KINDERGOTTESDIENST. Während der Stoff und vor allem die Tendenz des schulischen Religionsunterrichts so ziemlich festgelegt sind, bleibt für den Kindergottesdienst doch einiger Spielraum. Schließlich wird dieser Gottesdienst heutzutage ja nicht nur sehr oft von den Eltern gestaltet, sondern der Besuch durch die Kinder ist auch vollkommen freiwillig. Und das bedeutet, dass etwa Eltern mit den Zuständigen darüber reden können, was sie für ihre Kinder nun wollen:

  • Kinderaufbewahrung, Unterhaltung?

  • Wissensvermittlung – Bibelkenntnisse?

  • Gewöhnung an den sonntäglichen Kirchgang und die traditionelle Liturgie?

Oder soll die Chance, die sich hier aus der Freiwilligkeit und Motivation der Kinder ergibt, besser genutzt werden – im Interesse der Kinder? Jedenfalls gibt es Raum für Alternatives und vor allem für eine lebendige Kritik in der Weise der sinnvollen Umsetzung in die Praxis! Denn immer nur kritisieren, was nicht gut ist, das bringt doch nichts! Lassen wir uns doch einmal etwas einfallen!

Und es gibt immerhin verschiedene Möglichkeiten, dem Kindergottesdienst Sinn und Zweck zu verleihen.
(In gewisser Weise gilt das dann ja auch für andere Gottesdienste):

  • Erziehung der Kinder für eine Bewältigung der Notfälle beziehungsweise Katastrophen des Lebens,

  • Fitmachen der Kinder, dass diese Katastrophen gar nicht erst passieren, sondern dass sie positiv emanzipiert werden,

  • Vermittlung der Zuversicht, die Dinge des Lebens zu bewerkstelligen, indem der Gottesdienst die Hilfe Gottes verdeutlicht,

  • Einsatz, dass die jungen Menschen den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens richten,

  • Unterstützung der Eltern, damit aus ihren Kindern ganze Menschen werden, Hinführung der Kinder zu echter Emanzipation und sinnvoller Menschenkenntnis,

  • Erfahrung eines positiven Gruppeneffekts, weil andere Kinder auch ähnlich denken,

  • Vermittlung eines wirklich christlichen Gottesbildes,

  • Vermittlung zwischen Leben und Gott,

  • und soll der Kindergottesdienst schließlich nicht auch Freude machen? Und ein Gewinn für alle Beteiligten sein?

Themen und Inhalte eines Kindergottesdienstes müssen sich an diesen Grundprinzipien messen lassen!

Werden wir uns also erst einmal klar, welche Ziele wir überhaupt haben!

Denn wenn wir uns diese Frage ganz bewußt stellen, dann haben wir schon halb gewonnen, denn dann sind wir wenigstens schon einmal offen für die Probleme, also vor allem, was wir mit einem falschen Kindergottesdienst anrichten können! Ein Gottesdienst, dessen Schwerpunkt in der Vermittlung einer Gottesvorstellung, eines Glaubens besteht, der Historisches mit biblischer Mythologie und kirchlichen Dogmen unkritisch mischt, trägt sicher nicht dazu bei, Kinder für’s Leben fit zu machen. Das Herunterbrechen biblischer Texte auf (mehr oder weniger spannende) Abenteuer- oder Kuschelgeschichten für Kinder, die letztendlich in einer anderen Welt spielen, entspricht eher einer Entführung in eine irrationale Traumwelt, die nichts mit dem Leben zu tun hat. Letztendlich resultiert eine Erziehung der Kinder in Richtung einer weltfernen Ideologie mit der Zerstörung ihrer natürlichen Ursache-Wirkung-Denkstrukturen und mit Leibfeindlichkeit und fehlender Menschenkenntnis in dieser Welt.

Und seien wir uns klar: Schlechtes Handeln kommt von schlechter Philosophie und von schlechter Theologie! Wenn wir Kindern nichts Vernünftiges beibringen, woher sollen sie dann vernünftig werden?

Und wie muß nun ein Kindergottesdienst sein, der für die Kinder interessant ist und der das Negative vermeidet und das Positive fördert?

