GOTTESSTAAT - GOTTESKRIEGER (auch Theokratie oder Mullahregime)Der Begriff wurde (lat. „Civitas Dei“) vom Kirchenlehrer Augustinus (354 - 430) geprägt. Augustinus meint damit die Gemeinschaft der Menschen, die sich der ewigen Ordnung Gottes fügen, wogegen der „Erdenstaat“ auf menschlicher Ordnung aufbaut. Im Erdenstaat werden die Güter der Erde einfach nur genossen, statt sie zu einem höheren Ziel zu gebrauchen.

Alle Versuche, Gottesstaaten zu schaffen, endeten bisher immer in unmenschlichen Tyranneien.

Nach vielfacher bisheriger Erfahrung sind die meisten Versuche, einen menschlichen Gottesstaat zu errichten, bisher kläglich gescheitert. Ursache ist, daß in Gottesstaaten nach Mafia-Masche Religion und Justiz verquickt sind und Glaube und vor allem Moral schließlich immer von einem über-ich-gesteuerten Gewissen ohne echte menschliche Einsicht und daher mit Zwang durchgesetzt werden sollten, also irgendwie gegen die Natur der Menschen. Doch funktioniert das nie, weil Moral immer nur eine freiwillige Sache sein kann, und eine freiwillige Sache muss eben mit wirklicher Information, mit wirklicher Emanzipation und Freiheit und mit wirklichem Selbstbewusstsein gekoppelt sein. Dann (nämlich von einem ich-gesteuerten Gewissen her) kann sie auch durchaus funktionieren, was machen nicht Menschen alles freiwillig völlig aus sich heraus, wenn sie nur wissen, worum es geht, und vor allem wenn etwas ihrem eigenen Interesse entspricht? Doch wenn dies alles fehlt, bedeutet das auch, dass die Einsicht in die Moral überhaupt fehlt – und die Moral wird daher von vielen Menschen als lästig empfunden und mehr oder weniger heimlich über Bord geworfen, wenn eine entsprechende Situation da ist. Nach außen hin darf man natürlich nicht auffallen, und das funktioniert am besten, indem man äußerst fromm und moralisch tun, das Ergebnis sind Heuchler und Moralapostel. Im heutigen Iran, einem typischen Gottesstaat, sieht das dann so aus, daß die Männer brav zum freitaglichen Gottesdienst gehen und die Frauen sich nur verschleiert in der Öffentlichkeit zeigen, doch die privaten Partys sollen die freizügigsten in der ganzen Welt sein, siehe Punkt 12 unter Moralapostel.

Das Tückische an diesen Gottesstaaten ist, daß die „Gotteskrieger“ und die anderen Verantwortlichen schließlich ihre Macht nicht mehr im Sinn wirklicher Moral sondern sogar ausgesprochen gegen jede Moral schamlos ausnutzen. So wird die Todesstrafe, die eigentlich nur bei Verstößen gegen den Glauben und gegen die Moral angewandt werden darf, schließlich doch nur eingesetzt, wenn jemand die Unmoral, die von ihm verlangt wird, nicht mitmachen will!

In den Tagen nach der Tragödie vom 11. September 2001 in New York haben wir in einer der vielen Sendungen über Afghanistan gesehen, wie eine verschleierte Frau im Stadion von den Gotteskriegern  vor einer Beifall klatschenden Menschenmenge hingerichtet wurde, angeblich wegen Ehebruchs. Kaum jemand fragt sich, wie diese Frau wohl erwischt und von wem sie angezeigt wurde, obwohl dieser doch wissen mußte, daß ihr die Todesstrafe blühte. Was hat das nun in einer Gesellschaft zu bedeuten, in der traditionell Männer "alles" dürfen, wo es ein ausgeprägtes Prostitutionswesen gibt, denn schließlich gehören "zu dieser Sache" ja immer zwei und es ist nicht bekannt, daß die Afghanen "dazu" immer im benachbarten Pakistan oder im Iran einfallen oder gar zu uns kommen. 

Ja, was wird hier gespielt?

In Gottesstaaten kann man Freund und Feind schließlich nicht mehr unterscheiden, weil ja alle fromm tun!

