INSIDERWISSEN. Wir kennen diesen Begriff vor allem von Börsengeschäften. Da hat also jemand Wind bekommen von bevorstehenden Firmenübernahmen und anderen Veränderungen, die sich auf den Preis von Aktien auswirken könnten und kauft oder verkauft „rechtzeitig“ und macht dadurch einen hohen Gewinn oder vermeidet einen entsprechenden Verlust – und ist dadurch im Vorteil gegenüber denjenigen, die von diesem Insiderwissen eben keine Ahnung haben.

Jedes typische Fachwissen ist im Grunde Insiderwissen.

Doch solches Insiderwissen gibt es nicht nur bei Börsengeschäften, wir finden es eigentlich überall. Beobachten Sie einmal einen Handwerker, Sie werden staunen, welche besonderen Kniffe der auf Lager hat, um seine Arbeit schnell und gut zu machen. Und wir dürfen keineswegs meinen, daß nur wir heute solches Wissen hätten! Es gab etwa früher oder bei anderen Völkern Wissen, was verloren gegangen ist und für das wir heute viel ausgeben würden, wenn wir es nur wüßten.

Ein Beispiel: Im alten Griechenland wurden die große Bauwerke errichtet aus Steinen, die völlig "satt" aufeinander lagen. Der Mörtel, den wir seit den Römern verwenden, hat nur die Aufgabe, daß die Steine perfekt aufeinander liegen, denn Mörtel soll den Druck gleichmäßig verteilen, für Zugkräfte taugt Mörtel nicht. Daher geht es eigentlich auch ohne Mörtel. Das Problem  ist allerdings, daß die Steine völlig plan sein müssen, ansonsten wackelt das ganze und vor allem entstehen Druckstellen - und das Gewicht des über etwaigen unebenen Steinen befindlichen Bauwerks führt zum Platzen der Steine beginnend an diesen Druckstellen und es kommt damit schnell zur Zerstörung des ganzen Bauwerks. Bei Tempelsäulen wissen wir, wie man das machte, dass die einzelnen Trommeln satt aufeinander liegen, man schleift sie durch Drehen solange ein, bis keine Fuge mehr da ist - doch wie die damals das bei aufeinander liegenden Steinen machten, wissen wir nicht. Noch als die Spanier nach Südamerika kamen, haben etwa die Inkas mit solchem Wissen ihre Bauten errichtet, doch offensichtlich hat ihnen niemand dabei zugeschaut, zumindest hat niemand darüber etwas aufgeschrieben. Das Fachwissen oder auch das Insiderwissen ist verloren gegangen. Und so ist es auch mit anderem Wissen der Vergangenheit.

Das Problem Insiderwissen ist universal!

Bei einem Urlaub in Bolivien wurde der Hotelmanager, ein Indio, auf mich aufmerksam, als ich an meinem Notebook saß und an dem Konzept dieser Website arbeitete. Wir kamen ein wenig darüber ins Gespräch, und nach ein, zwei Tagen klopfte es an meiner Tür und davor stand wieder der Hotelmanager: „Mike, ich muß mit dir sprechen!“ Und er kam auch bald auf sein Thema: Ob ich wüsste, wo die Juden, die aus Spanien nach 1492 vertrieben wurden, geblieben seien? Na ja, meinte ich, in Italien, auf dem Balkan, mehr wüsste ich nicht… Als er damit nicht weiterkam, fragte er, ob ich wüsste, welche Kräfte denn Südamerika erobert hätten. Na ja, Spanien, meinte ich, und auch noch Portugal. Doch er sagte es genauer: "Rom, die spanische Krone und die Sephardim" (also die Juden von der iberischen Halbinsel). Also, dass Kolumbus aus einer zum Christentum bekehrten jüdischen Familie stamme, hätte ich schon einmal gehört, doch was die Juden sonst mit Südamerika zu tun hätten, konnte ich mir nicht denken. Ja, meinte er, und Pizzarro und Cortez auch (also die brutalen Eroberer Mexikos und Perus) seien solche bekehrten Juden gewesen. Davon hatte ich nun noch nie etwas gehört – doch darum geht es hier auch gar nicht. Für mich war interessant, dass dieser Hotelmanager mir das erzählte und warum – ob er das auch anderen erzählte? Vermutlich war der Grund, dass ich Deutscher war und er mich trösten wollte wegen der Demütigungen, die wir als Deutsche so in aller Welt wegen unserer unseligen Vergangenheit erführen: „So Unrecht hattet ihr Deutschen gar nicht, wenn ihr….“ O je, wie schauerlich, eine solche Tröstung war mir nun gar nicht recht…    

