INITIATIONSRITEN (von lateinisch "Einführung", "Einweihung") sind zunächst einmal alle in neue Gegebenheiten einführenden Weiheriten. Und neben solche in Stammestraditionen, Geheimbünde usw. sind das vor allem die so genannten rituellen Begleitungen "menschlicher Übergangsphasen": Geburt, Pubertät, Hochzeit, Tod.

Wohl ein menschliches Grundbedürfnis.

Daß es solche Riten in allen Kulturen gibt, sagt natürlich nichts über ihre Notwendigkeit. Doch es sieht so aus, als ob wir Menschen solche Riten unbedingt brauchen, damit wir einerseits nicht mehr oder weniger lange Zeit in für uns ungewissen Zwischenwelten leben (es ist doch unangenehm, nicht Fisch und nicht Fleisch zu sein) und wir es andererseits selbst und auch andere es einfacher haben zu akzeptieren, was nun einmal mit uns passiert. Besonders wichtig scheinen diese Riten zu sein bei allem, was mit unserer Sexualität zu tun hat, denn vor allem könnte es durch sie verläßliche und spannende Spielregeln für unser Zusammenleben geben, die nicht nur unseren Umgang miteinander einfacher, sondern uns auch gesünder und leistungsfähiger überhaupt machen könnten, weil sie uns von überflüssigem und schädlichen Streß frei halten.  

Dekadenz in unseren hochzivilisierten Gesellschaften.

Leider sind die "offiziellen" Riten, die nun einmal bei uns vor allem die Riten unserer christlichen Religion sind, allerdings ziemlich entwertet, sie sind zu Einführungsriten in eine typische Priesterreligion verkommen, für die das Gelingen des Lebens nicht mehr der Selbstzweck, sondern nur noch Anhängsel oder eben "Mittel zum Zweck" ist. So sind gerade die Riten unserer christlichen Religion für junge Menschen, also die Sakramente, die üblicherweise in der Jugend gespendet werden, Taufe, Abendmahl (siehe ErstkommunionN) und Firmung beziehungsweise Konfirmation, zu Werbeveranstaltungen für den "Verein Kirche" oder eben zu einem Kirchenkult verkommen. Das Gelingen des Lebens und eine wirkliche Freiheit und Emanzipation spielt dabei überhaupt keine Rolle mehr, es geht im Grunde nur noch um ein den Lebensphasen angepasstes weltfernes Wissen über diesen "Verein". Doch interessiert dieses Wissen in unserer Zeit, in der nun einmal die Aufklärung auch schon bis zu den jungen Leuten vorgedrungen ist, diese letztlich nicht mehr. Auf alle Fälle sind für die Probleme mit den wichtigsten Phasen des Lebens die jungen Leute allein gelassen.

Nach den Spielregeln des Horror Vacui bilden sich zwangsläufig Ersatzriten!

Doch da die jungen Menschen nun einmal Riten brauchen, weil diese einfach zum Erwachsenwerden gehören, fangen sie an zu rauchen, Alkohol zu trinken, Joints, also Drogen, zu nehmen, es kommt zu Sexualerfahrungen... Klar, wenn man ihnen nichts Vernünftiges gibt, fangen sie eben etwas Unvernünftiges an, und wenn es Steine statt Brot sind!

Daher plädiert basisreligion für eine Neubesinnung gerade der Sakramente und insbesondere derer, die für junge Leute infrage kommen. Hier liegen ungeahnte Chancen, wenn wir von unserem zur Priesterreligion entartetem Glauben wegkommen und wieder zum Anliegen des vermutlich historischen Jesus finden. Dann hätten auch eine typische Kleidung, also etwa die festliche Erstkommunionkleidung, und das entsprechende Ritual mit einem ordentlichen Fest durchaus ihren Sinn!

Ein Ersatz für die kirchlichen Initiationsriten ist heute die Jugendweihe, aber nicht nur die!

Siehe mehr dazu in einer Arbeit über Initiationsriten des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg:

Initiationsriten: Anmerkungen zum Umgang mit Ritualtheorien

von Gerrit Herlyn

finden Sie unter http://www.kultur.uni-hamburg.de/volkskunde/Texte/Vokus/1999-1/initirit.html
 

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)