Hormone?

Eine 17-jährige Besucherin der Website („Marlene“, der Name ist allerdings geändert) fragte mich danach – und da möchte ich doch genauer antworten, vor allem, was für dieses Mädchen und (auch für andere) wichtig sein könnte. (Dazu gibt es natürlich auch eine Vorgeschichte: Das Mädchen hat zwei Freundinnen, die bereits Sex hatten und davon sehr ernüchtert waren. Und jetzt überlegt sie natürlich, ob sie sich auch auf so etwas einlassen soll. Da sie nun die Website basisreligion gefunden hat, kam es zu einem Mailwechsel. Hier also etwas daraus.) Also:

Liebe Marlene!

Zunächst einmal: Ich brauche das Wort „Hormone“ hier etwas umgangssprachlich, also vermutlich nicht ganz korrekt. Doch im Großen und Ganzen dürfte es so sein, wie ich es sage, siehe unten das Buch von Josef Zehentbauer. Das Problem ist ja, dass wir Menschen irgendwie durchaus auch von Trieben gesteuert werden - und das läuft nun einmal vor allem auch über Hormone, gerade auch wenn es sich um Dinge handelt, die mit Beziehungen zu anderen Menschen zu tun haben. Und es gibt nun Hormone, die sich automatisch bilden, etwa in der Pubertät (und auch schon vorher!), oder die sich bilden, je nachdem wie Menschen bestimmte Handlungen vollziehen. Es ist ja zum Beispiel schon merkwürdig: Da hat man einen Menschen vorher noch nie gesehen und dann trifft man ihn und hat auch einen irren Trieb, ihm treu zu sein - was gut sein kann, wenn der andere auch so denkt und fühlt, aber schlecht, wenn der andere leider nicht so denkt. Dann gibt es nämlich den berühmten Liebeskummer. Das alles läuft über solche Hormone - und meine These ist nun, dass es doch möglich sein muss, sich die Hormone zu Freunden zu machen, also dass das, was vernünftig ist, und dass das, was wir (infolge der Steuerung durch die Hormone) wollen, in dieselbe Richtung läuft und sich gegenseitig ergänzt und sogar zu unserem Glück aufschaukelt...

Dazu: „Ausschalten“ kann man die Hormone nun einmal nicht oder wir werden verklemmt und krank.

Eine Möglichkeit ist nun die der Sublimierung, also die Überführung der mit den Hormonen verbundenen Energie in geistige Sphären, doch man erzähle das einmal jungen Menschen! Das gelingt bei denen doch nie, das wird immer eine Illusion bleiben.

Und warum auch? Warum so einen Krampf? Warum irgendwelche Ängste und Zwänge? Ja, warum sollte das nicht funktionieren, mit den Hormonen vernünftig umzugehen?

Dir muss also klar sein, dass da irgendein Drang zum Mann schon da ist, das ist einfach so. Du merkst das selbst, Du suchst im Internet, Du korrespondierst mit mir (ja, auch in solchen Fragen ist Dir ein Mann als Gesprächspartner lieber als eine Frau).

Doch einfach so suchst Du ja nicht – Du suchst schon nach der Moral, die Dir bisher beigebracht wurde, nach Deinen persönlichen Wertvorstellungen.

Und wenn man Dir nun von irgend woher einredet, dass die Männer alle sowieso nichts taugen und nur gewalttätig sind und "das Eine" wollen und dass das sowieso ekelhaft ist und Du das auch alles verinnerlichst und die Männer ablehnst, dann führt das nur dazu, dass Du innerlich abschaltest und daher Dir auch keine sinnvolle Strategie zurecht legst, wie Du etwa herausbekommen kannst, ob einer die Moral, die er vorgibt, auch wirklich in sich hat oder sie nur Dir zum Gefallen vortäuscht, um Dich zu manipulieren... Und dann fährst Du eines Tages auf einen ab, bei dem Du meinst, dass alles anders ist oder dass Du ihn verändern kannst (weil er Dir das verspricht und in einer Verliebtheit neigt man nun einmal auch dazu zu glauben, was einem versprochen wird) und holterdiepolter kommt dann alles auf einmal und Du bist dabei auch völlig wehrlos... Und da die Angst vor der Nacktheit ja immer als hoher Wert hingestellt wurde, gegen den Du auf keinen Fall verstoßen möchtest (alles durch Hormone verinnerlicht, denn woher kommt denn so ein Widerwillen sonst?), bleibt also nur der Sex übrig, von dem ja alle sagen, dass der normal ist, dass der sein muss – wenn man als normal gelten will. (Der Drang, normal zu gelten, ist ja auch eine Hormonsache...) Oder „man“ nimmt sich auch „dafür“ irgendeinen, der sich gerade anbietet nach dem Motto „Die Männer sind sowieso alles dieselben, also egal, wen man nimmst...“. (Und die, die Dich so männerfeindlich und konzeptlos geprägt hatten, fühlen sich dann auch noch bestätigt, dass die Männer eben so sind und die Mädchen das einfach nicht begreifen wollen und dass man leider nichts machen könnte. Das ist eben die Natur... Dass sie es waren, die hier Fehler gemacht haben, darauf kommen sie nicht, davon wollen sie auch gar nichts wissen – und der Hintergrund von diesem Wollen oder Nichtwollen sind eben auch wieder Hormone...)