Auf alle Fälle muß sich auch der Kindergottesdienst an den Regeln für eine vernünftige Kindererziehung orientieren. Und insbesondere gilt hier ganz besonders, weil es ja ein Gottesdienst für den Gott der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Menschenliebe sein soll:

  • Keine Lügen, und seien sie noch so schön und durch lange Traditionen geheiligt! Wie können wir überhaupt annehmen, dass ein guter Gott Freude daran hat, wenn wir Kinder belügen - und gerade auch in seinem Namen!

  • Und damit auch keine Nähe zu Märchen, zu Mickey-Mouse-Geschichten, zu Harry Potter!

  • Im Gegenteil: Kinder erfahren hier, was wirklich ist. Kennzeichen eines guten Kindergottesdienstes ist, dass verlässlich ist, was man da hört. Es gibt einfach nichts Besseres!

  • Und sie erfahren vor allem auch, was sonst ausgelassen wird. Wer also verklemmt und leibfeindlich ist, wer selbst Probleme hat oder sie zumindest nicht aufgearbeitet hat, sollte keinen Kindergottesdienst machen!

  • Es wird berücksichtigt, was für die Kinder (in ihrem jeweiligen Entwicklungsstand) interessant und wichtig ist – und nicht, was dem Interesse der Institution Kirche oder der Wahrung von Traditionen dient. Man muss den Kindern keine Fragen beantworten, die sie selbst nie stellen würden – aber auch die Fragen aufgreifen, die sie stellen würden, wenn sie wüssten, dass da etwas für sie Wichtiges ist...

Und wie soll das in der Praxis umgesetzt werden, sind nicht gerade die Geschichten von Adam und Eva, die Wundergeschichten, die Geschichte von der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu sozusagen das Gründgerüst christlicher Katechese und damit auch jedes christlichen Kindergottesdienstes? Und gehört dazu nicht einfach Glaube? Und ist es nicht brutal und unchristlich, das einfach als Lüge und Hinführung zur Lüge abzutun?

Hier kann ich nur sagen: Wollen wir nun endlich vernünftig werden und unseren Kindern etwas Vernünftiges vermitteln oder wollen wir nicht?

Damit wären wir wieder bei Sinn und Zielen des Kindergottesdienstes: Welche christlichen Werte, Moralvorstellungen Menschenbilder sind es denn nun, die wir den Kindern vermitteln wollen? Welche Themen sind (im Sinne der oben genannten Grundsätze!) vorrangig? Ist das beantwortet, dürfte die Frage nach geeigneten Geschichten oder sonstigen Materialien nicht mehr allzu schwierig sein. Gerade für die jüngeren Kinder (fünf- bis siebenjährige) bieten sich auch nicht-biblische Geschichten guter Kinderbuchautoren an, die alltagsnah und kindgerecht entsprechende Themen problematisieren. Dies entspricht auch mehr den Möglichkeiten der Eltern und sonstigen Kindergottesdiensthelfer, die damit weniger auf die Interpretationshilfen (und Ideologien) der Theologen angewiesen sind (die sich aus der eigentlichen Durchführung der Kindergottesdienste ja ohnehin eher heraushalten...)

Auch gegen Bibeltexte ist nicht unbedingt etwas einzuwenden – sofern sie den Kriterien und Zielen entsprechen! Und je nach Interpretationsansatz kann man da auch durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen...

Immerhin gibt es heute auch und gerade gute Anhaltspunkte für eine sinnvolle Interpretationsbasis biblischer Texte:

Beide Ansätze kommen ohne die traditionellen Lügen aus. Das Problem der Theologen und Katecheten ist, dass sie damit nichts anfangen können, denn das, was übrig bleibt, ist ihnen zu mager. Das ist aber auch kein Grund, einfach weiter zu machen, als ob nichts wäre. Denn wenn ich weiß, dass das, was ich mache, falsch ist, und ich mache trotzdem weiter, so mache ich mich der Lüge schuldig - und das ist auf alle Fälle ein Verstoß gegen Gottes Gebote!

Aber wie kann man das machen - bei Kindern?

