LIEBE. Vermutlich gibt es so viele Interpretationen von Liebe, wie es Menschen gibt. Nicht umsonst pflegen Menschen die Liebe mit Liedern und Gedichten, mit Romanen und Opern usw. zu umschreiben. Da also einzugreifen, dürfte eine schwierige, wenn nicht gar unmögliche Sache sein. Und so bin auch ich vorsichtig mit Interpretationen von Liebe: In dieser Website soll es eigentlich nur darum gehen, (jungen) Menschen nahe zu bringen, was Liebe nicht ist, und wie sie sich fit machen können (Wissenskraft statt Willenskraft - dazu u.a. die Informationen zu Don Juan und über Gebrauch und Mißbrauch!), damit sie nicht schließlich irgendwann  irgendwelche offensichtlich idiotischen Wege gehen!

Wirkliche LIEBE lohnt jedenfalls jede Mühe! Denn sie ist wie ein phantastischer Rausch, sie dauert ein Leben lang, sie beflügelt zu höchsten Höhen, bedeutet unvergleichliche seelische und körperliche Grenzerfahrungen, deren Erlebnis der höchstmögliche konkret greifbare Lebenssinn überhaupt ist. Dichter und Musiker haben die Liebe in Gedichten, Theaterstücken und Opern beschrieben - und gerade auch im Schildern des Scheiterns aufgezeigt, was den Menschen entgeht, wenn sie sie nicht erfahren. Und zumeist sind ja auch die Charaktere, die da auf der Bühne spielen, wirklich existierenden nachempfunden, und gerade auch solchen, deren Glück und deren Unglück in der Liebe besonders eindrucksvoll oder tragisch war (siehe Kulturproduktion).

Das Problem ist nur: Wirkliche Liebe gibt es sehr sehr selten, man kann sie nicht erzwingen, sie ist immer nur Geschenk. Und obwohl es gewiß eine Veranlagung zu ihr gibt, gelangen nur wenige Menschen zu ihr, ob das alles der Grund ist, warum sie so hoch gepriesen wird!

Die Ursache für ihre Seltenheit ist vermutlich unsere Konzeptlosigkeit ihr gegenüber, schließlich muß man auch für ein Geschenk offen sein, man muß sich dafür bereithalten.

Doch wir leben in einer Scheinwelt, die uns die wirklich schönen Geschenke gar nicht erkennen läßt und auch nicht, was wirklich gut und nützlich für uns ist und worauf es in unserem Leben ankommt. Und deswegen laufen wir auch bei der Liebe etwas hinterher, was zwar auch einen Gefühlsrausch mit dem anderen Geschlecht verheißt und sogar bietet, was jedoch nur einen mehr oder weniger kurzfristigen und schließlich enttäuschenden. Und dieser Gefühlsrausch ist die typische Verliebtheit.

Die häufig anzutreffende Meinung, daß zu Beginn einer Liebesbeziehung immer eine Verliebtheit steht, die sich mit einigem guten Willen in eine Liebe verwandeln könne, erweist sich in der Praxis eigentlich immer als Irrtum. Liebe bleibt Liebe und Verliebtheit bleibt Verliebtheit, und Liebe ist von Anfang an auf Steigerung angelegt und Verliebtheit auf Zerbrechen, das sollten wir akzeptieren und uns danach verhalten! (Den Fall, daß eine Liebe und eine Verliebtheit zusammenfallen, gibt es nur sehr sehr selten, und keiner sollte glauben, daß das ausgerechnet bei ihm zutrifft!)

Wie kann man nun erkennen, ob es sich bei den Gefühlen zu einem anderen Menschen um eine Liebe oder um eine Verliebtheit handelt?