Also zu einer Strategie!

Dazu muss man wissen, dass es zwar Hormone gibt, die Dich förmlich zu Männern treiben (um es mal ganz deutlich zu sagen), doch gerade für Dich als Mädchen (also ohne die berühmten „Erfahrungen“) gibt es kein Hormon, auch einen Penis in Dir zu haben. Du möchtest einfach schlicht und einfach das Gespräch haben, die Nähe, die Haut – sehen, fühlen, riechen, ja, vielleicht auch anfassen (nein, nicht seine Genitalien, aber eben die Haut...).

Und meine Empfehlung: Mädchen sollten ihre Hormone akzeptieren genau dazu erst einmal stehen! Und die Männer danach einschätzen, wo das möglich ist... Und mit ihnen reden...

Und genau so wie es den Mädchen mit den Jungen geht, geht es doch auch den Jungen bzw. den Männern mit den Mädchen bzw. mit den Frauen, zumindest den vernünftigen. Und einen anderen willst Du doch sowieso nicht... Nach meinen Erfahrungen passen sich hier gerade die Jungen sogar den Mädchen an, wenn die überzeugend rüberbingen, was sie nicht wollen und dabei aber nicht total zugeknöpft sind. Aber ich meine schon, dass das alles von den Mädchen ausgehen muss, die sind hier die, die die Moral bestimmen.

Ja, aber solche Offenheit muss nun mit Intelligenz und Phantasie eingefädelt werden. Jedenfalls dürfte es viel besser sein, etwas Riskantes mit Intelligenz anzugehen, als etwas angeblich Normales und Braves einfach so mitzumachen und gar nicht erst darüber nachzudenken. Im Übrigen: Wenn ich mich herumhöre, dann hat der erste Sex nur selten einfach „so“ stattgefunden, sondern er wurde bewusst gewollt oder man war also zumindest gleichgültig, ob er passiert. Es hatte also vorher eine entsprechende Einstellung gegeben. Und was ist, wenn diese Einstellung nun anders ist?

Hier einmal einen Extremfall: Angenommen Du hast einen netten Freund gefunden und Euch sticht der Hafer und Du lässt Dich von ihm „unten“ rasieren, „ja warum nicht, es wächst ja alles wieder nach“... Vielleicht hast Du ja einmal mitbekommen, wie hässlich Männer sehr oft über das weibliche Genital reden, ja, schöne Worte sind das nun wirklich nicht. Doch bei so etwas, „der Betreffende“ muss ja auch schließlich sehr sorgfältig sein, könnte der ein Gefühl für die Würde, für die Schönheit, für die Bedeutung bekommen, schließlich war das ja auch einmal für ihn „das Tor ins Leben“ (Anmerkung: Es gibt da eine Website). Und ich wette, wenn das alles nichts hilft und derjenige Deinen Gefallen daran und Dein Dichfallenlassen dabei plötzlich auszunutzen versucht, um Sex zu machen, dass Du dann sofort hellwach bist und dass dann auch alle Gefühle für den Betreffenden vorbei sind. Nein, der ist wohl bekloppt, das war nicht abgemacht, was denkt der eigentlich, wer Du bist... Und das alles hat mit Hormonen zu tun...

Und wenn man sich mal wirklich verliebt und so richtig „heiß“ aufeinander ist?