Also zunächst einmal: Man kann sich an diesen Ansätzen immerhin orientieren - was passt in die hinein und was nicht. Die Hilfeleistung des barmherzigen Samariters paßt etwa da hinein, vor allem wenn wir unseren Blick auch einmal auf das Problem des Priesters und des Tempeldieners richten, die sozusagen aus kultischen Gründen nicht so recht helfen durften (etwa weil die Berührung mit Blut unrein machte), ein Glaube an eine bessere Welt nach dem Tod aber nicht. Hier stimmt auf alle Fälle schon einmal das christliche Gottesbild! Jedenfalls gibt es immer Geschichten in der Bibel, die ohne vernunftwidrige (siehe Opfer des Verstandes - sacrificium intellectus) Inhalte auskommen und die auch sehr gut und christlich sind:

  • Denken wir an das Gleichnis vom Verlorenen Sohn. Der Vater nimmt den verlorenen Sohn wieder auf. Auf was kann man da alles kommen!

  • Oder das Gleichnis vom Winzer, der seinen Söhnen sagt, dass sie im Weinberg arbeiten sollen. Und der eine sagt zu und geht aber nicht – und der andere lehnt ab und geht dann aber doch. Wichtig ist also das Verhalten, wenn es drauf ankommt, und nicht, was einer erzählt oder sich auch nur vornimmt.

  • Oder denken wir an die Erzählung von der Austreibung der Händler aus dem Tempel – total realistisch! Jesus hat etwas dagegen, das Religion zum Geschäft wird! Auch Kinder werden das Problem des Spagats schon verstehen, dass jemand von der Religion leben muß oder ob man die Religion so anbringt, wie sie am meisten Geld bringt!

Und wie ist das mit diesen Wundergeschichten, soll man die ganz weglassen? Mitnichten! Nur man muß sie eben nur sinnvoll interpretieren:

  • Die Geschichte von der Weinvermehrung auf der Hochzeit zu Kana eignet sich vorzüglich, das Prinzip so mancher Wunder Jesu zu erklären, wie sie nur vor dem zeitgenössischen Hintergrund zu verstehen sind. Es ging hier nämlich nicht um den Wein zum Trinken, sondern um das Wesen des Weines aus der damaligen Sicht. Und man glaubte eben, dass im Wein mehr oder weniger gute Geister sind, die den Menschen heilen können (Anspielung auf die desinfizierende Wirkung von Alkohol!) - und das Gleichnis soll ausdrücken, dass Jesus Herr der guten Geister ist. Kann man die Geschichte denn nicht erst einmal so erzählen oder vorlesen, wie sie da steht und dann listig fragen: "Glaubt ihr das denn wirklich?"

  • Oder die Brotvermehrungsgeschichten: Man kann sie magisch deuten, also dass da tatsächlich aus drei Broten usw. Ein paar hundert gezaubert wurden. Doch sind nicht viel besser die soziale Deutung (dass viele Leute schon Essen dabei hatten, aber nichts denen, die nichts hatten, davon abgeben sollten – und nach der Predigt Jesu teilten sie, das war ja der Sinn!) oder die metaphysische Deutung wie bei der Geschichte von der Hochzeit zu Kana (dass wir also auch noch auf himmlisches Brot angewiesen sind, damit unser Leben gelingt).

  • Aus dem Alten Testament eignet sich hervorragend die Erzählung, wie der Stammvater Abraham seinen Sohn opfern soll. Siehe Abrahams Opfer! Über was kann man da mit Kindern nicht alles reden? Da kann man sogar ein Theaterstück mit den Kindern draus machen!

Diese Geschichten sind erst einmal völlig unverfänglich auch für Kinder! (Allerdings müssen die Kinder alt genug sein, um überhaupt „hinter“ eine Geschichte sehen zu können, sie übertragen zu können und wenigstens annähernd mit Gleichnissen zurecht kommen – sonst sehen sie keinen Zusammenhang zwischen der Geschichte und der „Moral“, die ihnen anschließend dargelegt werden muss.)


Doch vor allem können wir endlich einmal auch ein Gegenkonzept gegen den heutigen Sittenverfall mit allen seinen negativen Folgen starten! Und wir sind dem, was auf die Kinder zukommt, nicht mehr hilflos ausgeliefert!