Zunächst einmal ist alles anders als bei einer Verliebtheit und das wichtigste ist: Man ist wirklich mit Leib und Seele man selbst (siehe Manselbstsein)! Nichts von dem, was bisher galt, wofür man sich begeisterte, wofür man bisher ehrgeizig war und sich einsetzte, was man an nicht materiellen Zielen in sich hatte und erhoffte und erträumte, muß über den Haufen geworfen werden, ja, alles das wird noch gesteigert und optimiert, weil es jetzt noch von einer anderen Seite oder mit anderen Augen gesehen wird - und keinesfalls nur mit denen des Partners. Und so wird man aufgeschlossener, munterer, vielleicht sogar intelligenter - und wenn es eine (vorübergehende) Trennung vom ersehnten Partner gibt, dann wird man nicht apathisch und gelangweilt, dann fällt man nicht anderen auf die Nerven und ist für sie unausstehlich, sondern man sucht und verarbeitet neue Anregungen noch bewußter, einfach um sie dem Partner irgendwann einmal mitzuteilen und ihn miterleben zu lassen. Das kann dann allerdings auch heißen, daß man einen bisherigen Berufswunsch überdenkt und vielleicht sogar verwirft und sich neuen Zielen zuwendet, warum auch nicht, wenn es den eigenen Möglichkeiten besser entspricht?

Wie fängt wirkliche Liebe nun an?

Um es ganz deutlich zu sagen: Wer auf den berühmten "Kick" wartet (siehe Augenkontakt) und sich bei seiner Suche an dem orientiert, der wird die wirkliche Liebe nie finden! Denn dieser Kick darf keinesfalls am Anfang eines Prozesses stehen, sondern nur immer am Ende. Wenn er nämlich am Anfang steht, dann ist es ziemlich sicher so, daß alles Überprüfen und Denken einer Beziehung doch nur auf die Bestätigung eines Kicks hinausläuft, der einen einmal "getroffen" hat. Und wer untätig und unaufgeschlossen gegenüber Menschen des anderen Geschlechts ist, wer nichts wagt und voller Vorurteile ist (nach dem Motto "die Männer sind alle Verbrecher"), der provoziert geradezu diesen "Kick" gegenüber einem nun wirklich Nichtgeeigneten. Daher ist es viel sinnvoller, sich immer offen zu halten für Menschen des anderen Geschlechts, die

  1. Ziele und Wege haben, für die man sich selbst begeistern kann oder man zumindest aufgeschlossen ist, und die

  2. ein ethisches Konzept haben, damit es überhaupt lohnt, sich auf sie einzulassen oder sogar sich ihnen anzuvertrauen.

Ja - und dann muß man auch etwas machen - und "testen", ob da auch die Wirklichkeit einer Partnerschaft dahinter steckt! Eigentlich ist es mehr als logisch, daß nur durch die Begegnung mit mehreren Menschen des anderen Geschlechts herausgefunden werden kann, was auch man selbst nun eigentlich will und ob sich jemand findet, der dazu paßt...

Und was ist dabei mit der sogenannten körperlichen Liebe?

Die sollte man außerhalb einer wirklichen Partnerschaft unbedingt unterlassen, denn mit der wird genau die Freiheit und Unbefangenheit zunichte gemacht, die für den Test mehrerer Partner (jawohl "mehrerer"!) unerläßlich ist. Bedenken wir, daß bei Mädchen genau hierfür die Natur vermutlich das Jungfernhäutchen geschaffen hat. Allerdings sollte nicht nur das unterlassen werden, was nun einmal das Jungfernhäutchen zerstört, also der Geschlechtsverkehr, sondern die gegenseitige Befriedigung mit allem, was dazu gehört. Das alles ist nun einmal leider Gottes immer der größte Feind wirklicher Liebe, weil wir uns hierdurch selbst einengen, weil der Partner damit eingeengt wird, weil damit die neu gewonnene Offenheit und Freiheit doch wieder beseitigt wird, weil wir abhängig werden, ohne etwas wirklich zu gewinnen. Doch den Körper können wir ja in viel unverfänglicherer, spielerischer Weise einbringen: Wie ist das mit einer bewußten Enthaltsamkeit vielleicht auch mit einem behutsamen Hautkontakt - im Rahmen einer Phase der Ästhetik?

Vermutlich ist echte Liebe an einen bestimmten Personenkreis gebunden, zu dem allerdings jeder Mensch gehören kann oder wenigstens hätte einmal gehören können (siehe Klassengesellschaft), der sich schlicht und einfach für die wirkliche Liebe bereit hält. Zu diesem Kreis gehören diejenigen wirklich innerlich freien Menschen, die all ihre Ängste, Zwänge und Tabus hinter sich gelassen und eine wirkliche Moral und eine innere Emanzipation begriffen haben und sie auch tatsächlich leben. Denn nur solchen Menschen ist zuzutrauen, daß sie ihr eigenes Manselbstsein gefunden haben und daß sie sozusagen auf diesem Fundament wirkliche Liebe für sich und für ihren Partner aufbauen können.

