KINDERGARTEN.

Theorie und Praxis des modernen Kindergartens sei am besten einmal an folgendem Essay dargelegt:

Das Rätsel der heiligen Drei Könige und der „Nacktkindergartenskandal“ von Duisburg.

In der WELT vom 3. Januar 2009 schrieb Claudia Becker in einem Beitrag "Sie folgten dem Stern" über das Rätsel, wer diese heiligen Drei Könige waren und woher sie kamen – und konnte es auch nicht lösen. Dabei ist es eigentlich doch so schwer gar nicht, dieses Rätsel zu lösen. Der belgische Wissenschaftler russischer Herkunft Ilya Prigogine hat den Nobelpreis für die Konsequenzen aus der Erkenntnis bekommen, dass das Ganze eines Moleküls stets mehr ist als die Summe seiner Teile. Und das gilt nicht nur für die Biologie. Wenn wir also wissen wollen, was es mit den heiligen Drei Königen auf sich hat, dann müssen wir endlich einmal aufhören, sie für sich allein zu betrachten. Denn wenn wir das tun, müssen wir der Frau Theologieprofessor Ranke-Heinemann folgen, die herausgefunden hat, dass es auch die heiligen Drei Könige nämlich gar nicht gab, dass sie also reine Erfindung sind wie so vieles in der Bibel.

Die unverständlichen Geschichten der Bibel erklären sich für uns heute eigentlich nur aus dem größeren Zusammenhang.

Doch aus dem Gesamtzusammenhang ist das natürlich nicht alles. Ich bin schließlich auch Theologe und war lange Lehrer und bin nun wirklich viel (alternativ) „in aller Welt“ herum gekommen und ich bin dabei auf einen Ansatz gestoßen, der eigentlich ganz einfach und plausibel ist, doch auf den man wohl nur von einem größeren Überblick her kommt und der immerhin gerade für heutige Menschen einmal wirklich weiter führend wäre. Die Anregung dazu habe ich in der Literatur gefunden, nach der Jesus nach seinem Tod in Indien war und dort auch schließlich hochbetagt gestorben ist. Doch eben nur die Anregung, denn so weit bis nach Indien mag ich gar nicht gehen, zumal das mit Indien doch recht unwahrscheinlich ist und nun wirklich weit hergeholt scheint!

Aber das ist in der Erzählung von den „Drei Weisen“ oder eben den „Drei Königen“ doch ziemlich offensichtlich: Es ist haargenau eine Geschichte, wie in manchen buddhistischen Gemeinschaften nach dem Tod eines Priesterkönigs dessen Nachfolger gefunden wird. Denken wir etwa an die Dalai-Lama-Tradition in Tibet! Nach dem Tod eines Dalai Lamas wird im ganzen Land nach dem (männlichen) Kind gesucht, das als nächstes geboren wurde, in dessen Leib nach dem Glauben der dortigen Menschen also die Seele bei ihrer Seelenwanderung ihre neue irdische bzw. fleischliche „Behausung“ gefunden hat und das daher der nächste Dalai Lama ist. Und um das richtige Kind zu finden, müssen natürlich grundsätzlich im ganzen Land Geburtsregister geführt werden, in denen minutiös festgehalten wird, wann die einzelnen Kinder geboren wurden – und das funktioniert in einer Zeit, in der es keine Kalender und Uhren in unserem heutigen Sinn gab und das sehr groß ist und wo viele Wege lange Zeit im Jahr wegen Schnee und Eis unpassierbar sind (wie besonders in Tibet), nun einmal „über die Sterne“, zu denen ja auch die Sonne gehört. Vorzugsweise werden diese Geburtsregister in religiös geprägten Gesellschaften also in Kirchen oder Klöstern geführt. Und die Personen, die das richtige Kind schließlich finden sollen, müssen also „Sternkundige“ und „weise Männer“ sein. In der Praxis mag das also so aussehen, dass nach dem Tod eines Priesterfürsten von überall her gemeldet wird, welche Kinder in der fraglichen Zeit geboren wurden – und in dem Zentralkloster wird aus diesen Meldungen dann das Kind ermittelt, das als nächstes geboren wurde.

Und dann besucht eine Abordnung dieser Mönche das inzwischen nicht mehr ganz neugeborene Kind und bringt ihm Dinge aus dem Besitz des verstorbenen Priesterkönigs mit. Daher also diese merkwürdigen Geschenke „Gold, Weihrauch und Myrrhe“. Es ist schlicht und einfach das, was zu einem Priesterkönig gehört. Und wenn das Kind nun begierig danach greift und damit spielt, wie Kinder so etwas nun einmal tun, dann wird daraus geschlossen, dass „das Kind seine Sachen wieder erkennt“, dass also in ihm jetzt die Seele des alten Priesterkönigs ist, dass es also der wahre Nachfolger ist. (Wir würden allerdings heute sagen, dass das Kind schlicht und einfach munter und neugierig ist, dass es also gesund und intelligent ist – und von daher die Eigenschaften eines künftigen Priesterkönigs hat.)

Alles andere, wie die „Weisen zu diesem Jesuskind kommen und wie das Kind schließlich aufwächst, tut hier nichts zur Sache, es geht nur darum, denjenigen Menschen, für die der wahre Priesterfürst aufgrund einer Seelenwanderung zustande kommen muss, zu erklären, dass Jesus genau der Mensch ist, der in solche Vorstellungen passt. Und es tut auch nichts zur Sache, ob die Geschichte überhaupt stimmt, wichtig ist, dass eine Lösung gefunden wird, damit die östlichen Menschen es glauben können, dass dieser Jesus der Richtige auch für sie ist. (Ob man aber damals schon die Religionen mit solcher Tradition kannte? Aber gewiss doch, in Alexandrien in Ägypten gab es zu römischer Zeit etwa eine buddhistische Gemeinde...)

Diese Interpretation der „heiligen drei Könige“ mag für Sie, lieber Leser, auch weit hergeholt sein, verständlich...

