Mit dem Ideal der echten Monogamie, dass also jeder Mensch in seinem Leben nur einen einzigen Geschlechtspartner hat, gehen gerade auch die Religionen ausgesprochen kontraproduktiv um. Hier nun wird dieses Ideal einmal ernst genommen. Natürlich: Man muss damit bei jungen Menschen anfangen, gerade auch bei Mädchen.

Statt Angst vor dem ersten Sex:

ZUERST EINMAL SPASS AN PARADIESERLEBNISSEN!

Jede Anstrengung kann intelligent und spannend sein. Es kommt darauf an, wie sie gelehrt wird.

Lebensfreude & körpereigene Drogen mit der klassischen Sexualmoral.

Frühchristliches Konzept der hohen Liebe - für unsere heutige Zeit aktualisiert

INHALT:

VORWORT ODER „SINNVOLLER IST DIE ORIENTIE­RUNG AM EINZELSCHICKSAL!“

Gespräch mit einer jungen Pilgerin auf dem Weg des hl. Jakobus in Spanien

Das Gespräch gab es auf dem Pilgerweg des heiligen Jakobus in Spanien mit einer jungen Pilgerin, die noch nie Sex hatte, also mit einer Jungfrau.Der Titel könnte auch sein: „ Erlebt zuerst einmal das Paradies und seine Spielregeln und alles andere wird euch dazu gegeben werden!“

Gespräch mit einem Jungen – Freunde motivierten mich, auch einmal mit ihrem Sohn zu reden.

ABSCHLUSS MIT EINEM FRÜHCHRISTLICHEN SEGEN

EIN ZWEITER ANSATZ

EIN PAAR WORTE ZUM SCHLUSS

ANMERKUNGEN

Wie sehr die persönlichsten Träume und Entscheidungen junger Menschen eine politische Dimension haben, hat der spanische Philosoph Ortega y Gasset (1883 - 1955) auf den Punkt gebracht: So ist das Leben: überraschend und voll von nie gewähnten Wegen. Wer hätte geglaubt, dass etwas so unfassbares Flüchtiges wie die Luftgebilde, die junge Mädchen in keuschen Kammern sinnen, den Jahrhunderten tiefere Spuren eingraben als der Stahl des Kriegsgottes. Von den rührenden Geweben heimlicher Mädchenphantasien hängt großenteils die Wirklichkeit des kommenden Jahrhunderts ab!“ („Über die Liebe“, Stuttgart 1954, S. 24)

Wenn wir etwas in unserer Gesellschaft zum Positiven verändern wollen, sollten wir dann nicht einmal bei dem ansetzen, was „junge Mädchen in keuschen Kammern sinnen“? Natürlich müssen die Jungen davon wissen, damit sie sich einrichten können. Daher ist das vorliegende Konzept geeignet für alle junge Menschen!


Dieser Punkt könnte auch heißen: „Ein Vater redet mit seiner Tochter Klartext“, es ist also eine eher männliche Pädagogik. Wo ist nun der Unterschied zu einer weiblichen Pädagogik? Ganz einfach: Ich habe nicht nur einmal Frauen sagen gehört: „Alle Männer sind so!“ Während Männer eher sagen: „Es gibt solche und solche Männer – es kommt darauf an, wie Ihr an die Männer ran geht, damit sie erstens vernünftig sind, und zweitens, damit Ihr den für euch Richtigen findet!“

Kurz zu mir: Ich bin Diplomtheologe und war vor meiner Pensionierung Berufsschulreligionslehrer. Ich war noch nie verheiratet, habe jedoch eine vietnamesische Gasttochter, die ich 1997 in Saigon zufällig getroffen habe, als sie 14 war. Wir haben zwei Jahre miteinander korrespondiert, wobei ich dem Mädchen mein Konzept erklärt habe und dass es alles mit seinen Eltern besprechen sollte. Mit 16 kam die junge Vietnamesin dann nach Deutschland und ist seitdem wie meine Tochter. Heute arbeitet sie im Support für technische Software (also wenn in einer Fabrik die Maschinen stell stehen, weil die Software nicht funktioniert) in einem Siemens-Unternehmen und ist verheiratet mit einer kleinen Tochter.




Nymphe von Carl Spitzweg

VORWORT ODER „SINNVOLLER IST DIE ORIENTIE­RUNG AM EINZELSCHICKSAL!“

Gerade Schülerinnen und auch andere junge Frauen haben mir auf meine Frage, warum Beziehungen auseinander gehen (also auch ihre), gesagt, dass man sich eben unterschiedlich entwi­ckelt und dass es dann nicht mehr passt. Meine Gegenfrage war dazu bisweilen, ob es nicht auch sein kann, dass man am Anfang einer Beziehung einfach nicht genau genug hingeguckt hat? Die Ant­wort: „Ja, das kann es natürlich auch sein.“

Das Problem ist also, wie bekommt man die jungen Leute dazu, gerade am Anfang genauer hinzugucken? Mir war nun aufgefal­len, dass hier die Mädchen für den ers­ten Sex weitestgehend nicht so genau hingucken, wer der Partner ist. Es sieht so aus, als ob die Jung­fernschaft für sie ein völlig überflüs­siger betschwesterfrom­mer Ma­kel ist und als ob sie´s ein­fach nur „hin­ter sich haben“ woll­ten, die­sen Makel los zu sein. Da­gegen wür­den die­selben Mäd­chen für „para­diesi­sche Er­lebnisse“, für die ich plädie­re, un­ver­gleichlich kriti­scher hingucken. Ja, sie würden hier sogar so kri­tisch sein und alles genau von dem „Be­treffenden“ wis­sen wollen, so dass der­jenige, den sich sich da­für aussuchen, im Grunde schon ein ge­eigneter Ehepartner sein könnte. Es würde also zu sehr guten Ge­sprächen kommen – ganz an­ders als wenn es um den Sex ginge. Vor allem wä­ren dann nicht mehr Angst vor Strafe und vor einem schlechten Ge­wis­sen die Triebfeder moralischen Handelns, son­dern die Angst, et­was schö­nes Para­diesisches, das auch durch­aus noch wahn­sinnig berauschend sein kann, zu ver­passen. Und diese positive Motivation ist für mo­ralisches Handeln eine unver­gleichliche stär­kere Triebfe­der als alle diese negativen Moralpredigten, etwas nicht tun zu dürfen. Vor allem lässt sie den jungen Men­schen auch regel­recht kreativ wer­den, das Positi­ve auch tatsäch­lich zu erreichen und zu erleben!

Angeregt zu meiner Pädagogik wurde ich durch die Bi­bel. Es gibt hier ja diesen Ausspruch Jesu: „Suchet zuerst das Reich Got­tes – und alles andere wird euch dazu gegeben“. So wie wir diesen Aus­spruch allerdings kennen, ist der eher etwas für Nonnen und Mön­che. Doch Jesus hat mit Sicherheit nicht zu Non­nen und Mönchen ge­redet, sondern zu normalen Leuten. Also habe ich den Aus­spruch etwas le­benspraktischer übersetzt: „Habt zuerst einmal Paradieser­lebnisse! Und alles andere kommt dann von alleine!“ Wenn das nicht das perfekte Verfahren ist, „erst ein­mal genauer hinzugucken“? Jedenfalls ist meine Rechnung bei der Erziehung meiner Pflegetochter voll aufgegangen. Näheres dazu siehe Seite 60.

***

Im Heft 2 habe ich nun versucht darzulegen, dass der christliche Glau­be, so wie wir ihn heute kennen, eine spätantike Neukon­struktion ist, die fast nichts oder zumindest nicht viel mit dem wirklichen Jesus zu tun hat. Vor allem müssen wir be­denken, dass Jesus Jude war – und dass es ihm wohl eher um eine Reform des jüdi­schen Glaubens ging. Was war also nun das Besondere des ur­sprüng­lichen jüdischen Glaubens?

Ich möchte hier einmal kurz zusammentragen, was ich im Laufe meines Studiums und auch sonst so mitbekommen habe:

  1. Der ursprüngliche jüdische Glaube ist eigentlich gar keine Religion im üblichen Sinn, sondern eine Lebenseinstel­lung. D. h., der Sinn ist weniger der Glaube an einen Gott wie in den ty­pischen Religionen, son­dern das Leben ver­nünftig und ethisch zu gestalten. Dazu gehört nun – anders als in den typischen Religionen:

  2. Die völlige Gleichwertigkeit der Frau. Die Frau ist nicht mehr ein Mensch zweiter Klasse oder überhaupt nicht richtiger Mensch, sondern Partnerin (oder auch Gefährtin) des Man­nes – anders als in der Umwelt der Bibel.

  3. Das kommt in der Paradiesgeschichte zum Ausdruck durch die Nacktheit. Das heißt, die körperlichen Reize von Mann und Frau sind eher schöne Zugabe, doch im Prinzip Ne­bensache, wichtig sind Liebe und Partnerschaft. Die Erfah­rung ist ja, dass sich durch das Verstecken des Körpers die körperl­ichen Reize umso mehr in den Vordergrund drän­gen und sie die geistige Ebene gerade bei der Partnerwahl sehr oft „ausschalten“. Natürlich, dieses Paradies, in dem wir alle ständig nackt her­umlaufen, ist unmöglich, doch Paradieserleb­nis­se, die sind nun wirk­lich möglich!

  4. Das Recht der Frau auf Orgasmus.

  5. Allerdings auch die strenge Einehe, d. h., dass Ge­schlechtsverkehr nur mit einem einzigen Partner sein darf. Das kann nur erreicht werden, wenn es keinen voreheli­chen Verkehr gibt, denn „vorehelicher Verkehr“ bedeutet ja das berühmte „Probieren“, und wenn man das nicht wollte, könnte man ja gleich die Ehe schließen.

Orgasmus und strenge Einehe? Ist das nicht ein Widerspruch oder eine Quadratur des Kreises? Genau das ist es nicht, ich habe im folgenden Dialog dargestellt, wie genau das sehr gut kombinierbar ist, jeden­falls viel effektiver als mit dem „Pro­bierverfahren“.

Wenn das alles für unsere Ohren fremd klingt, so eben auch des­halb, weil wir ja nicht den ursprünglichen Jesus kennen – und die­ser Jesus klang auch ein den Ohren seiner Zeitgenossen fremd, weil er den ursprünglichen jüdischen Glauben im Sinn hatte, der zu seiner Zeit weitestgehend in Vergessenheit geraten war. Es ist eben immer dasselbe, diese paradiesische Gleich­wertigkeit von Mann und Frau ist in einer typischen Männerge­sellschaft nicht ge­fragt und wird also nur zu gern vergessen und verdrängt.

Ja, was wäre, wenn die Beziehungen zwischen den Geschlech­tern nach diesem ursprünglichen biblischen Modell anders laufen würden?

***

Der Papst hat zur Zeit das „Jahr der Barmherzigkeit“ ausgerufen. Mein Problem dazu: Wird vieles, was wir unter Barmherzigkeit ver­stehen, nicht erst nö­tig, weil genau die Ideen des ursprüngli­chen jüdischen Glau­bens im Argen liegen? Wenn die nämlich praktiziert würden, wäre eini­ges anders.

Das Problem ist doch das, dass gerade heute die jungen Men­schen mit der Erziehung zur Scheinmoral der Scham erst einmal „fal­sche Richtungen“ geschickt werden. Was wäre also, wenn die jungen Leute stattdessen eine richtige Moral und damit dann auch eine sinn­volle Strategie mitbekämen, von vornherein den für sie richti­gen Partner zu finden? Dann gäbe es doch keine ungewoll­ten Schwangerschaften, keine „Beziehungskisten“ und also auch spä­ter keine Scheidungen, keinen Ehe­krieg, keine Scheidungs­kinder – vielleicht wäre alles so gut, dass es auch keine Prostitu­tion mehr gäbe? (Ich möchte hier auf den Aus­schnitt aus der Biografie ei­ner <Ex-> Prostituierten hinweisen, den ich im Heft 2 zitiert habe: Die Frau war auf meine Web­site gesto­ßen und hat mich sehr positiv gesehen, dass ich mal jemand bin, der realistisch sieht, wie Frau­en in ein solches Le­ben hinein­schlittern, einfach weil sie mit einer falschen Moral in eine falsche Richtung geschickt werden – und wie es doch leicht anders laufen könn­te. Ich war auf das Buch im Internet durch den Tipp eines Freun­des gesto­ßen.)

Da könnte also leicht einiges anders sein!

Daher versuche ich nun, mich heute, wo ich vieles doch besser weiß, zu engagieren – wenn es denn möglich ist. Schließlich war das ja auch mit meiner Pflegetochter sehr gut gelungen. Ja, sie erzählte mir, dass sie im Gymnasium sogar einmal beim Thema „Diskussion“ – hier konkret über das Problem „voreheli­cher Sex: ja oder nein“ – , zusammen mit der (Deutsch-)Lehrerin gegen die ganze Klasse diskutiert hätte mit ihrem Ansatz: „Den Sex, den wollt ihr; dabei bringt der doch sehr oft viele Probleme, doch vor einer paradiesischen Nacktheit etwa am Strand habt Ihr pani­sche Angst. Dabei kann die doch ein harmloser Spaß sein ohne alle Proble­me, der auch noch gute Menschenkenntnis bringt, wenn man es nur richtig macht.“ Leider war ihr damaliges Enga­gement ohne Er­folg, die Kameraden blieben alle bei ihrer Mei­nung – also für den Sex und gegen den Spaß an harmloser Nacktheit. Irgend­etwas war da­mals noch falsch gelaufen. Inzwi­schen würde ich ihr für eine sol­che Situation eine andere „Strate­gie“ empfehlen – ich ver­weise hier auf den kurzen Bericht im letzten Punkt von Heft 2, wie eine Bekannte und ich nach ei­nem Opernbesuch mit zwei Gymnasias­tinnen geredet hatten. Ja, so wäre die Diskussion auch für sie ge­wiss besser gelaufen.

Jedenfalls beflügelt mich die Aussicht, was denn gerade heute anders und viel besser werden könnte – wir müssen es nur anpa­cken! Mein Vorbild ist hier der wegen seines Einsatzes ge­gen den zu seiner Zeit allgegenwärtigen Hexenwahn berühmte Jesuitenpa­t­er Friedrich von Spee. Er, der von seinen Oberen als Beichtvater für Hexen „eingeteilt“ war, hatte mal nicht nur seinen üblichen Job gemacht (also so mit Vergebung und Vertröstung), son­dern genau hingesehen, was das eigentlich für Frauen wa­ren, die da der He­xerei beschuldigt und schließlich verurteilt wa­ren. Und bei seiner Auseinandersetzung mit Einzelschicksalen hatte er fest­gestellt, dass das alles keine Hexen, sondern nur arme geschund­ene Frauen waren, und nichts von dem stimmte, was man allgemein glaubte und was sie etwa un­ter der Folter gestanden hatten. Dar­aufhin hatte er sich behutsam gegen den Hexenwahn engagiert, denn ein solches Engagement war ja (lebens-)gefährlich: Wer sonst, als einer, der auch mit dem Teufel im Bunde steht, kann schon ge­gen die Exis­tenz und Verur­teilung von Hexen sein?

Und so wie dieser Jesuitenpater versuche nun auch ich, mich nicht von dem, was man so denkt und redet und was angeblich normal und offensichtlich ist, bluffen zu lassen, son­dern mich an Einzelschicksalen zu orientieren. Jedenfalls ha­be ich bei dieser Sichtweise festgestellt, dass nie die Freude jun­ger Men­schen an der Nacktheit Ursache für Fehlentscheidun­gen im sexuellen Be­reich waren. Im Gegenteil, sie hatten mit dem Sex viel eher des­wegen an­ge­fan­gen, weil sie keine Freude daran hat­ten!

Im Übrigen: Bevor meine Pflege- oder Gasttochter herkam, hatte es einen zweijährigen intensiven Schriftwechsel gegeben. In dem hatte ich sie vor allem über mein Konzept informiert, dass es mir um eine echte Moral ginge, in der der Pädagoge nicht als Feind empfun­den wird, der etwas Attraktives und Vernünftiges verhin­dern will. Er kann ja auch von ihr als Verbündeter gesehen wer­den, wie sie alles so richtig macht, dass sie das immer gut findet. Sie sollte darüber auch mit ih­ren Eltern reden – und insbe­sondere der Vater hatte mich gleich verstanden und sie so­gar noch ermun­tert, zu mir zu kommen, wie sie mir später erzähl­te. Auch erzählte sie mir, dass sich ihr Vater bei ei­nem Bekannten, der einmal län­gere Zeit in Europa und besonders in Deutschland war, erkundigt hätte, was das für Leute sind, die für die Nacktheit am Strand sei­en. Die Ant­wort sei gewesen: „Das macht eher die Ober­schicht!“ (Na also!) Und noch etwas Positives für mich: Wenn ich heute nach Vietnam fliege, merke ich, wie ich bei der Familie willkom-men bin. Ja, ich ich habe dort eine wunderba­re Familie.

Meine Idee also: Ob es nicht wirklich sinnvoll ist, wenn Eltern aus verschiedenen Kulturen einmal genau darüber miteinander reden – denn hier ist nun wirklich die Aufgabe der Eltern! Viel­leicht ha­ben Eltern aus anderen Kulturen auch Ideen und Vor­schläge?

Erfahrungsgemäß sind Eltern und andere Pädagogen sehr oft hilflos, wenn es darum geht, mit jungen Menschen zu reden. Daher stelle ich also hier ein Gesprächsmodell vor, das einmal nicht nur Wunschdenken ist, sondern das auch stattgefunden hat.

Da nach meiner Erfahrung nun auch interessiert, wie ich zu „die­ser Thematik“ gekommen bin, möchte ich auch dazu etwas sagen:

So wie ich heute bin, ist das natürlich eine lange Geschichte. Kon­kret angefangen hatte es sicher auch während meines Theologie­studiums bei den Jesuiten in Frankfurt. Da wurde es nun ger­ne gesehen, wenn wir Theologiestudenten uns auch nebenbei im so­zialen Bereich engagierten, so etwa bei einer Aktion der Caritas „Gott und Welt“. Ich landete dabei nun in einer Gruppe „Familien­betreuung“, also Schulaufgabenaufsicht und Gespräche mit den El­tern. Im Sommer organisierte die hauptamtliche Leiterin (von der Caritas) dann eine Kinderfreizeit in einer Jugendherberge im Bay­rischen Wald, bei der ich auch mitmachte. Ich bekam die Gruppe der 12jährigen Jungen zugeteilt, bei der auch die beiden Jungen aus der Familie waren, die ich betreute.

Und wie das so ist, war da auf einer Wanderung mit meiner Grup­pe auch ein Bach – und eh ich mich´s versah, hatten sich „meine“ zwei Jungen komplett ausgezogen und sprangen munter hinein. Ja, was sollte ich dazu sagen? Ich ließ sie also ihren Spaß haben und informierte nach der Wanderung die Leiterin, eine völlig integ­re Frau. Doch die lachte nur, also alles in Ord­nung.

Doch jetzt ging´s los! Die Gruppe der achtjährigen Mädchen hat­te das mitbekommen und auch dass ich offensichtlich nichts „dage­gen“ hatte – und jetzt stürmten die auf mich zu „Herr P., wir kom­men mit nackt baden!“. Und jetzt war ich tatsächlich in Panik und wehrte alles ab, nein, das kam doch gar nicht infrage.

Natürlich war richtig, wie ich mich verhalten hatte, denn es ging ein­fach nicht anders. Doch irgendwie ging mir das alles schon im Kopf herum. Die kleinen Mädchen hatten doch gar nichts Böses ge­wollt, die wollten doch nur einen unschuldigen Spaß und eine völ­lig harmlo­se kindliche Neugierde leben, und ich hatte ihnen das al­les regel­recht kaputt gemacht. Ja, warum ging das denn nicht? Waren es nicht die Ferien der Kinder, und sollte man sie nicht ei­gentlich unter­stützen bei dem, was sie wollen – und ihnen nur sa­gen, wie sie es richtig ma­chen? Sind wir Erwachsenen hier nicht die „Ver­klemmten“? Wäre es also nicht angemessen gewesen, ei­ne weib­liche Auf­sichtsperson mitzunehmen und die Kinder ma­chen zu las­sen? Und wäre es nicht gerade für mich als angehen­den Theolo­gen sinnvoll gewe­sen, dann noch mit den Kindern ver­nünf­tig über die „ganze The­matik“ zu reden? Schließlich hatte ich ja schon von der Geschich­te mit den beiden Jungen her auch noch die Erfah­rung, dass die Kinder re­den wollten?

Mir ließ nun das Thema keine Ruhe, ob die Nacktheit Begehr­lich­keiten weckt und daher sittengefährdend ist, wie ge­meinhin an­ge­nommen wird, und ob sie daher abgelehnt oder gar ver­teu­felt wer­den muss. Dazu hatte ich noch ein Problem aus mei­nem eige­nen Erst­kommunionunterricht viele Jahre zuvor. Uns wurde ja er­zählt, dass die Scham der Fluch des Sündenfalls von Adam und Eva ist, dass die Menschen also seitdem Feigenblätter oder eben zumin­dest Bade­ho­sen oder Bikinis brauchen (damals noch Badeanzü­ge, der Bikini war noch nicht erfunden). Allerdings hatte uns Jesus doch von dem Fluch der Erbsünde befreit – eine für mich plausible Ant­wort, warum wir dann immer noch „Feigenblätter“ brauchen, hat­te ich allerdings nicht bekommen.

Während meiner „Freisemester“ in Innsbruck ein oder zwei Jahre später sah ich nun eine Möglichkeit, das Problem „Scham“ einmal im Selbstversuch auszuprobieren und irgendwohin im nahen da­maligen Jugoslawien ans Meer zu fahren. Dazu passte auch, dass ich eine ungeliebte Seminararbeit schreiben musste, die ich da­bei erledigen könnte, also nahm ich mir die vom Professor empfohle­nen Bü­cher und Schmierpapier mit.

Das Ergebnis war: Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit, die ja wohl erlaubt sein darf, weil ich nun einmal anders aufgewachsen war, waren da keine Probleme mehr – und es gab auch überhaupt keine Begehrlichkeiten ge­gen irgendwen! (Wenn ich hier anormal bin, dann waren es die anderen auch – und vor allem auch meine spätere Pflegetochter, die ich dazu „verleitete“, also ein zu­fällig ausgewählter Mensch.) Ja, es war einfach praktisch und wunder­schön – bis auf den Sonnenbrand. Vor allem fühlte ich mich wie in einer Fa­milie, zudem als ich dann noch einigen Frau­en, die auch dort waren, er­zählte, was ich in Innsbruck studierte, ich wollte da­mals ja Pries­ter werden, und warum ich also hier ans Meer fuhr – um normal zu werden. Ich hatte den Eindruck, meine Gesprächs­partner fan­den das sehr gut, dass und wie ich das machte.

Irgendwann hörte ich auch davon, dass der Breslauer Erzbischof Kardinal B., also als Breslau noch deutsch war, von seinen Pries­teramtskandidaten gefordert hätte, einmal in einem Bordell gewe­sen zu sein – und auch das entsprechende „Erlebnis“ zu haben, damit sie später wüssten, von was sie reden. Doch was sind das für Erlebnisse, die sie da haben? Schöne Erlebnisse ei­ner echten Liebe doch nun wirklich nicht – eher wohl traumati­sche, die dazu führen, dass schließlich von ihnen alles, was mit Sexualität zu tun hat, problematisch gesehen wird. Also fand ich meinen „Selbstver­such“ doch unvergleichlich besser und auch niveauvoller. Aller­dings ist mein Problem seitdem: Viele meiner Mit­menschen haben Probleme, mich zu verstehen, und ich habe Probleme, meine Mit­menschen zu verstehen. Freunde sagten mir einmal, dass das daran liegen könnte, dass für die meisten Menschen Nacktheit und Sex dasselbe ist. Doch wenn man das so erlebt hat, wie ich es er­lebt habe, dann ist doch so eine Gleichsetzung blanker Un­fug. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte eine der Frauen (oder auch ein Mäd­chen) gef­ragt, ob wir miteinander Sex haben könnten („weil das doch sowieso dasselbe ist“), sie hät­ten mich nicht nur für ei­nen kran­ken Idioten ge­halten, son­dern ich wä­re sofort auf dem ganzen Be­reich geächtet gewesen. Je­denfalls muss ich seit­dem zu dem, was Probleme bringt und was keine Probleme bringt, of­fensichtlich eine völlig andere Ein­stel­lung ha­ben als die meisten meiner Mitmen­schen. Doch soll ich deswegen auch so eine Erfah­rung à la Kardi­nal B. machen? Wohl kaum.

Viel später nun kam ich auf eine ganz andere Weise mir der The­matik in Berührung, nämlich als mir manche Schülerinnen und an­dere Mädchen von ihren enttäuschenden sexuellen Erfahrun­gen erzählten und dass sie die – irgendwie ahnungslos und fehlinfor­miert – auch noch selbst gewollt hatten. Dabei erinnerte ich mich an die Ferienfrei­zeit mit den Frankfurter Kindern da­mals und vor allem daran, wie ich mit der Le­bens­lust der Kinder und mit ihrer harmlosen Neugierde „ver­klemmt“ umge­gangen war. Ja, im Prin­zip hatten meine späteren „Beichtkinder“ in ihrer Kind­heit eine ähnliche Verklemmtheit bei den Erwachse­nen erlebt – und folglich in der falschen Richtung aufgepasst und das Falsche gemacht.

Doch niemand hatte sich, als es noch Zeit war, für zuständig ge­seh­en, Ihnen einmal zu sagen, was richtige Moral ist, was also wirklich richtig und was falsch ist. Und ich hatte damals so ähn­lich wie „ihre Erwachsenen“ heute gehandelt, bin ich also nicht irgend­wie schuldig?

Und bin ich also nicht verpflichtet, etwas zu unternehmen, wenn ich doch weiß, wie man es besser machen kann – und ich dann auch noch die Möglichkeiten habe?


Gespräch mit einer jungen Pilgerin auf dem Weg des hl. Jakobus in Spanien

Junge Pilgerin: Also ich wer­de, be­vor ich heirate, erst ein­mal mit ein paar mög­li­chen Part­nern zusam­menle­ben, um festzustellen, wer für mich der Rich­ti­ge ist. Fa­milie, Ehe, Liebe und Treue sind für mich hohe Wer­te, da­her muss frau doch vor­her wis­sen, wie der Mann ist, mit dem sie auf immer zusam­menleben und dem sie auch treu sein will und kann. Ich möchte doch nicht auf einen Mann herein­fallen, der für mich nicht der pas­sende ist.

Autor: Du fängst also deswegen mit ir­gendeinem Jungen oder Mann auch mit dem Sex an, um das herauszube­kommen?

Das ist jetzt etwas krass aus­gedrückt, doch irgendwie stimmt das schon. Denn das gehört nun einmal zur Eman­zipation einer moder­nen jun­gen Frau. Ich habe doch heu­te die Möglichkeit, mich frei zu ent­scheiden! Und irgend­wann muss auch frau doch mal an­fangen, damit sie den An­fang hinter sich hat.

Ist dir eigentlich klar, wie das von männlicher Seite aussieht, was du da vor­hast?

Muss ich mir darüber Gedan­ken machen? Die Männer müs­sen das heute bei einer eman­zip­ierten Frau akzeptie­ren, dass sie nicht blind in eine Ehe hinein stolpern will und damit schließlich rein­fällt.

Von dir aus mag das ja plausi­bel sein. Doch du solltest das auch einmal von der anderen Seite sehen: Bei den Män­nern ent­steht so der Eindruck, dass die Mädchen gar nicht heira­ten wollen, dass sie nur Sex ein­fach so ha­ben wollen.

Aber das machen heute doch alle so.

Genau, weil das irgend­wie alle Mäd­chen wol­len, schließen die Männer daraus, dass also alle Mädchen und Frauen im Prinzip Schlampen sind? In manchen Kulturen, wie etwa in der vietna­mesischen, gelten Mädchen oder Frauen, die ohne Ehe Sex anfangen, sogar als Prostituier­te. So hat es mir wenigstens meine Gasttochter erzählt. Da­her kann oder muss man Frau­en auch so behan­deln.

Wir sind aber hier nicht in ei­nem Dritteweltland Vietnam, sondern wir sind in Deutsch­land, einem viel zivilisierteren Land.

Wir sollten nicht zu hochmütig auf andere Völker herabblicken. Kann es nicht auch sein, dass die Menschen dort in diesem Dritteweltland noch eine natür­liche gesündere Einstellung zur Moral und zu dem haben, was Ehre und Würde eines Men­schen ist – und dass wir hier die Deka­denten, die Kranken sind?

Das klingt aber hart. Deswe­gen ist frau aber doch nicht gleich eine Schlampe oder gar eine Prostituierte, bloß weil sie mal Sex ohne Trau­schein macht.

Du musst bedenken, dass beim Sex nun einmal Kinder entste­hen können und dass es daher eigentlich in der Ordnung der Natur ist, dass der Sex in die Ehe gehört, also dorthin wo nun einmal Kin­der entstehen kön­nen. Du be­gibst dich also mit einem sol­chen Tun ohne Ehe zu­mindest auf ein sehr zwei­schneidiges Niveau von Frauen, denen das mit der Ehe egal ist.

Das kommt aber doch auch auf die jeweilige Einstellung an, mit der man das macht.

Das Problem ist, dass viele Männer da keinen Unters­chied machen, und so gebe ich hier nur wie­der, was so gere­det wird. Ja, versetze dich doch mal in einen Mann, dem du damit kommst, dich zu ent­jung­fern. Und von dem Mann willst du auch nicht mehr, also auch kei­ne Hei­rat. Sogar dei­ne Jung­fern­schaft ist dir egal, die doch ei­gentlich et­was sehr Wert­volles ist. Der muss ja so den­ken – und das müssen auf alle Fälle auch die an­deren Män­ner, die das doch mitbe­kommen. So et­was bleibt ja nicht ge­heim. Hast du eine Ah­nung, wie krass Män­ner biswei­len denken und re­den!

Doch der Unterschied zur Prostituierten ist, dass so eine Geld dafür nimmt.

Wie praktisch für die Hurenbö­cke, dass ihr Mädchen euch so eine Unterscheidung einreden las­st, damit sie´s auch noch um­sonst kriegen. Ihr seid ja noch düm­mer als diese Frauen, die wenigstens noch Geld dafür nehmen.

Uns Mädchen wird also diese Unter­scheidung also nur des­we­gen eingeredet, damit wir nicht früh- und rechtzeitig Verdacht schöpfen, dass wir damit auf dem falschen Weg sind? Denn wer von uns Mädchen will schon als Schlampe oder gar als Pro­stituierte gelten? Krass.

Übrigens galten auch in der jüdischen Gesellschaft zur Zeit Jesu alle die Frauen, die ohne Ehe Sex treiben, als Prostitu­ierte.

Auf alle Fälle liegt im Endef­fekt das Pro­blem sowieso an den Män­nern, die immer nur „das Eine“ im Kopf haben, also muss man sich vor de­nen in acht nehmen.

Oh, wenn ich die Fälle durchge­he, die ich so über „das erste Mal“ mitbekommen habe, dann wa­ren es nicht die Männer, die damit angefangen haben. In neun von zehn Fäl­len waren es ein­deutig die Mädchen, die ihre Jungfern­schaft loswer­den woll­ten. Also haben die doch ange­fangen. Und hast nicht auch du gerade noch ge­sagt, dass du die bist, die auch so etwas vor hatte? Und Entjung­ferung be­deu­tet nun einmal Sex, und hier soll es erst mal gar nicht um Heirat ge­hen.

Aber das machen doch heute alle Mädchen so.

Aha, Indiz für Emanzipation ist also, wenn etwas alle machen, eine tolle Emanzipation!

Wenn etwas alle machen, des­we­gen muss es ja nicht gleich ver­kehrt sein.

Aber ein Viertel aller Frauen ärgern sich hinterher sehr, dass ihr ers­ter Sexpartner der Fal­sche war. Offensichtlich war es für viele doch verkehrt.

Aber wenn es in der jeweili­gen Situation doch richtig war?

Soll das etwa ein intelligenter Grund sein? Im Nachhinein sind doch alle schlauer. Etwas hin­terher besser zu wissen, ist kei­ne Kunst und kein Zeichen be­sonderer Intelligenz.

Du meinst also, dass die Mäd­chen, die mit dem Sex anfan­gen und es hinterher bereu­en, nicht besonders intelli­gent sind?

In gewisser Weise schon. Doch stellt sich hier die Frage, wer denn die Schuld trägt, dass Mädchen hier nicht richtig nach­denken? Wird denn das Nach­denken hier durch unsere übli­che Verklemmtheit in „solchen Dingen“ nicht systematisch ver­hindert?

Also ein gesellschaftliches Problem.

Siehst du, und genau dadurch seid es Ihr Mädchen, die die Stei­ne ei­ner zu­mindest sehr frag­wür­digen Moral ins Rollen brin­gen. Ihr Mäd­chen seid es doch, die mit dem unverbindli­chen Sex anfan­gen, die die Jun­gen und Män­ner erst auf den Geschmack brin­gen, dass man nicht gleich zu heira­ten braucht, wenn man nur mal Sex ha­ben will.

Die Alleinschuld liegt letztlich also bei den Mädchen? Und die Jungen?

Ach, die haben doch das Prob­lem, wie sie an die Mädchen ran kommen. Die Jungen oder eben die Männer machen doch nur mit, ja sie müssen sogar mitmachen, was Ihr Mädchen wollt, wenn sie eine Frau be­kommen wollen. Die werden sich also schnell anpassen, wenn Ihr Mädchen einmal etwas Vernünftigeres wollt!

Du musst die heutige Situation einmal so sehen: Es zahlt sich für die Män­ner doch gar nicht aus, idealis­tisch nach einer ho­hen Lie­be mit einem einzigen Mäd­chen be­zie­hungsweise mit einer ein­zigen Frau zu streben, denn die Mädchen wollen ja ganz offen­sichtlich gar nicht die hohe Lie­be mit dem ein­zigen und richti­gen Mann.

So habe ich das noch nie gesehen.

Die anständigen Jungen, die Idea­le vom Wert der Frau ha­ben und die sich auch bewusst sind, was sie einem Mädchen antun mit einer Entjungfer­ung, selbst wenn das Mädchen es will, die machen da sowieso nicht mit. Ich kenne jeden­falls mehrere, denen Mäd­chen ihre Entjungferung angebot­en hat­ten und die aber nicht mit­macht­en. Also kommt das, was du da vor­hast, einer Beloh­nung für diejeni­gen Jungen und Män­ner gleich, die sich so­wieso nicht um Lie­be und Treue sche­ren, son­dern die einfach nur Sex ma­chen – wie mit einer Pro­stituierten. Ja, und die zu­nächst Anständi­gen müssen ir­gend­wann dann doch dabei mit­ma­chen, also auch in den Coi­tus-Zirkus ein­steigen, de­nen bleibt ja gar nichts an­deres übrig.

Aber den meisten Männern ist das doch egal.

Willst du wirklich einen, dem das egal ist? Und du kannst mir glauben, längst nicht allen Män­nern ist das egal. Eine vernünf­tige, echte Unschuld ist doch auch etwas Schönes.

Du hast ja voll recht. Doch du musst auch mal unsere Situa­tion als Mädchen sehen. Wir sitzen doch voll in der Falle. Wie wir´s ma­chen, machen wir´s falsch. Machen wir´s mit dem Aus­probieren mit ver­schie­denen Partnern, sind wir Schlampen oder gar Prostitu­ierte. Sind wir vor der Ehe enthalt­sam, gehen wir das Ri­siko ein, an einen Langweiler und vielleicht so­gar an einen im­potenten Ty­pen gefesselt zu sein. Und wir sind es auch noch schuld, wenn die Jun­gen zu Schwei­nen werden, denen es nur um „das Eine“ geht. Da kann ich mir doch gleich ei­nen Strick nehmen oder ins Klos­ter ge­hen.

Das ist doch schon mal was, dass du das Problem siehst.

Und was hilft mir das, was kann man da denn noch ma­chen?

Ja, es gibt sogar eine ganz tolle Lösung, du wirst staunen oder auch lachen: Aus der Bibel.

Ach wohl wieder so etwas wie bei den Zeugen Jehovas!

Wohl nicht, von solchen Leuten kommt doch hier gerade nichts Brauchbares, die sind doch zu einer Auslegung, bei der es auch nur entfernt um Sexualität für junge Men­schen geht, alle viel zu ver­klemmt.

Da bin ich aber gespannt!

Gut, das Paradies hier werden wir nie bekommen, es wird im­mer Alltagsprobleme und Krank­heit und Tod geben. Doch wie wäre es mit Paradieserlebnis­sen, die wir zuerst mal erleben könnten?

Ach ja – irgendetwas mit Nackt­heit?

Ja klar! Wie wäre es denn mit „zuerst mal Spaß an paradiesi­scher Nacktheit“? Also nicht gleich „alles“, doch auch nicht „nichts“.

Sieh mal, alle Le­bewesen sind darauf an­gelegt, dass sie das, was ihnen gefällt, immer wie­der ma­chen oder zu­mindest versu­chen, und dass sie das, was nicht gefällt, eben nicht mehr machen. Und was du bisher vorhattest, das fördert doch letztlich nur die Denk- und Le­bens­weise von Men­schen, die man ei­gentlich gar nicht ha­ben will nach der Devise „Prä­gung durch Belohnung“.

Und Du meinst, die Ver­nünf­tigen lassen sich mit dem Spaß an der Nacktheit „be­lohnen“?

Oder eben mit Paradieserleb­nissen. Denn dabei geht es ja nicht ein­fach nur um das Weg­las­sen von Kleidungsstücken, son­dern Nacktheit bedeutet ja auch: Hier kann ich ehrlich sein, hier kann ich sein, wie ich bin, hier kann ich natürlich sein, hier fühle ich mich pudelwohl, hier muss ich mich nicht verstecken oder verstellen, hier kann ich Mensch sein! Und weil gera­de nackte Mädchen ja viel schö­ner anzu­sehen sind als mehr oder we­niger angezogene, er­freust du damit Männer, die sich zu­sam­men neh­men können, und die auch ihre Freude an der Würde und Ehre von Frau­en und Mäd­chen haben und nicht wollen, dass Ihr Schlam­pen oder Prostituierte seid. Du kannst also mit der Nacktheit genau dieje­nig­en Män­ner und Jungen be­loh­nen, die gutwillig sind. Na­türlich dür­fen die dich nicht missverstehen und müs­sen wis­sen, worum es geht.

Aber woher weiß man denn, ob die Männer, die nackt sein können, sich nicht auch ver­stellen?

Das ist es ja, gerade junge Männer können sich hier gar nicht verstellen, denn gerade Nackt­heit hat auch bei denen etwas mit Ehrlich­keit zu tun. Von da­her ist die Nacktheit ja so wich­tig, weil sie sozusagen der Schlüssel zur Wahrheit ist. Du wirst es sehen, dass dieje­nigen jungen Männer, denen es in erster Linie um Sex geht, versu­chen wer­den, dir ein Konzept mit „erst einmal Spaß an der Nacktheit“ auszureden. Etwa indem sie versuchen, dich lä­cherlich zu machen oder als anormal hinzustellen.

Komisch, man sieht das im­mer genau umgekehrt, dass dieje­nigen, die nackt sein können und wollen, eher die Unmorali­schen sind und dass gerade frau sich also vor de­nen hüten muss, wenn sie anständig sein will.

Von wem stammt wohl dieses Vorurteil? Eigentlich ist doch klar: Die Bösen sind immer die anderen! Und es ist seit Men­schengedenken im­mer dassel­be Lied: Die Verfas­ser der Sün­denfallgeschichte der Bibel vor über dreitausend Jahren haben hier sehr gut be­obachtet, dass nicht die un­schuldigen Men­schen die „Fei­genblätter“ als Vorform unserer Badehosen und Bikinis brauchen, sondern die nicht mehr so unschuldigen. Die Sexualscham ist eben der Fluch der Sünde – so die Bibel!

Diese „nicht mehr so Unschuldi­gen“ versuchen dann das mit der Scham auch den Un­schuldi­gen einzureden und die ma­chen dann auch bei der Scham aus lauter Gutwilligkeit mit, das macht die Sache so schwierig.

