FUNDAMENTALISMUS
nennen wir eine ziemlich unkritische Sicht des Glaubensgutes von Religionen, die eher von Wörtlichnahme und Dogmatik geprägt ist und die sich gegen alle Neuansätze wehrt, um den Glauben an veränderte Zeiten anzupassen. Hinter dem Fundametalismus steckt auch immer eine Vogel-Strauß-Theologie. Alle Versuche, verkrustete Strukturen durch Forschung und Nachdenken aufzubrechen und zu neuen Ansätzen zu gelangen, werden als Abweichlertum von angeblich ewig gültigen göttlichen Wahrheiten und Werten abgelehnt und bekämpft. Dabei wird zumeist überhaupt nicht gesehen, dass die Rahmenkonstruktion unseres christlichen Glaubens (etwa Schöpfungsgeschichte oder Wunder) auch schon Anleihen aus anderen Religionen sind, die einmal dazu dienten, den Glauben den Menschen entsprechend den damaligen Denkgewohnheiten verständlich zu machen. Und das konnte ja immer nur innerhalb der Vorstellungswelt der früheren Menschen geschehen mit Anleihen aus ihrer eben früheren Welt, so dass also unser Glauben schon fast von Anfang an ein Mischmasch, also ein Synkretismus, ist.

Fundamentalisten unterscheiden nun nicht nach äußerem und auswechselbarem Rahmen (also was wegen einer anderen Vorstellungswelt nötig ist) und wirklichem Anliegen - für sie wird der äußere Rahmen zur Bedingung, ohne die es nicht geht

Und so wird die fremde und austauschbare Rahmenkonstruktion nicht vom eigentlichen Inhalt (= Konzept einer besseren Welt von den Zehn Geboten her) unterschieden. Offensichtlich wird nur zu gern übersehen, wie hohl und kontraproduktiv diese ewig gültigen Lehren vom Rahmen inzwischen geworden sind (siehe etwa Wörtlichnahme!) und dass sie von vielen Menschen gar nicht mehr oder nur noch mit Heuchelei akzeptiert werden und sich auch noch negativ auf deren Akzeptanz der Zehn Gebote auswirken.

Das gilt dann auch für Außenstehende wie Nichtchristen oder "ehemalige Christen", die sich für die neue Sicht des Glaubens interessieren oder die sonst wie missioniert werden sollen. Sie würden vielleicht nur zu gern eine Gemeinschaft akzeptieren, die sich auf ein Lebenskonzept nach den Zehn Geboten gründet. Doch wird ihnen ein nicht mehr nachvollziehbares fundamentalistisches Sonderwissen zugemutet, das sie schließlich verprellt, weil es ja auch ein Opfer des Verstandes für sie wäre, also ein Sacrificium Intellectus. Dabei entspricht der Glaube an einen Schöpfergott (siehe auch Kreationismus) mit etwa der Erschaffung Adam-und-Evas oder an ein "Intelligent Design" einfach nicht dem wirklichen Anliegen der Bibel. Siehe hierzu auch einen Brief an die Zeugen Jehovas.

Legebatterienhennensyndrom: Flucht in die Unmündigkeit.

Als Beweis, dass die Legehennen sich sehr wohl in ihren Käfigen wohl fühlen, so wird von den entsprechenden Eierproduzenten argumentiert, dass die "Legebatterienhennen", sobald man sie frei lässt, recht schnell wieder in ihr Käfigsystem zurückfliegen (wenn sie können), sie scheinen sich also dort wohl zu fühlen und man sollte es bei dieser Art der Eierproduktion belassen. Der wirkliche Grund für dieses Zurückfliegen ist allerdings wohl nicht, dass die Hennen von Natur für so ein Käfigsystem veranlagt sind, sondern dass sie nie gelernt haben, mit ihrer Freiheit, also mit dem wirklichen Leben, zurechtzukommen. Sie kennen nicht die Futtersuche, das Fertigwerden mit Ungeziefer, das Leben mit Rangordnungen usw. und sie wollen das jetzt auch nicht mehr lernen. Und so brauchen sie ein fest gefügtes Herrschaftssystem. Darin fühlen sie sich schließlich sogar wohl, obwohl es ganz gewiss nicht ihrem "Hennensein" entspricht (siehe auch Verhausschweinung).

