1963 nach La Courtine im französischen Zentralmassiv – oder wie wir die Stabskompanie der Panzerbrigade 30 (in Ellwangen/Jagst) vor der Ansteckung mit Tripper bewahrt haben.

Eigentlich müßte mein Bericht von damals ja noch in der Chronik der Kompanie sein, die wir damals angefangen haben, doch soll ich deswegen an die Kompanie schreiben? Ob es die Kompanie und die Chronik überhaupt noch gibt? Vielleicht ist es auch ganz sinnvoll, wenn ich jetzt aus der Erinnerung schreibe, was mir damals wichtig erschien und was mich vielleicht auch sehr geprägt hat.

Nun denn: Nach einigen Widrigkeiten war ich doch noch Fähnrich geworden, schließlich bin ich ja von Natur aus wohl nicht der typische “Militär”. Mit der Kompanie sollte es dann im Dezember 1963 “auf Übung” nach La Courtine im französischen Zentralmassiv gegen. Der tiefere Grund dieser Übung bei den ehemaligen Feinden war wohl, dass sich auch die französische Bevölkerung an die neue Situation gewöhnen sollte, dass wir 18 Jahre nach Kriegsende Freunde und nicht mehr Feinde waren. Und dafür mussten eben auch einmal Panzer mit dem deutschen Eisernen Kreuz auf Eisenbahnwaggons sichtbar sein und schließlich durch die Straßen rollen, denn das war es ja, was die Leute mitbekamen.

Natürlich wurden wir entsprechend vergattert, nur ja einen guten Eindruck zu machen und alles zu unterlassen, was irgendwie anstößig sein könnte. Allerdings sollten wir auch “normal” sein. In einer Truppenbelehrung des Brigadekommandeurs beeindruckte es uns sehr, als auf die Frage, wer von den alten Soldaten im Krieg in Frankreich unser Spieß (also der Kompaniefeldwebel oder auch die "Mutter der Kompanie") und unser Fernmeldezugführer aufsprangen und zackig da standen, und der Spieß auf die weitere Frage des Kommandeurs, wo er denn gewesen sei, ganz selbstbewusst antwortete: “SS-Division Das Reich...” usw. Den anderen fragte der Kommandeur gar nicht mehr, bei der SS war der auch, das wussten wir, allerdings war uns auch selbstverständlich, dass die Bundeswehr keine Auschwitz-Mörder einstellen würde und schließlich gab es ja gerade bei der SS ganz normale Kampfeinheiten, und außerdem waren gerade unsere beiden direkten Vorgesetzten damals nun wirklich ganz junge gutgläubige Soldaten, die wohl wirklich für nichts Verbrecherisches verantwortlich gemacht werden konnten.

Ihren Idealismus bekam ich dann mit, als wir uns überlegten, wie wir das konkret machen, dass sich unsere Soldaten nun auch wirklich gut benehmen - ohne großen Zwang und ohne Ärger und Schreierei. Vom Vorkommando wussten wir, dass die Vier, die dazu gehörten, alle ins (Kranken-)Revier mussten, um sich gegen Tripper behandeln zu lassen, den sie sich während ihrer Informationsfahrt nach La Courtine einige Wochen vorher zugezogen hatten. Und wir hatten auch erfahren, dass es sich unter den Prostituierten in Paris schon herumgesprochen hatte, dass deutsche Truppen nach La Courtine kommen würden, die mehr Geld hätten als ihre französischen Kameraden, wo es also mehr Geld zu verdienen geben würde. Also für die "auf nach La Courtine"!

Ja, was sollten wir machen? Und wir mussten etwas machen, denn schließlich hatten wir viele junge wehrpflichtige Soldaten dabei, wenn die alle mit ihren Nuttenerlebnissen und gar mit Geschlechtskrankheiten zurückkehren würden, würden wir gewiss mit manchen Eltern oder auch mit den Freundinnen unserer Männer Ärger bekommen. Schließlich würde auch das Ansehen der damals noch sehr jungen Bundeswehr überhaupt leiden. Die entscheidende Idee kam von Seiten der Kompanieführung, die alles alte Soldaten waren: Wir müssen den Soldaten eine Alternative geben! Und das konnte nur eine ganz tolle Kantine sein, die so sein würde, dass die Soldaten schon von ganz allein bei uns bleiben würden! Und da ich zu der Zeit damals ohne rechte Aufgabe in der Kompanie war, sollte ich der Hauptmanager (so eine Art "Fourier") dieser Kantine sein, ich sollte zwar selbst nichts verkaufen, ich sollte nur alles organisieren. Also wurde erst einmal ein Soldat gesucht, der den Kantinenwirt machte - und wir versprachen demjenigen, der dies machte, zwei, drei Tage Sonderurlaub (es machte schließlich der Gefreite Beck). 

