GLAUBEN UND WISSEN / GLAUBE UND WISSEN sind die beiden gegensätzlichen geistigen Funktionsweisen unseres Verstandes. Dabei ordnen wir den Bereich der Wirklichkeit des Lebens, also der Arbeit und der alltäglichen Dinge, eher dem Gebiet des Wissens zu, den Bereich des Seelisch-Geistigen eher dem Gebiet des Glaubens. Das hat leider verheerende Folgen. Denn während wir nun die Wirklichkeit des Lebens im allgemeinen recht gut meistern, fühlen wir uns im Seelischen nur zu oft wie rechte Stümper und führen uns auch so auf. Das, was unser Glück wirklich ausmacht und was ja mehr zum Seelischen gehört, will so recht nicht gelingen. Ob das nicht die Folge davon ist, weil wir das Seelische dem Bereich des Glaubens falsch zugeordnet haben?

Die Trennung von Glauben und Wissen ist typisches Kennzeichen von götzendienerischen Religionen.

Denn die verlangen von ihren Gläubigen natürlich Glauben, weil Wissen die Unsinnigkeit vieler Glaubenskonstruktionen entlarven und diese schließlich (zer-)stören würde. Ihnen geht es ja um Macht und um Unterdrückung ihrer Gläubigen, und sie versuchen, mit Ängsten und Tabus den Glauben zu sichern und letzte Aufklärung zu verhindern, weil die Gläubigen ihnen sonst davonlaufen würden. Daher verurteilen sie auch alles Hinterfragen von Glaubenssachen als böswilliges Zerreden. Entschuldigend mag allerdings gelten, daß die jeweiligen Priester zumeist selbst überzeugt sind von dem, was sie vertreten, also nicht nur Täter, sondern auch ihrerseits Opfer sind. 

Wirklicher Christlicher Glaube setzt sogar soviel Wissen und Denken wie nur irgend möglich voraus!

Demgegenüber ist auch hier wirklicher christlicher Glaube das völlige Gegenteil von Götzendienst, wir dürfen, ja wir müssen sogar unser Gehirn so gut gebrauchen, wie es irgend geht. Die Aussage Jesu etwa in dem Bericht vom ungläubigen Thomas, die den Glauben fordert ("Selig, die nicht sehen und doch glauben." Joh. 20, 29), gehört schon von ihrem Zusammenhang in der Bibel her in dieselbe zweifelhafte Kategorie wie die Berichte von der Jungfrauengeburt und der Auferstehung, ist also nicht geschichtlich belegt (siehe Kerygma).

Die Aufforderungen Jesu zum Gebrauch unseres Verstandes erscheinen im Gegensatz dazu ausgesprochen unreligiös realistisch, wie es im Grunde auch eher typisch für einen Menschen ist, der von Beruf Häuserbauer ist. Dem wirklichen Jesus geht es ganz offensichtlich gar nicht um Glauben, sondern darum, daß wir Menschen im Leben mit Pfiffigkeit und Tatkraft unseren Mann (oder unsere Frau) stehen (siehe heiliger Geist).

Deutliches Beispiel, was Jesus da von ängstlicher Vorsicht (also von Glauben) hält, ist das bekannte Gleichnis von den Talenten aus dem Lukasevangelium (19, 11ff): Da macht ein Gutsherr eine lange Reise und vertraut vorher seinen Knechten unterschiedliche Geldsummen an, dem ersten fünf Talente (heute etwa 50 000 Euro), dem zweiten zwei Talente, dem dritten eines, "jedem nach seinen Fähigkeiten". Als der Gutsherr nach langer Zeit zurückkehrt, bringen ihm der erste und der zweite Knecht jeweils das Doppelte an, denn sie haben mit ihrem Geld Handel getrieben und waren erfolgreich. Nur der dritte Knecht bringt genau das zurück, was er erhalten hatte, denn er hatte Angst, etwas falsch zu machen, und hatte daher das Geld die ganze Zeit über vergraben. Darauf werden die ersten beiden Knechte aufs Höchste gelobt, weil sie aus ihren Talenten etwas gemacht haben, der dritte Knecht aber wird vernichtend getadelt und ihm wird noch das weggenommen, was er hatte.

Nach der Absicht dieses Gleichnisses sind nun wir alle diese Knechte, und in den Talenten, von denen Jesus spricht, dürfen wir getrost unsere Fähigkeiten, heute also durchaus auch unsere Gehirnzellen, wiedererkennen. Wir müssen sie in unserem Leben einsetzen, dafür haben wir sie mitbekommen. Und wenn wir unsere Talente so recht nutzen, nicht nur um in den praktischen Dingen unseres Lebens erfolgreich zu sein, sondern auch in den seelischen und dabei auch an die Verantwortlichkeit für unsere Mitmenschen denken, dann sind wir in jedem Fall gerechtfertigt, selbst wenn dabei Gott nicht das erste Ziel ist. Bei unserem Einsatz in dieser Welt werden wir dann schon merken, wie risikoreich das alles ist und wieviel Gnade wir benötigen.

Für wirkliche Christen gilt also: Soviel Wissen wie möglich, so wenig Glauben wie nötig! Nur Mut! Wenn ein Gott da ist, dann hat er gewiß nicht unsere Anstrengungen nötig, die nur den einzigen Sinn haben, ihn durch die Verteidigung von unkritischem Glauben zu retten! Siehe Aberglauben, Gebet, Zehn Gebote.

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)