LATEIN – LATEINISCH. Bis zum Zeiten Vatikanischen Konzil war das Lateinische nicht nur die Kirchensprache der katholischen Kirche (das ist sie heute noch), sondern vor allem auch die Liturgiesprache (siehe Liturgie), das heißt, daß alle offiziellen Texte, und vor allem auch die immer wiederkehrenden und gleichlautenden der Gottesdienste, auf Lateinisch waren.  

 

Nachteile und Vorteile der lateinischen Liturgiesprache.

Die Verwendung der lateinischen Kirchensprache bedeutete einerseits einen Nachteil für die Gläubigen, dass sie nicht oder nur bedingt verstanden, was der Priester sagte, doch andererseits auch einen Vorteil gerade für Reisende, gleichgültig ob Touristen oder Dienstreisende, ob Flüchtlinge oder Asylanten, dass sie auch im Ausland im Wesentlichen einen Gottesdienst mitmachen konnten „wie zuhause“. Das ist nicht nur in unserer heutigen Globalisierung von Bedeutung, sondern war es auch schon früher, wenn etwa verstrittene Volksgruppen mit unterschiedlichen Sprachen wenigstens beim Gottesdienst zusammenfanden. Ob dieses Gemeinschaftsgefühl mit Menschen, mit denen es ansonsten oft kaum Verständigungsmöglichkeiten gibt, nicht den Nachteil der Erschwernis, die sich im Zusammenhang mit einer anderen Sprache ergeben, aufwiegt – und durchaus mehr als genug? Und schließlich war es ja auch nicht so, dass aus den Gottesdiensten die Volkssprache ganz verbannt war, sowohl die meisten Lieder wurden schon seit den Reformen im Zusammenhang mit der Reformation, also seit mehreren Jahrhunderten, in den Volkssprachen gebetet und vor allem gesungen, und die Texte waren entweder bekannt oder wurden übersetzt. Und nicht zuletzt gab es für Interessierte auch die entsprechenden zweisprachigen Gebetbücher mit allen Texten.

Es ist übrigens ganz normal, dass im religiösen Kult die Sprache dieses Kults im allgemeinen immer der gesprochenen Umgangssprache hinterher hinkt, mit Gott spricht man eben in der Hochsprache und nicht in der Alltags-Umgangssprache! (So habe ich bei Mennoniten in Südamerika erlebt, dass dort die deutsche Sprache die Kultsprache ist, weil diese religiösen Gemeinschaften eben von Deutschen gegründet wurden und die von ihnen für die Gottesdienste gewählte damalige Volkssprache inzwischen als „heilige Sprache“ gilt, mit der man mit Gott redet. Das mit der deutschen Kultsprache wird im übrigen bei diesen bolivianischen Mennoniten so ernst genommen, dass auch die Predigt in dieser Sprache gehalten wird, während die Gläubigen ansonsten einen vom Hochdeutschen schon sehr unterschiedlichen Dialekt sprechen und daher die Kernsätze der Predigt in diesem Dialekt wiederholt werden.. Immerhin war ich auf diese Weise einmal wohl der einzige bei einem Gottesdienst, der die komplette Predigt in einer vollen Kirche verstand.)

 

Ein anderes Problem ist das des Scheinverständnisses sakraler Texte.

Gaukelt nicht eine Volkssprache oft nur vor, dass wir etwas verstünden, wo wir in Wirklichkeit gar nichts verstehen? Was bedeuten etwa die Worte des Priesters, dass er Brot und Wein in Fleisch und Blut Jesu „verwandelt“? Dieser Vorgang wird nun einmal auch in der Volkssprache nicht verständlicher…

 

Warum eigentlich nicht Latein als Lingua Franca Christiana?