Und hier liegt vermutlich auch das Problem des Fundamentalismus: Seine Verfechter waren in ihrer Kindheit zunächst einmal von einem starken (schein-)religiösen oder (schein-)moralischen Über-Ich (oder Entsprechendem) geprägt, lebten also in einer "Käfighaltung" wie diese Legebatterienhennen (hatten also ein übermächtiges Gewissen - natürlich ein über-ich-gesteuertes). Im Verlaufe ihrer weiteren Jugend wollten sie sich naturgemäß davon befreien und haben sich also gegen dieses Über-Ich aufgelehnt und gegen es verstoßen und allen möglichen "Mist gemacht" - wie etwa in dem Brief an ein religiöses Mädchen zusammengefasst. Doch mit dieser falsch verstandenen Freiheit oder Emanzipation wurden sie letztlich keinesfalls glücklich. Ihre Kritik und Selbständigkeit gegen die Normen des Glaubens hat ihnen also letztlich nur unbewältigte Leichen im Keller gebracht. Und so sehnten sie sich schließlich wieder nach einem starken Über-Ich und machten also wieder die Kehrtwende genau dorthin, wo sie her gekommen waren, also zum Glauben, nun jedoch um so kritikloser (siehe auch Bekehrung). Und weil sie mit ihren vermeintlich selbständigen und damit ungehorsamen Verstößen gegen Glauben und Moral gescheitert waren, kommt es jetzt auch noch zu einer Unsicherheit, aus der heraus sie dann schließlich um so kritikloser alle nur einigermaßen stark vorgetragenen Glaubenstheorien akzeptierten, selbst wenn diese noch so unsinnig sind. Dabei ist es ihnen auch gleichgültig, ob diese Theorien Erschwernisse mit sich bringen, ja selbst Beschneidung und Prostitution (vor allem natürlich kultische Prostitution) in manchen Kulturen werden akzeptiert (so etwas wie Fundamentalismus gibt es eben überall!), es muss eben nur in einem höheren Sinn sein und damit einen Sinn des Lebens darstellen. Und selbst ganz blöde und bei vernünftigen Konzepten sogar durchaus vermeidbare Fehlentscheidungen im Leben (oder eben Sünden) haben (bei uns) ihren Sinn, denn es kommt ja eigentlich vor allem auf die Vergebung Gottes an. Daher ist es auch so schwer, mit Fundamentalisten zu reden, sie haben für alles ihre Rationalisierungen. Wichtig für sie ist vor allem, dass sie genausowenig, wie es ja auch in ihrer Kindheit war, nachdenken müssen und dass sie eine Konstruktion haben, die einen festen Halt bietet. Und von wirklicher Freiheit und Emanzipation, auch und gerade von christlicher, entfernen sie sich immer mehr... Dabei hätte das alles es wirklich gebracht, wenn sie es begriffen und praktiziert hätten, dann brauchten sie nicht die ganze fundamentalistische Unmündigkeit beziehungsweise Sklaverei!

Fundamentalisten pflegen rationale Zusammenhänge von Ursache und Wirkung zu verdrängen und haben eher ein magisches Verständnis.

Ziel der Fundamentalisten ist schließlich immer auch eine "Revolution" der Gesellschaft, ihr Ziel ist ein Gottesstaat, in dem die Gesetze ihrer jeweiligen heiligen Schriften gelten oder was sie dafür halten. Sollte dieser Gottesstaat nun tatsächlich erreicht werden, so ergibt sich immer Folgendes: Fundamentalisten glauben ja (wie die Pharisäer!), dass die Moral automatisch erreicht wird, wenn die Menschen sich vor allem gar nicht erst mit den niederen Dingen beschäftigen, sondern einfach nur den richtigen Glauben haben, sie sind also ausgesprochene Dualisten (siehe auch Gnosis). Das Ergebnis der jeweiligen Pädagogik mit den entsprechenden Tabus ist damit ganz automatisch ein Vakuum, also eine Leere, im Hinblick auf Menschenkenntnis bei den Gläubigen und besonders bei Frauen und Kindern. Und weil jede Leere aufgefüllt werden will (siehe Horror Vacui) schließt sich der Teufelskreis, Fundamentalisten prägen andere und vor allem die von ihnen Abhängigen in genau derselben Richtung, in der sie selbst einmal geprägt waren, und alles beginnt von vorn...

