat, er hält dieses Schicksal für sehr wichtig. Wir sollten mehr darüber nachdenken.

Jetzt wieder zu uns heute!

Es ist also ein uraltes Problem, dass Väter (und Eltern überhaupt) um ihre Töch­ter Sorgen haben, dass ihnen auch „so etwas“ passieren könnte. Sie möchten nicht, dass die Töchter sich in so einen Hallodri verlieben, der sie doch nur belügt und betrügt und ausnutzt und für den der Sex nichts mit Liebe und Partnerschaft zu tun hat, sondern nur ein lustiges Spiel ist. Leider sind sehr viele Eltern bei ih­rer Sorge irgendwie so hilflos wie dieser Rigoletto und ma­chen vieles falsch, so dass sehr oft gerade das passiert, was eigentlich vermie­den werden sollte.

Natürlich sagen Eltern (und andere Erzieher) das nicht so, dass sie hilflos sind, sondern sie sagen, dass das normal und natürlich ist, wenn sich junge Leute erst einmal in den Falschen verlieben und mit ihm Sex haben. Da kann man ih­rer Meinung nach einfach nichts dagegen tun, weil die jungen Men­schen nun einmal keine Menschenkenntnis haben zu unterscheiden, welchem Mann es um wirkli­che Liebe und Partnerschaft geht und welchem es nur um die Sex geht. Deshalb erklärt man den jungen Leuten heute nur noch, wie sie Kondome und Verhü­tungsmittel gebrauchen sollen, damit sie nicht auch noch schwanger werden und/oder sich mit einer Geschlechtskrankheit anstecken. Offensichtlich halten die Erwachsenen hier nicht viel von der Intelligenz junger Menschen.

Ich sehe das allerdings völlig anders! Wo jemand etwas nicht vernünftig weiß, kann er sich auch nicht vernünftig verhalten.

So dumm und sexgierig sind die jungen Menschen doch gar nicht, dass sie grundsätzlich nicht die Sexabenteurer von den wirklich Liebenden unterschei­den können und wollen, wenigstens zunächst nicht.

Und jetzt wieder konkret zu den Mädchen!

Das Problem ist also: Was müssen Eltern ihren Töchtern beibringen, damit sie einen solchen Hallodri rechtzeitig durchschauen, dass am besten gar nicht erst eine Liebe zu einem solchen Mann aufkommt und dass sie also auch kei­nen Sex mit ihm haben, sondern nur mit dem Mann, bei dem eine schöne und ehrli­che Liebe auf Gegenseitigkeit beruht und der auch ein guter Partner für sie ist, mit dem sie auch eine schöne Familie haben können.

Ich sehe hier eine geradezu kriminalistische Aufgabe für ein Mädchen! Wie kann es rechtzeitig die Wahrheit herausbekommen?

Wir müssen dazu auf alle Fälle zunächst einmal ganz genau hinsehen, was hier passiert, wie das passiert und warum das passiert.

Die Erfahrung ist jedenfalls, dass irgendwelche Moralpredigten und freundli­che Ermahnungen an ein junges Mädchen überhaupt nichts helfen, schon gar nicht, wenn es erst einmal verliebt ist. Mädchen (und nicht nur die) haben dann sozu­sagen eine rosarote Brille auf und sind in ihrer Willensfreiheit einge­schränkt und wissen sowieso alles besser – das ist nun einmal so bei sehr in­tensiven Gefüh­len. Doch auch schon vorher wollen junge Leute solch ein mo­ralinsaures oder gar frommes Gerede ein­fach nicht hören und schalten ab und tun uninter­essiert, wenn ihre Eltern oder andere mit diesem Thema an­fangen.

Also mussten die mir befreundeten Eltern, von denen ich jetzt rede und die mei­ne Ideen gut und sinnvoll fanden, bei ihrer Tochter eine andere Methode su­chen. Nicht zuletzt würde sie, das war allen klar, nach ihrer Schulzeit ein­mal ir­gendwo allein studieren. Da würde sie alle möglichen Leute und auch Mitstu­denten und andere Männer kennenlernen, und sie würde dann auch wohl kaum die Eltern fragen, wem sie trauen kann und wem nicht, und schon gar nicht, wenn sie ein­mal verliebt sein würde. Außerdem: Ob Eltern wirklich erkennen können, wer in Ordnung ist und wer nicht? Das Mädchen muss das schon allei­ne herausfinden. Aber wie???