Sehen wir doch einmal der Situation der jungen Leute ins Auge: Nach von jedem Pädagogen überprüfbaren Erfahrungen mit jungen Leute haben sie totalen Horror vor der Nacktheit - etwa an einem schönen Strand, selbst wo es üblich ist und wo ihnen garantiert niemand etwas tut, während für sie es sozusagen selbstverständlich ist, dass sie irgendwann einmal einen Partner für Geschlechtsverkehr haben, der zumeinst dann nicht der Ehepartner ist. Wenn man sie auf diesen merkwürdigen Sachverhalt anspricht, geben sie keck zur Antwort, dass Nacktheit einfach etwas Ekelhaftes ist, während es doch normal ist, dass man sich einen anderen Partner sucht, wenn sich herausstellt, dass der erste nichts war...

Nicht nur vom christlichen, sondern auch vom menschlichen Standpunkt kann eine solche Haltung nur als völliger Schrott in den Köpfen und als inakzeptabel angesehen werden: Nacktheit an einem schönen Strand ist normalerweise eine völlig harmlose Sache und hat überhaupt keine negativen Folgen, während wir die Probleme, die mit dem Geschlechtspartnerwechsel einhergehen, zur Genüge kennen. In dieser Kombination muss das auch als Leibfeindlichkeit bezeichnet werden, etwas für den Leib Harmloses nicht zu tun und dann aber das zu machen, was Probleme bringt, also mit Liebe zum Leib hat das ja wohl nichts zu tun! Zudem ist durch diese Leibfeindlichkeit ja auch eine ganz wichtige Möglichkeit der Menschenkenntnis versperrt, die hier besonders propagiert wird, siehe Toreromethode. Denn diese ergäbe gerade auch für Mädchen einen hervorragenden Filter der Menschenkenntnis: Wenn sie etwa gegenüber einem Jungen vorehelichen Verkehr ablehnen, aber durchaus anbieten, mit ihm auf einen Nacktstrand zu gehen, dann reden erfahrungsgemäß nur diejenigen weiter und bleiben schließlich auch für einen solchen Ausflug übrig, die schon einmal etwas von dem Wert und der Ehre einer Frau beziehungsweise eines Mädchens begreifen und die auch sonst eine akzeptable ethische Basis haben, denen es also nicht in erster Linie um unverbindliche Abenteuer geht. Und das alles sind doch eine viel sinnvollere Basis für vernünftige partnerschaftliche Beziehungen als diese übertriebene Moral wie etwa die Einstellung, dass Nacktheit etwas Ekelhaftes ist, denn dann kommt es gleich immer mehr oder weniger Holterdiepolter "zu allem".

Jedenfalls steht das Anliegen der Bibel und schließlich auch des geschichtlichen Jesus (siehe hier insbesondere das Stichwort basistheologie) unter allen Umständen in einem sehr engen Zusammenhang mit der Problematik Partnerschaft und Liebe der jungen Menschen heute.

Daher sind die Geschichten wie die Adam-und-Eva-Geschichte, die Turmbau-zu-Babel-Geschichte, die Susannageschichte und natürlich gerade der kriminologische Ansatz geradezu hervorragend für die Katechese mit Kindern geeignet, die ja im Zusammenhang mit dem Kindergottesdienst steht. Man muß nur einmal anfangen! Als ob die Kinder das alles nicht interessierte - es muß nur richtig gemacht werden!

Wir können auf diese Weise die jungen Menschen auf ihre spätere Auseinandersetzung mit der ganzen Thematik vorbereiten und sie dazu bringen, sich nichts vormachen zu lassen und die Dinge, die ihnen spanisch vorkommen, zu hinterfragen - hier sei etwa auf das Problem Judenseife hingewiesen. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, dass es hier nicht um beliebige Interpretationen der Bibel geht, und die Richtung der Interpretation anderer Themen ist schon einmal vorgegeben!

Und worin besteht dann die gottesdienstliche Handlung?

Schlicht und einfach aus einem Segen - oder die Teilnahme am Mahl mit Jesus. Doch sollte das wohl eher in der Idee einer wunderbaren Brotvermehrung geschehen als in der Tradition eines Abendmahls, das ohnehin theologisch sehr problematisch ist.

Eine interessante Möglichkeit habe ich schon einmal in katholischen Gemeinden erlebt: Erwachsene und Kinder haben zunächst einmal getrennte Gottesdienste - und kommen dann zum Mahl zusammen - auf welche Weise es auch immer begangen wird.