Mir ist hier besonders der Fall eines Mädchens in Erinnerung, das meine Website gefunden hatte und das mit der Nacktheit probierte. Die Mutter war wü­tend und warf Sex vor der Ehe und Spaß an der Nacktheit ver­bissen in einen Topf und mit ihr war auch gar nicht zu reden. Das Mädchen „bekehrte“ sich also wieder zur Moral ihrer Mut­ter und kam jedoch mit der nicht klar, fing also bei Gelegenheit mit dem Sex an. Und weil der der reinste Reinfall war, gab die Mutter zu, dass sie gelogen hat­te, auch sie hatte vorher ent­täuschende Erfahrungen mit ei­nem anderen Mann. Wer also so krampfhaft-verbissen gegen eine harmlose und unschuldige Nacktheit ist, der heuchelt höchstwahrscheinlich.

Doch geilt man mit der Nackt­heit nicht auch die typischen Spanner auf?

Wenn sie dir doch nichts tun, was soll´s? Und wenn du immer nur so etwas im Hinterkopf hast, dann än­dert sich doch nie et­was. Natür­lich musst du im Ein­zelfall, wenn du mit jeman­den in nähe­ren Kon­takt kommen willst, reden können, um heraus zu finden, wes Geistes Kind der ist.

Also wäre hier eine erzieheri­sche Aufgabe der Mädchen?

Ja klar, und eine sehr wirkungs­volle, die auch zeigt, wer von euch wirklich emanzipiert ist. Denn der wirklich Emanzipierte findet sich nicht damit ab, wenn etwas nicht gut ist, sondern der will etwas zum Positiven än­dern.

Aber hat die Nacktheit nicht et­was mit Porno zu tun?

Es gibt nun mal Dinge, die dop­pelwertig oder – mit einem Fremdwort – am­bi­valent sind, die können etwas sehr Positi­ves sein, aber auch etwas völlig Ne­gatives. Ein Beispiel hierfür ist das Feuer. Wie schön sind bren­nende Ker­zen oder ein knistern­des Kaminfeuer. Doch wie schrecklich ist eine Bom­bennacht mit brennenden Häu­sern! Ein an­deres Beispiel ist der Sex, also der Ge­schlechts­verkehr. Der kann der In­begriff höchster Lie­be sein, aber auch von Gleich­gültigkeit bis hin zu tiefster Ver­achtung und Aus­nutzung, je nach­dem mit wel­chem Hinter­grund er geschieht. So eben auch mit der Nacktheit, die kann Zei­chen von wunder­ba­rem und völlig unschul­d­igem und natürli­chen Mensch­sein, ja sogar vom Paradies, aber auch von Porno sein. Bis­weilen reicht es schon, wenn man die selbst ins rechte Licht setzt.

Aber das ist doch gegen die In­timsphäre! Beim Sex kann man ent­scheiden, wer einen sieht, doch bei der Nacktheit irgend­wo kann man das nicht. Daher kommt das mit der Scham doch automatisch.

Irgendwo klingt das Argument doch nicht sonderlich intelligent: Diejenigen, die sich zusammen­nehmen können und die euch am Ende sogar noch beschüt­zen, etwa Leute am FKK, die dürfen euch noch nicht einmal se­hen. Doch einen von denen, die euch wie Schlampen behan­deln, den findet Ihr o. k. und stiftet den auch noch „dazu“ an.

Aber da steckt doch etwas in einem, was einen zur Scham drängt. Es gibt doch offen­sichtlich ein morali­sches Gefühl, was einem sagt, was gut und was nicht gut ist.

Wenn das immer so einfach wäre. Moral vom Gefühl her? Moral kann vielleicht etwas mit dem Gefühl zu tun haben und das wäre sicher auch schön, doch oft narrt einen das Gefühl auch, führt einen also in die Irre. Denn Gefühl hat hier nicht nur damit etwas zu tun, was man selbst als Unangenehmes ver­drängt, sondern es hat auch et­was mit der Gesellschaft zu tun, in der man lebt und die einen prägt Ja, was ist, wenn diese Gesell­schaft kollektiv verdrängt und also irrt? Echte Moral hat dage­gen wohl in erster Linie nicht etwas mit dem Gefühl sondern mit Bewusstsein oder auch mit Nachdenken zu tun!

Ja, das habe ich auch gehört, es gibt Gesellschaften, da ha­ben die Leute keine Proble­me, etwa alte Leute in die Eis­wüste zu schicken, damit sie sterben – doch uns halten sie für Kindermörder, weil wir Ba­bys abtreiben.

Jede Gesellschaft hat eben ein spezielles moralisches Gefühl - und das überträgt sich auf den einzelnen.

Man muss also vorsichtig sein, wenn man vom Gefühl her etwas als moralisch gut und richtig ansieht?

Und wie man vorsichtig sein muss!

Aber heißt es nicht, dass die Scham angeboren ist, dass sie also zum Wesen des Menschen gehört?

Das scheint vielleicht so, doch die Zu­sammenhänge sind wohl an­ders: Gerade der junge Mensch ist von Natur aus ein hochmo­ralisches We­sen und er hat also ein gewal­ti­ges morali­sches Po­tential. Doch lernt er in unseren dekadenten Gesell­schaften, das ins falsche Objekt zu stecken. Statt dass gerade ihr Mädchen dieses mo­ralische Potential also in eine echte Mo­ral steckt, die euch zu schönen Beziehungen führt, steckt ihr es in das ängst­liche Ver­stecken eurer Nippel und eurer Yonis, also in eine Scheinmoral. Ir­gendeine Moral braucht der Mensch nun einmal – und wenn er keine vernünftige bekommt, nimmt er eben die, die sich an­bietet.

Angeboren ist also nur eine moralische Energie und nicht der Bikini. Eigentlich ganz einfach.

Das Gute und Vernünftige ist immer einfach.

Und warum dann wird aus der Scham so ein Theater ge­macht?

Du musst bedenken, dass die Scham eine irrationale Angst. Einerseits soll mit dieser Angst von der wirklichen Moral abge­lenkt werden. Und andererseits bedeutet eine Angst bei den Menschen, die so etwas sinnlos Angstmachendes glauben, im­mer Macht bei den Menschen, die so etwas erzählen.

Wieso das?

So eine Angst erzeugt Unsi­cherheiten, die für wirkliche Moral absolut nichts bringen. Und bei den wirklich gefährli­chen Sachen passt du dann nicht auf und läufst in die offe­nen Messer. Es ist dasselbe, wie wenn du in England, wo es doch den Linksverkehr gibt, beim Straßeüberqueren in die falsche Richtung guckst.

Das hieße also, wenn man sich seiner Körperteile schämt, ist das ein Indiz, dass eine wirklich gute Moral nicht begriffen hat?

So ist es. Denn wenn du näm­lich wirklich mora­lisch bist, dann ist dir eh sch...egal, ob dich je­mand an­glotzt und was der sich dabei denkt. Und wenn deine größte Angst ist, ange­glotzt zu werden, dann ist das auch ein sicheres Indiz, dass du nicht wirklich Spaß an der Moral hast. Und was macht man, wenn man keinen Spaß an et­was hat?

Man macht dabei nicht mit.

Genau, daher ist der Spaß so wichtig, damit die Moral auch funktioniert.

Eigent­lich kann es einem doch wirk­lich egal sein, ob man ange­glotzt wird.

Ich denke ja auch, dass die Nacktheit einfach zum Gesamt­eindruck gehört, vor allem, wenn es um etwas Persönliches geht.

Ja, dass man so einen unver­bindlichen Gesamteindruck bekommt, ist tatsächlich nicht vorgesehen. Auch wir Mädchen hätten den ja erst einmal gerne.

Na siehst du – ein Moralmodell, das so krampfhaft und dämlich ist, dass Nacktheit und Sex im­mer nur als dasselbe gese­hen wird, dass man andere also gar nicht völlig unverbind­lich, also ohne jede nähere Bezie­hung, sehen darf, ist doch ein­fach nur krank und dämlich und kann doch gar nicht funktio­nie­ren!

Das heißt also, dass eine Moral, die nicht krank und nicht dämlich ist, funktio­nieren könnte?

Und wie! Ja, warum denn nicht eine schöne unverbindliche Zwi­schenphase, bei der es kei­ne vollendeten Tatsachen wie den Intimverkehr gibt, son­dern in der man sich einfach nur an der Schönheit des andern und auch an der eigenen er­freut? Ich schlage vor, sie „Phase der Ästhetik“ zu nennen.

Ja, so eine völlig unverbind­liche Zwischenphase, die wäre wirklich was, die wäre eigent­lich auch logisch und ver­nünftig.

Es geht ja auch gar nicht mal so sehr ums Anglotzen, wir haben darüber geredet. Es geht doch vor allem darum, erst mal so richtig Mensch sein zu kön­nen, so ohne alle Verklemmt­heits­fetzen, ohne alle Korsette. Da fangen die allermeisten Men­schen intime Beziehungen an, ohne dieses Menschsein je er­lebt zu haben.

Eigentlich sinnvoll, wenn das zum Kennenlernen gehören würde. Dabei würde man auch ganz anders miteinan­der reden können und mer­ken, ob man auch geistig zu­einan­der passt.

Diese Zwischenphase hätte auch noch einen anderen Vor­teil für die Mädchen: Mir hat nicht nur eine Frau erzählt, dass sie beschnittene Männer lieber hat, also Männer, denen die Vorhaut fehlt. Auf meine Frage warum, erhielt ich die Antwort: „Weil das hygienischer ist.“ Mein Einwand, dass es doch das Waschen auch unter der Vorhaut für die Hygiene genau­so täte, kam: „Das ist es ja, die meisten Männer sind Ferkel, die waschen sich da nie ...“. Na, sieh mal, wenn also nun erst einmal der Spaß beim Sehen und Zeigen da ist, dann kannst du dir ja mal so nebenbei auch zeigen lassen, wie´s unter der Vorhaut aussieht. Natürlich nur aus Interesse an der männli­chen Anatomie – nicht von we­gen der Überprüfung der Sau­berkeit (!).

Du meinst die Beschneidung der Männer wäre gar nicht nö­tig, wenn sie sich nur ver­nünftig waschen würden?

Jedenfalls nicht die Beschnei­dung aus hygienischen Grün­den, schließlich genügend Ba­dezimmer und Waschbecken.

Ich weiß nicht, dass ist doch ekelhaft, sich so etwas zeigen zu lassen.

Oh, dann warte mal ab, bis du mal so richtig verknallt bist. Denn dann wird gerade das, was vorher eher ekelhaft war, besonders interessant und anziehend. Vor allem kannst du so auch sozusagen im Schnell­verfahren feststellen, ob dir „der­jenige welcher“ abstoßend oder sympathisch ist.

Vernünftig wäre das ja alles, doch das muss ich wohl erst einmal verinnerlichen.

Und das meine ich, wenn ich von einer Über­win­dung der Leib- und auch Lustfeind­lichkeit rede, dass die einfach auch zu einer echten Moral gehört.

Das heißt also auch, dass die ganze Moral wegen der Leib­feindlichkeit schief läuft?

Du sagst es – das ist alles! Wenn Ihr also nun schon nicht die wirkliche Moral habt, Sex mit dem Einzigen zu ha­ben, dann muss eben eine an­dere Moral her. Und wenn es eine ist, dass es we­nigs­tes so aussehen soll, als hättet Ihr eine. So kommt es also zu die­ser ver­krampften Einstellung zur Intim­sphäre oder eben zur Scham.

Dass die Achtung der Intim­sphäre im Endeffekt darauf hin­ausläuft, dass frau mit dem Ver­kehr sozusa­gen die Falschen, dage­gen mit der Nackt­heit die Guten belohnt oder zumindest beloh­nen kann, zumin­dest wenn sie's richtig anstellt, das ist eigent­lich logisch, doch dar­an habe ich noch nie gedacht.

Und damit sind es im weitesten Sinn die Mädchen und Frauen, die die Ur­sache dafür sind, dass Män­ner entwe­der gleichgültig und ge­fühllos oder re­spektvoll und im besten Sinne edel ge­genüber Mäd­chen und Frauen sind.

Und warum sagt das denn sonst niemand so?

Genau das frage ich mich auch seit inzwischen über 50 Jahren. Es fällt mir schwer, hier noch an Ahnungslosigkeit oder gar an Gutwilligkeit zu glauben.

Aber vielleicht ist da eine Rücksicht­nahme auf alle die, die es falsch gemacht haben und die man nicht schockie­ren will, indem man ihnen den Spiegel vorhält, was sie so al­les falsch gemacht haben?

Manchmal denke ich allerdings, dass hier ein heimliches Kom­plott be­steht. Nach dem Verfah­ren „Der Hehler ist genauso schlimm wie der Stehler“ ma­chen in diesem Komplott nun viele mit. So ist eine besonders raffinierte Ma­nipulation die durch Ver­schwei­gen von wichti­gen Infor­matio­nen. Wer etwas Falsches er­zählt, der fällt ir­gendwann auf, doch wer gar nichts erzählt und das auch noch geschickt be­gründet, der kann auch noch als besonders Guter da stehen. Besonders gut klingt das, wenn das Verschwei­gen mit der Ver­meidung einer schädlichen Frühsexualisierung von Kindern begründet wird. Dabei wird ja üblicher­weise für junge Men­schen Sinnvolles und Nützli­ches und andererseits Schäd­liches in einen Topf ge­worfen.

Dabei ist doch eigentlich of­fensichtlich, dass durch das Verschweigen von Sinnvol­lem junge Menschen ah­nungs­los und naiv bleiben und mit Sachen anfangen, die sie bei richti­gem Bewusstsein nie machen würden.

Es sieht ja manchmal so aus, als ob genau das beabsichtigt ist. Gerade die Mädchen erst einmal ahnungslos und naiv lassen – und dann fangen die irgendwann schon von alleine an, dass sie Sex wollen – so wie du zu Anfang unseres Ge­sprächs.

Und man selbst denkt erst einmal, dass das so gut und emanzipiert ist, was man da vor hat.

Doch es gibt noch eine weitere Gruppe, das sind die Feiglinge, die Angsthasen. Die haben schon allein vor dem Nachden­ken Angst, vor allem, wenn es um die Nacktheit geht.

Und so ist auch jede Vorstel­lung, junge Menschen die Vor­teile einer sinnvollen Nackt­heit zu erklären, für die von vornherein unvorstellbar.

Es sieht mit der Scham ja auch alles so moralisch aus, dabei ist sie doch nur eine untaugliche Spießermoral.

Schrecklich, so arbeiten also diejenigen, die eigentlich das Gute wollen, mit denen zu­sammen, die genau das nicht wollen.

Es ist schon wie mit einer Mafia, die würde es ja auch nicht ge­ben, wenn die Guten nicht mit den Bösen zusammenarbeiten oder ihnen zumindest zuarbeit­en würden.

So sieht man das alles nie, doch es muss wohl so sein.

Das Schwierige ist eben, dass sich eben manchmal hinter etwas, was gut und moralisch aussieht, dann doch das Böse verbirgt.

Sollen wir also am Ende doch wieder nach der Religi­on leben? Das ist doch völlig unrealistisch, wenn ich damit ankomme, da lachen mich ja alle aus!

Es stimmt sicher, irgendwie bin ich ursprünglich schon von der christli­chen Religion beeinflusst. Doch irgendwo ist da auch ein ge­waltiger Unterschied. Es kommt ja nicht nur darauf an, dass man etwas von einer Mo­ral erzählt, son­dern auch wie man das erzählt, damit es auch funk­tioniert.

Auf alle Fälle funktioniert die Moral so, wie sie bei uns gerade jungen Menschen von den Religionen er­zählt wird, nicht, weil sie unlogisch und lä­cherlich ist und eher Zwang und Qual bedeutet und da­bei macht doch keiner mehr mit.

Genau. Zu­mindest auf Dauer machen ge­rade junge Men­schen doch nur das mit, was wirklich attraktiv ist und Spaß macht. Dabei geht es gar nicht einmal darum, dass et­was leicht zu leben ist. Du siehst es ja an dir selbst: Dieser Pilgerweg hier ist manchmal schon ein wenig eine Schinde­rei, so mit Blasen an den Füßen, mit Hitze und Re­gen und Durst und Müdig­keit, doch du machst die Schin­derei dennoch irgend­wie gern mit und du denkst nicht dran, aufzuhören. Wie heißt es so schön: „Der Weg ist das Ziel!“ So ist das auch mit einer inter­essanten Moral!

Warum machen es die Reli­gionen dann nicht auch „anders“?

Den Religionen geht es doch gar nicht darum, dass gerade auch ein junger Mensch wirklich danach lebt, sondern es ist de­nen im Grunde völlig egal, ob „Sünden“ geschehen. Denn die von den Religionen haben doch ihre Vorteile da­von, wenn die Menschen Schuld­gefühle haben und wenn sie daher die Verge­bung Gottes und ein besseres Le­ben nach dem Tod verspre­chen kön­nen. Dabei ver­dienen sie doch durch Kir­chen­steuer, durch Spenden, ja auch durch Erb­schaften. Und das ist ein so ein­trägliches Ge­schäft und dann auch noch ein Macht­in­strument, dass sie gar nicht auf die Idee kom­men, ein Kon­zept zu su­chen, mit dem sie gerade auch jun­ge Leute von der Moral begeistern.

Du glaubst also nicht, was die von Vergebung erzählen?

Ich habe doch Theologie stu­diert und ich habe nie erlebt, dass es echte Forschungen gibt, warum gerade junge Men­schen mit dem „Sündigen“ an­fangen und welche Strategien möglich sind,dass das bei jungen Menschen anders läuft. Das interessiert einfach nicht. Wenn die also doch nicht alles tun, damit Sünden erst gar nicht pas­sieren, dann sind die Reden von Vergebung doch nur billige leere Worte.

Und was die sonst so erzäh­len?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Gott gibt, der das gan­ze Brimborium oder auch die Glaubensmagie braucht, also was die Religionen so an­stellen. Wenn etwas bes­ser wer­den soll, dann müssen wir schon anpacken. Religiös aus­gedrückt: Gott hat keine Hände au­ßer unseren.

Na, von den Religionen erwartet hier doch sowieso niemand mehr etwas Vernünf­ti­ges gerade bei dieser The­ma­tik. Doch es gibt auch andere Pädagogen.

Na bitte, dann nenne mir mal einen, der den jungen Men­schen Spaß an der paradiesi­schen Überwindung der Leib­feindlichkeit beibringen will.

Das müsste eigentlich auffal­len, wenn einer darüber gere­det hätte, ich habe allerdings auch noch von keinem ge­hört. Das kann jedoch auch am Lehrplan liegen, dass so etwas verschwiegen wird.

Wir haben seit über hundert Jahren FKK-Erfahrungen - und die sind doch gar nicht so schlecht. Doch sie haben zu­mindest bisher keinen Eingang in die pädagogische Forschung gefunden. Wenn die Pädago­gen wirklich wissenschaftlich wären, würden ihnen doch sol­che Phänomene auffallen und sie würden dem nachgehen. Tun sie aber nicht. Daran kannst du er­kennen, wie ver­klemmt und unwissen­schaftlich die Pädagogen sind.

Und was soll man da ma­chen?

Dann rede ich eben drüber: Hast Du mal davon gehört, dass sich Studentinnen darum geris­sen haben, mit dem berühmten Gandhi eine Nacht nackt zu ver­bringen, ohne dass „mehr“ war?

Wie, der? Von dem erfährt man immer nur wie er mit friedlichen Mitteln gegen die Engländer gekämpft hat.

Ja, von dem. Leider wird darü­ber auf Internet­seiten nur nega­tiv berichtet, als ob das etwas sehr Schlimmes war. Eine at­traktive Enthaltsam­keit ist offen­sichtlich nicht im Sinn heutiger Moralisten. Also wird die ver­schwiegen, selbst wenn so ei­ner wie Gandhi damit experi­mentiert hat.

Und woher weißt du nun so genau, was beim Umgang mit der Sexualität richtig und was falsch ist?

Ja, das ist wirklich ein Problem. Auf die Leute von den Religio­nen, also auf die Priester und Mönche, kann man sich hier jeden­falls gar nicht verlassen, was die sagen und lehren. Denn das sind alles alte Männer oder zumindest von solchen al­ten Männern beein­flusst, die nur noch auf das Le­ben nach dem Tod warten. Daher lehnen die von vornherein alles ab und machen es schlecht, was auch nur entfernt mit Sexualität und erst recht mit dem Spaß an der Sexualität zu­sammen hängt.

Also kann man doch gar nicht wissen, was richtig und was falsch ist?

Oh doch, denn da gibt es einen schönen Ausweg in solch einer Situation und der heißt: „Stim­me des Volkes, Stimme Gottes“ oder lateinisch „Vox populi, vox de-i“! Danach haben die eher „Ungebildeten“, also „das Volk“, viel eher ein Gefühl dafür, was Sache ist. Ich hatte also das Glück, als ich noch jung war, mal in einer Männergesell­schaft aus dem Volk zu sein, in der Klartext geredet wurde. Und das war beim Militär und gerade auch in den ersten Monaten der Grundausbildung. Ich war eini­germaßen überrascht, wie Mäd­chen da grundsätzlich als l.f.G., also entsprechend dem „Abkür­zungsfimmel Bundeswehr“ als „leicht fickbare Gegenstände“ bezeichnet wurden. Und es war dabei keinesfalls so, dass die Kameraden das so toll und gut fanden, dass die Mädchen auch so waren, dass sie dieser Be­zeichnung alle Ehre oder bes­ser Unehre machten. Denke nur mal genauer über so man­che Blondinen­witze nach, in denen stehen doch die Mäd­chen, die großzügig sind mit ihren Sex­er­lebnissen, keines­wegs positiv da: Die Mädchen (und Frauen), die kei­ne vernünf­tige Moral ha­ben, gelten schnell als Schlam­pen und Prostituier­te, die man zwar benutzt, doch die man im Grun­de verachtet und über die man sich lustig macht und und die man eigent­lich gar nicht ha­ben will.

Solche Kameraden sind doch einfach nur sexistisch, deren Ein­stellung ist doch krank.

Oder ist sie gerade die natürliche Einstellung? Sieh mal: Man kann „das alles“ natürlich auch vertuschen oder gar seine eige­nen Fehler schönreden, und so merken die jungen Leute – und insbesondere Ihr Mädchen – nicht, wo die Fallstricke des Lebens sind. Deswegen laufen sie sozusagen irgend­wann in die offenen Messer und begehen dieselben Fehler, so dass sie schließlich so werden, wie diese Männer reden.

Dann ist also das Schönreden und Vertuschen der tiefste Grund für den Sexismus?

Es gibt das passende Sprich­wort: Der Hehler ist genauso schlimm wie der Stehler. Ohne diese Vertuscherei und Schön­rederei gäbe es bald keinen Sexismus mehr. Davon bin ich jedenfalls überzeugt. Und auch das habe ich mitbekommen: Den Mädchen wird durchaus auch ein Erlebnis ihrer Sexualität zugestanden, nur eben nicht das mit dem Eindringen, was also Schlampen und Prostituierte machen - bei offensichtlich glücklich verheirateten Frauen ist das natürlich etwas völlig anderes. Ich erinnere mich genau, wie anerkennend etwa von einem Mädchen geredet wurde, das keinesfalls verklemmt war, doch genau mit dem Eindringen nichts zu tun hatte: „Die weiß, was sie will!“

Aber wäre es nicht eine Auf­gabe, sich darum zu küm­mern, dass die Männer eine andere Einstellung zu den Mädchen und Frauen bekom­men, egal wie die leben?

Es gibt Dinge, die kann man nicht ändern, und gerade hier wird immer geredet werden – nur dann erfahren die nichts mehr, die etwas ändern könn­ten. Es ist wie beim Alkoholver­bot in den U.S.A. in den Zwan­ziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts. Das funktionierte ein­fach nicht, eher war das Gegen­teil der Fall, weil die Leute sich hier nun einmal nichts vor­schreiben ließen. Denn dann wurde eben schwarz gebrannt und geschmuggelt was das Zeug hielt – und so wurde alles schlimmer wie zu­vor. Und ganz nebenbei ent­stand eine krimi­nelle Mafia, die man dann nicht mehr los wurde.

Das habe ich auch schon mal gehört, dass Gesetze und Verbote in moralischen Din­gen sowieso nichts bringen.

Sehr oft machen die alles nur noch schlimmer.

Und was machst du jetzt?

Na ja, dass die Mädchen genau das gut finden, was meine Ka­meraden akzeptiert hätten und auch noch direkt Spaß an der Moral haben. Und das geht! Ich habe das schon mal mit meiner Pflegetochter aus­probiert – und das hat prima geklappt.

Du meinst also, dass die Scham ein völlig falscher Weg zu einer vernünftigen Moral ist?

Genau.

Aber genau diesen falschen Weg erzählen ja auch die Re­li­gionen.

Du sagst es.

Aber das ist doch irgend­wie schuftig, wenn man gera­de hier etwas machen könn­te und man macht es nicht?

Das hast du jetzt gesagt.

Du siehst also die Religionen nicht als die Kämpfer für die Moral, sondern im Gegenteil eher als Kämpfer gegen die Moral, weil sie falsche Wege der Moral zeigen?

In gewisser Weise schon. Eine Aus­nahme war hier ver­mutlich der wirkli­che Jesus. Vielleicht hast du mal in deinem Reliun­terricht gehört, dass Theologen, also die Fachleute für die christ­liche Religion, längst nach ei­nem Jesus des Glaubens, so wie über ihn die Bibel berichtet, und nach dem wirklichen, dem historischen Jesus unterschei­den.

Kann man denn überhaupt erkennen, was stimmt und was nicht stimmt?

Du musst bedenken, dass die­ser Jesus aus Nazareth zu­nächst sehr unbedeutend war und man also gar nichts über ihn aufgeschrieben hatte. Das mit dem Aufschreiben ging erst nach zwei oder gar drei Gene­rationen los.

Das meiste dürfte also reine Erfindung sein.

So sehe ich das auch. Aber da gibt es eine Geschichte, die war so etwas Ungewöhnliches und Spektakuläres, dass sie im Be­wusstsein der damaligen Men­schen hängen geblieben war.

Und das wäre?

Ich meine hier die Geschichte im Johannesevangelium, wie Jesus eine Frau, die wegen Ehebruchs gesteinigt werden soll, raus haut.

Was soll bei der Geschichte das Besondere sein?

Es gab damals Gesetze, nach der Ehebrecherinnen, die auf frischer Tat von zwei Zeugen ertappt wurden, zum Tode ver­urteilt werden mussten. Verhei­ratete Frauen wurden erdros­selt, unverheiratete gesteinigt. Da die Frau nun gesteinigt wer­den sollte, war sie also unver­heira­tet, was in der damaligen Zeit bedeutete, dass sie eine Prostituierte war. Doch gab es damals auch sonst viele Pro­stituierte, denen niemand etwas tat, selbst wenn ihr „Beruf“ be­kannt war. Also kann der Grund für das Todesurteil für die Frau nicht gewesen sein, dass sie Prostituierte war. Warum also sollte diese Frau gesteinigt werden? Doch sicher nicht aus moralischen Gründen! Nein, nein, hier wur­den ganz einfach die Gesetze missbraucht, um eine Prosti­tu­ierte zu bestrafen, die in der damaligen Männerge­sell­schaft nach Auffassung der Männer irgendetwas falsch ge­macht hatte. Vielleicht wollte sie aus dem Beruf aussteigen, viel­leicht hatte sie nicht ihre Ein­nahmen ih­ren Zuhältern abge­liefert, viel­leicht hatte sie etwas ausge­plaudert, was sie nicht durfte. Näheres wissen wir nicht, es ist auch nicht wichtig. An ihr muss­te einfach ein Exempel statuiert werden, um die anderen Frau­en zu warnen, was ihnen pas­siert, wenn sie nicht das ma­chen, was diese Männer wollen.

Und das alles hatte dieser Je­sus sozusagen mit einem Blick sofort richtig gesehen, als er die Männer mit der gejagten Frau sah – und sie eben raus ge­hauen. Und genau dafür musste er selbst dann bei nächstbester Gelegenheit ster­ben, eben „für die Liebe, ge­gen die Sünde, gegen die Heuch­ler“. (Anmer­kung: Mehr dazu im Heft 2.)

So wird das einem nie erzählt, obwohl das sehr plausibel ist.

Es war damals überhaupt un­gewöhnlich, dass sich ein Mann vernünftig mit Frauen unterhielt. Jesus muss aber genau das ge­tan haben und dabei erfahren haben, wie auch sonst mit den Frauen umgegangen wurde und wie schlecht es um Liebe und Partnerschaft bestellt war. Hier sind dann auch sei­ne aufklä­rerischen Re­den einzuordnen, um etwas zu ändern, aus denen dann from­me Predigten ge­macht wur­den. Doch das ist ein wei­teres The­ma.

Der wirkliche Jesus soll sich also um dieses Thema ge­kümmert ha­ben?

Es ging ihm ja um die Liebe. Und so ist das hier jedenfalls eher plau­sibel als diese ganzen Sohn-Gottes-Geschichten, die es auch in an­deren Reli­gionen gab und die dann auch ihm an­gedichtet wur­den. Und in unse­re Religion kam so auch ei­ne Leibfeindlich­keit hinein, die es ur­sprüng­lich gar nicht gab. Die ers­ten Chris­ten, und das wa­ren gerade auch junge Leute in dei­nem Alter, das wa­ren Christen, die auch noch für ihre Einstel­lung starben, wur­den splitter­nackt getauft, ja bei­derlei Ge­schlechts. Denen damals war offen­sichtlich schon klar, dass die Klei­dung als Grundlage ei­ner Se­xualmoral völlig untaug­lich ist.

Aber heißt es nicht, dass zur Überwindung der Leib- und Lustfeind­lichkeit auch der Sex gehört, also auch das Eindringen, – und auch schon vor der Ehe?

Da gibt es wohl unterschiedli­che An­sichten von Leibfeindlich­keit. Ist nicht ge­rade für eine Jungfrau das Eindringen ein besonde­res Zeichen von Leib­feindlich­keit? Die kann offen­sichtlich mit ihrem Körper ohne Sex nichts an­fangen, hat kei­ne Lust an ihm und an ihrer Jung­fern­schaft, hält die gar für über­flüssi­g und lästig und meint, den Kör­per ver­stec­ken zu müssen, veracht­et ihn also irgendwie. Daher bei passender Gelegen­heit weg mit der Jung­fernschaft – wie mit ei­nem dre­ckigen Lap­pen. Was wäre ohne solche lust- und leibfeindliche Ein­stel­lung zum Kör­per nicht al­les möglich?

Auch hier hast du irgendwie Recht, eigentlich ist die Grundstimmung zum eigenen Körper eher Angst, die einen daran hindert, selbst harmlo­sen Spaß an ihm zu haben.

Da kommt auch noch etwas hin­zu: Eigentlich ist gerade der jun­ge Körper doch auch ein Wer­bemittel bei der Partnerfindung. Gott sei Dank sind die Ge­schmäcker der Männer ja ver­schieden. Der eine mag eher kleine Brüste, der andere mag eher fülligere, der eine mag eher schlanke Frauen, der an­dere eher molligere. Und so wie das heute aussieht, muss man eher bis zum Sex rätseln, zu welchem auch immer, und die Katze im Sack vor sich ha­ben. Damit werden Äußerlich­keiten spannend gemacht, die in einer echten Partnerschaft gerade nicht so spannend sein sollten.

Doch wie soll man denn schließlich her­ausbekommen, wer zu ei­nem wirklich passt?

Genau das ist ja auch dein gu­tes Recht, dass man so etwas herausbekommt. Und die Natur ist hier auch nicht verklemmt und ein­fallslos.

Wie denn? Und was hat die sich denn bitte hier einfallen lassen?

Frag´ dich doch mal selbst, was du mit dem Sex auf Probe denn heraus bekom­men willst. Um was geht es dir denn ei­gentlich, wenn du mit einem Jun­gen mit dem Sex anfangen willst?

Na ja, ob wir nicht nur von der Part­nerschaft, sondern auch se­xuell zusammenpas­sen. Man hört ja oft, dass das Sexuelle bei Paaren gar nicht rich­tig klappt.

Ja, dabei ist doch Sache, dass das Eindringen mit jedem ir­gendwie klappt, im Prinzip passt doch jeder Penis in jede Schei­de, ein Pro­bieren ist hier im Grunde völlig überflüssig. Da­her läuft das auch mit der Prostitu­tion, bei der passt doch im Prin­zip jeder mit jedem oder jeder. Wenn bei der Sexua­lität et­was bei dem einen klappt und bei dem an­deren nicht, dann ist das doch der Orgas­mus. Und so wie du vorge­hen willst, er­reichst du mit ei­ner ho­hen Wahrscheinlich­keit in punc­to Or­gasmus doch ge­nau das Ge­genteil, also erst recht kei­nen.

Wieso das denn?

Sieh mal, der Orgasmus ist eine hoch­sensible Sache. Vor allem ist der ab­hängig von seelischer Har­monie, also ob du dich si­cher bei einem Mann fühlst, ob du dich ge­borgen fühlst, ob du dich von ihm verstanden fühlst, ob du dich bei ihm so richtig fal­len las­sen kannst. Und meinst du wirk­lich, das würde mit ei­nem Part­ner klappen, den du dir ge­rade mal für deine Entjungfe­rung aus­suchst?

Na ja, dann eben bei dem nicht, doch bei einem neuen Partner doch sicher. Man kann ja wohl nur durch Erfah­rungen lernen.

Wenn das keine Milchmädchen­rechnung ist. Denn wenn bei so ei­ner wichti­gen Sache wie dem ers­ten Sex in dir Ängste ent­standen sind, dann ste­hen die dir beim Ver­such, dich beim nächsten fal­len zu las­sen, doch im Wege, weil du ein­fach krampf­haft nur daran denkst, ob das al­les jetzt besser wird. Vom freien Fallenlas­sen, der Vorbe­dingung für einen schönen Or­gas­mus, wieder kei­ne Spur.

Aber das machen doch alle so, und was alle machen, kann doch nicht falsch sein.

Eine tolle Logik. Es hatten doch auch alle mal an Hexen ge­glaubt, und dieser Glaube war dennoch Unfug. Doch zum Orgasmus: Sieh mal, Zwei­drittel aller Frau­en in Deutsch­land ha­ben nie einen Or­gas­mus, ob­wohl mit Si­cherheit alle Frau­en das Zeug dazu hät­ten.

So viele?

In einem kleinen Hotel, wo ich vor Kurzem war, waren die Wän­de sehr hellhörig. Ich konn­te also morgens und abends hö­ren, wie die im Neben­zimmer Sex hatten. Eigentlich hätte ich denen einen Zettel un­ter der Tür durchschieben sol­len, dass dieses stoßweise Ge­stöhne und Geächze der Part­nerin ein Indiz ist, dass sie reine Kopulation (also eher wie Tiere) treiben, die eher et­was mit Folterei und Quälerei und jedoch nichts mit Orgasmus zu tun hat. Und falls ihm überhaupt an ihr ge­legen ist, sollte er auf­pas­sen, dass sie nicht irgend­wann diese Folterei und Quä­lerei leid ist und ihm davon läuft. Doch das mit dem Zettel habe ich natür­lich nicht ge­tan, zumal ich (ab­gesehen von den Sprach­schwie­rigkeiten, denn es war im Ausland) auch gar nicht ge­wusst hätte, was ich denen hätte vor­schlagen sollen.

Und wie hört sich denn ein richtiger Orgas­mus an?

Gar nicht! Da wackelt allenfalls die ganze Bude wie bei einem Erdbeben. Aber so etwas wür­den die wohl lieber zuhause machen.

Du meinst also, dass das Nichtgelingen des Orgasmus dar­an liegt, weil sie als Mäd­chen mit der Se­xualität falsch angefangen ha­ben?

Genau.

Und was ist nun deine Idee?

Du willst doch herausbekom­men, ob du einen Orgas­mus hast oder nicht. Denn der klappt nun ein­mal wirklich nicht zwi­schen allen Men­schen, es müssen schon beson­dere Be­ziehungen da sein. Und hier hat die schlaue Na­tur uns Men­schen die tolle Möglich­keit schlechthin ge­geben: Der Knül­ler ist sowieso der zentralnervös ausgelöste Orgasmus, also der, zu dem es kommt, weil beide einfach geistig voneinander be­rauscht sind. Daher funktio­niert der sogar fast ohne al­le Berüh­rungen, jedenfalls ohne aus­drückliche. Der ist sogar mög­lich in voller Kleidung, die ir­gendwann aber auch egal ist, weil beide das Eindringen ja gar nicht mehr nötig haben.

Davon habe ich noch nie ge­hört, dass es auch einen Or­gasmus ohne Eindringen gibt.

Ein Mädchen hat einmal gesagt, dass es gar nicht versteht, was die Jungen davon haben, wenn sie immer das Eindringen wol­len. Dabei ist doch eigentlich klar, dass das Mädchen das nicht ver­steht. Denn die Ner­venzellen, die bei der Frau oder eben bei dem Mädchen für den Or­gas­mus verantwort­lich sind, liegen sowieso alle an der Oberfläc­he der weib­lichen Ge­schlechtst­eile. Das be­deutet al­so, dass an Or­gasmus mit Ein­drin­gen sowieso nichts klappt, was auch ohne Eindrin­gen nicht klappt. Ge­rade ein Mädchen braucht also zum Tes­ten des Or­gasmus über­haupt nicht das Ein­dringen!

Aber die Jungen und Männer, die haben doch etwas davon, daher wollen die das nun einmal. Und daher müssen Mädchen nun einmal mitma­chen, was die wollen.

So klar und eindeu­tig ist das nun auch wieder nicht. Halte dir doch mal vor Augen, wie das passiert, wenn ein Mädchen gerade den ersten Sex hat. Das liegt doch im Grunde mit seinen Beinen wie hingenagelt da und lässt alles über sich ergehen. Wenn sich dagegen beide so richtig auch mit den Beinen ineinander umschlingen, dann kann „sie“ sich schon eher bewegen und wird das auch tun. Ja sie will ihn ja auch mit ihren „Nervenzellen“ nicht nur so gerade berühren, sondern sich dabei mit ihnen zur Lust­steigerung so intensiv wie mög­lich an ihn schmiegen.

Du meinst, dass „er“ dann gerade an dieser „weiblichen Anschmiegerei“ auch seinen Spaß hat?

Und wie! Das ist für ihn viel mehr als das Eindringen, be­sonders natürlich, wenn echte Liebe im Spiel ist!

Wie ist es, sollte sich ein Mäd­chen „unten“ rasieren, damit es ihn „dabei“ intensi­ver berühren kann?

Auf alle Fälle wäre das für ein Mädchen jedenfalls viel luststei­gernder als das Eindringen …

Und was ergibt sich nun da­raus?

Ganz einfach: Das größte Or­gan des Menschen ist seine Haut – und die ist voller Nerven­zellen. Wie wäre also erst ein­mal „nur“ ein schöner Hautkon­takt, so von oben bis unten, Brust an Brust, Bauch an Bauch, Bein an Bein – ohne je­de hemmenden Textilien? Ja, dazu gehört Vertrauen und Überwindung der Leibfeindlich­keit – und eine wirkli­che Mo­ral.

Aber auch dabei kann man sich doch auch nicht richtig fallen lassen, weil frau immer Angst haben muss, dass es doch um Sex kommt.

Na siehst du, dazu gehört eben auch eine gehörige Portion In­telligenz, du musst schon ver­nünftig reden und hö­ren kön­nen, um her­auszubekommen, was ei­ner wirk­lich will und ob es auch dabei bleibt. Jawohl, hier­zu ge­hört auch In­telligenz. Da­gegen gehört die zum Sex wirk­lich nicht, den schafft auch die doofste Blondi­ne.

Du hast ja recht, vor dem Eindringen hat man schon irgendwie Angst, daher will man´s auch hinter sich ha­ben. Wenn ich mir vorstel­le, dass das auch anders gin­ge und viel besser … Und ohne Pille und ohne Kondome ...

Da ist dann auch der Vorteil, dass du an einen Mann gerätst, der zunächst eher unscheinbar wirkt und mit dem du nie etwas angefangen hättest, der aber bei diesem Verfahren der wahre Knüller ist, der´s wirklich bringt.

Doch wenn man so nackt ist, kommt es dann nicht automa­tisch zum Sex?