Ich habe mir einmal die Männer angesehen und mich auch mit ihnen unterhal­ten, wie sie es schaffen, dass sich Mädchen in sie verlieben und dass die so blind sind und dann auch Sex mit ihnen haben – obwohl es den Männern gar nicht um wirkliche Liebe geht und sie die Mädchen im Grunde genauso ver­achten wie die­ser norditalienische Herzog die Frauen damals. Und ich habe natürlich auch Mädchen und Frauen gefragt, denen „so etwas“ passiert ist.

Bei meinen Beobachtungen habe ich nun festgestellt, dass genau diese „blö­den Männer“ überhaupt kein Interesse an der Nacktheit einer schönen Un­schuld ha­ben, die auch etwas mit dem Paradies zu tun hat, weder an der der Mädchen noch an der eigenen. Eine unschuldige paradiesische Bekleidung, etwa an ei­nem schönen Strand, wäre für die der absolute Horror. So etwas können die ein­fach nicht. Sie haben auch tausend Ausreden, warum sie da nicht mitmachen wollen. Sie sagen etwa, dass das angeblich blöde oder so­gar unmoralisch ist usw. Oder sie reden dumm herum, dass sie das schon könnten mit der paradiesi­schen Nacktheit, dass sie das aber nicht wollten. Hier sollte man doch hellhörig werden und merken, was hinter deren „Grün­den“ steckt: Nichts als leere Ausre­den, sie können es eben letztlich doch nicht. Denn wenn man an etwas wirklich Freude hat, dann ma­cht man das doch auch nur zu ger­ne. Das gilt doch erst recht für die Paradies­kleidung zu­sammen mit netten Menschen und erst recht mit jemandem, in den man ver­liebt ist – natürlich wenn und wo es passt.

Aha, wenn hier nicht eine Chance ist und gar die beste Gelegenheit ist, den An­satz des verstorbenen Papstes in die Wirklichkeit umzusetzen! Was ist der tollste Gedanke wert, wenn es nicht zu einer Praxis des Lebens kommt? Auch geht es hier nun wirklich um den „Wert einer Person“, den auch der Papst im Auge hat. Zudem: Wo ist der Sinn, jungen Menschen, und gerade auch Kin­dern, erst ein­mal einen falschen Weg zu zeigen, um später dann genau die ent­gegengesetzte Richtung als die richtige hinzustellen? Was wäre also, wenn ge­rade ein Mädchen gleich von Anfang an so erzogen wird, dass die Angst vor der Paradieskleidung gar nicht erst aufkommt, dass es selbst Spaß an dieser Natürlichkeit hat – und dass es seine neue Einstellung zur Nacktheit dann als Testmethode der hohen Liebe gegenüber Männern einsetzt? Nicht zuletzt ist eine solche Erziehung ja ge­nau das Natürliche – ist es nicht so, dass die Naturvölker in den heißen Ländern mit der Nacktheit zumindest frü­her einmal überhaupt keine Probleme hatten? Probleme bei denen kamen doch erst durch den Kontakt mit der westlichen Zivili­sation, in der es eben sol­che falsche Liebe mit der entsprechenden Heuchelei gibt. Daraufhin brauch­ten auch die Menschen der Naturvölker Kleidung, selbst wenn sie wegen der Wärme überhaupt nicht nötig wäre.

Jedenfalls ist das Paradieskleid an sich nichts Böses, böse ist nur, wenn man mit anderen ausnutzerisch und verachtend umgeht. Und das passiert eben ge­rade vor allem auch mit textilener Bekleidung!

Die Erziehung ihrer Tochter bei meinen Freunden war bisweilen sogar sehr schön und lustig, vor allem gab sie dieser Familie auch die Freiheit, viel mit­einander zu unternehmen. Denn wenn die Paradieskleidung kein Problem mehr ist, dann kann man auch miteinander zelten und dasselbe Zimmer be­nutzen – man kann also ein richtig schönes und lockeres Team sein. Ganz of­fensichtlich hatte die Tochter das auch begriffen, warum ihre Eltern das so mit ihr machten, schließlich hatten sie auch alle miteinander darüber geredet.