Doch wir müssen – wie gesagt – den größeren Zusammenhang sehen. Schauen Sie sich dazu einmal eine Landkarte vom Vorderen Orient an und registrieren Sie, welche Länder so um Israel herum liegen, und vergegenwärtigen Sie sich dabei die wundersamen und nur für uns heute schwer oder gar nicht glaubhaften Erzählungen etwa bei Matthäus zu Jesus.

Da gibt es nicht nur eine Erzählung für die Menschen, die „im Osten der damals bekannten Welt“ leben, sondern auch weitere Erzählungen, die genau für die Völker passen, die um Israel herum sind, und für Israel selbst, so wie die sich also den wahren Befreier oder Priester oder Erlöser vorstellten und in denen man vermutlich missionieren wollte:

  • Für die Juden musste derjenige, den sie Messias nannten, aus dem Stamme Davids sein, daher also die Stammbaumgeschichte (in der interessanterweise Josef der genetische Vater ist),

  • für die Ägypter musste der durch einen Botengott („Bote“ heißt auf Griechisch-Lateinisch „angelus“, daher unser deutsches Wort „Engel“) von dem obersten Gott zu einer irdischen Frau kommen, die dann davon ein Kind bekommt (in vielen ägyptischen Tempeln gibt es „Mamisis“, wo genau das dargestellt wird, allerdings kommt dort der Botengott immer nur zur Königin, bei Matthäus kommt er zu einem einfachen Mädchen, das heißt also: „Jesus kommt gerade zu den „einfachen Leuten“, also zu uns allen“...),

  • für die Griechen musste er Wunder, vorzugsweise Heilungswunder, vollbringen können und auch bei ihnen gab es ja die Vorstellung von einer Zeugung bei einer irdischen Frau durch einen Gott,

  • und auch so eine Auferstehungsgeschichte wie bei Jesus war in der damaligen Glaubenswelt durchaus üblich, erwähnt sei hier die Geschichte des Horus in Ägypten, der ja auch nach seinem grauslichen Tod im Kampf gegen das Böse erst einmal in der (Vor-)Hölle und nach drei Tagen wieder auferstanden war,

  • für die Römer machte sich eine Himmelfahrt sehr gut, wir finden etwa im Römisch-Germanischen Zentralmuseum im kurfürstlichen Schloss in Mainz die (alte) Kopie eines Reliefs zur Apotheose (Vergöttlichung oder eben auch Himmelfahrt) des Kaisers Antonius Pius und seiner Frau Faustina (138 – 161), doch solche Vergöttlichungen von Herrschern gibt es auch längst vorher bei den Ägyptern und Griechen.

  • Interessant ist ja auch, dass beim Evangelisten Matthäus die Geschichte von der Verkündigung des Engels und der Jungfrauengeburt sozusagen nahtlos auf die Stammbaumgeschichte folgt, na, wenn das nicht ein Hinweis auf eine geschickte Komposition ist – wir würden heute sagen – zu Werbezwecken, um Jesus also in die Augen der Menschen aller möglichen Kulturen, so wie sie's eben kennen und daher auch brauchen, bedeutend zu machen... (Siehe hierzu auch den Beitrag in der WELT vom 24. Dezember 2008 von Hans Markus Thomsen: „Warum Maria wohl keine Jungfrau war“.)

Wenn es nun nur eine einzige solcher wundersamen Geschichten gäbe, könnte man ja noch versuchen, irgendeinen Wahrheitskern darin zu finden. Doch wenn es so viele sind, dann sollte man den einzelnen Geschichten nicht so viel Bedeutung beimessen, denn es steckt doch ganz offensichtlich ein System dahinter, das mit etwas völlig anderem zu tun hat als mit irgendeinem Anspruch auf Glaubwürdigkeit. Und das kann doch nur eines sein, das eher auf Werbung oder „public relation“ hinausläuft, wie wir heute sagen würden. (Anmerkung zu den Beispielen: Es ist längst bekannt, dass die wundersamen Erzählungen über Jesus lediglich "Verkündigung" - auf griechisch Kerygma - sind, um Jesus bedeutend zu machen, und nicht der Wirklichlichkeit entsprechen. Siehe auch unter "Jesus realistisch".)

Die Gesellschaft vor zweitausend Jahren war doch eine fürchterliche Machogesellschaft.

Aber wieso der ganze Aufwand? Oder auch: Sind das also alles Lügen in der Bibel?

Wenn wir so reden, verstehen wir das Anliegen der Bibel nicht. Es geht ja gar nicht um eine Wörtlichnahme, wie gerade Fundamentalisten sie bei uns heute gerne hätten und die auf der anderen Seite auch wieder viele verwirrt und gar vom Glauben abhält.

Um zu ermessen, um was es damals ging und was ganz offensichtich das Anliegen des historischen Jesus war, also des Jesus, der wirklich gelebt hat und der bedeutend gemacht werden sollte, müssen wir uns erst einmal in die Zeit damals hineinversetzen....

Und nicht nur Israel, sondern auch die übrigen Völker des Vorderen Orients (und vermutlich auch sonst wie auch heute noch) waren damals doch fürchterliche Machogesellschaften, jedenfalls würden wir das mit unseren heutigen Worten so sagen, in denen es u. a. gerade zwischen den Geschlechtern keine oder jedenfalls nur selten Liebe und Partnerschaft gab.