Auch dann ist noch nicht alles passiert! Denn der Intimverkehr ist ja nicht so einfach und gerade dabei auch gar nicht das Thema. Naheliegender ist doch eigentlich, dass sich beide so richtig intensiv berühren und umarmen wollen und sich dabei mit den Beinen eher ineinander verschränken oder verhaken, also dass jeder ein Bein des anderen mit seinen Beinen umschlingt – und für lange Zeit... Also dabei ist Sex gar nicht möglich... Man muss natürlich vorher drüber reden. In der WELT vom 6. November 2010 war ein Interview mit der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich (bekannt durch ihr Buch „Die Unfähigkeit zu trauern", in dem sie versucht, das Leid aufzuarbeiten, das durch Deutsche geschehen ist) zu ihrem neuen Buch „Die Radikalität des Alters“. Sie schreibt darin, dass sie einmal behaupten möchte, dass der sexuelle Akt ein aggressiver Akt ist: „In den Körper des anderen einzudringen, ist aggressiv, eine Grenzüberschreitung“. Und ich meine dazu, dass das jeder vernünftige Mann verstehen müsste, wenn ein Mädchen daher ein Eindringen nicht will. Und schließlich ist dieses Zusammensein ohne Sex ja eine Begegnung, bei der beide eher auf gleicher Augenhöhe sind. Natürlich: Der Geschlechtsverkehr ist etwas Ambivalentes! Bei einer heilen Beziehung der Liebe und der Partnerschaft und der Fürsorglichkeit ist das etwas anderes, da ist eine gewisse Aggressivität vielleicht sogar erwünscht, da hat dann auch der Intimverkehr seinen Sinn. Ja, das ist mal eine Begründung der kirchlichen oder gar sakramentalen Ehe aus einer psychologischen, aus einer nichtreligiösen Sicht.

In den Tagen, da ich dies schreibe, lese ich auch den Nachruf auf den „Schutzpatron der Sexwelle“ Oswalt Kolle unter „Ein Menschenfreund“ in der Zeitung „Die Welt“ vom 2. Oktober 2010. Kolle hatte ja sozusagen Partnerwechsel und Seitensprünge hoffähig gemacht. Doch dennoch dürfte er gescheitert sein, im letzten Absatz des Nachrufs lesen wir: „Der große Menschenfreund wünschte sich eine Zivilisation der Zärtlichkeit, die vermutlich noch lange ein utopisches Projekt bleibt.“ - Ja, wenn das stimmt, wie Mitscherlich den sexuellen Akt sieht, dass er ein Akt der Aggression ist, dann passt das nun einmal nicht zu einer „Zivilisation der Zärtlichkeit“ - ausgenommen eben in einer wirklich heilen Beziehung.

Ach ja, wie ist es allerdings mit dem Problem einer möglichen Vergewaltigung dabei? Immerhin bist Du „in einer solchen Situation“ ja noch wehrloser... Doch dazu solltest Du bedenken, dass die Natur gerade auch hier schon irgendwie „gegen die Gewalt“ vorgesorgt hat: Wohl nicht umsonst befindet sich das weibliche Genital zwischen den stärksten Muskeln, die einer Frau angewachsen sind, also zwischen ihren Beinen. Das heißt also, dass im Grunde hier nichts gegen ihren ausdrücklichen Willen geschehen kann. Natürlich, ein Wille kann auch durch Gewalt gebrochen werden, doch auch dagegen ist eine Frau nicht wehrlos. Sie muss sich nur vergegenwärtigen, dass das Genital des Mannes ein sehr empfindliches Körperteil für ihn ist. Wenn sie also da drauf schlägt (bitte nicht zu fest!), dann hört der sozusagen die Engel singen und hat erst einmal genug... Doch es muss ja nicht gleich so brutal sein (obwohl ein Mann, der gegen ausdrückliche Abmachungen gerade in einer solchen Situation verstößt, es schon verdient hätte), sie kann ja auch noch weiter denken, dass ein Mann nach einer Ejakulation erst einmal „schlapp“ und mit sich selbst beschäftigt ist und sie dann Zeit hat, eventuell zu verschwinden. Also warum ihn nicht mit der Hand nett oder auch nicht nett befriedigen? Er wird es geschehen lassen... Ekelhaft? Na, die Hände kannst Du Dir doch hinterher waschen (oder sie auch an ihm oder an seinen „Sachen“ abputzen, aber das wäre vielleicht doch zu frech) – und nach nicht langer Zeit kannst Du sogar darüber lachen – und sogar anderen stolz erzählen. Dagegen bedeutete eine Vergewaltigung nun wirklich ein Trauma, das so schnell nicht wieder vergeht.