Doch warum ich das hier erzähle: Andere Deutsche, die in der Welt herumkommen, etwa in der Türkei oder auf Kreta, erleben Ähnliches: Man erzählt uns Deutschen etwas, was man keinem anderen sonst erzählt, einfach nur aus dem Grund, weil wir Deutsche sind und weil man meint, dass wir aufgrund unserer Vergangenheit so eine Art Fachleute auf dem Gebiet sind und ähnlich denken wie sie und daher für dieses Insiderwissen zuständig sind. Und weil wir nun immer wieder so etwas hören, entsteht in uns der Eindruck, daß viele Menschen etwas gegen Juden haben. Besuchern aus anderen Ländern würde man das alles vermutlich nie erzählen. Denen erzählt man dafür etwas anderes, und wenn es um uns Deutsche geht, vermutlich durchaus auch etwas Negatives über uns Deutsche, auch eine Art Insiderwissen, an das nun wieder wir nicht herankommen. Und so entsteht auch bei diesen Leuten ein besonderer Eindruck.

Doch um das Problem dieses Eindrucks geht es hier nicht, es geht um die Tatsache eines besonderen Wissens, das man manchen zukommen lässt und das bei ihnen bleibt und das man auch selbst nicht weitererzählt, also von typischem Insiderwissen.

Lebensrettendes Insiderwissen.

Ja, auch das gibt es! Erwähnt sei hier die Masche des Rechtsanwalts Hans Calmeyer aus Osnabrück während der Nazizeit im besetzen Holland, der durch die Anerkennung von falschen Abstammungsdokumenten vielen Juden das Leben rettete. Die Betroffenen mussten diese Masche eben wissen – und die Gestapo nicht… Und bisweilen hat Calmeyer die Juden auch „aufgeklärt“ und ermuntert, da mitzumachen! Siehe unter Zivilcourage!

Natürlich gibt es typisches Insiderwissen seit jeher auch auf dem Fachgebiet der Sexualität!

Davon, wie man in einem Gottesstaat die Gesetze (aus-)nutzt, um sein Unwesen nur umso besser treiben zu können, berichtet die Susannageschichte der Bibel. Vermutlich erfuhr der wirkliche Jesus (siehe auch Leben-Jesu-Forschung) genau von solchem Insiderwissen, das es auch zu seiner Zeit gab, zumal die Gesetze ja noch dieselben waren wie zu der Zeit, als diese Erzählung entstand. Und Jesus hat nun dieses Wissen nicht in der üblichen Weise - eben mal nicht wie ein Macho - zur Unterdrückung der Frauen angewandt, sondern er nutzte es, um ihnen gezielt Beistand zu leisten. Damit kam er jedoch denjenigen, die dank dieses Wissens ihre Vorteile hatten, ins Gehege.

Es ist schon merkwürdig, wie sowohl zur Zeit Jesu als auch heute solch ein Insiderwissen verdrängt wird. Heute macht man aus einer ähnlichen Geschichte wie der Susannageschichte, nämlich der von Jesus und der Sünderin nach Johannes 8, eine Geschichte der Vergebung - siehe Lehre des Jesus!

