KATECHESE bezeichnet die kirchliche Unterweisung im christlichen Glauben. In der frühen Kirche handelte es sich hierbei ausschließlich um Taufunterricht. Damit es dazu überhaupt kommen konnte, hatte der Taufbewerber einen sittlichen Lebenswandel schon möglichst vor der sogenannten Probezeit nachzuweisen. Auch nach den Aufnahmezeremonien (Kreuzzeichen, Handauflegung usw.) bestimmten ethische Fragen in hohem Maße den Unterricht.

 

Mit der Etablierung des Christentums wurde die Taufe immer mehr zum gesellschaftlichen Ereignis - und damit auch der Unterricht zur langweiligen Instruktion vor allem für die "nachwachsenden Christen", also für die Kinder.

Schon der Kirchenvater Augustinus (354-430) beklagt desinteressierte und unbegabte Lehrer, interesselose Schüler und immer wiederkehrende Inhalte. In meiner Arbeit zur Firmung habe ich dargelegt, wie ethische Anliegen in der frühen Kirche immer mehr durch Glaubensinhalte oder Inhalte, bei denen es um Gemeindetätigkeiten geht, ersetzt wurden.

Und gerade heute ist Inhalt der Katechese, wie der heutige Unterricht für Erstkommunionkinder oder für Konfirmanden auch genannt wird, weitgehend Glaubenswissen - im Sinn eines eher "pharisäischen Ansatzes" (siehe Pharisäer und Glaube und Moral) oder auch "inquisitorischen Ansatzes" (siehe Inquisition). Nicht ganz unschuldig sind daran auch die Katechismen der verschiedenen christlichen Konfessionen, in denen es schließlich nur um eine auf den "Normalchristen" oder gar auf Kinder heruntergeschraubte weltfremde Dogmatik geht, die dadurch auch nicht besser wird, indem sie verständlicher formuliert ist.

Dabei geht man davon aus, daß solches Wissen an sich schon gemeinschaftsbildend und daher gut ist, gleichgültig ob es von den jungen Menschen verstandesmäßig nachvollzogen werden kann oder ob es gar ein Opfer des Verstandes von ihnen verlangt, also ein Sacrificium Intellectus ist: Die Erwartung ist, daß alle, die dasselbe glauben, sich auch der betreffenden Gemeinschaft zugehörig fühlen.

 

Die Idee der Glaubensgemeinschaft führt (irgendwann immer) zu einer Scheinwelt.

Basisreligion geht allerdings davon aus, daß hier einerseits eine Scheinwelt aufgebaut wird, weil die Basis des Glaubens immer hohler wird, und andererseits ein gefährliches Spiel getrieben wird, weil äußerliches Zusammengehörigkeitsgefühl  (siehe Identität) immer wichtiger wird bei gleichzeitiger immer weniger Ethik. Was ist, wenn Angehörige anderer Religionen das genauso machen? Dann gibt es bei passender Gelegenheit Mord und Totschlag (was ja leider längst vielfache leidvolle Erfahrung ist)!

Wir müssen daher wieder zum Anliegen der frühen Kirche zurückkehren: Der Mensch ist von Gott gut erschaffen, doch die guten Veranlagungen des Menschen müssen auch aktiviert werden, daher müssen ethische Konzepte wichtigstes Anliegen der Katechese sein! Sinn der Gemeinschaft der Gläubigen darf nicht mehr sein, auf bestimmte Glaubensinhalte und damit auf bestimmte Gemeinschaften getrimmt zu werden, die diese Glaubensinhalte bejahen (siehe christliche Konfessionen), sondern wirklich innerlich freie und emanzipierte Menschen zu werden (siehe Freiheit und Emanzipation). Ja solche Konzepte müssen sogar so wichtig werden, daß nichtchristliche Eltern ihre Kinder zur Katechese schicken, einfach weil sie wollen, daß ihre Kinder einmal nicht in einer Sklavenmoral leben und stattdessen fähig werden zu wirklicher Liebe und diese auch erleben, was ja nur funktioniert, wenn sie in einer Gemeinschaft leben, in der es um eine wirkliche Emanzipation geht!

 

Was wäre, wenn die Firma Mercedes eine Monopolstellung im Autogeschäft hätte?