Das ist auch so eine typische Angstmacherei von Leuten, die selbst nie richtigen Spaß an der Sexuali­tät hatten und daher auch jun­gen Leuten keinen Spaß gön­nen. Genau dazu gibt es auch eine Zeitungsnotiz, lei­der habe ich die sehr interes­sante Mel­dung aus China, die vor vielen Jahren (vielleicht schon um 1990) in der Zeitung „Die Welt“ stand, nicht aufge­hoben. Sie lautete etwa:

Junges Ehepaar wundert sich, warum es keine Kinder bekommt

Zwei Chinesen wussten nicht, dass dazu Sex gehört

Ein junges chinesisches Paar, beide Che­miker, wunderten sich nach ein paar Jah­ren Ehe, warum sie kein Kind bekamen. Als sie deswegen einen Arzt konsultier­ten, stellte der fest, dass die bei­den noch nie „Ver­kehr" hatten. Auf Nachfrage er­fuhr der Arzt, dass die beiden davon einfach keine Ahnung hatten. Sie dachten, dass die Frau Kinder durch die Ver­mischung von „Molekü­len“ auf­ der Haut bekommt.

Die Meldung besagt nun ganz deutlich: Es gibt keine magische Macht, die auch junge Men­schen, die noch nie Sex hatten, zum Sex zwingt. Es ist das Wis­sen um den „Verkehr" dazu er­forderlich – oder eben die Er­fahrung. Das heißt von daher auch, dass gerade junge Men­schen „ohne Erfahrung“ leicht ohne den „Verkehr" auch nackt zusammen sein kön­nen, selbst wenn sie zwar das Wissen um den Ver­kehr haben, ihn je­doch nicht wollen. Dass die­ses „Phä­nomen“ nun viele Er­wachsene nicht verstehen, lässt tief auf diese „vie­len Erwach­senen" schließen. Sie können sich ein­fach nicht in junge Menschen „ohne Erfahrungen“ hineinver­setzen. Ich meine, ich muss die Gründe nicht näher erörtern.

Wenn ich mir´s recht vorstelle, also so ein Zusammensein ohne Sex mit einem netten Jungen wäre schon was, gerade auch wenn „nichts weiter“ passiert. Doch wäre so eine Zurückhaltung von beiden nicht auch wieder ein großer Stress? und ist Stress denn nicht immer ungesund?

Oh nein! Klar, es gibt ungesunden Stress, doch es gibt auch absolut gesunden Stress! Zeichen von gesundem Stress ist, dass die Ursache freiwillig ist und zu Ende ist, wenn man es selbst will.

Davon habe ich auch gehört, dass positiver Stress die Würze des Lebens ist und dass man sich ihn daher auch förmlich sucht.

Ich kann dir auch sagen, warum: Um mit dem Stress fertig zu werden, produziert der menschliche Organismus nämlich Antistresshormone. Diese Antistresshormone haben nun denselben chemischen Aufbau wie auch die Wirkung von Drogen. In solch einem Stress wie geschildert setzt sich der Mensch also sozusagen selbst unter Drogen – diesmal allerdings unter körpereigene. (1)

Tolle Aussichten!

Der Vorteil dieser „Drogen“ ist, dass sie völlig natürlich sind, also absolut kein Gesundheitsrisiko. Im Gegenteil, sie haben sogar eine sehr positive medizinische Wirkung. Der Mensch ist sozusagen sein eigener Drogen- und Medizinproduzent.

Wirklich?

Man kann diese Drogen oder auch diese Medizin auch chemisch produzieren, doch die chemischen Stoffe sind eben doch anders, daher ist auch die Wirkung eine andere. Auch kann man von den künstlich hergestellten so richtig blöde süchtig werden.

Schade allerdings, dass es die Chance für solche körpereigenen Drogen nur vor der Ehe gibt, weil im Grunde nur da die Gelegenheit ist, das mit der Enthaltsamkeit richtig zu machen.

Oh nein, in einer richtig guten Beziehung mit richtig gutem Orgasmus geht’s erst richtig los! Es gibt hier die Theorie, dass nicht nur alle unsere krampfhafte Aggressionen, etwa auch gegen Menschen anderer Völker und Rassen, sondern auch viele Krankheiten bis zum Krebs ihre tiefste Ursache darin haben, dass wir einfach nur so herumkopulieren wie das Pärchen in dem Hotelzimmer, von dem ich erzählt habe, und keinen richtigen Orgasmus haben. (1) Denn dabei würde es erst recht zur wahnsinnigen Ausschüttung positiver Hormone.kommen. (2)

Ich kann mir denken, warum man davon nichts erfährt, denn da würden die Ärzte und Medizinfirmen weniger Geschäfte machen.

Und leider wird auch das mit dem Orgasmus so blöde erzählt, als ob der eine rein körperliche Reaktion ist, die mit geschickten Fummeln und dann auch tollem Sex erreicht werden kann. Doch das ist Unfug, der richtige Orgasmus ist eine leibseelische Reaktion, da gehört nun auch mal unbedingt das Sichfallenlassenkönnen dazu, die entscheidende Komponente ist also die Seele.

Wenn wir also das mit diesen natürlichen körpereigenen Drogen alle richtig machen würden, dann würde ja irgendwann niemand mehr Hasch und Kokain nehmen und was es sonst noch gibt?

Du sagst es.

Dann wäre die Drogenmafia ja irgendwann arbeitslos?

Ist das unser Problem?

Was du da so sagst, ist natürlich alles viel spannender als das, was ich mal vorhatte.

Na siehst Du.

Verstehe ich dich hier richtig, dass es hier einen Teufelskreis gibt: Menschen mit Erfahrungen erziehen wegen ihrer Erfahrungen junge Menschen ohne Erfahrungen so mit Ängsten und zu falschen Wegen, dass diese mehr oder weniger automatisch auch zu diesen Erfahrungen wie die Erwachsenen kommen.

Dabei kann man auf „diesem Phänomen“ doch ein funktionierendes Konzept einer schönen vorehelichen Enthaltsamkeit aufbauen. Man muss nur diejenigen „ohne Erfahrungen" nicht mehr zur Scham erziehen, sondern eher gegen die Scham ermuntern, natürlich muss man sie entsprechend über eine echte Moral der schönen Liebe informieren. Denn was für die einen gut und gesund und natürlich sein mag, ist für die anderen Gift. Machen wir es uns einmal bewusst: Vor dem ersten Verkehr sind die Geschlechtsteile „der jeweils anderen“ einfach nur eigentümliche, wenn vielleicht auch bisweilen interessante Hautfalten, mehr nicht, deretwegen man sich eigentlich nicht schämen muss. Danach ist alles anders.

Im Prinzip hat das ja die Mutter einer Freundin auch so gesagt, als sie ihr für den Umgang mit Männern den Tipp gab: „Die Beine zusammen und Gott vor Augen!“ Jetzt verstehe ich so langsam, was damit gemeint war.

Na siehst du, wie richtig ich liege, sogar im Sinn dieser Mutter.

Doch immer wieder: Wenn man sich wirklich liebt, darf man dann nicht doch auch Sex haben?

Auf keinen Fall! Denn das ist es ja gerade, dass das Konzept nur dann seine Wirksamkeit entfalten kann, wenn man sich 100%ig daran hält. Sonst bleibt im Endeffekt ja doch wieder alles beim Alten.

Ist das, was du hier emp­fiehlst, im Prinzip nicht das­sel­be wie Sex?

Hoppla, lass dir hier doch nichts einreden von denen, die wirklich etwas zu verbergen haben.

Aber ist das nicht auch Heu­chelei, wenn frau alles darf, nur nicht das In-sich-eindrin­gen-Lassen?

Hoppla, ich sehe das völlig an­ders! Überlege doch mal, was Heuchelei ist.

Wenn man etwas anderes sagt oder vorgibt als das, was man in Wirklichkeit denkt und vor allem tut.

Na bitte, wo tut man denn hier etwas anderes, als was man sagt oder nach außen vorgibt?

Aber man ist doch nahe dran.

Was heißt das denn schon wie­der – ja oder nein, alles andere ist doch lächerlich.

Da hast du auch wieder recht.

Außerdem: Was ist wohl heuch­lerischer, wenn Er­wachsene und gerade auch die von den Religionen jungen Men­schen durch ihr ganzes Verhal­ten den Eindruck erwecken, dass Bade­hose und Bikini Moral sind, wo sie doch genau wissen, dass echte Moral überhaupt nichts damit zu tun hat? Auch sollten sie sich mal erinnern, wie es denn bei ihnen selbst angefan­gen hatte, doch mit dem Spaß an einer bewussten Nacktheit an einem Nacktstrand ganz bestimmt nicht.

Wenn es hier also schon um Heuchelei geht, dann ist wohl viel eher die Erzie­hung zur Scham nicht nur eine Erziehung zu einer Scheinmoral und Spie­ßermoral, sondern auch zu ei­ner Heuchlermoral.

Na ja, aber sehr eng beisam­men sind er und sie ja schon dabei.

Na und? Wenn wir nachts zum Himmel aufschauen, dann sind manche Sterne auch ganz nah beieinander, doch in Wirklichkeit sind sie vielleicht weiter von ein­ander entfernt als wir von ihnen.

Entscheidend ist also nicht, wie etwas aussieht, sondern was in Wirklichkeit passiert.

Und ist hier schon von der Posi­tion her alles ganz an­ders. Da­mit das Eindrin­gen klappt, muss sie die Beine öffnen und er hält sie zu­sammen. Dage­gen umar­men sich hier die beiden nicht nur mit den Ar­men, sondern auch und gerade mit den Bei­nen. Eben so richtig schöner größt­möglicher Hautkon­takt! Dabei sind dann auch die Ge­schlechtsteile in Posit­ionen, wo ohne aus­drückliche Zustim­mung der Frau überhaupt nichts an Eindringen passieren kann. Nicht zuletzt hat ja das die Na­tur auch so einge­richtet, dass sich das weibliche Geschlechts­teil zwi­schen den stärks­ten Muskeln der Frau befin­det. Und um da hineinz­ukommen, gehört also auch der ausdrückli­che Wille der Frau dazu.

Ich habe immer gedacht, da gibt es so eine Art Zwangs­verhalten, ent­weder frau ist er­schreckt vor den männli­chen Geschlechtstei­len und bekommt einen Schock fürs Leben oder frau will den Penis gleich bei sich in ihrer Vagina haben.

Alles Unfug! Nichts davon stimmt. Höchstens wenn einem Kind vorher sinnlos Angst ge­macht wurde. Da kannst du mal sehen, welcher Unfug frau zu­mindest zunächst so al­les in den Kopf gestopft wird. Denn diesen Unfug hat sie ja wohl nicht von allein­e. Der wur­de ihr doch beige­bracht – von Leu­ten, die wohl die entsprechen­den schlech­ten Erfahrun­gen hatten, weil sie es selbst falsch ange­fangen hat­ten, und sich ärgern und jetzt pauschal alles mies ma­chen, was irgendwie mit Se­xu­alität zu­sammen hängt.

Verständlich ist das ja schon, wenn Leute mit schlechten Erfah­rungen ander­e warnen wol­len. Doch so sorgen sie mit ihren Ängsten vor allem nur da­für, dass es immer so wei­ter geht, eben ein Teu­felskreis.

Siehst du, deshalb warne ich auch nicht, denn diese Warnun­gen etwa vor den bösen Män­nern helfen ja sowieso nichts. Du siehst es ja an Dir selbst. Der Grund, warum du mit dem Sex anfangen wolltest, lag nicht an den bösen Män­nern, son­dern der kam ganz al­lein aus dir selbst. Die Männer nehmen nur die Gelegenheit wahr.

Ja wirklich, die Idee kam aus mir selbst, diese blöden War­nungen hatten bisher nur ge­nau das Gegenteil erreicht.

Daher würde ich auch nie war­nen, um jemanden zu bewah­ren, denn Warnungen sind nun einmal immer etwas Negatives. Gerade hier gilt auch der Grundsatz guter Werbung: „Nie negativ, sondern immer nur po­sitiv!“ Daher versuche ich dich lieber von etwas zu begeistern, was du positiv machen kannst.

Lang­sam sehe ich auch den Grund für deine Ideen.

Und da ist noch etwas: Ange­nommen, du hattest Sex mit ei­nem – und der war nichts. Du hast also mit dem Schluss ge­macht – oder der hat Schluss gemacht. Wie lange musst du beim nächsten warten, um nicht als Schlam­pe zu gelten, die mit je­dem schnell ins Bett hüpft? Ei­nen Monat, zwei Mona­te, drei Mona­te? Und was ist, wenn al­les in Dir nach Wiederho­lung drängt – oder wenn du erst mal die Schnau­ze voll hast und am liebsten gar nichts mehr in der Rich­tung Sex willst? Da­gegen bist du doch mit dem blo­ßen Hautkon­takt fein raus: Sobald klar bei ei­nem ist, dass da nichts an Sex läuft, kannst du jederzeit mit dem in die Kiste sprin­gen – und wenn es nicht schön war, dann steht nichts dagegen, es mit einem an­deren neu zu versu­chen. Und ein sol­ches Verfah­ren kann sich auch her­umspre­chen, damit wird ja nur bekannt, wie clever und cool du bist.

Wenn ich´s recht bedenke, könnte da also gerade auch eine Jungfrau mal so richtig nach Her­zens­lust verführe­risch sein, wenn ihr danach ist und wenn´s passt, um mal zu sehen, was einer so kör­perlich und geistig drauf hat, ohne gleich als Schlampe zu gel­ten?

Das ist es ja – und auch ohne Pil­le und Kondome und den­noch ohne Schwangerschafts­risiko. Sozu­sagen voll im Ein­klang mit der Natur. Ja re­den wir heute nicht so viel vom „Zurück zur Na­tur“, also alles so natürlich oder „bio“ wie mög­lich? Doch hier ist auf ein­mal alles anders, hier soll die Natur mit Pillen und Kondo­men aus­getrickst werden. Als ob sich die Natur nicht etwas dabei ge­dacht hat, wenn sie das Eindring­en mit der Möglichkeit der Frucht­barkeit gekoppelt hat. Eine Schwangerschaft passiert ja dabei nicht je­des Mal, doch sie kann eben passie­ren. Das heißt doch, dass der Sex dorthin gehört, wo eine Schwanger­schaft mög­lich sein kann und durchaus auch er­wünscht ist, also in die Ehe.

Und woran erkennt man nun den Richtigen zum Heiraten?

Nicht zuletzt: In solchen Haut­kontaktnächten liegt auch eine große Chan­ce gegenüber „One-night-stands“ mit Sex. Bei „One-night-stands“ ist ja immer die Ge­fahr da, als Schlampe oder sogar eine Hure zu gelten, vor allem, wenn be­kannt wird, dass frau für so etwas of­fen ist. Eher selten ergeben sich dar­aus ech­te Part­nerschaften, denn wel­cher Mann will schon eine Schlampe heira­ten. Doch bei er­füllten Hautkontaktn­ächten, die ja et­was von Paradieserfah­rungen an sich haben kön­nen, kann es durch­aus viel eher bei­de durch­zuc­ken, dass der je­weils an­dere genau der Richtige fürs Le­ben ist. Und es gibt die­sen Vor­behalt der Schlampe oder gar der Prostituierten nicht.

Aber kann man sich denn so schnell zur Heirat entschei­den?

Hierzu eine Zeitungsmeldung aus „Die Welt“ vom 8.10.1993:


Die Blitzheirat sichert die Ehe

Forscher der Brigham-Young-Universität in Kalifornien haben herausgefunden, dass Paare, die schon vor ihrer Ehe zusammenleben, ein um 50% höheres Risiko tragen, geschieden zu werden. Die Forscher werteten Daten aus 50 Jahren aus.


Und weil ja beide oft recht spon­tan zu­sammen gekommen sind, je­doch mit großer Achtung vor­einander und mit paradiesi­schen Spiel­regeln, dürfte es so sein, dass auf diese Weise Partner­schaften ent­stehen, die „auf her­kömmliche Weise“ nie ent­stehen wür­den – und die aber halten.

Was heißt „paradiesische Spielregeln“ nun genau?

Der Sinn der Erzählung von Adam und Eva in der Bibel ist jedenfalls nicht zu er­klären, wie die ersten Men­schen entstan­den sind, nur ir­gendwelche Sektenl­eute glau­ben so et­was immer noch. Die­se Erzäh­lung ist viel­mehr eine psychologisch ge­schickte mora­lische Ge­schichte ge­gen die Fruchtbar­keitsreligio­nen oder auch Sex­kulte in der Zeit der Entste­hung dieser Ge­schichte. Da gab es nämlich eine Ge­schichte in der babyloni­schen Mythologie, wie der Urmensch von einer Tem­pelprostituierten im Dienste ei­nes Schlangen­gottes zum Sex ver­führt wurde und er so das Pa­radies verlor. Diese Ge­schich­te haben nun die Verfas­ser der Bibel auf­gegrif­fen und daraus eine Ge­schichte ge­gen diese Fruchtbarkeits­religio­nen ge­macht: Im Sinne eines neuen Gottes, der nun wirklich der richtige ist, ist nicht mehr der Sex mit Prosti­tuierten, was für wel­che auch im­mer, oder ande­re Sexerlebnis­se ohne Ehe, sondern nur der Verkehr mit einer Frau in Liebe und Part­ner­schaft, also mit einer wirk­lichen Gefährtin in wirklicher Ehe. Doch der Unge­horsam ge­gen diesen Gott war eben im­mer noch da, also machten die Leu­te „Schlan­gen­kult­gottes­dienst“, wie man den Sex aus­serhalb der Ehe damals sah. Und so ist das bis heute ge­blie­ben, wenn die Be­zeich­nung auch eine andere ist.

Paradiesische Spielregeln meint nun Freude am Paradies, also an der un­schuldigen Nacktheit, an der eigenen Schönheit und an der Schön­heit des jeweils anderen und dabei gute Ge­spräche, eben so richtig schö­nes Sichkennen­lern­en – und durchaus auch das Erlebnis des Hautkon­takt­orgas­mus. Kurz­um: Ohne Ehe wohl Spaß nur an Nacktheit und Haut­kon­takt.

Na ja, und keiner fühlt sich gezwungen, den berühmten Liebesbeweis anzutreten.

Ach der, der ist sowieso nur Dummheit.

Langsam sehe ich das auch so.

Und beide können also viel freier und offener zueinander sein. Das ganze hat natürlich nur ei­nen Sinn, wenn diese Spielre­geln absolut gelten, denn wozu sonst der ganze Aufwand? Denn wenn sie nicht absolut gälten, würde ja letztlich doch alles beim Alten bleiben.

Ein toller Weg, dass man nicht die Katze im Sack zu kaufen braucht.

Und noch höchst moralisch obendrein.

Doch noch etwas zur Nackt­heit: Wenn die doch so etwas Harm­loses und Paradiesi­sches ist, warum wird die dann vor allem gegenüber uns jun­gen Men­schen so schlecht ge­macht, als ob die das Schlimmste sei, jeden­falls viel unmoralischer als Sex zwischen Unverheirate­ten?

Ganz einfach: Die einen wollen da­mit zeigen, wie moralisch sie sind, wenn sie selbst doch nicht so un­schuldig sind, wie sie tun, und da­her mit der Nacktheit nicht klar kommen. Und die an­deren verfah­ren nach der Ma­sche „Hal­tet den Dieb“, indem sie auf je­manden zei­gen, der eigentlich gar nichts Schlim­mes tut, während sie selbst viel Schlimmeres tun.

Ach so ist das. So kommen also die wirklichen Casano­vas dann an ihre Abenteuer. Eine raffinier­te Manipu­lation.

Doch es gibt auch Gutwillige, die hier mitmachen, einfach weil sie Angst ha­ben, den Mund auf­zumachen und die verdrehte Moral rich­tig zu stellen.

Doch etwas anderes: Man hört ja auch, dass die Ent­jungferung schmerzhaft ist, und dass es daher sinn­voll ist, wenn die nicht erst in der Hochzeits­nacht, sondern schon längst vorher und auch mit einem anderen pas­siert, damit die Ehe von so einem un­schönen Erlebnis frei ist?

Das ist hier alles Psychologie: Wenn du in einem richtigen Haut­kontaktorgasmusrausch bist, dann ist das so wie bei dem Rau­scherlebnis bei einer tollen Musik in ei­ner tol­len Dis­ko – dann kann die sogar schmerz­haft in den Oh­ren sein, der Schmerz ist hier die ulti­mative Steigerung des Musik­rauschs. Doch wenn die Ent­jung­ferung ohne ein entspre­chendes Rausch­erlebnis pas­siert, dann kann sie tatsächlich eine fürch­ter­liche Enttäu­schung sein.

Dann hatten also die, die die Ent­jungferung als schmerz­haft emp­funden haben, sozu­sagen Sex mit dem Fal­schen?

Oder zum falschen Zeitpunkt. Auf die­se Weise ist die Entjung­ferung so in Ver­ruf geraten, dass sie als frustrie­rendes Er­lebnis für eine Frau gesehen wird.

Wenn also jemand so für eine Entjung­ferung vor der Ehe mit einem anderen Partner ist, dann kann man von daher auf dessen eigene Erfahrun­gen schließen?

Na siehst du, so kann man er­kennen, was einer wirklich ist.

Ich habe auch gehört, dass 50 % al­ler Mädchen sowieso von Geburt an gar kein Jung­fernhäutchen haben.

Ich weiß nicht, wer diese Statis­tik ge­macht hat, es ist auch gar nicht wich­tig. Doch ich weiß, es gibt „Spezialis­ten“, die sehen einem Mädchen an seiner Aus­strahlung an, ob es Jung­frau ist, egal mit oder ohne Jung­fern­häutchen.

Und das wird einem alles nicht ge­sagt, vor allem auch, dass der Sex so eine folgen­schwere An­gelegenheit ist.

Nicht umsonst gilt ja der Sex au­ßerhalb der Ehe in vielen Re­ligionen, auch in unser christli­chen, als Sünde, ja sogar als schwere Sün­de. Doch die­se Grund­regel wird so nachlässig und stümper­haft oder auch gar nicht ver­treten, so dass es danach aussieht, als ob es in Wirklichkeit gar nicht er­wünscht ist, dass sich die Men­schen danach verhalten.

Also sind es doch nicht wir Mädchen und Frauen schuld, wenn alles so schief läuft?

Genau! Denn wer sind denn die, die den jun­gen Menschen statt einer ech­ten Moral mit vernünftigen Grundre­geln die Scheinmoral der Scham beibrin­g­en? Dafür verantwortl­ich sind letztlich doch Män­ner. Die Schuldigen sind also wohl eher Män­ner. Ich sag´s ja: Mafia. Aber auch die Männer ha­ben ja ihre Denkwei­se ir­gendwo­her mitbekom­men. Um bei der Schuld­su­che nicht schließ­lich bei Adam und Eva zu lan­den, mei­ne ich, dass es sinn­los ist, in der Vergangen­heit nach den Schul­digen zu wüh­len. Sinn­voller wäre wohl zu sa­gen: Wer es besser weiß und den­noch nichts tut, der lädt Schuld auf sich. Und das kön­nen wir alle sein, ich, indem ich den Mund halte und du, wenn du etwa die­se fragwürdige übliche Part­ner­suche mehr oder weniger ge­dan­kenlos mit­machst.

Wenn ich so genauer nach­denke, dann ist dieser Super­hautkontakt, von dem du re­dest, und gar nicht das In-mich-eindringen-Lassen ei­gentlich genau das, was ich schon immer wollte, wenn ich erst einmal mit einem Freund zur Probe zu­sammen leben will. Jetzt ist mir das so rich­tig be­wusst ge­worden. Nur das sagt eben nie­mand sonst so, daher traut man sich auch gar nicht erst, das laut zu sa­gen und die entsprechenden Wünsche zu äußern.

Na siehst du – und so treffen ei­gentlich diese bösen Schmud­delwörter wie Schlampe und Prostituierte, die ich ich am An­fang ins Gespräch gebracht hatte, auf dich über­haupt nicht zu. In Wirk­lich­keit willst du das Ver­nünftigere und Gute na­tür­lich auch selbst. Es sind dazu eben einige Infor­matio­nen nö­tig. So hat sich der Cami­no (Anm.: So der Pilger­weg des heiligen Ja­ko­bus auf Spanisch) doch auch von daher schon für dich ge­lohnt.

Ja klar, auf was man nicht alles kommt, wenn man ein wenig nach­denkt.

Na siehst du, über was man hier nicht alles nachdenken kann! Doch genau dieses Nach­denken der Mäd­chen ist eben nicht er­wünscht, denn wenn die Mäd­chen hier nur ein wenig genauer nachdächten, dann da wür­den sie sich wohl zu­meist anders entscheiden.

Eigentlich wäre das doch die Auf­gabe von Pädago­gen, ge­rade bei diesem Thema den jun­gen Leu­ten beim Nach­denken zu hel­fen?

Ein Problem dabei ist auch, dass es bei uns hier eine regel­rechte He­xenjägerhysterie gibt, auch we­gen der ist gerade je­des Nach­denken über eine Mo­tivierung junger Men­schen zur Nacktheit völlig blo­ckiert. Hier wird gleich immer Pädophilie ge­wittert. Da­bei sollte ge­rade die Nacktheit doch auch ein theo­lo­gisches Problem in unse­rer christli­chen Reli­gion sein im Zusammen­hang mit der Lehre von der Er­lö­sung von der Erb­sünde.

Oder auch: Seit über hundert Jahren gibt es die Sonnenanbeterbewegung, wie FKK auch genannt wird, und die Kinder dieser Sonnenanbe­ter, die da mitmachen, sind auch nicht schlechter als ande­re Kinder, im Gegenteil. Doch wenn du denkst, das müsste Pädagogen auffallen, die das dann in ihre pädagogischen Konzepte einbauen: Fehlanzei­ge!

Also ist das mit der Emanzi­pation der Frauen und Mäd­chen heute doch nicht so weit her?

Ja, was ist wohl eher ein Indiz für Emanzi­pation, wenn frau vor etwas, was gerade für eine Frau durchaus Proble­me brin­gen kann und worüber sich hin­terher auch vie­le Frauen är­gern, dass sie´s ge­tan haben, keine Angst hat und es schließ­lich auch macht? Oder wenn sie et­was völlig Harmloses wie die Nacktheit fürchtet wie der Teu­fel das Weihwasser oder auch etwas Wichtiges wie den ohne Sex möglichen Orgasmus sich gar nicht erst zu probieren traut?

Dabei könnte das doch alles ausgesprochen cool und span­nend sein.

Und Spaß machen und irres Selbstbe­wusstsein bringen und ein Zeichen von Intelligenz und Menschen­kenntnis sein.

Eigentlich klar!

Dazu noch ein passender Ver­gleich: Was haben der Navi und eine Badehose oder ein Bikini gemeinsam?

Ich habe keine Vorstellung.

Ganz einfach: Beide Sachen machen dumm, zumindest auf Dauer. Denn wir verlassen uns bei unserer Orientierung, ein­mal im Straßenverkehr und das an­dere Mal bei der Menschen­kenntnis, auf diese künstlichen Hilfsmittel. Und wir verlernen, uns an anderen Kenn­zeichen, die sehr oft viel aussagekräfti­ger sind und die uns viel siche­rer zu unserem Ziel führen, zu ori­entieren. Wir ver­lieren natür­li­che Instinkte der Orientierung. Schließlich fühlen wir uns nicht nur unsicher, sondern wir be­kommen sogar Ängste, wenn solche Krücken nicht mehr da sind, wir werden direkt unselb­ständig und sogar süchtig nach irgend­welchen Stützen für un­ser Rückgrat. Oder anders: Durch die Schammoral rostet sozu­sagen unser Instinkt für eine natürliche Moral ein – also vertun wir uns zumeist zumin­dest zunächst einmal in der Wahl unseres Liebespartners und nur zu oft wird die Moral der hohen Liebe und Partner­schaft immer unwahrscheinli­cher, die uns Menschen eigent­lich möglich wäre.

Und immer wieder dieselbe Frage: Warum sagt das nie­mand so?

Der tiefste Grund ist wohl, ich habe es schon gesagt (s.S. 24): Wir sind eine durch und durch se­xistische Macho-Kultur. Mäd­chen und Frauen sollen mitma­chen, was Männer wollen und das auch noch gut finden. Alle frauenfreundlichen Beteuerun­gen sind doch nur kosmetische Reali­täts­verleugnung.

Aber es sind doch auch Frau­en, die dabei mitmachen?

Leider ist es so, Frauen sind sehr oft die treuesten Lakaien des Patriarchats, also der Män­nerherrschaft. Gut, sie selbst müssen damit leben, was mit ihnen einmal geschehen ist, es hat also für sie selbst keinen Sinn, sich hier aufzulehnen. Doch sie könnten ja ihre Töch­ter anders erziehen. Das tun sie aber nicht. Oder wo hast du schon mal je von Frauen ge­hört, die zugeben, dass die Scham gera­de für Frauen kei­nen wirklichen moralischen Nährwert hatte und wie man den Orgasmus ohne Eindrin­genlassen testen kann?

Ja, die Frage ist schon inter­essant, warum machen die das nicht?

Der Grund kann doch wohl vor allem sein, dass sie mit sich selbst verfeindet sind. Daher glauben sie das, was ihnen Männer einreden, dass sie sün­dig sind, und sie kommen gar nicht auf die Idee, dass sie es gar nicht sind!

Und dass das stimmt, was ich sage, kannst du daran erken­nen, dass auch die Frauen mit­machen, den jungen Mädchen etwas von Pillen und von Kon­domen zu erzählen, statt denen eine sinnvolle Moral bei­zubrin­gen. Das heißt doch, die glau­ben auch selbst, dass die Mäd­chen dumm und triebhaft-unbe­rechenbar sind.

Da muss erst ein Mann kom­men und sagen, dass wir gar nicht so sind.

So ist es offensichtlich.

Ich glaub´s ja so langsam, dass eine wirkliche Emanzi­pation der Mädchen gar nicht wirk­lich gewollt ist.

Ja, und es ist nicht nur Angst und Ahnungslosigkeit, warum so man­che Erwachsene, auch ein­flussreiche, gar kein Interes­se daran haben, dass Frauen egal welchen Alters wirklich emanzipiert-intelligent-mora­lisch sind. Denn wenn sie das wären, dann hät­ten Männer ja gar kei­ne Chan­cen mehr, Mät­ressen – ein vor­neh­merer Aus­druck für Prostituierte – zu bekom­men. Und Frauen, die meinen, dass Sexa­benteuer auch ihnen zu­stehen, wären blamiert und entlarvt, dass es mit ihrer an­geblichen Emanzi­pation gar nicht so weit her ist.

Doch es gibt auch viele, die wollen an frühere Fehler ein­fach nicht mehr erinnert wer­den, und schon gar nicht so ge­nau. Da­her auch die Hemmun­gen, über das alles zu reden. Eigentlich müss­te man das ja akzep­tieren und den Mund hal­ten. Doch dann ändert sich ja nie et­was und der Teufelskreis geht immer weiter. Wir sind hier also in ei­ner zu­tiefst blöden Si­tuation. Was soll man da ma­chen?

Ja doch, reden, auch wenn es man­chen weh oder sogar sehr weh tut, wenn sie an et­was erinnert werden, was sie ei­gentlich lieber vergessen möchten. Damit sich endlich mal etwas ändert.

So denke ich auch.

Doch wenn ich mir die Paar­beziehungen so ansehe, dann sehen die meisten doch sehr harmonisch aus, jeden­falls machen sie nicht den Ein­druck, dass es irgendwel­che Prob­leme bei ihnen gäbe.

Na ja, glücklicherweise kom­men auch die meisten Men­schen mit dem, so wie sie le­ben, klar. Doch brau­chen sie nicht fast alle ihre Verklemmt­heitsfetzen, selbst dort, wo es von der Situa­tion her gar nicht nö­tig wäre?

Du meinst, dass Badehosen und Bikinis ein Zei­chen sind, dass etwas nicht stimmt?

Was denn sonst? Irgendwie sind die doch gerade in unse­rer Zeit, wo wir angeblich so offen und so logisch sind, ein völliger Ana­chronismus, also im Prinzip et­was völlig Unzeitge­mäßes oder ein offensichtliches Ver­haftet­sein in veralteten Denk- und Moralstrukturen. Ja, wo leben wir eigentlich und was sind wir für Menschen, dass wir solche scheinmoralischen spießigen Ver­klemmtheitsfet­zen brauchen? Ganz offen­sicht­lich leben wir so, wie wir unsere Sexualität leben, eben doch nicht im Ein­klang mit un­serer menschlichen Natur – und brauchen also die berühm­ten Fei­genblätter als Korsette.

Kinder, die nie irgendwelche „Be­zie­hungen“ hatten, leben also noch im Einklang?

Vielleicht ist ja genau das ge­meint, wenn Jesus sagt, dass wir wie die Kinder werden müssten? Allerdings herrscht hier auch an das, was alle ma­chen, ein Anpassungszwang.

Es heißt allerdings, dass ge­rade ein Mädchen, wenn es so richtig in einen Mann ver­knallt ist, alle guten Vorsätze im Hinblick auf eine sinnvolle Moral über den Haufen wirft.

Nein, wenn es eine echte Moral ist, dann wird auch nie etwas über den Haufen geworfen. Das ist es ja, mit der Überwin­dung der Leibfeindlichkeit in Verbin­dung mit einer echten Moral wird man sozusagen immun. Frag doch mal die, die ihre gu­ten Vorsätze über den Haufen geworfen haben, was die für eine Moral hatten. Die hatten doch immer nur diese typische leib- und lustfeindliche Schein- oder Spießer­moral. Und gar von einem Spaß an der Moral und an der Überwin­dung der Leib­feindlich­keit konn­te bei denen doch nie die Rede sein.

Du bist ja wirklich knallhart.

Du musst hier allerdings die Jungen auch ausdrücklich wissen lassen, dass du gerade das ohne Sex gut findest. Denn die reden ja untereinander, dass ihr Mädchen untereinan­der re­det, dass die Männer, die kein­en Sex wollen, schwul oder im­po­tent sind.

Da denkt man gar nicht dran, was da manchmal auch für ein Schrott in den Köpfen der Jungen ist, dass man auch so etwas sagen muss.

Manchmal ist da vielleicht et­was dran, wenn Männer keinen Sex wollen, doch kann das auch da­ran liegen, dass sie ihn mit ei­ner bestimmten Frau nicht wol­len und ansonsten schon nor­mal sind.

Eigentlich normal. Ich habe allerdings noch ein Problem mit dem Ideal der Nacktheit: Wenn frau so offen ist, dann wird frau doch leicht verge­waltigt?

Ganz bist du noch nicht frei von dem üblichen Schrott im Kopf. Hast du noch nie vom FKK ge­hört oder von ge­mischten Sau­na­s? Da laufen auch die schön­s­ten Frauen und Mäd­chen split­ter­nackt herum – und niemand tut ih­nen et­was. Das mit der Vorstellung, dass Nackt­heit au­tomatisch zu Vergewalti­g­ung führt, ist doch sinn­lose Angst­mache. Im Übri­gen ist so man­che Kleidung doch viel auf­rei­zender, und die Vor­stellung vom Ausziehen macht alles erst recht span­nend. Da­gegen hat die prakti­zierte Nacktheit eher schon eine ent­kramp­fende und entwaffnend­e Wirkung.

Doch mal konkret zum nahen nackten Zusammensein: Dabei wäre eine Vergewaltigung doch nun wirklich leicht möglich? Na ja, aber du kannst dich doch gerade dabei sehr wirksam wehren. Was glaubst du, wie einer, der dir damit ankommt, die Engel singen hört, wenn du ihm drauf haust! Doch da ist ein Problem dabei, der kann dich nämlich wegen Körperverletzung anzeigen und dann brauchst du einen guten Anwalt. Besser ist vielleicht, sein Dingeling sanft zu umfassen und ihn zur Entspannung zu bringen. Ekelhaft. Das ist aber erledigt, wenn du dir die Hände wäscht – und das ist immer noch besser als eine Vergewaltigung.

Zurück zur entwaffnenden Wirkung: Die auf dem FKK sind die Nacktheit doch ge­wöhnt.

Und warum fangen wir nicht auch mit der Gewöhnung an?

Doch wenn ich damit anfan­gen wür­de, mich auszuzie­hen, dann wür­den doch alle über mich la­chen.

Wer hier lacht, zeigt nur seine Unsicherheit und Unreife, der­jenige kann mit dem Mensch­sein einfach nichts oder zumin­dest noch nichts anfangen. Im­merhin scheint ihn die Nacktheit ja nicht heiß zu machen und dich zu vergewaltigen, irgendei­ne Angst in dieser Richtung ist also unbegründet. Aller­dings funk­tioniert das so einfach mit Aus­ziehen auch gar nicht, weil du total miss­verstanden wür­dest, denn die Lacher haben ja keine Ahnung, wie schön und wichtig Paradies­erlebnisse sind. Mich hat hier einmal ein 11­jäh­riges Mädchen etwa über die Ängste ihrer Ka­me­radinnen vor der Nacktheit aufge­klärt. Das Mäd­chen mein­te, dass alle die Nacktheit nach außen hin hef­tigst als eklig und unmora­lisch ablehnen würden, doch in Wirk­lichkeit brennen sie alle dar­auf. Kann es also nicht so sein, dass gerade ältere Mäd­chen auch so brennen, dass sie auch gerne die ver­klemmte Moral über den Hau­fen wer­fen und eine ver­nünftige haben möch­ten, doch sie wissen nur nicht wie? Die sind doch auch nicht anders als du und die klei­nen Mädchen.

Das kann schon sein, dass hier alle etwas anderes sa­gen, als was sie in ihrem In­neren am liebsten anders hätten.

Na siehst du. Eine gute Idee muss im­mer mit einer Verände­rung in den Köp­fen anfangen. Da­her muss man zuerst mal darüber diskutie­ren, und zum Dis­kutieren gibt es doch immer Möglichkeiten, in der Familie, mit den Freundin­nen, im Religi­onsunterricht, mit den Jun­gen. Schließlich müssen gerade die sich doch gewöhnen, damit sie nicht gleich immer er­regt wer­den, wenn sie mal ein nacktes Mädchen sehen.

Ja, das alles könnte ich.

Siehst du, und alles andere er­gibt sich dann schon eher von alleine.

Ich bin mir da noch nicht so si­cher.

Ich mir aber schon! Sieh mal, je fester die Moral gerade von Mäd­chen ist, de­sto weniger müssen sie nach außen zeigen, wie mora­lisch sie sind. De­sto lockerer kön­nen sie also sein.

Du meinst, dass eine neue Ein­stellung zur Nacktheit bei gleichzeitig wirklich emanzi­piertem Denken eine Verhal­tensänderung ganz allgemein nach sich ziehen würde?

Und wie, und zwar eine sehr po­sitive! Das würde vieles än­dern.

Wenn ich mir mal vorstelle, was sich allein in der Mode ändern könnte ...

Klar, niemand muss mehr durch das Verstecken bestimmter Kör­perteile zeigen, dass er mora­lisch ist.

Dann wären auch für Frauen und Mäd­chen, die mo­ral­isch im bes­ten Sinn sein wol­len, bei der Aus­schnittgröße und bei der Durch­sichtigkeit von Blusen keine Gren­zen mehr ge­setzt?

Dann hätten die wahrscheinlich auch eher den Mut, die Unter­schiede hervorzuheben? Oder: Wenn es mal dir und deinen Freundinnen bei ei­ner schönen Fete danach ist, dann könnt Ihr nicht nur auf den Ti­schen tan­zen, sondern so­gar einen flot­ten Strip hinle­gen. Oder für Frauen beim Mi­litär: Sol­che Frau­en können jetzt dieselben Dusch­räume wie die Män­ner benut­zen. Ja, das ist auch so etwas Irrationales: Wie und vor allem wozu wol­len Sol­daten mit einem äuße­ren Geg­ner fertig werden, wenn sie nicht mal mit sich selbst fertig wer­den? Und alle finden die neue Offenheit nur toll und nicht im geringsten ver­werfl­ich. Eben so richtig eman­zi­piert und er­löst mit Leib und See­le!

Erlösung, das klingt irgend­wie christ­lich?

Ist es ja auch. Ja, von diesem Jesus stammt doch auch dieser tolle Tipp für die Lie­be, den ich so gut finde und der die Grund­lage meines Engage­ments ist: „Er­lebt doch zu­erst mal das Pa­ra­dies und seine Spiel­regeln und alles ande­re wird euch da­zu ge­geben wer­den.“ Das ist doch immerhin ein vernünft­igerer Tipp zur Partner­fin­dung als die­se doch sehr sehr frag­wür­dige „Geschlechts­verkehr­suchme­thode“.

Wenn du eine Tochter hät­test, würdest du sie auch nach der Methode erziehen?

Genauso hatte ich es ja auch gemacht. Ich finde, es geht ein­fach nicht anders. Denn gerade die richtigen Casano­vas sind auch gute Frauenkenner und wissen also, dass die Mäd­chen mit einer Scham- oder auch Angstmoral keine echte Moral haben und daher auch für ein sexuelles Abenteuer rumzu­krie­gen sind, wenn sie nur ge­schickt genug baggern.