Tabus dienen vor allem dazu, Insiderwissen zu schützen - damit sich ja nichts ändert!

Und wo geht das denn sonst so gut wie im Bereich der Sexualität? Kann man doch gerade hier ein Verschweigen als besondere Fürsorge verkaufen, denn bei einem Breittreten von alledem gerade gegenüber den unschuldigen Betroffenen würde man diesen doch die unschuldige Lebensfreude nehmen und sie dazu noch regelrecht zu ähnlicher Praxis verführen. Das ist zwar ziemlich weit hergeholt und trifft im Grunde nur auf unvollständiges Wissen zu, doch wenn die Tabus erst einmal da sind, wagt keiner mehr, sich gegen sie zu erheben. Denn es gehört schon viel Mut dazu, gegen etwas aufzubegehren, was nun einmal als Moral gilt! Das hat gewiß nichts mit Verschwörungstheorien zu tun, wirkt sich aber für die Betroffenen gneauso aus!

So beinhaltet etwa das Gespräch 2 typisches Insiderwissen, hier eben von Jungfrauenknackern. Wer dieses Wissen nicht hat, glaubt bei den entsprechenden Typen unter Umständen durchaus an die große Liebe und fällt rein… Und entsprechendes Wissen gibt es auch auf der Seite der Frauen und Mädchen, siehe etwa die Problematik der programmierten Schwangerschaft (hierzu auch Gespräch 32). Solches Insiderwissen wird unter Freundinnen, doch manchmal auch von der Mutter auf die Tochter weitergegeben. Es soll auch schon einmal passieren, daß Frauen solche Tips im Vorraum der Damentoilette erhalten von wildfremden Frauen, aber eben nur unter Frauen. Und wir Männer erfahren davon nichts oder nur so wenig, dass wir nichts damit anfangen können.

Solches Insiderwissen können sich vermutlich nur die wenigsten Menschen aus den Fingern saugen, zumindest die ersten Schritte muß man wohl erfahren.

Wie man an Insiderwissen kommt – mit Arroganz ganz bestimmt nicht!

Ich habe mein Insiderwissen vor allem aus Gesprächen mit ganz normalen Menschen gewonnen, bisweilen kamen sie direkt auf mich zu so wie dieser Hotelmanager. Wichtigste Bedingung, von solchem Wissen nicht ausgeschlossen zu werden, ist wohl eine Offenheit gegenüber den Dingen dieser Welt und daß man den Eindruck vermeidet, man wüßte schon alles. Dieser Eindruck kann sehr leicht bei anderen entstehen, wenn man eine bestimmte selbstgefällige Moral und Besserwisserei herauskehrt. Und man muß sich natürlich auch Zeit nehmen und fragen und hinhören! Die Leute erzählen schon - und nur zu gerne!

Ich habe oft gute Erfahrungen gemacht, wenn ich erzählte, daß ich Religionslehrer sei bei jungen Leuten und natürlich interessiert sei, daß ich denen auch etwas Richtiges erzählte. "Vielleicht können also Sie mir sagen, was ich denen erzählen soll!" Und meine Informanden sprudelten nur so! Endlich hatten sie einmal jemanden gefunden, der sie für ernst nahm und mit ihren Erfahrungen anderen helfen wollte, endlich hatten ihre Erfahrungen also einen Sinn!

Wer meint, arrogant gegenüber Menschen sein zu können, die vermeintlich unter ihm stehen, der darf sich nicht wundern, wenn er schließlich „voll gegen die Wand“ läuft, weil er von dem berühmten Insiderwissen ausgeklammert ist. Denn einem arroganten Menschen erzählt man schon gar nichts - oder eben etwas vom Klapperstorch! Und so erfährt er eben nichts und muß günstigenfalls alles teuer bezahlen, wo ein anderer seine Beziehungen hat. Doch es kann auch noch schlimmer kommen. Siehe auch Eingebildetheit! Natürlich, manche interessiert bestimmtes Insiderwissen auch gar nicht - deren Problem!