Ein Teil der Organisation wurde mir sogar abgenommen, denn der LKW mit dem Bier wurde vom “Refü” (Rechnungsführer) verwaltet, das heißt das Bier gab es nur bei ihm. Ja, das war der erste Knüller: Wir hatten eigens einen Bahnwaggon mehr beantragt (heute ginge das nicht mehr!), auf dem ein LKW mit 140 Kästen Bier verladen wurde (natürlich als Munitions-LKW getarnt), und zwar mit dem guten Bier aus der Fürstlich Wallersteinschen Brauerei gleich in der Nähe unseres Garnisonsstädtchens Ellwangen an der Jagst im Württembergischen. Wallerstein liegt schon jenseits der bayrischen Grenze, und das Bier gab es sonst nur im Offizierskasino. Und da dieses Bier eben so kostbar war, weil wir letztlich doch nur eine beschränkte Menge zu Verfügung hatten, gab es das eben nur beim Refü - und zwar nur für Kompanieangehörige, jeder soviel er wollte, aber eben nur für unsere Männer. Ich würde dann für die übrigen Getränke zuständig sein, die vor Ort beschafft werden konnten. Und da würde es ja genug geben, Wein, Schaumwein, Cognac, Pernod... - Limonade und dergleichen waren gar nicht erst vorgesehen...

Doch der Reihe nach!

Die Fahrt mit dem Zug dauerte um die 48 Stunden, wir wurden wie ein Güterzug behandelt, daher ging es auch in diesem zentralistischen Frankreich nicht über eine eher direkte Strecke, sondern fast über Paris. Unser Zug bestand aus wohl drei Personenzugwagen für die Soldaten, davon einer zur Hälfte erster Klasse, und dann die entsprechenden offenen Güterwagen mit den Fahrzeugen. Ein geschlossener Güterwaggon war auch dabei als Küchenwagen, in den wurde extra ein großer Herd eingebaut, natürlich kam auf den Holzboden erst einmal ein Blech. Während der Fahrt galt striktes Alkoholverbot, allerdings weiß ich heute, dass dieses “strikt” eigentlich weniger bedeutet, dass man nichts trinken darf, sondern dass sich die Leitung absichert, wenn sich jemand nicht benehmen kann und der das dann auf den erlaubten Alkohol schiebt. Gegen eine Flasche Bier hätte ja niemand etwas einzuwenden, doch funktioniert ein “partielles Verbot” eben leider in der Praxis nicht, daher eben offiziell “gar nichts”. Bei Halten auf den Güterbahnhöfen unterwegs stieg dann manchmal aus, also irgendwo in der Prärie, und ging vor zur Lokomotive und erkundigte mich beim Lokführer (so viel Französisch konnte ich), wann wir weiter fahren würden und holte dann schon mal in der nahen Ortschaft in einem Laden “was zu trinken” für unser Unteroffiziersabteil...

Der Ort der Übung war dann wirklich ein typischer Übungsstandort - jede Menge Blocks für die übenden Soldaten, von denen uns einer zugeteilt war, alles hinter einem hohen Zaun, und vor der Kaserne die typische Restaurantmeile oder besser Kneipenmeile, wie wir das eigentlich von unseren Kasernen gar nicht so kennen, na ja, La Courtine ist ja auch ein Übungsstandort. Unser Block hatte wie wohl die anderen Blocks auch zwei große “Betreuungsräume”, von denen einer als normale Kantine für die Mahlzeiten galt, und einer als “Bar” zurecht gemacht wurde.

