GOTTESERFAHRUNG - GLAUBENSERFAHRUNG. Wir erinnern uns doch an unseren sehr frühen Physikunterricht, als das Thema Akustik dran war. Und zwar gab es da doch diese Versuchsanordnung von zwei etwa 100 cm langen und länglichen Kästen, auf denen je eine Saite gespannt war. Dabei hatte der eine Kasten eine Saite mit einer fest eingestellten Länge, und auf dem anderen Kasten konnte man die Länge der Saite verstellen (jedenfalls war es so in meiner Erinnerung).

Und wenn nun beide Kästen nebeneinander standen, und auf dem Kasten mit der fest eingestellt Länge der Saite diese gezupft wurde, und man konnte deutlich sehen, wie sie schwang, dann begann auch die Saite auf dem anderen Kasten genauso zu schwingen - aber nur, wenn die Länge der Saite dieses Kastens dieselbe war wie die der angezupften Saite. Ansonsten rührte sich da gar nichts (ich meine mich erinnern zu können: ausgenommen wenn die Länge der angeregten Saite genau die Hälfte oder ein Viertel betrug...).

Ich möchte hier nicht näher auf die letztlich unlösbare Frage eingehen, ob es Gott gibt oder nicht, sondern die Frage nach der Gotteserfahrung mit der Erfahrung dieser schwingenden Saite verknüpfen:

Eine eigene Gottes- oder Glaubenserfahrung  ist für einen anderen Menschen oder für andere Menschen nur nachvollziehbar, wenn da irgendwo dieselbe Wellenlänge ist - oder ein genau bestimmbarer Bruchteil davon.

Das heißt: Wenn jemand die eigenen Gottes- oder Glaubenserfahrungen anderen rüberbringen will, die diese nicht hatten, sind diese sehr schnell überfordert und genervt - und sie schalten ab. So sind die Bekehrungserlebnisse so mancher amerikanischer Prediger für uns hier in Deutschland sehr oft eher befremdlich und sogar lustig.

Daher meine ich: Gottes- und Glaubenserfahrungen sollten besser Privatsache sein. Wie jemand zu seinem Gott oder zu seinem Glauben gekommen ist, geht andere eigentlich nichts an (es sei, die anderen sind mit ihm sehr gut bekannt und wollen ihn anhören oder haben vergleichbare Erfahrungen). Von Bedeutung für die anderen ist dagegen, wie jemand sein Leben ändert, wie er mit ihnen umgeht, wie und daß er sich engagiert.

Denn die Problematik der Weitergabe einer üblichen Gotteserfahrung aus einem Bekehrungserlebnis heraus etwa in einer Pädagogik ist doch: Bei dem jungen Menschen wird dadurch letztlich nur ein Gott eines über-ich-gesteuerten Gewissens aufgebaut - und im Hinblick auf das Handeln dieses jungen Menschen führt das letztlich nur dazu, dass dieser bei passender Gelegenheit genauso handelt, wie man selbst einmal gehandelt hatte, also daß er dieselben Fehler macht wie man selbst es vor seinen Erfahrungen getan hatte. Und eigentlich wollte man diesen jungen Menschen ja beeinflussen, nicht dieselben Fehler zu machen, doch dazu hätte es für den jungen Menschen eines völlig anderen Zugangs zu Gott und zum Glauben bedurft (siehe auch Gottesbild und spieltheoretischer Gottesbeweis unter Spieltheorie).

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English