 

Mailwechsel mit einer Internet-Freundin, die in ihrer Gemeinde bei den Kindergottesdiensten mitarbeiten will, es sei darauf hingewiesen, dass dieser Mailwechsel immer wieder zu einer Bearbeitung des Stichworts geführt hat:

Ja, dass „Kindererziehung“ so oft gesucht wird, ist interessant. (Ob das alles Eltern sind?) Kommt man eigentlich auch mit „Kindergottesdienst“ bei dir rein? Ich würde ja zu gerne wissen, wie so die anderen Eltern darüber denken – also die, die nicht so die Kirchgänger sind, die Skeptiker, ob die nicht doch für ein vernünftiges Kindergottesdienstkonzept zu gewinnen wären. Ich habe ja bloß mit den (wenigen) andern zu tun, die das in dieser kinderbibelmäßigen Form gut finden und gar nicht verstehen, warum da keiner mehr drauf abfährt. – Bei den Kleinen ist es halt so, dass die mit fünf/sechs überwiegend noch alles so nehmen, wie es gesagt wird. Sie erleben die unmittelbare Wirkung einer Geschichte, Spannung, Emotionen, und darum geht es ihnen. Klar, man kann fragen, „warum war er so traurig"?, oder „was hätte er anders machen können?“, oder auch „findest du, das war richtig?“, aber nicht: „Was könnte es bedeuten, dass er so beschrieben wird?“. Für die „Kleinen“ gibt es eben nur einen Jesus; dass der manches „wirklich“ gesagt hat, während man anderes „nur so“ erzählt, und im übertragenen Sinn verstehen muss, das trennen die nicht. Wenn man da anfängt mit „einiges war wirklich so, anderes nicht“, dann suchen sie sich höchstens die Geschichten aus, die ihnen am besten gefallen, und die sind dann wahr. (Die Weihnachtsgeschichte hat gute Chancen, die Kreuzigung nicht.) Ich würde sogar sagen, dass manche „Wunder“ für die Kleinen gar nicht unbedingt Wunder sind; für sie ist vielleicht gar nicht ausgeschlossen, dass man z. B. – unter bestimmten Bedingungen – auf Wasser laufen kann, warum nicht, sie lernen die Welt ja gerade erst kennen und sie ist voller Wunder (Wasser wird über Nacht zu Eis; Timmi kann auf den Händen laufen usw.). Diese ganze kinderbibelgottesdienstmäßige Mischung von Realität, märchenhaften Elementen, fremdländischen Bräuchen, Gleichnissen... fragwürdig. Ich weiß nicht mal, wann sie überhaupt Gleichnisse verstehen können. Ich selbst erinnere mich, dass wir in der zweiten Klasse, also mit sieben, in Reli das Gleichnis mit dem Balken im Auge besprochen haben; ich habe sonst fast keine Erinnerungen an diese Zeit, aber komischerweise das, wahrscheinlich weil es so befremdlich war und ich den Sinn nicht sehen konnte (obwohl ich die Lehrerin mochte und mich also bemühte). Wie einfach hätte man die Botschaft dieses Gleichnisses mit einer geeigneten Kinderalltagsgeschichte vermitteln können (ohne dass man erst eine allgemeine Formel ableiten muss, die man dann wieder auf das „wirkliche Leben“ überträgt) – zumindest die Botschaft, die man daraus für Siebenjährige macht. Das ist es, was ich meine: Für die moralischen Fragmente, die man für Kinder aus den Bibelgeschichten herauspräpariert, ist der Energieaufwand viel zu groß und die Effektivität zu gering. Da kann man höchstens noch sagen, es gehe um die Kenntnis dieser Geschichten als solche – religiöse Allgemeinbildung, ein „Muss“. Meinetwegen – für Konfirmanden, aber doch nicht für die Kleinen. Tja. So würde ich das aus meinen eigenen Erinnerungen und aus den Experimenten mit meinen Kindern ableiten. Klar, mit acht/ neun Jahren sieht das sicher etwas anders aus! In dem Alter kommen sie aber nicht zu unserem Kindergottesdienst – das sind dann die KU3-Kinder, die bilden eine eigene Gruppe.

