Warum die Grundhaltung des Verfassers dieser Website dennoch katholisch ist.    

Gewiß, vieles in dieser Website klingt nicht sonderlich katholisch! Der Schnack ist zwar nicht neu, doch immer noch brauchbar: Ob Jesus überhaupt katholisch war?

Man kann natürlich als katholisch ansehen, irgendein nicht rational nachvollziehbares Sonderwissen zu haben, das in Form von unumstößlichen Lehrsätzen (siehe Dogmatik) den Gläubigen abverlangt wird. Doch damit wären wir nicht mehr und nicht besser als irgendeine versponnene Sekte, über deren Sonderwissen man sich ja sehr oft auch nur wundern kann. Allerdings hat katholisch immerhin zwei Bedeutungen: Einmal meint das Wort eine Konfession (also etwa römisch-katholisch) und dann gibt es vor allem die ursprüngliche griechische Wortbedeutung “kat´ holon“ gleich  "allumfassend", „über alles“–  und das kann doch nur heißen, daß "wir“ genau ein sinnvolles Wissen und vor allem die sinnvollen Wege für das Leben finden müssen, die so überzeugend und allgemeingültig sind, daß „alle“ Menschen - und gerade auch die von heute - sich ihnen (wieder) anvertrauen könnten. Irgendein Sonderwissen - oder eben irgendwelche Glaubenswahrheiten, die ja immerhin gleichzeitig Opfer des Verstandes sind (siehe sacrificium intellectus) - würde Außenstehende dabei nun einmal ausgrenzen und ihnen die Botschaft der Bibel und insbesondere das Anliegen des wirklichen Jesus (siehe Leben-Jesu-Forschung) nicht mehr zugänglich machen. Und eine Kirche, die auf einem Sonderwissen besteht, sieht sich damit automatisch nicht mehr für alle Menschen zuständig und ist eben nicht mehr katholisch im eigentlichen Sinn des Wortes - und kann damit auch nicht mehr "Mutter und Lehrmeisterin" (oder auf lateinisch "Mater et Magistra") aller sein...

Wenn wir uns bei der Erforschung unseres Glaubens nun immer nur auf ein altes Buch wie die Bibel stützen, stehen wir letztlich immer vor einer solchen Sonderwissen-Problematik, die ja nicht nur irgendwelche Sektenmitglieder haben, sondern die Menschen in allen Religionen mit ihren alten heiligen Büchern überhaupt: Was ist daran nun ursprünglich, was ist überhaupt heute noch sinnvoll (selbst wenn es ursprünglich ist) und was ist spätere fragwürdige Interpretation und was ist sogar Verfälschung? Ein Problem ist auch, wie wir zu unserem jeweiligen Glauben gekommen sind - doch gewiß nicht durch kritische Auseinandersetzung mit dem ganzen Sonderwissen, zumindest nicht bis auf wenige Ausnahmen? Ursache war doch immer irgendeine  Tradition (zu deutsch Überlieferung), wobei von irgendwelchen vernunftmäßigen Gründen zur Sache im allgemeinen keine Rede sein kann. Hinzu kommt noch, daß wir absolute Schwierigkeit haben, über die Überlieferung zu den Ursprüngen unseres Glaubens zu gelangen, selbst wenn wir noch so wissenschaftlich vorgehen. Seit knapp 100 Jahren versucht man die nämlich über die Gemeindetradition herauszubekommen, und das hat auch schon vernünftige Ergebnisse gebracht, doch reichten die bisher nicht, etwa das, was den Gläubigen verkündigt wird, wesentlich zu beeinflussen.

Zumindest seit dem frühen Mittelalter (Albert der Große, Thomas von Aquin) ging man in der katholischen Kirche nun davon aus, daß ein vernunftmäßiger Beweis des christlichen Glaubens möglich und sogar zwingend ist.

Und diese Vorstellung hat die Konzeption dieser Website gewiß nachhaltig beeinflusst.