Und wer irgendwo noch in falschem Männlichkeits- oder Weiblichkeits-Bild und im Besitzdenken verhaftet ist, in wem noch gar die Vorstellungen von der Frau als Dienstmagd und Dirne oder als Madonna oder Dirne herumspuken, der dürfte für wirkliche Liebe (noch) nicht fähig sein. Verständlich, daß da auch weder die Träume einer Prinzessin, die auf ihren Märchenprinzen wartet, noch die Illusion, über Verliebtheit und Augenkontakt der großen Liebe zu begegnen, hineinpassen.

Bedenken wir auch einmal, daß unsere Veranlagungen und Verhaltensweisen - und auch die zur Liebe - entstanden sind, ohne daß es Kleidung gab, Liebe dürfte also gerade (oder nur) richtig  funktionieren unter vergleichbaren paradiesischen Umständen.

Und müssen wir nicht demzufolge damit rechnen, daß beispielsweise mit der (Sexual-)Scham ein Faktor ins Spiel geriet und vielleicht sogar Überhand gewann, der von der Natur gar nicht vorgesehen war, als sie uns die Fähigkeit zur Liebe geschenkt hat? Immerhin kommt mit der Scham ja eine zusätzliche Spannung in unser Verhalten, die wohl stets eher auf etwas Vordergründiges und Vergängliches, also auf Verliebtheit, hinausläuft.

Ob sich die wahre Liebe auch heute am Ende nur dort entwickeln kann, wo noch die ursprünglichen natürlichen Mechanismen unbeeinträchtigt funktionieren, wo es also auch keine solche Scham gibt oder wo sie bereits überwunden ist? Natürlich geht es dabei nicht nur um die Scham, mit der wir unsere körperliche Nacktheit verbergen, es geht darum, daß wir zu uns selbst stehen und uns und andere endlich sehen, wie wir und wie sie wirklich sind.

Und die Scham ist da ja immer auch Symbol für unsere Ängste, Falschheiten, Heucheleien, Hinterhältigkeiten, Enttäuschungen, Böswiligkeiten - und die sind und waren ja wohl zu allen Zeiten die Störfaktoren schlechthin für jegliche wirkliche Liebe.

Das Rad der Geschichte läßt sich nun gewiß nicht mehr zurückdrehen und wir befinden uns auch nicht im warmen Afrika, wo solche ganzheitliche Emanzipation grundsätzlich möglich wäre. Doch wir können dennoch etwas tun: Versuchen wir doch einmal, die unserer menschlichen Veranlagung artgemäße innere Emanzipation zurück zu gewinnen! Besinnen wir uns dazu endlich auf das wirkliche Anliegen und die Möglichkeiten unseres christlichen Glaubens, der doch eigentlich die Religion der Liebe sein und diese daher auch denen vermitteln sollte, die sich zu ihm bekennen! Machen wir uns bewußt, daß gerade die ganz konkrete Reihenfolge eines Lebenskonzepts genau die Umsetzung der Forderungen der Zehn Gebote in die Praxis ist und wir auch danach handeln können und müssen! Erkennen wir dabei unsere Mitmenschen, sprechen wir offen mit ihnen. Werden wir vorsichtig, wenn Gefühle mit ins Spiel kommen, lassen wir uns gerade dann nichts aufzwingen, was gegen unsere bessere Einsicht ist. Werden wir skeptisch, wenn wir mit unserer Menschenkenntnis nicht weiter kommen und jemand den Zugang zu sich verweigert, obwohl wir ein gutes Gewissen ihm gegenüber haben (siehe auch Mißtrauen). Können wir gegenüber einem Menschen, für den wir uns interessieren, wir selbst sein, trauen wir uns, aus uns herauszugehen, werden unsere Initiativen richtig verstanden, wenn wir an eine nähere Beziehung denken? Können wir zu unserem Mann- oder Frausein voll und ganz stehen und es angst- und furchtfrei genießen? Machen uns die erlaubten Früchte des Paradieses wirklich Spaß oder bringen sie nur negativen Streß (siehe Adam und Eva)?

