LIEBESGEBOT. Wenn jemand mit dem "Vorleben" des Partners nicht klar kommt, weil da eine oder auch einige Intimbeziehungen waren, die den Vorstellungen von einer einzigartigen Partnerschaft widersprechen, und er fragt dazu einen Geistlichen um Rat, dann wird er heute eigentlich immer auf ein angebliches Liebesgebot verwiesen. "So wie Gott uns vergeben hat, müssen auch wir zur Vergebung bereit sein!"

Wer eine Entlassene heiratet, begeht selbst Ehebruch!

Zunächst einmal: Die Theologie der Vergebung, so wie sie heute modern ist, kann sich zumindest in dieser heutigen extremen Praxis kaum auf Jesus berufen, denn wenn Jesus das alles so gemeint hätte, wäre ja schließlich jede Moral und auch jede Bemühung um Moral aufgehoben. Wozu sich noch bemühen, wenn hinterher sowieso alles vergeben wird und damit egal ist? Siehe auch das Evangelium vom verlorenen Sohn!

Und es gibt ja auch die entsprechenden Aussagen von Jesus nach Matthaus 5, 32 und nach Lukas 16, 18: "Und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch". Zum Verständnis dieser Bibelstellen müssen wir wissen, daß bei den Juden zur Zeit Jesu ein Geschlechtsverkehr als Ehe galt, kein Geschlechtsverkehr war also einfach unverbindlich. Wer also mal hier einen Intimpartner und dann wieder da hatte, der brach damit immer wieder die Ehe, daher galten auch Prostituierte als Ehebrecherinnen. Unsre heutige Praxis, daß wir erst eine offizielle Eheschließung als Ehe ansehen, ist also nicht biblisch! Und wenn wir schon diverse andere Intimbeziehungen vor dieser unserer Ehe hatten, sind wir also im strengen christlichen Sinn Ehebrecher!

Doch wir müssen auch wieder realistisch sein!

Oft können wir beim besten Willen bei jemanden, der irgendwelche mehr oder weniger enttäuschende Beziehungskisten hinter sich hat, keine rechte Schuld erkennen, sie oder er wußte es einfach nicht besser und mußte schließlich sogar leiden. Niemand hatte sich einmal für eine entsprechende Erziehung verantwortlich gefühlt, es gab also keine rechte Information über die ganze Thematik, keine Vorstellung einer Phase der Ästhetik, die man erst einmal erleben müßte, und da war dann irgendwann eine Verliebtheit, die also die einzig wahre und große Liebe interpretiert wurde und die dann doch nichts taugte, wie sich allerdings erst hinterher herausstellte...

Und zudem müssen wir uns selbst an die eigene Nase fassen: Wir haben zwar an dem Partner etwas auszusetzen, doch waren wir selbst so viel besser? Natürlich, wenn wir selbst uns auf eine wirklich einmalige und einzigartige Partnerschaft vorbereitet hatten und keinerlei andere Intimbeziehungen hatten und der andere hatte das anders gesehen, so ist das schon eine schwere Bürde und auch eine schwierigen Entscheidung, die uns keiner abnehmen kann. Und wir sollen uns auch nicht mit dem Hinweis auf ein angebliches Liebesgebot von Kirchenleuten erpressen lassen - mit den Ideen Jesu hat ein solches Liebesgebot nämlich rein gar nichts zu tun!

Doch woher die anders denkenden und anders handelnden Partner nehmen?

Schließlich können nicht alle in fremde Länder fahren und sich dort (minderjährige) Jungfrauen holen oder besser kaufen! Außerdem: Ob das wirklich das Wahre ist, denn Partnerinnen sind das ja wohl auch nicht oder nur sehr sehr selten, beziehungsweise müßten wir sie erst aufwendig dazu erziehen. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als die Partner beziehungsweise Partnerinnen so zu nehmen wie sie sind!

Doch was können wir tun? Gestalten wir zunächst einmal jeden Neuanfang so, daß er nicht wieder zum Fiasko wird! Und wenn wir dann den passenden Partner gefunden haben, dann verdrängen wir nicht die Vergangenheit, sondern arbeiten wir sie auf!

Aufarbeitung tut not!

Und Aufarbeitung heißt nun einmal, daß es nicht immer so weiter gehen kann, wie wir das selbst erlebt haben. Lassen wir uns nicht abspeisen, daß unsere früheren Fehlentscheidungen nun einmal normal seien und dass man damit leben müßte! Denn sie sind es nicht, sie sind das Resultat einer Erziehung gegen die Natur, also die Folge einer regelrecht widernatürlichen Erziehung, in der es nicht um wirkliche Moral, sondern immer nur um eine Scheinmoral ging! Macht man aber nicht mit einem solchen Aufrühren der Vergangenheit denen, die Fehler gemacht hatten, das Leben schwer? Wir stehen hier in einem typischen Dilemma. Doch die Erfahrung ist eine andere, siehe unter Beichte, denn wenn das "Aufrühren" nur richtig geschieht und dabei ein Problem grundsätzlich gelöst wird, dann ist das wie eine Befreiung, weil das alles wenigstens einen Sinn gehabt hatte - und damit kann man schließlich leben...!

Die Hinweise auf das Liebesgebot sind also nur mehr oder weniger leeres Gewäsch, mit dem die Fehler unserer Religionspädagogik vertuscht werden sollen und damit sich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ja nichts ändert! Und man kann doch etwas ändern! Kümmern wir uns also bei unseren eigenen Kindern, daß alles einmal anders läuft! Wenn wir selbst die Phase der Ästhetik nachgeholt haben, dann dürfte es uns also keine allzu großen Schwierigkeiten mehr bereiten, wenn wir nun unsere eigenen Kinder von vornherein so erziehen, daß sie diese Phase auch erleben können. Und da das alles von einem vernünftigen Gruppeneffekt abhängig ist, sorgen wir dafür, daß sich dieser bildet! Suchen wir also für unsere Kinder nach einem geeigneten Religionsunterricht, der leistet, was wir für unsere Kinder für sinnvoll halten! Fühlen wir uns nicht mehr an irgendwelche Traditionen gebunden, wenn sie sinnentleert sind - beginnen wir neue Traditionen, die einen Sinn haben! Kümmern wir uns um einen passenden Erstkommunion- und Firmunterricht für die jungen Leute (siehe auch Konfirmation)! Vermutlich dachten die frühen Christen auch zunächst einmal mehr an ihre Kinder als an sich selbst, wenn sie Christ wurden - es spricht einiges dafür, daß die Taufe vor allem eine Kindertaufe war, einfach als Symbol der neuen Perspektive für die neuen Menschen!

Wir werden erleben, welche Erfüllung das auch für uns selbst sein kann, wenn unsere Kinder einmal alles richtiger und besser machen als wir! (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)