Der MARXISMUS ist die besondere Ausprägung des Kommunismus, wie sie der deutsche Philosoph (siehe Philosophie) Karl Marx (1818 - 1883) entwickelt hat und wie man sie besonders in den osteuropäischen Ländern, aber auch in China und auf Kuba, vor allem im 20. Jahrhundert in die Praxis umzusetzen versuchte.

Trotz der negativen Gesamteinschätzung des Marxismus heute muss als positiv gesehen werden, dass damit seit langem wieder einmal eine Weltanschauung konstruiert wurde, die die Wirklichkeit unserer Welt und unseres Lebens nicht nur erklären, sondern verändern wollte.

Hintergrund der marxistischen Ideologie ist ganz gewiss ein engagierter Humanismus mit den Fragen nach Gut und Böse und nach den Möglichkeiten eines Paradieses auf dieser Welt. Die wirtschaftlichen und organisatorischen Umwälzungen, wie wir sie zur Genüge kennengelernt haben, sind daher auch nicht das Grundanliegen des Marxismus gewesen, sie waren nur die konkreten Maßnahmen, um die Vorstellungen vom Paradies in die Wirklichkeit dieser Welt umzusetzen und nicht nur immer auf ein Leben nach dem Tod zu vertrösten.

Ausganngspunkt ist der Materialismus und die Frage nach dem materiellen Überbau.

Und für Marx sind dieser materielle Überbau nun einmal die wirtschaftlichen Verhältnisse.

Die Ursache des Übels der Menschheit wird im Marxismus dabei eigentlich weniger darin gesehen, dass es Privateigentum und Privateigentümer (vor allem an Produktionsmitteln) gibt, sondern vielmehr in der These vom materiellen Überbau. Und zwar sagt Marx, dass die materiellen Bedingungen des Lebens so stark sind, dass sie quasi das ganze sonstige Leben, auch das geistige und moralische, beeinflussen oder besser beherrschen. Er nennt diese materiellen Bedingungen den materiellen Überbau, daher also der Materialismus von Karl Marx. Wir müssen uns diesen materiellen Überbau so vorstellen, dass wir etwa wie in einem Glashaus leben und dieses Glashaus so etwas wie eine typische materielle Atmosphäre bildet und diese Atmosphäre darüber unterscheidet, wie Menschen miteinander umgehen, ob sie gut oder böse sind, ob sie menschlich oder unmenschlich sind.

Ein Kennzeichen für diesen materiellen Überbau ist nun, dass es Menschen gibt, die Eigentum an anderen Menschen besitzen, indem sie wie die Sklavenhalter früherer Zeiten über deren Arbeitskraft verfügen. Und das sind nach marxistischer Auffassung in der neueren Zeit alle Unternehmer, die ihre Arbeiter wie ihre früheren Sklavenhalter-Kollegen auch nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Arbeitskraft sehen. Zwar lassen - immer nach der Auffassung von Marx - die heutigen Unternehmer ihren Arbeitern mehr Freiheit als die früheren Sklavenhalter, doch ist diese nur rein äußerlich, im Endeffekt kommt für sie auch nicht viel mehr dabei heraus wie für die früheren Sklaven, denn sie haben einfach keine andere Wahl. Ja vielleicht ist es heute sogar noch erniedrigender, denn die Arbeiter müssen sich sozusagen selbst verkaufen. (Wie die Ausbeutung geschieht, siehe auch unter Zinsen.)

Aus der Sicht von Marx ist nun einerseits die Veranlagung zur Arbeit die hervorragendste Eigenschaft des Menschen, die ihn vom Tier unterscheidet, und andererseits die Tatsache, dass aus dieser Veranlagung eine Ware gemacht wird, die größte und folgenschwerste Tragödie für die Menschen.