Mit banaler Befriedigung hat das alles auf alle Fälle schon gar nichts zu tun, eher mit Musik, aber mit himmlischer, verzaubernder und mit Ewigkeit.

Das ist nicht einfach nur ein Versprechen, was da passiert, sondern ein Anfang - und es ist kein Grund mehr zu finden, warum es nur dabei bleiben sollte und daß das nicht zur Gewohnheit werden könnte! Hat man nicht schon immer darauf gewartet, hat man sich nicht darauf vorbereitet, nicht dafür frei gehalten? Und jetzt fällt es auch nicht schwer, auch noch den Rest richtig zu machen!

Solche Erfüllung in der leibseelischen Einheit ist die Liebe schlechthin. Sie bewegt den Menschen lebenslang, die Aussicht auf Erfüllung spornt ihn zu höchstem Einsatz an und die Erkenntnis, daß eine Erfüllung unmöglich ist, bedeutet Enttäuschung und führt zu Verdrängungen und macht ihn mutlos oder veranlaßt ihn, Ersatzerfüllungen zu suchen und Angebote dazu gierig anzunehmen. Alle Religionen und Ideologien, die dem Menschen etwa ein außer- oder innerirdisches Paradies versprechen und die Erfüllung dieser Liebe außer acht lassen oder von ihren eigenen Zielen abhängig machen, profitieren von dieser Sehnsucht der Menschen nach Erfüllungen und speisen sie mit Ersatzerfüllungen ab, ohne jedoch auch diese wirklich je richtig befriedigen zu können.

Im alltäglichen Leben renkt sich gewiß manches wenigstens auf Dauer ein, zumal wenn eine wirtschaftliche Versorgung gewährleistet ist und der Aufbau einer Familie gelingt, die dann auch wenigstens halbwegs funktioniert. Doch es kommt auch vor, daß nichts mehr so recht gelingen will, und sehr oft betrifft das dann auch die gesamte Sexualität, so daß einen selbst das körperliche Erlebnis mit einem einstmals geliebten Partner regelrecht anwidert, so daß man lieber ganz darauf verzichtet. Das ist dann die Quittung dieser Welt dafür, daß man etwas falsch gemacht hatte.

Und ein plausibler Filter, wie man Liebe erkennen kann - auch und gerade bei einem rationalen Menschenbild

Siehe unter dem letzten Punkt des Stichworts "Kybernetik".

Hierzu eine Mail und die Antwort aus dem Schriftwechsel unter Besserwisser:

Hallo Herr P.,

 ich überlege gerade, ob man das Stichwort Liebe nicht verändern könnte:

Wenn ich Sie richtig zusammenfasse, muss man für wirkliche Liebe:
A: Testen, ob der andere Ziele und Wege hat, für die man sich selbst begeistern kann.
B: Testen, ob er ein ethisches Konzept hat, damit es sich überhaupt lohnt.
C: Es muss die Wirklichkeit einer Partnerschaft dahinter stehen.
D: Es muss ein innerlich freier Mensch sein, d. h.,  er muss
1. frei von allen Gefühlszuständen sein, die als seelische Beengung, Erregung oder Verzweiflung erlebt werden,
2. frei von allen Zwängen sein,
3. frei von allen Tabus sein,
4. wirkliche Moral und Emanzipation leben

Ich weiß nicht genau, was für Sie der Unterschied zwischen Liebe, wirklicher Liebe, echter Liebe und unwirklicher, unechter Liebe ist. Auf alle Fälle scheint der Anforderungskatalog sehr lang zu sein.

Wissen Sie, welches Bild da vor mir auftaucht?

Ich sehe eine junge Ritterin voller Mut durch die Welt reiten, wie sie den Angst-Drachen erlegt, die Ketten der Zwänge mit ihrem Schwert durchschlägt und die Siegel der Tabus löst ...
Nach Jahren kehrt sie zum großen Tor der Liebe zurück, schaut auf und fragt:
"Bin ich jetzt gut genug?"
Ich erinnere mich an Franz Kafka: "Das Gesetz".
Sehr deprimierend oder?