Gut, aber ich kann ja mal sagen, wie es thematisch weitergeht: Nach den kommenden beiden Engel-Sonntagen ist das nächste übergreifende Thema „Was ist das für ein Mensch“ – was eigentlich an Jesus so besonderes war. Nämlich: Er redete von Vertrauen, Freiheit und Gerechtigkeit und lebte auch danach; dadurch wurde in ihm Gott sichtbar, der ja besonders die Armen und Schwachen und Kranken und natürlich die Kinder liebt und segnet. Bibeltexte: Jesu Stammbaum, Rahab versteckt die Kundschafter Josuas, Bergpredigt, Heilung des Sohnes des römischen Hauptmanns, Jesus und die Kinder.  – Da gibt es dann natürlich jeweils konkrete Erzählvorschläge – aus der Sicht eines fiktiven zeitgenössischen Kindes und so. Augenzeugen sozusagen. „So war es“ – das ist der historische Jesus für die Kinder. – Was sollte ich mir wohl am besten aussuchen?  (Ich finde es übrigens seltsam, dass zuerst Jesu angebliche Vorfahrin Rahab, die das Niedermetzeln von Jericho vorbereiten hilft, als besonders schlau und tapfer dargestellt wird, und dann kommt das mit der Bergpredigt.)

Antwort von basisreligion:

Ja und nein zu dem, was Kinder verstehen und was nicht! Wäre das nicht die Aufgabe schlechthin, den Kindern den Unterschied von Wirklichkeit und Erfindung zu vermitteln? Deswegen braucht die Wirklichkeit ja nicht nur naturwissenschaftlich-nüchtern-phantasietötend zu sein, wie viele befürchten.

Denken wir doch einmal an die Erzählung, wie Abraham seinen Sohn opfern soll. Wir können den Kindern doch die Angst des Abraham vor den unerbittlichen Göttern vorstellen, die Unterdrückung durch die Priester, die diese Angst auch immer noch Anheizen, die Liebe des Vaters zu seinem Sohn, auf den er so lange gewartet hat (natürlich können die Kinder sich das vorstellen) - und die Verzweiflung des Vaters, der seinen Sohn auch noch belügen muß, als er nach dem Opfertier fragt. Und dann auf dem Berg der Schafbock, der sich mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen hatte. Und wie der vom Vater als Zeichen des wahren, des menschlichen Gottes gewertet wird... Und dann das Gespräch mit den Kindern, ob Abraham jetzt lügt, wenn er sagt, er hätte die Stimme Gottes gehört?

Wäre das nicht auch ein Ansatz, wie heute noch Gott zu uns spricht - nicht um uns zu bevormunden, denn das reden uns die falschen Priester ein - sondern um uns zu helfen!

Und ich meine, wenn man erst einmal den Fuß in der Türe hat, dann kann man auch auf Weiteres kommen!

Aber fünf Jahre sollten die Kinder doch schon alt sein. Ob Vierjährige und gar Dreijährige denn schon etwas in der Kirche verloren haben? 

Und wieder die Internetfreundin:

Zu dem Stichwort: Ja, ich finde auch, mit drei oder vier Jahren sind die Kinder noch zu klein; für die sollte es einfach nur eine Betreuung geben. Heute war es bei uns aber so, dass nur zwei so kleine dabei waren, und die wollten dann auch dabei bleiben... aber egal, dann verstehen sie es halt nicht.) Im Übrigen finde ich es gut, zuerst einmal ein paar Ziele zu formulieren, was man überhaupt will und was nicht. Das kann auch ruhig noch konkreter sein. Zum Beispiel sollte klar sein, dass man Kinder keinen Glauben „beibringen“ kann, jedenfalls nicht mit Geschichten oder indem man ihnen erzählt, „wie Gott ist“, oder gar das mit den Engeln. Ob die bloße Kenntnis von Bibeltexten ein essentielles Ziel darstellt, würde ich auch sehr in Frage stellen (entgegen der landläufigen Ansicht, wie es scheint, warum sonst die verkrampften Bemühungen, um jeden Preis mit mehr oder weniger „kindgerecht“ aufgearbeiteten Bibeltexten zu arbeiten?). Eigentlich geht es doch um Werte, und um Lebensbewältigung, so etwas kann man mit Geschichten vermitteln – aber eben nicht nur mit biblischen. Also, was sind das denn für Werte, die christlichen, und worauf kommt es bei Kindern dieses Alters besonders an? Das wären die Ziele. Eigentlich kann man dann erst anfangen, nach Geschichten (oder sonstigen Materialien) zu suchen, wenn man sich da ungefähr festgelegt hat. Statt dessen läuft es umgekehrt: Man nimmt die Bibel und schaut, was man draus machen kann...Ist doch irgendwie unprofessionell? Ginge man korrekterweise von den Zielen aus, dann würde man ganz von selbst auch und gerade auf nicht-biblische Geschichten kommen, die sich eigenen – wenn man seinen Kindern regelmäßig Geschichten vorliest, hat man einen ziemlichen Fundus, und auch ein Gefühl dafür, was sie verstehen.