Komisch, die meisten Eltern denken aber hier genau an­dersherum, die hätten Angst, wenn ihre Töchter nicht die Schamregeln befolgten.

Ja, leider sind zumindest viele Eltern hier nicht vernunft- son­dern angstgesteuert. Doch Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Und es gibt auch Eltern, wenn die die Wahl hät­ten, ob ihre Töchter Spaß an einer schönen Moral ohne sinn­lose Ängste hätten oder ob sie nur diese heute übliche Schammoral mit den entspre­chenden Männergeschichten hätten, denen wäre die Scham­moral lieber, egal was passiert.

Eigentlich kaum vorstellbar. Es ist aber so. Bei vielen Men­schen sitzen diese Ängste ein­fach zu tief.

Doch es gibt auch andere. Freunde fanden meine Ideen gut und haben mir auch ihre Kinder anvertraut, dass ich die denen beibringe. Ich hatte ja längst eine Ahnung, dass die Ursache der ersten enttäu­schenden Sexerlebnisse bei Mädchen deren Versessen­heit auf eine Befreiung von ihrer Enge und Leibfeindlichkeit war. Doch ich konnte mich nie bei den Mädchen durchsetzen, die machten da einfach nicht bei meinen „Befreiungsangeboten“ mit. Ich konnte die ja auch nicht zwingen, sicher war ich auch noch nicht gut genug. Als es nun die Möglichkeit gab, dass ich eine Pflegetochter bekom­men konnte, habe ich sowohl mit dem Mädchen wie mit den Eltern ausführlich über mein Konzept geredet, und sie waren einverstanden. So kam ich also zu einer Tochter, bei der ich al­les so gemacht habe, wie ich es dir erzähle. Und es hat noch viel besser geklappt als erwartet. Als ihr späterer Mann von ihrem Konzept hörte, fand er das so­gar so gut, dass er nicht nur so eben mitge­macht, sondern sie auch noch voll unterstützt hatte.


"Es wird immer wieder behauptet, dass die Menschen, sowohl Männer wie Frauen, nicht für einen einzigen Partner geschaffen sind, dass also Sexualerfahrungen mit verschiedenen Partnern normal sind. Doch es bleibt immer noch das Problem der Scham. Wenn das nicht ein Indiz dafür ist, dass das mit den „verschiedenen Partnern“ doch nicht normal ist und dass wir mit diesen „Erfahrungen“ gegen das von der Natur für uns Men­schen vorgesehene Sexualverhalten verstoßen? Ob also sich das Problem der Scham lösen ließe, wenn wir Menschen nach der Ein-einziger-Sexualpartner-Idee leben würden? Natürlich müsste der der Richtige sein … Ob dann solche aparten Klei­dungs­stücke wie auf diesem Gemälde ganz allgemein kein Problem mehr wären? (4)


Na ja, wenn ich mir das alles so vorstelle, lustig und toll und ir­gendwie auch traumhaft wäre das mit dieser neuen christli­chen Me­thode schon.

Und doch keinesfalls leibfeind­lich und lang­weilig. Kennzei­chen einer ver­nünftigen Moral ist eben auch, dass man sie mit Lebens­freude le­ben kann. Denn nur dann ist sie auch wirklich natürlich und menschlich. Wie wä­re es, wenn du schon mal Freun­dinnen mo­tivierst, dass Ihr alle in eine ge­mischte Sauna geht? Mal euch so richtig von die­ser verklemm­ten und den-noch nicht funktionierenden Spießermoral befrei­e­n und so richtig Mensch sein? Vie­lleicht habt Ihr ja so einen Spaß daran, dass Ihr fürs näch­ste Mal auch Jungen dabei ha­ben wollt – und also mal ver­nünftig mit de­nen re­det??? Das wäre doch schon mal ein An­fang.

Ich will´s versuchen, eine irre gute Idee!

Und wenn ihr es wirklich wollt, ist es kein Märchen. Ich jeden­falls werde schon einmal unser

Gespräch aufschreiben, damit du es hast zum Weitergeben und ich auch. Dann können sich junge Leute auch im „stil­len Kämmerlein“ damit beschäf­ti­gen. Ich bin mir sicher, es kommt dann zu Diskussionen!

Ja, das wäre doch schon ein­mal ein Anfang, wenn sich etwas verändern soll.

Doch ich habe doch noch eine ganz allgemeine Frage: Warum engagierst du dich so, dass wir jungen Menschen in der Liebe und in der Sexuali­tät alles besser machen?

Es gibt in dem wunderbaren (Anti-)Kriegslied von Matthias Claudius die immer wiederkeh­rende Zeile „Und ich begehre nicht schuld daran zu sein“. Auch hier beim Thema Liebe ist doch etwas nicht in Ordnung. Ich fin­de, wenn man Christ sein will, muss man sich einfach ein­setzen.

Doch wäre nicht die Toleranz wichtiger ge­gen­über anderen Men­schen und Religionen?

Mit der Toleranz gerade gegen­über Religionen ist das so eine Sache, ich habe damit meine Probleme. Dazu ein wenig Theorie: Die Grundlage al­ler Religionen ist doch die Vorstel­lung, dass es zwei Grundprinzi­pien gibt, ein gutes und ein bö­ses. Von daher teilen sie die Welt sozusagen in zwei Rubri­ken ein (daher „Dua­lismus“ von duo = zwei), also etwa Gott und Teufel, Himmel und Hölle, Geist und Materie, Armut und Reich­tum, Seele und Leib. Irgend­wann werden dann auch Men­schen und Reli­gionen pas­send dazu ein­geteilt – und dann kommt es in den typi­schen dua­listischen Weltanschauung­en zu Hexen­verbren­nungen, zu Ju­denermor­dungen, zum IS-Ter­ror. Wenn wir etwas verän­dern wollen, dann müssen wir bei diesen dualistischen Kon­struk­tionen ansetzen, die doch sehr problematisch sind, was ist et­wa Gott, was Teufel usw.? Je­denfalls gehört dazu auch die Sexualität, die übli­cherweise von den Religionen – und nicht nur von denen – der Rubrik des Leibes, und damit dem bösen Prinzip zugeordnet wird. Doch das ist Unfug, Se­xualität ist nicht grundsätzlich böse oder schlecht – es gibt hier allerdings das Problem des Gebrauchs und des Miss­brauchs. Wir ha­ben von der Ambivalenz gere­det. Und hier kann man doch et­was machen, dass junge Men­schen ein Ge­fühl für den Ge­brauch und für den Missbrauch bekommen – und das eine tun und das andere lassen.

Das ist nun alles so inter­es­sant, warum kommt da sonst niemand drauf ?

Auch hier wieder: Ganz so ist es nicht. Das Kon­zept könnte ja im Grunde auch heißen: „Zu­rück zur Natürlich­keit oder eben zur Natur!“ Solch ein Konzept schwebte nun dem französi­schen Aufklärer Jean Jacques Rousseau vor über 200 Jahren vor – obwohl er dann doch meinte, das sei nicht realisier­bar. Vielleicht lag das auch da­ran, dass er eine etwas unreali­sti­sche Einstellung von Natur hat­te. Auf die Idee, auch den jun­gen Menschen schon grund­sätzlich als ein sexuelles We­sen zu sehen und ihn schon lange vor der Pubertät mit ei­nem natürlichen Konzept auf die Aufgabe der Sexualität vor­zubereiten, kam er jedenfalls nicht. Er war offensichtlich noch zu sehr in einem dualistischen Weltbild verhaftet.

Ich dagegen sehe gerade im jungen Menschen eine Ursehn­sucht nach paradiesischer Har­monie – und dazu gehört nun einmal auch der Spaß an einer unschuldigen Nacktheit. Doch wird die in unseren Zivilisatio­nen unterdrückt und uns wer­den Korsette (oder eben Bikinis und Badehosen) aufgedrängt. Wirklich moralisch werden wir dadurch keineswegs, wir wer­den auf diese Weise eher zu Fetischisten. Es gibt hierüber sogar ein Tierexperiment – sie­he die Zeitschrift GEO 2/2015. Alle Kleidung hat nämlich auch die Wirkung von Fetischen, die Äußerlichkeiten wie „bestimmte Körperteile“ erst spannend ma­chen. Erst durch sie werden wir so auf diese Körperteile fixiert, dass die sich bei Gelegenheit in den Vordergrund drängen und dass wir von daher dann nicht mehr im Einklang mit einer na­türlichen Moral leben können. Wir werden so etwa irgendwann zu einer unorganischen Befrei­ung gedrängt. Eine echte Moral muss eben immer vom Geist her kommen. Ohne Überwin­dung von diesem Korsettzwang werden wir also nie zu einer harmonischen Moral kommen.

Und zum Schluss noch eine Frage: Jesus war also für dich nicht Gottes Sohn?

Natürlich war er Gottes Sohn – so wie wir alle Gottes Kinder sind. Mehr ist nicht drin, denn mehr stammt aus der antiken Mythologie, und die sollten wir endlich entrümpeln.

Aber wer war er dann, wenn er nicht Gottes Sohn war?

Er war der Messias – oder auch der Heiland. Ihm ging es also nicht um irgendwelche Buß- oder Umkehrpredigten, wie vielleicht auch einem Prophe­ten, sondern dass das Größte, was uns Menschen gegeben ist, nämlich die Liebe, gesundet. Und wenn die gesundet, dann regelt sich alles Übrige schon von alleine. (3)


Gespräch mit einem Jungen – Freunde motivierten mich, auch einmal mit ihrem Sohn zu reden.

Junge: In der Schule haben wir uns darüber unterhalten, wer schon Sex hatte, und da habe ich gesagt, dass ich das vor meinem 18. Lebens­jahr nicht machen würde.

Autor: Ich denke, es ist dir auch klar, dass diese Antwort nicht sonderlich geistreich war, denn mit dem Alter hat das wohl nichts zu tun, sondern mit einer Einstellung.

Das ist mir auch klar, doch was soll ich denn sonst sa­gen, wenn ich einfach nicht will, weil ich eine andere Vor­stellung von Partnerschaft und Liebe habe als meine Ka­meraden?

Na, das ist doch schon mal et­ was, was du hättest sagen kön­nen.

Da machen sich die Kamera­den doch lustig und sagen, dass die Mädchen in Wirklich­keit alles oberflächliche Tus­sis sind, denen es nur um Schminkerei und schöne Klei­der geht und dass sie alles Mögliche für sie bezahlen sol­len und dass die es doch gar nicht wert sind, dass man an so etwas denkt. Denn so eine richtig gute Partnerschaft und Liebe wollen die doch selbst nicht.

Na, dann werde doch noch deutlicher und sage, dass du keine Lust hast, den ersten Sex mit einer Schlampe anzufan­gen, der dir dann eine schöne Liebe und Partnerschaft ver­dirbt, wenn du mal dran denkst, die richtige Frau zu finden zum Heiraten. Du musst dich natür­lich vorsichtig ausdrücken.

Aber also: ein Mädchen, das einfach nur so aus Spaß Sex macht, ist doch keine Prosti­tuierte. Prostitution hat doch etwas mit Geld zu tun.

Dann lies doch mal, was ich dem Mädchen ziemlich am An­fang gesagt habe. Man kann al­les natürlich auch schönreden, Tatsache ist, Sex ohne Ehe ist zumindest eine heikle Zwi­schenstufe.

Aber es heißt doch, dass Sex vor der Ehe normal und ein Kennzei­chen von Eman­zipa­tion ist.

Eine merkwürdige Emanzipati­on ist das. Lies auch dazu mal das, was ich darüber mit dem Mädchen geredet habe, denn auch darauf sind wir gekom­men. Außerdem: Was ist schon normal?

Na ja, wenn etwas alle ma­chen, einfach nur deswegen, weil es alle machen, ist das wirklich nicht unbedingt ein Kennzeichen von Emanzipa­tion.

Müssen wir jetzt bei allem bis ins letzte Detail gehen?

Also käme nur ein Mädchen infrage, das noch keine Erfah­rungen hat?

Und mit so einem Mädchen Sex anzufangen? Einfach so? Weißt Du, was dann aus dem wird? Dafür wäre mir doch das Mäd­chen zu scha­de. Sollten wir uns nicht alle auch hier füreinander verantwortl­ich fühlen?

Also kommt nur die Enthalt­samkeit infrage? Wenn ich das den anderen erzähle, dann lachen die mich aus. Vor allem lästern sie, dass so einen wie mich erst recht einmal eine Schlampe so richtig um den Finger wickelt und ich auf die reinfalle.

Oh, dagegen gibt’s auch ein Rezept!

Und welches bitte?

Genau das, was ich dem Mäd­chen erzählt habe: „Nicht alles, nicht nichts!“

Und was soll das heißen?

Habt doch erst einmal Paradie­serlebnisse!“ Auch das ist nach­zulesen. Schließlich versuche ich ja nicht nur den Mädchen Tipps zu geben, von denen die Jungen und Männer nichts wissen dürfen. Bei mir kann nicht nur jeder wissen, was ich den anderen sage, er soll es so­gar wissen. Und was für die ei­nen gut ist, ist auch für die an­dern gut.

Aber wenn die Mädchen doch alle anders denken?

Dann musst du eben für dein Denken Werbung machen. Je früher je besser.

Na ja, irgendwann gibt’s ja immer mal entsprechende Unterhaltungen – und dann gibt’s auch den Religionsun­terricht, in den ich mich ein­bringen könnte.

Du musst auch daran denken, dass einem nun einmal keine gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Wenn du etwas wirklich Gutes haben willst, dann musst du dich auch dafür einsetzen, dass sich etwas än­dert.

Aber wenn die Mädchen das doch alles so wollen, wie das läuft?

Also meine Erfahrung ist, dass die es sehr oft einfach nicht besser wis­sen, weil es ihnen nie jemand sagt.

Das glaube ich nicht, dass das so einfach ist.

Sieh mal, ich habe es einige Male erlebt, dass Mädchen mit mir an den Strand kamen, um mit mir Paradieserlebnisse zu haben. Warum wohl? Doch wirklich nicht, weil die auf alte Männer abfahren. Nein, die wol­len einfach nur Mensch sein – und unter den männlichen We­sen ihres Alters findet sich ein­fach keiner, der nichts mit Sex will und bei dem sie einfach nur Mensch sein können.

Du meinst also, mit so einer Idee hätte ich Chancen bei Mädchen?

Bei vielen schon. Wie gesagt, du musst die Idee nur geschickt publik ma­chen.

Aber so einfach geht das doch nicht! Das liegt ja auch zumindest teilweise an mir oder besser an meiner Natur. Mich zurückhalten mit dem Sex könnte ich ja, weil ich das noch nie gemacht habe. Doch da ist ja auch noch die Erregung, also die Erektion meines Glieds, und wegen der würde ich mich schon schämen.

Zunächst einmal: Keine Angst! Ich habe mich einmal in einer Mädchenklasse auch darüber unter­halten. Also: Die einhellige Mei­nung der Mädchen war, dass das mindestens so gut aussieht, wie wenn alles so herumhängt. Vermutlich freuen sie sich, dass sie sehen kön­nen, dass sie in­teressant für dich sind. Und wenn du dich dann noch zu­sammennehmen kannst, das ist doch großartig – wo also ist das Problem? Zudem musst du be­denken, dass diese Erektion sehr oft nur daher kommt, weil wir das nicht gewöhnt sind, weil wir nicht na­türlich leben. Das heißt nicht, dass wir immer nackt her­umlau­fen müssten. Doch es ist gewiss nicht normal, manche Körpertei­le immer zu verste­cken, denn dann werden die au­tomatisch spannend und drängen sich in den Vorder­grund des Interes­ses. Ja, sage das alles doch einem Mädchen, das dich mal beim Wort nimmt, mit ihm Pa­radieserlebnis­se zu ha­ben und dabei sein Beschüt­zer zu sein. Ich bin mir sicher, das Mädchen wird Ver­ständnis ha­ben und dir durch eine frohe Natürlichkeit helfen, über deine Schwierigkei­ten hinweg zu kommen.

Mmm, eigentlich habe ich doch eine Schwester, bei der wäre das ja sicher leichter. Ich könnte der ja mal von der Idee erzählen, und dann könnten wir uns gemeinsam helfen, „normal“ zu werden.

Das ist sogar der beste, weil der natürliche Weg zu lernen, mit dem anderen Geschlecht har­monisch umzugehen.

Ob unsere Eltern das aller­dings gut finden?

Also ich kenne solche und sol­che Eltern. Einige hätten total etwas dagegen, weil sie sich einfach nicht vorstellen können, dass Nackt­heit und Sex durch­aus zwei völlig verschiedene Dinge sind. In ihrem eigenen Leben waren Nacktheit und Sex offensichtlich immer dasselbe, so wie bei dem Pawlowschen Hund das Fressen und das Glöckchenläuten. Schau doch dazu mal bei google nach, da gibt’s ein berühmtes Experi­ment, wie die unterschiedlich­sten Dinge bisweilen miteinan­der verkoppelt sind. Das Wis­sen um dieses Experiment ge­hört eigentlich zum Allgemein­wis­sen. Doch ich kenne auch an­dere Eltern, die so ein harmo­ni­sches Enthaltsamkeitlernen unter Geschwistern total gut fänden.

Und wie ich deine Eltern kenne, gehören die zu denen, die das gut fänden. Ja, ist es denn nicht wunderbar,wenn sich Ge­schwister so gut miteinander verstehen, dass sie „so etwas“ miteinander haben können – und dann doch vielleicht auch noch vieles mehr, ich denke etwa an interessante Reisen?

Eigentlich sind Bruder und Schwester ja eine natürliche Gemeinschaft vor einer Ehe.

Sozusagen „Übung auf dem Tro­ckenen“. Dabei können sie überhaupt das Zusammensein in einer Partnerschaft lernen.

Aber was machen die, die keine Geschwister haben?

Die müssen eben mir anderen reden, ob die nicht auch bereit sind für solche Geschwisterbe­ziehungen – also Beziehungen ohne Sex.

Aber was ist, wenn dann doch die Liebe kommt?

Ganz einfach: Sich an die Spiel­regeln des Paradieses halten! Dann werdet Ihr alle schon se­hen, ob Ihr füreinander be­stimmt seid oder doch besser geschwisterlich bleibt.

Eigentlich eine schöne Sa­che.

Eine sehr schöne sogar. Und in jeder Richtung vorteilhaft. Über­legen wir mal: Nicht nur die Jun­gen, die in Ordnung sind, wollen eine gute Partnerin, sondern auch die Mädchen, die in Ord­nung sind, wollen einen guten Partner. Also haben alle ver­nünftigen jungen Leute doch ein Interesse an guten Beziehun­gen. Und nicht jeder passt eben zu jedem.

Also ist es nur richtig, dass sich vernünftige junge Leute untereinander helfen.

Denn schließlich gibt es einige Fallgruben, in die man reintap­pen kann.

Und die wären?

Zum Beispiel kommt es heute schon mal vor – und ich kenne das sogar aus meinem Freun­deskreis – , dass sich eine un­verheiratete Frau nur einen Mann sucht, um von dem ein Kind zu kriegen.Sie sucht sozu­sagen einen Zuchthengst und keinen Ehemann oder Vater für ein Kind. Und natürlich tut sie schön mit dir, damit du auch mitmachst, doch in Wirklichkeit hat sie an dir gar kein Interesse. Und du denkst an Liebe und Partnerschaft und hoffst, dass was draus wird, doch damit ist nichts. Wenn du noch mehr Pech hast, darfst du auch noch für das Kind bezahlen.

Also sind die Frauen die Schlechten?

So kann man das auf keinen Fall sagen. Die hatten entweder gar nichts Vernünftiges zur Se­xualmoral gehört oder nur die­sen Quatsch von der modernen Emanzipation, nach Lust und Laune Sexabenteuer zu su­chen. Und irgendwann kamen sie dann zu dem Schluss, dass die Männer sowieso alles Schweine sind und es einem von denen nur recht geschieht, wenn der mal so richtig bluten kann.

Da ist ihnen egal, wenn sie einen Falschen erwischen, der doch einigermaßen in Ordnung ist, ja schade.

Aber es gibt auch eher tragi­sche Fälle. Ich denke hier an einen Fall – auch aus meinem Freundeskreis – da waren zwei Klassenkameraden fünf Jahre zusammen, sie seit sie 13 war, klar, mit Sex. Und dann wurde er ihr zu lang­weilig, und sie trennte sich von ihm. Als sie auf seine Bitten nicht hörte, zu ihm zurückzukommen, brachte er sich um.

Da konnte das Mädchen aber nichts dazu.

Das sehe ich auch so, dass das Mädchen keine Schuld trifft. Denn wenn alle so reden, dass das normal ist, dass sie einen Freund auch mit Verkehr hat, wieso sollte sie sich dann an­ders verhalten? Und woher sollte sie überblicken, was sie da machte und was schließlich dabei heraus kam?

Ja, ich kann mir schon den­ken, kein Erwachsener hatte sich zuständig gesehen, mit jungen Menschen mal ver­nünftig zu reden – wie das eben so ist.

Und da ist noch viel viel mehr! Also mein Tipp: Vor der Ehe Pa­radieserlebnisse!

Und in der Ehe kann dann richtig die Post abgehen.

Ich bitte aber, bis dahin milde ge­genüber Frauen zu sein, die anders denken. Denn im Allge­meinen wussten sie es einfach nicht besser und waren guten Glaubens. Niemand hatte sich hier zuständig gesehen, mit ihnen vernünftig zu reden, als es noch Zeit war. Und man war ja oft auch nicht bes­ser. Eine andere Einstellung zeigt sich nun, wenn sich auch mit diesen Frauen reden lässt, dass sie einmal mit ihren Kin­dern anders und besser umge­hen, als ihnen das selbst wider­fahren ist.


ABSCHLUSS MIT EINEM FRÜHCHRISTLICHEN SEGEN

Ich bin nun nicht so eingebildet, dass ich meine, dass ich allein den Stein der Weisen gefunden hätte, wenn ich davon ausgehe, dass zum Ziel ohne Sünde zu leben die Scham keinen wirklichen morali­schen Nährwert hat, sondern dass es auf den Geist an­kommt. Ir­gendwo auf der Welt muss es doch wohl eine entspre­chende ziel­orientierte Pädagogik geben oder einmal gegeben haben! Viel­leicht bei ir­gendwelchen Naturvölkern? Doch die sind mir (bis­her) nicht zu­gäng­lich, zumindest nicht de­ren geistige Ein­stellung zur (Se­xual-)­Moral. Doch es gab einmal in unseren eu­ropäischen Kulturen so et­was, nämlich in der frü­hen christli­chen Kir­che. Hier gab es of­fen­sichtlich die Verbindung von Sünden­vermeidung und Geist und Nackt­heit.

Konkret: Es geht hier um den Ritus der Taufe, bei der die Täuflin­ge nackt waren. Dabei war damals noch eine Salbung. Diese Salbung oder Ölung hatte sich allerdings sehr bald in einer „con­firmatio“ (deutsch „Fir­mung“ oder „Konfir­mation“), also „Bestätig­ung“ verselb­ständigt, vermutlich weil man nach der Kindertaufe noch „etwas“ für die älte­ren jungen Menschen brauchte.

Dieser „confirmatio“-Ritus ist nun schon lange zu einem eher lee­ren Ri­tus degeneriert, der mit allem Möglichen, aber nichts mehr mit ei­ner „Sündenvermeidung“ zu tun hat. Ich habe also ver­sucht, ihn im ur­sprünglichen Sinn in unse­re heutige Zeit zu über­tragen.

In einer Feier könnte also der „Leiter der Feier“ folgendes Gebet über die jungen Menschen sprechen, die nach der Idee „ohne Sün­de“ und „zuerst ein­mal das Paradies erleben“ leben möch­ten:

Heiliger Geist (oder auch bestmögliche Intelligenz) komme über Euch und die Kraft des Allerhöchsten be­wahre Euch vor Sünden (al­so vor Fehlern in Euren menschlichen Beziehungen)!

Höchster ewiger Gott! Der Du diesen Deinen Kindern die Wie­dergeburt aus dem Wasser und aus heiligem Geist gewährt hast, Dich bit­ten wir:

Gieße auf sie Deinen siebenfältigen Geist aus:

  • Den Geist der Weisheit und des Verstandes. Dass ihr also das Gute vom Schlechten, das Vernünftige vom Dummen, das wirklich Moralische vom Scheinmoralischen, das Pro­blematische vom Unproblematischen unterschei­den könnt.

  • Den Geist der richtigen Entscheidung und des Durchhal­tevermögens. Dass ihr die für Euch die passen­den Ent­scheidungen trefft, das Problematische nicht zu tun und das Unprob­lemati­sche zu tun, und diese auch durch­haltet.

  • Den Geist der Erkenntnis und der Demut. Dass Ihr er­kennt, welche Ideen und Ideologien gut und nützlich sind und Ihr also nicht falschen Ideen und Ideologien hin­terher lauft. Und dass Ihr Euch immer bewusst seid, dass Ihr nicht alles wisst und Ihr also auch nicht den komplet­ten Über­blick habt und dass Ihr schon von daher immer offen für sinnvolles Neues seid.

  • Den Geist der Furcht Gottes. Dass bei allem die Gebote Got­tes oder eben auch die Spielregeln des Paradieses un­ter allen Umständen für euch Gültigkeit haben.

Und jetzt für jeden „Gesegneten“ einzeln:

Ich bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes, also dem Zei­chen desjenigen, der sich bis zu und mit seinem Tod für die Ver­wirklichung der Liebe eingesetzt hat und dem du dich hiermit ver­pflichtet sehen solltest.

Anmerkungen dazu: In meiner Diplomarbeit habe ich zum Sinn des Firmsakraments recherchiert. Das hier frei übersetzte Gebet um die sieben Geistesgaben war nach dem Kirchenvater Justin (um 100-165) in der frühen Kirche üblich. Es handelt sich also um frühchristli­ches Gedankengut, das von allen heutigen Kon­fessionen aner­kannt werden dürfte. Aus dem Zusammenhang (Justin dial. 87,5 <Mg PG 6 683/684 A>) geht hervor, dass es da­mals nicht um ein Glaubensbe­kenntnis (so etwas gab es ja auch noch gar nicht!) und um die Treue zu einem Glau­ben, sondern um eine moralische Einstel­lung und um eine kreative und intelli­gente Treue zu dieser Einstel­lung ging. Auch ist von einem Ge­löbnis des Firmlings dabei nicht die Rede. Die Ar­beit wur­de mit „gut“ benotet Da­mit kann ich davon ausgehen, dass das Ergebn­is meiner Re­cherchen akzeptiert ist.

Wenn wir nun beden­ken, dass ein Gebet um Geistesgaben vor al­lem junge Men­schen be­trifft, die ja in ihrem persönlichen Le­ben vor nicht gera­de einfachen moralischen Entscheidungen stehen, und dass an­de­rerseits ganz offensichtlich die Scham nun einmal nicht als Grund­lage der Sexualmoral galt, dann dürf­te das Gebet damals in dersel­ben Weise einge­setzt wor­den sein wie es hier eingesetzt wird. Denn „diese zwischenmensch­lichen Probleme“ gab und gibt es doch zu al­len Zeiten – und doch auch im alten Rom. Ich kann also sa­gen, dass das vorliegende Kon­zept ein frühchristliches Kon­zept ist – und daher sich gewiss zu­verlässiger auf den wirklichen Jesus be­zieht als alles das, was heu­te praktiziert wird – gerade auch mit jungen Men­schen.

In der frühen Kirche gab es dazu dann eben noch eine Ganzkör­persalbung (also des nackten <!> Körpers) mit geweihtem Öl. Das Öl wur­de hier von sei­ner heilenden Kraft her gesehen, das auch für die Din­ge der See­le und des Geistes wirksam ist. Wir denken hier nun heu­te et­was an­ders, obwohl eine Ganzkörper­salbung etwa durch einen sor­genden Vater (natürlich in Verbin­dung mit einem sinnvollen Kon­zept, also mit „heili­gem Geist“ und mit den entsprechenden Segens­wünschen) auch sei­nen Char­me hätte.

Auf alle Fälle lässt sich der Ritus einer Taufe mit ethischem Hin­tergrund sehr gut in unsere heutige Zeit übersetzen. Ich habe etwa mei­ne (Pflege-)Tochter bei einem Fe­rienaufenthalt am Meer auf die Ar­me genommen, untergetaucht und dann, so gut es ging, im hohen Bogen ins Wasser geworfen – um ihr deutlich zu machen, wie schön Paradieserlebnisse sind, die sie zuerst einmal „suchen“ soll. Dabei gehe ich davon aus, dass sie solche Paradieserlebnisse, die sie mit mir hatte, erst recht einmal mit ei­nem Freund erleben möchte, den sie liebt. Und dass sie dazu mit mögli­chen Partnern reden müsste, damit sie nicht missver­standen wird und damit schließlich auch nur das passiert, was sie will. Auf diese Weise würde sie auch immun werden gegen falsche Freunde, die gar nicht zu ihr passen und die nur auf Sexabenteuer aus sind. Das habe ich ihr auch ge­sagt: „Wenn du mal einen Freund hast, dann sieh zu, dass er auch erst ein­mal das mit dir macht, dass ihr also auch erst einmal Spaß an Paradieserlebnis­sen habt. Und wenn das klappt, dann wirst du se­hen, dass sich alles andere von alleine er­gibt, du bist ja nicht dumm. Auch wirst du da­bei schon merken, ob ihr zusammen passt oder nicht.“ Ja, es war da­mals am Meeres­strand richtig para­diesisch, denn wir waren – rein zufäl­lig – da­bei um­ringt von klei­nen Mädchen und Jungen, und wir alle waren „net­to“, ja, die Kin­der waren wie kleine Engelchen. Denn ange­fangen hatte alles da­mit, dass ich mei­ner Tochter Schwimmen beizu­bringen ver­suchte, was die Kinder mit­bekamen und also herbeika­men und uns gute Tipps gaben. Ja (ich weiß, ich wiederhole mich), die Nackt­heit ist da­bei die Bedingung, ohne die es nicht geht, um zu verdeutli­chen, dass nicht irgendwel­che Kleidungs­stücke die Basis der Moral sind, son­dern der Geist, also die Ein­stellung und die Lebensfreude.

Natürlich lässt sich aus diesem „Ritus“ noch mehr machen, doch das möchte ich den jungen Menschen und ihren Eltern überlas­sen.


EIN ZWEITER ANSATZ

Es geht allerdings auch anders, als wie bis hierhin vorge­stellt, nämlich mit einem „zweiten Ansatz“, also sozusagen im Nachhin­ein. Dass sich ein Heilkundi­ger nicht um alles kümmern muss, ist eher typisch für das Gebiet der Medizin, da gibt es ja nicht nur eine Richtung, bei der es um Therapie geht, also um Heilung, wenn bereits die Krankheit da ist, sondern auch eine der Prophy­laxe, bei der der gesunde Mensch in einen Zustand versetzt wird, in dem er die Krankheit gar nicht erst be­kommt. Hier gibt es für beide Richtungen der Medizin Spezialis­ten, und niemand sieht ein Problem darin, wenn einer, der sich um das eine küm­mert, sich nicht auch um das andere kümmert. Und ich ver­suche mich eben um das „Eine“ zu kümmern, um das sich sonst nie­mand so recht kümmert, nämlich um ein Konzept für junge Men­schen, die noch keine „Erfahrungen“ hatten. Ich glaube sogar, dass die meis­ten jungen Menschen eigentlich von An­fang an al­les richtig machen wollen, also Erfahrungen mit einem falschen Partner nur notgedrungen machen und sie lieber vermeiden wür­den. Wenn sie nur wüssten wie. Um die an­deren sollen sich an­dere kümmern.

Für die, auf die das alles nun nicht mehr zutrifft, weise ich hier auf einen „Zweiten Ansatz“ hin. Auch der ist eine Lösung, wenn auch leider diese schöne Phase des Paradieses, also der Spaß an der unschuldi­gen Nacktheit, nicht oder nicht mehr so leicht möglich ist. Denn wegen der bisherigen „Erfahrungen“ führt Nacktheit schon fast au­toma­tisch zum Sex, so dass beides übli­cherweise als dasselbe gesehen wird. Daher gilt, wenn man das eine nicht will, man auch das andere vermei­den muss. Und das ist doch sehr scha­de, denn beide müssen daher notgedrungen etwas Wunderschönes in ihrem Leben verpassen. Aber es geht nun mal nicht mehr anders.

Dazu ein Beitrag aus der Zeitung „Die Welt“ (15.02.2013):

Wir haben uns noch nie nackt gesehen“ Eine Liebesbeziehung ohne Sex? Ein junges Pärchen hat sich entschieden, bis zur Hochzeit enthaltsam zu bleiben von MARCEL LEUBECHER

Stefan ist 24 Jahre alt und wohnt in einer Viererwohngemeinschaft in Leipzig. Hanna ist 22 und bei ihm zu Gast. Sie wird ihren Liebsten heute Abend aber verlassen, wieder einmal, und mit dem Zug in ihr Heimatstädtchen fahren. Mit Mutter und Schwester wohnt sie 25 Kilometer östlich der sächsischen Landeshauptstadt.
Die Versuchung ist zu groß, wenn wir nachts zusammen daliegen, deswegen schlafen wir nicht beieinander", sagt Stefan. Damit die Disziplin nicht der Lust unterliegt, achten die beiden darauf, dass es nicht zu „heiß" wird. Liebkosungen am ganzen Körper sind noch tabu. „Wir haben uns auch noch nie nackt gesehen", sagt Hanna. „Oh, dann wäre das Gehirn außer Gefecht!", stürzt es aus Stefan hervor. Beidseitiges Kichern.
Beide haben auch schon anders geliebt - mit Sex. Stefan hatte eine, Hanna zwei längere Beziehungen, bevor sie vor 16 Monaten zusammenkamen. Die Sozialassistentin bereut die Erfahrungen mit ihren Ex-Freunden: „Die kennen mich nackt, ich habe ihnen etwas geschenkt, das eigentlich meinem zukünftigen Mann gehört." Stefan, der weniger mit seinem und Hannas früherem Sex hadert, lächelt verständnisvoll: „Es zählt, was jetzt ist. Man muss aus Fehlern lernen", sagt er.

Im Jugendgottesdienst einer Leipziger Freikirche sahen sie sich zum ersten Mal. „Ich fand ihn halt gut und er mich auch", sagt Hanna und lächelt zu Stefan rüber. Danach folgten „Facebook-Gequatsche" und Spaziergänge, Einen dieser Spaziergänge werden die beiden nie vergessen. „Wir kamen von einer Bergwanderung zurück; er hat mich heimgebracht und vor der Haustür im Mondschein gefragt, ob er mich küssen darf, sagt Hanna.
Er durfte - allerdings nicht zu heftig. „Wir gehen nach und nach immer einen Schritt weiter", sagt Stefan, der nach seinem Lehramtsbachelor in Geschichte und Deutsch jetzt eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker macht: „Jeder einzelne Schritt fetzt dann total." Für Hanna ist dieses langsame Liebenlernen intensiver, als es in ihren vorherigen Beziehungen der Fall war: „Ich kenne Stefan dadurch viel besser als meine früheren Partner", sagt sie.

Die Einstellung in Liebesdingen hängt für das Paar stark mit ihrem Glauben zusammen - Gott fügt Mann und Frau in der Ehe zusammen, Sexualität hat nur dort ihren Platz. Vor der Hochzeit heißt das: warten. Eine Liebesbeziehung ohne Sex? Für viele Twentysomethings ist das eine Horrorvorstellung. Während Stefan von seinen Freunden Witzeleien abbekommt - viele glauben ihm einfach nicht, dass er freiwillig auf Sex verzichtet -, erntet Hanna von ihren Freundinnen Respekt, teilweise sogar Neid.
In der Mondnacht, nach dem Haustürkuss, schrieb Stefan ein Gedicht, das er Hanna bei einem gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen in Leipzig vortrug. Genau ein Jahr später, am 20. Oktober, verlobten sie sich. Für September ist die Hochzeit anvisiert. Danach werden sie sich zum ersten Mal nackt sehen.






EIN PAAR WORTE ZUM SCHLUSS

Ich habe mir das mit meinem Engagement für die Ein-einziger-Sexual­partner-Idee gewiss nicht leicht gemacht. Ja, ich habe es doch viele Jahre „einfacher“ und weniger drastisch versucht. Es hat einfach nicht funk­tioniert. Ohne eine wirkliche Deutlich­keit bleibt im­mer alles beim Alten. Bisweilen haben mir auch Schüle­rinnen ihr Herz aus­geschüttet, etwa: „Niemand fühlt sich dafür zuständig“ oder „Natürlich, es wäre auch anders gegangen, wenn ich nur gewusst hätte, wie es ginge. Doch darüber redet ja keiner vernünftig“. Oder ich erfuhr auch von dem Druck, der auf jun­gen Mädchen lastet, weil sie noch nicht damit ange­fangen hatten. Ja, das hat mich besonders geärgert („heiliger Zorn?“), wenn gera­de Mädchen eigent­lich gern eine traditionelle Moral le­ben würden, doch das nicht können, weil der all­gemeine Druck zu stark ist, gera­de so nicht zu leben? Und auch die Jungen ste­hen unter einem sol­chen gesellschaftlichen Druck.

Was wäre also, wenn es ein attraktives Konzept gäbe, mit dem die jun­gen Menschen sicher und selbstbewusst so leben könn­ten, wie sie eigentlich leben wollten? Ich habe schon geschrie­ben, dass 25 % aller Frauen ihren „Anfang mit den Sexualerleb­nissen“ be­reuen. Wenn man das mit ei­ner Epidemie vergleicht, bei der nur 5 % ster­ben oder auch nur erkran­ken: Da würden Millionen, wenn nicht gar Milliar­den, in die Forschung investiert, damit schließlich sicherheits­halber „alle“ durch­geimpft wer­den können. Doch hier, wo es sich „nur“ um etwas Seeli­sches dreht, was aber mindestens genauso schwerwiegend ist, pas­siert gar nichts. Das Thema interessiert einfach nicht. Dabei könnte man doch auch hier etwas Prophylakti­sches ma­chen – und ohne einen Milliardenbe­trag.

Wenn hier nicht die Aufgabe unseres Glaubens ist – und nicht nur für die jungen Menschen unseres Glaubens, sondern auch für alle übri­gen? Ich meine schon, man könnte die Bergpredigt hier sehr gut er­weitern: „Ich war dumm und unwissend und ihr habt mich nicht nur nicht informiert, sondern sogar noch falsche Wege gewiesen und mich mit Vergnügen in alle Fallen meines jungen Lebens rein­fallen lassen“. Und ich meine doch, ich könn­te mit der The­matik recht lo­cker umgehen, so dass die jungen


Leute von einem sol­chen Unter­richt kei­ne Schäden davon tra­gen.

Also: Schwamm drüber, was in der Vergangenheit war, kümmern wir uns darum, dass es die jungen Leute in der Zukunft besser machen!




ALLGEMEINE ANMERKUNGEN

(1) auf Seite 32, Orgasmusforschung. Der Forscher hier war Wilhelm Reich. Ob diese Forschungen allerdings einen wissenschaftlichen Hin­ter­grund nach heuti­gen strengen Regeln hatten, weiß ich nicht. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass sich die Forschungen von Ze­hentbauer (s. Anm. 2) sehr gut mit der Theorie von der medizinischen Wirkung des Orgas­mus verbinden las­sen.

(2) auf Seite 32, Antistresshormon: Siehe Josef Zehentbauer „Kör­pereige­ne Dro­gen“, München 1992. Vermutlich hatte Gandhi „in die­ser Richtung“ experi­mentiert (s. S. 23), allerdings wohl ohne den medizini­schen Hinter­grund zu sehen. Leider wurden seine Arbeiten darüber nach seinem Tod aus Ver­ständnislosigkeit ver­nichtet.

(3) auf Seite 25, ja, wer war Jesus? Wie Paulus im Römer­brief sehe ich in der Idee des Zweiten Adams eine gute Erklärung. Zum Sinn der Adam-und-Eva-Erzählung siehe allerdings Heft 2: „Theologische Ergänzung“.