Meine Arbeitsdefinition für "Liebe" ist etwas anders. Ich lehne mich dabei an das philosophische Wörterbuch von Walter Brugger an.
Liebe ist
... eine wertbejahende und wertschöpferische Urkraft,
... eine Willenshaltung, weil es unmöglich ist, unfreiwillig, unabsichtlich und nur unbewusst jemanden zu lieben,
... kein passives Erfahren, dessen Opfer der Mensch ist,
... ein "Wir-werden" in den Urformen menschlicher Gemeinschaft und
... deshalb der bewusste, schöpferische Akt der Zuwendung zu einem Menschen, eben ein Geschenk oder eine Gabe, für die (im Idealfall) KEINE Bedingungen gestellt werden.

Und die Gabe wiederum hat die eigentümliche Qualität, dass sie aus Überfluss gegeben wird und durch das Weggeben nicht weniger wird. So darf ich großzügig und verschwenderisch sein.
Im Mittelpunkt: Das Bedürfnis des so Beschenkten!

Eine Partnerschaft mit jemanden zu führen, der Ihren Anforderungen genügt, ist wirklich einfach.
Doch wer kann heute schon von sich behaupten, dass er auch nur annähernd diesem Ideal genügt?
Sie haben es sicher gemerkt, von meinem Glaubensatz "Gott ist Liebe!" lasse ich mich nicht abbringen.
Vielleicht sollten auch Sie diese Paradoxie der Liebe akzeptieren, nämlich dass wir alle auf Dauer gar nicht anders können, als uns im Sinne Ihrer Anforderungen und der Zehn Gebote zu verändern, wenn wir uns gegenseitig diese Liebe schenken. Wir könnten diese aussäen wie Weizen - Saatgut gibt es genug - und in den Herzen der Menschen wachsen lassen.
Die Frucht aber des Geistes ist Liebe:
Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstdisziplin/Enthaltsamkeit; gegen all dies ist das Gesetz nicht!

Vielleicht fragen Sie sich noch, wer dann meine Sexualpartnerin werden darf, wenn ich doch lernen möchte, am besten allen so freizügig meine Liebe zu schenken. Diejenige, die ebenso bereit ist, mir unbefristet, auf einzigartige Weise ihre Liebe zu schenken und die in einer höchstpersönlichen Beziehung mit mir wachsen möchte. Eine, die vor Gott sagt: "Ich gebe Dich nicht mehr her!"
Das heißt auch, ich akzeptiere, das meine Partnerin Ängste, Zwänge und Schattenseiten hat.
Manche behaupten deshalb, dass Liebe blind macht, aber das stimmt nicht. Liebe, wie ich sie verstehe, sieht richtig! Weil es bedeutet, dass zwei Menschen sich gegenüber einander vollkommen öffnen, täglich durchsichtiger werden und nichts mehr verstecken oder verdrängen müssen.

Ich jedenfalls möchte nicht geliebt werden, weil ich nach irgendwelchen Anforderungen liebenswert bin, sondern weil die Liebe selbst in denen ist, die mich lieben.

Mit freundlichen Grüßen

M. B

Und die Antwort von basisreligion:

Hi,

Alles schön und gut, was Sie schreiben (eigentlich könnten wir ja auch "Du" sagen, wie es im Web üblich ist und wie Dora das gleich angefangen hat und man sollte ja nicht nur mit denen so persönlich sein, mit denen man auf Anhieb einer Meinung ist, schließlich sind die Kritiker ja auch und vor allem ein Geschenk Gottes..), also was Du schreibst... Doch was sagst Du Deiner Tochter, wenn sie mit einem Drogensüchtigen ankommt und sagt. "Ich liebe ihn...! Und ich möchte ihn durch meine Liebe heilen?" Diesen Fall habe ich vor Augen, und die gibt es zur Genüge, die meinen, das zu können - und ich möchte nicht irgendwann in der Situation sein und sie anmeckern wegen ihrer Wahl... Wenn meine Tochter so etwas will, soll sie Sozialhelferin werden - doch für ihre Partnerschaft braucht sie einen gesunden Menschen. Und wenn sie den hat, kann sie eine gute Sozialhelferin werden, doch so halst sie sich nur dessen Probleme auf und wird vermutlich unter ihnen nur noch leiden, weil sie in sie hineingezogen wird...

