GLAUBE
, also Nicht-Wissen, wird von allen Religionen von ihrem Gläubigen gefordert, wir sollen also unseren Verstand beiseite lassen und uns mehr oder weniger blind dem unterwerfen, was eine höhere Dogmatik anordnet, und gibt es da noch so viele "Opfer des Verstandes" (Sacrificium Intellectus). Im Sinn wirklichen christlichen Glauben kann dies allerdings nicht sein, schließlich ist ja heiliger Geist höchstes Prinzip christlichen Denkens.

Wie können wir überhaupt einen Gott annehmen, der uns das Geschenk des Verstandes gibt und gleichzeitig die Auflage, dieses Geschenk doch nicht richtig zu benutzen?

Dabei ist es doch üblicherweise geradezu moralische Pflicht und echtes Kennzeichen wirklicher Dankbarkeit, daß wir sinnvolle Geschenke auch sinnvoll einsetzen. Und es wäre auch ein merkwürdiger Schenker, der uns genau auch vorschreiben würde, wie wir seine Geschenke einzusetzen haben?

Nicht zuletzt kann ja auch als Heuchelei gedeutet werden, etwas für wahr zu halten, was wir doch nicht genau wissen und auch gar nicht wissen können? Und vor allem: Wie kommen wir eigentlich dazu, etwa in unserer Erziehung jungen Menschen so etwas dann noch als wahr zu verkaufen? Und selbst wenn wir ihnen gegenüber diese Unsicherheit unseres Glaubens zugeben, stehlen wir ihnen nicht ihre Zeit mit möglicherweise überflüssigen und sinnlosen Dingen? Könnte es nicht eher im Sinn eines akzeptablen Gottes sein, etwa mit den uns anvertrauten Menschen über Lebenskonzepte auf einen erfüllenden Sinn des Lebens nachzudenken und auch über Strategien, diese zu verwirklichen? 

Leider sieht es so aus, daß verordneter Glaube nie zu wirklicher Moral führt und daher Glaube und Moral Widersprüche in sich sind, zumindest wenn der Glaube dazu dient, Moral über ein über-ich-gesteuertes Gewissen zu produzieren. Diesen Weg gingen im Übrigen zur Zeit Jesu die Pharisäer. Doch gibt es ja auch eine Moral, die aus sich heraus wirklich attraktiv ist (siehe unter Eine attraktive Moral – gibt´s die überhaupt?) und um die zu leben, bedarf es gewiß des Glaubens - siehe Spieltheorie.

Zur Wirkung von Glaube auf die Gesundheit des Menschen siehe unter Resilienz.

Siehe auch Glauben und Wissen.

Siehe hierzu auch:

""Glauben" heißt, eine Idee auch ohne gute Gründe anzunehmen und für wahr zu halten. Wer glaubt, verzichtet auf empirische Belege sowie Gedanken, die mit Vernunft vereinbar und somit konkret nachprüfbar sind. Er tut das vorzugsweise, weil er sich dann besser fühlt. Sich mit dem bloßen Nicht-Wissen zu bescheiden, ist nicht Sache des religiösen Gläubigen. Wer meint, auf diese Weise "glauben" zu können, der kann genauso gut alles glauben, und die Folgen sind oft verheerend". (Gerhard Czermak in „Problemfall Religion, Ein Kompendium der Religions- und Kirchenkritik“)

Ja, schauen Sie zu diesem Zitat doch einmal in das Stichwort Navi!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)