Das Latein wurde seinerzeit abgeschafft ohne irgendeinen ernsthaften Versuch, es den Gläubigen näher zu bringen! Leere Illusion eines solchen Versuchs? Nein, nein, so aussichtslos wäre das überhaupt nicht! Stellen wir uns vor, Kindern würde im religiösen Unterricht statt der vielen einfach nicht stimmigen Dinge, die man sie mit viel Aufwand und mit nur schwachem Ergebnis lehrt, also der typischen religiösen "Opfer des Verstandes" (siehe Sacrificium Intellectus), einerseits ein ethisch-rationales Christentum beigebracht – und andererseits zumindest eine Grundlage der lateinischen Sprache. Wir haben heute hierfür die besten Möglichkeiten dank der modernen Medien – und vor allem könnten damit Lehrer und Schüler gemeinsam lernen! Vorbild ist der Staat Israel mit dem Hebräischen – da hat das doch auch funktioniert, Lehrer und Schüler haben am Anfang gleichzeitig gelernt! Und gegenüber dem Hebräischen ist das Lateinische gewiß eine viel einfachere Sprache, die niemanden ausschließt, weil es sich einfach nicht wirklich lohnt, sie zu lernen, wenn man nicht unbedingt muß! Und es muß ja gar nicht dieses komplizierte Latein sein, wie es Cicero und römische Dichter gesprochen haben und wie es schließlich die Humanisten wieder entdeckt und in unsre Zeit eingeführt haben. Solches kompliziertes Latein haben die normalen Leute in der römischen Zeit sowieso nicht gesprochen – undenkbar! Schauen Sie sich einmal die Nachrichten auf Latein im finnischen Rundfunk an, ob selbst Sie, lieber Leser, mit nur schwachen Lateinkenntnissen von ein paar Jahren Gymnasium nicht verstehen können? Eigentlich sollte das mit http://www.yleradio1.fi/nuntii/ funktionieren, doch wenn das nicht klappt, dann klicken Sie auf http://www.yle.fi/  und dann auf info und dann auf nuntii latini.

 

Und es ergibt sich ein hoher symbolischer Wert!

Stellen Sie sich einmal vor, was wäre, wenn die reichen Länder die armen Länder mal nicht nur mit Essen und anderem Lebensnotwendigen unterstützen, sondern ihnen beim Lateinunterricht helfen, wenn also etwa die "reichen" Gemeinden für Computer usw. für die armen Gemeinden sammeln? Das macht arme Leute zwar nicht satt, doch gibt ihnen ein ganz anderes Selbstgefühl, stellt sie sozusagen auf eine Stufe mit den Menschen in den reichen Ländern. Das bildet Gemeinschaft zwischen arm und reich, ob das nicht auch etwas wert ist? Und die katholische Kirche hätte doch die Macht, damit zu beginnen, vor allem die Kinder würden das gerne mitmachen, wenn man es ihnen nur richtig beibringt! Zunächst würde es somit zu einer Lingua Franca Catholica kommen, doch mit Sicherheit würden die anderen schnell nachziehen – und das Ergebnis wäre eine Lingua Franca Christiana! (Wie war das doch bei der Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. <1502-1585, Papst ab 1572>, zuerst übernahmen diese nur die katholischen Staaten, doch weil sie einfach vernünftig war, übernahmen sie früher oder später auch die protestantischen Staaten und schließlich auch (fast) die ganze Welt, warum sollte das mit der Sprache anders sein?) Wir müssen uns allerdings beeilen, denn irgendwann gibt es leicht zu bedienende und leicht zu transportierende Sprachcomputer – doch ob die irgendwann einmal die lebendige Sprache ersetzen können?

 

Und es geht! Modernes Experiment von Barbara Bell in England! Und die Kinder sind begeistert!

Siehe http://www.minimus.com/

oder http://www.forum-classicum.de/artikel200ludolph.htm.

Regelmäßige lateinische Konzertmessen können Sie übrigens in der St. Pauluskirche in Antwerpen mitfeiern, siehe http://www.topa.be/site/234.html. Vielleicht paßt es ja einmal! Wenn Sie knapp kommen, Hocker mitbringen!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English !