Denn damit werden die Menschen sich selbst entfremdet (siehe Entfremdung). Sie werden sozusagen in ihrer Grundbestimmung zerstört und ihnen wird damit jede wesentliche schöpferische und zutiefst menschliche Initiative und Schaffensfreude genommen. Als Gegenleistung speist man sie mit Geld ab und erniedrigt sie damit zu einer Ware. Damit geht man mit ihnen im Grunde genauso um wie mit Prostituierten, die man ja auch für etwas bezahlt, das sich für das Denken in den Kategorien von Ware und Gegenleistung nun wirklich nicht eignet, weil es in eine völlig andere Kategorie gehört (nämlich hier in die von Liebe und Schenken und Gefährte-Sein).  Auf diese Weise wird nun bei den arbeitenden Menschen eine Sklavenmentalität (oder auch Sklavenmoral) erzeugt, die ihre freie Entfaltung und ihr wirkliches Menschsein nachhaltig verhindert. So kann es (immer nach Marx) auch kein wirkliches Gelingen erfüllender Lebensentwürfe wie den der Einheit von Leib und Seele geben. Damit kann es im Kapitalismus prinzipiell auch zu keiner wirklichen und endgültigen Gemeinschaft von Mann und Frau kommen und die Zerstörung der Harmonie der Geschlechter ist auch sonst sozusagen vorprogrammiert. 

Eine Änderung dieser Zustände wird dabei (nach Marx) vor allem durch die Religionen verhindert, weil sie den Menschen dazu erziehen, nicht hier und jetzt etwas zu verändern, sondern auf ihr Heil in einem Leben nach dem Tod zu warten. Daher gehört zum Marxismus unbedingt auch eine ausdrückliche Religionskritik bis hin zur Abschaffung von jeder Religion überhaupt.

Um nun nicht nur unsere Welt menschlicher zu machen, sondern sogar wieder zum Paradies hier und jetzt zu kommen, verurteilte Karl Marx - aus seiner Sicht folgerichtig - vor allem den Besitz an Produktionsmitteln im materiellen Überbau und die damit zwangsläufig gegebenen Klassengesellschaften, weil dies alles immer wieder für das Übel des Eigentums an fremder Arbeit verantwortlich ist.

Das ging dann in den Diktaturen, die sich aufgrund marxistischer Ideen entwickelten, sogar so weit, dass viele Kapitalisten, wie solche Eigentümer im Marxismus genannt werden, regelrecht vernichtet wurden nach dem Motto "Wo gehobelt wird, da fallen Späne".... Bekanntermaßen trat trotz dieser Ausrottung (allein in der Sowjetunion in der Zeit zwischen 1917 und 1987 nach Berechnungen des amerikanischen Genozidforschers R. J. Rummel mindestens 24 Millionen bis hin zu den Berechnungen des Bremer Professors Gunnar Heinsohn unvorstellbare 62 Millionen - jeweils ohne Kriegsopfer!) nicht nur kein Paradies ein, es wurde alles im Gegenteil noch viel schlimmer. Ursache des Scheiterns der marxistischen Theorien in der Praxis war vor allem, weil einerseits die wichtigste Triebkraft menschlichen Handelns, also die Eigeninitiative (vergleichbar mit dem Egoismus), unterbunden und andererseits jede wirksame Kontrollinstanz (geheime Wahlen, Pressefreiheit) verhindert wurde.

Und dann ist natürlich auch die Theorie von der Arbeit als typischer einzigartiger Eigenschaft des Menschen und wichtigster zwischenmenschlicher Beziehung höchst problematisch, ist die Arbeit tatsächlich das, was den Menschen zum Menschen macht und vom Tier unterscheidet, auch wenn es eine bewusste Arbeit ist?

Ist in der Arbeit wirklich die besondere Erfüllung des Menschen möglich? Das mag vielleicht auf kreative Arbeit zutreffen, wenn ein Künstler ein Bild malt, ein Musiker eine Oper komponiert oder auch wenn ein Konstrukteur etwas Neues konstruiert, doch Tatsache ist nun einmal, dass die meiste Arbeit im Leben des Menschen immer wieder bloße Routine und Wiederholung ist - etwa die Arbeit der Hausfrau für ihre Familie, die Arbeit des Bauern in der Landwirtschaft, die Arbeit des Briefträgers, die des Beamten, der Autokennzeichennummern vergibt usw. Natürlich kann man in allem etwas Heeres und Hohes sehen, ob das jedoch im Falle langweiliger Arbeit nicht eher eine Verhöhnung dessen ist, der die Arbeit verrichtet oder besser gesagt, dazu verdammt ist? Ob man ihm nicht sogar eine Bedeutung vorgaukelt, um ihn von den wirklich attraktiven und eigentlich durchaus möglichen Lebenszielen abzulenken? 