(4) auf Seite 47, das Bild „Griechin“ in der Nationalgalerie Budapest. Der Maler ist Jakab Marastoni (1845)


(1) So Max von der Grün in seiner Kurzbiografie „Friseuse“


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C. ANHÄNGE

1. Kritische Fragen und Antworten

Ganz klar, auf die Schnelle habe ich das alles nicht geschrieben und ich habe natürlich auch oft gezweifelt, ob das alles so richtig ist und ob ich das vor allem auch „verbreiten“ kann. Doch ich wurde immer sicherer, nicht zuletzt auch, weil es da eine „Grundlinie“ zu geben scheint, auf deren Spur ich offensichtlich bin. Ich finde eigentlich immer nur Bestätigungen – und wenn Andersdenkende angeblich Gründe dagegen finden, dann sind das eigentlich nie wirkliche Argumente, sondern immer nur „Tatbestände“ nach dem Motto: „Wenn die Wissenschaft herausbekommen hat, dass das alle oder zumindest die Mehrheit so machen beziehungsweise so macht, dann ist doch das normal und korrekt so.“ Das hieße dann ja auch, wenn die Mehrheit der Bevölkerung für das Verbrennen von Hexen oder Juden ist, dann ist das „normal und richtig“. Ich verstehe nicht, wie intelligente Menschen (oder Menschen, die sich für intelligent halten) solche Argumente bringen können, diesen Vergleich müssten doch auch sie im Kopf haben – haben sie aber offensichtlich nicht.

Ein Freund meinte zu dem ursprünglichen Manuskript für etwa 16-Jährige, dass es ja sehr schön und gut sei. Doch seine Tochter, die gerade zehn Jahre alt ist, hätte in der Schule Sexualkunde. Soweit er erkennen kann, sei dieses Fach sehr biologistisch ausgerichtet. Ob ich nicht auch einmal dazu etwas ergänzendes Menschlicheres schreiben könnte, das auch bei diesen jüngeren Menschen ankommt? Er hätte ein solches Gespräch mit seiner Tochter versucht, doch er sei damit gescheitert. Er sei vermutlich zu ungeschickt, sie wollte offensichtlich nicht mit ihm über „diese Themen“ reden.

Deshalb also die EINFÜHRUNG für die jüngeren der jungen Menschen.

Und jetzt die Punkte der Kritik und die Beantwortung:

Das vorliegende Konzept ist doch unrealistisch.“
Das sagte jemand, der seine Abscheu über den Handel mit Nacktfotos von klei-nen Jungen äußerte und dann auch noch phantasierte, zu was sonst ein Mann noch fähig sein würde,der sich solche Bilder heimlich besorgt.
Das Problem ist, dass wir das Moralproblem mit der Ausrottung von Pädophilen oder auch mit noch so scharfen Gesetzen nie lösen werden, denn es handelt sich hier um eine ethische Angelegenheit, und da helfen Gesetze letztlich nur wenig. Zudem wurde wohl kaum je ein Problem mit einer Ausrottung von angeblichen Bösen gelöst. Wir leben auch nicht in einem Zoo, wo „wilde böse Tiere“ weggesperrt werden können. Wir sollten lieber dieses Pädophilenphänomen einmal als Aufforderung Gottes ansehen, Kindern eine echte Moral beizubringen und sie somit immun zu machen etwa auch gegen solche „Bilderhändler“ und „-angucker“. In diesem Sinn siehe die Rigolettogeschichte ab Seite 60.

Das Konzept ist auch noch aus einem anderen Grund unrealistisch: Es wird ohnehin nie alle erreichen.“
Das ist mir auch völlig klar, dass man nie alle erreichen wird. Es ist nun einmal so, dass erfahrungsgemäß von dreißig Menschen neunundzwanzig einem allge meinen Trott hinterherlaufen, selbst wenn der Weg ein offensichtlich falscher ist. Doch einer geht einen andern Weg. Was ist, wenn der das Konzept gut findet und dann auch noch ein Trendmacher ist, dem die anderen schließlich hinterher laufen? Immerhin gibt es die Chance, dass diejenigen, die die schlimmen Erfahrungen machen wollen und müssen, sich später einmal besinnen und ihre Kinder dann anders erziehen.

Das Problem ist, die Kinder für solche Themen zu motivieren. Kinder haben andere Themen im Kopf.“
Bei Jungen mag das stimmen, Mädchen sind jedoch sehr offen. Wenn sie nun über solche Themen nicht reden wollen und gerade auch nicht mit ihren Eltern, so liegt das in der Natur der Sache. Mehr dazu auf Seite 58.

Man sollte in einem Kinderunterricht mit Positivem anfangen, die Rigolettogeschichte und auch die anderen Beispiele sind jedoch negativ.“
Das Positive haben junge Menschen hier sowieso im Kopf, davon träumen sie sogar. Damit braucht man also nicht anzufangen. Sinnvoll ist nun, dass Kinder erfahren, wie ihre positiven Vorstellungen scheitern können. Aufgabe einer sinnvollen Pädagogik ist, dass Kinder Anregungen bekommen, wie sie das Scheitern verhindern können, ja dass sie geradezu von sich aus kreativ werden, Strategien gegen das Scheitern zu entwickeln. Wenn sie dagegen nur Positives erfahren, werden sie eher naiv und das Scheitern ist programmiert.

Sie plädieren für eine für Kinder sehr schädliche Frühsexualisierung, es ist doch keinesfalls gut und sinnvoll, wenn Kinder das alles wissen.“
Die Frage stellt sich, was man Kindern denn sonst erzählt, wenn auch jede sachliche Information über „Biologisches“ als „Frühsexualisierung“ bezeichnet und pauschal verteufelt wird. Irgendetwas muss man ja wohl erzählen. Also erzählt man Kindern (nicht nur von der Religion her!) nach wie vor das von der Scham und dass sie sich also vor der Nacktheit hüten müssen: „Denn die ist ja auch gegen die Intimsphäre.“ Wenn wir nun davon ausgehen, dass gerade Kinder hochmoralische Wesen sind, dann führt das automatisch dazu, dass die Scham in ihren Köpfen zur Moral wird und dass sie Ängste bekommen, dass jemand Unbefugtes sie nackt sehen könnte. Insbesondere kleine Mädchen entwickeln geradezu paranoide Ängste, dass ein Mann ihnen ihr Hös´chen ausziehen könnte – und es reicht ja allein die Vorstellung, dass das jemand tun wollte und könnte. Die Folge ist ein Trauma – und auch oft ein lebenslanges. Doch das, worauf es bei wirklicher Moral eigentlich ankäme, nämlich keinen Sex mit einem falschen Partner zu haben, das ist bei passender Gelegenheit kein Problem für sie. Junge Menschen werden so leibfeindlich und auch noch fetischistich (weil Kleidung mit ins Spiel kommt, s. S. 27) aber nicht moralisch. Es ist wirklich so: Der Spaß an unschuldiger Nacktheit wird für junge Menschen mit dem Spaß an Pornografie gleichgesetzt – und damit wollen sie nichts zu tun haben. Daher kommt auch später FKK für sie nie infrage. Doch sexuelle Erfahrungen bis hin zu Abenteuern werden akzeptiert und als normal empfunden. Wer hat nun Schuld an dieser Verdrehung in den Köpfen junger Menschen, was gut und was nicht gut ist?

Sie treiben mit Ihrer Einstellung zur Nacktheit doch die Kinder in die Arme von Pädophilen!“

Schauen Sie sich doch bitte einmal die Berichte über die Vergehen von Pädophilen genauer an! Es war doch nirgends so, dass „es“ etwa bei einer Wanderung mit der Freude einer Gruppe junger Menschen an einem nackten Bad in einem Gebirgsbach anfing. Vielmehr begann doch der Missbrauch von Kindern doch immer ganz anders. Die Kinder hatten also mit ihrer grundsätzlichen Angst vor der Nacktheit in einer völlig falschen Richtung aufgepasst.

Und so ganz nebenbei erledigt sich ein weiteres Problem: Kleine Mädchen, die die paradiesische Bekleidung gewöhnt sind, können nicht mehr von Pädophilen verführt werden, die ihnen „etwas Tolles“ zeigen wollen.

Viele Menschen haben die Assoziation im Kopf: `Kinder + Nacktheit = Pädophilie´.“
Wenn alles immer so einfach wäre! Siehe hierzu den vorigen Punkt. Ja, wer immer alles in einen Topf wirft und keinen Unterschied macht und nicht sachlich sein kann und will, der ist irgendwann kein ernsthafter Gesprächspartner mehr und der sollte sich fragen, ob er es nicht selbst ist, der hier unaufgearbeitete Probleme hat. Denn dann sieht er die eigenen Probleme letztendlich nur immer bei den anderen und gibt sie schließlich auch noch an junge Menschen weiter.

Sich an Kindern zu vergreifen, ist doch das Schlimmste.“
Vorsicht vor Menschen, die bei solcher Verurteilung sehr emotional und unsachlich sind. Wir wissen, dass in Gefängnissen die Kinderschänder an unterster Stelle stehen, die werden von allen anderen Strafgefangenen verachtet. Diese anderen Gefangenen haben nun auch keine reine Weste und brauchen für ihr Selbstwertgefühl jemanden, gegenüber dem sie besser sind. In der Freiheit gibt es auch so ein Problem des Besser-sein-Wollens als andere. Wer also hier zu sehr sein eigenes Bessersein durchblicken lässt und vor allem in unsachlicher Weise, bei dem sollte man vielleicht einmal näher hinsehen, ob der nach dem Motto „Haltet den Dieb!“ (s. S. 18) nicht nur jemanden braucht, den er verurteilen kann. Ob das also alles wirklich Pädophilie ist, was von manchen als Pädophilie angesehen wird, oder nur dazu dient, dass man selbst gut da steht?


Wie sieht denn nun das Harmlose oder sogar das Paradiesische aus?“
Zum Beispiel: Eine Mutter erzählte mir, dass sich ihre fünfjähriges Töchterchen einmal ein nacktes Frühstück im Familienkreis gewünscht hätte. Oder wenn einem auf einem Campingplatz auf dem Weg von und zur Dusche das Töchterchen der Nachbarn begegnet – beide im Paradieskostüm – und einen anstrahlt. Wo ist das Problem? Das sind doch nun wirklich wunderbare Paradieserlebnisse, die absolut nichts mit irgendeiner Pädophilie zu tun haben! Honi soit, qui mal y pense! („Ein Schelm, wer dabei Böses denkt!“) Es gibt eben neben der Assoziation Nacktheit + Kind = Pädophilie auch die Assoziation „Vater + Kind + Nacktheit = heile Familie, heile Welt“. Der Unterschied ist, dass bei der Pädophilie-Beziehung sonst nichts mehr kommt beziehungsweise für eine hohe Moral Untaugliches, während bei einer heilen-Welt-Beziehung noch eine sinnvolle Sorge für eine echte Moral hinzu kommt. Gerade Väter wissen ja auch sehr oft (woher auch immer), dass die „Scham-Moral“ nun einmal nicht zu einer hohen Moral führt, dass sie also für junge Menschen nicht vorteilhaft ist. Leider sind viele Väter und überhaupt viele Eltern in der Praxis dann doch sehr oft eher hilflos, obwohl sie im Grunde sehr gutwillig und sehr integer sind. Dieses Heft soll nun Anregungen geben, wie realistisch-gutwillige Eltern (und auch andere Pädagogen) ihre Sorge sinnvoll in die Praxis umsetzen können.

Es gibt doch Wichtigeres im Leben junger Menschen als die Sexualität.“
Es ist die Frage nach einem Gesamtkonzept. Sinnvoll aufgeklärte junge Menschen haben auch ihre Köpfe freier für das, was sonst im Leben wichtig ist. Sie haben es leichter, reif zu werden und ihre individuellen Anlagen zu entfalten. Das dürfte sich dann auch auf die schulischen Leistungen positiv auswirken.

Doch warum immer nur dieses eine Thema? Es gibt doch wohl noch mehr, wo gerade junge Menschen leiden können.“
Natürlich, es gibt noch mehr, das ist mir auch klar. Doch wenn in einem sehr wichtigen Bereich schon einmal ein gutes Selbstbewusstsein verbunden mit dem passenden Wissen da ist, dann wird gerade der junge Mensch sich hoffentlich auch in anderen Bereichen zu helfen wissen. Zudem: Wenn wir den jungen Menschen in allem möglichen und unmöglichen Dingen
beraten wollen, ohne dass etwas Konkretes anliegt, dann wird eine solche Erziehung sehr schnell überängstlich und ungenießbar – und sie erreicht letztlich nur das Gegenteil.

Der Ansatz hier ist doch total unmodern, Mädchen und Frauen haben sich heute aus den alten Zwängen befreit und der Geschlechtsverkehr mit verschiedenen Partnern ist doch Zeichen ihrer Freiheit und Emanzipation.“
Meine Erfahrung mit den Kameraden bei der Bundeswehr, also mal mit „wirklich normalen Menschen“, die sagen, was sie denken (und wie ich immer wieder feststelle, schimmert deren Denken auch heute noch in der Männerwelt durch): Wenn Mädchen den Sex gewähren, besonders den ersten, aus welchen Gründen auch immer, wird eigentlich immer eher verachtend über sie gesprochen. Allerdings stammen meine Eindrücke eben eher von dem, was in „unteren Schichten“ geredet wird. Ob hier vielleicht doch eine Wahrheit zutage kommt nach dem Motto „Vox populi, vox dei“ – also „Stimme des Volkes, Stimme Gottes“? Jedenfalls meine ich, dass die Mädchen „für so etwas“ zu schade sind.

Na ja, die `unteren Schichten´, an denen sollte man sich vielleicht nicht so orientieren. Das mit dem Sex vor der Ehe entspricht doch einfach der Emanzipation einer modernen Frau. Das machen doch alle heute so.“
Wenn das, was alle machen, das Indiz für Emanzipation ist, na, dann „gute Nacht Emanzipation“! Ist es nicht viel mehr das Indiz für eine gelungene Emanzipation, wenn sich gerade auch frau von sinnlosen Zwängen und Ängsten befreit, die doch nur Zeichen von Verklemmtheit und untauglich und kontraproduktiv für eine hohe Moral und eine sinnvolle Menschenkenntnis sind (also der Scham, natürlich nur dort, wo das nicht missverstanden wird)? Und wenn sie eine gute Menschenkenntnis hat und also von vornherein das unterlässt, was nur zu oft Traumata bringt, also den Sex mit jemandem, der doch nicht der Richtige ist? Und wenn es ihr gelingt, andere zu motivieren, dabei mitzumachen, das eher Negative zu unterlassen und das Positive zu tun?

Es ist doch nur vernünftig, wenn schon junge Leute und gerade auch Mädchen alles über Verhütungsmittel und Geschlechtskrankheiten wissen. Denn dann können sie viel freier sein und brauchen keine Angst mehr vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten zu haben.“
Nichts gegen eine Information auch über solche Dinge, Wissen hat noch nie jemandem geschadet. Doch wenn es wie etwa bei der heutigen schulischen Sexualkunde nur bei einer solchen Information bleibt und keine über die
hohe Liebe und, wie man die einfädelt, hinzukommt, dann heißt das doch: Man hält insbesondere auch Mädchen von vornherein vor allem für triebgesteuert und zu dumm für die hohe Liebe (brutal ausgedrückt: „Mädchen haben ihr Gehirn, wenn´s so weit ist, sowieso zwischen den Beinen“). Daher lohnt es sich auch gar nicht, sich um ein Konzept der Moral der hohen Liebe zu kümmern. Wenn eine solche Einstellung nicht zutiefst mädchen- und damit auch frauenverachtend ist?

Ziel des hier vorgestellten Konzepts ist doch nur eine neue Manipulation.“
Der Philosoph und Theologe Rupert Lay unterscheidet die Beeinflussung in Erziehung und in Manipulation. Dabei ist Erziehung eigendienlich, das heißt sie nützt demjenigen, der beeinflusst wird, und Manipulation fremddienlich, sie nützt eben den anderen. Bitte beurteilen Sie jetzt selbst, ob das, was hier das Ziel ist, fremddienlich und daher Manipulation ist oder eigendienlich ist. Zudem: Der Trick bei der Manipulation
ist doch, dass den Menschen, die manipuliert werden sollen, nur eine einzige Lösung vorgesetzt wird und auch sonst so getan wird, als ob es nur diese eine Lösung gibt und keine andere. Jede akzeptable und attraktive Alternative wie – etwa bei der heutigen Sexualerziehung – eine intelligente und pfiffige Enthaltsamkeit bei gleichzeitiger Möglichkeit der paradiesischen Offenheit wird total verschwiegen oder lächerlich oder gar schlecht gemacht.

Sie sind doch frauenfeindlich. Statt sich gegen die sexuellen Beziehungen junger Mädchen einzusetzen, sollten Sie lieber auf die Jungen und Männer einwirken, dass sie nicht mehr schlecht über Menschen und gerade auch über Mädchen (und Frauen) reden, die andere Lebensentwürfe haben.“
Da kann man doch reden, was man will. Wenn man sich für etwas einsetzt, was nicht der Natur des Menschen entspricht, dann sagen die Angesprochenen „Ja – ja“ und halten künftig den Mund, so dass man nichts mehr erfährt und glaubt, es ist jetzt alles erledigt. In Wirklichkeit ändert man aber an den Einstellungen nichts. Allerdings: Genau in den
ehrlichen Kreisen wird über Mädchen, die sich nach dem hier vorgestellten Konzept verhalten, im Grunde dann doch anerkennend geredet, etwa: „Die weiß, was sie will!“ Eine Studentin erzählte mir, wie sie einmal ein Mitstudent angesprochen hätte: „Stimmt das, was man sich von dir erzählt, dass du beim FKK mitmachst, aber kein Sex vor der Ehe haben willst?“ Und als sie das bejahte, schien das bei ihrem Mitstudenten hohe Anerkennung auszulösen nach dem Motto „coole Frau“! Wichtig ist allerdings, dass die Jungen auch um das Gesamtkonzept wissen!

Es gibt doch diese Forschungen, wie Kinder bei Naturvölkern aufwachsen. Die Kinder treiben schon von früher Kindheit an sexuelle Spielchen bis hin zum Geschlechtsverkehr. Und sie wachsen somit frei von Ängsten und Zwängen auf und sind also glücklich. Das setzt sich dann fort, wenn sie älter werden, daher gibt es in diesen Kulturen auch keinen Partnerstress, keinen Geschlechterkampf, keine Eifersucht, keine Aggression.“
Neuere Forschungen haben ergeben, dass diese damaligen Forscher (gerade auch die berühmte Margret Mead, 1901–1978, mit ihrem Buch „
Coming of Age in Samoa. A Psychological Study of Primitive Youth for Western Civilisation“ 1928) mit ihren Forschungen in der Südsee sehr blauäugig waren, sie haben nur gesehen, was sie sehen wollten. Die Wirklichkeit ist nämlich völlig anders: Es gibt bei diesen Kulturen besonders viel Eifersucht, Aggression und Partnerstress. Die Selbstmordrate ist mit die höchste weltweit. Von echter Wissenschaftlichkeit kann bei diesen damals als epochal geltenden Forschungen keine Rede sein. Natürlich: Man kann immer Gründe finden, dass die Forschungen doch seriös waren, dass es zu den Fehlentwicklungen etwa erst durch die Berührung mit westlicher Zivilisation kam. Dazu: Es gab unter diesen Insulanern auch westlich gebildete Einwohner, die englisch konnten. Und die haben später dann besonders das genannte Buch gelesen und die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, was gerade Margret Mead für einen Unfug über ihre Kultur geschrieben hatte. Das, was sie beschrieb, war noch nie so!

Vermutlich ist dir nicht unbekannt, dass Kinder ganz von selbst herausfinden, dass es sich gut anfühlt, sich an den Geschlechtsteilen zu berühren. Kleine Jungs und kleine Mädchen tun das, große Jungs und große Mädchen auch. Das hat nicht das geringste damit zu tun, wie diese Kinder erzogen wurden, ob `verklemmt´ oder `unverklemmt´.“ Was Kinder von selbst herausfinden, steht in den Sternen. Wenn schon das Rad in vielen Kulturen nicht erfunden wurde, wie sollen dann Kinder auf manches, was über die Nacktheit hinausgeht, von alleine kommen? Sie werden wohl etwas gesehen oder anderweitig mitbekommen haben. Doch vermutlich hast Du noch nichts von dem „Nacktkindergarten“ in Duisburg gehört. Kinder waren dort von sich auf die Idee gekommen, splitternackt herum zu laufen und miteinander zu spielen. Was sollten die Kinderpädagogen anders tun, als die Kinder gewähren zu lassen und sie von den anderen Kindern abzusondern, die nicht mitmachten? Die Sache flog erst auf, als ein Junge ein Mädchen anfassen oder etwas in dieser Richtung mit ihm tun wollte. Erst das erzählte das Mädchen zuhause und so wurden Eltern aufmerksam und aktiv, bis es zur Auflösung des Kindergartens kam. Offensichtlich sehen Kinder also durchaus denselben Unterschied, den ich hier sehe. Für sie ist Nacktheit offensichtlich etwas Normales und hat keineswegs etwas mit Anfassen und dergleichen zu tun.
Es liegt alles nur an den Jungen, die sind doch die, die immer nur das Eine wollen. Die müssen also doch erst einmal moralischer werden.“
Ich hoffe, ich habe es hier deutlich gemacht, warum die Jungen so sind (s.etwa Punkt 2 ab S. 29). Und dann: Die Jungen haben doch den Eindruck, dass die Mädchen untereinander über sie herziehen, wenn sie keinen Sex wollen, dass sie dann impotent oder schwul seien. Wenn Mädchen etwas anderes als Geschlechtsverkehr wollen, dann müssen sie das schon irgendwie ausdrücklich die Jungen wissen lassen.

Sie reden zu viel von `Nacktheit´ .“
Psychologen würden mir allerdings nach der Lektüre der Seiten 5 und 6 vorwerfen, dass ich leibfeindlich bin und doch nur wieder die alten Ängste vor der Sexualität erzeuge. Daher muss ich etwas bringen, was diese Ängste gar nicht erst aufkommen lässt, und was eignet sich besser als die Freude an der Nacktheit
oder eben an der paradiesischen Kleidung? Im Übrigen: Was ist wohl eher ein Indiz für Sexualängste junger Menschen, wenn sie zwanghaft Bikini oder Badehose brauchen – oder wenn sie mit Spaß darüberstehen und das alles auch weglassen können? Wessen Erziehungskonzept basiert also auf Ängsten, wer die Notwendigkeit von Badehose und Bikini unangetastet lässt oder wer das alles hinterfragt und ein Konzept befürwortet, dessen Basis der Geist und das Herz ist – wie in diesem Heft vorgestellt? Und zudem ist es eine Regel guter Werbepsychologie (und hier geht es ja auch um Werbung für etwas): „Nie negativ, immer nur positiv!“ Und wenn ich schon etwas Negatives bringen muss, einfach um einen Einstieg zu haben, dann muss ich doch zumindest etwas Positives anbieten!

Die Scham ist doch auch eine Sache unserer Kultur.“
In unserer jüdisch-christlichen Religion gilt die Scham als ein „Fluch der Sünde“ (s. Heft 2, S. 33), ansonsten ist sie ein Verfallsprodukt von nicht geglückter echter Moral. Wenn man etwas falsch gemacht hat, dann schämt man ich eben. Es hat nun noch nie funktioniert, aus einem Verfallsprodukt, also etwa aus Rost oder aus Asche, eine Brücke oder ein Automobil zu bauen. Wieso sollte es also gelingen, auf der Basis der Sexualscham eine hohe Sexualmoral zu konstruieren, die attraktiv für junge Menschen ist und die auch wirklich funktioniert?

Es gibt aber doch eine natürliche Scham.“
Ach ja, es gibt auch Bücher, in denen es darum geht, ob die Scham angeboren, also natürlich, oder anerzogen ist. Doch es gibt meines Wissens keine Bücher, ob sie für das Ideal der Sexualmoral im Sinn einer hohen Liebe gerade junger Menschen auch tatsächlich nützlich ist. Und wenn sie nicht für junge Menschen nützlich ist, wem nützt sie als irrationale Angst, die sie ja ist, dann? Allerdings: Der Mensch braucht nun einmal eine Sexualmoral, notfalls wählt er die untaugliche Ersatzmoral der Scham, die sich anbietet, und hält die für natürlich.

Aber Nacktheit ist doch pervers, unmoralisch und ekelhaft.“
Zunächst einmal: Nacktheit ist etwas völlig Natürliches, und Natürliches ist nie unmoralisch oder pervers. Es kommt doch darauf an, was man damit tut. Die Nacktheit wird nun leicht mit Unappetitlichem und mit Ekel assoziiert, weil ja auch ein Zusammenhang mit den Ausscheidungsorganen da ist. Wenn allerdings alles, was mit Ausscheidungsorganen zu tun hat, eklig wäre, dann wären ja auch die Hände eklig, mit denen man sie wäscht.

Bei den alten Griechen waren die Frauenstatuen, also die Koren, doch immer bekleidet. Das heißt doch, dass die Scham zur Würde der Frau gehört.“
Der Anthropologe und Sexualforscher Ernest Borneman (1915-1995) sieht das anders. Er sieht den Grund dafür, dass die Nacktheit ein Zeichen für Souveränität und Freiheit war. Und nur Männer galten als frei und souverän, daher waren die Kouroi, also die Männerstatuen, nackt. Dagegen konnte man sich Frauen nie frei und souverän, sondern immer nur als Besitz (eines Mannes) vorstellen. So waren die Koren, also die Frauenstatuen, bekleidet oder ebenind nun einmal auch frei und souverän.

Das Menschenbild im frühen Christentum war demgegenüber revolutionär. Hier wurden etwa sowohl Männer wie Frauen nackt getauft.

Nacktübungen als höchsten Sinn der Praxis zu sehen, ist für meine Frau und für mich einfach unakzeptabel.“
Man kann sich natürlich aus allen Ideen ein Detail herauspicken und das dann verspotten. Doch man kann auch umgekehrt von Unterwäsche- oder Verklemmtheitsfetzenfetischisten (s. S. 27) reden. Es fragt sich, was wohl eher natürlich ist und was nicht und wo eher ein Spott angebracht ist. (Anmerkung: Was sind Badehose und Bikini denn sonst als Unterwäsche und Fetische?)

Das Problem hat andere Ursachen. Es ist nicht die Kleidung, nicht die paradiesische Nacktheit. Es ist nur die falsche Information der Kinder und Jugendlichen und Erwachsenen über das Wesen von Frau und Mann und wie sie sich himmlisch ergänzen können.“
Das Problem ist ja: Die Kleidung verhindert eine „sinnvolle intuitive Orientierung“ der Moral, so wie eben ein Navi eine „sinnvolle intuitive Orientierung" im Gelände oder die Prügelstrafe eine vernünftige Pädagogik verhindert.
Denn die Basis dieser Moral ist eigentlich immer nur Ekel und Scham. Und was vor der Pubertät in einem jungen Menschen gegenüber weniger sympathischen Menschen mit Ekel und Scham befrachtet ist, wird in der Pubertät und vor allem in einer Verliebtheit (in einen natürlich sympathischen Menschen) gerade faszinierend-interessant. Eine Pädagogik zu Ekel und Scham ist also für eine hohe Moral ausgesprochen kontraproduktiv. Deshalb dann auch der spätere zumeist sehr plötzliche Meinungswechsel.

Solange „Navi" oder „Prügelstrafe“ oder eben auch „Kleidung“ als notwendig empfunden werden, wird der (junge) Mensch nie wirklich offen für Informationen im Hinblick auf ein funktionierendes anderes Denkmodell einer hohen Moral sein. Denn er weiß in seinem Hinterkopf ja immer alles besser und gerät in eine trügerische Selbstsicherheit, die ihn direkt hochnäsig gegenüber anderen Ideen macht. Er sieht sich ja auch bestätigt, weil er etwa Abscheu oder gar Ekel gegen alles, was mit Sexualität zu tun hat, empfindet. Also meint er auch, alles unter Kontrolle zu haben.

Aber trotzdem, wir denken anders!“
Das Problem ist, dass es nicht gleichgültig ist, ob gerade in den Dingen der Emotionen erst einmal etwas Falsches den jungen Menschen, die ja hochmoralische Wesen sind, beigebracht wird. Denn das Falsche verstopft letztendlich nachhaltig die Offenheit für das Richtige.

Papperlapapp! Die Scham ist einfach normal! Keine Diskussion!“
Offensichtlich gibt es in allen Kulturen spezielle heilige Kühe, die eigentlich völlig unsinnig sind, doch die nie auf ihre Sinnhaftigkeit hinterfragt werden dürfen. Ja was sind denn das für Argumente „Papperlapp“ und „keine Diskussion“? Wer so „argumentiert“, der sollte sich doch schämen.

Wenn es zu solcher Offenheit kommt, etwa wenn zwei nebeneinander trotz Paradieskleidung enthaltsam die Nacht verbringen, ohne dass es zur `sexuellen Tat´ kommt, dann bedeutet das doch schädlichen Stress?“
Schädlicher Stress? Im Gegenteil! Bei einem großen Stress produziert der menschliche Körper nämlich ein Antistresshormon, um diesen Stress auszuhalten. Dieses Antistresshormon ähnelt nun Drogen – sowohl vom chemischen Aufbau als auch von der Wirkung her. Der Mensch setzt sich „bei solchen Gelegenheiten“ sozusagen unter Drogen, diesmal allerdings sind es selbst erzeugte, also „echt-natürliche“. Und diese „echt-natürlichen Drogen“ sind in vieler Hinsicht viel vorteilhafter als die „künstlichen“, also als die, die man etwa einnimmt, sie entsprechen eben eher dem, worauf der Mensch angelegt ist.

Viele Menschen finden sich doch einfach nicht schön genug für die Nacktheit vor anderen.“
Warum aber haben dann selbst die schönsten Mädchen Probleme mit der Nacktheit? Und zudem: Wenn wir uns schon nicht schön genug vorkommen, warum verstecken wir dann ausgerechnet die Genitalien, sollten wir dann nicht lieber diejenigen Körperteile verstecken, die nicht so schön sind? Das mit dem Sichverstecken wegen der Nichtschönheit ist auch nur so ein Scheinargument.

Wenn junge Menschen und gerade auch Mädchen in die Pubertät kommen, fangen sie nun einmal an, sich zu schämen. Das ist völlig normal.“
Normal ist hier doch gar nichts. Wenn sich junge Menschen in der Pubertät anfangen zu schämen, dann kann das auch heißen, dass sie eine Moral der Liebe und der Partnerschaft suchen, weil sie sich nicht an einen Falschen verschwenden möchten. Es gibt hier eine Parallele zur Sprache: Der Mensch ist von Natur aus sprachbegabt und offen für alle möglichen Sprachen. Er übernimmt nun die Sprache seiner Umgebung. Genauso ist der Mensch „moralbegabt“. Wenn er nun keine bewusste und sinnvolle Moral mitbekommt, weil ihm die niemand plausibel nahe bringt, übernimmt er eben die, die ihm von seiner Umwelt vorgemacht wird. Das ist also die Scham – selbst wenn die sich in der Praxis des Lebens dann doch nicht bewährt. Doch das weiß er ja erst einmal nicht.

Doch was ist, wenn junge Menschen über das alles nicht reden wollen?“

Siehe hierzu auf Seite 59.

Als ob die Zurschaustellung des kleinen Unterschieds das Wichtige wäre.“
Tun Sie doch nicht so, als ob Sie nicht wüssten, dass das Verstecken des
kleinen Unterschieds viel aufreizender ist als die komplette Offenheit.

Aber Frauen und insbesondere Mädchen sind doch interessanter, wenn sie nicht völlig nackt sind.“
Das ist doch ein peinliches Argument gegen die Nacktheit, weil billig und entlarvend. Was wollen denn die Mädchen und Frauen, die auf diese Weise auf Männer wirken wollen? Eine schöne Partnerschaft ja wohl nicht.

Sicher weißt du auch, was in den vergangenen Jahrzehnten/Jahrhunderten mit der Tabuisierung der Selbstbefriedigung und dem Erzeugen diesbezüglicher Schuldgefühle den jungen Menschen angetan wurde. Das war schlimmer, VIEL schlimmer, als wenn Eltern ihren Kindern die Verhüllung bestimmter Körperteile beibringen. Deshalb kann ich es absolut nicht verstehen, warum du in dasselbe Horn stößt wie diese alten Schuldgefühleinreder. Du tust das zwar ganz „nebenbei“ in deinem Heft, und das Horn klingt weder schrill noch laut, aber es ist ganz eindeutig dasselbe Horn.“
Deutlicher kann man es ja wohl nicht sagen, dass die Scham, also das Verhüllen von Körperteilen, die Trumpfkarte der Machos schlechthin ist, mit der sie anderen und besonders den Frauen ihren schmutzigen Willen diktieren. Ja, sie sind es, die Angst vor der paradiesischen Nacktheit haben wie der Teufel vor dem Weihwasser und die immer neue Ausreden erfinden, warum Nacktheit nicht gut ist. Zudem: Was soll das: „Sicher weißt du auch...?“ Verzeih, wer so argumentiert, der will dem anderen etwas unterjubeln, was nicht unbedingt einsichtig ist, und der entlarvt sich damit als nicht seriöser Gesprächspartner. Ich weiß hier
anders als Du gar nichts sicher! Im Leben eines jungen Menschen geschieht ja üblicherweise als erstes die Tabuisierung der Nacktheit. Dies ist ein bewusster und gesteuerter Vorgang von Seiten der Erwachsenen in unseren Kulturen oder auch Zivilisationen. Dagegen ist Selbstbefriedigung etwas, was auf der einen Seite gewiss eher tabuisiert wird, und auf der anderen Seite erst später ein Gegenstand des Interesses wird. Gegen das Schlechtmachen von Selbstbefriedigung bin auch ich, doch es ist völlig offen, wie sich junge Menschen verhalten, wenn das Paradieskleid (in entsprechenden Situationen) üblich wäre. Ob dann das Sichzusammennehmenkönnen nicht sogar besonders attraktiv wäre und ein Indiz für gelungene Männlichkeit (oder auch Weiblichkeit)?

Die Enthaltsamkeit vor der Ehe ist doch eine typische katholische Besonderheit, die andere nichtkatholische Menschen nichts angeht.“
Oh nein, das Ideal der Enthaltsamkeit vor der Ehe gibt es im Prinzip in allen Kulturen und Religionen. Allerdings wird dieses Ideal eigentlich immer so dilettantisch (= stümperhaft) vertreten, das sich der Verdacht aufzwingt, dass sie gar nicht wirklich gewollt ist und dass es nur um die Schuldgefühle geht, die beim Übertreten des Enthaltsamkeitsgebots entstehen. Eine Ausnahme war offensichtlich der historische (oder wirkliche) Jesus.

Manches klingt ja sehr gut, doch läuft es im Endeffekt nur auf die Enthaltsamkeit vor der Ehe hinaus mit all ihren Ängsten und Zwängen, die die Kirche vertritt. Letztlich bist du doch noch ein Sklave der Kirche.“
Die Frage stellt sich, wer hier der Sklave der Kirche ist. Die Kirche mag ja nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute noch manchen Unfug erzählen beziehungsweise erzählt haben. Doch deswegen ist oder war ja nicht alles falsch. Ich finde zum Beispiel die Ehemoral der hohen Liebe und Partnerschaft (auch „
hohe Ehemoral“) sehr gut und auch zeitlos-aktuell. Und so wie sie hier propagiert wird, hat sie auch nichts mit Ängsten und Zwängen zu tun. Dagegen sollten sich diejenigen, die mir eine Sklavenmentalität gegenüber der Kirche vorwerfen, einmal selbst fragen, inwieweit sie selbst die Leibfeindlichkeit der unsinnigen Zwänge und Ängste übernommen haben, die die Kirche als Grundlage der Sexualmoral lehrt. Ich denke hier vor allem an die „Schammoral“ – wer ist also der wirkliche Sklave der Kirche, selbst wenn er das nicht wahrhaben will?

Und zudem: Was ist, wenn junge Menschen offensichtlich Freude an der hohen Ehemoral haben, weil sie „etwas nicht zu tun“ nicht als Zwang und Einengung, sondern als Zeichen von Vernunft und Emanzipation empfinden? Es sieht hier so aus, als ob „alte Leute“ etwas von einem eher sexistischen und unsinnig-leibfeindlichen Standpunkt aus in junge Menschen hineininterpretieren.

Das hier vertretene Konzept ist ein Rückschritt.“
Irgendwann werden wir die heutige „freie Moral“ satthaben, weil sie ja doch keine höhere Lebensqualität bedeutet. Ob es dann eine Bekehrungswelle zum Islam gibt mit Verschleierung und Zwangsverheiratung? Sollten wir uns nicht lieber rechtzeitig Gedanken über eine wirklich gute, sinnvolle (Sexual-)Moral machen?

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“: Auch die Sexualität muss man erlernen und möglichst frühzeitig.
Das mag woanders gelten, doch in der Sexualität gewiss nicht. Es gibt beim Menschen zwei Geschehen, die er nicht zu erlernen braucht, das eine ist der Saugreflex nach der Geburt, das andere ist der Orgasmus. Wer beim Orgasmus etwas erlernen will, der zerstört möglicherweise eher etwas, als dass er etwas gewinnt. Wenn nämlich erst einmal Traumata entstanden sind infolge einer sexuellen Enttäuschung, so wird dadurch ein unbefangenes Erleben des Orgasmus – selbst mit einem nicht enttäuschenden liebevollen Partner gewiss nicht leichter. Machen wir uns nichts vor: Viele Menschen „kopulieren“ nur (haben also einen wenig menschlichen Sex), von einer Einheit von Leib und Seele kann nicht die Rede sein.

Dass gerade frau auch ohne Geschlechtsverkehr den Orgasmus testen kann, davon habe ich noch nie etwas gehört.“
Das ist auch nicht verwunderlich! Denn dass eine Frau auch ohne Geschlechtsverkehr den Orgasmus erleben kann, ist das wohl bestgehütetste Geheimnis des Patriarchats (also der „Alten-Herren-Herrschaft“). Es wäre ja noch schöner, wenn gerade die Mädchen nicht mehr beim Zum-Sex-gebraucht-Werden möglichst bereitwillig mitmachten, sondern stattdessen eine Erfüllung im Sex im Sinn hätten und diese Erfüllung von vornherein mit Wissen und Intelligenz anstrebten.

Die Idee, dass ein Mädchen auf die vorgeschlagene Weise vor der Ehe testen sollte, ob es mit dem Auserwählten einen Orgasmus erleben kann, ist sehr weit hergeholt. Wenn zwei sich mögen, geprüft haben, ob sie zusammenpassen, ob sie sich „riechen“ können, was sollte sie daran hindern, NACH dem Vollzug der Ehe Mittel und Wege zu finden, um zum Orgasmus zu kommen? Die Behauptung, dass es quasi der göttlichen Vorsehung unterliege, ob mit einem bestimmten Mann ein Orgasmus für die Frau möglich ist oder eben nicht, ist nicht mehr als das: eine pure Behauptung.“
Aha, „NACH dem Vollzug der Ehe!“ Da hast Du die Katze aus dem Sack gelassen! Also erst mal andere unwissend lassen, damit das mit der Überrumplung klappt, egal was dabei herauskommt. Wenn das nicht typisch negatives Macho-Denken ist! Und diese Einstellung hat etwas mit Habenwollen zu tun, aber nichts mit dem Ziel einer erfüllenden (Dauer-)Beziehung. Natürlich, solche Männer (wie Du) haben etwas dagegen, wenn gerade Mädchen VOR den „vollendeten Tatsachen“ sinnvoll testen (wollen), woran sie bei einem Mann sind und ob er ihnen nun wirklich die Erfüllung bringt. Dieses Heft wurde genau deswegen geschrieben, damit Mädchen und Frauen von Anfang an eine Beziehung durchschauen und sich dadurch enttäuschende Beziehungskisten ersparen können. Verständlich, dass typische Macho-Männer etwas gegen solches früh- und rechtzeitiges Durchschautwerden haben.
Kann man aber nicht auch mal machen, was alle machen?“
Wer zwingt Dich eigentlich, die Leibverachtung und Leibfeindlichkeit der anderen mitzumachen, egal was für Probleme sich aus diesem Mitmachen ergeben? Was ist es denn sonst als Leibverachtung und Leibfeindlichkeit, wenn du den nackten Körper nicht ertragen und schon gar nicht in aller Unschuld genießen kannst – vielleicht schließlich auch mit schönem Hautkontakt? Wie könntest du nicht nur Dich selbst, sondern auch andere positiv motivieren, wenn du hier eine andere Einstellung hättest? Und zudem: Die übliche Verklemmtheitsfetzenmoral und schließlich den Geschlechtsverkehr schafft auch die doofste Blondine, dazu braucht
frau nämlich nun wirklich absolut keinen Geist. Doch zum Spaß an der Nacktheit und dann auch zum erfüllenden Hautkontakt mit einem Mann, bei dem sich ein Mädchen oder eine Frau so richtig fallen lassen kann, dazu gehört allerdings schon eine Portion Menschenkenntnis und Intelligenz, also Geist.
Sie reden so viel von Orgasmus reden – ist der denn so wichtig?“
Durch den Organismus des Menschen werden körpereigene Drogen, also etwa Endorphine, Dopamin, Seratonin gebildet, das heißt, der Mensch setzt sich durch das Erlebnis des Orgasmus sozusagen selbst unter Drogen. Diese Drogen wirken positiv auf Intelligenz und Kreativität des Menschen (besonders auch der Frau), und haben auch eine hervorragende medizinische Wirkung. Der Mensch ist sozusagen sein eigener Medizinlieferant. Es gibt Untersuchungen, dass Frauen mit Orgasmuserlebnissen seltener Krebs haben als Frauen ohne solche Erlebnisse. Nachteile sind jedenfalls nicht bekannt. Wir müssen allerdings bedenken, dass viele Frauen zu ihren Orgasmuserlebnissen erst kommen nach mehr oder weniger vielen traumatischen Erfahrungen mit der Sexualität. Und diese traumatischen Erfahrungen bewirken ja auch Stress und damit Hormonausschüttungen, diesmal allerdings eher negative und also krankheitsfördernde.