Ja warum sage ich das so krass?

Dazu etwas aus meiner Zeit, als ich anfing, Lehrer zu sein: Da kam einmal ein Mädchen, das mir als sehr nett aufgefallen war, nach einer Unterrichtsstunde zu mir und erzählte mir bedrückt, warum sie so lange gefehlt hätte. Sie hätte eine regelrechte Vergewaltigung erlebt (als sie mit ihrem Pferd ausgeritten sei, sei sie mal abgestiegen und da hätte sie einer überfallen) und sie sei auch noch davon schwanger geworden usw. Was konnte ich da noch machen, als ein betroffenes Gesicht aufzusetzen? Doch ich habe mir gelobt, dass mir nie wieder so etwas passieren soll, dass einer meiner Schülerinnen so etwas passiert und dass ich daher den Mädchen, sobald sich die Gelegenheit ergibt, sage, wie sie sich wirklich effektiv wehren können, wo andere sagen, da ist alles zu spät, da kann man nichts mehr tun...

Und ich habe sogar mitbekommen, dass ein Mädchen meine Tipps tatsächlich einmal anwenden konnte und es sich daher eine blöde Erfahrung und ein Trauma erspart hat. Alle anderen hatte ihr daraufhin nur Vorwürfe gemacht, wie sie nur mit einer neuen Bekanntschaft in die Wohnung gehen könnte, doch was hatte das geholfen? Und ich meine doch, man sollte sich als Mädchen auch darüber Gedanken machen und fit sein und etwas machen, was auch dann noch hilft. Klar, zuerst ist so etwas, was ich da geschrieben habe, sicher befremdend, doch ich glaube, irgendwann gibt das größere Sicherheit und also weniger Ängste und also mehr Freiheit nach dem Motto: "Na, wer mir was will, der muss schon früher aufstehen...". Und schon von daher umgibt man sich mit einer anderen Aura - und das merken "die" - und schon von daher passiert einem dann von vornherein viel weniger...

Außerdem: Wenn ich über die Hormone schon so frei schreibe, wie man sie erleben kann, dann gehört doch auch das rein?

Wir müssen uns ja gewiss dran gewöhnen, dass alles deutlich angesprochen werden muss, wenn es wirklich etwas bringen soll... Ich weiß, ich bin hier etwas krass, doch ich sehe das etwa wie eine Pockenimpfung - es piekst zwar und man hat auch vielleicht davon leichte Pocken, doch die schlimmen und tödlichen bekommt man dann nicht mehr.

Ich glaube auch, dass die Natur solches gegenseitiges Kennenlernen ohne die berühmten "vollendeten Tatsachen" geradezu will, schließlich braucht's ja gerade bei dem Menschen seit jeher einen guten Zusammenhalt für Paare allein schon wegen der langen "Aufzuchtsphase" des „Nachwuchses“ – und gerade in den Hundertausenden von Jahren, als der Mensch noch oft in unwirtlicher Natur lebte und es auf den Zusammenhalt mehr ankam als in unserer abgesicherten Wohlstandswelt. Dazu sollte man sich vorher schon gut kennenlernen - und auch so, dass dabei keine Kinder entstehen können (und Kondome sind ja von der Natur nicht vorgesehen). Ja, warum also nicht, wie ich es sage? Denn eigentlich muss doch zu jeder Idee, damit sie in der Praxis auch funktioniert, das entsprechende „Know how“ gehören, sonst ist die ganze Idee doch sinnlos. Und sie müssen doch auch wissen, wie sie sich wehren können, wenn mal etwas anders laufen sollte, als wie sie es sich vorstellen.