Und ich erinnere mich noch, wie unser Spieß die Soldaten vergatterte: Jeder Soldat hätte natürlich die Freiheit und das Recht, seine Freizeit im Standortgelände wo und mit wem auch immer zu verbringen... Dagegen würde er also überhaupt nichts sagen. "Aber Gnade dem Gott, der sich dabei nicht benehmen kann und den deswegen die Feldjäger anschleppen. Doch um das zu verhindern, hat die Kompanie Vorsorge getroffen: Meine Herren, wir haben also eine Kantine eingerichtet, die absolut erstklassig ist. Es gibt auch tolle Filme! Denn damit die Bar auch wirklich attraktiv ist, hat die Kompanie vom Verteidigungsministerium Filmapparate mit den entsprechenden Filmen zur Truppenbetreuung bekommen!". (Die Filme waren die Softpornos der damaligen Jahre, wie “Bettgeflüster” und “Das Gänseblümchen wird entblättert”, heute sind das ja alles eher Kinderfilme.) "Und genug und billig gibt es auch für jeden zu trinken, es gibt sogar das gute Wallersteiner Bier, das es sonst nur im Offizierskasino gibt - und wenn hier einer vom Schemel fällt, weil er zu viel getrunken hat, dann trage ich ihn eigenhändig ins Bett - vergessen, vergeben!" - so der Spieß. 

Und wie wir merkten, lief alles auch programmgemäß! Die Soldaten gingen zwar am ersten und manche auch noch am zweiten Abendd ins Städtchen und in die Bars, doch kamen sie an den weiteren Abenden dann in unsere "Bar", vor allem als sie am zweiten Abend festgestellt hatten, dass die Preise doppelt so hoch wie am ersten Abend waren. Insgesamt konsumierten sie außer dem mitgebrachten guten Bier etwa noch 800 Liter Wein und Schaumwein, darunter allerdings auch härtere Sachen, die wir besorgt hatten. Besonders von dem Pernod waren sie begeistert: "Für dasselbe Geld zwei Räusche, denn wenn man am nächsten Morgen einfach nur Kaffee trinkt, ist man schon wieder dabei!”. Doch auch sonst fanden sie unseren Wein gut, trotz eines Rausches am Abend könne man am nächsten Tag so gut schießen, als ob man nur Mineralwasser getrunken hätte, kein schwerer Kopf, nichts, alles “klar”. Der Originalität halber hatte ich (natürlich!) Wein in Fässern besorgt - zuerst wurden ca. 100 oder 200 Liter in (Pfand-)Flaschen verkauft und den Soldaten wurde gesagt, dass sie die Flaschen erst einmal nicht zurückgeben sollten, sondern für den Fassverkauf behalten sollten, Gläser brauchten wir natürlich keine, Soldaten trinken nun einmal aus der Flasche... Der Liter Rotwein kostete DM 1,50, der Schaumwein pro Flasche DM 2,--, und obwohl der erheblich teurer war - ihn gab´s nur in 0,75 l-Flaschen - mochten den die Soldaten fast noch lieber, er war ja süß - und das Herbe war damals für unsere deutsche Zungen noch nicht modern. Und der Spieß freute sich auch über den Konsum der Soldaten, bei den Preisen fiel sogar noch was für die Kompaniekasse und damit auch für die Weihnachtsfeier ab, die hier auch schon stattfand.

Was gibt es sonst noch zu berichten? Wie gesagt, die Schießergebnisse waren gut und die Stimmung sowieso.

