KRITIK an der Religion im allgemeinen und an den Kirchen im Besonderen lässt überraschenderweise diejenigen, denen diese Kritik eigentlich gilt, zumeist recht kalt, obwohl nur zu oft schärfstens geschossen wird. Auch die schlimmste Anschuldigung, dass nämlich alle Religionen eher mafiaähnliche (siehe Mafia) Verbrecherorganisationen mit vielen nützlichen Idioten seien, die sich einen Gott ausdächten und ihn dann zum Vorwand nähmen, um ihre Mitmenschen zu beherrschen und auszubeuten, scheint niemanden besonders aufzuregen. Da gibt es nicht einmal Proteste von offizieller Seite, solche Hasstiraden scheinen gleichgültig zu sein. Warum wohl lassen sie unsere Religionen so kalt?

Die Kirche hat immer einen langen Atem - zumindest früher kehrten gerade die verbissensten Kritiker irgendwann doch reumütig zurück.

Des Rätsels Lösung ist, dass die Menschen, die vor allem unsere christlichen Kirchen dermaßen derb kritisieren, erfahrungsgemäß nämlich immer auch gleich alles zu verdammen und über Bord zu werfen pflegen, was irgendwie nach Religion aussieht. Sie begreifen vor allem nicht, dass die in unserem christlichen Glauben vertretene Moral doch zutiefst menschliches Anliegen ist und ihre Berechtigung hat auch völlig unabhängig von jeder etablierten Kirche. So übersehen sie etwa, dass die Idee der Bindung von zwei Menschen in einmaliger Liebe und Treue und damit die christliche Ehemoral im Sinn der Zehn Gebote durchaus nicht von den Kirchen erfunden wurde, um die Menschen zu gängeln, sondern dass solche Moral zutiefst unserer menschlichen Veranlagung entspricht und unabhängig von jeder Kirche ein Weg ist, um zu höchster menschlicher Erfüllung in diesem Leben zu gelangen.

Und mit der Kritik an den Kirchen schütten nun die Kritiker "das Kind mit dem Bade aus", das heißt, sie setzen sie sich dann schließlich auch in ihrer eigenen Lebenspraxis über die an und für sich vernünftigen Moralregeln hinweg und machen genau das, was nicht erst in christlicher Vorstellung schlicht und einfach Sünde ist. Die Folge davon ist, dass sie ihre Einheit von Leib und Seele hier und jetzt und damit ihre höchstmögliche menschliche Erfüllung verpassen.

Und jetzt brauchen die Religionen nur noch zu warten, bis sich solche Menschen der Leere ihres Lebens bewusst werden und sich an ihre unschuldige Kindheit zurückerinnern mit all den Ängsten und Illusionen, die ihnen damals beigebracht wurden. Denn diese können nun rasten mit all den damit verbundenen irrationalen Ersatzvertröstungen, die nur noch aufgewärmt zu werden brauchen. Und so kommt es jetzt zur Bekehrung und damit genau zu jenen bußfertigen Sündern, wie sie sich alle Religionen dieser Welt wünschen, die um Vergebung bitten, um wieder vor ihrem Tod in den Schoß ihrer Mutter Kirche zurückkehren zu dürfen. Aus den ehemals schärfsten Kritikern der Religionen werden so schließlich ihre eifrigsten Vorkämpfer oder zumindest duldende Kirchensteuerzahler nach dem Motto: "Es kann ja nichts schaden, in der Kirche zu sein, und vielleicht hilft es sogar!" Wie heißt es doch im Volksmund: "Im Alter werden die Huren fromm", oder "Im Alter kommt der Psalter" (Hintergrund ist der König David mit seinen Affären).

Und die Religionen sehen den Sinneswandel ihrer früheren Kritiker nur zu gern, denn es ist ja für sie zumeist genau die Zeit noch da, das in ihrem sündigen Leben zusammengeraffte Besitztum noch den Religionen zu vererben. Wenigstens vor der Einführung der Kirchensteuer war das wohl ja auch die Haupteinnahmequelle der christlichen Kirchen bei uns.

Unsere Konsequenz: Wenn wir schon gerade unsere christlichen Kirchen kritisieren, dann nie mit blindem Hass und nie in Bausch und Bogen, sondern nur aus einem vernünftigen Gegenkonzept heraus, wie christlicher Glaube eigentlich sein sollte!

Und nach diesem Gegenkonzept sollten die Kritiker dann auch selbst ganz konsequent leben. Ansonsten gerät ein Kampf gegen eine entfremdete christliche Religion geradezu zu einem Kampf genau für diese Religion. Das sollten auch Eltern bedenken, die meinen, den Glauben gegenüber den ihnen anvertrauten jungen Menschen madig machen zu müssen.

Und zum Umgang mit Kritikern ganz allgemein: Sie wirken oft als Querulanten, doch Querulanten sind auch diejenigen, die verkrustete Strukturen aufbrechen und totgeglaubte Systeme wieder zum Leben erwecken können. Daher sollte man Kritikern eigentlich immer dankbar sein, Kritiker können durchaus ein regelrechtes Geschenk Gottes sein!

Ein Argument, wie bitter nötig eine Kritik an unserem Glauben ist, ist doch, dass unser Glaube gerade in unserer Geschichte nie freiwillig übernommen wurde - erst wurden unsere Vorfahren mit Gewalt überhaupt zu Christen gemacht und irgendwann später mussten sie katholisch oder evangelisch sein, auch wie es einem da oben so passte. Wenn überhaupt Christentum, dann also nur nach gründlicher Überarbeitung!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)

 

Und hier ein Mailwechsel:

Subject: Einfach mal so Kontakt :-)

Hallo, können Sie mir mal IRGENDEINE Kritik (!) an den Werken von K.-H. Deschner nennen? Ich bin mitten in seinen Werken und kann mich nur wundern, dass die "offizielle" Kirche dazu keine fachliche Stellung nimmt. Kennen Sie einen/mehrere Antworttexte/Rechtfertigungen oder ähnliche Dinge? Es muss doch bei der Schwere seiner Vorwürfen mal eine Stellungnahme erfolgt sein, oder?
Tschau
T. J.


Antwort von basisreligion:

Hi, das juckt die Kirche einfach nicht! Was stört´s den Mond, wenn ihn der Mops anbellt...? Da stehen die drüber... Das Problem ist ja, dass die Probleme der Leute diese schließlich irgendwann einmal ziemlich automatisch in die Arme der Kirche treiben, also wozu sich da einen schweren Kopf machen?

Mein Problem mit Deschner ist nämlich: Was hat er eigentlich dem, was er kritisiert, entgegenzusetezen? Die freie Rumbumserei? Die Kirche weiß, dass das den Menschen Probleme bringt und die Leute im Endeffekt wieder in die Kirche treibt.

Also versuche ich, etwas Konstruktives zu bringen. Erst wenn man das eine mit dem anderen vergleichen kann, weiß man, wie schlecht das Schlechte wirklich ist. Und dann juckt das auch die Kirche....

So sehe ich das!

Tschüs
Sunday, March 14, 2004, M. P.