Ja, warum erzählt man das den jungen Menschen nicht, es ist doch bekannt, dass Mädchen und Frauen normalerweise Hemmungen haben, im Notfall so drastisch vorzugehen, und sie Ermutigung brauchen? Ja, wer ist denn derjenige, der es gut mit den Mädchen meint? Ist das der, der den Mund aufmacht, oder der, dem vor lauter hochtrabender Moral die Worte fehlen und der daher den Mund hält? Gerade mit solchen Tipps könnte es doch wirklich zu einer echten „Zivilisation der Zärtlichkeit“ kommen... Wie heißt der Spruch der alten Römer: „Si vis pacem, para bellum“ – „Wenn du den Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor“ - oder hier eben: Wenn du wirklich ethisch leben willst, dann bereite dich vor, wie du deine Einstellung auch wirklich durchsetzen kannst... Und genau dabei helfen wir üblicherweise den jungen Menschen ja nicht. Die Tabuisierung als normal hinzustellen, ist ja auch eine gewisse Hilfe, das schlechte Gewissen wegzunehmen. Ob wir am Ende also immer noch so lust- und frauenfeindlich sind wie eh und jeh – und der Unterschied nur ist, dass alles jetzt anders aussieht?

(Doch ich meine, dass es zu irgendwelchem aggressiven Verhalten genau dabei nämlich gar nicht erst kommen wird, denn die Männer, die hier mitmachen, sind ja viel zu glücklich, dass solche Harmonie möglich ist!)

Und wie stehe ich zu Oswalt Kolle?

Dazu hier mal den uralten Witz von Tünnes und Schäl, wo der Tünnes sich beklagt, dass das Leben keinen Spaß mehr macht, weil er Bettnässer ist. Da empfiehlt ihm Schäl, mal zum "Psüschiater" zu gehen, ja die Psüschiater sind die Richtigen, die können bei so etwas helfen. Und nach vier Wochen treffen sie sich wieder und Tünnes ist überglücklich, ja er war beim Psüschiater... Und Schäl zu ihm: "Ist doch toll, was die heute alles können, und da macht doch gleich das Leben viel mehr Spaß, wenn man nicht mehr ins Bett macht, man kann dann auch mal eine Freundin haben, verreisen... " Da unterbricht ihn Tünnes: "Ach, was ich noch sagen wollte, ich mach' ja immer noch ins Bett, aber ich mach mir nix mehr draus.." Und so kommt mir das bei Kolle vor, gelöst wird nämlich bei dem kein Problem wirklich... Die Betroffenen machen sich nur nichts mehr draus...

Und was kann man nun machen, bis man den Richtigen gefunden hat? Das ist ja das Besondere an dem Konzept, das ich hier darlege, dass keine völlig entsagungsvolle Warterei nötig ist. Gerade deswegen muss man nicht als Mauerblümchen zu Hause rumsitzen – nein, da kann man sogar offen sein, auch mal etwas unternehmen... Und „darauf“ könnte man es sogar fast schon ankommen lassen - das Darüberreden wird ja sowieso immer dazu gehören... Und so werden die Hormone nicht mehr zu Ursachen von Enttäuschungen und anderen Traumata – sondern wirklich zu guten Freunden!

Und hier das ursprüngliche Stichwort: 


HORMONE sind körpereigene Wirkstoffe, die zusammen mit dem Nervensystem das Zusammenwirken der Zellen und Organe den Organismus steuern. Daneben gibt es weitere Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter und Neuro-Hormone (Neuro = griech. Nerven) oder Psycho-Drogen, die besonders bei seelischen Abläufen im menschlichen Organismus eine Rolle spielen. Sie werden teilweise automatisch etwa in einem bestimmten Lebensalter produziert, teilweise auch je nachdem, wie es Situationen gibt, in denen sie gebraucht werden. Wir unterscheiden im einzelnen schmerzstillende, morphinähnliche Stoffe (Endorphine), angstlösende Substanzen (das sog. Endovalium), LSD-ähnliche endogene Drogen, anregend wach machende Neurohormone (z.B. Noradrenalin) oder phantasiefördernde Transmittermoleküle (z.B. Dopamin).

"Heute neigen viele Neurowissenschaftler dazu, alle (diese) Botenstoffe als ein einziges eng miteinander verbundenes System zu betrachten" (Josef Zehentbauer, "Körpereigene Drogen", München 1992, Seite 40), deswegen soll hier auch nicht weiter unterschieden werden.

Von Bedeutung für die Sexualität sind zunächst einmal die weiblichen und männlichen Geschlechtshormone, die unsere Natur sozusagen von sich aus automatisch produziert und die nicht nur für die rein biologischen weiblichen oder männlichen Funktionen bei der Fortpflanzung wichtig sind, sondern die auch unser seelisches Verhalten dabei mitbestimmen. Die Wirkung dieser Hormone kann zu einem bestimmten Zeitpunkt so stark sein, daß eine junge Frau der amerikanischen Psychologin Dorothy Tennov über diese Phase erzählte: "Ich weiß genau, ich hätte mich in jeden einigermaßen gutaussehenden unverheirateten Mann verlieben können, der für mich Interesse zeigte. Ich war in einer solchen Bereitschaft. Ein Blick hätte genügt."

