Von einem Wiener Freund bekam ich die KAPITALISMUSKRITIK "Was kommt nach dem Kapitalismus?" von Herbert Giller mit dem Konzept einer Alternative geliehen/geschenkt. Ich habe sie mit großem Interesse, allerdings auch bisweilen mit großer Belustigung durchgelesen. Ganz neu sind mir die Gedanken nicht, habe ich doch einen guten Bekannten (im Bundesland Brandenburg), der ähnliche oder sogar dieselben Ideen vertritt und der mich immer wieder aufs Neue dafür begeistern möchte. Nun hatte ich mit Ihrem Buch einmal ein Gesamtkonzept vor mir.

Ich halte das allerdings weitestgehend für eine Illusion, also für eine Vision ohne reelle Chancen.

Auf die moderne Industriegesellschaft passt das einfach nicht. Hier einige Gründe, die ich dem Autor geschrieben habe:

1. Sie schreiben, dass die Fabriken denen gehören sollen, die dort beschäftigt sind. Mit einer Gruppe Lehrern haben wir einmal eine Kartonagenfabrik hier in der Nähe besichtigt. Riesige Maschinen und kaum Arbeiter waren da also zu sehen. Diese Arbeiter arbeiteten sozusagen gar nicht, sondern sie waren nur da, um die Maschinen einzustellen und um eventuelle Pannen zu beseitigen. Die Maschinen bedeuten riesige Werte. Und die sollen nun den drei Arbeitern, die dort beschäftigt sind, gehören und vielleicht noch den paar Leuten im Büro? Wenn das so ist, wird niemand mehr solche Maschinen zu Verfügung stellen. Ja, auf nach Kambodscha zu Pol Pot!

2. Bei Investitionen usw. sollen Gremien entscheiden. Ich frage mich, was für Gremien, wer sind das, woher haben die ihre Kompetenz? Beispiel: Wenn eine Autofabrik ein völlig neues Modell auf den Markt bringen will, auch ein besonders umweltfreundliches, so kostet das schon mal einen 10-stelligen Betrag, vielleicht sogar einen mehrstelligen. Und solche Entscheidungen sollen "Gremien" aus Nichtfachleuten anvertraut werden, die dann doch keine Verantwortung tragen? Und wenn sie Verantwortung tragen, womit haften sie? Wer garantiert mir, dass die nicht auch noch korrupt sind?
Und wenn ich ein Haus baue, dann möchte ich das bezahlen und es dabei durchaus selbst finanzieren und mir nicht von Gremien reinreden lassen, was ich darf und was ich nicht darf. Klar, es ist nicht alles ideal, doch man muss eben lernen, damit umzugehen. Das wäre etwa die Aufgabe der Schule.

3. Sie sehen eine Aufgabe für Sozialarbeiter, von denen wir dann Unmengen brauchen, um den Bürgern ein unlogisches System beizubringen. Wer soll diese im Grunde unproduktiven Sozialarbeiter bezahlen? Und wer garantiert mir, dass die wirklich kompetent und selbstlos sind?

Ich möchte mich hierüber nun nicht endlos unterhalten oder gar streiten, ich hatte das alles schon mit meinem postkommunistischen Brandenburger Freund. Es bringt nichts, wir kommen nicht weiter.

Sie schreiben nun sehr schön, dass es ein dreischichtiges Modell gibt und dass an der Spitze die spirituelle Ebene steht, also etwa Religion und Moral. Ich finde, sie sollten sich diese Ebene mal unter die Lupe nehmen und an der etwas tun. Was ist, wenn dort hochgeistige Klugscheißer, Hosenscheißer und Hurenböcke sitzen, die wunderschön von der Arbeit ihrer Mitmenschen leben, denen diese Mitmenschen jedoch letztlich gleichgültig sind? Und es ist doch tatsächlich so, dass diese "hochgeistigen" Menschen ihre Mitmenschen eher als primitive Triebmenschen auf Karnickelniveau einschätzen, gegen das man sowieso nichts machen kann - außer trösten und Jenseits versprechen...