Auf etwas kommen, ist das eine - es überprüfen, das andere...

Von der Deutung der "Susannaerzählung" oder der Erzählung von "Jesus und der Sünderin" nie etwas gehört und auch mit dieser Deutung hier nicht einverstanden? Wenn Sie ein Theologe vor allem in einer führenden Stelle sind, dann reden Sie doch einmal mit den entsprechenden Fachleuten heute, also mit Prostituierten oder Zuhältern. Sie kennen solche Leute nicht? Na, dann bitten oder beauftragen Sie jemanden, der mit solchen Personen dienstlich zu tun hat, sich einmal bei ihnen schlau zu machen. So könnte etwa ein Gefängnisseelsorger einen entsprechenden Insassen besuchen, ihm die entsprechenden Bibelstellen vorlegen, ihm die damaligen Rechtsverhältnisse erklären, vielleicht auch auf unsere heutigen Probleme mit der Interpretation solcher Erzählungen hinweisen und ihn als Fachmann um seine Meinung bitten. Ich wette, daß der genau auf diese Interpretationen hier kommt!

Im übrigen muß sich der historische Jesus wohl von den üblichen Theologen seiner Zeit (also von den Pharisäern und Schriftgelehrten) darin unterschieden haben, daß er eben mit dem typischen Insiderwissen normaler Menschen umgehen konnte, von dem die Theologen nun einmal keine Ahnung hatten (abgesehen vielleicht von ein, zwei Bösewichtern, die zumindest so taten, als wüßten sie nichts). Daher wurde er vom Volk verstanden, von den Theologen aber nicht: "Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten" (Matthäus 7, 28f).

 

Meine persönliche Erfahrung mit dem Verständnis von basisreligion. Esgibt da "Leute", die wissen sofort, um was es sich dreht, sie lesen die Website wie ein spannendes Buch und beglücklwünschen mich geradezu - und andere, die wissen noch nicht einmal, von was ich rede! Der Grund ist das Problem Insiderwissen!

Es gibt da drei Arten von Zeitgenossen:

  1. Am einfachsten kann man sich mit denen unterhalten, die wissen, um was es sich dreht, die also selbst sozusagen Insider sind. Und irgendwie können die auch ermessen, dass eine Änderung sehr wohl möglich wäre und sie machen sogar noch Mut – endlich mal einer, die die Probleme anpackt!

  2. Und dann gibt es diejenigen, die zwar keine Ahnung haben, die aber dennoch offen und interessiert sind. Zu dieser Gruppe gehörten vor allem Kinder (und insbesondere Mädchen), die merken, dass sie das etwas angeht – siehe etwa unter Kindererziehung. Erwachsene - und gerade auch Theologen, aber auch Psychologen, Soziologen, Pädagogen, haben hier erfahrungsgemäß bisweilen ihre ganz großen Schwierigkeiten - und geradezu Mauern in ihren Köpfen!

  3. Am problematischsten sind diejenigen, denen dieses Insiderwissen gar nicht in den Kram paßt. Sie wollen einfach keine Ahnung haben. Mit denen bricht man am besten das Gespräch ab, es bringt ohnehin nichts. Denn die erzählen hinterher anderen sowieso nur, daß man verschrobene Gedankengänge und vor allem eigene Probleme hätte.

Wer biblisch orientiert ist und an dieses Insiderwissen heran will, der sollte unbedingt und in aller Ruhe die Susannaerzählung lesen - und das Gespräch darüber! So richtig eine Nacht darüber schlafen! Und dabei sollte er einmal nachdenken, wie er (bzw. sie) dieses Problem lösen würde - im Sinn eines wirklichen Glaubens und wirklichen heiligen Geistes! Und bitte das Nachdenken nicht gleich abwehren, weil angeblich heute alles anders ist! Es ist noch genauso, nur eben anders! In dem Gespräch 2 wird etwa aufgezeigt, wie heutige Gesetze (und die entsprechenden sonstigen Bedingungen wie ethisch-religiöse Bildung und Grad der Leibfeindlichkeit) von den entsprechenden Insidern ausgenutzt werden, um zwar nicht auch noch das Leben, so doch die Einheit von Leib und Seele von Menschen zu zerbrechen (und damit die Sünde in das Leben von Menschen "einzuschleusen")! Mit Gesetzen kann man eben keine Moral erzwingen - und das hat auch noch nie funktioniert!