Ein kleines Problem war die Betreuungsfahrt, die ja auch im Programm stand. Eigentlich waren die Höhlen von Lascaux vorgesehen mit den altsteinzeitlichen Malereien, doch da Lascaux nun wirklich zu weit war, schließlich konnten wir mit unseren Militärfahrzeugen (auch nicht mit den LKW´s und Personenwagen) so flott durch die Gegend preschen, disponierten wir um und machten eine Tour durchs Zentralmassiv mit Besichtigung der seit römischer Zeit existierenden Bäder in Le Mont Dore und einer Seilbahnfahrt auf den Puy de Sancy, den höchsten Berg des Zentralmassivs. Besonders die Bäder interessierten unsere Soldaten sehr, es gab auch gute Führungen. Auch die Fahrt auf den Berg war in Ordnung, wenn sich auch einer der begleitenden Offiziere aus dem Stab beschwerte, dass man ihm bei der Seilbahnkabine die Tür recht unfreundlich vor der Nase zugeschlagen hätte, und er daraus eine deutschenfeindliche Haltung entnahm. Ja, zunächst hatte man uns wohl für Holländer gehalten, denn die üben öfter in La Courtine und sind bekannt. Nicht gut war dagegen die Fahrt durch die Lavafelder um den Puy de Sancy herum, die gewiss in einem normalen PKW interessant ist, jedoch nicht auf harten Bänken auf einem von einer Plane überspannten LKW, wo man nichts sieht, und der noch dazu kalt und zugig ist. Diese Fahrt hatte letztlich ich nicht so recht zu verantworten, es sollte eben noch ein Programmpunkt sein, damit die Soldaten nicht allzulange in den Kneipen von Le Mont Dore verbrächten. Hätte ich mich doch durchgesetzt, ich wollte ja den Soldaten mehr Freizeit in diesem “nichtmilitärischen zivilen” Ort lassen und mit Interessierten in den vernünftigeren Personenwagen in die alte berühmte Abteikirche von St. Nectaire fahren. Man lernt eben nie aus...

Ach ja, wegen der Einstellung der Franzosen zu uns. Ich kann sagen, dass das mit dem Türezuschlagen wirklich ein Einzelfall war. Im allgemeinen waren die Franzosen wirklich freundlich und korrekt zu uns. Dieses Türezuschlagen wurde sogar ein Lehrfall für mich. Der miteisende “Presseoffizier” erwähnte den Vorfall nämlich in seinem “Tagebuch aus La Courtine”, das er  für die Presse in unserem Heimatkreis in Deutschland schrieb, damit die Zuhausegebliebenen immer wussten, was los war. Doch er hatte vom Kommandeur den „Befehl“ bekommen, nicht unmittelbar an die Zeitungen zu schreiben, sondern seine Aufzeichnungen erst einmal an ihn zu schicken. Und der Kommandeut hatte den Vorfall kurzerhand gestrichen. Ich bekam die Begründung dann nach der Rückfahrt bei einem Kasinoabend mit, denn der Hauptmann beschwerte sich natürlich, dass das nun einmal so gewesen sei, dass also der Wahrheit entspräche, was er geschrieben hätte und dass der Bericht der Wahrheit nun einmal auch zu einem Bericht in der Presse gehörte. Nun, der Oberst begründete seine Streichung wie folgt: Er selbst sei in Fontaineblau in Frankreich in einem Natostab einige Jahre gewesen und er hätte mitbekommen, wie sich die Franzosen um einen Ausgleich und um Freundschaft mit Deutschland ganz allgemein bemühten. Man pflege die neue Freundschaft mit dem östlichen Nachbarn ganz bewusst, und das werde auch von der Bevölkerung getragen. Er erzählte, wie selbst von Anlässen in Deutschland von weitgehend nur regionalem Belang in französischen Zeitungen berichtet würde - und auch unsere Erfahrungen in Frankreich waren doch hervorragend. Na ja, und da passiert halt auch mal “so etwas”. Wenn man nun gerade davon berichte, dann nehme das etwa ein Viertel von dem Raum des jeweiligen Berichts ein, was schon keine echte Relation zur Wirklichkeit mehr sei, denn es stimme einfach nicht, dass ein Viertel unserer Erlebnisse in Frankreich negativ gewesen seien. Und da die Leser der deutschen Zeitungen auch ihre Vorurteile hätten und genau das lesen wollten, dass die Franzosen etwas gegen uns hätten, würde genau das Negative in ihrem Kopf hängen bleiben, ja, es würde im Grunde nur das Negative “ankommen”. Und so sei die Wirklichkeit nun wirklich nicht, also sei es besser, dieses negative Erlebnis überhaupt wegzulassen, damit entspräche der Bericht doch eher der Wirklichkeit. Recht hatte er... (Ich glaube, ich kann das alles jetzt hier jedoch bringen, die Zeit ha ja inzwischen viele Wunden zwischen unseren Völkern geheilt...)

Was es sonst noch gab?

