Das INZESTTABU, also die innere Sperre zu sexuellen Praktiken bis hin zum Geschlechtsverkehr zwischen nahen Verwandten wie zwischen Vater und Tochter, Mutter und Sohn, Bruder und Schwester (auch Blutschande), ist weder angeboren noch entsteht es durch Gesetze oder Verbote. Den genauen Grund für dieses Inzesttabu wissen wir nicht, denn den weiß nur die Natur allein! Doch es beruht höchstwahrscheinlich allein auf natürlichen Mechanismen, die in allen Lebewesen, die sich geschlechtlich vermehren, irgendwie funktionieren. Die Natur hat sich alle möglichen und unmöglichen Tricks einfallen lassen, daß es im allgemeinen zu keiner Inzucht kommt, wie der Sachverhalt in der Biologie eher genannt wird. Einem interessanten Blüten-Trick der Ingwerpflanzen - „Stellungswechsel gegen die Inzucht“ - sind die Chinesen auf die Spur gekommen: „Mengla – Um Inzucht zu vermeiden, üben die Blüten mancher Ingwergewächse wildeste Verrenkungen aus. Das berichten chinesische Botaniker jetzt in der Fachzeitschrift `Nature´. Als Hermaphroditen (Anm.: doppelgeschlechtlich) sind die Blüten von Alpinia sowohl mit männlichen als auch mit weiblichen Geschlechtsorganen ausgestattet. Für Autoerotik (Anm.: also „Selbstbestäubung“) keinen Sinn, gebärden sich die nur einen Tag blühenden Blüten vormittags maskulin und nachmittags feminin oder umgekehrt: Solange der männliche Pollen fliegt, ragt der weibliche Blütenteil (Stempel) hoch über die Staubgefäße hinaus: unerreichbar für bestäubende Insekten. Ist der eigene Pollen versiegt, neigt sich der Stempel bereit zur Befruchtung. SK“ (DIE WELT vom 22.03.2001). Allerdings hatte auch bei uns schon im 18. Jahrhundert ein Botaniker festgestellt (ich hatte mir den Namen in einer Fernsehsendung nicht gemerkt), daß bei vielen Blütenpflanzen eine Selbstbestäubung ziemlich schlecht möglich ist, weil Staubblätter und Fruchtknoten zu unterschiedlichem Zeitpunkt reifen - und daher etwa die Bienchen eben von Blüte zu Blüte fliegen müssen und auf diese Weise die Gene durcheinander bringen.

Einen Hinweis, wie in der Tierwelt die Inzucht verhindert wird, finden Sie in dem Beitrag "Röhrennasenvögel erkennen ihre Partner am Geruch" in der WELT vom 30. Oktober 2004 - Vollständige Url. des Artikels: http://www.welt.de/data/2004/10/30/353099.html.

Der Grund für das Inzesttabu liegt in unserer biologischen Abstammungsgeschichte. Bei allen Lebewesen sind nämlich die Nachkommen, die zwischen Geschwistern gezeugt werden, in ihrem Leben schon vom ihrem Erbgut her benachteiligt.

Zwar verstärken sich bei ihnen auch die positiven Veranlagungen der Eltern, etwa mathematische oder musische Talente, doch verstärken sich bei ihnen auch negative Veranlagungen zu Krankheiten so sehr (es kommen weniger unterschiedliche Erbinformationen zusammen als bei Nachkommen von Eltern mit unterschiedlichem Erbgut), daß die Krankheiten auch mit größerer Wahrscheinlichkeit als bei den Eltern zum Ausbruch kommen und auf Dauer das Leben und auch die Fortpflanzung dieser - ganz nebenbei eben noch zum Inzest neigenden - Lebewesen gefährden und sogar verhindern und damit die positiven Veranlagungen von vornherein zunichte machen. Nach den Gesetzen von Mutation und Selektion bleiben also immer nur diejenigen Individuen einer Gattung übrig, die eben nicht inzestuös sind. Es ist immer wieder verblüffend, mit welchen regelrechten Tricks die Natur den Inzest zu verhindert versucht, ganz offensichtlich gibt es also von der Natur her auch hier so etwas wie eine Veranlagung zur Vermeidung von Inzest, also zur Moral (siehe auch natürliche Mechanismen)!