Das mit der religionshistorischen Methode und dem historischen Jesus als Kriterium ist ein bisschen problematisch, finde ich, zumal du dann ja auch „literarisch“ interpretierte Bibelgeschichten akzeptierst – der historische Jesus war ja z. B. möglicherweise nie auf einer Hochzeit in Kana, und welche der Gleichnisse wirklich auf den historischen Jesus zurückgehen, ist ebenfalls unklar -  usw.. Wenn du auch nur einen Teil der Geschichten und Gleichnisse geeignet findest, erkennst du ja an, dass in den „erfundenen“ Geschichten, auch wenn sie keinen historischen oder naturwissenschaftlich vertretbaren Kern  enthalten, auch „Wahrheiten“ stecken, Aussagen über „Jesus“ bzw. Gott usw.. So wie man auch den Faust oder sonstige literarische Figuren nicht als „Lüge“ abtut. Ist ja okay, nur muss man dann ziemlich fit sein, weil man ständig im Clinch mit dem EKD-Konzept und den kindergottesdienstbegleitenden Theologen steht, die das ja alles besser zu wissen glauben. Also, ich würde (und werde) die Eignung der Geschichten kurzerhand an den Anforderungen/Zielen messen, die man allerdings erst mal an den Kindergottesdienst stellen muss. Wenn die nicht erfüllt sind, taugt auch die Geschichte nicht, egal welche christliche Tradition sie hat. Die Ergebnisse der historisch-kritischen Forschung, wenn man sie denn kennt, sind natürlich höchst nützlich als Diskussionsgrundlage (wenn man daran Spaß hat, wie ich), und man versteht auch vieles besser, aber eigentlich müsste der zuständige Theologe das mit tragen, damit es sich wirklich im Kindergottesdienst auswirken kann.

Meine Praxiserfahrungen werden sich Ende Januar fortsetzen, da schlage ich dem „Team“ ein paar gute Vorlesegeschichten vor, mit an Lena erprobtem „Diskussionspotential“. Ich war übrigens am Freitag mit ihr bei der ärztlichen Einschulungsuntersuchung, mit dem Ergebnis, dass sie auf jeden Fall in die erste Klasse soll, weil sie in dieser Vorklasse unterfordert wäre. Wie sie es körperlich schafft, muss man halt sehen. Lena freut sich sehr; sie hat das nämlich voll durchschaut, dass die Vorklasse nicht wirklich Schule ist, und sie wollte da nicht hin...

Und von basisreligion:

 
Genau das ist es, dass die Theologen selber nämlich nicht unterrichten - die wissen schon, wie problematisch das ist...
 
Aber ich meine, so kompliziert ist das mit der Interpretation auch nicht, wenn man erst mal den Dreh oder eben die Orientierung hat. Ich halte mich an die Geschichte von der Sünderin - Deutung in Richtung Susannageschichte. Und so falsch dürfte man da ja dann auch mit anderen Erzählungen nicht liegen, wenn man die so sieht, dass sie in dieselbe Richtung laufen müssen.
 
Also ich würde mein Konzept für die Kinder besonders an einer Geschichte aufhängen - etwa das (verhinderte) Sohnesopfer Abrahams. Ich meine, das müßte bei den Kindern gut ankommen. Vor allem geht es hier erst mal nicht darum, irgendetwas zu tun, sondern um die Einstellung zur Religion, zu Gott und zu anderen Menschen.
Und darauf kann man dann immer zurückkommen.
 