Ach ja, wir hatten am Sonntag noch einen Gottesdienst. Wie das so ist: "Katholiken rechts raus, Evanglische links raus" - und in Ordnung antreten! Die Katholiken hatten gleich um 10 Uhr Gottesdienst in der katholischen Kasernenkirche, die Evangelischen könnten erst einmal wieder auf die Stuben gehen, sie würden den Gottesdienst um 11 Uhr im Kinosaal haben. Und wie das nun einmal so passierte, war der katholische Militärpfarrer rechtzeitig da, er konnte also die Sonntagsmesse halten. Doch der evangelische Militärpfarrer kam irgendwie nicht und die Soldaten warteten. Da ging der katholische Pfarrer in den Filmsaal und hielt einen evangelischen Gottesdienst - wenn das keine Ökumene ist! (Anmerkung: Es kann allerdings sein, dass diese Doppelfunktion des katholischen Militärpfarrers nicht in La Courtine passierte, sondern auf einer andern "Übung", doch auf alle Fälle: Es ist passiert.)

Ansonsten: Keine besonderen Vorkommnisse, wie man beim Militär sagt, es war eine schöne Übung!

Und viele Jahre später habe ich einmal den inzwischen pensionierten Spieß besucht, ja, meinte der, auch ihm sei diese Übung in schöner Erinnerung. Und als ich ihn auf unser “moralisches Konzept” ansprach, meinte auch er, daß das offensichtlich gelungen sei: Ihm sei kein Fall von Geschlechtskrankheit bekannt geworden und auch sonst waren die Soldaten in Ordnung.

Und für mich war das Ganze vermutlich eine entscheidende “Schule” auf meinem Lebensweg: Selbst moralisches Verhalten, das jungen Leuten vielfach gar nicht zugetraut wird (sogar der Truppenarzt hatte vor der Übung mit uns laut überlegt, ob nicht an die Soldaten vom Sani Kondome verteilt werden sollten), geht - doch nicht mit Warnungen und Verboten, mit moralischem und religiösen Vorhaltungen und sonstigen Predigten, sondern schlicht und einfach mit etwas Menschlichem, was den Soldaten ganz einfach besser gefällt. Und das war nicht einfach nur das Saufen und das Flache-Filme-Anschauen, es waren ganz einfach “Gemütlichkeit”, “Kameradschaftlichkeit”, kurzum “Gemeinschaft”. Im Grunde haben wir daher die Männer gar nicht verändert, sondern wir haben einfach nur ganz wenig die (inneren und äußeren) Bedingungen geschaffen, damit Menschen sich so verhalten können, wie es einfach „normal“ ist. Diese Erfahrung damals, einfach „nur die normalen Bedingungen“ zu schaffen, steckt ganz offensichtlich noch heute in mir, das alles habe ich auch in diese meine Website eingebaut: Denn damit können wir etwas erreichen, selbst etwas, was im allgemeinen für unmöglich gehalten wird! Nur eben, mit den üblichen, spießigen Methoden soll man mir nicht kommen, die sind ja lange genug mit dem bekannten Erfolg probiert worden, es muss schon erlaubt sein, sich etwas mit Phantasie und Menschenerfahrung einfallen zu lassen. Und es ist keine Schande, bisweilen auf ehemalige SS-Soldaten zu hören, wenn man nach gangbaren Wegen selbst “in Sachen Moral” sucht...