Die evangelischen Bibelwissenschaftler Johannes Leipoldt und Walter Grundmann schreiben in ihrem Buch „Umwelt des Urchristentums“ (Berlin 1982, mehrere Auflagen), dass es in Israel zur Zeit Jesu kaum Zeugnisse gibt, aus denen erkennbar ist, dass zwischen Mann und Frau „eine Gemeinschaft des Verstehens und des Lebens“ bestand, Frauen waren damals sozusagen bessere Sklaven der Männer – und die Kinder auch. Siehe auch das komplette Kapitel "Familie und Ehe". Und denken wir an die Frau, die wegen Ehebruchs gesteinigt werden sollte von Männern, die allesamt nicht ohne Sünde waren, also dasselbe trieben wie diese Frau. Ja, was wurde hier überhaupt „gespielt“? Schauen wir uns doch diesen „Fall“ nur ein wenig näher an: Da wird also eine Frau auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt und auch noch, damit sie vom Gesetz her verklagt werden kann, von mehreren Männern gleichzeitig. Eine im Grunde völlig unwahrscheinliche Sache – und die Männer laufen auch noch gleich zum Gericht und verpetzen die Frau, obwohl sie wissen dass das den Tod für die Frau bedeutet, noch so eine Unwahrscheinlichkeit! Wo die doch schon keine „Kostverächter“ waren, hätte doch eine „kleine Erpressung“ näher gelegen... Und wenn es wirklich passiert ist, dann war es doch eingefädelt, um die Frau auflaufen zu lassen... Und warum macht „man“ so etwas? Doch sicher nicht aus moralischen Gründen, sondern doch nur, um einmal eine Frau „hochgehen“ zu lassen, um den anderen Frauen zu zeigen, wer hier das Sagen hat, um sie also zu zähmen, um sie gefügig zu machen... Wenn das nicht ein Hinweis auf eine übelste Machogesellschaft ist! (Siehe das Stichwort "Jesus und die Sünderin".)

Hier war also gewiss Bedarf für eine radikale Änderung. Doch wie ändert man eingefahrene Systeme, die auch noch von den Opfern verteidigt werden?

Und nicht nur in Israel, bei den anderen Völkern war es um nichts besser, nur vielleicht anders. Denken wir an die Ägypter, die ihre Frauen auch damals schon beschnitten (inzwischen tun sie das seit 5000 Jahren). Und warum wird so etwas getan? Weil doch eine Frau als Sache angesehen wird, der man keine Sexualmoral im Sinn von Treue und Liebe zutraut, so lange sie noch Spaß an der Sexualität hat, und über die man verfügen möchte wie eben über Besitztum. Ich erinnere mich an einen Beitrag in der WELT eines Journalisten vor vielen Jahren, der in Ägypten einen Taxifahrer gefragt hatte, ob er auch Töchter hätte und ob die auch beschnitten seien. „Ganz klar“ hätte der gesagt, „denn sonst finden die doch keinen Mann, sonst können die doch nicht treu sei...“

Nehmen wir einmal an, dass es den ersten Christen wirklich hier um eine Änderung in Richtung Liebe ging (das Christentum ist ja die Religion der Liebe – und gemeint ist damit gewiss nicht nur die Nächsten- und die Feindesliebe, denn zu dem, was wir uns unter heiler Welt vorstellen, passen solche schlimmen Zustände zwischen den Geschlechtern einfach nicht), wie können sie solch eine Einstellung ändern? Und schließlich ist ja auch Jesus gerade für die „kleinen Leute“ gekommen, es ging also um eine Liebe, von der auch sie etwas haben.

Mit einer Aufklärung etwa in Form einer einfachen Predigt nach dem Motto „Hört auf Gott und vertragt euch mal schön und liebt euch dann auch in vernünftiger Weise“ ist es hier wohl nicht getan. Und selbst wenn jemand mit einem noch so tollen Konzept käme, würde doch sehr schnell der Einwand „Aber trotzdem“ und die Frage „Und wer hat das gesagt, dass wir jetzt alles anders machen sollen?“ kommen – und alles bliebe beim Alten. Ja, wieso sollten die Ägypter denn auch etwas übernehmen, was von einem anderen Volk und dazu noch von einem Wanderarbeiter stammte, der mit Absegnung der Römer gekreuzigt wurde, also eines Volkes, in dem schon die Kinder nicht mit dem Märchenbuch sondern mit dem Gesetzbuch aufwuchsen? „Irgendetwas wird also an der Todesstrafe für den schon dran gewesen sein!“ (Anmerkung: Jesus war nach der Übersetzung der Berufsbezeichnung seines Vaters aus dem griechischen Urtext der Bibel ebenso wie er „tekton“, also „Häuserbauer“, und in unserem Fall dann ein „Häuser bauender Wanderarbeiter“.) Und dieser Jesus wollte also etwas besser wissen über die menschliche Natur und insbesondere über die Natur der Frauen? Er würde sich damit ja auch über die ägyptischen Götter und Gelehrten erheben, was so von denen berichtet wurde, war nicht auch die ägyptische Königin Nofretete beschnitten? Sollte das denn alles Unfug sein - ausgeschlossen!

Dazu kommt dann auch noch, dass gerade in den Dingen, die mit der Sexualität und mit den Beziehungen der Geschlechter miteinander zu tun haben, normalerweise alles völlig festgefahren ist. Und wer hier etwas ändern will, und sei es noch so nötig, der wird doch gleich immer der Unmoral und schließlich auch der ganz besonderen Perversität verdächtigt nach dem Motto: „Da steckt doch nur ein abartiges Eigeninteresse dahinter, der macht das doch bloß, weil er irgendetwas im Schilde führt und ausleben möchte, was nicht normal ist!“ Bei der Beschneidung der Frauen, die ja in den Völkern, bei denen sie praktiziert wird, als Bedingung der Moral der Frauen galt und gilt, hieße das also: „Der will doch bloß, dass die Frauen scharf und unmoralisch werden, und das kann doch nur für den Zweck sein, damit er selbst mit ihnen etwas anfangen will!“ Und es ist ja auch so, dass etwa in Ägypten heute noch traditionsgemäß die Töchter von Prostituierten nicht beschnitten werden, weil man ja weiß, dass sie sowieso in die Fußstapfen ihrer Mütter treten und ihren Beruf also besser „schmerzfrei und mit Vergnügen“ wahrnehmen...

Ja, wie bringt man also solchen in schrecklichen Denkstrukturen verhafteten Menschen bei, dass sie ihr Verhalten ändern (müssen)?

Schlicht und einfach: Derjenige, der zu dieser Verhaltensänderung aufruft, der muss noch größer, noch bedeutender, noch menschlicher als alle die sein, die das bisherige System verkörpern. Daher also all die wundersamen Geschichten um Jesus, die vor allem auch irgendwie in die zeitgenössische Glaubensvorstellungen passten!