Das Konzept ist gegen die sexuelle Selbstbestimmung junger Menschen.“
Wie man es sieht. Bedenken wir doch einmal, wie wir mit Kindern umgehen. Wenn die Spaß an der Nacktheit haben, und gerade kleine Mädchen haben den im Allgemeinen, dann versuchen wir doch auf alle mögliche Weise, ihnen diesen Spaß zu verderben. Dabei handelt es sich doch wirklich um Harmloses. Wo bleibt denn da die sexuelle Selbstbestimmung? Und wenn die Kinder dann älter sind, und sie sich von Handlungen, die ihnen nun wirklich Probleme bringen und gar nicht so harmlos sind, nicht abbringen lassen, dann zucken wir mit den Schultern. Denn angeblich ist das die Natur, gegen die man nichts machen kann – und jetzt reden wir von sexueller Selbstbestimmung. Die Frage ist, wer sie
in dieses Problematische und Nichtharmlose denn hinein getrieben und der damit von sexueller Selbstbestimmung keine Ahnung hat.

Hier wird gerade jungen Menschen und insbesondere Mädchen eine Schuld eingeredet.“
Vordergründig gesehen sieht es tatsächlich so aus, als ob die Mädchen die Schuldigen sind, weil sie die falschen Partner „belohnen“. Doch wer bringt ihnen denn diese ganze verklemmte Scheinmoral bei, so dass sie nicht ihre natürliche Moral entfalten können: Wer hier eine Schuld trägt, das sind doch die Erwachsenen, die es besser wissen könnten und sollten und die die jungen Menschen falsch oder gar nicht informieren und prägen.

Warum sollte man sich denn als Erwachsener überhaupt einmischen, wie die jungen Menschen ihre Partner finden – zu was auch immer?“
Das Problem der Partnersuche ist auch viel zu oft das des Betruges, den es für den ehrlich und gutwillig Suchenden (und gerade für den jungen!) zu durchschauen gilt. Dabei geht es für den Betrüger eher darum, an den Sex, für die Betrügerin eher darum, an die „Geldbörse“ und/oder an die soziale Stellung des Mannes zu gelangen. Es ist nun nicht so, dass man einem nackten Menschen ansieht, ob er ehrlich oder nicht ehrlich ist. Doch wie geht einer mit der Nacktheit um? Wenn ein Mädchen einem Verehrer die anbietet (er müsste so ein Angebot doch eigentlich toll und als besondere Auszeichnung empfinden!), dieser die aber nicht will, aus welchen Gründen auch immer, und stattdessen den Sex will, dann müsste es doch stutzig werden. Auch der Mann kann erkennen, ob sich „in diesem Zustand“ ein Mädchen oder eine Frau bei ihm (pudel-)wohlfühlt. Allerdings: Dies ist nur ein Kennzeichen unter vielen, ob man als Mann und Frau zueinander passt. Es kann sich etwa auch um eine (Ersatz-) Vater-Tochter-Beziehung handeln. Ich kenne zu diesem Punkt zwei Beispiele, ein positives und ein negatives, also eines, wo sich das Mädchen an das hier vorgestellte Konzept gehalten hatte und eines eben nicht. Dieses letztere Mädchen hatte sich gegen das zunächst als sinnvoll erkannte Konzept „bequatschen“ lassen, auch von Mutter und Schwester und von ihrem (freikirchlichen) Pfarrer. Und es ist in beiden Fällen genau das eingetreten, was ich gesagt habe, einmal eine sichtlich glückliche partnerschaftliche Ehe und das andere Mal eine schlimme Enttäuschung. Dass die Gehirnwäsche (vonseiten der Mutter usw.) hier funktionieren konnte, lag gewiss auch daran, dass das „Konzept“ noch nicht ausgereift war. Es war einfach (noch) nicht gut genug. Ich sehe mich hier schuldig, zumindest subjektiv. Auch unter diesem Eindruck habe ich dieses Heft verfasst.

Ohne den Spaß am Geschlechtsverkehr mit der Möglichkeit neuer Partner kommt es doch nur wieder zu der alten Langeweile.“
Oh je, wenn das nicht erst recht langweilig ist, wenn es immer nur um das „Rein-Raus“ geht! Sex dauert allenfalls ein paar Minuten, so eine „stressige Nacht“ mit selbst erzeugten „natürlichen Drogen“ dagegen einige Stunden. Schon von der Dauer her geht es also bei den „natürlichen Drogen“ um ein Mehr – auch an Intensität – und vor allem, wenn dann noch der Orgasmus dazukommt (s. ab S. 17)! Und was lässt sich mit Nacktheit und Hautkontakt nicht alles noch machen, man könnte sich etwa gegenseitig massieren und/oder rasieren. Dabei kann gerade auch
sie etwa feststellen, ob (und wie) er behutsam und vertrauenswürdig ist. Auch muss einmal ganz deutlich gesagt werden: Geschlechtsverkehrbeziehungen ohne Ehe sind nun einmal (immer noch) für viele Menschen unter ihrem Niveau, Frauen und Mädchen etwa wollen einfach keine Samenmelkmaschinen für Männer und Jungen sein, von denen sie dann doch verachtet werden, und Männer keine Zuchthengste für Frauen, die nur ein Kind wollen, mit ungewissem Ausgang. Mit dem Verfahren „Antistresshormon durch Enthaltsamkeit“ tun sich hier jedoch attraktive Möglichkeiten für niveauvolle „nähere Beziehungen ohne Geschlechtsverkehr“ auf! Selbst spontane Verführungen bleiben jetzt ohne jeden negativen Beigeschmack, sie müssen eben nur intelligent sein. Natürlich ist die Bedingung, dass das Konzept mit absoluter Sicherheit durchgehalten wird.

Sie kümmern sich verdächtig viel um junge Mädchen.“
Abgesehen davon, dass gerade die immer nur wie Objekte behandelt werden und man also hier etwas machen muss, halte ich die These des spanischen Philosophen Ortega y Gasset (s. Rückendeckel) absolut stimmig. Das heißt also: Wonach sich die Mädchen ihre Partner aussuchen, prägen sie entscheidend die Männer und damit beeinflussen sie indirekt das, was und wie die Männer sind und tun. Also sind doch die Mädchen genau die richtigen Ansprechpartner, wenn man etwas in unserer Welt verändern will! Es ist doch interessant, wie wenig Religionen und sonstige Weltanschauungen hier eine Aufgabe sehen! Ja, wie weltfremd sind die eigentlich alle?

Wir haben doch hier so ein Problem wie mit einer `selbst erfüllenden Prophezeiung´ vor uns. Etwas wird nur deswegen als schlecht empfunden, weil man es schlechtredet. Würde man den Geschlechtsverkehr zur Probe nicht schlechtreden, würde er auch nicht als schlecht empfunden werden.“
Ich kenne genügend Menschen, denen wurde mit Sicherheit gar nichts schlechtgeredet – und sie litten und leiden dennoch darunter.

Alle sagen es doch, dass auch enttäuschender erster Sex kein Problem ist.
Wer gibt schon gerne zu, dass er sich – zumal auch oft entgegen Warnungen – in etwas hinein geritten hatte, was dann doch nicht so toll war und was er sich lieber erspart hätte? Auch hier passt das Märchen von „Des Kaisers neue Kleider“: Nur nicht ehrlich sagen, dass man selbst etwas ganz anders erfahren hat!

Irgendwo ist das doch dasselbe, ob „intim“ oder „außen vor“.
Ich sehe sehr wohl einen gewaltigen Unterschied. Jedenfalls gibt es beim „Intimsein ohne Ehe“ eher Parallelen zur Prostitution. Dagegen kann ein Mann doch eher ein Bemühen um hohe Moral und Ernsthaftigkeit unterstellen, eine sehr wichtige Bedingung für eine Ehe, wenn ein Mädchen ganz grundsätzlich auf „außen-vor“ besteht (also nicht mal so und mal so, wie es jeweils passt).

Meine Frau und ich hatten auch Sex vor der Ehe – und uns hat das doch nicht geschadet!“
Ich beziehe mich auf die Fälle auf den Seiten 5 und 6. Dort ist von einigen die Rede, denen es jedoch offensichtlich sehr geschadet hat. Es ist wohl so ähnlich wie mit den Sicherheitsgurten beim Autofahren. Klar, wer noch nie einen Unfall gebaut hat, dem hat es auch nicht geschadet, wenn er noch nie einen Sicherheitsgurt umgelegt hat. Doch anderen hatte es schon geschadet – und allen hätte es nichts geschadet, wenn sie immer einen Gurt umgelegt hätten. Und so ist das mit dem Kein-Intimverkehr-vor-der-Ehe auch eine schöne Sicherheitssache. Außerdem ist harmonischer Hautkontakt etwas Wunderbares – und ohne Inanspruchnahme von Produkten der Pharma- oder Gummiindustrie, also ohne Pille und Kondome. Und gerade Mütter (aber auch Väter) könnten ihren Kindern später einmal weitergeben, wie es vor der Ehe auch geht, ohne dass es zu solchen Geschichten wie auf den Seiten 5 und 6 kommt oder kommen könnte. Denn sie müssen ja auch immer damit rechnen, dass das bei ihren Kindern nicht so harmonisch ausgeht wie bei ihnen selbst. Auch können sie „davon“, wie sie es gemacht haben, begeistert erzählen – dagegen habe ich von den Intimverfahren jedenfalls noch nie begeisterte Berichte gehört. Die verschweigt vor allem frau lieber, auch und gerade gegenüber ihren Kindern. So ganz wunderbar scheinen die wohl nicht gewesen zu sein. Wie schön ist es doch, sich so zu verhalten, dass man immer die Wahrheit sagen kann!

Aber kann ein Mädchen (oder eine Frau) bei diesem umfassenden Hautkontakt nicht leicht vergewaltigt werden?“
Zunächst einmal: Untersuchungen haben ergeben, dass kesse und muntere Mädchen eher nicht vergewaltigt werden im Gegensatz zu zurückhaltenden und braven Mädchen. Kesse und muntere Mädchen haben offenbar eine besondere Aura um sich, so dass sich die „entsprechenden Typen“ gar nicht an die herantrauen. Und ganz allgemein zum Geschlechtsverkehr: Dazu kann ich nur sagen, dass alle Mädchen und Frauen, die mir „davon“ berichtet hatten, es auch ausdrücklich gewollt oder zumindest zugelassen hatten, wenn auch in wenigen Fällen mit vorheriger Überredung. Jedenfalls war nie vorher ausdrücklich ein bloßer Hautkontakt vereinbart worden, aus dem dann „unversehens“ „mehr“ wurde. Im Übrigen: Die Natur hat wohl nicht umsonst die Scheide zwischen den Beinen der Frau platziert, also zwischen ihren stärksten Muskeln, damit hier nichts gegen ihren ausdrücklichen Willen passieren kann. Außerdem ist beim Paradieskostüm ja auch von Vorteil, dass der weibliche Partner „das Männliche des Mannes“ sehr gut vor sich hat, wenn „er“ also zudringlich wird, dann kann „sie“ „ihm“ immer noch drauf hauen, „es“ anfassen und ihn zur Entspannung bringen oder „es“ umknicken. In jedem Fall hat „sie“ dann erst einmal Ruhe und kann sich aus dem Staube machen – und weiß, was sie von ihm zu halten hat.

Sie kümmern mich viel zu sehr um dieses „Erster-Sex-Thema“, wäre nicht viel wichtiger, wie man zusammenlebt, damit eine Partnerschaft gelingt?“
Erstens bin ich Junggeselle und als solcher wohl kaum kompetent für Fragen des Zusammenlebens. Und zweitens: Wenn sich gerade ein Mädchen einen Liebespartner ausgesucht hat, dann sieht es bei dem sowieso alles mit einer rosaroten Brille, also wie es es sehen will, es wird also alle seine bisherigen Vorstellungen über den Haufen werfen. Deshalb schenke ich mir irgendwelche „Ratschläge“ über das Zusammenleben und gehe nur auf das Problem „Liebespartner“ ein.

Es ist so: auf der einen Seite kritisierst du die Verklemmtheit, die Kindern eingeimpft wird, indem ihnen implizit oder explizit mitgeteilt wird, Nacktheit sei etwas Ekelhaftes und Unmoralisches. Auf der anderen Seite errichtest du ein neues "No-Go-Area" mit der Forderung, dass Geschlechtsteile nicht angefasst werden dürfen, weder die von anderen Menschen, noch die eigenen. "Unästhetisch und primitiv" sei die Selbstbefriedigung, schreibst du auf Seite 16. Das klingt zwar nicht so schlimm wie "ekelhaft", aber es kommt aufs selbe hinaus.
Es ist doch nun wirklich etwas völlig anderes, ob man in eine Sauna geht und dort andere Menschen nackt sieht und man auch von ihnen nackt gesehen wird, oder ob man diese Menschen gerade auch noch an den Geschlechtsteilen anfasst oder von ihnen dort angefasst wird. Du hast merkwürdige Moralvorstellungen, dass Du hier alles in einen Topf wirfst und keinen Unterschied siehst.

Nacktheit (also auch das Paradieskleid!) ist dekadent (lat. `Verfall´ ).“
Nacktheit hat doch etwas mit Natürlichkeit zu tun – und die ist ja wohl wirklich nicht dekadent! Ist es nicht viel mehr dekadent, wenn den jungen Menschen gegenüber etwas als zerstörerisch und gefährlich eingestuft wird und die dann davor eine Angst haben, während das wirklich Problematische entweder als belanglos hingestellt oder überhaupt verschwiegen wird? Merke: Auch dekadente Gesellschaften haben eine Sexualmoral, nur bezieht sich deren Moral bisweilen eher auf Belangloses und/oder Unproblematisches und manchmal sogar auf im Grunde Lächerliches. Dagegen vernachlässigen sie das Wesentliche.

Der Sittenverfall kommt doch bloß davon, dass die Mädchen und Frauen sich nicht züchtig genug kleiden. Wie sollen die Männer da brav sein?“
Mit einer nicht genug züchtigen Kleidung hat das doch wohl nichts zu tun, wenn das doch die Mädchen sind, die ihre Jungfernschaft satt haben und sich Männer suchen, die sie davon „befreien“?

Ich bin Bewährungshelfer bei Sexualstraftätern. Ich finde in diesem Konzept einige Parallelen zu den Ansichten dieser Sexualstraftäter.“
Sie müssen gewiss nicht
lange suchen, da werden sie auch genügend Parallelen zwischen Adolf Hitler und Albert Schweitzer finden – es kommt eben wohl viel eher auf die Unterschiede an! Und zudem: Vielleicht haben Ihre Sexualstraftäter manchmal gar nicht so unrecht, vielleicht sind sie lediglich Opfer der Dekadenz bei uns, vielleicht sind sie also eigentlich durchaus gesund, kommen jedoch mit der Scheinmoral bei uns nicht klar?

Durch die hier propagierte Offenheit gerade auch zwischen Vater und Tochter besteht die Gefahr inzestuöser Beziehungen.“
Diese Sorge ist unbegründet, wenn die „Beziehung“ nur natürlich-normal abläuft. Denn durch eine vertrauensvolle Offenheit und Nähe, wie sie für Vater und Tochter von frühester Kindheit an typisch ist oder sein sollte, entsteht ein sogenanntes Inzesttabu, und zwar lebenslang. Wenn es diese Offenheit von Kindern gegenüber anderen, etwa Freunden und Verwandten der Familie gibt, dann wirkt das Inzesttabu auch bei denen.

Hier wird ein überholter Reinheitswahn vertreten.“
Wer hat ein Interesse daran, dass es nicht zu der hier propagierten Ethik insbesondere auch junger Menschen kommt? Wem nützt diese Miesmacherei? Sind das wirklich Gutwillige – oder?

Es ist doch eigentlich inhuman, eine solche Werbung für die Jungfräulichkeit zu machen, die viele nicht mehr haben. Verstößt das nicht gegen den Gleichheitsgrundsatz?“
Auch auf der Autobahn wird das Paradies erreicht sein, wenn keiner mehr liegen bleibt, weil alle bereits stehen. Also: Wenn wir immer nur den Gleichheitsgrundsatz im Kopf haben, uns also nach denen richten, die etwas nicht können oder die eine bestimmte Eigenschaft nicht (mehr) haben, aus welchen Gründen auch immer, wird es nie einen Fortschritt geben.

Aber wenn das doch alle machen, etwa mit dem vorehelichen Sex, das kann doch dann wohl nicht falsch sein?“
Das ist ein typischer „naturalistischer Fehlschluss“ und schon gar kein Beweis! Waren nicht einmal
alle für den Hexenwahn oder für die „Entjudung“ der Gesellschaft? Und selbst wenn alle dafür waren, es war trotzdem falsch. Überhaupt: Wenn eine kaputte Moral erst einmal in Mode ist, selbst wenn sie der größte Unfug ist, wie soll sich die denn ändern? Wer würde sich trauen, sich für eine Änderung einzusetzen? Und noch einmal das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Wenn sich erst einmal alle etwas vormachen, dann wagt doch keiner mehr, das zu sagen, was wirklich ist. Bis auf ein Kind eben – fragen wir also einmal die Kinder! (Oder einen „ver-rückten“ alten Religionslehrer!)

Na und selbst wenn es für ein Fehler war, wenn ein Mädchen den ersten Sex mit dem Falschen hatte – was soll´s? Was bedeutet schon ein einziger Fehler, wenn der Mensch sonst in Ordnung ist?“
Einerseits stimme ich dem zu, doch andererseits begeht ja niemand diesen
einen Fehler einfach so. Man muss nur genauer hinsehen: Dieser Fehler ist doch ein Indiz, dass da etwas nicht stimmte, da waren mit Sicherheit Leibfeindlichkeit, Blindheit gegenüber wirklichen Gefahren, fehlender Spaß an echter Moral. Was wäre also, wenn das Ziel einer Erziehung wäre, ohne Krampf nur genau diesen einen Fehler zu vermeiden? (Das ist ja das Anliegen dieses Konzepts!)

Neuere Forschungen haben ergeben, dass auch Frauen die Abwechslung im Bett lieben (s. das Buch von Daniel Berger „What Do Women Want“).“
Das Problem ist nicht die Abwechslung im Bett, sondern der Orgasmus. Wenn Frauen den bei einem Partner nicht haben, dann träumen sie eben von einem anderen, was sie heute oft auch in die Tat umsetzen. Hätten sie einen Partner, bei dem sie ihren Orgasmus erleben und der auch sonst ein guter Partner ist, hätten sie kein Interesse an weiteren Männern.

Wenn ich mir etwa entsprechende Filme ansehe, dann nehmen die jungen Leute das mit ihren sexuellen Abenteuern doch alles sehr locker.“
Na, wer macht denn diese Filme? Da steckt doch eine bestimmte Absicht dahinter – Probleme dürfen da natürlich nicht gezeigt werden, wenigstens nicht so, dass die jungen Menschen von ihren Abenteuern abgehalten werden. Wie nennt man doch eine solche einseitige Darstellung? Manipulation!

Wo bleibt denn hier die Freiheit gerade auch junger Menschen?“
Bedenken wir einmal, dass das Rechtsfahrgebot auf unseren Straßen ja auch eigentlich ein Zwang und damit gegen die Freiheit des Menschen ist. Doch die damit verbundene „Unfreiheit“ hat den großartigen Vorteil, dass man sich darauf verlassen kann, dass andere auch so fahren und daher ein flotter Straßenverkehr und sogar sehr schnelles Fahren möglich ist. Und genauso ist es doch mit einer hohen und prinzipientreuen Sexualmoral. Allerdings muss diese Moral auch wirklich verinnerlicht sein. Stellen wir uns einmal vor, wie toll das wäre, wenn wir uns hier wirklich auf unsere Mitmenschen verlassen könnten! Wenn ich allein an Klassenfahrten denke, wie die oft ein ziemlicher Krampf sind, um Jungen und Mädchen in der Nacht auseinander zu halten. Oder auch an Internate. Da wäre doch alles mit der Pädagogik einer hohen Moral viel einfacher, weil die jungen Menschen von alleine wissen, wie sich sich zu verhalten haben. Nicht zuletzt wäre eine Information junger Menschen mit dem Ziel einer hohen Moral auch der beste Schutz für Pädagogen wie Priester und Lehrer. Die jungen Menschen würden denen dann schon auf die Finger hauen, wenn die von ihnen etwas wollten.

Alles schön und gut, was Sie sagen. Doch ich halte es für vernünftig, auch wie andere erst einmal mit einem Mann zur Probe zusammenzuleben.“
Dagegen ist gewiss nichts einzuwenden. Doch sollte der Grundsatz gelten: Keine Intimitäten, Intimitäten gehören in die Ehe! Es gibt Gesellschaften, in denen be-deutet Geschlechtsverkehr ohne Ehe Prostitution, und auch wir in unserer Gesellschaft sind längst nicht frei von solchen Einstellungen. Du musst nur einmal genauer hinhören, was so geredet wird. Es ist eben doch ein Unterschied zwischen dem Eindringen und dem Reinlassen, das Eindringen spielt sich außerhalb des Körpers ab, das Reinlassen aber im Körper. Und wenn frau kein Geld dafür nimmt, dann kann das ja auch ein Zeichen von noch größerer Dummheit sein, dass sie es gratis „macht“. Du solltest auch bedenken: Was für einen Mann willst du einmal für die Ehe? Könnte es einer mit einem Niveau sein, von dem her es ihm nicht gleichgültig ist, was Du für eine Vergangenheit hattest?

Wenn Mädchen über ein gewisses Alter hinaus, etwa Anfang zwanzig, immer noch Jungfrauen sind, dann werden sie doch zickig und ungenießbar-eingebildet und oft auch regelrecht bekloppt.“
Da scheint bisweilen etwas dran zu sein. Doch liegt diese
Beklopptheit gewiss weniger daran, dass sie noch Jungfrauen sind, sondern wie sie es sind. Es gilt ja: „Wir sind nicht moralisch, weil wir so stark sind, sondern weil bisher die Versuchungen einfach nur zu schwach waren.“ So meinen diese Jungfrauen, dass ihre Moral eine wirkliche Moral ist, dabei ist es ja nur eine Scham- oder Scheinmoral. Denn Sache ist doch, dass bei ihnen der „Richtige“, der diese ihre Moral überwinden (oder auch brechen) konnte, einfach noch nicht gekommen ist. Ihre Moral ist also keine grundsätzliche Einstellung, sondern eher nur eine Badehosen- oder Bikinimoral und daher ziemlich vordergründig und irgendwie auch lächerlich. Dagegen sieht alles ganz anders aus, wenn Jungfrauen die Moral des Paradieses vertreten und praktizieren und andere, insbesondere natürlich Jungen und Männer, davon zu begeistern versuchen. Solche Mädchen/Frauen wirken keinesfalls eingebildet und bekloppt, sondern seriös und mutig.

Doch auch manche Kirchen sind von der sturen Einstellung abgerückt, dass es Sex nur in der Ehe geben dürfte. Denn gerade bei dieser sturen Einstellung gab und gibt es ja viel Heuchelei und auch ausgesprochenes Leid. Wichtig ist doch, schon den jungen Menschen beizubringen, dass es unterschiedliche Lebensentwürfe gibt und die Menschen mit anderen Lebensentwürfen ernst zu nehmen und zu achten.“
Ich wurde auf eine Arbeit von Kurt Hutten Die sexuelle Revolution oder bloße Sittenverderbnis“ von 1966 (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen) hingewiesen.

Die Einstellung, die hinter dem Verzicht auf die Moral der hohen Liebe steckt, klingt sehr nach der Quintessenz aus der Äsopschen Fabel vom Fuchs und den Trauben. Zur Erinnerung: In dieser Fabel zeigt sich ein Fuchs verächtlich über die Trauben, die für ihn zu hoch hängen und die er daher nicht erreichen kann: „Sie sind mir zu unreif und zu sauer und ich mag keine sauren Trauben.“ Die Fabel karikiert den unehrlichen Umgang mit einer Niederlage: Um sich nicht eingestehen zu müssen, dass er die Trauben nicht erreichen kann, behauptet der Fuchs, sie gar nicht erreichen zu wollen. Genauso ist die Einstellung des Autors Kurt H. zur Moral der hohen Liebe, statt sich um die zu sorgen, sagt er, dass sie sowieso nicht gewollt ist, weil sie eh nur Heuchelei ist.

Ich habe eigentlich nur etwas gegen diesen Machismo, wenn sich irgendwelche Männer an anderen nackten Menschen und insbesondere an Kindern satt glotzen.“
Tu doch nicht so, als ob Frauen und Mädchen und auch Kinder nicht auch gerne glotzen! Und sei doch mal milde! Ist es nicht völlig natürlich, wenn Menschen erst einmal sehen und hören? Empfinde dieses „Glotzen“ doch einmal als völlig normal und als notwendig für den „Sich-satt-sehen-Stau-Abbau“ und als natürliches Durchgangsstadium für das Normalwerden in einer verklemmten und dennoch keinesfalls sonderlich moralischen Gesellschaft! Was du da für Machismo hältst, ist doch lächerlich – der wahre Machismo ist vielmehr, wenn junge Menschen und insbesondere Mädchen unwissend bleiben, was wirkliche Moral ist. Wir haben uns hier an einen wirklich unheilvollen Machismo leider total gewöhnt.

Es entspricht doch der Natürlichkeit und der Lebendigkeit junger Menschen, dass sie irgendwann auch den Sex wollen.“
Wenn der Sex der Natürlichkeit und der Lebendigkeit junger Menschen wirklich entspräche, dann hätten sich nicht nur keine Probleme, sondern sogar ausdrücklichen Spaß mit dem Paradieskostüm. Doch genau diesen Spaß haben sie eben nicht. Das ist wohl ein sicheres Indiz, dass die heutige Sexualpädagogik, die ja den Sex und nicht die Nacktheit als natürlich und normal ansieht, ein einziger pseudowissenschaftlicher Krampf ist.

Sie meinen also, als katholischer Religionslehrer alles besser zu wissen als etwa die Sexualpädagogen.“
Die übliche heutige Sexualpädagogik basiert doch auf einem „naturalistischen Fehlschluss“ (s. S. 48 m) und steht also im Widerspruch zu einer wirklich akzeptablen Wissenschaft. Bei der Sexualpädagogik geht es ja vor allem darum, dass vorehelicher Sex normal und gesund ist und wie die jungen Menschen ihre Ängste davor verlieren. Sie werden hier auch von vornherein als unberechenbar-triebhaft und unfähig für eine sinnvolle Menschenkenntnis eingeschätzt, sich von Anfang an einen für sie passenden Partner aussuchen zu können.
Enthaltsamkeit und Freude an paradiesischer Bekleidung interessieren überhaupt nicht. Natürlich nehme ich Anregungen von dieser „Wissenschaft“ auf, doch ist sie für mich nun einmal von den Grundbedingungen her keine seriöse Wissenschaft.

Sie reden davon, dass das Sichvertun bei der Wahl besonders des ersten Liebespartners Traumata nach sich zieht. Doch davon merkt man im normalen Alltag nichts oder fast nichts.“
Hierzu Erfahrungen aus anderen Bereichen: Wenn alle Frauen in Kriegen Söhne und Männer verlieren oder wenn in einem Krieg alle Frauen und Mädchen vergewaltigt werden oder wenn alle Einwohner Angst vor Bombenterror haben, dann gibt es eine Art Kollektivtrosteffekt, man kommt also leichter darüber hinweg, als wenn man alleine trauert und leidet. Und so ist das auch bei den Liebestraumata. Doch gut ist das alles deswegen längst nicht. Besonders schlimm dabei ist, dass in den Wissenschaften Pädagogik, Soziologie, Psychologie und auch Theologie dieses Sichvertun zum Normalfall erklärt und dann auch noch gefördert wird, um diesen Kollektivtrosteffekt zur besonderen Kulturwirklichkeit zu machen.

So sehr sich auch heterosexuelle Traditionalisten danach sehnen: Die nie wirklich existente heile Hetero-Welt ist verloren. Sie kommt nie mehr zurück.“
So in dem Beitrag „Freiheit in der Erscheinung – Von wegen Subkultur: Ohne Homosexualität wäre unser Leben hässlich und karg“ in der Zeitung „Die Welt“ vom 15. 02. 2014. Der Autor, Ulf Poschardt, bezeichnet das Heterosexuelle als das Unemanzipierte, Langweilige, Unkulturelle: „Nur weil es eine schwule Hochkultur gibt, ist das Leben als Hetero überhaupt aushaltbar. Da gibt es nichts zu trennen. Die Kultur lebt von ihrer unzüchtigen Promiskuität. Inspiration folgt keinem Katechismus. Glücklicherweise.“
Lieber Herr Poschardt, kann ich da nur sagen, Sie reden von der Fäulnis oder auch von der Unreife von „Äpfeln“ und stellen das alles einem (vermutlich nie erreichbaren) Ideal von von der Gesundheit von „Birnen“ gegenüber. So geht’s aber nun wirklich nicht! Bitteschön: Wo gibt es denn eine vernünftige allgemeine heterosexuelle Erziehung? Wo gibt es eine Erziehung der jungen Menschen, und ich denke hier besonders an Mädchen, im Hinblick auf das spätere Erleben einer einzigen lebenslangen großen Liebe und auf das Erlebens des Orgasmus? Wo gibt es eine Erziehung zu einer bewussten hohen Sexualethik? Wo gibt es eine realistische und tragfähige Information, wie sie für sie sinnvolle Männer von nicht für sie sinnvollen unterscheiden können? Wo gibt es Anregungen, wie sie ihre männlichen Kameraden in ihrer Entwicklung positiv beeinflussen können? Wo gibt es eine Erziehung zum Stolz auf ihren Körper, also auch zu bewusster Nacktheit? Stattdessen geht es heute vor allem um eine Information über Verhütungspillen und Kondome und um eine Ermunterung, nicht leibfeindlich zu sein (und darunter wird dann eigentlich immer nur der Geschlechtsverkehr verstanden), und diese „Mittel“ auch zu verwenden. Wo ist dabei bitteschön irgendetwas Kulturvolles?

Fangen wir doch erst einmal damit an, hier etwas richtig oder zumindest richtiger zu machen – und dann sehen wir weiter, ob nicht doch eine schöne und kulturvolle Heterosexualität möglich ist und was dann von der Homosexualität noch übrig bleibt!

Du sagst, etwas versteckt zwar und implizit, aber doch unmissverständlich, dass Homosexualität eine "Perversion" sei, die bei einem angemessenen Umgang mit Nacktheit und Sexualität verschwinden würde (s. vorigen Kritikpunkt). Damit positionierst du dich gegen das, was heute als gesichertes Wissen gilt. Es wäre also dringend nötig, für diese Behauptung Belege zu liefern: nämlich Untersuchungen anerkannter Ethnologen darüber, dass Homosexualität bei Naturvölkern nicht auftritt, und eine Begründung dafür, warum Homosexualität bei höheren Säugetieren vorkommt (und dort also „natürlich“ ist), beim Menschen jedoch nur durch Entfremdung von der Natur entsteht (also „unnatürlich“, „pervers“ ist).“
Was heißt denn hier „gesichertes Wissen“? Wer ist „anerkannter Ethnologe“, der sich überhaupt auf eine solche Diskussion einlässt? Jedenfalls klingt Deine Kritik danach, als ob Du mir etwas unterjubeln willst. In allen Gesellschaften gibt es doch auch immer Herrschaftsstrukturen, so dass es gerade hier keine wirklich freien Entscheidungen einzelner gibt.Im antiken Griechenland waren 99 % der Männer homosexuell und die Gene der damaligen Männer waren gewiss nicht anders als die der heutigen Männer. Das heißt also, dass die damalige Homosexualität nicht genetisch, sondern weitestgehend kulturell bedingt war. Ich bezweifle auch, ob die Homosexualität bei Tieren, auch bei solchen in der freien Wildbahn, als etwas Natürliches angesehen werden kann. Die „reine Natur“ gibt es gewiss nirgendwo, auch in der Tierwelt gibt es Herrschaftsstrukturen. Ich bezweifle sogar, ob es die „reine Natur“ bei Tieren gibt, die Einzelgänger sind. Da steht also wohl immer Theorie gegen Theorie oder Glaube gegen Glaube.
Du stützt dich, wo es um die entscheidenden Ideen deines Konzepts geht, im wesentlichen auf eigene Erfahrungen und auf das, was andere dir berichtet haben, sowie gelegentlich auf die Artikel einer einzigen Tageszeitung. Das erscheint mir als eine allzu schmale Quellenbasis.“
Das ist es ja, ganz offensichtlich schreiben die Verfasser der üblichen Quellen immer nur voneinander ab, jedenfalls widerspricht das, was ich etwa im Laufe meiner über dreißigjährigen Tätigkeit als Berufsschulreligionslehrer so mitbekommen habe, der üblichen Quellenbasis. Wo bitte finde ich in den
üblichen Quellen einen Hinweis, dass die Adam-und-Eva-Erzählung eine Geschichte gegen die Fruchtbarkeitskulte ist, wo finde ich eine Untersuchung, ob die Angst vor der Nacktheit für eine hohe Moral tatsächlich förderlich ist, wo finde ich etwas über den zentralnervös ausgelösten Orgasmus ohne Geschlechtsverkehr? Ich habe nichts gefunden oder erst nach langem Suchen und dann nur zufällig. Daher habe ich die übliche Quellenbasis zwar zur Kenntnis genommen, bin jedoch eigene Wege gegangen, wo sie mir sinnvoll erschienen. Und zur „einzigen Tageszeitung“: Was ich aus der entnommen habe, ist im Grunde Allgemeinwissen und übers Internet auch in anderen Veröffentlichungen überprüfbar.

Wenn Du in unserer Gesellschaft etwas ändern willst, dann gibt es doch nun wirklich wichtigere Gebiete als die Probleme kleiner Mädchen. Ich denke an die Arbeitslosigkeit gerade auch junger Menschen, an die Gewaltdarstellungen im Fernsehen, an die allgegenwärtige Pornografie.

Ich stimme Dir gewiss zu. Doch geht es, wenn man etwas verändern will, vor allem auch darum, was für einen selbst überhaupt machbar ist. Was helfen einem die tollsten Ideen, wenn man sie nicht in die Praxis umsetzen kann? Doch wir können uns das Böse auch als ein „Rad des Bösen“ vorstellen. Und um etwas zu ändern, muss man Sand ins Getriebe oder in die Speichen werfen. Vieles kann man hier einfach nicht, doch manches kann man. Ich verweise auf die Gespräche auf Seite 6: Da hätte man doch etwas machen können! - und das hätte durchaus die Chance, einen Erdrutscheffekt auszulösen., nicht zuletzt weil es ja auch eine Befreiung bedeutet und den Beteiligten Spaß macht...

Bitteschön, wo ist denn Ihre Systematik, wo ist Ihre Methodik?“
Dazu erst einmal ein Vergleich mit Mikrostrukturen in der Physik: Um etwa im atomaren Bereich etwas zu erkennen, sind nicht nur die Lichtstrahlen, sondern auch die Elektronenstrahlen viel zu grob und viel zu mächtig: Mit denen würde man das, was man erkennen will, entweder gar nicht erkennen oder gar zerstören. Man hätte als nach der Untersuchung etwas anderes vor sich als ohne diese Untersuchung. Hier braucht es andere Methoden, eher indirekte. Und so ist es auch bei unserem Thema, wo es um Seelisches geht! Typische Fragebögen etwa sind viel zu grob und zerstören gar das, was man erkennen will. Also eher indirekte „Untersuchungen“ – so wie hier!s
Zwar wäre eine Darstellung in der Form dieses Heftes völlig ausreichend, wenn es nur darum ginge, Anregungen zum Nachdenken und zum Vergleich mit eigenen Erfahrungen zu geben … Aber es steckt ja nun durchaus noch mehr in deinem Heft, nämlich Aussagen, die Anspruch auf allgemeine Gültigkeit erheben.“
Eigentlich ging es mir zunächst auch nicht um mehr, als Anregungen zum Nachdenken usw. zu geben. Doch leider wurden mir dann als Kritik einige
populäre Irrtümer vorgehalten, die ich einfach richtig stellen musste. Auch erlebte ich sehr oft ausgesprochene Unsachlichkeit. Also sah ich mich gezwungen, die Thematik ganz grundsätzlich aufzurollen. Ob hier nun alles richtig ist, weiß ich nicht, doch eines ist klar: Etwas Richtiges und Stimmiges lässt sich immer kürzer und knapper darstellen als etwas Nichtstimmiges und Nichtrichtiges.
Das Konzept ist zu vernunftlastig, Entscheidungen werden oft sinnvoller und besser aus dem Bauchgefühl heraus getroffen.“
In persönlichen Fragen liegen Menschen mit diesem Bauchgefühl allerdings erfahrungsgemäß oft sehr daneben. Das ist es ja, durch die Nacktheit wird das Bauchgefühl ganz wesentlich sinnvoller und zuverlässiger, weil eine Verkleidung wegfällt. Offenheit und Ehrlichkeit machen klarer, wer einer wirklich ist.
Die Kleidung hat doch auch eine gewisse Moralfunktion!“
Viel eher hat sie wohl eine Fetischfunktion. Ohne den Fetisch verging jedenfalls den Ratten in dem Versuch (s. S. 27) die Lust auf Sex. Das könnte also die These bestätigen, dass ohne „Kleidungsfetische“ menschliches Bauchgefühl und menschliche Sexualität stimmiger harmonisieren und es gar nicht dazu kommt, dass „die Liebe ein unordentliches Gefühl“ wird.

2. Das Problem der perfekten Theorie, warum etwas passiert oder auch nicht passiert.

Es ist doch ganz klar, warum gerade die Mädchen mit dem Sex anfangen. Sie wollen doch von den anderen anerkannt werden.“
Dazu zunächst einmal, „ganz klar“ ist so schnell nie etwas. Das mit dem
Grund des Wunsches nach Anerkennung ist nur eine Theorie von vielen. Zum Vergleich: Es gibt um die 200 Theorien, warum das alte Rom untergegangen ist. Eine ist etwa die Dekadenz der Sitten im alten Rom, eine andere ist, weil Ägypten verloren gegangen war. Denn aus Ägypten kam das Papier, das sozusagen der Lebensnerv des römischen Beamtenstaats war. Und weil es kein Papier mehr gab, gab es auch keinen Lebensnerv mehr. Über die Schlüssigkeit einer Theorie kann man nun streiten. Jedenfalls gibt es selbst für die plausibelste Theorie auch immer genügend Für und Wider ... So auch bei der Theorie von den Mädchen, die mit dem Sex anfangen, weil sie Anerkennung suchen. Während die Theorien über der Untergang des alten Roms sich auf etwas beziehen, was in der Vergangenheit liegt und was uns also relativ gleichgültig sein kann, geht es bei den Theorien über die Mädchen um etwas, was immer wieder passiert und was uns also auch heute etwas angeht. Eine Auseinandersetzung hier ist also wichtig und lohnend. Es mag ja nun Mädchen geben, die wegen der Anerkennung „anfangen“. Doch ich kenne jedenfalls einige Mädchen, die sahen „damals“ nicht nur extrem gut aus, die waren auch hochintelligent und angesehen bei ihren Kameraden. Die hatten wirklich keine Anerkennung nötig – und sie haben dennoch mit dem Sex angefangen! Also ist das mit dem Grund der „Anerkennung“ wohl nichts. Gehen wir doch einmal andere „Theorien“ durch!
Fangen wir bei einer Theorie aus dem Buddhismus an!

