KEIN SEX VOR DER EHE oder WAHRE LIEBE WARTET

Forschungsergebnis und Kommentar zu den entsprechenden der Kampagnen zur Enthaltsamkeit .

Man kann es schon fast als Gottesbeweis ansehen, dass solche Mauerblümchenaktionen nie gelingen!

Eine Notiz in der WELT vom 27.10.2007 gibt Anlass zum Nachdenken:

Null Bock auf „No Sex"

Kampagnen, mit denen Jugendliche zur Keuschheit motiviert werden sollen, sind immer erfolglos und bewirken manchmal sogar das Gegenteil.

Das ergab die Auswertung von 13 Enthaltsamkeitsstudien, an denen 15 940 Jugendliche teilgenommen haben. Kristen Underhill und ihre Kollegen von der Universität Oxford stellten fest: Keine Kampagne hatte Einfluss auf die Häufigkeit von ungeschütztem Geschlechtsverkehr, auf die Zahl der wechselnden Partner, auf die Verwendung von Kondomen oder auf das Alter beim ersten Sexualkontakt. Eine der Kampagnen bewirkte überdies einen gegenteiligen Effekt: Die daran teilnehmenden Jugendlichen hatten sogar häufiger Sexualkontakte, und auch die Zahl sexuell übertragener Krankheiten war unter ihnen erhöht. Is


Und hier der Kommentar:

Es ist mein Engagement, dass voreheliche Enthaltsamkeit nur im großen Zusammenhang erreicht werden kann. Enthaltsamkeit muss Spaß machen, einen moralischen Wert haben, unverklemmt und intelligent sein und Strategien der Menschenkenntnis beinhalten, um erst einmal vernünftige Kameraden zu finden, also etwa mit einer Phase des Spaßes an unschuldiger Nacktheit.

Und das läuft mit den gängigen Kampagnen "Kein Sex vor der Ehe" nicht! Sie sind zutiefst leib- geist- und seelenfeindlich und mitnichten automatisch der Schlüssel zu einer guten Ehe und können sogar Herrschaftsinstrument der Alten gegen die Jungen und/oder der Religionen gegen die normalen Menschen sein – sie sind also kontraproduktiv für die Moral und machen keinen Spaß! Wer hat schon an Mauerblümchenideologien Spaß?

Der Theologe und Philosoph Rupert Lay hat einmal gesagt, dass man unter Moral zwei verschiedene Sachverhalte verstehen kann, einmal eine Moral im Sinn von Sittsamkeit und dann eine Moral im Sinn von Sittlichkeit. Dabei ist die im Sinn von Sittsamkeit die, dass es es so aussehen soll, als sei man moralisch, und die im Sinn von Sittlichkeit, dass man es wirklich ist. Und den meisten Menschen geht es leider immer nur um eine Moral im Sinn von Sittsamkeit, die im Allgemeinen nichts oder nur herzlich wenig mit wirklicher Sittlichkeit zu tun hat und auch nicht mit ihr zusammen hängt. Wenn sich junge Menschen nun schließlich doch nicht im Sinn dieser Kampagnen verhalten, dann kann das eigentlich nur daran liegen, dass sie bei ihnen keine wirkliche Sittlichkeit bewirkt sondern allenfalls auch noch die Sittsamkeit verstärkt haben – und sie verhalten sich irgendwann entsprechend: Es soll weiter so aussehen, als seien sie moralisch, daher pochen sie auf ihre Badehosen und Bikinis, doch das, um was es eigentlich gehen sollte, darum scheren sie sich nicht, zumal es dafür ja heute genau dafür so phantastische und zumindest zunächst einmal so einleuchtend erscheinende Rationalisierungen gibt.

Was also Not täte, wäre also eine deutliche Überwindung der Sittsamkeit, damit die jungen Menschen frei werden können für die Sittlichkeit!

Mir wird nun unterstellt zu meinen, wenn alle nackt herumliefen, dann wäre die Welt in Ordnung.