Und von da aus kann man dann Materialien auswählen, die da hineinpassen: Denken, Liebe, gegen Bevormundung durch Priesterreligionen. So viel soll man sowieso nicht machen, weniger ist mehr! Also ich meine ja immer, man könnte das Opfer Abrahams sogar mit den Kindern spielen, möglichst frei, damit die Kinder sich einbringen können. Das Problem ist, dass nur wenige Personen in dem Spiel vorkommen, aber vielleicht könnte man das ja erweitern: Wie die Leute den Abraham auffordern, dass er auch seinen Sohn opfern muß oder wie das durch Los entschieden wird, wie also die Leute bangen, ob ihr Kind dran ist, wie die Priester das Opfer schließlich von Abraham fordern, als auf seinen Sohn das Los fällt, wie hinterher die Leute sauer sind, daß er den Sohn doch nicht geopfert hat ("was nimmt der sich raus?"), wie er sich rausredet... Wäre das nicht was? Da kann man doch die Problematik der ganzen Theologie aufrollen!
 
Das Problem ist eben, dass "das, was wir machen" ja selbst eine Priesterreligion ist, also gibt es schon von daher Probleme, alles so kritisch zu interpretieren. Aber Du kannst ja gut diskutieren und schließlich bist Du mit der Kirche ja nicht verheiratet...  
 
Und ein Theologe muß das eigentlich auch einsehen, wenn er ein christlicher ist...
 
Die Struktur kannst Du ja auch mal farbig einzeichnen, damit ich weiß, was Du meinst...
 

Die Internetfreundin:

Ja, deine Vorgehensweise kenne ich ja, und du machst es ja auch so, dass du von den Zielen ausgehst und dazu einige „Schlüsselgeschichten“ auswählst. Das finde ich ja okay und es sollte auch so in das Stichwort. Nur, dazu muss man die anderen erst mal kriegen, dass sie diese Interpretationen akzeptieren... und das man Kinder mit so was konfrontiert. Menschenopfer! Das ist eine von den Geschichten, die garantiert nicht im EKD-Konzept vorgesehen sind. Nicht, dass dieses als so unbedingt verbindlich betrachtet wird, aber es ist halt so bequem... Also, mal sehen; ich werde schon froh sein, wenn da überhaupt irgendeine Art von Diskussionsbereitschaft ist. Gut also, ich schreibe gelegentlich mal in dem Stichwort herum...(Bin etwas geschafft; Lena ist krank, aber nicht sehr, gerade so, dass es ziemlich nervig ist...)

Und noch etwas von dieser Internetfreundin:

Zu meiner Kindergottesdienstsache passt aber derzeit das Omnisophie-Stichwort besser, da musste ich ja echt lachen: Genau so war es gerade bei den ersten Treffen – die „richtigen Menschen“, die darüber diskutiert haben, welches Kreuz man nimmt, und wo der Altar stehen soll, und wie viele Leute man pro Gottesdienst einsetzen muss, um die Bibelgeschichte zu lesen und die Liturgie vorzubereiten, und was man alles braucht, um diesen Papierengel zu basteln... Und dann komme ich und behaupte, wir bräuchten überhaupt kein Kreuz und an welche Bibelgeschichten denn gedacht werde, die meisten seien doch wohl völlig ungeeignet, und frage, was mit diesem Engelthema eigentlich bezweckt werden soll – und wundere mich, dass keiner versteht, wovon ich rede! Und werde mehr oder weniger ignoriert, weil die Mehrheit, insbesondere die Pfarrer, sich das alles anders vorstellen.... Du solltest da auf jeden Fall einen Link zu der Kindergottesdienstseite machen.
Im Grunde finde ich es ja nicht so sinnvoll, Menschen in solche Kategorien einzuteilen – aber für Menschen, die gemeinsam irgendwas erarbeiten wollen, ist diese Einteilung ganz witzig, und kann einem manches klar machen. Allerdings weiß ich nicht, ob jemand dann immer nur einer dieser Typen ist. Hängt vielleicht auch davon ab, worum es geht?

Dieses Stichwort wird noch bearbeitet!