Und wer jetzt meint, dass diese Geschichten Lügen sind, der soll einmal sagen, wie man es anders und besser machen soll, wenn man „so etwas“ ändern will.

Das Problem ist allerdings: Diese Geschichten lösten sich immer mehr von dem eigentlichen Anliegen, wurden immer wahrer, bekamen immer mehr eine Eigendynamik, wurden zu den Glaubensinhalten schlechthin – und im Grunde blieb hinter neuer Fassade alles beim Alten, am Machismo, also an einem negativ-männlichen Prinzip, änderte sich also nichts. So wurden etwa bei den christlichen Ägyptern und Äthiopiern die Frauen weiter beschnitten – bis heute. Es reicht eben nicht die Taufe als frommer Ritus, sie soll doch nur Symbol für ein geistiges Konzept sein, und wenn das geistige Konzept fehlt oder für die jungen Menschen nicht richtig rüber kommt, dann macht die Taufe die Menschen nun einmal auch nicht besser.

Warum wir uns heute nicht den Machismo vor 2000 Jahren bewusst machen (sollen) und warum man am Nordpol keine Brillen mit roten Gläsern aufsetzen sollte.

Und wir heute? Die Frage stellt sich: Warum hören wir üblicherweise nichts von diesem Machismo, den der historische Jesus, also der wirkliche, und mit ihm die frühen Christen überwinden wollten? Warum weist auf die wenig menschlichen Zustände in der alten Gesellschaft nur ein evangelischer Theologe hin (also Walter Grundmann), der wegen seiner extremen Verstrickung mit dem Antisemitismus der Nazidiktatur für viele sozusagen eine Unperson ist – siehe Beitrag in der WELT "Theologe des Judenhasses machte DDR-Karriere" vom 8. 11. 2007? (Anmerkung: So wie ich sehe, hatte Grundmann „damals“ den Machismo zur Zeit Jesu den Juden „in die Schuhe geschoben“, er versuchte daher, Jesus zum „Arier“ zu machen. Doch war die Sachlage wohl etwas anders: Machismo ist im ganzen Vorderen Orient seit jeher durchgängig – und die Juden waren das einzige Volk, in dem es immer wieder Menschen gab, die dagegen etwas unternahmen, insofern war Jesus ein typischer Jude!)

Es ist doch eigentlich alles ziemlich offensichtlich? Geht uns das alles heute nichts mehr an, haben wir diesen Machismo etwa längst überwunden? Oder bringt man das alles lieber nicht zur Sprache, weil dann die Gläubigen auf die Idee kommen könnten, genauer nachzuhaken, wie das heute so mit dem Machismo in Gesellschaft und Kirche ist? Oder läuft das wie in dem alten Kalauer, warum man am Nordpol keine Brillen mit roten Gläsern aufsetzen sollte? Ja, warum denn nicht? Ganz einfach: Weil man dann die Eisbähren nicht von Himbähren unterscheiden kann (ich habe bewusst beide Worte falsch und gleich geschrieben...). Das soll heißen, wenn man den Machismo bei anderen nicht erkennen kann, wo er doch zweifelsfrei gegeben ist, dann wird das wohl daran liegen, dass man selbst einen entsprechenden Verzerrungsfilter vor den Augen hat, dass man also ebenso voller Machismo ist. (Der andere flotte Spruch, von der einen Krähe, die der anderen usw., passt hier nicht, denn der unterstellt dem, der den Machismo nicht sieht, Böswilligkeit. Und die ist nun gewiss nie oder jedenfalls nur sehr selten gegeben, denn die Ursache ist eben schlicht und einfach der Jahrtausende alte Verzerrungsfilter. Irgendwann werden irgendwelche Fehlformen und vor allem die Wege, die zu diesen Fehlformen führen, einfach für normal und auch für moralisch gehalten und wer versucht, sie zu hinterfragen oder gar zu ändern, der wird sogleich der Unmoral verdächtigt. Und nicht zuletzt färben an dem Verzerrungsfilter üblicherweise ja auch noch Frauen kräftig mit – und im allgemeinen natürlich auch noch mit den besten Absichten, es geht ja, wie auch sie meinen, um die Moral.)

Um zu ermessen, was falsch läuft, sollten wir uns zunächst einmal klar machen, was eigentlich der Unterschied zwischen einer machismogeprägten und einer nicht machismogeprägten Gesellschaft ist. Woran erkennt man also ein (negativ-)männliches und woran ein (positiv-)weibliches Prinzip?

Es seien hier einmal bewusst die Extreme gewählt, wobei als männlich die negative Zerrform und als weiblich die positive Idealform hingestellt sei, natürlich ist alles Positive und Negative nur bedingt geschlechtsspezifisch.

Das männliche Prinzip sei also eher das Harte:

  • Befehl und Gehorsam, Herrschaft und Unterdrückung, Sieg oder Untergang,

  • das oberflächlich-besitzen-Wollende,

  • das vordergründige-Lust-Wollende ohne die Verantwortung-tragen-Wollende,

  • das sich-billlig-aus-der-Affäre-stehlen-Wollende,

  • das nie-um-patente-Ausreden-Verlegene, wenn es gilt, sich aus der Verantwortung zu stehlen,

  • das mit-körperlicher-Gewalt-den-andern-überrumpeln-Wollende,

  • das eine Notlage-oder-auch-eine-Dummheit-oder-Naivität-ausnutzen-Wollende (auch eine seelische, etwa eine Einsamkeit) oder natürlich auch

  • das eine Dummheit-oder-Naivität-Fördernde-und-keinesfalls-sie-überwinden-Wollende ...

