Die KREUZZÜGE ganz allgemein und vor allem die gegen die Moslems im heiligen Land sind gewiß ein typisches Beispiel für die Verquickung von Besitzgier und Abenteuerdrang mit religiösen Begründungen, selbst wenn dagegen in einem Beschluß des Konzils von Clermont 1095 angegangen wird: "Wenn einer allein aus religiösen Motiven, nicht zum Erwerb von Ruhm oder Geld, zur Befreiung der Kirche Gottes nach Jerusalem aufgebrochen ist, so soll das alle für irgendwelche Vergehen nötigen Bußleistungen aufwiegen". Doch allein, daß Ruhm- und Geldstreben erwähnt wird, ist ja schon fast ein Indiz dafür, daß es (auch) genau darum ging und wenn es sozusagen die Belohnung war für den idealistischen Einsatz für das heilige Land.

Materieller Hintergrund?

Immerhin bildete diese Gegend sozusagen einen Riegel nach Ost und Fernost, den alle Warenströme von dort nach Westen passieren mußten und beim Transport der Waren durch diesen Riegel verdienten sich die Händler dort seit jeher sozusagen dumm und duselig. Ich selbst habe drei Ruinenstädte (Shifta und Avdat in der Negev-Wüste  und Ressafa in der syrischen Wüste) besucht, die noch heute auf den unermeßlichen Wohlstand ihrer früheren Bewohner schließen lassen - und das in absolut unwirtlichen Gegenden. Und wir wissen ja auch, daß bei der Eroberung Jerusalems während des 1. Kreuzzugs die Horden von einfachen Menschen, die wegen des wirtschaftlichen Elends hier in Europa eigentlich nichts mehr zu verlieren hatten und die die Kreuzfahrer begleiteten, mehrere Tage lag plünderten, brandschatzten, mordeten und vergewaltigten. Fromme Menschen, denen es um religiöse Ziele ging, hätten dies wirklich nicht getan!

Ein Indiz für den "materialistischen" Hintergrund der Kreuzzüge ist auch, daß recht bald nach der mehr oder weniger erfolglosen Beendigung der Kreuzzüge und der damit mißlungenen Inbesitznahme der Schlüsselposition zum weiteren Osten (1291 verloren die Kreuzfahrer ihre letzte Festung Akko) die Portugiesen versuchten, auf einem anderen Weg, nämlich um Afrika herum, selbst direkt an die Quellen des östlichen Reichtums zu gelangen. Und als die Portugiesen die Umschiffung des Kaps der Guten Hoffnung geschafft hatten, erfuhren dies sehr schnell die Venezianer von den mit ihnen Handel treibenden Arabern. 

Die Frage ist nun, sind die Kreuzzüge typisches Kennzeichen des Christentums, hängen sie unmittelbar mit ihm zusammen, weil unser Glauben einfach im Grunde doch gewalttätig ist, oder sind sie das Ergebnis des Verfalls unseres Glaubens. Nach allem, was in dieser Website über den historischen Jesus und den Hintergrund der Bibel ausgeführt wird, stehen sie wie auch der Hexenwahn im völligen Gegensatz zu allem, um was wirklicher Bestandteil unseres Glaubens ist. (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)