Auch noch etwas anderes fand ich damals sehr sympathisch: Die alten Offiziere und Unteroffiziere sorgten sich (noch) richtig um ihre Männer. Ich erinnere mich an den Fall, dass ein Soldat einmal nicht vom Urlaub zurück kam. Ab drei Tagen gilt solches "unerlaubtes Entfernen von der Truppe" ja als Fahnenflucht und wird mit "Bau" bestraft, damit ist man dann auch im Zivilleben vorbestraft. Und das wollten unsere "Oberen" nun nicht, dass das einem ihrer Männer passiert, denn - so ihre Meinung - jeder kann mal "durchdrehen", und es ist doch nicht schön, wenn der dann gleich für sein Leben gezeichnet ist. Näheres dazu erfuhr ich aus einem Protokoll, in das ich reinsehen konnte. Die Aussage des "Delinquenten" war etwa folgende: "Wie ich später mitbekam, hatten der Unteroffizier Mai und sein Fahrer, der Gefreite Kittel erst mal bei meinen Eltern nachgefragt, wo ich denn bliebe. Doch da war ich ja nicht. Also ließ sich der Unteroffizier von ihnen die Adresse meiner Freundin geben. Er klingelte also dort an der Haustüre. Ich bekam mit, wie die Eltern meiner Freundin aufmachten und dass da der Unteroffizier Mai war, der mich suchte. Also beschloss ich - im Nachthemd - durch die Hintertür abzuhauen. Also runter zur Hintertür - aber da stand schon der Gefreite Kittel..." Ja, da hatte also die Kompanieführung einen "Jeep" mit dem "Suchkommando" zu dem verlorenen Soldaten geschickt, und der Unteroffizier hatte auch gleich mit dem Fahrer das Haus umstellen lassen. Und so kam der Verlorene noch rechtzeitig vor Ablauf der Dreitagesfrist zur Truppe zurück - und die Sache war schließlich erledigt mit irgendeiner kompanieinternen Strafe und mit einem Kasten Bier für die Schreibstube...

Ach ja, zu dem Gespräch mit dem Spieß „viele Jahre später“. Wo wir schon einmal beim Thema „Moral“ waren, haben wir uns natürlich auch noch über andere Probleme dieser Thematik unterhalten, so etwa über „Frauen und Militär“. Ich meinte, dass bei einer Beteiligung von Frauen wohl das größte Problem für die Vorgesetzten sein dürfte, bei einem Einsatz immer noch zu bedenken, wen man mit wem zusammentun könnte, wo die Frauen untergebracht werden, wo sie sich pflegen könnten usw., es sei eben letztlich doch nicht möglich, die unterschiedlichen Geschlechter so eben nur nach ihren Fähigkeiten einzusetzen. Und das mache die Eingliederung von Frauen eben wohl doch zu kompliziert. Ja, da stimmte mein früherer Spieß mir zu und er stimmte mir auch bei dem Weiteren zu. Meine Meinung war dann, dass eine wirklich sinnvolle Eingliederung von Frauen eigentlich nur bei einer hochstehenden Moral gelingen könnte, die so hochstehend sei, dass auf alle diese genannten Probleme keine Rücksicht mehr genommen werden müsste, ja dass sogar getrennte Duschräume überflüssig seien. Es müsste irgendwie die Einstellung da sein: „Dass das neben mir eine Frau ist, sieht man, warum auch nicht, doch es ist nicht meine Frau - und damit hat es sich...“ Ja, und wenn das funktionierte, dann hätten wir das Paradies – und dann wäre vermutlich auch das ganze Militär überflüssig, weil die Menschen sich sowieso verstünden... Und jetzt wisse er auch, so der alte Spieß, warum ich „auf Religion umgesattelt“ hätte, weil ich genau dieses Konzept des Friedens mit allem Menschen in der Botschaft der Bibel und vor allem auch Jesu zu erkennen glaube, doch dass dieses Konzept im Laufe der Kirchengeschichte wieder unter den Tisch gefallen sei. Meine Idee sei nun, dieses Konzept da wieder hervorzuholen und umzusetzen...

Anmerkung Im Januar 2011:

Längst gibt es Frauen bei der Bundeswehr und es wird auch so getan, als sei alles in bester Ordnung. Doch wirklich? Da gab mir doch einmal jemand eine Bildzeitung zu lesen (die vom 22. Januar 2011). Und in der ging es um den Unfall auf dem Marine-Segelschulschiff Gorch Fock, bei dem die Offiziersanwärterin Sarah S. ums Leben kam. Ich zitiere: 
"Besonders geschmacklos: Nur einen Tag nach der Gedenkfeier für Sarah S., am 11. November, feierte die Stammbesatzung (u.a. Ausbilder) an Bord des Schiffes Karneval - launig mit Hüten, bunten Perücken und Bier. Und der Offiziersanwärter berichtet von einer weiteren, noch bizarreren Party: Teile der Stammbesatzung legten Geld in einen Topf. Wer die hässlichste Offiziersanwärterin knallt, der bekommt das Geld. Der Topf wurde unmittelbar nach dem Unfall geknackt. Auch da wurde dann gefeiert. Wie mit Sarahs Tod umgegangen wurde, finde ich unmenschlich..."