Eine alte Theorie, warum
frau mit anderen Männern als nur mit ihrem eigenen Mann Sex hat (wenn die Gelegenheit da ist), ist eine aus dem ursprünglichen Buddhismus. In der Lehrgeschichte „Jataka 62“ vertritt ein Hofpriester die Theorie, dass eine Frau, die in ihrem Leben auch nur einen einzigen Mann außer ihrem Ehemann gesehen hat, nicht einem Mann allein treu sein kann. Dazu gibt es eine Wette zwischen dem Hofpriester und einem König über die Veranlagung der Frau zur Treue, die der Hofpriester auch noch bravourös verliert. Dass der Grund der Unfähigkeit der Frauen zur Treue möglicherweise eine falsche Theorie und dann auch noch die sich daraus ergebende abstruse Erziehung der Mädchen sein kann, auf die Idee kommt der Hofpriester gar nicht. Doch wir heute sollten nicht überheblich sein: Was wird bei uns heute nicht alles über die Veranlagung der Frauen in dieser Richtung kritiklos als wahr und richtig anerkannt und nicht hinterfragt? Und es ist am Ende auch hier doch nur das Resultat einer verquerten Theorie mit der entsprechenden verquerten Erziehung. Daher jetzt wieder zu uns und zu unserer Zeit! Auch hier gibt es entweder ganz allgemein oder auch individuell Theorien zu dieser Thematik, die entweder gar nicht oder nur ganz oberflächlich hinterfragt werden. Denn wer hier eine bestimmte Theorie hat, der meint ja, sowieso alles besser zu wissen.
Das Problem ist das des guten Beispiels. Wer also als Kind keine gute Familie erlebt hat, dem kann auch später selbst kaum oder nicht eine eigene gute Familie gelingen.“
Diese Begründung ist nicht unbedingt logisch und wissenschaftlich ist sie schon gar nicht. Der Zusammenhang kann auch ein ganz anderer sein, nämlich dass gerade derjenige für eine besonders gute Familie offen ist, der sie selbst als Kind nie erlebt hatte und der also auf keinen Fall etwas falsch machen will. Nehmen wir also einmal an, dass sich jeder Mensch von Natur aus nach einer schönen leibseelischen Gemeinschaft mit einem Menschen des anderen Geschlechts sehnt und dass er auch das Zeug dazu hätte, dass diese Gemeinschaft gelingt. Auch wären in dieser Gemeinschaft eigene Kinder durchaus erwünscht. Doch jetzt passiert Folgendes: Statt einer sinnvollen Moral für den Umgang mit dem anderen Geschlecht (oder auch sinnvollen Spielregeln) wird dem jungen Menschen gar keine (Sexual-)Moral oder nur die Scheinmoral der Scham beigebracht, die er natürlich auch nicht kritisch hinterfragt. Und so vertut er sich und es kommt es zu den typischen
Beziehungskisten, die dann irgendwann auf eine nicht so ideale Partnerschaft hinauslaufen, die eigentlich möglich wäre. Wer nun diese Zusammenhänge nicht sieht, der sieht sich in der Auffassung bestätigt, dass denjenigen, die selbst keine gute Familie hatten, auch selbst keine gute Familie gelingen können – doch in Wirklichkeit ist alles ganz anders.

Aber ist das gute Elternhaus denn nicht die Grundvoraussetzung für gelingende Beziehungen der Kinder später?“
Es gibt hier keinen Automatismus. Vor allem in einer freien Gesellschaft wie der unsrigen fängt jeder Mensch sein Leben letztlich frisch an. Dazu braucht er allerdings die entsprechenden Informationen oder auch Spielregeln (siehe etwa auf den Seiten 5 - 31). Es ist nun einmal wahrscheinlich so, dass in guten Elternhäusern über diese Spielregeln eher und in den weniger guten Elternhäusern eben weniger geredet wird. Also passiert alles nach dem Verfahren „selbsterfüllende Prophezeiung“: Etwas passiert genauso, wie man es vorhergesagt hatte, aber nicht, weil das von Natur aus so sein müsste, sondern weil es herbeigeredet bzw. nichts getan wird. Tragisch ist das dann bei nicht gelingenden Beziehungen: Zu den kam es also wohl nur deswegen, weil sich nie jemand die Mühe gemacht hatte, ein Konzept zu entwickeln, dass es auch für diejenigen ohne gutes Elternhaus anders laufen könnte. Zudem stellt sich die Frage: Was ist überhaupt ein gutes Elternhaus? Geben sich nicht alle Eltern irgendwie die größte Mühe, dass aus ihren Kindern etwas wird – und dass sie nicht an den Falschen geraten?

Und was sollen wirklich fürsorgliche Eltern denn nun besser machen?“
Schon die Kinder sollen von ihren Eltern sagen können: „Mein Papa (oder auch meine Mama) kennt sich aus und belügt mich nicht, mein Papa erzählt mir nur etwas, was wahr und richtig ist, womit ich mich nicht vor anderen blamiere. Mein Papa erzählt mir auch nichts von einer Moral, die mich nur ängstlich und verklemmt macht und mit der ich am Ende doch auf jemanden reinfalle, weil sie nur eine Scheinmoral ist. Er schickt mich also auch keine falschen Wege, dass ich etwa die Scham mit Moral verwechsle wie viele andere meiner Freundinnen und Freunde. Daher weiß ich auch, wie ich von daher andere Menschen unterscheiden kann. Und so kann ich auch das, was wirkliche Moral ist, meinen Freunden und Kameraden erklären. Kurzum: Auf das, was mir mein Papa mir erzählt, ist Verlass!“ Ja, es gibt einfach Dinge, die muss ein junger Mensch nun einmal wissen, die müssen ihm also gesagt werden, und er muss sie auch verarbeiten. Ohne solche intellektuelle Leistung sind doch auch
in guter Familie erzogene junge Menschen nicht vor dem Scheitern von Beziehungen gefeit. Nur eben, sie werden durch die Familie eher aufgefangen, wenn sie einmal eine Enttäuschung erleben sollten. Allerdings sind die jungen Menschen dann wohl nicht mehr das gute Beispiel für andere, das sie eigentlich sein könnten.

Gerade die jungen Mädchen haben doch zu wenig Scham!“
Im Gegenteil! Wir haben
hier das Problem Therapie und Prävention wie bei einer Krankheit vor uns. Was zur Vorbeugung einer Krankheit genau das Richtige sein kann, das kann als Heilmethode derselben Krankheit durchaus schädlich sein. Denken wir an die Abhärtung durch die Kaltwassergüsse des Pfarrers Kneipp. Das bedeutet also, dass das Paradieskleid für sexuell Unerfahrene durchaus Ansporn für eine hohe Moral ohne jede Versuchung, für „Erfahrene“ jedoch die Versuchung schlechthin sein kann. Zudem: Kennen Sie, lieber Leser, jemanden, bei dem der Einstieg in „sexuelle Fehlentscheidungen“ mit der Freude an einem „Naturstrand“ angefangen hatte? Es bleibt also dabei: Der Mensch ist von Natur aus ein hochmoralisches Wesen oder auch „ein Wesen mit hohem moralischem Potential“ – auch und gerade im Zusammenhang mit der Sexualität. Doch leider lernt er, dieses Potenzial „ins falsche Objekt“ zu stecken, so dass ihm das für das richtige Objekt dann fehlt. Er lernt also in unseren Kulturen von Kind an, sein moralisches Potential in die Scham zu stecken statt in eine echte (Sexual-)Moral.

Die jungen Menschen in unserer Gemeinde haben ganz andere Probleme!“
Zunächst einmal: Glaube nie dem Anschein oder den Beteuerungen einer Zwölfjährigen, dass sie schon wisse, was (Sexual-)Moral sei und sich danach richte!Denn die Basis dieser Moral ist eigentlich immer nur Ekel und Scham. S. S. 40.

Aber was ist mit der Triebhaftigkeit und der Schwäche des Menschen?“

Wer so redet, dass das mit dem Paradieskleid in der Praxis nicht geht, der sagt doch nur, dass das bei ihm selbst nicht geht – weil er entsprechende „andere Erfahrungen“ hat (die Kinder noch nicht haben!). Vielleicht ginge es allerdings bei ihm doch, aber vor lauter Sexualängsten hat er das einfach noch nie ausprobiert? Und zudem: Es gibt gerade heute genügend Beispiele, dass es eben doch geht – und zwar sehr gut! Eine schöne Paradieskleidung kann doch auch sehr entwaffnend sein, es kommt auf die Einstellung an, die dahintersteckt.

Verliebtheit ist ein biochemischer Vorgang, da ist man eben machtlos.“
Das ist ja das Anliegen des Konzepts: Die Freude an paradiesischer Bekleidung
ist nämlich auch ein biochemischer Vorgang, nicht zuletzt hat sie etwas mit dem ursprünglichen natürlichen Menschsein zu tun. Und wenn dieser Vorgang wirklich funktioniert, das heißt, wenn die paradiesische Kleidung wirklich Freude macht, hat eine Verliebtheit in einen nichtpassenden Partner keine Chance mehr!

Sieh dir doch einmal die Website der Durex-Kondomfabrik an über die Anzahl der Sexualpartner, die ein Mensch im Leben hat. Und du willst das ändern? So haben die Inder etwa 3, die Deutschen 5,9, die Türken 14,5.“
Da hat eben nur noch ein außergewöhnliches Konzept eine Chance.

Die schönsten Theorien werden zunichte gemacht, weil es nun einmal von der Natur her so ist, dass jeder Mann im Prinzip ein Vergewaltiger ist. Und es geht nicht nur um die praktische Vergewaltigung, sondern Männer können auch durch Worte oder durch Blicke vergewaltigen. Die Folgen von allem sind im Grunde genauso schlimm, nämlich traumatisierte Mädchen und Frauen.“
Sie können sich offensichtlich gar nicht vorstellen, dass auch Männer ein geistig-seelisch-körperliches Gesamt sind. Denn bei einem solches Gesamt ist es nun einmal so, dass auch Männer ein Ideal einer hohen Liebe haben können, das so stark ist, dass sie eine Sexualität, die nicht in der
Ordnung der Natur ist, gar nicht praktizieren könnenalso erst recht nicht eine Vergewaltigung. Allerdings muss es dazu auch die passenden Mädchen und Frauen geben, also solche, die selbst Ideale haben, die sie dann nach dem Verfahren „Prägung durch Belohnung“ (s. S. 25) an die Männer weitergeben möchten. Und zu Ihrer Einstellung zu Männern überhaupt: Sie lassen Männern ja gar keine Chance! Wenn denen eine konkrete Vergewaltigung nicht vorgeworfen werden kann, dann wenigstens eine durch Worte oder gar eine durch Blicke nach dem Motto: Irgendetwas Schlechtes findet sich an einem Mann immer. Wenn eine solche Einstellung nicht zutiefst männerfeindlich ist! (Anmerkung hierzu: Es mag tatsächlich eine Art Vergewaltigung durch Worte und Blicke geben. Doch die funktioniert nur, wenn ein junger Mensch auch darauf anspricht. Wäre es also nicht eine Aufgabe, junge Menschen durch eine geeignete Erziehung <wie sie etwa hier vorgestellt wird> immun zu machen? Erfahrungsgemäß haben solche immun gemachten jungen Menschen dann auch ein Selbstbewusstsein und eine Ausstrahlung, dass es auch zu gar keiner „praktischen Vergewaltigung“ mehr kommt – solange sie sich nur einigermaßen sinnvoll verhalten. Siehe auch unter „Vergewaltigung“ im Online-Lexikon www.basisreligion.de. Jedenfalls ist eine solche Immunisierung das Anliegen dieses Konzepts.)

Ordnung der Natur? Was heißt das? Weist das nicht auf einen faschistischen Hintergrund von `Erlebt doch zuerst einmal das Paradies!´ hin?“
Wir müssen unterscheiden zwischen künstlichen Ordnungen, also denen, die Menschen gemacht haben, und natürlichen Ordnungen, also Ordnungen, die von Natur aus einfach „da“ sind. Künstliche Ordnungen können gewiss etwas Faschistisches an sich haben, doch nicht natürliche Ordnungen. Eine natürliche Ordnung sind etwa auch die vier Jahreszeiten. Dass ein Bauer sich bei Aussaat und Ernte danach richtet, ist eine Frage der Vernunft. Natürlich kann man diese natürliche Ordnung etwa mit Gewächshäusern auch umgehen, doch ist das sehr kostspielig und arbeitsintensiv – und eine solche „Ordnung“ funktioniert auch nicht von allein. Die Frage stellt sich, was beim Thema dieses Hefts wohl eher faschistisch ist, eine Ordnung mit Pille und Kondom und Badehose oder eine Ordnung, die die natürlichen Gegebenheiten akzeptiert und anerkennt?

In unseren anonymen Massengesellschaften kümmert sich keiner mehr wirklich um den andern und daher gibt es auch keine Verantwortung füreinander in der Liebe. Jeder will nur seinen eigenen Lustgewinn.“
Hier also noch einmal ein Hinweis auf eine Statistik über die Anzahl der Sexualpartner in verschiedenen Ländern im Internet, die Sie unter den Worten
Durex Global Sex Survey finden (s. S. 53). Natürlich, Statistiken geben immer nur einen Durchschnitt wieder und sagen nichts darüber aus, wie sich Einzelne verhalten. Das ist auch der Kondomfirma Durex bewusst. Und so schlüsselt sie zumindest einige Länder auf: Die Hongkong-Bewohner sind zu Zweidritteln streng monogam, sie haben also lebenslang nur einen einzigen Sexualpartner – und enger und vermutlich auch anonymer als in Hongkong kann eine riesige Menge von Menschen wohl kaum zusammen leben. Dagegen sind es bei den Dänen, Norwegern, Schweden und Griechen, die doch so eng gar nicht zusammen leben und wo es in weiten Teilen gewiss keine anonyme Massengesellschaft gibt, nur 12 %, die lebenslang nur einen einzigen Sexualpartner haben.

Man kann heute sowieso nichts machen – die Medien sind zu mächtig!“

Der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Lothar Mikos etwa sieht die Macht der Medien als so monströs und unüberwindbar nicht an, steigern sie allenfalls doch nur das, was von woanders her im Denken der Menschen ist. Und zudem: In Afrika und in vielen Gegenden der Welt gibt oder zumindest gab es bis vor nicht allzu langer Zeit überhaupt keine Medien – und dennoch werden Mädchen beschnitten, und zwar aus moralischen Gründen. Denn nach Meinung der Menschen, die diese Beschneidung praktizieren, können Mädchen (und Frauen) sonst nicht treu sein. Diese angebliche Unfähigkeit zur Treue, und damit das Fehlen einer hohen Moral, hat also gar nichts mit den Medien zu tun, die gibt es auch ohne diese Medien! Wenn es nun woanders keinen Zusammenhang gibt, wieso dann bei uns? Das mit der Schuld der Medien ist für mich jedenfalls nicht plausibel. Es bleibt dabei: Für den, der eine Änderung nicht will, der sieht nie, wo er selbst etwas machen kann. Der sucht und findet auch immer andere, die schuld sind. Doch derjenige, der wirklich etwas ändern will, der sieht tausend Möglichkeiten und Wege, wo und wie er etwas machen kann!

Schuld an dem heutigen Sittenverfall sind doch die Religionslehrer. Die sind es ja, die schon den jungen Menschen den Glauben und damit auch die Moral kaputt machen. Aufgabe gerade der Religionslehrer wäre doch, den jungen Menschen den traditionellen Glauben zu vermitteln.“
Ob die Menschen früher ohne den „schädlichen Einfluss“ heutiger Religionslehrer wirklich besser waren? Ein Bekannter, der in alten Kirchenbüchern des Ermlands, einer nun wirklich tiefkatholischen Gegend, Ahnenforschung betrieb, fand, dass sehr oft hinter dem Namen einer Mutter „sc“ stand, also die Abkürzung für das lateinische Wort scortum = Hure, ein sehr brutaler Ausdruck für „ledige Mutter“. Hier lief das alles „so“ ohne die
modernen ungläubigen Religionslehrer! Und auch woanders war und ist es doch ähnlich. Die Schuld auf die „modernen Religionslehrer“ zu schieben, ist doch auch nur so eine Ausrede, die heißen Themen nicht wirklich anzupacken.

Es ist doch bekannt, dass die Aktionen `Kein Sex vor der Ehe´ noch nie etwas geholfen haben.“
Natürlich nicht. Denn wie liefen die denn immer ab? Für alle diese Aktionen waren doch die moralische Basis
immer nur die übliche Scheinmoral (also Badehose usw.) statt der Geist und schließlich ein Glaubenssammelsurium, das für viele Menschen eher etwas mit Folklore, Nostalgie und Glaubensmagie zu tun hat als mit dem wirklichen Jesus (siehe Heft 2). Diese Aktionen konnten also gar nicht funktionieren, zumindest nicht in unserer freien Gesellschaft!

(Hierzu eine Notiz aus der Zeitung „Die Welt“ vom 21. 10. 2007: „Kampagnen, mit denen Jugendliche zur Keuschheit motiviert werden sollen, sind immer erfolglos und bewirken manchmal sogar das Gegenteil. Das ergab eine Auswertung von 13 Enthaltsamkeitsstudien, an denen 15 940 Jugendliche teilgenommen haben. Kristen Underhill und ihre Kollegen von der Universität Oxford stellten fest: Keine Kampagne hatte Einfluss auf die Häufigkeit von ungeschütztem Geschlechtsverkehr, auf die Zahl der wechselnden Partner, auf die Verwendung von Kondomen oder auf das Alter beim ersten Sexualkontakt. Eine der Kampagnen bewirkte überdies einen gegenteiligen Effekt: Die daran teilnehmenden Jugendlichen hatten sogar häufiger Sexualkontakte, und auch die Zahl sexuell übertragener Krankheiten war unter ihnen erhöht (Is).“)

Du bist mit deiner Idee `Kein Sex vor der Ehe´ doch hoffnungslos veraltet, das mit dem Sex vor der Ehe ist doch inzwischen völlig normal!“
Du hast überhaupt nichts verstanden. Es geht doch gar nicht um „Kein Sex vor der Ehe“, das ist doch nur ein
Nebenprodukt. Es geht vielmehr um ein Engagement gegen die Leibfeindlichkeit oder auch (nachdem ich den GEO-Beitrag gelesen habe – s. S. 27) gegen den Kleidungs- und Ausziehfetischismus, was alles in unseren Zivilisationen als normal gilt und wozu also auch unsere jungen Menschen direkt erzogen werden. Wenn diese Leibfeindlichkeit und dieser Fetischismus erst einmal überwunden und durch ein entsprechendes geistiges Moralmodell ersetzt sind, dann sehen wir weiter! Ja, ist nicht ein geistiges Moralmodell das eigentlich Gesunde und Menschliche, um das es gerade auch in Fragen der Moral geht, und sind nicht die Leibfeindlichkeit und der Fetischismus der billige Ersatz, billig, weil geistlos und oberflächlich? Ich schätze, dass wir bei einer Rückbesinnung auf das Eigentliche wieder in der Ordnung der Natur (s. S. 12 u. 57) leben können und sich also das Problem „Kein Sex vor der Ehe“ von allein erledigt. Denn höchstwahrscheinlich will „den“ dann niemand mehr.

Daher muss hier auch nicht mehr auf alle die genannten Theorien eingegangen werden, warum junge Menschen mit dem Sex anfangen, auch diese Theorien haben sich dann alle erledigt.

EINE „PERFEKTERE THEORIE“ MIT EINER EMPFEHLUNG:

Der Mensch ist von Natur nicht nur ein hochintellektuelles und hochmoralisches, sondern auch ein hochsoziales Wesen. In Fragen der Sexualmoral ist nun gerade das Mädchen weitestgehend von der Vorstellung bestimmt, dass es sich so verhalten muss wie andere normale Mädchen, damit es nicht ein Außenseiter ist, der als verklemmt, unemanzipiert und frigide gilt. Denn nur, wenn es normal ist, kann es, seiner Meinung nach, irgendwann einen passenden Partner finden.

Die Notwendigkeit, normal zu sein, ist wie bei einer Sprache: Wenn einzelne Eltern ein Kind in einer hochintellektuellen und wunderschönen Sprache erziehen, doch die übrigen Menschen sprechen nicht diese Sprache, wird das Kind seine Eltern irgendwann für inkompetent und „ver-rückt“ halten. Wir müssen uns also klar machen, dass es eher sinnlos ist, wenn einzelne Eltern ihre Kinder zu einer hohen Moral erziehen wollen, denn beispielsweise würden die Töchter dann einsame Jungfrauen werden – und das machen die Mädchen nur selten mit. Also wäre eine Erziehung zu einer hohen Moral immer Gemeinschaftssache. In einer Gruppe (hier bietet sich gerade auch der Religionsunterricht an) wird Ihr Kind auch reden (wollen) – und wie! Und der Spaß an der Nacktheit wäre dann ein Indiz für besondere Unverklemmtheit, also für eine gelungene Überwindung der Leibfeindlichkeit, und für wirkliche Emanzipation und Intelligenz.

Bisher war das ja so, dass Mädchen eher nur Negatives darüber gehört hatten, wenn ein Mädchen noch keinen Sex hatte. Sie sieht sich ein Mädchen also in einer Zwangslage und will „es“ möglichst schnell „hinter sich haben“. Daher sucht es förmlich eine Gelegenheit – bisweilen sogar mit einem Fremden, dem es wohl nie wieder begegnen wird. So kommt es oft zu solchen Erfahrungen auf Klassenfahrten oder in den Ferien mit einem Jungen oder Mann, mit dem auch nie die Absicht für eine Partnerschaft besteht und wo es auch gar nicht um Liebe geht.

Wie anders liefe das ohne diese Leibfeindlichkeit und ohne diesen Fetischismus, wie könnten dann Mädchen ganz anders ihre Unschuld schätzen und erleben!

Wenn wir also etwas an unserer heutigen (Sexual-)Moral zum Positiven verändern wollen, müssen wir hier anfangen!

Anm.: Wenn gerade auch die jugendlichen Körperformen besonders attraktiv sind, so heißt das noch lange nicht, dass Männer gleich immer Sex wollen. Denn es gibt etwa auch so etwas wie einen Bruder-Schwester- oder Vater-Tochter-Effekt zwischen eigentlich Fremden, der dem durchaus entgegenwirkt. Wenn dieser Effekt durch Natürlichkeit , Offenheit und entsprechende geistige Ausstrahlung junger Menschen erst einmal aktiviert ist, bewirkt er eine außerordentliche Fürsorge der „Brüder“ oder „Väter“. Und – beim Fall „Vater“ - bleibt dieser Effekt auch, wenn etwa das als Tochter empfundene Mädchen älter wird nach dem Motto: „Einmal Tochter – immer Tochter!“


D. PÄDAGOGISCHE EINFÜHRUNG in das Konzept „Erlebt doch zuerst einmal das Paradies!“ – hier für junge Leute ab ca. 8 Jahren.


Vorbemerkung zur Frage der Kindgemäßheit

Auf die Idee mit der „Kleidung des Paradieses“, also der Nacktheit, die zum Ansatz des Konzepts gehört, haben mich Kinder gebracht. In einer Kinderferienfreizeit in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren sie es, die mit dem Paradieskostüm anfingen. Leider hatte ich damals auch zu denen gehört, die „so etwas“ mit abgewürgt hatten – als ob für Kinder das sexuelle Selbstbestimmungsrecht nicht gilt (zumal bei durchaus Unschuldigparadiesischem!). Doch damals ging das einfach nicht anders, die Zeit war einfach nicht reif. Inzwischen sehe ich hier eine Chance, Kindern gegenüber nicht etwas grundsätzlich zu verteufeln und sie damit schon irgendwie leibfeindlich zu machen, sondern ihnen das Problem der Ambivalenz nahezubringen, dass also etwas gut oder schlecht sein kann, je nachdem, wie man es gebraucht. Dabei muss dann natürlich weiter ausgeholt werden, vor allem Mädchen wollen Zusammenhänge wissen. Leider lehnen sehr viele Erwachsenen hier alles unterschiedslos ab mit einem Hinweis auf die Vermeidung von Frühsexualisierung. Diese Erwachsenen müssen sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, unter einem Deckmantel die Kinder dumm und naiv belassen zu wollen. Denn auf diese Weise können Kinder wohl kaum ein eigenes ethisches Handlungskonzept entwickeln und so werden sie später umso anfälliger für Manipulationen, von welcher Seite auch immer.

Der Eindruck vom Wissenwollen von Zusammenhängen hat sich für mich in einem Religionsunterricht mit Kindern ein paar Jahre nach dieser Kinderfreizeit mit anderen Kindern voll bestätigt, als ich mit einer ähnlichen Geschichte wie der der Oper Rigoletto auf das Thema kam. Es war, als ob ich ein Fass aufgemacht hätte – was die jungen Menschen, sowohl die Mädchen wie die Jungen, nicht alles wissen wollten! Und es blieb nicht bei der einen Stunde, in der nächsten und übernächsten ging es weiter. Es gab ja so viel zu bereden! Mein Eindruck war, dass sich gerade die Mädchen freuten, einmal einen Erwachsenen gefunden zu haben, der eine Einstellung im Sinn ihres unschuldigen moralischen Empfindens hatte und mit dem sie reden konnten. Als ich Müttern erklären wollte, was ich machte, bekam ich nur zu hören: „Lassen Sie mal, ist schon gut, wie Sie das machen!“ Offensichtlich hatten die Kinder also zu Hause von meinem Unterricht erzählt. Hier in der Gruppe ging das alles viel einfacher und selbstverständlicher, was im Einzelgespräch Eltern/Kind eher nach Krampf aussehen und die Kinder abschrecken würde. Deshalb dann auch die positive Reaktion der Mütter.

Warum also nicht gleich richtig!

Da Geschichten bei jungen Leuten immer gut ankommen, schlage ich also vor, mit einer unserer berühmtesten Opern anzufangen: „Rigoletto“. So bekommen unsere jungen Leute gleichzeitig etwas von unserer Kultur mit.

In dieser Oper geht es um die Sorge eines Vaters um seine von ihm innigst geliebte Tochter. Ich finde, dass man an dieser Geschichte das Thema sehr gut „aufrollen“ kann, sowohl für Mädchen wie für Jungen. Die Mädchen sind die eher Betroffenen, daher spreche ich sie an. Doch es geht auch um die Jungen, sie sind dabei in ihrem Beschützerinstinkt angesprochen, den sie erfahrungsgemäß auch gerne wahrnehmen, wenn sie nur frühzeitig gefordert werden.

Der Vorteil heute: Schon sehr junge Menschen wissen über das Biologische der „Vermehrung“ Bescheid, also auch über den Geschlechtsverkehr. Es fehlt nur noch zur Ergänzung ein geeignetes Moralkonzept. Und wie gesagt, nach meinen Erfahrungen wünschen sich die Kinder das ja auch!

Konkret zur Geschichte der Oper: Der Vater heißt Rigoletto. Ein Hofnarr, verkrüppelt. Die Tochter heißt Gilda und ist wunderschön. Rigolettos Frau, Gildas Mutter, ist verstorben. Die Handlung spielt am Fürstenhof des Herzogs von Mantua in Norditalien, etwa vor dreihundert Jahren. Dieser Herzog ist ein Weiberheld, wie man so sagt, der seinen Charme und gewiss auch seine Macht ausnutzt, um mit den Frauen seiner Schlossbeamten und mit noch vielen anderen Frauen Sex (Geschlechtsverkehr) zu haben. Er benutzt die Frauen, verachtet sie und spielt ihnen zuerst Liebe oder auch nur Ehrerbietung vor. Die Frauen machen mit, vielleicht auch, weil das Leben sonst für sie zu langweilig ist. Doch der Herzog amüsiert sich, wie dumm und naiv die Frauen sind, ihm seine Liebeslügen zu glauben und bei seinen Sexabenteuern mitzumachen. Die Männer dieser Frauen fühlen sich natürlich betrogen und sehen sich als die Ausgetricksten, zumal der Herzog auch über sie und ihre Wut, weil er ihre Frauen verführt, nur lacht und spottet. Doch was sollen sie sonst machen als gute Miene zum bösen Spiel. Sie sind ja auch von ihm abhängig.

Auch der Hofnarr verspottet nun die anderen Schlossbeamten, weil sie sich von dem Herzog das alles gefallen lassen. Doch gleichzeitig hat er eine wahnsinnig große Sorge um seine Tochter Gilda, dass die sich auch einmal in den Herzog verliebt und sie in ihrer Liebe von ihm ausgenutzt wird. Und so verheimlicht er allen anderen seine Tochter Gilda und versteckt sie vor ihnen. Nur sonntags darf sie – natürlich unerkannt – in die Kirche gehen, man ist ja fromm.

Und da begegnet sie einem netten Studenten, in den sie sich verliebt. Dieser Student ist nun dieser Herzog – verkleidet, so erkennt also auch Gilda ihn nicht.

Die Oper endet sehr traurig, denn Gilda schenkt dem Herzog ihre Unschuld, sie ist bei der näheren Begegnung so überwältigt, dass sie mit ihm ihren ersten Sex hat. Doch er verachtet sie nur, nachdem er erreicht hat, was er wollte, und vergnügt sich bald darauf wieder mit anderen Frauen (hat also Sex mit ihnen) – und singt dann noch seine berühmte Arie „Oh wie so trügerisch sind Weiberherzen ...!“ Dabei verdreht er die Wirklichkeit, denn eigentlich sind ja nicht die Frauen so trügerisch, sondern er ist es – wenigstens erst einmal.

Als am Schluss der Oper Rigoletto den Herzog ermorden lassen will, stirbt Gilda statt seiner. Es ist nicht ganz klar, ob sie sich aus Liebe für ihn opfert oder ob sie nur noch den Tod will, weil ihre Unschuld und damit – wie sie meint – die Möglichkeit einer großen Liebe für sie sowieso für immer verloren ist und das Leben also keinen Sinn mehr hat. Alles sehr traurig.

(Anmerkung: Bei den Jungfrauen gibt es im Scheideneingang ein Jungfernhäutchen, das beim ersten Sex zerstört wird – „man“ kann also später erkennen, ob ein Mädchen schon Sex hatte. Allerdings stimmt dieser „Beweis“ nicht immer. Der mögliche Schock nach einem solchen Erlebnis wird heute vielfach als Folge einer leibfeindlichen Erziehung angesehen. Dagegen wird der mögliche Schock, den junge Menschen erfahren, wenn sie mit der Nacktheit konfrontiert werden, als etwas angesehen, wovor junge Menschen geschützt werden müssen. In dem Konzept dieser Heftes ist die Sicht nun umgekehrt.)

Ich finde es jedenfalls toll, wie der Komponist der Oper (Guiseppe Verdi) eine hinreißende Musik über das Schicksal eines Mädchens geschrieben hat, er hält dieses Schicksal für sehr wichtig. Wir sollten mehr darüber nachdenken.

Jetzt wieder zu uns heute!

Es ist also ein uraltes Problem, dass Väter (und Eltern überhaupt) um ihre Töchter Sorgen haben, dass ihnen auch „so etwas“ passieren könnte. Sie möchten nicht, dass die Töchter sich in so einen Hallodri verlieben, der sie doch nur belügt und betrügt und ausnutzt und für den der Sex nichts mit Liebe und Partnerschaft zu tun hat, sondern nur ein lustiges Spiel ist. Leider sind sehr viele Eltern bei ihrer Sorge irgendwie so hilflos wie dieser Rigoletto und machen vieles falsch, so dass sehr oft gerade das passiert, was eigentlich vermieden werden sollte.

Natürlich sagen Eltern (und andere Erzieher) das nicht so, dass sie hilflos sind, sondern sie sagen, dass das normal und natürlich ist, wenn sich junge Leute erst einmal in den Falschen verlieben und mit ihm Sex haben. Da kann man ihrer Meinung nach einfach nichts dagegen tun, weil die jungen Menschen nun einmal keine Menschenkenntnis haben zu unterscheiden, welchem Mann es um wirkliche Liebe und Partnerschaft geht und welchem es nur um die Sex geht. Deshalb erklärt man den jungen Leuten heute nur noch, wie sie Kondome und Verhütungsmittel gebrauchen sollen, damit sie nicht auch noch schwanger werden und/oder sich mit einer Geschlechtskrankheit anstecken. Offensichtlich halten die Erwachsenen hier nicht viel von der Intelligenz junger Menschen.

Ich sehe das allerdings völlig anders! Wo jemand etwas nicht vernünftig weiß, kann er sich auch nicht vernünftig verhalten.

So dumm und sexgierig sind die jungen Menschen doch gar nicht, dass sie grundsätzlich nicht die Sexabenteurer von den wirklich Liebenden unterscheiden können und wollen, wenigstens zunächst nicht.

Und jetzt wieder konkret zu den Mädchen!

Das Problem ist also: Was müssen Eltern ihren Töchtern beibringen, damit sie einen solchen Hallodri rechtzeitig durchschauen, dass am besten gar nicht erst eine Liebe zu einem solchen Mann aufkommt und dass sie also auch keinen Sex mit ihm haben, sondern nur mit dem Mann, bei dem eine schöne und ehrliche Liebe auf Gegenseitigkeit beruht und der auch ein guter Partner für sie ist, mit dem sie auch eine schöne Familie haben können.

Ich sehe hier eine geradezu kriminalistische Aufgabe für ein Mädchen! Wie kann es rechtzeitig die Wahrheit herausbekommen?

Wir müssen dazu auf alle Fälle zunächst einmal ganz genau hinsehen, was hier passiert, wie das passiert und warum das passiert.

Die Erfahrung ist jedenfalls, dass irgendwelche Moralpredigten und freundliche Ermahnungen an ein junges Mädchen überhaupt nichts helfen, schon gar nicht, wenn es erst einmal verliebt ist. Mädchen (und nicht nur die) haben dann sozusagen eine rosarote Brille auf und sind in ihrer Willensfreiheit eingeschränkt und wissen sowieso alles besser – das ist nun einmal so bei sehr intensiven Gefühlen. Doch auch schon vorher wollen junge Leute solch ein moralinsaures oder gar frommes Gerede einfach nicht hören und schalten ab und tun uninteressiert, wenn ihre Eltern oder andere mit diesem Thema anfangen.

Also mussten die mir befreundeten Eltern, von denen ich jetzt rede und die meine Ideen gut und sinnvoll fanden, bei ihrer Tochter eine andere Methode suchen. Nicht zuletzt würde sie, das war allen klar, nach ihrer Schulzeit einmal irgendwo allein studieren. Da würde sie alle möglichen Leute und auch Mitstudenten und andere Männer kennenlernen, und sie würde dann auch wohl kaum die Eltern fragen, wem sie trauen kann und wem nicht, und schon gar nicht, wenn sie einmal verliebt sein würde. Außerdem: Ob Eltern wirklich erkennen können, wer in Ordnung ist und wer nicht? Das Mädchen muss das schon alleine herausfinden. Aber wie???

Ich habe mir einmal die Männer angesehen und mich auch mit ihnen unterhalten, wie sie es schaffen, dass sich Mädchen in sie verlieben und dass die so blind sind und dann auch Sex mit ihnen haben – obwohl es den Männern gar nicht um wirkliche Liebe geht und sie die Mädchen im Grunde genauso verachten wie dieser norditalienische Herzog die Frauen damals. Und ich habe natürlich auch Mädchen und Frauen gefragt, denen „so etwas“ passiert ist.

Bei meinen Beobachtungen habe ich nun festgestellt, dass genau diese „blöden Männer“ überhaupt kein Interesse an der Nacktheit einer schönen Unschuld haben, die auch etwas mit dem Paradies zu tun hat, weder an der der Mädchen noch an der eigenen. Eine unschuldige paradiesische Bekleidung, etwa an einem schönen Strand, wäre für die der absolute Horror. So etwas können die einfach nicht. Sie haben auch tausend Ausreden, warum sie da nicht mitmachen wollen. Sie sagen etwa, dass das angeblich blöde oder sogar unmoralisch ist usw. Oder sie reden dumm herum, dass sie das schon könnten mit der paradiesischen Nacktheit, dass sie das aber nicht wollten. Hier sollte man doch hellhörig werden und merken, was hinter deren „Gründen“ steckt: Nichts als leere Ausreden, sie können es eben letztlich doch nicht. Denn wenn man an etwas wirklich Freude hat, dann macht man das doch auch nur zu gerne. Das gilt doch erst recht für die Paradieskleidung zusammen mit netten Menschen und erst recht mit jemandem, in den man verliebt ist – natürlich wenn und wo es passt.

Aha, wenn hier nicht eine Chance ist und gar die beste Gelegenheit ist, den Ansatz des Papstes Johannes Paul II (s. Heft 2, S. 36) in die Wirklichkeit umzusetzen! Was ist der tollste Gedanke wert, wenn es nicht zu einer Praxis des Lebens kommt? Auch geht es hier nun wirklich um den „Wert einer Person“, den auch der Papst im Auge hat. Zudem: Wo ist der Sinn, jungen Menschen, und gerade auch Kindern, erst einmal einen falschen Weg zu zeigen, um später dann genau die entgegengesetzte Richtung als die richtige hinzustellen? Was wäre also, wenn gerade ein Mädchen gleich von Anfang an so erzogen wird, dass die Angst vor der Paradieskleidung gar nicht erst aufkommt, dass es selbst Spaß an dieser Natürlichkeit hat – und dass es seine neue Einstellung zur Nacktheit dann als Testmethode der hohen Liebe gegenüber Männern einsetzt? Nicht zuletzt ist eine solche Erziehung ja genau das Natürliche – ist es nicht so, dass die Naturvölker in den heißen Ländern mit der Nacktheit zumindest früher einmal überhaupt keine Probleme hatten? Probleme bei denen kamen doch erst durch den Kontakt mit der westlichen Zivilisation, in der es eben solche falsche Liebe mit der entsprechenden Heuchelei gibt. Daraufhin brauchten auch die Menschen der Naturvölker Kleidung, selbst wenn sie wegen der Wärme überhaupt nicht nötig wäre.

Jedenfalls ist das Paradieskleid an sich nichts Böses, böse ist nur, wenn man mit anderen ausnutzerisch und verachtend umgeht. Und das passiert eben gerade vor allem auch mit textilener Bekleidung!

Die Erziehung ihrer Tochter bei meinen Freunden war bisweilen sogar sehr schön und lustig, vor allem gab sie dieser Familie auch die Freiheit, viel miteinander zu unternehmen. Denn wenn die Paradieskleidung kein Problem mehr ist, dann kann man auch miteinander zelten und dasselbe Zimmer benutzen – man kann also ein richtig schönes und lockeres Team sein. Ganz offensichtlich hatte die Tochter das auch begriffen, warum ihre Eltern das so mit ihr machten, schließlich hatten sie auch alle miteinander darüber geredet.

Ich habe allerdings die Erfahrung, dass diese Eltern eher die Ausnahme waren und immer noch sind. Denn leider sind die meisten Eltern doch diejenigen, die ihren Töchtern die Ängste mit den Brustwarzen von Kind an beibringen und auf alle Fälle nichts Sinnvolles gegen diese Ängste tun. Doch wenn die Töchter dann Sex selbst mit einem untauglichen Partner haben (was ja das eigentliche Problem ist, was vermieden werden sollte), dann zucken sie nur mit den Schultern und akzeptieren das. Ist es wirklich so schwer, eine Erziehung von vornherein darauf auszurichten, was letztlich das Sinnvollere und Unproblematischere ist?

Die Idee des vorgestellten Konzepts ist ja schließlich auch, dass eine Tochter das, was sie an Schönem und Unschuldigem gerade mit ihrem Vater und auch mit anderen erlebt hat, erst einmal mit einem Jungen oder Mann erleben möchte, wenn sie sich irgendwann einmal verliebt. Und dabei wird sie feststellen, dass manche Jungen und Männer nicht reden können oder wollen und auch nicht nur nicht mitmachen wollen, sondern sich auch noch darüber lustig machen. Doch andere werden das ganz toll finden. Ich halte ein Mädchen für so klug, dass es dabei die Jungen und Männer schon richtig einschätzen wird, je nachdem, ob und wie die darüber vernünftig reden können, und dass es eine ungeeignete Beziehung rechtzeitig abbrechen kann. Nicht zuletzt haben ja auch die Jungen, die in Ordnung sind, den Wunsch, eine gute Partnerin zu finden, und sind für Ideen, wie das funktionieren könnte, offen.