Der menschliche Körper ist sozusagen fähig, seine eigenen Drogen zu produzieren!

Darüberhinaus spielen dann in der Sexualität auch noch diejenigen Hormone eine große Rolle, die in allen Situationen von intensiver Anspannung vom menschlichen Organismus selbst gebildet werden, vor allem die sogenannten Anti-Streß-Hormone. Sie sind in ihrer chemischen Zusammensetzung und Wirkung her mit Drogen vergleichbar und lassen sich inzwischen auch chemisch herstellen. Gerade ihre Erfahrung hat einen außerordentlichen Reiz (= Nervenkitzel) und es kommt mit ihnen sogar zu rauschähnlichen Zuständen.

Und wenn der Mensch die Möglichkeit zu eigenerzeugten Rauscherlebnissen hat, dann will die Natur diese auch, er hat sozusagen die Pflicht dazu! Immerhin können wir auch lernen, die in uns selbst erzeugten "Drogen" zu steuern!

Es ist sinnlos, wenn etwa Erzieher mit Verboten oder mit den üblichen Ratschlägen gegen die Macht solcher Naturgewalten angehen wollen, sobald diese sich bei den ihnen anvertrauten jungen Menschen abspielen. Sie schaffen das sowieso nicht und treiben die jungen Menschen allenfalls in Lüge und Heuchelei. Eine Chance, hier etwas zu beeinflussen, hätte vermutlich darin bestanden, den jungen Menschen mit einer geeigneten Kindererziehung rechtzeitig zu helfen. Man hätte sie zu rechter Zeit fähig machen müssen (siehe Kairos), diese ihre Hormone von sich aus zu bedenken und sinnvoll zu steuern und bewußt einzusetzen, indem sie etwa die typischen menschlichen Versuchungen im Sinn wirklicher Moral in den Griff bekommen. Eine konkrete Strategie hierfür kann letztlich nur von den jungen Menschen selbst ausgehen.

Vielleicht veranschaulicht das Bild vom Horror Vacui, also vom leeren Raum, der nach Füllung sucht, das Problem: Zu unserer inneren körperlichen und seelischen Harmonie benötigen wir einfach Rauscherlebnisse, für deren Entfaltung unser Organismus durchaus Hormone bereitstellen würde. Damit wir nun nicht vom Verlangen nach solchen Rauscherlebnissen überrumpelt werden, die für uns zerstörerisch sein können (siehe Überrumplung), müssen wir unsere Natur auf positive Rauscherlebnisse umprogrammieren, für die die entsprechenden Hormone allerdings eher bewußt abgerufen werden müssen.

Unschuldige Nacktheit und konsequente bewußte Enthaltsamkeit nach der Methode des Führers der indischen Unabhängigkeitsbewegung Mahatma Gandhi könnten genau die absichtlich und kontrolliert herbeigeführten Reize hierfür sein. Die Natur läßt sich nicht verdrängen und überlisten, sondern allenfalls auf ihre Ursprünglichkeit zurückführen: Wenn wir uns nicht die kontrollierbaren und "normalen" Hormonrauscherlebnisse genehmigen, werden wir anfällig für die eher unkontrollierbaren und zerstörerischen. Und die kommen dann mit absoluter Sicherheit!

Daß die kontrollierbaren Hormonrauscherlebnisse auch sehr erfüllend sein können und in keinster Weise negative Begleiterscheinungen haben, macht nicht zuletzt unsere christliche Ehemoral (siehe Zehn Gebote) höchst attraktiv.

Außer den im Zusammenhang mit der Sexualität produzierten Hormonen kann es beispielsweise auch noch zu Hormonauschüttungen kommen durch:

-          Körperliche Anstrengung bis hin zur Erschöpfung,

-          Überwindung von als irrational erkannten Ängsten,

-          Natur- oder Kulturerlebnisse,

-          Überstehen von schwierigen Situationen wie Prüfungen, beruflichen Schwierigkeiten, Beziehungskrisen (hoffentlich sind sie wenigstens prinzipiell lösbar!),

-          Spielsituationen, an denen man aktiv oder auch passiv beteiligt ist,

-          rhythmische Bewegungen beim Tanz besonders zu einpeitschender Musik,

-          harmonisches Zusammensein mit anderen Menschen, selbst wenn es dabei nur um den üblichen Tratsch geht,

-          Freude oder gar Erfolg bei schöpferischer Arbeit.

