Mit INITIATIVE bezeichnen wir die erste Anregung zu einer Handlung. Im Umgang mit dem anderen Geschlecht denken wir vor allem dabei daran, wer den ersten Schritt zu einer Freundschaft oder auch zu ersehnten Annäherungen tut. Grundsätzlich kann jede solche Initiative vom Jungen wie vom Mädchen, von der Frau wie vom Mann, ausgehen. Nur: es ist auch heute immer noch nicht gleichgültig, um was es dabei geht! "Offenbar scheuen viele Männer die intensive Nähe einer Frau wie der Teufel das Weihwasser. `Es gibt nur eines', erläutert der Frankfurter Psychologe Ulrich Rast, `was für einen Mann schlimmer ist, als seine Frau mit einem anderen Mann im Bett zu erwischen: das Versprechen abgeben zu müssen, rechtzeitig zu einem traulichen Abend daheim zu sein.' Das ist nicht nur richtig, sondern ausgesprochen untertrieben. Viele Männer fürchten sich geradezu vor Kerzenscheinabenden! Schon die Ankündigung wirkt auf sie wie ein Frühwarnsignal..." (DIE WELT vom 24.8.1996).

Der Grund mag der sein, daß letzten Endes immer nur der Mann der Erobernde sein möchte, gleichgültig, ob es sich um eine Liebesnacht innerhalb oder außerhalb einer Ehe oder um eine Ehe überhaupt handelt, was ja immer hinter einem solchen Kerzenscheinabend vermutet wird.

Besonders problematisch scheint dabei das unverbindliche Abenteuer zu sein: Denn nach allgemeiner Meinung der Männer (die jedoch nicht oder nur zögernd zugegeben wird) müßte einem Mädchen (oder einer Frau) doch klar sein, wie sehr es sich vor allem mit einer Initiative zu einem unverbindlichen Geschlechtsverkehr eigentlich erniedrigt und lächerlich macht. Ihm müßte doch bewußt sein, welche Tragweite "so etwas" im Hinblick auf seine wirkliche Liebe und Emanzipation und damit auch auf seine Position im Geschlechterkampf hat. Alle Versuche, diese Bedenken als belanglos abzutun, gleichen einem Kampf gegen Windmühlenflügel! Und ein intelligentes Mädchen sollte natürliche Gegebenheiten nun einmal erkennen und anerkennen und sich im eigenen Verhalten danach richten!

Dagegen scheint im Bereich eindeutiger Kameradschaftlichkeit bis hin zu dem, was auch die Bibel in der Adam-und-Eva-Erzählung als diejenigen Früchte, akzeptiert, von denen wir essen dürfen, also dem Erlebnis der Phase der Ästhetik, einem Mädchen (oder einer Frau) jede mögliche Initiative erlaubt!

Ja, vermutlich hat ein Mädchen sogar weitgehende Narrenfreiheit, und es wird dabei sogar noch bewundert werden wegen seines Mutes und seiner Pfiffigkeit. Und je mehr klar wird, daß es einem Mädchen tatsächlich um ästhetische Werte wie auch um Kameradschaftlichkeit geht und daß es ein festes Lebenskonzept der Einheit von Leib und Seele und von wirklichem Gefährtesein mit einem Partner hat und daß es sich allenfalls im Rahmen dieses Konzepts erobern läßt, desto besser! (Siehe konkludentes Handeln.)

Wenn einmal die grundsätzlichen Fragen zur Einstellung zur Einheit von Leib und Seele geklärt sind (etwa durch Verdeutlichung, daß man wirklichen christlichen Glauben begriffen hat und sich daran hält und nur Partner akzeptiert, die da genauso denken), erleichtert das den Umgang miteinander ungemein: Wir brauchen uns bei einer Initiative von Seiten des anderen Geschlechts nicht mehr damit den Kopf zu zerbrechen, was der andere nun wirklich will, mit welcher neuen Masche der Anmache man jetzt wieder zu rechnen hat, auf was man sich wieder einlassen muß (siehe auch Schüchternheit).

An eine weitere Bedeutung des Wortes "Initiative" sollte man unbedingt denken, wenn man sich bei einem Freund (oder einer Freundin) Gedanken über eine Lebensgemeinschaft, also eine Ehe, macht: Hat der andere vergleichbare Initiativkraft wie man selbst, kann man sich gegenseitig mit seinen Initiativen anspornen?

Oder ist es wie mit einem Anlasser und dem dazugehörigen Motor, der trotz aller Kurbelei nicht anspringen will? (Es ist wahrscheinlich so, daß Anlasser und Motor für sich gesehen jeweils schon funktionieren, nur eben nicht in dieser Kombination!) Wer diese Bedingungen für Initiativen nicht beachtet und dann auch noch durch weitere und tiefere Bindungen vollendete Tatsachen schafft, darf sich über ein Scheitern von Beziehungen später schließlich nicht wundern. Es kann kaum gut gehen, wenn der eine von Initiativkraft überschäumt und alles Mögliche in Kultur und auf Reisen, im Sport und in der Natur, in Wissenschaft und im Einsatz für andere bewegen und erleben möchte, der andere aber am liebsten vor seinen Videospielen oder vor dem Fußballprogramm im Fernseher sitzen will.