Bei den Menschen - wie vermutlich bei allen Säugetieren, um „uns“ einmal so zu nennen – gibt es eher psychische "Tricks“, um Inzucht zu vermeiden:

Da Menschen ja nicht wie die Pflanzen miteinander verbunden sind und somit nicht automatisch „wissen“, wer mit wem nun verwandt ist, entsteht hier das Inzesttabu schlicht und einfach auf einem nahen - und durchaus auch hautnahen - Umgang miteinander in der Kindheit, wie er zwischen Eltern und Kindern und zwischen Geschwistern normal ist oder zumindest während der langen Zeit der Entstehung des Menschen mit allen seinen Veranlagungen in grauer Vorzeit vermutlich einfach normal war.

Beobachtungen in den jüdischen Gemeinschaftssiedlungen (den sogenannten Kibbuzim), in denen alle Kinder zusammen in Gemeinschaftsunterkünften aufwachsen (zunächst einmal ohne Trennung der Geschlechter), haben ergeben, daß sich die Kinder einer Gruppe später weder heiraten, noch irgendwelche ausgesprochen sexuellen Liebesbeziehungen miteinander eingehen - völlig unabhängig davon, ob sie nun miteinander blutsverwandt sind oder nicht. Das "natürliche Zusammenleben" der Kinder im sogenannten Sandkastenalter, also etwa vom vierten bis zum sechsten Lebensjahr - vielleicht sogar mit den üblichen Doktorspielen  - scheint für die Entstehung eines Geschwistergefühls und damit eines Inzesttabus auszureichen.

Das dürfte dann auch auf das Verhältnis von Kindern zu Erwachsenen und umgekehrt übertragbar sein: Erwachsene empfinden einerseits junge Menschen, mit denen sie seit der frühesten Kindheit zu tun haben und für die sie sich besonders verantwortlich fühlten, wie eigene Kinder und andererseits lieben Kinder solche Erwachsenen wie ihre Eltern, selbst wenn keine Blutsverwandtschaft vorliegt. Und damit entstehen dann auch hier sozusagen Sperren für sexuelle Beziehungen, allein der nahe Umgang ist ausschlaggebend! Woher soll auch unsere Natur sonst wissen, wer zu wem gehört? Solche echten oder unechten Verwandten mögen sich später, können miteinander über alles reden, halten zueinander, setzen sich wenn erforderlich bis zum äußersten füreinander ein, ja solches enge Verhältnis ist vermutlich sogar für eine menschliche Entwicklung absolut notwendig, wenn sie gelingen soll, doch jegliches sexuelle Verlangen zueinander ist dabei sozusagen von ganz allein tabu.

Das Inzesttabu bedeutet allerdings auch, daß es im Sinn der Natur erlebt und genutzt werden will!

Und wenn die Natur nun einmal solche Sperren „eingebaut“ hat, was vermutlich über die entsprechenden Endorphine funktioniert (siehe Drogen), dann heißt das gleichzeitig, dass der Mensch diese Endorphine zu seinem seelischen und gewiß auch körperlichen Wohl unbedingt braucht – und wenn sie ihm fehlen, dann kommt es sogar zu Störungen! In der Praxis läuft das darauf hinaus, dass das Inzesttabu auch aktiviert werden muß: Jeder Mensch ist also vermutlich darauf angewiesen, zumindest einen verlässlichen Menschen zu haben - auch und gerade vom anderen Geschlecht -, mit dem er wirklich offen sein kann, was so alles dazu gehört! Vor allem muß er mit ihm über alles reden können, ihm seine Sorgen und Nöte ohne jeglichen sexuellen Hintergrund und sonstigen Eigennutz anvertrauen und ihn dabei um seine Meinung und seinen Rat fragen können, ja, er muß auch rundherum Nähe haben können - wobei alles ausgesprochen Sexuelle sozusagen ausgeschlossen ist - wie eben bei einem ganz nahen Verwandten. Gerade für die Entwicklung der sinnvollen weiblichen Sexualität eines Mädchens spielt der Vater hier eine ganz wichtige Rolle - und die ist viel wichtiger als die der Mutter! 

Und wenn dieses Inzesttabu einmal nicht funktioniert, wenn sich also beispielsweise wirkliche Geschwister irgendwann einmal sexuell so anziehend finden, daß es zu ausgesprochen sexuellen Handlungen kommt, so liegt das höchstwahrscheinlich an einer erheblichen Störung solcher unbefangenen Beziehungen zueinander in ihrer Kindheit. Diese jungen Menschen hatten eben nicht die Nähe zueinander und den geistigen Austausch miteinander, der für die Aktivierung des Inzesttabus nun einmal unerläßlich ist.

Das Dilemma ist die Verwirklichung in unserer verklemmten und dennoch (oder gerade deswegen) nicht moralischen Welt. Fehlentwicklungen haben wohl immer etwas mit unserer Situation der Verhausschweinung zu tun.