Sie geißeln die Sklaverei und konstruieren da eine Verwandtschaft mit dem heutigen Arbeitsplatzprinzip. Ja, vielleicht gibt es da Ähnlichkeiten, doch wie will man es wirklich anders machen?

Wir sollten uns lieber einmal fragen, was das wirkliche Kennzeichen eines Sklavendaseins ist beziehungsweise eines Herrendaseins ist. Ist es wirklich die Arbeit oder die Faulheit, die die beiden unterschei­det? Hat nicht auch schon in der Zeit der Sklaverei ein vernünftiger Herr seinen Sklaven richtig zu essen gegeben und für freie Zeit gesorgt, damit sie sich erholen können und wieder frisch für die Arbeit sind, die getan werden muss? Schließlich stellte jeder Sklave ja auch einen materiellen Wert dar, den man nicht achtlos ausbeutet und verkommen lässt. Und muss sich der Herr denn nicht um die gute Qualität seiner Produkte sorgen und um den Einkauf der Rohmaterialien und um Absatz, um Pflanzen- und Tierkrankheiten, um Wetterprobleme usw. Ist das keine Arbeit? Ich habe einmal ein Bild von einem sonntäglichen Platz in einem Städtchen in den Südstaaten der U.S.A. zur Zeit der Sklaverei gesehen. Da gingen durchaus bürgerlich aussehende und offensichtlich gut genährte Sklaven in gepflegten Kleidern zur Kirche. Dagegen kann man doch nichts einwenden...

Was ist also Sklaverei? Wie unterscheiden sich Sklaven von freien Menschen?

Das Problem der Sklaverei ist doch die Beschaffung der Sklaven, also entweder durch Raub und Kauf – oder durch Nachzucht. Und das ist es ja, was alles so unmenschlich und menschenunwürdig ist. Raub und Kauf sowieso: Und die Nachzucht? Wenn das nicht der Herr selber „vornahm“, dann tat er die Sklaven so zusammen, wie man Rinder oder Schweine oder eben auch Kaninchen zusammen tut, damit ein guter Zuchterfolg herauskommt. Damit die Sklaven dabei nun mitmachen, erzählt man ihnen etwas von menschlicher Triebhaftigkeit und Sündhaftigkeit und verspricht ihnen eine Belohnung in einem Leben nach dem Tod, wenn sie dann auch noch ihre Arbeit hier treu und gehorsam gegenüber ihren Herren erfüllen. Marx hat hier durchaus richtig das Komplott von Religion und Herren gesehen, leider nur, insoweit es die Arbeit betraf. Die sexuelle Komponente hat oder wollte er nicht sehen, schließlich hatte er ja auch sein Dienstmädchen gevögelt und geschwängert. Klar, das konnte oder durfte es also nicht sein!

Sehen Sie: Und da verfolge ich nun einmal einen anderen Ansatz als Sie. Auch Sie sehen ja – so wie Marx und die Materialisten – den materiellen Überbau als entscheidend an und wollen hier etwas verändern (durch den Umbau der Wirtschaft), ich aber sehe die Möglichkeiten und Chancen einer Änderung des geistigen Überbaus. Und wenn der geändert ist, dann sehen wir weiter – auch ob das Materielle noch dasselbe ist!

Eine Änderung ist hier kaum von äußeren Umständen, sondern vor allem von einer inneren Einstellung abhängig. Ich habe von meinem Freund erzählt, der sich so gegen das Zinseszinssystem engagiert. Damit wird er nie Glück haben. Doch seine Tochter, wo er etwas machen könnte, erzieht er genau zu der Sklaven- (oder auch Spießer-) Moral, die ich so menschenunwürdig sehe, also zur Leibfeindlichkeit und Verklemmtheit, aber nicht zu echter Moral..

Schauen Sie doch einmal in meinen Ansatz rein! http://basisreligion.reliprojekt.de/heft.htm

Hinweis für einen Freund: Wenn Sie einmal etwas zu drucken haben, dann fragen Sie doch einmal ihn nach einem Angebot: http://freenet-homepage.de/lotus/satzservice.htm .                      (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English !