 

Idee der Website basisreligion ist dennoch oder gerade deswegen das Anliegen, Insiderwissen allen zugänglich zu machen.

Natürlich gibt es hier auch Tips, die gar nichts mit der Hinführung zu einer wirklichen Moral zu tun haben, etwa wie man im Iran die Religionsgesetze gegen die Prostitution umgeht (siehe Zuhälter). Doch sind die ja ohnehin lächerlich, weil wirkliche Moral nur aus dem Herzen kommen kann - und auf Freiheit und Emanzipation aufbaut. Die Tipps hier schaden also wohl kaum jemandem, machen allerdings unser Leben transparenter. Und nur auf diese Weise lassen sich Menschen von Kind an nicht mehr so leicht manipulieren – und die These ist, dass es mit der Zeit gleichzeitig zu mehr Vernunft und zu mehr Menschlichkeit kommt nach dem Motto: Wissen ist Macht und schließlich auch Moral! Natürlich können manche mit solchem Insiderwissen nichts anfangen, siehe unter Wikipedia.

Siehe auch Information - Realitätsbewußtsein - Tuten und Blasen - Durchblick!

 

Geheimsprache und Insiderwissen.

Auch hinter manchem Kauderwelsch verbirgt sich eine Art Insiderwissen! Bekannt waren so manche Phrasen in Beurteilungen, die allerdings heute wohl nicht mehr erlaubt sind: "Gesellig" hieß zum Beispiel "Feiert gerne und verführt auch andere dazu..."  In einem Beitrag der WELT vom 21.11.2003 wird auf das Kauderwelsch in den Katalogen der Reiseveranstalter hingewiesen:

Die Veranstalter haben sich schon seit Jahren auf eine eigene "Geheimsprache" in den Katalogen geeinigt. Augen auf, wenn Sie jetzt in den frisch eingetroffenen Sommerkatalogen schmökern, so vermeiden Sie Enttäuschungen!

     Verkehrsgünstige Lage: Ihr Hotel liegt direkt im Zentrum oder an der Hauptverkehrsader, Straßenlärm und Abgase inklusive. Dafür werden Sie keinerlei Probleme haben, falls Sie mit Bus oder Taxi zum Baden fahren wollen...

     Strandnah: Ihre Unterkunft ist mitnichten am schönen, sonnigen Sandstrand gebaut. Rechnen Sie mit einer Laufzeit von 15 Minuten und der Überquerung mehrerer Straßen.

     Direkt am Meer gelegen: Meistens befindet sich die Unterkunft bei solchen Beschreibungen malerisch an einer Steilküste, bei der Sie ohne alpine Erfahrung keinesfalls direkt zum Meer kommen. Der direkte Laufweg dahin führt meistens lang gewunden über Serpentinen. Im günstigsten Fall liegt Ihre Unterkunft am Hafen.

     Meerseite: Wahrscheinlich sehen Sie vom Fenster aus hinter zahlreichen Betonbauten in der Ferne einen blauen Streifen Meer. Nur, wo Meerblick ausdrücklich in der Beschreibung steht, gibt es ihn.

     Direkt an der Strandpromenade: Hört sich super an, ist es aber nicht. Sie haben Ihr Zimmer in einem Hotel gebucht, das an einer Küstenstraße gebaut wurde, bei der Sie sich dann auch tagaus, tagein mit dem  geschäftigen Durchgangsverkehr der Einheimischen anfreunden können. Besser: der Begriff "Fußgängerzone".