Die Frage ist allerdings, wo solcher Umgang heute in unserer bisweilen bis zur Hysterie und Paranoia verunsicherten Welt, wie man sich gegenüber Kindern verhalten soll und wie Kinder miteinander umgehen sollen, tatsächlich verwirklicht ist. Denn möglicherweise gehört zu den Ursachen der Störungen dieses von der Natur vorgesehenen "nahen Umgangs" auch schon, daß es heute grundsätzlich getrennte Schlafzimmer - und vor allem getrennte Betten und zumeist auch getrennte Badezimmerbenutzung - für Geschwister und für Eltern und Kinder gibt. Ab einem gewissen Alter ist die gegenseitige Nacktheit etwa völlig tabuisiert. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass es solche Möglichkeiten der Getrenntheit in der Zeit, in der der Mensch aus der Tierwelt entstanden ist, gewiß nicht gegeben hat, da waren alle immer in einem „Bau“ oder in einem „Nest“ ganz nahe zusammen und die Waschplätze waren auch nicht abschließbar.

Bei dem wohl berühmtesten inzestuösen Paar in unserer Kulturgeschichte, nämlich den Eltern von Siegfried Siegmund und Sieglinde in der Nibelungensage, ist eine Störung ihrer Beziehung zueinander in der Kindheit ganz offensichtlich:  Sie waren Geschwister und wurden bald nach ihrer Geburt getrennt und jedes der Geschwister wuchs woanders auf. Und als sie später im Vollbesitz ihrer Geschlechtskraft aufeinander trafen, fühlten sie sich so sehr zueinander hingezogen, daß es auch gleich zum Geschlechtsverkehr kam, aus dem dann der bekannte Held Siegfried hervorging. Es gibt auch einen berühmten Film dazu "Wälsungenblut" nach dem Roman von Thomas Mann.

Bestätigt wurde das Phänomen, dass sich Verwandte auch sexuell attraktiv finden, solange sie nicht wissen, dass sie verwandt sind, durch wissenschaftliche Untersuchungen. Siehe einen Beitrag in der WELT vom 19. 10. 2010:

Verwandte werden als sexuell attraktiv empfunden

Das Inzest-Tabu ist offenbar nicht biologisch bedingt, sondern basiert auf gesellschaftlichen Normen

Illinois - In beinahe jedem Kulturkreis gibt es das sogenannte Inzesttabu. Sexuelle Beziehungen zwischen engen Verwandten sind verboten. Eine Verletzung dieser Norm hat in aller Regel rechtliche und soziale Konsequenzen.
Bisher gingen viele Evolutionsforscher und Psychologen davon aus, dass es für das Inzesttabu eine biologische Wurzel gibt - ein unbewusster Mechanismus, mit dem Menschen die genetische Verwandtschaft eines Gegenübers einschätzen können. Wenn etwa zwei Menschen in großer räumlicher Nähe aufwachsen und viele gemeinsame Kindheitserfahrungen teilen, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Verwandtschaft groß, was unbewusst dazu führt, dass der andere nicht als sexuell attraktiv eingeschätzt wird. Dazu im Widerspruch stehen allerdings Erkenntnisse aus der Attraktivitätsforschung, die zeigen, dass ähnliche Herkunfts- und Lebensumstände sowie ein ähnliches Aussehen einen anderen Menschen gerade attraktiver erscheinen lassen.
Den Psychologen Chris Fraley und Michael Marks ist es nun gelungen, dieses Paradoxon aufzuklären. Mit drei Studien konnten sie zeigen, dass wir genetisch ähnliche Menschen tatsächlich als sexuell attraktiv einschätzen - vorausgesetzt, wir wissen nicht, dass sie mit uns verwandt sind. Die Forscher von der University of Illinois und der New Mexico State University fanden heraus, dass Fotos von Männern und Frauen als sexuell attraktiver eingestuft wurden, wenn vorher ein Foto von Vater oder Mutter des Studienteilnehmers kurz unterhalb der Bewusstseinsschwelle eingeblendet wurde. Derselbe Effekt trat auf, wenn es sich bei den zu bewertenden Fotos um gemorphte Bilderhandelte, die aus leicht verfremdeten Elementen des eigenen Gesichts bestanden, also jemandem mit genetischer Ähnlichkeit. Wussten die Teilnehmer von dieser Prozedur, kehrte sich jedoch der Effekt in beiden Fällen um. Die Gesichter waren nicht mehr sexuell attraktiv.
Die Forscher folgern, dass Verwandtschaft zu erhöhter sexueller Anziehung führt, beim Wissen darüber jedoch im Normalfall gehemmt wird. Die in der jüngsten Ausgabe des "Personality and Social Psychology Bulletin" veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass das Inzesttabu eher eine bewusste gesellschaftliche Sanktion ist, um die sexuelle Anziehung zwischen Verwandten zu unterdrücken, als eine automatische biologisch begründete sexuelle Ablehnung. F.J. http://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article10390807/Verwandte-werden-als-sexuell-attraktiv-empfunden.html

Das Inzesttabu als angeborene Hemmung?