Dazu aus einer Mail von Dorothea (November 2004):

Wie sollen sich denn Frauen deiner Meinung nach verhalten? Was empfindest du als gesundes Verhalten der Frauen mit Sexualität umzugehen? Dass sie immer alles sagen, weil das ja natürlich ist? Du musst auch bedenken, dass sich Frauen in einer anderen gesellschaftlichen Rolle befinden als Männer. Frauen werden permanent mit männlicher Sexualität konfrontiert und dann einen guten Mittelweg zu finden, dass heisst sich auf der einen Seite zur Sexualität zu stehen und sich auf der anderen Seite abgrenzen zu können ist ganz schön schwierig.

Und aus der Antwort von basisreligion:

Wenn einer Frau alles egal ist und sie in der ganzen Sexualität eben auch nur ein Spielfeld für Abenteuer sieht, ist natürlich alles kein Problem. Doch wenn sie ernsthaft ist, sieht das dann alles anders aus!

Ich kann hier nur als Mann beschreiben, was ich mir so gewünscht hätte, als ich noch in dem Alter war...

Manchmal träume ich ja noch davon, daß mir mal ein Mädel scharf in die Augen gesehen und mich gefragt hätte, ob ich denn an das glaubte, was ich da geschrieben hatte, also das von der Phase der Ästhetik, von der Gandhi-Methode, von den Sollbruchstellen, überhaupt von der ganzen Reihenfolge, und ob ich das auch durchhielte, wenn´s mal drauf ankäme, ob sie sich also mir anvertrauen könnte... Ja, ich erinnere mich an ein paar Situationen in meinem Leben und wünschte mir, daß sich die Mädels so verhalten hätten, doch es war immer anders, ihnen war im Grunde alles "in dieser Richtung" egal, weil sie "nichts" mehr zu verlieren hatten, also kam diese Frage nie. Dabei würde "man" solch ein Verhalten ja einsehen, wenn es nur richtig vorgebracht würde! Also habe ich immer abgebrochen, so weh es mir auch manchmal tat und so schön die Mädels waren (!) - einfach weil ich dachte, einer muß ja mal konsequent sein (auch im eigenen Leben) und sich engagieren, damit sich etwas ändert. Und man kann ja wohl nur etwas machen, wenn man auch selbst völlig danach lebt und die Zielsetzung durchhält... Und das macht auch Sinn, selbst wenn er selbst nichts mehr direkt davon hat. Denn wenn alle nur immer an sich denken, dann wird nie etwas! (Nenne meine Einstellung christliches Pflichtgefühl - oder auch preußisches, wie Du willst... Ich habe ja auch schließlich schnell gesehen, daß die Mädels an ihrem Schicksal gar nicht so recht Schuld waren, es hatte ihnen ja niemand so richtig gesagt und sie erst recht nicht auf einen vernünftigen Weg gebracht! Und all das ist auch nicht nur reine Aufopferung - etwas zu bewegen, macht ja schließlich auch Freude!)

Vor allem meine ich auch, dass die Sexualität von Seiten der Frau bzw. des Mädels erst einmal gar nicht ins Spiel gebracht werden sollte, wenigstens nicht so als Zweck einer Begegnung. Das sieht einfach nur notgeil aus und schreckt ab, wenigstens für Ernsthafteres. Wenn also die erste Frage "nach der Sicherheit und Verläßlichkeit" abgehakt ist, dann sollte gleich kommen, dass der Zweck der Frage war, vielleicht mal eine Fahrt (oder eben das, was da Mädchen an dem Mann interessiert, wobei man mit ihm ein Team sein möchte, also die Vorstufe zu einer Partnerschaft) mitzumachen, wie das, von dem sie erfahren hätte. Eben einfach eine gesunde Neugier auf einen Mann und auch die Suche nach Kameradschaft - und ohne "weitere Absichten". (Daher auch die erste Frage, ob "man" an die ethischen Konzepte glaubt, für die man da Reklame macht, denn das ist ja Vorbedingung, daß alles weitere angegangen werden kann...) Auch so etwas habe ich eigentlich nie von einem Mädel gehört, außer von einem 11jährigen, für die war die Neugier auf eine Fahrt usw. das Wichtigste... Und das ist doch auch wirklich wichtig!

Ich finde, wenn ein Mann nicht die Sorge einer Frau um ihre Ehre usw. spürt, wenn sie schon Wert darauf legt, sollte "frau" die Hände von ihm lassen, das wird sowieso nichts. Aber sie muß auch reden und ihre Situation darstellen können. Viele Männer haben einfach nie gelernt, Frauen anders einzuschätzen, als wie es uns etwa die Kondomreklame ("Briefmarkensammlung" oder so) vorgaukelt. Hier hätten die Frauen eine Mission zu erfüllen - ich habe das unter Female Choice geschrieben.

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)