KIRCHENKRITIK. Der Theologe Johann Baptist Metz schreibt dazu: "Ob es eine Erneuerung unserer Kirche geben wird - in Richtung dessen, was ich versuchsweise als nachbürgerliche Basiskirche bezeichnen will -, hängt vor allem und nicht zuletzt an uns selbst. Wir sollten uns nicht zu sehr auf die Gefahr einer »Repression von oben« fixieren. Haben wir nicht selbst die Betreuungskirche so sehr verinnerlicht, daß wir meinen, alles an kirchlicher Erneuerung hinge schließlich davon ab, daß die Betreuer also vorweg der Papst und die Bischöfe, sich ändern? Tatsächlich geht es darum, daß die Betreuten sich ändern und sich nicht einfach wie Betreute benehmen. So entsteht «Basis« in der Kirche.

Vieles an unserer üblichen Kirchenkritik ist m. E. selbst nochmals Ausdruck der verinnerlichten Betreuungskirche. Diese Kritik ist nämlich allzu ausschließlich autoritätsfixiert, womöglich rein papstfixiert, elwa nach dem Motto: in unserer Kirche ginge alles besser, wenn wir nur einen besseren Papst hatten. Nein, dass es in der Kirche besser geht, hängt schon vor allem an uns selbst. Und wo dieses Bewußtsein durchschlägt, entsteht »Basis« in der Kirche.

Das heißt freilich auch, daß wir nicht nur den Trägern kirchlicher Autorität, sondern auch uns selbst ein »Mehr« an Evangelium und Christentum zutrauen. Zutrauen und -zumuten. Deshalb sollten wir auch jenen Mangel an Bußfertigkeit und Selbstkritik, den wir in der Kirche, speziell bei unseren kirchlichen Amtsträgern, beklagen, wenigstens hei uns selbst überwinden. So entsteht »Basis« in der Kirche." (Lust an der Erkenntnis, Die Theologie des 20. Jahrhunderts, 1986/1994, Serie Piper, 1853, Seite 213ff)

Allerdings sieht Metz in seinen weiteren Ausführungen das Problem, daß nicht mehr die Religion die bürgerliche Gesellschaft verändert, sondern daß die bürgerliche Gesellschaft nicht eher ruht, als bis sie die Religion so manipuliert hat, bis sie zu ihren Plausibilitäten paßt.

Und diese Veränderung ist keinesfalls die Freiheit, von der das Evangelium spricht! Eine Erneuerung kann nur auf der Basis des Evangeliums stattfinden. Und wenn das nicht geschieht, dann entsteht genau diese Servicekirche, die wir heute haben und die niemanden mehr tröstet und die wir deshalb auch so sehr bekämpfen. "Der Bürger selbst hat auf einer neuen Ebene, auf einer weniger anspruchsvollen, jene Betreuungskirche stabilisiert, die es gerade zu überwinden gälte."

Ich habe nun selbst bei Johann B. Metz studiert (er kann sich an mich gewiß nicht erinnern, denn ich bin nicht irgendwie hervorgetreten, ich war einfach noch nicht so weit!) und weiß, daß wir uns in dieser Ausgangsposition der Kritik an der Kirche nun ziemlich einig sind. Doch gehen wir dann verschiedene Wege. Metz kommt - mit allen Vorbehalten - auf die Themen Geburtenkontrolle und Pflicht-Zölibat zu sprechen, gewiß wichtige Themen, doch zumindest zu sekundär, als dass sie einem als erstes und einziges Konkretes einfallen sollten. Im Konzept basisreligion gehe ich von einer Lehre des vermutlich wirklichen Jesus aus, die Metz nun einmal nicht sieht. Und ich war darauf damals vor über 30 Jahren noch nicht gekommen, konnte mich also nicht mit ihm streiten...

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)