GEFÜHL UND VERSTAND. Wer fordert, mehr vom Gefühl als vom Verstand her zu handeln, übersieht eigentlich immer, dass der Begriff Gefühl umgangssprachlich für ziemlich unterschiedliche Bedeutungen verwendet wird, die kaum etwas miteinander zu tun haben:

1. Im Sinn von Gefühlsregungen zeigen.

Irgendwie zu Recht sträubt sich etwas in uns, wenn wir angeblich keine Gefühlsregungen zeigen dürfen, etwa wenn es verpönt ist, dass ein richtiger Junge weint oder dass ein anständiges Mädchen seine Zuneigung zu einem Jungen offen zu erkennen gibt. Und es ist auch unverständlich, warum nicht die Erektion eines Mannes auch dann nicht erkenntlich sein darf, selbst wenn er sich dabei von der Moral her noch so unter Kontrolle hat und seine Fähigkeit zur Enthaltsamkeit ohne jeden Zweifel feststeht.

Die Ursache dieser Tabuisierung von Gefühlen steht gewiss im Zusammenhang mit den sonstigen Tabus, Heucheleien und ziemlich wertlosen Vorstellungen von Sitte und Anstand in unseren Gesellschaften. Dazu kommt noch, dass wir nicht selbstbewusst genug sind, so dass uns gleichgültig wäre, wie andere denken, ob sie sich lustig über uns machen oder ob sie etwas über unsere Gefühlsäußerungen weitererzählen, obwohl wir uns etwa an Normen wie an die Zehn Gebote halten. Vielleicht haben wir auch Angst, dass derjenige, den wir im Fall einer Zuneigung ansprechen, da sogar eine Gelegenheit für ein schnelles und unverbindliches Abenteuer sieht, und wir hinterher schließlich noch selbst schuld daran sind, wenn wir (wieder einmal) reingefallen sind. Eigentlich ist solches Misstrauen doch sehr schade, denn wäre es nicht eine wunderbare Sache, wenn wir so viel Vertrauen in andere Menschen haben könnten, dass wir unsere Gefühle durchblicken lassen könnten? Und ist es denn überhaupt etwas Verwerfliches, wenn sich ein Mensch überlegt, der voller ehrlicher Gefühle zu einem ihm sympathischen Menschen ist, ob dieser Mensch für ihn nicht ein Gefährte fürs ganze Leben sein könnte? Problematisch wird es im Grunde doch eigentlich nur, wenn sich jemand in seinen Gefühlen nicht deutlich genug ausdrückt und der andere missversteht, was gemeint ist, etwa wenn der eine an einen harmlosen Flirt oder auch an ein Abenteuer denkt, der andere jedoch an eine Erfüllung fürs ganze Leben. Fein sind wir da heraus, wenn es zumindest gelingt, den anderen voll und ganz zu überzeugen, dass wir wenigstens uns in unserem Verhalten auch unter allen Umständen und ohne Kompromisse am wirklichen christlichen Glauben orientieren.

Und wenn uns schließlich die entscheidende Bindung unseres Lebens gelungen ist, dann brauchen wir schon gar nicht ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir endlich zeigen wollen und können, was alles an Gefühl in uns steckt!

2. Im Sinn von Entscheidungen-aus-dem-Gefühl-heraus-Treffen.        

"Man kann doch nicht immer nur nach dem Verstand handeln, gerade bei Entscheidungen, die die Liebe betreffen, kommt es doch wohl vor allem auf das Gefühl an - und das muss hier die entscheidende Rolle spielen, selbst wenn dabei schließlich Enttäuschungen herauskommen!" So redet vor allem auch ein Don Juan, wenn er ein Mädchen herumkriegen will, klar, ein nüchterner Verstand mit einem Lebenskonzept passt dem schon gar nicht! Und dann kommt es zu solchen oder ähnlichen Rationalisierungen bei vielen Menschen, wenn sie sich rechtfertigen, weil sie Gefühlsentscheidungen gegen die Vernunft treffen und damit im Grunde beweisen, dass ihre Fähigkeit zu einem vom Denken her bestimmten Lebenskonzept doch sehr mangelhaft ist (siehe auch Mauern in den Köpfen und rosarote Brille). Gerade Mädchen und Frauen sollten also mit dieser Argumentation sehr vorsichtig sein, denn damit leisten sie auch dem alten Vorurteil der Männer Vorschub, dass die Frauen und Mädchen ja gar nicht vernünftig denken könnten und letztlich doch nur nach dem Gefühl handelten...

Zweifelsohne ist es schade, dass wir heutzutage nicht aus solchen Gefühlsentscheidungen heraus handeln können, wie etwa nach einem überwältigenden Augenkontakt, weil nämlich damit unser Reinfallen sozusagen vorprogrammiert ist und wir dadurch oft genug lebenslang nicht mehr zum unbefangenen Ausleben unserer Gefühle kommen. Dabei würden echte Strategien und damit sogar wirklich mathematisches Denken dem gar nicht widersprechen, ja das alles könnte sogar die rationale Basis sein für wirkliche Gefühle!