Vermutlich haben wir beim Inzesttabu ein ähnliches Phänomen vor uns wie die normalerweise in der ganzen Tierwelt funktionierende Hemmung, dass die Jungen von den Alten gefressen werden. An und für sich ist es ja so, dass alle kleineren und hilflosen Wesen von Raubtieren gefressen werden – und eigentlich sind ja auch die jungen Tiere nun einmal klein und hilflos und müssten also von den älteren Tieren und also auch von ihren Eltern gefressen werden. Doch sie werden nicht nur nicht von diesen, sondern auch nicht von anderen erwachsenen Tieren der eigenen Art und sogar sehr oft auch anderer Arten gefressen. Ein Grund mag im sogenannten „Kindchenschema“ liegen: Die jungen Tiere oder „Babywesen“ haben einen für ganz junge Individuen typischen großen Kopf und tollpatschige Bewegungen – und das alles zusammen erzeugt in erwachsenen Tier eine Tötungshemmung. Schließlich haben auch wir Menschen durchaus eine solche Hemmung, wenn wir sogar junge Tiere töten müssen, weil wir etwa zuviel davon haben. Das „Kindchenschema" wirkt also auch bei uns! Es liegt nahe, dass in ähnlicher Weise bei erwachsenen Tieren (und auch Menschen!) normalerweise eine vergleichbare Hemmung besteht, gegenüber den jungen Wesen sexuell aktiv zu werden – und dass sich diese Hemmung erhält, selbst wenn diese Wesen einmal älter und damit geschlechtsreif sind. Einmal Vater oder Mutter bedeutet eben immer Vater oder Mutter!

Und man kann gewiß auch vom Inzest im übertragenen Sinn reden:

Abgesehen von der Beeinträchtigung des biologischen Erbguts bringt der Inzest schwere seelische Folgen für die von ihm betroffenen Menschen mit sich wie bisweilen die dauernde Verhinderung der Einheit von Leib und Seele für das ganze Leben. Trotzdem kommt es gerade in unseren hochzivilisierten Gemeinschaften mit den hier gegebenen vielfältigen Störungen der Beziehungen von sogar miteinander verwandten Menschen immer wieder zu inzestuösem Verhalten. Aus praktischen Überlegungen sollten wir dabei nach tatsächlichem Inzest und nach Inzest im übertragenen Sinn unterscheiden:

  1. tatsächlicher Inzest

Viel häufiger als bekannt wird, vergreifen sich Väter an ihren Töchtern, Mütter an ihren Söhnen, und praktizieren auch Geschwister sexuelle Handlungen untereinander. Immerhin befinden sich unter den Mitschnackern (Kinderschändern) ja ein großer Teil Verwandte des Kindes (zu 70 %). Wenigstens diejenigen jungen Menschen, die bereits bewußt denken und handeln können, sollten sich dem mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln von Anfang an widersetzen (siehe Verführung, Vergewaltigung, Triebverbrechen).

Zu unterscheiden ist dabei allerdings in jedem Fall die unbefangene Nacktheit in einer Familie. Wahrscheinlich ist solche Nacktheit sogar der beste Schutz gegen den Inzest, da sie Zeichen von Gewöhnung und Offenheit ist, also der Fähigkeit zu unkompliziertem Umgang und damit auch zu wirklich nützlichen Gesprächen miteinander (die müssen allerdings tatsächlich stattfinden!).