Diese Unterstellung ist Unfug. Ich bin gegen die Leib- UND die Geistfeindlichkeit. Die irrationale Scham (zwanghaftes Verstecken bestimmter Körperteile) fungiert besonders bei jungen Menschen immer noch als Ersatzmoral oder auch Scheinmoral. Und wenn etwas ein Ersatz oder etwas nur Scheinbares ist, dann bedeutet das doch, dass es es nichts Echtes, nichts Gewachsenes, nichts Gesundes, nicht wirklich Verarbeitetes und nicht wirklich Funktionierendes ist. Man kann es allerdings auch nicht einfach entfernen, weil es ja für etwas steht, also muss man stattdessen etwas Vernünftiges hinstellen. Denken wir an einen Menschen mit einem Holzbein oder eben Ersatzbein. Wenn man ihm sein Ersatzbein weg nimmt, dann ist ihm nun wirklich nicht geholfen und bei Gelegenheit verliert er seine Balance und bricht zusammen. Doch ein Holzbein ist auf alle Fälle auch immer nur ein Behelf, also eine Scheinlösung, die letztlich eben doch nicht richtig funktioniert, was ihm nun einmal fehlt, ist ein echtes, gesundes Bein! Und in unserem speziellen Fall muss also nun auch etwas Echtes hinkommen – und das kann doch nur etwas von Natur aus Angewachsenes sein, und was kommt hier denn anderes infrage als der Geist des Menschen? Der (eigene) Geist eines Menschen muss also für den Schutz der (eigenen) Moral wieder zuständig werden. Ja, wie war denn die alte frühchristliche Forderung: Der Mensch braucht eine Rüstung aus sinnvollem, vernünftigem Geist, also aus "heiligem Geist" (woraus später dann eine dritte göttliche Person „Heiliger Geist“ wurde – und futsch war der „sinnvolle, vernünftige Geist“, um den es eigentlich geht)!

Das Problem beim Thema „Moral“ ist also, dass der Mensch und auch und gerade der junge für wirkliche Moral etwa Menschenkenntnis und Lebensklugheit braucht, doch gerade durch Verhaltensregeln mit Dogmencharakter (also die "Badehosenmoral") ist diese Menschenkenntnis und Lebensklugheit verkümmert, weil sie nicht nachgefragt wird, so wie Muskeln verkümmern, wenn sie nicht gebraucht werden, und sich auch gar nicht erst entwickeln. Also daher ist diese Sexualscham für mich auch zutiefst leib-, geist- und schließlich auch seelenfeindlich und also „vom Teufel“!

Warum ist das nun so schwer, die Geist- und Seelenfeindlichkeit hinter der Leibfeindlichkeit zu sehen? Die Lebensklugheit beim Umgang mit anderen Menschen muss wieder im Vordergrund stehen. Und die geschieht im Zusammenhang mit dem Spaß an der Nacktheit – garantiert ohne Seelenkater! – erfahrungsgemäß eher als beim Beischlaf, aus welchen Gründen auch immer sind die jungen Menschen hier viel bewusster und kritischer.

Anmerkungen: Wann merken die ach so frommen und bibelgläubigen Leute eigentlich, dass Gott ihre Verklemmtheit oder auch Leib- und Geistfeindlichkeit bei der Erziehung junger Menschen zur (Sexual-)Moral partout nicht will? Wie sollte er Seinen Willen denn sonst mitteilen, als dass er solche Erziehung nicht gelingen lässt? Im Übrigen stehe ich mit meiner Idee einer unschuldigen Nacktheit aus einer christlichen Ethik heraus auch in „neuerer Zeit“ gar nicht so alleine da. Der englische Humanist und Märtyrer Thomas Morus (1478 – 1535), der immerhin 1935 heilig gesprochen wurde, befürwortet in seinem Roman „Utopia“, in dem es um eine utopische heile Welt geht, dass die Brautleute vor der Eheschließung einander nackend vorgestellt werden, damit sich nicht unter der Kleidung irgendetwas verbirgt, was die Eheleute später, wenn sie nicht mehr zurück können, abstößt und die Ehe verleidet (Reclam-TM 513, S. 107f). Da diese Methode nun ganz bestimmt etwas krampfig ist, wird hier eben eine sinnvollere vorgeschlagen! Und: Natürlich weiß ich, dass das mit der Nacktheit für junge Leute eine heikle Sache ist. Doch wer hier gleich immer alles verteufelt, der schüttet doch das Kind mit dem Bade aus und erreicht schließlich nur das Gegenteil von dem, was er eigentlich wollte, oder zumindest so tat, als ob er das wollte.