Natürlich muss ein Mädchen oder eine junge Frau, die mit dem unschuldigen Paradieskleid keine Probleme hat, bedenken, dass nicht alle, die in diesem „Paradieskleid“ sein können, auch automatisch gut sind, und dass durchaus nicht alle Jungen und Männer, die hier Probleme haben, böswillig und heuchlerisch sind. Denn es kann ja auch sein, dass sie einfach alles nur falsch verstehen, weil vorher nie jemand mit ihnen über dieses Thema vernünftig geredet hatte. Und dass sie deshalb auch nicht so frei und offen sein können. Hier gibt es nun immerhin Gesprächsthemen!

Und genauso, wie ich es gesagt habe, ist es schließlich mit dem Mädchen passiert! Nein, nicht genauso, sondern noch viel besser. Irgendwie muss die Tochter meiner Freunde irgendetwas ausgestrahlt haben, dass die blöden Jungs sie gar nicht erst angebaggert haben. Denn es ist ja auch gar nicht so, dass alle Jungen und Männer nur schlecht sind und immer nur „das Eine“ (also den Sex) wollen. Nein, wenn sie ein offenes und nettes Mädchen mit einer vernünftigen Einstellung treffen, dann verachten sie das auch nicht und wollen auch gar keinen Sex von ihm – oder schreiben schöne Liebesbriefe und wollen es heiraten. Irgendwann nun fand sich ein junger Mann, mit dem die Tochter meiner Freunde über die Ideen sprechen konnte und wollte, und der fand die auch ganz toll. Er hat sie darin auch noch in ihrer Einstellung unterstützt – und beide hatten wohl eine schöne paradiesische Zeit – vor ihrer Ehe. Inzwischen sind sie seit acht Jahren verheiratet und haben eine liebe Tochter – und alles ist in bester Ordnung, natürlich soweit ich es erkennen kann.

Ob junge Leute jetzt das Anliegen im Hinblick auf die Nacktheit besser verstehen? Die jungen Leute sollen erst einmal so etwas unschuldiges Paradiesisches erleben und sich natürlich auch bewusst sein, welchen tieferen Sinn das Ganze hat. Der Rest wird sich dann schon von alleine ergeben.

Doch das steht dann alles auf den weiteren Seiten dieses Hefts.

Dazu mein Vorschlag: Ob die Kinder vielleicht auch mal einen Selbstversuch machen, um zu sehen, was passiert und wie sie sich dabei fühlen? Man könnte sie etwa in einem schulischen oder kirchlichen Unterricht ermuntern, mal ihren Papa und ihre Mama zu fragen, ob die mit ihnen im Sommer an einen entsprechenden Strand oder See fahren können, damit sie eine Erfahrung mit der Paradieskleidung in der Natur sammeln können? Natürlich müssen sie sich mit ihren Geschwistern absprechen und ihnen erzählen, warum sie das wollen. Ich wette, sie finden das alles dann nur lustig und schön. Sie werden sich auch weiter fragen: Woher kommt es, dass gerade Kinder normalerweise mit der Körperlichkeit derartige Probleme haben? Wer hat ein Interesse, dass diese Probleme bestehen? Warum versucht kaum jemand, das sinnvoll richtigzustellen? Wie kommt es, dass Kinder über das alles, was doch eigentlich sehr natürlich ist, schließlich oft noch nicht einmal reden können und wollen? Auch hier ist also kriminalistisches Gespür gefragt. Und ich meine auch, das alles hängt mit einem ganz großen Kriminalfall zusammen, dem wir hier auf der Spur sind!

Kinder sind doch im Allgemeinen an Kriminalgeschichten sehr interessiert, ob sich hier nicht gute Gespräche ergeben könnten?

Das Problem des Teuefelskreises

Wenn Menschen mit Problemen  Kinder bekommen, erziehen sie diese in derselben Leibfeindlichkeit, die sie einmal erlebt hatten und die die Ursache ihres Fehlverhaltens war – und der Teufelskreislauf geht weiter!

Warum ist es nur so schwierig, diesen Teufelskreislauf wahrhaben zu wollen – und ihn zu durchbrechen!

Doch es geht! Ich habe dazu meine Tochter rechtzeitig in einer etwas anderen Weise als der üblichen „getauft“, denn das Ganze hat auch ohne Gott einen Sinn. Ich habe ihr erst einmal beigebracht, wie schön das Paradies ist. Daher habe ich sie im Meer – wie wir waren auch alle Kinder um uns herum komplett „netto“ – auf meine Arme genommen, untergetaucht und dann in mehr oder weniger hohem Bogen ins Wasser geworfen – zu unser aller Vergnügen. Und ihr gesagt: „Du siehst keinem Mann an, wie er wirklich ist. Wenn du also mal einen Freund hast, dann erlebe auch mit ihm erst einmal das Paradies, rede mit ihm darüber und sieh´ zu, dass er zuerst einmal mit dir auch so paradiesisch umgeht! Und wenn das nicht klappt oder wenn du keinen Spaß dabei hast, das sollte dir zu denken geben und dann lass besser die Finger von ihm. Denn wer in Ordnung ist, der will genau so ein Paradies auch erst einmal!“

Also der Tipp: „Nicht gleich immer alles, sondern erlebt erst einmal das Paradies und seine Spielregeln, also eine schöne Nacktheit ohne Sex. Ansonsten verpasst Ihr etwas für Euer ganzes weitere Leben!“ Und ob das alles etwas mit Religion zu tun hat, ist Nebensache, es ist vor allem eine Lebenseinstellung!

Eigentlich doch ganz einfach und lebenspraktisch! Oder nicht???

Erläuterungen: Zur Zeit Jesu konnten Mädchen nie ihren Mann frei wählen. Sie wurden verschachert, entweder an einen, der einmal gut bezahlte, oder in die Prostitution, wo eben viele Männer nacheinander bezahlten. Wenn eine Frau nun nicht parierte, wurde ihr etwas angehängt und sie wurde - auch zur Warnung für andere Frauen - gesteinigt. Von schöner Liebe keine Spur. Jesus predigte hier die Liebe mit revolutionären Ideen: Zuerst einmal das Paradieserlebnis! Und wo steht denn, dass die Taufe dazu nur für Babys ist und fast so traurig wie eine Beerdigung und vor allem ein Festschmaus für Verwandte und Freunde sein muss und dem Täufling selbst kein schönes Vergnügen bereiten darf? Dabei: Sitzt denn nicht nur das, was Vergnügen bereitet, wirklich fest? Wird nicht das, was kein Vergnügen bereitet, bei erstbester Gelegenheit angezweifelt und über Bord geworfen? Überhaupt: Ob hier der Sinn der Taufe, nämlich die jungen Menschen fit zu machen gegen das Böse (wie etwa Enttäuschungen von der Liebe), „auf diese Weise“ nicht viel besser erfüllt wird als durch den sinnleeren und toten Symbolriten der Religionen? Immerhin kann man eine sinnleere und tote, also „ungültige“ Taufe doch gültig, also vernünftig, wiederholen!


E. Sexualmoral und Wissenschaft

Wie soll denn Sexualmoral und Wissenschaft zusammen gehören, wird sich mancher Leser fragen. Allerdings: Wenn nicht etwas wissenschaftlich begründbar ist, wieso kümmern wir uns überhaupt darum? Wäre dann nicht jeder Einsatz dafür von vornherein vergebliche Liebesmüh und sinnlose Zeitverschwendung?

Der Mathematiker Gunter Dueck hat in seiner Trilogie „Omnisophie“ nun zu dem, was Wissenschaft ist, eine interessante Theorie aufgestellt. Ein wirklich guter Geologe erkennt etwa in einer Landschaft an der Form eines Berges, an den Pflanzen, die dort wachsen, an der Art und Farbe der Steine, die herumliegen, dass in diesem Berg eine Goldader sein muss. (Zum Thema Pflanzenbewuchs: Es gibt tatsächlich Bäume, die nur in einer Gegend wachsen, wo im Boden Diamanten sind. Gewiss dürfte das mit bestimmten Pflanzen auch für Gold gelten.) Dieses Kombinieren von Indizien ist für Gunter Dueck Wissenschaft. Das Finden der Goldader und das Herausholen des Goldes ist für ihn dagegen lediglich Kunsthandwerk.

Bei meinem Recherchen, warum junge Menschen mit dem Sex anfangen, wo sie also von einer hohen Sexualmoral abweichen, stieß ich auf ein interessantes Phänomen: Frauen beklagen sich oft, dass Männer immer nur „das Eine“ wollen und sie also die oberflächlichen Bösewichter sind, die jede sinnvolle Sexualmoral unmöglich machen. Doch wie fängt eigentlich alles immer an? Wenn ich die Fälle, wie es für Mädchen zum ersten Sex kam oder auch nicht kam, die mir berichtet wurden, näher bedenke, dann waren es doch in den allerallermeisten Fällen (nach dem, was ich mitbekam, waren es 9 von 10) die Mädchen selbst, deren einziger Grund weitgehend der war, dass sie ihre Jungfernschaft satt hatten und sich förmlich irgendeinen Mann suchten, der sie davon befreite (s. auch S. 6). Damit sind es die Frauen, die dann die Steine ins Rollen bringen, dass sie irgendwann von Männern als Schlampen eingestuft werden, die gar keine besondere Achtung verdienen und die man ohne schlechtes Gewissen für unverbindliche Sexabenteuer benutzen kann. Jetzt sind natürlich die Männer die Bösen. Doch wie alles einmal angefangen hatte, daran mögen sich die Frauen ganz offensichtlich lieber nicht mehr genauer erinnern. Natürlich: Vom Einen zum Anderen ist meistens ein langer Prozess.

Schuld an der Misere sind also nicht die Jungen oder die Männer, die die Mädchen zum (ersten) Sex drängen. Im Gegenteil, viele Männer lehnen es sogar ab, mit einer Jungfrau Sex zu haben.

Wenn wir also die Sexualmoral ändern wollen, dann müssen wir schon anders vorgehen, als immer nur die Männer als die Bösen in die Ecke oder an den Pranger zu stellen!

Bei meinen Überlegungen, wo man bei einer „wissenschaftlichen Moralerziehung“ ansetzen kann, war ich von Phänomenen aus der medizinischen Forschung motiviert. So hatte der englische Landarzt Edward Jenner (1749-1823) beobachtet, dass Menschen wie Melker, die in einer Pockenepidemie, in der 20-30 % der Bevölkerung starb, intensiv mit Kühen zu tun hatten, vor der Erkrankung bewahrt blieben. Er stellte daraufhin eine Theorie einer aktiven Immunisierung mit durch die Kühe geschwächten Pockenerregern auf und entwickelte eine Pockenschutzimpfung, die inzwischen zur Überwindung der Pockenkrankheit überhaupt geführt hat.

Etwas anders verlief es mit der Entdeckung des Penicillins. Der schottische Bakteriologe Alexander Fleming (1881–1955) hatte 1929 entdeckt, wie in Bakterienkulturen sich an manchen Stellen einfach keine Bakterien entwickelten – und zwar in sich immer größer werdenden Kreisflächen. Er stellte die Theorie auf, dass die Ursache Mikroorganismen waren, die die anderen Bakterien zerstörten, und entdeckte somit das Penicillin.

Jenner und Fleming sind also im Sinne Gunter Duecks echte Wissenschaftler gewesen, sie haben etwas ungewöhnliche oder auch unbeachtete Erscheinungen als Indizien für die Lösung eines Problems wahrgenommen und richtig kombiniert. Dass sie dann auch noch die kunsthandwerkliche Arbeit machen mussten, etwa um den Impfstoff zu entwickeln, ist erst einmal normal. Denn gerade die Schulwissenschaft würde ohne einen Praxisbeweis eine unübliche bloße wissenschaftliche Theorie ja nicht anerkennen.

In vergleichbarer Weise bin ich nun vorgegangen:

Üblicherweise gilt es etwa als unbezweifelbares und daher auch undiskutierbares Faktum, dass Nacktheit unmoralisch ist und dass die Scham hier eine Schutzfunktion hat und Voraussetzung für jede Sexualmoral ist.

Doch warum fangen gerade die Mädchen mit dem Sex an, der sich schließlich als enttäuschend und leidvoll herausstellt, die bis dahin vor der Nacktheit regelrechten Horror hatten und also auch nie irgendwo „nackt am Strand“ oder sonst wo in der Natur waren? Von einem Vergnügen an der Nacktheit konnte schon gar keine Rede sein. Und warum gibt oder gab es dann nicht nur bei Völkern in heißen Ländern, bei denen Nacktheit üblich ist bzw. war, kein wüstes „sexuelles Durcheinander“, sondern auch nicht bei FKK-Anhängern? Auch fallen etwa Frauenärzte, die doch mit den intimen Körperteilen der Frauen zu tun haben, nicht über ihre Patientinnen her – selbst wenn diese noch so attraktiv sind? Ein schönes Beispiel ist auch der kurze Roman des südamerikanischen Nobelpreisträgers Gabriel García-Márquez (1927-2014) „Erinnerung an meine traurigen Huren“: Ein alter Junggeselle wünscht sich zu seinem 90sten Geburtstag von einer Bordellmutter eine Jungfrau. Die bekommt er auch und das Mädchen erwartet ihn auch nackt, doch schlafend – doch in ihm versagt alles. Ja, was passiert in allen diesen Fällen, warum kommt es trotz der Nacktheit und bisweilen sogar der Bereitschaft nicht zu „sexuellen Taten“? (Anmerkung: García Márquez hat für seine Romane immer auf Vorlagen aus der Realität zurück gegriffen, daher kann ich diesen Roman hier durchaus als Beispiel zitieren.)

Des Rätsels Lösung ist unter anderem: Die Scham ist kein Schutz, nein sie ist eher eine Scheinmoral, die für eine echte Moral absolut nichts hilft. Es soll so aussehen, als sei man moralisch. In Wirklichkeit hat die Kleidung die Wirkung von Fetischen, die die Sexualität nur noch interessanter und jede lockere und daher leicht zu lebende Enthaltsamkeit aus sich heraus gar nicht oder nur sehr schwer möglich machen.

Wenn wir also immer nur auf das Problem „Scham“ starren und in einer fehlenden Scham die Ursache des Verfalls der Sexualmoral sehen, werden wir nie zu einer echten Sexualmoral kommen, denn Sexualmoral funktioniert nun einmal anders. Natürlich gehört zu einer Sexualmoral noch mehr als die Überwindung der Sexualscham!

In gleicher Richtung läuft auch, warum sich Jesus angeblich nie für eine Sexualmoral eingesetzt hatte. Wir, das heißt die typischen Moralisten, erwarten von einem, der sich für die Sexualmoral einsetzt, einen Einsatz für die Scham, also dass er gegen freizügige Kleidung und insbesondere auch gegen die Nacktheit wettert. Doch Jesus dachte hier vermutlich eher wissenschaftlich im Sinn von Gunter Dueck und so hatte er wahrgenommen, dass die Scham nichts mit einer echten Sexualmoral zu tun hat. Daher war ihm das Problem Kleidung und gar Nacktheit gleichgültig – ja, er hatte sogar etwas gegen die ängstliche Sorge um die Kleidung und stellte (nach Mt. 6, 29 die Lilien des Feldes als Vorbild dar: „Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen“. Jesus war eben mal ein sachlicher Moralprediger, dem es um eine echte Moral ging, und kein typischer Moralapostel mit dem üblichen uneffektiven Ansatz bei der Scheinmoral der Notwendigkeit von Textilien.

Doch ist so ein Bekenntnis zur Nacktheit nicht skandalös? Oh je, ist das eigentlich Skandalöse nicht, wenn sich junge Menschen in dem Schönsten, was es für uns Menschen gibt, nämlich in der Liebe, vertun?

Der Zufall wollte es, dass ich die Gelegenheit hatte, das Konzept an einer Pflege- oder auch Gasttochter, die ich im fernen Vietnam kennenlernte, als sie 14 war und die ab ihrem 16. Lebensjahr bei mir war, zu testen. Ich hatte ihr meine wissenschaftlichen Überlegungen a la Gunter Dueck vorher geschrieben (selbst wenn ich von Gunter Dueck erst durch einen ihrer Kommilitonen erfuhr, also als sie schon einige Jahre in Deutschland war) und sie sollte das alles mit ihren Eltern besprechen. Die fanden meine Ideen offensichtlich plausibel und stimmten zu und ermunterten das Mädchen auch noch, zu mir zu kommen. Und es lief besser als erwartet! Erstaunlich war für mich, dass ihr späterer Mann, als sie ihm unser Konzept erzählte, sie noch voll unterstützte: Ja so ein bewusst moralisches Mädchen, das ist doch eine Frau fürs Leben!

Anmerkung zum Thema „Sexualmoral und Nacktheit“, wie sie in der FKK-Bewegung praktiziert wird: Wir müssen immer bedenken, dass bei der FKK-Bewegung nicht eine Sexualmoral das Ziel ist, auch nicht die der Jugend, sondern es geht dabei nur um ein intensiveres Erlebnis der Natur und des Menschseins. FKK-Anhänger haben nun auch so eine Glaubensmagie im Kopf, dass also eine solche „Natürlichkeit“ ausreicht und dass sich von daher dann alles Weitere von alleine ergibt. Mit einer grundsätzlichen Ehemoral, zu der nun einmal auch Enthaltsamkeit vor der Ehe gehört, haben die jedenfalls nichts zu tun, es sei denn, dass sie sich zufällig ergibt. Was aber, wenn wir damit ausdrücklich anfangen? Ich habe es jedenfalls probiert – und es hat doch funktioniert!

Meine Erfahrung ist nun leider, dass die meisten Theologen und Pädagogen auch so eine Glaubensmagie im Kopf haben, jetzt eben eine christliche. Auch sie haben ihre Grundannahmen und meinen, dass sich alles Weitere von alleine ergibt, wenn diese erfüllt sind. Auf die Idee, dass die jungen Menschen jetzt noch ein attraktives Konzept brauchen, etwa eine konkrete Strategie, kommen auch sie nicht oder wollen sie nicht kommen. (Ob der Verdacht nicht berechtigt ist, dass eine echte Monogamie gar nicht gewünscht ist, weder von denen, die bei den „Naturgläubigen“ noch bei den „Religionsgläubigen“ das Sagen haben?) Dazu ein „Gleichnis“ zur Verdeutlichung: Auch ein bestens vorbereiteter, also gepflügter, gedüngter und bewässerter Acker braucht doch noch das entsprechende Saatgut, damit auch das wächst, was der Bauer will oder vorgibt zu wollen - denn wenn er nichts Konkretes sät, dann wächst dann doch nur wieder das, was die anderen wollen, in unserem Fall eben die Kameraden und/oder die Medien. (Und das scheint also gewollt zu sein ..)

Zu unserer Schwierigkeit mit der Scham dabei sehe ich eine Parallele zu den heiligen Kühen in Indien: Auch wir haben unsere heiligen Kühe, die eigentlich zu nichts nutze sind, von denen wir jedoch nicht ablassen wollen. Allerdings sind diese indischen leibhaftigen Kühe gewiss erheblich weniger folgenschwer als unsere, die ja gerade in Pädagogik und Theologie einen wirklichen Aufbruch verhindern. Ich kannte jedoch einmal einen Pfarrer (auch noch in einem Familiennordseebad), der war sehr an meinem Ansatz interessiert. Wie hätten wir da einiges in einer Ferienkinderbetreuung aufrollen können (natürlich unter Beteiligung zumindest einiger Eltern)! Doch leider ist er längst gestorben – und ich war damals noch nicht so weit, das Konzept war einfach noch nicht ausgereift.

Vielleicht findet sich aber wieder mal ein Pädagoge oder/und Theologe, der Interesse hat und mitmacht? Ich hoffe hier auf den Zufall!

F. Resümee: Was wollen wir eigentlich wirklich?

        Wir leben heute in einer Zeit, in der alles und jedes wissenschaftlich untersucht und nach Lösungen geforscht wird. Wichtig dabei ist jedoch, dass wir genau das Problem umschreiben und zumindest grob umschreiben, was für eine Lösung wir haben wollen. Es ist wie beim Auftrag an eine Fremdfirma, die Spezialisten dort müssen schon genau wissen, was wir wollen – und dann können sie uns auch sagen (wenn sie ehrlich sind), ob unsere Vorstellung von einem Produkt in die Praxis umsetzbar ist oder nicht. Ja, vielleicht ist es sogar so, dass etwas gar nicht geht, weil das eine Ziel das andere ausschließt. Kochendes Wasser kann man nun einmal nicht einfrieren. Wo die Natur aufhört, fängt der Unsinn an. Doch manches andere geht eben – und zwar sehr gut!

So und genauso ist das auch in der Religionspädagogik und in der Moralpädagogik! Wir müssen uns schon fragen: Was wollen wir als Pädagogen (und auch Theologen) eigentlich genau? Oder auch: Was wollen wir nicht? Und lässt sich das eine mit dem anderen überhaupt kombinieren? Umschreiben wir also zumindest unser erstes Ziel genau, legen wir uns doch einmal fest!

  • Wollen wir brav-gläubige junge Menschen, die an Gott und dann auch noch an alle Unwahrscheinlichkeiten wie die Schöpfung eines Gottes, eine Jungfrauengeburt, eine Auferstehung eines Gottessohns glauben?

  • Um was geht es uns, sollen die jungen Menschen an ein Paradies nach dem Tod glauben, oder sollen sie sich darum kümmern, dass sie es in ihrem Leben hier und jetzt verwirklichen?

  • Wollen wir junge Menschen, die ihren Eltern oder auch der Kirche brav und kritiklos gehorsam sind, was immer die Erwachsenen ihnen erzählen und auch von ihnen fordern?

  • Wollen wir junge Menschen, die ein gesundes Selbstbewusstsein und eine gute Menschenkenntnis haben?

  • Wollen wir junge Menschen, die gerade in den persönlichen Dingen jeden Unfug glauben und sich manipulieren lassen, weil sie ein verzerrtes und naives Bild von der Wirklichkeit haben?

  • Wollen wir, dass die jungen Menschen lediglich leibfeindlich sind oder dass sie eine wirkliche (Sexual-)Moral haben?

  • Wollen wir, dass junge Menschen sich vor sich selbst und vor anderen verstecken und dadurch schließlich doch nur zu Kleidungs- und Ausziehfetischisten werden (s. S. 27, 34, 40, 53 u. 59)?

  • Wollen wir junge Menschen, die souverän sind und Spaß an einer hohen Moral der Liebe und der Partnerschaft haben und auch noch aus sich heraus kreativ werden, wenn es darum geht, moralische Normen in die Praxis umzusetzen?

  • Wollen wir überhaupt eine wirkliche Monogamie, dass also Menschen nur einen Sexualpartner im Leben haben? Dazu gehört dann nun einmal auch die voreheliche Enthaltsamkeit. Wollen wir die wirklich?

  • Wollen wir junge Menschen, die damit klar kommen und die dabei auch erfolgreich sind?

  • Wollen wir junge Menschen, die auch noch andere für diese hohe Moral von Liebe und Partnerschaft begeistern?

Wenn Sie nur ein wenig in dem vorliegenden Heft gestöbert haben, werden Sie wissen, wie ich mich entschieden habe. Brav-gläubig und gleichzeitig aus-sich-heraus-kreativ zu sein, moralische Normen in die Praxis umzusetzen, das funktioniert einfach nicht. Auch passen „Freude an der hohen Moral“ und Scham nicht zusammen, weil die Scham eine Verdrängung oder auch eine (irrationale) Angst ist – und eine Angst kann man vielleicht kultivieren und erträglich machen, doch richtige Freude kann man nun einmal mit der nicht haben. Auch sind richtig freie Menschen mit ihr nicht möglich, denn eine irrationale Angst auf der einen Seite bedeutet auch immer Herrschaft auf einer anderen Seite, also Unfreiheit. Ängste sind eben wie Ketten. Auch helfen sie dem Ängstlichen nicht wirklich, weil sie vor keinen Gefahren wirklich bewahren. Sie sind eben ein Herrschaftsinstrument anderer. Dagegen hat der wirklich freie Mensch dort, wo es angebracht ist, „Furcht“. Der Unterschied ist, dass sich eine Furcht aus einem Durchblick heraus bildet und dass sie sich auf wirklich Gefährliches bezieht. Auch weiß der freie Mensch, wie man mit wirklich Gefährlichem sachgerecht umgeht. Manche Kombinationen von Zielen sind nun einmal möglich und andere nicht (oder nur mit viel Aufwand oder mit Gewalt). Kombinieren wir also das, was „von Natur aus“ zusammen passt und auch „einfach“ möglich ist!

Und bedenken wir: Gerade hier gilt das alte Sprichwort: „Gut gemeint ist sehr oft das Gegenteil von gut getan“. Sorgen wir uns also darum, dass das, was wir machen, auch wirklich gut ist und nicht nur, dass wir es gut meinen!

Zur Information: Ich muss erfahrungsmäßig immer wieder darauf hinweisen, dass ich über dreißig Jahre Berufsschulreligionslehrer war. Als solcher habe ich oft mit Schülern und auch außerhalb der Schule mit anderen jungen Menschen und natürlich auch mit Eltern über die Thematik dieses Hefts gesprochen. Dabei muss ich wohl zu Erkenntnissen gekommen sein, die viele andere, die keine solchen Kontakte zu jungen Leuten hatten, bisweilen kaum verstehen können.


Ich bedanke ich mich!

Am Werden dieses Heftes waren sehr viele beteiligt, sowohl solche, die mir zustimmten und Tipps gaben, was noch in so ein Heft gehört, und auch Kritiker, die mich indirekt auf Lücken in der Argumentation aufmerksam machten. Ihnen allen möchte ich von Herzen danken. Erwähnen möchte ich vor allem ein Wiener Mädchen (16 J.) und eine Großmutter aus Ostpreußen (77 J.), die 1945 den Einmarsch der Russen mit den Vergewaltigungen erlebt hatte, selbst allerdings wegen ihrer damaligen Kindheit nicht betroffen war. Das Mädchen gab mir hervorragende Tipps zur Gliederung und fand das Ergebnis „super“, und die Großmutter meinte, dass ihr das Heft gerade auch in ihrer Ehe viel geholfen hätte, hätte sie es nur früher gekannt. Auch sie half mir noch mit konstruktiver Kritik.

Verwiesen sei auch auf die Website der Ägypterin Alia Magda Elmahdy, die sich mit Wort (auch auf Deutsch) und Bild gegen die Unterdrückung der Frau in ihrer Heimat engagiert – Unterdrückung auch durch Kleidung: http://arebelsdiary.blogspot.de/. Es ist eine Tragik dieser mutigen Frau, dass sie wegen der üblichen Leibfeindlichkeit das Kind mit dem Bade ausschüttet und dass sie so in ihrer Gesellschaft schon gar nicht ankommt.

Und noch eine Frage der Kritik: Ich finde, Frauen und Mädchen sehen mit schöner Kleidung doch schöner aus!

Schauen wir uns dazu doch einmal dieses Bild an:

Ausschnitt aus dem Götterhimmel im Rathaus von Toulouse (Frankreich)

Wenn man den Göttinnen und Engeln in diesem Bild Bikinis übermalen würde, wäre das nicht eine Kulturschande? Und ist es nicht auch eine Kulturschande, wenn weiblichen Wesen gerade „in der Werbephase ihres Lebens“, also in einer Phase, in der sie wohl am schönsten aussehen, eine „grundsätzliche Verhüllung“ verordnet wird und diese sich „diese Verordnung“ auch noch gefallen lassen?

Sie sind also gegen eine solche „grundsätzliche Verhüllung“? Na klar. Und nicht nur aus ästhetischen, sondern auch aus moralischen Gründen. Denn die grundsätzliche Scham, also der grundsätzliche irrationale Zwang, sich zu verhüllen, ist nur eine Scheinmoral, die gerade jungen Mädchen eine falsche Sicherheit in moralischen Dingen vorgaukelt. Die richtigen Hallodris, also die Männer und Jungen, denen die Moral der Mädchen (und Frauen) letztlich gleichgültig ist, haben auch eine ausgebuffte Psychologie und wissen das mit der Scheinmoral. Sie wissen daher auch, dass sie nur lange und geschickt genug baggern müssen, bis sie bekommen, was sie wollen. Ja, wenn die Mädchen nicht diese Scheinmoral schon von sich aus satt haben und deswegen mit der hohen Sexualmoral überhaupt Schluss machen wollen und den Hallodris sogar noch regelrecht hinterherlaufen (um endlich von der als lästig empfundenen Jungfernschaft befreit zu werden). Natürlich reicht es nicht, die Scham abzuschaffen, es muss jetzt eine Moral des Herzens und des Geistes hinzukommen.

Sie meinen also, dass das eine Schein- oder auch Verklemmtheitsmoral ist, wenn ein Mädchen zur Sexualscham erzogen wird? Absolut! Denn ich jedenfalls möchte nicht, dass junge Mädchen einmal auch so eine Scheinbefreiung nötig haben, sondern von Anfang an eine schöne Liebe und Partnerschaft anstreben und erreichen. Und ich möchte nicht das Risiko eingehen, dass Mädchen erst einen Umweg über enttäuschende Erfahrungen mit Männern machen müssen, die zwar mit ihnen Sex machen, jedoch mit hoher Liebe und Partnerschaft mit ihnen nichts im Sinn haben.

Und zum Abschluss noch der Kritikpunkt eines anderen (männlichen!) Lesers, der etwas gegen dieses Heft hat, und die Antwort des Autors:

Wenn das Heft lediglich das enthalten würde, was auf den Seiten 33 und 34 zusammengefasst wird, könnte ich alles unterschreiben. Aber der Teufel steckt im Detail, und ich möchte hier noch einmal …“ Ja, der Teufel steckt im Detail. So sehe ich das auch. Wir sind alle in der steten Gefahr, Dünnbrettbohrer zu sein, also immer das gerade auch aus einem individualkritischen Text herauszulesen, was uns bestätigt und was uns auf alle Fälle nicht weh tut. Deswegen gehe ich auch so auf die Details ein. Dann nämlich werden erst die Positionen klar. Auch kommt es immer auf Details an, wenn etwas wirklich verändert werden soll.

Der Autor über seinen Ansatz für dieses Konzept

Mein Engagement hängt gewiss auch mit dem bildungsbürgerlichen Elternhaus zusammen, in dem ich aufgewachsen bin. Man ging einfach in Gemäldegalerien wie Louvre, Reichsmuseum und Uffizien und in Theater und Oper. Irgendwann fiel mir auf, wie hier die eher bürgerlichen Zuschauer irgendwie Voyeure (auch Spanner) sind: Vor allem in der Oper ist ja das Leid mit Liebe und Geschlechtsverkehr weitgehend das Hauptthema, doch genau das ist zum reinen Ohrenkitzel geworden – man hört und sieht sich das genüsslich an, genau wie man bei Verkehrsunfällen „hinglotzt“. Ich denke etwa an die Opern „La Traviata“ und „Rigoletto“ (Verdi), „Don Giovanni“ (Mozart), „Madame Butterfly (Puccini), „Katja Kabanova“ (Janacek), „Wozzeck“ (Alban Berg). Mal ist das Thema, dass ein Vater seine Tochter nicht bürgerlich-anständig verheiraten kann, wenn der Sohn mit einer Edeldirne rummacht, mal die Sorge eines Vaters um die Tochter, damit sie nicht in die Hände des „Oberhallodris“ fällt, dann der Playboy, der alle Frauen und Mädchen vernascht, oder die Sache mit dem amerikanischen Seeoffizier, für den die große Liebe einer Geisha nur ein Zeitvertreib ist, schließlich die von ihrem Mann vernachlässigte Frau, die sich einen Lover anschafft, oder der einfache Soldat, dem die Frau von einem Tambourmajor ausgespannt wird. Sehr oft zerbrechen die Hauptpersonen an ihrem Schicksal und begehen Mord und Selbstmord. Niemand scheint auf die Idee zu kommen, dass diese „Geschichten“ immer auch ihre Ursache in Kultur und Religion haben und dass man sich doch einmal darum kümmern sollte, eine Pädagogik für junge Menschen und insbesondere schon für Kinder zu entwickeln, damit solche „Geschichten“ gar nicht erst passieren. Nicht zuletzt ist das, was wir auf der Bühne erleben, ja nur zu oft auch menschlicher Alltag, wenn auch selten in dieser Dramatik. In der Oper usw. wird eben so manches bis zu Ende gedacht, was sich unsere Alltagsmenschen dann doch nicht trauen.

Ich sehe hier jedenfalls Handlungsbedarf und Handlungsmöglichkeiten!

Gedanken – etwa beim Zeitunglesen

In der Zeitung „Die Welt“ vom 26.10.2013 war ein Beitrag „Warum haben junge Japaner keine Lust mehr auf Sex?“
In dem Beitrag findet es die Autorin merkwürdig, dass zur Zeit die Hälfte der Studentinnen noch Jungfrauen sind und dass es bei den männlichen Kommilitonen ähnlich ist. Sie (und andere) führen das auf eine Sexfeindlichkeit und auf ein Karrieredenken zurück. (Anmerkung: Sie finden diesen Beitrag und auch den folgenden im Internet, wenn Sie den jeweiligen Titel bei Google eingeben.)
Doch auf die Idee, dass gerade der junge Mensch ein hochmoralisches Wesen ist und dass die jungen Japaner hochmoralische Beziehungen der großen Liebe suchen, zieht die Autorin (Elke Bodderas) noch nicht einmal in Erwägung. Und nicht nur die Autorin, auch sonst scheint den nach außen hin so moralischen Erwachsenen jegliche Vorstellung zu fehlen, was junge Menschen wirklich wollen und wie moralisch sie eigentlich sind. Woher kommt´s? Schließen die Autorin des Welt-Beitrags und andere (unzulässigerweise) von sich auf andere? Kann es nicht sein, dass die bekannte offensichtliche Oberflächlichkeit in Bezug auf die Sexualität in ihrem Land auf die jungen Japaner ausgesprochen abstoßend und schließlich sogar eher moralverstärkend wirkt? Üblicherweise wird ja davon ausgegangen, dass junge Menschen vor Obszönitäten und vor allem vor Pornografie geschützt werden müssen, damit sie nicht „davon“ angesteckt werden. Erfahrungsgemäß bewirkt diese ganze Beschützerei jedoch nur eine heile-Welt-Naivität bei den jungen Leuten und hilft im Endeffekt gar nichts: Die jungen Menschen wollen eben wohl gerade deswegen ihre oft leidvollen Erfahrungen machen, weil sie eben keine rechten Vorstellungen haben, worauf sie sich einlassen. Es sieht also so aus, dass gerade die spießige (anders kann ich es nicht nennen) Beschützerei für eine hohe Moral ausgesprochen kontraproduktiv wirkt. Viel effektiver wäre doch eine sinnvolle Information der jungen Menschen, bei der auch die Kehrseite nicht ausgelassen wird. Na ja, die Kehrseite erfahren die jungen Japaner heutzutage wohl zur Genüge. Und so erfahren sie auch, dass sexuelle Abenteuer keinesfalls einen Lebensgewinn bringen, sondern zumeist sehr leidvoll sind und schon gar nichts mit Ehre und Würde zu tun haben. Natürlich: Das mit dem positiven Effekt der Kehrseite funktioniert nur, wenn die jungen Menschen auch ein alternatives Konzept dazu erfahren, wie es richtig geht. Wenn wir irgendwo auf der Welt nun mit dieser Alternative anfangen, könnte den Rest dann nicht die Globalisierung bringen? Vielleicht findet sich ja eine Religion, die sich darum kümmert, die Leibfeindlichkeit zu überwinden? Ob das unsere christliche ist? Doch die müsste erst einmal von den vielen „Zutaten“ aus anderen Religionen, die alle nichts mit dem ursprünglichen Anliegen von vor 2000 Jahren zu tun haben, entrümpelt werden.
Übrigens: Es wird auch beklagt, dass es durch die „fehlende Lust“ der jungen Menschen nicht mehr zu genügend „japanischem Nachwuchs“ kommt. Es muss dazu ganz deutlich gesagt werden: Gesunder Nachwuchs hat nichts oder nur sehr bedingt etwas mit oberflächlichen Abenteuern zu tun (denn dabei ist Nachwuchs ja gerade nicht erwünscht und wird mit allen möglichen Mitteln verhindert), sondern vielmehr mit schöner Liebe und Partnerschaft und also auch mit funktionierenden Familien.
Die Frage stellt sich, warum nicht auch bei uns die jungen Menschen auf eine solche Keuschheit kommen. Wir meinen doch, auch bei uns ist alles so offensichtlich wie auch in Japan. Aber vielleicht doch nicht? Möglicherweise ist bei uns die Schmerzgrenze einfach noch nicht erreicht – zudem werden schlechte Erfahrungen mit dem Sex immer noch zu sehr heruntergespielt und als Zeichen von Unreife hingestellt. Ein reifer Mensch muss eben angeblich „so etwas“ alles erlebt haben, selbst wenn es schmerzhaft war. Noch funktioniert eben der bereits mehrfach erwähnte Des-Kaisers-neue-Kleider-Effekt. Die Frage stellt sich, wie lange noch.
Nachtrag (in der Form der Frage, die öfter gestellt wird): „Aber ist diese Offenheit, für die hier plädiert wird, nicht eine große Versuchung?“ aaaaa
Es ist alles eine Einstellungs- und allerdings auch eine Gewöhnungssache. Wir müssen immer bedenken, dass Nacktheit eigentlich etwas Natürliches ist und etwas Natürliches macht nie scharf oder sollte wenigstens nie scharf machen. Ja, sollten wir uns nicht sogar (vor uns selbst) schämen, wenn wir allein durch den Anblick von Körperteilen erregt werden? Irgendetwas stimmt doch da nicht mit uns, irgendwie sind wir im Sinn der Natur doch nicht normal. Es kann nun gut möglich sein und es ist auch ein Anliegen des hier vertretenen Konzepts, dass allein durch die Beschäftigung mit dem, was natürlich oder normal ist oder zumindest sein sollte, wir tatsächlich wieder natürlich oder normal werden.
Ein schönes Beispiel für dieses „Normalwerden“ ist der kurze Roman des südamerikanischen Nobelpreisträgers Gabriel Garcia-Marquez „Erinnerung an meine traurigen Huren“. Der Titel ist leider irreführend, denn es geht eigentlich gar nicht um „Huren“. Es geht vielmehr darum, wie ein alter Casanova, der Frauen bisher immer nur als Sachen behandelt hat, sich nach langer Abstinenz zu seinem 90. Geburtstag von seiner Puffmutter eine Jungfrau wünscht. Und die bekommt er auch. Nur, als das 14jährige wunderschöne Mädchen, das „dafür“ von der Puffmutter gewonnen wurde, so splitternackt vor ihm liegt und von der Tagesarbeit in einer Knopffabrik und von weiterer Arbeit erschöpft schläft (oder auch nur so tut), da kann er einfach nicht. Und in dieser Nacht und in zahlreichen weiteren Nächten mit dem Mädchen entdeckt er die wirkliche Liebe und den verzaubernden Wert der Unschuld „ohne vom Begehren gedrängt oder von der Scham behindert zu werden“, wie Garcia-Marquez schreibt ...
Um mehr zu erfahren, lesen Sie doch einmal diesen wunderschönen Roman einer späten Bekehrung!


Nacktheit ist in der Kunst durchaus „normal“, selbst bei biblischen Themen. Doch in der Lebenspraxis wollen „bürgerlich-anständige“ Leute nichts davon wissen – ist das nicht merkwürdig oder auch lachhaft? Der Autor gibt sich hier nicht zufrieden und baut also die Nacktheit in sein ethisches Konzept ein – er ist eben auch noch von der bildenden Kunst inspiriert!

Bathseba im Bade (Artemisia Gentileschi, die bedeutendste Malerin des Barock, 1597–1652/53), Neues Palais, Potsdam

Inhaltsübersicht
A. Gespräch über eine vernünftige und christliche Methode der Partnerwahl, über den Sex mit menschlichem Antlitz und über einen intelligenen Anfang damit. 01
B. Glücklicherweise gibt es gerade heute auch die Chance eines zweiten Anlaufs 13
C. Anhänge
1. Kritische Fragen und Antworten 17
2. Das Problem der perfekten Theorie, warum etwas passiert oder auch nicht passiert. 38
D. Pädagogischer Ansatz für junge Menschen ab etwa 8 Jahren 44
E. Sexualmoral und Wissenschaft 50
F. Resümee. Was wollen wir eigentlich wirklich? Über den Autor, Dank und Gedanken des Autors. 54


HINWEIS: Das Heft wird gerade (September 2015) wieder einmal überarbeitet, daher stimmen die Verweise auf die Seitennummern oft nicht.

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