Ganz abgesehen davon, dass durch das Beharren auf sinnlos engen Glaubens- und Moralnormen immer die Notwendigkeit von Sollbruchstellen übersehen wird, damit es schließlich nicht doch einmal zu völliger Fehlentwicklung kommt, ist ein solches Vakuum immer auch eine Versuchung für nicht wirklich moralisch gefestigte Menschen - und das sind unsere Fundamentalisten mit ihren Leichen im Keller ja leider sehr oft auch! Und so dürften diese Fundamentalisten "ihre Chancen" auch bisweilen weidlich ausnutzen, es ist leider so, dass die nach aussen rechtgläubigsten Fundamentalisten oft auch die größten Casanovas oder gar Don Juans sind - Solschenyzin hat einmal geschrieben, dass der größte Weiberheld im Dorf der Pope war (siehe Moralapostel und Heuchler). Nicht zuletzt findet sich irgendetwas, das ihr Treiben zur Not sogar rechtfertigt, auch immer in der Bibel! Selbst wenn es nun viele brave und rechtschaffene Fundamentalisten gibt, so beherrschen die eher ausnutzerischen "Exemplare" der "Spezies Fundamentalisten" schließlich das System so, dass für viele Menschen der ganze Fundamentalismus nur noch widerlich ist und dass fundamentalistische Gottesstaaten irgendwann immer zur Hölle werden. Hinter dem Fundamentalismus steckt also bisweilen ein Verhalten á la Dienst nach Vorschrift, mit dem an dem wirklichen Sinn unseres christlichen Glaubens total vorbei gegangen wird - und nicht nur mit dem kriminologischen Ansatz dieser Website sondern auch etwa mit einer dem ursprünglichen Anliegen des 5. Gebots der Zehn Gebote, also des Nichttötens, haben typische Fundamentalisten nichts zu tun! Und wenn man da weiter bohrt, dann stellt man auch eine regelrechte Hartherzigkeit bei ihnen fest - probieren Sie doch einmal die Toreromehode und legen Sie ihnen das Stichwort vom kriminologischen Ansatz vor!

Immerhin: Fundamentalisten sind wenigstens konsequent.

Wenn ein Pfarrer auf meinen Vorwurf, dass ich mich wenigstens auf den "historischen Jesus" berufen kann, abwinkt und sagt, dass man den ohnehin nicht kenne (siehe allerdings Kerygma und Leben-Jesu-Forschung), dann frage ich mich natürlich, warum der überhaupt (noch) Pfarrer ist, wenn er zugibt, dass er doch nichts Genaues über Jesus weiß. Fundamentalisten haben dieses Problem natürlich nicht - sie wissen alles ganz ganz genau, selbst wenn es noch so abstrus ist. In irgendeiner Weise ist natürlich auch diese Website fundamentalistisch, hier wird auch alles "ganz genau" gewusst - wenn auch anders. Klar, Vorbedingung für eine wirkliche Nachfolge Jesu ist nun einmal ein schlüssiges Konzept - auch und gerade über Vergangenes. Wirkliche Qualität bringt eben nur das Original! (Und wie jeder dazu kommen kann, siehe unter Offenbarung!)

Im christlichen Bereich ist Fundamentalismus eher eine protestantische Angelegenheit, im katholischen Bereich entsprechen dem die Traditionalisten. Siehe auch Opus Dei.

Bekehrungsversuch eines Mädchens

Mit einem Mädchen kam es im Dezember 2004 zu einem regen Schriftwechsel, "sie" wollte mich am liebsten zum Fundamentalismus bekehren. Doch konnte ich ihr gewiss deutlich machen, dass ihr Fundamentalismus nicht viel mit wirklicher Nachfolge Jesu zu tun hat, es reicht also nicht, irgendetwas zu glauben, sondern man muss machen, was Jesus wollte. Und das ist eben bisweilen auch überraschend ungewöhnlich und kein Zuckerschlecken...

Besonderheiten beim islamischen oder besser islamistischen Fundamentalismus

Hier wird nur am Rande etwa der Koran, also das, was der Prophet Mohammed von seinen göttlichen Eingebungen anderen erzählt hat (woher auch immer inspiriert) und was dann nach seinem Tod aufgschrieben wurde, wörtlich genommen und befolgt, sondern zum größten Teil sehr oft sehr zweifelhafte vorderorietalische Traditionen (gegen die hin und wieder sogar schon der Prophet Mohammed angekämpft hat).

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)