Ich habe allerdings die Erfahrung, dass diese Eltern eher die Ausnahme wa­ren und immer noch sind. Denn leider sind die meisten Eltern doch diejeni­gen, die ihren Töchtern die Ängste mit den Brustwarzen von Kind an beibrin­gen und auf alle Fälle nichts Sinnvolles gegen diese Ängste tun. Doch wenn die Töchter dann Sex selbst mit einem untauglichen Partner haben (was ja das eigentliche Prob­lem ist, was vermieden werden sollte), dann zucken sie nur mit den Schul­tern und ak­zeptieren das. Ist es wirklich so schwer, eine Er­ziehung von vorn­herein darauf auszurichten, was letztlich das Sinnvollere und Unproblemati­schere ist?

Die Idee des vorgestellten Konzepts ist ja schließlich auch, dass eine Tochter das, was sie an Schönem und Unschuldigem gerade mit ihrem Vater und auch mit anderen erlebt hat, erst einmal mit einem Jungen oder Mann erleben möch­te, wenn sie sich irgendwann einmal verliebt. Und dabei wird sie feststel­len, dass manche Jungen und Männer nicht reden können oder wollen und auch nicht nur nicht mitmachen wollen, sondern sich auch noch darüber lustig ma­chen. Doch andere werden das ganz toll finden. Ich halte ein Mädchen für so klug, dass es dabei die Jungen und Männer schon richtig einschätzen wird, je nachdem, ob und wie die darüber vernünftig reden können, und dass es eine ungeeignete Beziehung rechtzeitig abbrechen kann. Nicht zuletzt haben ja auch die Jungen, die in Ordnung sind, den Wunsch, eine gute Part­nerin zu fin­den, und sind für Ideen, wie das funktionieren könnte, offen.

Natürlich muss ein Mädchen oder eine junge Frau, die mit dem unschuldigen Pa­radieskleid keine Probleme hat, bedenken, dass nicht alle, die in diesem „Para­dieskleid“ sein können, auch automatisch gut sind, und dass durchaus nicht alle Jungen und Männer, die hier Probleme haben, böswillig und heuch­lerisch sind. Denn es kann ja auch sein, dass sie einfach alles nur falsch ver­stehen, weil vor­her nie jemand mit ihnen über dieses Thema vernünftig gere­det hatte. Und dass sie deshalb auch nicht so frei und offen sein können. Hier gibt es nun immerhin Gesprächsthemen!

Und genauso, wie ich es gesagt habe, ist es schließlich mit dem Mädchen pas­siert! Nein, nicht genauso, sondern noch viel besser. Irgendwie muss die Toch­ter meiner Freunde irgendetwas ausgestrahlt haben, dass die blöden Jungs sie gar nicht erst angebaggert haben. Denn es ist ja auch gar nicht so, dass alle Jungen und Männer nur schlecht sind und immer nur „das Eine“ (also den Sex) wollen. Nein, wenn sie ein offenes und nettes Mädchen mit ei­ner vernünftigen Einstel­lung treffen, dann verachten sie das auch nicht und wollen auch gar kei­nen Sex von ihm – oder schreiben schöne Liebesbriefe und wollen es heiraten. Irgend­wann nun fand sich ein junger Mann, mit dem die Tochter meiner Freun­de über die Ideen sprechen konnte und wollte, und der fand die auch ganz toll. Er hat sie darin auch noch in ihrer Einstellung un­terstützt – und beide hatten wohl eine schöne paradiesische Zeit – vor ihrer Ehe. Inzwischen sind sie seit acht Jah­ren verheiratet und haben eine liebe Tochter – und alles ist in bester Ordnung, natürlich soweit ich es erkennen kann.

Ob junge Leute jetzt das Anliegen im Hinblick auf die Nacktheit besser verste­hen? Die jungen Leute sollen erst einmal so etwas unschuldiges Paradiesi­sches erleben und sich natürlich auch bewusst sein, welchen tieferen Sinn das Ganze hat. Der Rest wird sich dann schon von alleine ergeben.

Doch das steht dann alles auf den weiteren Seiten dieses Hefts.

