GEMEINDE.  In einem ganzseitigen Interview in der Zeitung DIE WELT vom 19.01.2001 anläßlich ihres 85. Geburtstags zitiert Frau Elisabeth Noelle -Neumann (Meinungsforschungsinstitut Allensbach) den amerikanischen Soziologen George Herbert Mead: "(Menschen) denken immer darüber nach, wie sie auf andere Menschen wirken. Die Menschen fragen sich den ganzen Tag lang, manchmal gar nachts: Was denken die anderen über mich, was sagen andere über mich?" 

Wir brauchen nun einmal Gemeinschaften von Menschen, die wir zwar nicht unbedingt persönlich kennen, die jedoch nach ähnlichen Grundsätzen (oder Spielregeln) wie wir denken und handeln.

Wenn es auch sinnvoll wäre, sich endlich von dieser inneren Abhängigkeit von anderen Menschen zu befreien, weil wir nicht zuletzt ja etwa unsere Fehler, die wir machen, weil wir uns den anderen anpassen, letztlich doch immer allein ausbaden müssen, so müssen wir doch einsehen, daß eine völlige Befreiung hier nun einmal nicht möglich ist; wir sind nun einmal Gemeinschaftswesen und daher auf andere angewiesen und jegliche wirkliche Befreiung würde uns letztlich nur asozial machen! Wir brauchen also Gemeinschaften, in denen wir leben können! Und da es nicht nur reicht, daß wir eine Gemeinschaft von Freunden haben, die wir persönlich kennen, brauchen wir auch ganz allgemein Gemeinschaften von Menschen, die wir nicht unbedingt persönlich kennen, die jedoch nach ähnlichen Grundsätzen wie wir denken und handeln - und das sind nun einmal "Gemeinden" bis hin zu Kirchen!

Ein ganz wichtiger Grund für eine solche Gemeinschaft ist und war schon immer (vor allem zunächst einmal) die moralische Erziehung der nachwachsenden Kinder. Hier ist nämlich das Problem besonders drängend, daß junge Menschen selbst für ganz vernünftige Ideen von Moral unbedingt eine Gemeinschaft brauchen, weil einfach ein Gruppeneffekt dazu gehört, wenn die Erziehung gelingen soll.

Was Eltern alleine nie schaffen, gerade wenn es vor allem um die höchsten Ideale von Liebe geht, kann nämlich in Zusammenarbeit mit einer entsprechenden Gemeinschaft durchaus erfolgreich werden! Siehe ein Modell hierzu unter Kindererziehung, das durchaus der Konzeption der frühen Christen entsprechen dürfte.

Doch was können wir tun, wenn etwa unsere bestehenden Gemeinschaften mit anderen Menschen ganz offensichtlich nicht zu unseren ethischen Vorstellungen passen, ja wenn diese dem sogar entgegenstehen? Es bleibt uns nichts anderes übrig: Wir müssen entweder Gemeinschaften suchen, die uns entsprechen, neue Gemeinschaften "gründen" (und wenn es nur eine ist) oder eine bestehende Gemeinschaften in unserem Sinn verändern.

Immerhin können wir sagen, daß die christlichen Kirchen sich zumindest von der Idee ihres Ursprungs im jüdischen Glauben und bei Jesus von Nazareth hervorragend eignen, solche ethischen Gemeinschaften oder eben "Gemeinden" zu sein.

Ihr Sinn ist es ja, die Gemeinschaft derjenigen Menschen zu sein, für die die Zehn Gebote Richtschnur des Paradieses hier und jetzt sind. Leider sind sie durch Dekadenz weitgehend zu üblicher Vereinsmeierei verkommen etwa für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für ihre Leiter und für deren Selbstdarstellung.  

An den Gemeindemitgliedern liegt es, dieses zu ändern - "von oben" ändert sich sowieso nie etwas!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)