Des Rätsels Lösung ist die: Gewiss gibt es bei den Gotteskriegern in Afghanistan absolut rechtschaffene Leute, die das, was sie da auch von Moral anderen predigen und wofür sie sich einsetzen, ernst nehmen und daher auch keiner Frau etwas zuleide tun. Doch es gibt vor allem auch die anderen, die Sexualverbrecher und die Hemmungslosen, eben die sogenannten Wölfe im Schafspelz - in der Terminologie der Bibel. Und die - ihre Triebe werden durch die allgemeine Leibfeindlichkeit und Verklemmtheit nur noch mehr aufgeheizt - nutzen die Möglichkeit, Frauen wegen Unmoral anzuzeigen, brutal für ihre Zwecke aus. So machen sie sich etwa an eine Frau heran, die ihnen gefällt, und fordern von ihr Sex. Und wenn diese Frau sich weigert, dann erfinden sie einfach, daß sie von ihr angemacht worden seien oder daß sie sie gar "erwischt" hätten und bringen sie vor Gericht. Und der Frau wird ohnehin nicht geglaubt, weil in der Meinung der oft fern von allen Frauen erzogenen Gotteskrieger Frauen sowieso immer falsch sind und lügen, schließlich findet sich ja leicht immer irgend etwas. Und neutrale Zeugen werden an die Frau gar nicht herangelassen, ausländische schon gar nicht, und wenn es doch einmal zu Kontakt mit Ausländern (etwa von Hilfsdiensten) kommt, dann heißt es, daß diese die Frau und andere Moslems, die diese Ungerechtigkeiten mitbekommen und auf Abhilfe sinnen, zum Christentum zu bekehren versuchten und sie werden gleich mit vor Gericht gestellt - auch das unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ja, oftmals wissen alle Beteiligten gar nicht, um was es sich dreht. Was soll´s übrigens, wenn eine Frau oder gar ein Ausländer mal erschossen werden, dann kuschen wenigstens die anderen und verweigern sich nicht mehr den Gotteskriegern beziehungsweise kritisieren sie nicht mehr. Und aus diesem Verfahren stammen dann durchaus auch die Prostituierten in diesen Ländern, die ja erst recht nicht mit jemandem vernünftig reden können und deren Gejammer ohnehin niemand mehr glaubt. 

Alles an den Haaren herbeigezogen? Vielleicht habe ich ja falsche Informationen? Doch warum dann diese Heimlichtuerei der Gotteskrieger? Wenn sie ein reines Gewissen hätten, könnten sie doch mit offenen Karten spielen? 

Und so können sich die Taugenichtse sehr gut tarnen und nutzen weidlich die Gelegenheit.

Inzwischen - nach der Beseitigung des Talibanregimes - erfahren wir auch, dass gerade die "Oberen" sich gar nicht einmal die Mühe machten, sich solche komplizierten Verfahren einfallen zu lassen, um Frauen und Mädchen unter ihre Gewalt zu bringen. Die WELT berichtet (21.12.2001 S. 7):

"Das Ende der Taliban bringt indes Tag für Tag neue Schattenseiten ihres Schreckenregimes ans Licht: Nach jetzt bekannt werdenden Berichten war beispielsweise die Entführung von Mädchen und Frauen gängiger Brauch unter den Taliban-Kommandeuren. Dass sich die Taliban nach nur zwei Monaten Krieg praktisch in Luft aufgelöst haben, zeugt also nicht nur von der Stärke ihrer Gegner, sondern auch von der Schwäche ihrer Ideologie und der Verlogenheit ihrer Moral. Das Volk ersehnte ihren Sturz.

Die Taliban-Minister waren alte Kriegskumpel und die Städte und Provinzen blieben in der Hand von Raubrittern, die ihre Pfründe durch harscheste Gesetze schützten. Aus dem Koran wurde ein Eiszeit-Islam buchstabiert mit einer Scharia, die für Lappalien das Abhacken von Gliedmaßen verlangte. Gleichzeitig frönten Truppenkommandeure einem Lebensstil, der den sicheren Tod bedeutet hätte, wären sie nicht über das `Gottesgesetz´ erhaben gewesen.

Mit den neuen Machtverhältnissen wagen sich Familien nach dem Schicksal ihrer verlorenen Töchter zu fragen...trotz des Stigmas, mit dem die erzkonservative Moslemgesellschaft Töchter und Schwestern belegt, die als Sexsklavinnen dienen mussten....

Die neue Regierung und humane Hilfswerke sprechen von mehreren hundert Mädchen und Frauen, die von Taliban-Soldaten entführt worden seien als Beutegut, als sexueller Preis für Kampftaten, während die Gottesheuchler der Taliban dem Volk weisgemacht hatten, die Frau sei das Juwel der Familie, gehöre vom Scheitel bis zum Zeh verhüllt, dürfe weder arbeiten noch zur Schule gehen noch unter die Augen fremder Männer treten. 