Und das weibliche Prinzip sei das Weiche:

  • Anders als um Sieg oder Untergang zu kämpfen, räumen Frauen erst einmal die Trümmer weg, denn das Leben muss weiter gehen, egal, wer gewonnen hat, daher dann:

  • das Leben-Schenkende und das für-das-Leben-Sorgende (also auch in und nach einer Katastrophe nach dem Motto: „Das Leben muss weiter gehen...“) und damit

  • das die-Geborgenheit-und-Schutz-Suchende-und-schenken-Wollende,

  • das sich-ohne-die-Erwartung-einer-Gegenleistung-verschenken-Wollende,

  • das die Harmonie-und-die Liebe-und-die-Partnerschaft-Suchende,

  • das mit-Charme-und-mit-Begeisterung-jemanden-verzaubern-Wollende,

  • das die Verantwortung-tragen-Wollende und eben immer das Gegenteil von dem negativ-männlichen Prinzip...

  • Und vor allem auch wird in jedem Menschen erst einmal das Gute oder Gutwillige gesehen, allerdings wird dabei oft auch übersehen, dass dieses Gute oder Gutwillige entsprechend aktiviert werden muss, damit es sich entfalten kann....

Von daher kann das Engagement einer Alice Schwarzer für die weiblichen Varianten der Berufsbezeichnungen nur als völlig daneben und lächerlicher Aktionismus abgetan werden, wenn man statt von Betreuern jetzt auch von Betreuerinnen redet oder reden müsste (die Frage stammt nicht von mir, ob jetzt nicht nur vor Dieben, sondern auch im Sinne der Gleichberechtigung korrekterweise vor Diebinnen gewarnt werden müsste). Denn von solchen Spielereien mit Wörtern kommt man doch nie und nimmer auf die echten weiblichen Werte!

Und wie sieht das nun mit denen in unserer Zeit aus?

Denken wir doch einmal ganz konkret an den Sexualkundeunterricht in unseren Schulen: Ganz eindeutig ist da der Trend zum negativ-männlichen-Prinzip: Schon die Mädchen sollen sich genauso wenig den Kopf zerbrechen über irgendwelche höheren Werte im Zusammenhang mit Liebe und Partnerschaft, sie sollen die Pille und Kondome nehmen und genauso oberflächlich in ihren seelischen Bedürfnissen werden wie die Männer... Nein, nicht feste Werte sind das Ziel solcher Erziehung, sondern wie auch Mädchen ohne viel Schaden wie Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten ohne diese Werte leben können...

Und auch die christliche Religion, wie wir sie kennen, kümmert sich keinesfalls darum, den jungen Menschen Strategien beizubringen, wie diese Werte gelebt werden können. Ich habe einem katholischen Kirchenfürsten, der sich, wo auch immer sie eine Gelegenheit bietet, sehr gottesfürchtig und um die Moral der Jugend besorgt gibt, ein Exemplar der ersten Auflage dieses Buchs zugeschickt. Und er hat mir sogar geantwortet. Aber nein, so seine Antwort, es sei ja vielleicht ganz nett, was ich schriebe, doch ich sollte doch auch deutlich machen, dass ich nicht mehr katholisch sei, weil ich nicht mehr an die Dogmen der Kirche glaube ("Christus, Auferstehung, Dreifaltigkeit"). Und darauf käme es doch wohl an. Ich habe ihm dann geantwortet, dass ich mich viel mehr von den Worten Jesu motiviert fühle, nach denen der Größte im Himmelreich der ist, der die Menschen die Gebote so lehrt, dass sie sie auch halten (können) - eine Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium, die eigentlich zum Allgemeinwissen eines jeden Theologen gehören sollte. (Ihm war diese Stelle allerdings offensichtlich gar nicht geläufig!) Dagegen könnte ich kein Zitat von Jesus finden, dass es vor Gott irgendwie von Bedeutung ist, ob Menschen etwa an die Dreifaltigkeit glauben. Und ich habe versucht, ihn daran zu erinnern, was Jesus gegen die Phaisäer seiner Zeit hatte. Das waren nämlich durchaus ehrenwerte und gewiss normalerweise auch nette Menschen. Ihr Fehler – in den Augen Jesu – war allerdings, dass sie irgendwelche Glaubensvorschriften und -bedingungen in den Vordergrund stellten, so wie auch heute unsere Kirchen. Dagegen sahen auch sie darüber hinweg oder wollten es nicht wahrhaben, dass und wie die Menschen sich die Gebote Gottes zurecht bogen.

Die Gebote Gottes sind für diesen Kirchenfürsten also ganz offensichtlich sekundär und er ist völlig genervt über einen Ansatz, wie die Sexualmoral, die mit Enthaltsamkeit zu tun hat und die Seelen schützt, jungen Menschen sogar Spaß machen könnte, wenn man sie ihnen nur entsprechend beibringt. Nein, er wittert gleich einen bequemen Weg und der darf auf keinen Fall sein. Und nehmen wir einmal an, es gäbe tatsächlich einen bequemen Weg zum Befolgen der Gebote der Heiligkeit der Ehe (dass also Sex und Ehe zusammen gehören), was wäre Gott wohl lieber, wenn die Menschen diesen bequemen Weg gingen oder wenn sie sich erst gar nicht an die Gebote hielten? Was Gott lieber hätte, ist eigentlich doch klar... Doch vermutlich hat der Kirchenfürst – wie die ganze Kirche – die größte Angst, dass sich die Menschen tatsächlich an die Gebote halten könnten. Denn das würde ja den Kirchenleuten ihr Selbstverständnis und ihre Arbeit wegnehmen, nämlich den Menschen zu helfen, ihre Pannen mit dem Nichtbefolgen der Gebote zu bewältigen... Eigentlich ein billiges Seelsorgeverständnis, wenn man vorher nicht alles getan hat, den (jungen) Menschen zu helfen, diese Pannen von vornherein zu vermeiden. Oder auch purer Machismo, denn dieses Helfenwollen kann ja auch eine infame Version von Herrschaft sein! Siehe auch Punkt C.7: "Für die Kirche von oben ist das Gelingen der Liebe in der Einheit von Leib und Seele ihrer Gläubigen jedenfalls nicht Chefsache".