-          Gute Laune (auch eine Art Rauschzustand!) bringt auch das Baden im eiskalten Wasser oder etwa zweiminütiges eiskaltes Duschen!

Geeignet ist natürlich erst recht auch eine Kombination mehrerer Faktoren!

Eher ungeeignet für die Auslösung von eigenerzeugten Hormonen dürften künstlich herbeigeführte und gesteigerte Spannungen sein wie spannende oder pornografische Filme, Glücksspiele, bezahlte Abenteuer ohne eigenes aktives Dazutun, Schlägereien im Zusammenhang mit künstlichen Situationen wie unter Hooligans beim Fußballspielen, bei denen man lediglich passiv teilnimmt.

Auch Kriegs- und sonstige bisweilen sogar absichtlich herbeigeführte Katastrophenerlebnisse lassen sich nur dank der Bildung von Hormonen verkraften - ob der rechte Umgang beispielsweise mit den Anti-Streß-Hormonen im Zusammenhang mit einer kontrollierten Sexualität da nicht sinnvoller und weniger gefährlich ist?

Inzwischen kam man auch auf die Idee, die normalerweise eigenerzeugten Drogen künstlich herzustellen und zu verabreichen. Doch da gibt es bisher mehr Probleme als Vorteile.

Der Pharmaindustrie ist dies zwar bei einigen Substanzen gelungen, doch zeigten diese bisher nicht dieselben Wirkungen wie ihre natürlichen Originale. Entweder führten sie zu nicht mehr vertretbarer Abhängigkeit oder sie wurden im menschlichen Körper sehr rasch abgebaut.

Ein weiterer Nachteil der künstlichen Hormone ganz allgemein ist eine langsame Vergiftung der Umwelt. So gelangen Reste der etwa in den Antibabypillen enthaltenen Hormone und deren Abbauprodukte mit den Ausscheidungen in die Abwässer und damit in die Umwelt. Wir umgeben uns damit immer mehr "mit einem künstlichen Ozean von Östrogenen" (weiblichen Sexualhormonen). Und das könnte die Hauptursache dafür sein, daß heute schon jedes fünfte Paar in den Industrienationen ungewollt kinderlos bleibt. Bis zum Jahr 2000, so befürchten Experten, werden rund 50 Prozent der männlichen US-Bevölkerung unfruchtbar sein. Auch werden die künstlichen Hormone noch für weitere Schädigungen verantwortlich gemacht. Infolge eines inzwischen vom Markt genommenen Östrogens Diethylstilbestrol (DES) wurden bei den Mädchen extrem bösartige Krebserkrankungen der Scheide beobachtet, in höherem Alter wurden sie häufig steril. Jungen waren besonders anfällig für Hodenkrebs, Mütter hatten ein höheres Brustkrebsrisiko (vgl. DIE WELT vom 16.3.1996).

Natürlich hat die Pharmaindustrie kein Interesse an einer Forschung über die unschädlichen körpereigenen Wirkstoffe, weil etwaige Entdeckungen hier nicht finanzträchtig sind. Es wird uns also auch weiter nichts anderes übrig bleiben, als uns selbst um eine natürliche Produktion zu bemühen - und zudem ist die doch viel attraktiver!

 

Im Bericht "Tierisch menschlich" - "Können Kamele weinen? Affen lieben? Ratten lachen? Lange Zeit haben Forscher den Tieren Gefühle abgesprochen. Jetzt sind sie klüger" in der WELT vom 7.1.2004 geht es genau um das Problem, inwieweit Gefühle und Hormone zusammenhängen.

Hier Auszüge:

Flo, die Übermutter des Affenclans, war mit 43 Jahren gestorben. Ein gesegnetes Schimpansenalter. Doch Flint, ihr Sohn, kam darüber nicht hinweg. Lange saß er winselnd neben ihr, anschließend mied er die Großfamilie, verweigerte das Futter. Drei Wochen später war auch Flint tot. Für die berühmteste Schimpansenforscherin, Jane Goodall, die Jahrzehnte im tansanischen Wald mit der verzweigten Verwandtschaft Flos und Flints zusammenlebte, war die Begebenheit eine mehr, die ihre Auffassung festigte: Tiere, Schimpansen zumal, haben wider alle Lehrsätze der Zoologie durchaus Gefühle.