Nach General Mohammed Kasim, dem militärischen Chefstaatsanwalt der Nordallianz, hätten die Taliban mindestens 1000 afghanische Frauen entführt und entehrt. Einige Kommandeure hätten ein Dutzend oder mehr entführter Frauen als Konkubinen gehalten. Viele seien in den arabischen Raum verkauft worden.

Dabei hatte Mullah Mohammed Omars Aufstieg vom Kleinbanditen zum Taliban-Regimeführer mit der sagenhaften Tat begonnen, zwei minderjährige Mädchen aus der Hand ihrer Vergewaltiger befreit zu haben. Omar habe diesen - so geht die Erzählung - kurzerhand am Geschützrohr eines Panzers erhängt."   

(Über das Schicksal afghanischer Frauen siehe unter: www.hrw.org/campaigns/afghanistan/women.htm.) 

Es gibt eben seit jeher in solchen gottesstaatlichen Gesellschaften wie in der aktuellen afghanischen bei den Gotteskriegern immer die zwei Varianten, mit den Trieben fertig zu werden, die nun einmal da sind, den enthaltsam-asketischen und den liberalen. Und leider reicht es, wenn auch nur einige wenige den "liberalen" Weg gehen, dass schließlich diese "heiligen Staaten" immer so unerträglich werden. Ja, es sieht sogar alles danach aus, dass typische Gottesstaaten immer nur Herrschaften der  Moralapostel sind, in denen  die Moral in der Praxis - und nur die zählt ja im Endeffekt - allein dazu dient, damit immer genügend Mädchen "frisch und frei von Geschlechtskrankheiten" bleiben für die jeweils Herrschenden (siehe auch Recht der ersten Nacht).

Wie in Gottesstaaten beziehungsweise in Staaten mit den entsprechenden "göttlichen Gesetzen" mit Frauen auch schon mal ganz offiziell umgesprungen wird, siehe unter der Url. http://www.welt.de/data/2005/06/29/738452.html: Die Niedrigste begehrt auf: Pakistan und die Frauen. Da angeblich die Ehre einer höheren Familie verletzt wurde, wurde auf Ratsbeschluss ein Mädchen der unteren Familie vergewaltigt...

Und ich habe auch den Bericht einer Frau, wie sie im Iran von den Revolutionsgarden (also den Wächtern der Moral!) als eine Art Folter vergewaltigt wurde, es war da ein Interview im DLF und im WDR 3.

Israel zur Zeit Jesu war ja auch so ein Gottesstaat mit den üblichen "Problemen"!

Und das war die Situation in Afghanistan, das war die Situation der mittelalterlichen christlichen Staaten, das war genau die Situation des jüdischen Gottesstaates zur Zeit Jesu, die er ändern wollte. Siehe hierzu die typischen Rechtsfälle solcher Gottesstaaten mit dem entsprechenden Hintergründen, wie wir sie aus der Bibel kennen: Jesus und die Sünderin und die Geschichte von der keuschen Susanna, wohl die älteste bekannte Kriminalgeschichte. 

In der Gnosis wird aus diesen Mißständen dann auch noch eine wunderbare hohe Philosophie gemacht... 

Ob die Hinwendung zu dem Streben nach wirklichem Reich Gottes (das ist etwas ganz anderes als ein Gottesstaat!) und damit zu einer Moral aus der Vernunft heraus nicht eine Lösung sein könnte? Ich sehe keinen anderen Weg als den über die Nachfolge des wirklichen Jesus, indem wir für sein "Reich Gottes" arbeiten!

Hinweise:

Von einem Besuch in einem Gottesstat, nämlich im Iran, berichtet Rena Shimoni, die 1978 mit ihrer Familie von den Mullahs vertrieben wurde. Jetzt kehrte sie mit ihrem Vater, einem Geschäftsmann, nach Teheran zurück.

Von den zwei Welten, soweit sie sie beobachten kann, in diesem Gottesstaat schreibt sie:

Das Center ist gut besucht, meist von gestylten Männern und jungen, sehr schicken Frauen in eng anliegenden Mänteln. Plattenläden mit den aktuellen Alben, eine Ikea-Vertretung und Boutiquen mit den kürzesten Röcken, den knappsten Tops, den knalligsten Farben. Aber wer trägt das und wann?

Meine Begleiterinnen erklären mir, man lebe im Iran in zwei Welten: in der öffentlichen, die sich an die islamischen Restriktionen hält, und in der privaten hinter verschlossener Tür, in der man sich weit gehend frei und westlich orientiert bewegt. Hier im Einkaufszentrum treffen diese beiden Welten krass aufeinander: Verschleierte Frauen kaufen sich Miniröcke.

Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2004/07/14/304864.html

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English !