Dazu mein Vorschlag: Ob die Kinder vielleicht auch mal einen Selbstversuch ma­chen, um zu sehen, was passiert und wie sie sich dabei fühlen? Man könn­te sie etwa in einem schulischen oder kirchlichen Unterricht ermuntern, mal ihren Papa und ihre Mama zu fragen, ob die mit ihnen im Sommer an einen entspre­chenden Strand oder See fahren können, damit sie eine Erfahrung mit der Pa­radieskleidung in der Natur sammeln kön­nen? Natürlich müssen sie sich mit ih­ren Ge­schwistern absprechen und ihnen erzählen, warum sie das wollen. Ich wette, sie finden das alles dann nur lustig und schön. Sie werden sich auch weiter fragen: Woher kommt es, dass gerade Kinder normalerweise mit der Körperlichkeit der­artige Probleme haben? Wer hat ein Interesse, dass diese Probleme bestehen? Warum versucht kaum jemand, das sinnvoll rich­tigzustellen? Wie kommt es, dass Kinder über das alles, was doch eigentlich sehr natür­lich ist, schließlich oft noch nicht einmal reden können und wollen? Auch hier ist also kriminalistisches Gespür gefragt. Und ich meine auch, das alles hängt mit einem ganz großen Kri­minalfall zusammen, dem wir hier auf der Spur sind!

Kinder sind doch im Allgemeinen an Kriminalgeschichten sehr interessiert, ob sich hier nicht gute Gespräche ergeben könnten?


2. Dagegen das, was wirklich eine schädliche Frühsexualisierung ist:

Es gibt hier eine Website  mit Bezug auf Ungarn: http://www.in-kuerze.de/images/stories/Veroeffentlichungen/die-geschichte-der-politischen-korrektheit.pdf
Siehe auch  http://kommentararchiv.de/2013/georg-lukacs/

Georg Lukacs war der Sohn eines wohlhabenden ungarischen Bankiers. Lukacs‘ politische Karriere begann als Mitarbeiter der Kommunistischen Internationale. Sein Buch Geschichte und Klassenbewußtsein brachte ihm den Ruf des bedeutendsten marxistischen Theoretikers seit Marx selbst ein. Lukacs glaubte, daß für das Aufkommen einer neuen marxistischen Kultur die vorherrschende Kultur zerstört werden müsse. Er sagte unter anderem: „Ich sehe die revolutionäre Zerstörung der Gesellschaft als die eine und einzige Lösung für die kulturellen Widersprüche unserer Epoche an“ und „Solch ein weltweiter Umsturz von gesellschaftlichen Werten kann nicht geschehen, ohne daß die alten Werte vernichtet und neue von den Revolutionären geschaffen werden.“

Als er 1919 stellvertretender Volkskommissar für Unterrichtswesen im bolschewistischen Regime von Bela Kun in Ungarn wurde, startete Lukacs ein Programm, das als Kultureller Terrorismus bekannt wurde. Als Teil dieses Programms führte er ein radikales Sex-Erziehungsprogramm in ungarischen Schulen ein. Ungarischer Kinder wurden in freier Liebe und Sexualverkehr unterrichtet und lernten auch, daß der Kodex der Mittelklasse-Familien archaisch sei, Monogamie überholt und Religion, die den Menschen alle Freuden vorenthalte, irrelevant sei. Frauen wurden ebenfalls aufgerufen, gegen die Sitten der Zeit zu revoltieren. Lukacs‘ Kampagne des Kulturellen Terrorismus war ein Vorläufer zu dem, was die Politische Korrektheit später in amerikanische Schulen bringen sollte.

1923 gründeten Lukacs und andere, der Kommunistischen Partei Deutschlands zugehörige Intellektuelle das Institut für Sozialforschung an der Universität Frankfurt in Frankfurt am Main. Das Institut, welches als Frankfurter Schule bekannt wurde, war dem Marx-Engels-Institut in Moskau nachempfunden. 1933, als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernahmen, flohen die Mitglieder der Frankfurter Schule. Die meisten kamen in die Vereinigten Staaten.

Fazit: Wenn wir alles in einen Topf werfen, dann machen wir genau das, was Jesus wohl meint, wenn er dagegen ist,dass das Unkraut aus dem Acker rausgerissen wird. Denn dann reißen wir auch das Gute, das wir eigentlich wollen, mit aus! 

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English