Im KATECHISMUS wird seit der Reformation zusammengefaßt, was ein christlicher Mensch glauben muß: Martin Luthers "Kleinem und Großem Katechismus" in der Lehrform von Frage und Antwort folgten weitere, schließlich auch auf katholischer Seite. 

Leider gehen alle bekannten Katechismen immer noch vom Einstieg in den Glauben aus, also vom "pharisäischen Ansatz" (siehe Glaube und Moral) oder auch vom "inquisitorischen Ansatz" (siehe Inquisition) und entsprechen daher nicht dem Anliegen des wirklichen Jesus!

Luthers Kleiner Katechismus beginnt im "Ersten Hauptstück" mit den Zehn Geboten, fährt dann im "Zweiten Hauptstück" mit dem Glaubensbekenntnis fort und behandelt in den weiteren "Hauptstücken" das Vater unser, die Taufe und das Altarssakrament. Und all das wird dann noch einmal weniger und noch einmal mehr ausführlich erklärt. Gewiß nicht zufällig ist, daß Luther mit den Zehn Geboten beginnt, schon von daher wird deutlich, daß sein Anliegen durchaus ein ethisches ist. Offensichtlich war ein solcher Katechismus notwendig, vermutlich beschränkte sich das religiöse Wissen der Menschen bis dahin mehr oder weniger auf die typischen Themen des Geschäfts mit der Vergebung im Hinblick auf das Leben nach dem Tod und den damit verbundenen Fragen und Riten. Wir kennen den übersteigerten Glauben im Mittelalter an den Teufel mit dem schaurigen Hexenwahn, wir kennen den Handel mit den Ablässen und den intensiven Kult mit der gewiß nicht richtigen Interpretation der Erlösungstat Jesu im Hinblick auf eine Jenseitserwartung (siehe etwa Fronleichnam). Alles das sind ja Probleme, die nur wenig oder gar nichts mit der wirklichem christlichen Botschaft zu tun hatten. Und von der hatten die Menschen vermutlich kaum eine Ahnung, nicht zuletzt gab es ja auch kaum Übersetzungen der Bibel in die Landessprache. Wenn uns heute erzählt wird, daß etwa die herrlichen Fenster in den gotischen Kathedralen die Bilderbibeln der einfachen Leute waren, so muß man sich das einmal in der Praxis vorstellen: Also ich kann in der Kathedrale von Chartres ohne Fernglas von den biblischen Szenen in den Fenstern gar nichts erkennen, und schließlich hatten die damaligen Leute ja keine Ferngläser. Die wunderbaren Glasmalereien dürften also nicht zur Information der Gläubigen gedient haben, sondern nur zur Dekoration.

Abgesehen von heute nicht mehr akzeptablen Einzelheiten wie den Vorstellungen von der Unterordnung der Frau unter den Mann ist Luthers Konzeption eines Katechismus vor allem eine Prägung des Über-Ichs und damit eines "über-ich-gesteuerten" Gewissens - ein Glaube nach dieser Konzeption kann daher also gar nicht oder nur in Ausnahmefällen "funktionieren" und dient allenfalls der Kirche aber nicht den Menschen. Wir müssen allerdings die Arbeit Luthers aus seiner Zeit heraus verstehen - in unserer heutigen Zeit hätte er den Glauben, der auch funktionieren soll, gewiß anders "aufbereitet", nämlich mit unseren heutigen Erkenntnissen. 

Heutige Katechismen, etwa der Katechismus der Katholischen Kirche, mögen zwar nicht mehr so penetrant auf das Über-Ich angelegt sein, doch kann von einer Erziehung zu einem ich-gesteuerten Gewissen der Gläubigen kaum oder gar keine Rede sein - jedenfalls nicht für junge Menschen, die doch die eigentlichen Ansprechpartner der Katechismen sind oder zumindest sein sollten. Ein Kennzeichen eines ich-gesteuerten Gewissens wäre ja, daß Moral aus sich heraus Spaß macht (natürlich niveauvollen), doch auf ein solches Konzept warten wir bisher vergeblich. Es sein denn: basisreligion

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)