Ach ja, immer drauf auf die Kirche! Aber bei den normalen Menschen bei uns heute ist doch wenigstens im Großen und Ganzen alles in Ordnung, Machismo, den gibt es doch nur woanders, in Südamerika und bei den Moslems, nein, nur nicht bei uns?

Ich bitte Sie, sich hierzu einmal den Beitrag in der WamS vom 30.11.2008 anzuschauen „Dürfen Kinder nackt spielen?“

Es geht in dem Beitrag darum, dass in einem Duisburger Kindergarten einige Kinder – wohl von ihrer Gewohnheit in den Ferien mit den Eltern her – auf die Idee kamen, auch im Kindergarten nackt miteinander zu spielen, und viele andere mitmachten. Und die Betreuer informierten die Eltern der Kinder, die da mit machten, und tolerierten das, bis ein Mädchen zu Hause berichtete, dass ein Junge sie zu Sexspielchen „anmachen“ wollte. Von da an lief alles aus dem Ruder, zumal türkische Väter und Mütter alles aufbauschten und vor allem auch „ihre“ Presse über das „schamlose Projekt des Kindergartens“ berichtete. Der Kindergarten wurde zum Skandalkindergarten und geschlossen!

Wenn wir uns nun einmal vergegenwärtigen, wie der erste Sex junger Menschen im späteren Alter anfängt, nämlich gewiss nie, weil sie Spaß an der Nacktheit haben (sie haben im Gegenteil sogar regelrecht „Horror“ vor der Nacktheit, ich war lange Lehrer und kenne die jungen Leute!), sondern weil sie gar nicht so recht wissen, um was es geht, der weiß auch, dass wir junge Menschen mit ihrer Angst vor der Nacktheit zu einer Schein- oder Ersatzmoral erziehen. Für eine echte Moral im Sinn von einer Kombination von Sex und Ehe ist jedenfalls erfahrungsgemäß diese Schein- oder Ersatzmoral, also die Sexualscham, schließlich nicht nur völlig bedeutungslos, sondern sogar ausgesprochen kontraproduktiv. Jedes Engagement für eine Sexualmoral im Sinn einer Kombination von Ehe und Sex muss schlicht und einfach daran scheitern, dass insbesondere die Mädchen etwas für Moral halten und dieses auch geradezu verbissen verteidigen, was nur eine Scheinmoral ist. Doch irgendwie sind ja auch sie lebendige Wesen und sehnen sich nach Offenheit, nach Freiheit, nach dem Menschsein... Und wenn mit einer Fixierung der Sexualmoral auf die Sexualscham nun sozusagen alle Ventile und aber auch alle Möglichkeiten der Freude an einer harmlosen Offenheit zugestopft sind (und diese Offenheit hat ja auch sehr leicht etwas mit Menschenkenntnis zu tun, also wem können sie vertrauen, bei wem können sie sich mich frei von Ängsten und sicher fühlen, wenn sie sind, wie sie sind?), dann wird doch nur erreicht, dass gleich immer alles passiert – und im Allgemeinen auch erst einmal mit den Falschen... Nicht zuletzt nutzen das dann zumindest einige Jungen und Männer ganz schön in einem oberflächlichen Sinn aus - und das Ergebnis ist nur Leere und Seelenkater und Misstrauen dem anderen Geschlecht gegenüber. Ist das alles nicht auch die Quintessenz von den zahlreichen „besonderen Frauenbüchern“, die gerade so auf dem Markt sind? Siehe den Beitrag „Sie wollen Sex, und sie sind wütend“ von Thomas Lindemann in der WELT vom 21. Januar 2009. Wenn die Mädels allerdings anders wären, könnten die Jungs diese nicht nur nicht ausnutzen, sondern sie würden sich schon ihrem anderen Niveau anpassen!

Leider wird mit der Schließung des Kindergartens auch gleichzeitig die Gelegenheit vertan, dass die Jungen lernen, wie schön es ist und wie offen die Mädchen sein können, wenn sie sich zusammennehmen können. Denn wo sonst könnte man das alles besser lernen als im Kindergarten?

Ja, was wäre denn besser gewesen in diesem Kindergarten, statt hilflos und unprofessionell zu agieren und ihn zu schließen? Was wäre, wenn man den Kindern von der Liebe erzählt hätte, was für eine tolle Sache die ist, wie sie aber auch missbraucht werden kann? Und dass eben auch solche Offenheit, wie sie die Kinder praktizieren, eine wunderbare Sache ist, denn es ist doch nun einmal schön, wenn gerade auch junge Menschen so frei und offen miteinander umgehen können, und dass diese Freiheit und Offenheit ein ganz hoher, ja ein paradiesischer Wert ist, den es zu erhalten gilt. Und vor allem, dass das noch lange nicht heißt, dass man miteinander irgendwelche Spielchen treibt. Erfahrungsgemäß würden das Kinder sowieso weit von sich weisen, zumindest, wenn sie erst einmal wissen, um was es sich dreht. (Ich erinnere mich, wie einfach Kinder überzeugt werden können, wenn sie ganz sachlich Argumente erfahren, die für sie plausibel sind: Als wir im Alter von etwa acht Jahren im Kreis von Kameraden die Kippen weiter rauchten, die amerikanische Soldaten weggeworfen hatten, und einer aus der Gruppe erzählte, dass ihm sein Vater gesagt hätte, dass man sich dabei Krankheiten holen könnte, da war der Spuk in unseren Köpfen sofort vorbei.)

Ohne „Könige“, die sich für ungewohnte Lösungen engagieren, ist auch unser heutiger Machismo nicht zu überwinden!