     In ruhiger Lage: In diesem Fall sollten Sie sich gleich einen Mietwagen mitbuchen. Die Unterkunft liegt nämlich außerhalb des Urlaubszentrums irgendwo in der tiefen Pampa.

     Zweckmäßig eingerichtet: Viel sollten Sie nicht erwarten. Die Zimmer, die Sie gebucht haben, sind einfach, sauber und ohne jeglichen Zusatzkomfort eingerichtet. Zwei Betten, ein Schrank, Lichtschalter - das war es dann auch schon, falls im Katalog keine Zusatzleistungen stehen.

     Landestypische Bauweise: Langweilig dürfte es Ihnen nicht werden. Hinter dem Begriff verbirgt sich zum einen eine spartanische Ausstattung der Zimmer. Zusätzlich werden Sie jede Diskussion des  lebhaften Pärchens im Nachbarzimmer mitbekommen, da die Wände Ihrer Unterkunft ziemlich hellhörig sind.

     Kinderfreundliches Haus: Familien mit Nachwuchs sind hier bestens aufgehoben. Für die lieben Kleinen gibt es meistens umfangreiche Zusatzangebote, bis hin zum Kinder-Menü. Romantiker und Ruhesuchende sollten aber ein anderes Haus buchen. Der Lärmpegel bei einer fröhlich krähenden Kinderhorde um sieben Uhr morgens ist nicht zu unterschätzen.

     Bei Stammgästen beliebt: Dahinter versteckt sich eine zweischneidige Formulierung. Das Hotel kann zum einen den wirklich besonderen, warmherzigen Service bieten, der zahlreiche Urlauber zum Wiederkehren einlädt. Oder es sind einfach nur die ganz Hartgesottenen, die sich der rauen Herzlichkeit des Personals wegen noch einmal einquartieren.

     Bei deutschen Gästen sehr beliebt: Der Weißwurst-Äquator ist gar nicht so fern. Zumindest werden Sie ihn nicht sehr vermissen, da im Hotel  das bayerische Weißbier in den Kehlen schäumt und Kellner Pedro oder Luigi perfekt deutsch spricht. Dafür ist dann Paella, Flamenco und südländisches Flair Mangelware.

     Ungezwungene Atmosphäre: Sie mögen "Rock around the Clock tonight"? Na prima! Sie werden hier garantiert voll auf Ihre Kosten kommen. In Ihrem Hotel geht so richtig die Post ab, und falls Sie gerne bis zum  Morgengrauen auf den Tischen tanzen haben Sie die richtige Wahl getroffen.

     Internationale Atmosphäre: Hier kommt es ganz entscheidend darauf an, welche Hotelkategorie Sie gebucht haben. Im Fünf-Sterne Palast werden Sie mit Sicherheit gehobene Gäste aus allen möglichen Teilen der Welt antreffen. Sollten Sie in der Drei- oder Vier-Sterne Kategorie gebucht haben, stellen Sie sich lieber auf internationale Kegelvereine und Interessensgruppen ein, die zum Feiern angereist sind, bis die Vereinskasse leer ist.

     Internationale Küche: Von wegen kulinarische Vielfalt - in Wirklichkeit verbergen sich dahinter einfache Gerichte, die schnell und in großen Mengen zubereitet werden können. Auf lokale Spezialitäten werden Sie zugunsten von Hamburgern mit Pommes  weitgehend verzichten müssen.

     Kontinentales Frühstück: Hinter den freundlichen Worten versteckt sich  gut getarnt der schwarze Humor der Engländer. Während das üppige englische Frühstück Schinken, Eier, Würstchen und Speck in Massen umfasst, gibt es für die Bewohner vom Kontinent spärlich Butter, Marmelade, Brot, Kaffee und Tee.

     (Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2003/11/21/199532.html)
 

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)