3. Im Sinn von Vorurteilen.

Bisweilen treffen wir Entscheidungen, die jeder Vernunft Hohn sprechen, obwohl wir überhaupt nicht unter einem besonderen Gefühlsdruck stehen, also uns auch gar nichts in uns zwingt, in einer bestimmten Weise zu handeln. Ursache hierfür ist ein nicht mehr richtig funktionierender Instinkt beziehungsweise eine Intuition und eine falsch programmierte Phantasie und die deswegen nicht aufgearbeiteten Ängste und Tabus, wie sie einfach unserer zeitbedingten Atmosphäre entsprechen. Hierzu zählen etwa die Vorstellungen von Sitte und Anstand und da vor allem die (Sexual-)Scham, die uns in unserer Kultur von Kindheit an beigebracht werden, ohne uns wirklich menschlich weiter zu bringen. Ein Mensch, für den die Nacktheit ein Problem ist, der also leibfeindlich ist, oder der irgendwelche Enttäuschungen hinter sich hat, hat nun einmal einen anderen Instinkt oder eine andere Intuition oder auch ein anderes Bauchgefühl als jemand, für den das alles kein Problem ist. Bisweilen werden solche "Verirrungen" sogar als gesunder Menschenverstand bezeichnet! Wir sollten damit beginnen, diese Gefühle zu hinterfragen und uns anders zu verhalten, weil das schon einmal einen Aufbruch bedeutet und am unkompliziertesten möglich ist: Es erfordert "nur" eine geistige Leistung.

Vergegenwärtigen wir uns einmal, dass überall in der Natur alles darauf angelegt ist, dass sich die einzelnen Lebewesen optimal fortpflanzen. Und so ist es gewiss auch bei uns Menschen. Und dafür haben wir wohl in erster Linie unser gewaltiges Gehirn mitbekommen, damit wir mit seiner Hilfe unsere Gefühle dort einsetzen, wo sie für den Fortpflanzungszweck hingehören (siehe Veranlagung). Und je besser das Zusammenspiel Gehirn und Gefühl gelingt, desto besser für uns! Denn nur so kann es geschehen, dass wir die einmal getroffenen Vernunftentscheidungen phantasie- und hingebungsvoll ausschmücken und sie so zu einem großartigen Erlebnis machen können - etwa, wenn wir einen wirklichen Gefährten gefunden haben, mit dem wir ein richtig gutes Paar bilden. Die Gefühle sind dann wie die Sahne auf der Erdbeertorte, damit schmeckt's erst richtig! Dagegen ist Sahne allein auf Dauer fad und schließlich sogar widerlich...

Wie Gefühl und Verstand gerade auch bei Frauen und Mädchen hervorragend miteinander harmonieren können, siehe unter "weibliche Sexualität"!

Eine Erziehung zu Gefühl und Verstand am richtigen Fleck ist durchaus möglich!

Eigentlich hätte uns eine wirklich uns dienliche Erziehung bei der Entwicklung eines Konzepts, wann wir Gefühle einsetzen können und wann wir lieber unseren Verstand einsetzen sollten, helfen müssen. Doch wahrscheinlich war das nach dem Grundsatz, daß das erzielte Ergebnis letztlich auch immer irgendwie das beabsichtigte ist (selbst wenn es anders behauptet und beteuert wird), auch gar nicht gewollt: Man wollte lieber Menschen mit einer Sklavenmoral erziehen, die Gefühl und Verstand durcheinander werfen und weder das eine noch das andere richtig benutzen und erleben! Sonst würden wir wahrscheinlich tatsächlich bessere, bewußtere und glücklichere Menschen werden - und dann würde die Gefahr bestehen, daß das ganze bewährte System von Macht, Angst, Geschäft, Klassengesellschaften so, wie es ist, zusammenbricht - und das wollen diejenigen, die davon profitieren (also das Establishment), so schließlich auch nicht!

Und wie macht man eine Erziehung junger Menschen zu Gefühlen am richtigen Fleck? Das ist gar nicht so schwer und bringt nicht zuletzt demjenigen, der diese Erziehung macht, auch Freude! Das Konzept dafür ist schlicht: Ein stimmiges Lebenskonzept mit entsprechenden Strategien und damit verbundenem wirklich mathematischem Denken und gleichzeitig Spaß an der wirklichen Moral, ja man muß so richtig sinnlich auf Moral werden! Wie, das geht nicht? Sehen wir uns einmal unter diesem Gesichtspunkt die Stichworte Nacktheit an, oder auch Überrumpelung oder Entjungferung... Hier werden Alternativen aufgezeigt, was man in den jeweiligen Zusammenhängen auch noch machen kann, was gleichzeitig sinnlich und moralisch ist, nur die jungen Leute müssen auch mit Gefühl und Verstand in diese Richtung gelenkt werden!

Und wenn die jungen Leute erst einmal in dieser Richtung sind, dann können sie durchaus auch einmal aus dem Bauch heraus, also vom Gefühl her, handeln! So falsch kann das gar nicht mehr werden...

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)