Hier zeigt sich, dass die Einstellung von Männern, wenn sie mal unter sich und freigelassen sind, derselbe ist wie zu meiner Zeit bei der Bundeswehr, eher noch schlimmer. Und dass meine Utopie immer noch ein Ziel ist.

Aber auch: Was wäre, wenn eine Soldatin oder eben auch eine Offiziersanwärterin ohne viel Federlesens auf die Männer zugeht, vielleicht auch bei einem kleinen Glas Bier in der Kantine ("mehr vertrage und mag ich auch nicht") und etwa Folgendes sagt: "Ich weiß doch, wie Ihr über Frauen und Mädchen denkt - und wie Ihr sie auch verachtet und Euch über sie lustig macht. Doch ich glaube nicht, dass Ihr grundsätzlich so frauenverachtend und frauenverarschend seid. Das Ganze kommt doch nur davon, weil Ihr uns Frauen und Mädchen als heuchlerisch und zickig empfindet. Wir tun nach außen hin immer so moralisch und stellen uns so lachhaft schamhaft und verklemmt an, doch wo´s eigentlich drauf ankommt, dann machen wir schließlich doch die Beine breit. Ja, wie sollt Ihr Männer denn auch zu uns Frauen anders stehn als verachtend? Ich dagegen finde diese ganze falsche Moral, die uns so eingeredet wird, allerdings nur kaputt und heuchlerisch und völlig unemanzipiert. Ich versuche also, mich umgekehrt zu verhalten und ich hoffe doch, das wird von Euch akzeptiert. Sex gehört für mich in die Ehe - Punkt - aus. Doch ich bin es von meiner Familie und von meinem früheren Sportverein gewohnt, deswegen nicht verklemmt zu sein und mich etwa vor Männern zu schämen - und dass sie sich auch vor mir schämen. Durch diesen grundsätzlichen Zwang, immer irgendwie voreinander bekleidet zu sein, werden wir doch nur zu Fetischisten - und es ist dieser Fetischismus, der scharf macht. Würden wir uns normal verhalten - ohne solchen Fetischismus, wäre da gar nichts, hier wäre ein Anfang für eine schöne Harmonie zwischen Männern und Frauen. Daher finde ich diese ganze Trennerei bei Waschräumen und Duschräumen bescheuert - und gerade auch beim Militär, wo wir doch eigentlich auf einen Kriegseinsatz vorbereitet werden sollen. Als ob es in einem Krieg, wo es hart auf hart geht, um solche Kikerlitzchen ginge, wie die Trennung nach Geschlechtern. Ich komme daher mit Euch - in denselben Wasch- und Duschraum - und ich denke mir, dass Ihr das auch akzeptiert - und vielleicht auch gut findet und dass mir niemand etwas tut."

Ja was wäre? Ich meine nach meinen Erfahrungen: Einer solchen Frau würde nicht nur keiner der Männer etwas "antun", sondern im Gegenteil, die würde sogar von den Männern verteidigt werden, wenn es doch einmal jemand "versuchen" wollte. Eine solche Frau würde "man" schlicht und einfach toll finden - ja, sie wäre in diesem Sinn Standortgespräch und darüber hinaus: "Da ist mal eine Frau, die ist echt, die wirklich moralisch ist, die weiß, was sie will!"

Ich habe jedenfalls meine (Pflege-)Tochter so erzogen, dass sie - wenn sie denn zum "Bund" gegangen wäre - das so gemacht hätte. Und sie hätte das auch gemacht - und wie!!!

Und mir geht es nicht nur um ein Jungfrauenproblem, wie mir bisweilen unterstellt wird, mir geht es um das Problem Mann-Frau ganz allgemein. Das mit den Jungfrauen ist allerdings so etwas wie der Schlüssel... Und ich glaube auch, sobald sich bei diesem "Schlüssel" etwas tut, dann kommt es auch zu einer anderen Einstellung zw. Mann und Frau ganz allgemein, selbst wenn es sich nicht um Jungfrauen dreht. Ganz einfach, weil das sich Gegenseitig-Verarschen anders läuft bzw. eben nicht mehr läuft.

(Website basisreligion mit basislexikon, basisdrama, basisgesprächen, basisreisen)