Ich meine ja nicht, dass einer frei von allen sinnlosen Tabus und Ängsten sein muss - doch er sollte auf dem Weg sein - wie man selbst.... Man sollte gerade über so etwas reden können und es lösen wollen. Und ich mache das ja nur an wenigen Dingen fest, nicht ohne Grund beim Erlebnis einer Phase der Ästhetik.... Und das kann man doch zumindest verlangen! Ich sehe im übrigen nie einen Katalog vor, den man abhaken muss - wenn der junge Mensch merkt, daß er selbst an einer solchen Freiheit (Phase der Ästhetik) unbedingt Spaß hätte - und der andere das nicht will und auch noch nicht einmal reden kann, dann ergibt sich eine weitere Skepsis schon fast von alleine...

In Deine Arbeitsdefinition von Liebe passt dagegen doch eigentlich jeder rein - vor allem, wenn man eine rosarote Brille auf hat, wie das in einer Verliebtheit so üblich ist... Daher habe ich etwas gegen diese Interpretation, die ich ja auch kenne - die bringen mir nicht zuletzt auch alle meine Schülerinnen (was ist, wenn die später Regressanforderungen an mich stellen, weil ich denen nicht nur zugestimmt sondern sie auch noch geradezu ermuntert habe und es schief gegangen ist?)...

 Tschüs 

*M. 

Ich erhielt eine lange Antwort, hier ein Ausschnitt:

Doch ich gebe nicht, weil der andere darauf angewiesen ist, es zu bekommen, nicht weil ein kirchlicher Druck es von mir fordert oder weil ich damit meine eigene Leere, die ich mir nicht bewußt mache, so gut ausfüllen/übermalen kann. Ich gebe nicht, um den anderen aus seiner Verantwortung selbst großzügig zu geben zu befreien. Und ich gebe schon gar nicht, weil der andere von mir eine Heilung erwartet, die er nur selbst erreichen kann.
Ein Zitat dazu:
"Wir stecken oft voller Grauen, jeder einzelne von uns.
Wenn du heiratest, um dich dieses Grauens zu entledigen, wirst du doch nur erreichen,
dass es sich mit dem Grauen eines anderen verbindet;
dein Grauen und das des anderen werden die Ehe miteinander (führen) tanzen,
die von Kindesbeinen gelernten Schritte immer von neuem beschreiten,
du wirst bluten und dieses Bluten Liebe nennen."
Michael Ventura - Shadows dancing in the marriage zone
 
Ein solcher Mensch kann aber aus dieser Erwartungshaltung heraus kaum noch wahrhaftig lieben. Und das sollte mir eigentlich auffallen! Er ist ja krampfhaft um meine Liebe bemüht, schenkt mir nur hohlen Charme, neigt zur ständigen Eifersucht ...
Vielleicht sollte man deshalb noch sagen, welche Anzeichen es dafür gibt und gut hinhören, ob der andere z. B. folgende Sätze in seinem Reden versteckt hat:
 
- Ich kann mich selbst nicht glücklich machen; oder ich kann mich selbst nicht so glücklich machen wie du oder etwas anderes es könnte. Es ist egoistisch und deshalb falsch, mich selbst glücklich zu machen, sich selbst zu lieben.
- Ich kann nicht mit Schmerz umgehen, weder mit dem Schmerz des Alleinseins noch mit dem Schmerz der Liebe, die mich nötig, mich auch für die negativen Gefühle zu öffnen. Ich kann mich selbst nicht ertragen und muss mich deshalb ständig betäuben, z. B. mit einem Suchtverhalten.
- Anderen sind für meine Gefühle verantwortlich und/oder ich bin für ihre verantwortlich. Deshalb ist es nur recht, zu jammern, zu klagen und andere zu beschuldigen.
- Ich kann kontrollieren, was andere für mich empfinden und wie sie mich behandeln, in dem ich z. B. immer brav und nett bin.
- Es ist absolut notwendig für meine Integrität, jeder Kontrolle zu widerstehen und deshalb weiche ich dir bei jeder direkten Frage mit einem "Vertraust Du mir nicht?" aus.
- Ich bin im Kern meines Wesens schlecht, doch du kannst mich heilen.
- Ich brauche dich, deine Zuwendung und Anerkennung, ohne diese kann ich nicht leben - und wenn du gehst, bring ich mich um!
 