Goodall hatte sich damit diskreditiert in den Augen der etablierten Wissenschaft, endgültig. Schon dass die Britin ihren  Forschungsobjekten Namen gab statt Nummern, war unerhört. Nun aber, mit ihrer Gefühlsdiagnose, ging sie mit den herrschenden Lehrsätzen in direkte Konfrontation. Dabei hegt Goodall nicht einmal allzu romantische Emotionen gegenüber den Affen. Deren eruptive Gewaltorgien enttäuschten sie tief - aber bestätigten auch, dass sich Affen und Menschen näher sind, als mancher vermuten mag.

Flo und Flint starben 1972. Eine Menschengeneration später nun beginnt die Wissenschaft, langsam, aber sicher, umzudenken. Nicht nur weil Evolutionsforscher Svante Pääbo auf Grund genetischer Untersuchungen  kürzlich behauptete, Schimpansen seien dem Menschen so nahe, dass sie in die Gattung Homo gehörten. Vor allem in den USA bemühen sich  Forscher heute, eingefahrene Vorurteile über Bord zu werfen. Sie untersuchen Ratten, Mäuse, Elefanten, Delphine, Hunde und andere  Spezies auf Hinweise eines Gefühlshaushaltes - mit ersten Erfolgen.

Systematische Beobachtungen des Verhaltens von Tieren lassen den Eindruck aufkommen, dass bei ihnen mehr passiert als schematische Instinkthandlungen fürs bloße Überleben. Schon Charles Darwin erregte Aufsehen mit seiner Behauptung, nicht nur die vermeintliche Krone der Schöpfung sei von Gefühlen geplagt. Lag er richtig? Oder der große Denker der frühen Neuzeit, René Descartes, der lehrte, Tiere seien eine Art Roboter?

Dass Wissenschaftler inzwischen Emotionen bei Tieren erkennen, hängt auch mit den Fortschritten in der Erforschung des menschlichen Gehirns seiner Chemie zusammen. So konnte Steven Siviy, Neurologe und Verhaltensforscher am Gettysburg College in Pennsylvania, eindeutig nachweisen, dass im Hirn von Ratten, während sie spielen, größere Mengen an Dopamin freigesetzt werden - ein Botenstoff, der beim Menschen Lust und Freude bewirkt. Simple Beobachtungen bestätigten die  biochemische Reaktion: Regelmäßiges Training, bei dem Ratten zum Spielen animiert wurden, ließen bei den Tieren nach einer Woche pünktliche Vorfreude aufkommen: Sie gaben Laut, rannten erregt hin und her. Verabreichte der Neurologe dagegen Dopaminblocker, blieb auch bei den Ratten jegliche Gefühlsregung aus. Jaak Panksepp, Neuropsychologe an der Universität von Massachusetts, fand im Hirn von Ratten, die  kurz zuvor gespielt hatten, zusätzliche Mengen von Opiaten - Hormone, die beim Menschen Wohlgefühl bewirken.

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Ein Schlüssel dazu könnte das Hormon Oxytocin sein, verantwortlich sowohl für sexuelle Erregung als auch für das Bedürfnis nach längerer Bindung und, als "Brutpflegehormon", für die Fürsorge einer Mutter ihrem Säugling gegenüber. Wissenschaftler der Universität von Maryland begannen, dem Wirkstoff im Tierreich nachzugehen, und wurden zumindest bei den Präriemäusen fündig, die zur Monogamie neigen und auf Oxytocin ähnlich durchschlagend reagieren. Treffen sie aufeinander, benötigen die Weibchen üblicherweise einen ganzen Tag, um sich aus der Schar möglicher Paarungsbewerber ihren Favoriten auszuwählen. Als die Neurologin C. Sue Carter jedoch einigen von ihnen Oxytocin intravenös verabreichte, "verheirateten" sich die solcherart behandelten  innerhalb kürzester Zeit, nahmen oft schon den ersten zum Gatten, den sie überhaupt sahen. Auch hier klappte der Gegenbeweis: Mäuse, denen ein Oxytocin-Blocker injiziert wurde, blieben hartnäckig Singles.

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(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)