Ja, welch wunderbare Gelegenheit wäre das doch gewesen, mit den Kindern zu reden, dass nämlich ein Mädchen sozusagen von einem Jungen angemacht worden war und dass solche Anmache doch das ganze paradiesische Zusammensein kaputt macht? Und wenn entsprechend vernünftig geredet würde, dann könnten wir verblüfft feststellen, wie auch die anderen Kinder, die heute noch über die „Nacktkinder“ ihre Nasen rümpfen, morgen schon mit wehenden Fahnen zu ihnen „überliefen“ – ich kenne das. Aber stattdessen wird alles brutal beendet - eine Machomaßnahme! Und wir lassen uns dabei auch noch von denen, die nun wirklich schon von ihrem Kulturkreis her die totalen Machos sind, vorschreiben, was wir zu tun haben! (Haben die Türken wie wohl die meisten Moslems denn überhaupt eine vernünftige Sexualmoral? Die funktioniert doch „bei denen“ nur, wenn sie etwa ein Mädchen ständig bewachen, ansonsten müssen sie es bekannterweise schließlich akzeptieren, wenn die Mädels, die in ihrer Kindheit gewiss nie einen „Nacktkindergarten“ mitgemacht hatten, sich ihr Jugfernhäutchen wieder reparieren lassen... Oder sehen Sie sich doch einmal die Bücher von Necla Kelek, Inci Y., Ayse und anderen an über die Zwangsverheiratungen türkischer Mädchen an. Eine Einstellung, die man Moral nennen kann, ist ja wohl etwas anderes!)

Aber dazu müssten die „Betreuerinnen und Betreuer“ natürlich zuerst einmal ein Konzept haben (dürfen), dessen Grundlage eine wirkliche konsequente Moral ist. Denn die allgemeine „sexuelle-Selbstbestimmung-Konzeption“ heute „tue nur das, was du willst, wozu du auch wirklich Lust hast“, tut's nämlich nicht und ist sogar ein Holzweg. Denn das, was sich mit dieser Konzeption in den Köpfen junger Menschen festsetzt, kann nämlich auch sehr gut manipuliert und ausgetrickst werden... Als Basis käme also nur eine wirklich strenge Ehemoral infrage, dass also Sex und Ehe zusammen gehören. Und die könnten die Kinder auch sehr leicht einsehen, denn gerade Kinder sind ja noch sehr aufgeschlossen für eine wirkliche Moral der Liebe und Partnerschaft, bzw. wären es, wenn man sie ihnen nur entsprechend nahe brächte. Kinder wollen einfach moralisch sein und haben die größte Angst, dass andere sie für unmoralisch halten könnten. Und es gab auch (vor langer Zeit) einmal eine Notiz in der WELT, dass Amerikaner festgestellt haben, dass die moralischen Vorstellungen, die Kinder gegen Ende des Kindergartenalters haben, das ganze Leben lang den Hintergrund für alle weiteren moralischen Entscheidungen bilden. Jedenfalls kommt irgendwann schon die Gelegenheit, mit Kindern entsprechend zu reden. Aber was ist, wenn solche Moral nicht mehr der Maßstab ist sondern es irgendwelche diffusen Vorstellungen von einer „sexuellen Selbstbestimmung“ sind? Dann kann man nur noch mit schlecht begründbaren Verboten arbeiten... Und Verbote gerade in solchen Dingen, ob nun gut oder schlecht begründet, sind immer ein Kennzeichen von Machismo...

Und wir müssten nun wirklich keine Angst haben, dass die Kinder deswegen gleich überall nackt herumlaufen, denn die sind ja (noch nicht) blöde, die wissen schon, wo sie's können und wo nicht, und sind zumindest offen für entsprechende Hinweise. Im Kindergarten kamen sie ja eh nur deswegen auf die Idee, weil sie sich geborgen und sicher fühlten, eigentlich doch ein sehr gutes Zeichen für einen Kindergarten!

Der eigentliche Skandal ist also nicht, dass so etwas passiert ist, sondern wie wir damit umgehen. Dabei ist den Betreuern doch nun wirklich nichts vorzuwerfen. Was haben sie denn falsch gemacht (außer eben, dass sie kein Konzept für diesen Fall hatten, aber wer hat das heute schon, sie lernen das ja auch nicht in ihrer Ausbildung), dass manche sogar versuchten, ihr Verhalten zu kriminalisieren? Sie haben doch nur die heute in vielen Dingen allgemein akzeptierten Ideen der nun wirklich anerkannten Schweizer Kinderpsychologin Alice Miller in die Praxis umgesetzt, dass man Kinder nicht „er-ziehen“ (also zu etwas, was die Erwachsenen wollen, „hin-ziehen“) sollte, sondern sie bei dem, was sie wollen „begleiten“ sollte. Und das heißt, dass man ihnen also helfen sollte, dass sie das, was sie wollten, auch richtig machen und sie sich nicht in schwierige oder gefährliche Situationen bringen. Es ist auch nichts bekannt, dass die Betreuer die Kinder unsittlich berührt haben, dass sie Kinderpornoaufnahmen gemacht haben, dass sie also etwas wirklich „Böses“ mit den Kindern angestellt haben, denn darüber hätten wir sicher erfahren! Aus allem, was wir erfahren, haben sie sich doch nur als Beschützer der Kinder verhalten, wenn vielleicht auch nicht in perfekter Weise.

Warum also diese Hysterie, warum diese tumultartige Szenen, von denen berichtet wird und die doch mit Sachlichkeit nichts zu tun haben? Was heißt die Wortwahl einiger Eltern, dass eine Kita nicht zum FKK-Club verkommen dürfe? Wieso „FKK-Club“, wieso „verkommen“? Ist diese Wortwahl nicht eine Verunglimpfung von im Allgemeinen ehrenwerten Mitbürgern, die einfach mit der Scheinmoral unserer Zeit nichts mehr zu tun haben wollen? Doch diese haben hier ja allerdings im Allgemeinen auch kein rechtes Konzept, wenn sie die Nacktheit ihrer Kinder ja nur zum Kennenlernen des Körpers befürworten, das ist wohl auch ein bisschen schwach und provoziert natürlich die, denen es um Moral für ihre Kinder geht...

Die Frage stellt sich allerdings, wie man in einer solch verfahrenen Situation zur Sachlichkeit kommen kann, ja, wenn Menschen so festgefahren sind, dass sie gar nicht mehr bereit sind nachzudenken?