Ich bestreite nicht, dass die Liebesfähigkeit vieler Mensch stark beeinträchtigt ist. So sehr, dass eine Liebesbeziehung, für einige nicht mehr in Frage kommt.
 
Allerdings kann ich diese Liste auch umdrehen und so lernen, liebesfähiger zu werden:
- Ich mache mich selbst glücklich, d. h., ich kenne meine Wünsche und Bedürfnisse, ich kann mich selbst lieben.
- Ich versuche allein zu leben, ich ertrage Liebeskummer.
- Ich zeige mich für meine Gefühle selbst verantwortlich. Angst, Scham und Kränkung entstehen in mir selbst. Jammern bedeutet, dass ich mich nicht ändern möchte. Ich beschuldige andere nur, weil ich den eigenen Beitrag nicht wahrhaben will.
- Ich muss weder brav noch nett sein, sondern ich sage, was ich denke, fühle, sehe, höre ...
- Ob ich authentisch lebe (Übereinstimmung von Werten, Worten, Verhalten), darf von meinem Partner jederzeit kritisch überprüft werden.
- Gott hat mich gut geschaffen.
- Ich bin auf Gemeinschaft angewiesen, aber nicht von bestimmten Menschen abhängig.

Dagegen basisreligion: Die ganzen sonstigen Rezepte, Liebe und Verliebtheit zu unterscheiden, scheinen mir einfach zu kompliziert für junge Menschen.

Es ist wie im Krieg, da müssen für die Soldaten an der Front einige wenige Griffe sitzen. Vor allem kommt für die meisten das mit der Liebe (oder was sie dafür halten) wie eine Naturgewalt und also urplötzlich  - und da hilft eigentlich nur, daß man den passenden Schutzanzug oder eben Filter schon längst hat, daß er sozusagen zum eigenen Wesen gehört. Ich habe nach der Idee "Phase der Ästhetik" wirklich lange gesucht! Und bisher sehe ich keinen besseren Filter - denn diese Phase erfordert nicht ein ausgetüfteltes Konzept (was sowieso nur Ängste bringt und das im Erlebnisfall weggewischt wird), sondern läßt sich in der Gefühlswelt verankern!

Und: Wie sich der Zauber der Liebe bewahren läßt - Monotonie zerstört jede Leidenschaft - Überraschungen und Fairneß sind das Geheimnis glücklicher Beziehungen von Jutta Beiner-Lehner (Beitrag aus der WELT vom 22. 10. 2005 unter der Url.:  http://www.welt.de/data/2005/10/22/792190.html).

Warum kann es mit den überschwenglichen Gefühlen der Liebe in einer Beziehung nicht immer so gehen? Doch leider hält diese Euphorie nur zwölf bis achtzehn Monate im Schnitt an, hat die renommierte New Yorker Anthropologin Helen Fisher herausgefunden. Natürlich wird auch in diesem Beitrag von Forschungen berichtet, nach denen erst einmal Anregungen durch den Sex mit einer Reihe vor Partnern sein müssen. Aber es gibt auch Hinweise darauf, dass die besten Chancen die Paare haben, die sich besonders ähnlich sind, sowohl in Persönlichkeit und Interessen als auch in der körperlichen Attraktivität.

Und - so basisreligion - warum sollten man sich von diesen Vorstellungen nicht von Anfang an leiten lassen können? Wenn ich mich an Fahrten erinnere, auf denen auch Frauen dabei waren - und auch junge, dann gab es da zwei Arten: Die einen nervten einen, wann wir wieder zuhause sind und dass sie schon die Nase voll hätten, was man auf der Heimfahrt nicht noch alles ansehen würde - und andere konnten genau davon nicht genug kriegen... Hier spürt man also schon Anhaltspunkte, was Kennzeichen einer Partnerschaft ist - und was nicht, ohne daß man größere Tests anstellen muß und schließlich auch die berühmten Erfahrungen sein müssen!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs HONESTY AND FUN WITH THE MORALITY ins Englische unter English !