Ein Gleichnis zur Verdeutlichung, um was es geht: Ja, nehmen wir einmal an, die Firma Mercedes hat aus irgendwelchen Gründen eine Monopolstellung beim Autogeschäft und nutzt diese folglich irgendwann weidlich aus. Am Schluß fabriziert sie nur noch irgendwelche zwar schöne aber letztlich fahruntauglichen Blechkisten und zwingt sie mit allerlei unsinnigen Behauptungen und Versprechungen für viel Geld den Kunden auf – und diese machen mit, weil sie - in einer firmeneigenen Schule - zum Glauben erzogen worden sind, daß so eine Blechkiste zu ihrem Glück gehört und weil sie einfach keine Alternativen kennen (schließlich ist die ja auch nicht so lebensgefährlich wie eine "fahrtaugliche Blechkiste" und kostet auch nicht den inzwischen kaum bezahlbaren Sprit!). Und natürlich ist „Mercedes“ gegen eine vernünftige Fahrschule und gegen vernünftiges technisches Denken der Kunden (also gegen eine „Erziehung zur Freiheit“), denn dann würden die Kunden ihr Produkt nicht mehr haben wollen…

Haben nicht auch alle unsere Religionen so ein Quasimonopol, denn eine echte Chance der Gläubigen zum Wechsel zum „Vernünftigen“ gibt es ja nicht? Und es gibt ja auch keine echten Alternativen! Was wäre also, wenn wir Christen diese Quasimonopole durchbrechen und damit anfangen, nicht zum Glauben an „unser Monopol“ zu erziehen sondern zu „gutem Fahren und zu technischem Sachverstand“ - oder eben zu einer bewußten Lebensgestaltung, also zu Freiheit und Emanzipation? Und dann könnten „wir“ unser ausgereiftes „Produkt“ - nämlich die Botschaft Jesu - anbieten! Natürlich müßten wir noch etwas daran tun und uns vor allem erst einmal an dem wirklichen Jesus orientieren, siehe etwa Leben-Jesu-Forschung oder Nachfolge Jesu, denn zur Zeit ähnelt unser Glauben noch einer zwar schönen doch unbeweglichen Blechkiste… Aber wir haben wenigstens das Potential – die anderen nie! Schauen Sie sich doch einmal die anderen Religionen darauf hin an, den Islam, den Buddhismus, den Hinduismus, den Shintoismus... Und wir könnten dann doch wirklich frei und offen zu allen anderen sein - und auch frei von aller Zensur, wie auch immer sie aussehen mag!

Warum also nicht von Kind an eine Sakramentenkatechese mit dem Ziel einer christlichen Freiheit und einer christlichen Emanzipation statt eines christlichen An-etwas-Glaubens? Und vermutlich war das in der frühen Kirche genau der Ansatz, die Sakramente lassen sich bei näherem Hinsehen jedenfalls viel besser als Eckpunkte freiheitlicher Lebenskonzepte deuten! Eine Erziehung zu einem Glauben (vor allem an  irgendwelche merkwürdigen "Glaubenswahrheiten" oder besser "Opfer des Verstandes", auf Lateinisch sacrificia intellectus) kann man dagegen auch sehr gut als Verfallserscheinung sehen…

Vorerst ist eine solche Katechese noch ziemlich undenkbar, denn die Kirchenleute sind zur Zeit alle noch dogmenorientiert und nicht sachorientiert, doch das kann sich ja ändern... Schon der bedeutende katholische Theologe Karl Rahner hatte einmal gesagt, daß es nicht nur eine Dogmenentstehungsgeschichte gegeben hat, sondern daß es einmal auch eine Dogmenvergessensgeschichte geben könnte...

 

Was also ist konkretes Ziel einer wirkliche christlichen Katechese?

Dazu gehört nun einmal eine gelebte wirkliche Moral nach den Spielregeln der Zehn Gebote, denn schließlich ist das das einzige wirkliche Indiz, daß man den "Glauben der Liebe" begriffen hat! Glaubensbekenntnisse kann schließlich jeder runterleiern, die besagen notfalls überhaupt nichts!

Und da solches Anliegen in wirklichem jüdischen und in wirklichem christlichen Glauben ohnehin das Anliegen schlechthin ist, ist wirkliche Katechese die Kindererziehung schlechthin! Im Idealfall sind Katechese und Kindererziehung also dasselbe! Und sozusagen die Abrundung ist dann der Kindergottesdienst!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English !