Ob wir hier nicht genau in der inneren Zwangssituation der Menschen vor 2000 Jahren sind, wo gerade auch die Menschen, die auf der Schattenseite des Systems standen, unfähig waren, sachlich nachzudenken und bei dem System auch noch mitmachten, wobei sie selbst auch noch den größten Schaden hatten?

Wären hier nicht einmal Chancen für kirchliche Kindergärten?

Mir halten bisweilen wohlmeinende Freunde vor, dass ich doch selbst mit den vernünftigsten Konzepten keine Chance hätte, denn das, was ich wollte und was die Betreuer der Kinder hätten tun können, sei den meisten Menschen einfach nur suspekt, bei denen würden doch gleich immer alle Alarmglocken läuten. Was ich brauchte, wäre, dass sich irgendwelche bedeutende Persönlichkeiten, also irgendwelche allgemein anerkannte Autoritäten und Kapazitäten, für die Sache einer wirklichen Moral einsetzten, dass sie etwa Vorworte für mein Buch schrieben, in dem ich „das alles“ darlege, dass etwa die Scham nur eine Scheinmoral ist, die nie zu echter Moral führt, bei der auch die jungen Leute gerne mitmachen.

Verstehen wir jetzt vielleicht, warum die Verfasser der Bibel den Jesus nach allen Regeln der damaligen Werbekunst bedeutend machen wollten und dazu auch drei Könige oder drei Weise aus dem Morgenland „aufmarschieren“ ließen, die dem Jesuskind als dem neuen Erlöser der Menschheit schlechthin huldigten?

Übrigens: Dass auf diese Weise einmal eine Königin zwar nicht einer menschenfreundlichen, jedoch einer pferdefreundlichen Idee zum Durchbruch verhalf, ist noch gar nicht so lange her... Es ist die Geschichte des „Pferdeflüsterers“ Monty Roberts, der schon als Kind herausgefunden hatte, dass die brutalen Erziehungsmethoden, mit denen man Pferde in Amerika gefügig machte, überhaupt nicht notwendig sind. Die Pferde sind intelligente Fluchttiere und sie habe schlicht Angst vor den Menschen und, wenn sie nicht machen, was die „Zähmer“ wollen, so liegt das schlicht daran, weil sie nicht verstehen, was die von ihnen überhaupt wollen. Wenn man sich als „Zähmer“ danach richtet und mit den Pferden so umgeht, dass sie das auch verstehen (können), dann machen die Pferde auch mit – und alles ist ganz einfach! Gegen diese Auffassung, die Roberts auch in der Praxis belegen konnte, gab es jedoch größte Widerstände, er wurde als Pferdemagier verspottet, eben als Pferdeflüsterer. Bis eben die Königin Elisabeth II von England ein Büchlein von ihm las. Und die verhalf seinen Ideen zu Durchbruch – so dass heute Pferde eigentlich nur noch nach Monty Roberts Methode „gezähmt“ werden.

Vielleicht braucht es also auch in unserem Fall eine „Königin“ oder natürlich auch einen „König“, die oder der sich engagiert, um aus dem Machismo unserer heutigen Zeit herauszukommen?

Hinweis: Dieses Stichwort entspricht dem Vorwort 1 im Buch "Das Durchblickkonzept für junge Leute".

 

Anmerkungen zum Thema "kirchlicher Kindergarten":

Nach dem Krieg suchten die Amerikaner einen neuen Träger für die Kindergärten, die zuvor der NS-Volkswohlfahrt (NSV) unterstanden und kamen auf die Kirchen (so erzählte mir ein Pfarrer und er sagte weiter:). Doch was haben wir eigentlich mit den Kindergärten zu tun? "Das bringt nur Arbeit, auf die dort Tätigen haben wir sowieso keinen Einfluß" und - allerdings jetzt von basisreligion - ob das, was dort an Religiösem den Kindern beigebracht wird, im Endeffekt einen Sinn hat, ist ohnehin zweifelhaft. Nicht zuletzt steht vieles davon ja wohl der Lüge näher als der Wahrheit. Aber - man könnte es ja doch anders machen! Wer käme denn sonst dafür infrage, die Leibfeindlichkeit abzubauen, so wie die Kinder es auch wollen, und die Kinder gleichzeitig für einen schönen und echten moralischen Umgang miteinander zu motivieren?

Doch es geht hier um etwas anderes:

"Kindergarten" ist umgangssprachlich ein Schlagwort für etwas, das eigentlich längst klar und offenkundig ist, daß es geändert werden mußte, und das trotzdem nicht geändert wird - einfach aus lauter Rechthaberei, aus falsch verstandener Tradition, aus kaum nachvollziehbaren Ängsten, aus Proporzdenken ("der andere hat was, jetzt muß ich auch was haben...").

Besonders hartnäckig halten sich solche Kindergartenphänomene im Bereich der Religion - denn weil alles angeblich göttlich ist, darf man es nicht ändern, und andererseits ist das auch wieder eine bequeme Ausrede, sich auf den alten Pfründen auszuruhen.

So wissen wir heute genau, daß das mit der Schöpfung, mit dem ersten Paar Adam und Eva und mit den Wundern in der Bibel wohl alles nicht so war, nicht mit der Jungfrauengeburt und auch nicht mit der Auferstehung, wir wissen, daß Jesus nicht der Sohn Gottes war und auch keine Religion wollte und und und. Und wir wissen auch nach hundert Jahren FKK-Erfahrung, daß die Nacktheit eine absolut ambivalente Sache ist und je nachdem sogar förderlich für wirkliche Moral ist, wir wissen, daß man heute mit Kindern über alles reden kann und darf ...und und und - und wir machen dennoch weiter, als ob nichts wäre: Wir erzählen immer wieder dasselbe den Kindern oder lassen sie zumindest in dem falschen Glauben und machen keine Konzepte, die das alles mit einbeziehen - was soll das? Dummheit oder Böswilligkeit oder eben Kindergarten?

Siehe auch Meinungsänderung. Weitere Worte, die schon einmal bei google gesucht  werden: Kiga, Planschbecken, Badesachen.

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)

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