Das Problem ist allerdings, was überhaupt beweisbar ist und wo Beweise überhaupt Sinn machen. Im Mittelalter versuchte man mit den Mitteln der damaligen Naturwissenschaft, Gott und andere transzendente Glaubensvorstellungen zu beweisen. Und hier habe ich, der ich diese Website basisreligion erarbeite, absolute Bedenken: Weder Gott noch irgendwelche göttlichen Wahrheiten lassen sich beweisen, man kann sie genauso wenig beweisen wie etwa den Teufel oder die Hexen. Das geht einerseits ganz einfach nicht, weil Experimente, wie wir sie aus unserer heutigen Naturwissenschaft kennen und wie uns Erkenntnisse daher auch nur zugänglich sind, einfach nicht möglich sind. Also lassen wir doch das, es bringt nur Streit und Zank. Und andererseits wäre das  auch, falls es gelänge, Götzendienst, weil dabei eine Art Bildnis von Gott herauskäme, was ja ein Verstoß gegen das Zweite der Zehn Gebote wäre...

Doch etwas anderes kann tatsächlich logisch erklärt und in gewisser Weise auch bewiesen werden: Nämlich wie wir sinnvoll leben können, welches also sinnvolle ethische Konzepte sind, die so universal sind, daß sie für jeden gelten könnten.

Und daher fühle und denke ich eben katholisch. Ich bin fest überzeugt, daß die Sittenlehre, vor allem die der Monogamie, so wie wir sie von den jüdisch-christlichen Zehn Geboten her kennen, für jeden idealistisch gesinnten Menschen, der sein Leben bewusst und ausgefüllt gestalten und leben möchte, zugänglich und auch attraktiv ist, völlig unabhängig davon, ob er irgendwelche christliche Glaubenswahrheiten anerkennt oder nicht. Es gibt einfach Vorstellungen vom Lebensglück und von einer Erfüllung von Liebe und Partnerschaft in der Einheit von Leib und Seele, die wir von Natur aus haben, die uns Menschen nun einmal gemäß sind. Und daher sind wir auch offen, die Spielregeln in der Gemeinschaft der Menschen kennen zu lernen, damit die Vorstellungen von der typisch menschlichen Erfüllung des Lebensglücks auch in die Wirklichkeit umgesetzt werden können.

Irgendwelche Beweise aus der Bibel sind sowohl für Ziel als auch für den Weg zwar schön und gut, doch mehr auch nicht. Und das unterscheidet katholisches Denken von etwa evangelischem Denken: Bei evangelischem Denken (siehe christliche Konfessionen) ist auch für die Sittlichkeit, wie wir dieses Ziel und diesen Weg nennen können, alleiniger Maßstab die Bibel, „Beweise“ von außerhalb sind im Grunde nur Nebensache. Beim katholischem Denken dagegen dient für diese Sittlichkeit die Bibel gewiß als Orientierung, doch an erster Stelle steht die Vernunft, also wenn auch nicht Beweise, so doch Argumente "von außerhalb".

Es ist letzten Endes vielleicht müßig zu werten, was wichtiger ist, vermutlich ist es wie mit den zwei Beinen, auf denen man steht und mit denen man geht: Das eine muß das andere stützen, sonst gerät man aus dem Gleichgewicht. Oder eben in unserm Fall: Das eine muß das andere unterstützen, damit sich nichts Unsinniges und sogar Falsches einschleicht. Dieses Denken – richtig angewandt – kann davor schützen, daß auf der einen Seite Glaube und Bibel nach der Devise Dienst nach Vorschrift für wirkliche Sittlichkeit bedeutungslos und damit zum Fetisch werden, oder auf der anderen Seite ein zwar toll konstruiertes jedoch verknöchertes und weltfernes Dogmengebäude entsteht, bei dem die wirkliche Sittlichkeit ebenfalls auf der Strecke bleibt.

Es gehört also beides zusammen, damit wir den Sinn, um den es eigentlich geht, nicht aus dem Auge verlieren und vor allem in unser Leben umsetzen. Daß in der Vergangenheit sowohl die Kontrollinstanz der Bibel bei den "Evangelischen" als auch die der Vernunft bei den "Katholischen" für unsere Sittlichkeit oft genug versagt hat (nach dem Motto Dünnbrettbohrer), ist tragisch, waren wir vielleicht weder gleichzeitig evangelisch noch katholisch  genug?   

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)