2. Inzest im übertragenen Sinn

Viele Menschen haben keine oder keine richtige Geschwistererfahrung in ihrer Kindheit (oder entsprechend auch keine Vater-Tochter- oder keine Mutter-Sohn-Erfahrung!) und müssen erfahrungsgemäß diese fehlende Erfahrung in ihrem späteren Leben erst einmal mit anderen Menschen nachholen, wenn ihr Leben wirklich gelingen soll. Junge Menschen „suchen“ sogar förmlich nach solchen Ersatzpersonen und das auch noch, wenn sie schon längst dem Sandkastenalter entwachsen sind! Wer nun das Objekt einer solchen nachgeholten Bruder-, Schwester-, Vater- oder Muttererfahrung eines anderen Menschen ist, trägt eine hohe Verantwortung für diesen Menschen. Er muß wissen, daß er für diesen Menschen lebenslang eher ein Bruder oder eine Schwester oder ein Vater oder eine Mutter ist, daß sich daher ausgesprochen sexuelle Beziehungen also von selbst verbieten (siehe Bruder-Schwester-Beziehung), weil sie stets zu einer menschlichen Katastrophe führen würden. Besonders Lehrer und Priester sind hier sehr oft betroffen, wenn es etwa um eine Ersatz-Vater-Tochter-Beziehung geht. Es scheint allerdings auch so zu sein, daß etwa derjenige, der von einem heranwachsenden Mädchen in eine Vaterrolle geschoben wird, auch sehr schnell lernt, mit dieser seiner Rolle zu leben, und daß sich auch bei ihm selbst eine Sperre gegenüber sexuellen Dingen zu dieser Ersatztochter bildet, falls er nicht durch eine gelungene eigene Liebesbeziehung (oder ein vorhandenes Ideal) ohnehin „immun“ ist. Und so sollten wir uns hier nicht zu sehr den Kopf zerbrechen und uns unsere Spontaneität zueinander verderben: Wenn wir uns an die Spielregeln der Zehn Gebote im Hinblick auf eine Ehemoral halten und es vor der Ehe bei der Erprobung und Erfahrung von aktiver Enthaltsamkeit belassen (wir müssen die Situation allerdings wirklich nutzen - und sozusagen eine "Partnerschaft zur Probe" führen), werden wir es schon merken, wenn ein näherer Kontakt nämlich eher nichtssagend als erfüllend ist. Wir wissen dann wenigstens warum!

Der Teufelskreis bei der Weitergabe von Inzestproblemen.

Die Schwierigkeit ist, daß gerade denjenigen, die bereits durch eigene Erfahrungen „geschädigt" sind, im allgemeinen die Nerven fehlen, von ihren Ängsten loszukommen, wenn es darum geht, daß sie ihren eigenen Kindern die Wiederholung ihres eigenen Schicksals ersparen wollen. Stellen wir uns eine Mutter vor, die in ihrer eigenen Kindheit oder Jugend inzestuöse Erfahrungen mit ihrem Vater hatte. Wird Sie nicht fast automatisch hysterisch bis paranoid reagieren, wenn später einmal ihr eigener Mann mit der gemeinsamen Tochter „unbefangen und unkompliziert“ umgeht, wenn also das Kind zum Vater ins Bett oder in die Badewanne klettert, eigentlich eine ganz normale und für eine gesunde Vater-Tochter-Beziehung auch notwendige Sache, und da gleich immer dasselbe wittern, was ihr einmal mit ihrem eignen Vater widerfahren ist? Wird sie nicht deswegen vermutlich genau diesen unbefangenen Umgang unterbinden – und damit unbewusst die Aktivierung  der Endorphine verhindern, die für das Inzesttabu zuständig sind, und damit „schuldig“ werden, wenn erneut Inzest passiert? (Wir haben hier das typische Problem von irrationaler Angst, von der die Mutter nicht loskommt, und rationaler Furcht vor uns, die eigentlich notwendig wäre.) Eine Wiederholung des Schicksals bahnt sich also zwangsläufig an, falls nicht mit "tatsächlichem Inzest", weil die Angst ihn zu verhindern weiß, so doch mit "Inzest in übertragenem Sinn".

Eine Chance, dies wirksam zu verhindern, besteht vermutlich darin, gesunde Außenstehende oder eine gesunde Gemeinschaft in den Erziehungsprozeß an entscheidender Stelle mit einzubeziehen (doch Vorsicht, nicht doch nur wieder diejenigen akzeptieren, die einem genehm sind!). Schließlich könnte ja wohl jeder Erwachsene „geistiger“ oder „Ersatz“-Vater oder entsprechend Mutter zumindest für einen bestimmten konkreten jungen Menschen zu werden, wenn es ihm nur gelingt, bei sich die entsprechenden Endorphine zu aktivieren.

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English !

Hier das entsprechende Internet-Stichwort aus medizinischer Sicht. Dabei ist zu bedenken, daß dahinter nicht unbedingt dieselbe ethische Einstellung steht wie hinter BASISRELIGION, zu der diese Seite gehört:

A Med-World
Aktiengesellschaft zur
Darstellung von Medizin
und Gesundheit im
Internet.

http://www.m-ww.de/sexualitaet_fortpflanzung/lexikon/inzest.html