Anmerkung: Unter der Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2004/03/25/255745.html findet sich ein Artikel "Mehr Gehirn, weniger Biss" von Sonja Kastilan, in dem angeführt wird, dass eine Genmutation die Kau-Muskulatur des Menschen schrumpfen ließ zu Gunsten einer anderen Schädelform, also dass der "Vormensch" nicht mehr alles kauen konnte und mehr denken musste. Also ein weiteres Argument gegen die These von der Arbeit als Anfang des Menschseins und als die grundlegende zwischenmenschliche Interaktion.

Marxismus in der Wirtschaft ist ohne zentrale Verwaltungswirtschaft nicht denkbar - und das funktioniert nun einmal nicht.

Eine zentrale Verwaltungswirtschaft kann nämlich das sich ständig wandelnde und durch vielerlei Erfahrung gewachsene Wissen der Marktteilnehmer letztlich nicht nutzen und muss mangels Knappheitsindikatoren bei ihrer illusionären Planung im Dunkeln tappen. Dagegen kann die Marktwirtschaft dieses Wissen, das in das Preissystem eingeht, dem "Gemeinwohl" nutzbar machen. Aus individueller Planung ergibt sich hier spontan eine Gesamtordnung, während die angestrebte zentrale Planung des Sozialismus scheitern muss: "Wie kann man planen, was man nicht wissen kann?"

Siehe hierzu den Beitrag "Soziales Gewissen ist kein Gewissen" über den Ökonom und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek von Gerd Habermann in der WELT vom 14. Oktober 2004. Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2004/10/14/345780.html.

Gegen eine Kritik am Marxismus wird vor allem eingewandt, dass - ähnlich wie unser christliche Glaube in den christlichen Kirchen - die Vorstellungen des Begründers Karl Marx bisher nie richtig umgesetzt wurden. Eigentlich immer hätten sich nämlich recht schnell Gewalt- und Unterdrückungsstrukturen gebildet, die nie und nimmer Anliegen des Begründers waren.

Dazu ist zu sagen, dass Marx auf alle Fälle die Marktgesetze, die ja in gewisser Weise den Charakter oder auch die Urkraft von Naturgesetzen haben (also etwa "Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis" oder die "Chancen und Risiken der Eigeninitiative als wesentlicher Antrieb allen wirtschaftlichen Handelns" - siehe allerdings unter Wirtschaft), außer Kraft gesetzt und das wirtschaftliche Handeln, wenn es um das Produzieren und Verteilen von Waren oder um Dienstleistungen geht, Organisationen übertragen hat, natürlich Organisationen von Menschen, doch eben Organisationen. Und Organisationen neigen nun einmal gemäß den Parkinsonschen Gesetzen immer dazu, mehr oder weniger schnell Selbstzweck zu werden - schließlich werden sogar menschenverachtende Mafias aus ihnen. Und die Chancen werden immer geringer, sich aus dem Mafiacharakter zu befreien, weil die Initialzündung zu solcher Veränderung immer nur von einzelnen ausgehen kann - doch diese einzelnen werden von dem negativen jeweiligen Gruppenzwang mundtot oder gar richtig tot gemacht. (Auch in freien Gesellschaften gibt es natürlich Mafias, jedoch sind deren Einflussmöglichkeiten eingeschränkt, Änderungen zu verhindern - zum Beispiel gibt es eine ganz andere Pressefreiheit).

Wenn nun selbst Organisationen wie die Religionen nicht davor gefeit sind, zu solchen menschenverachtenden Systemen zu werden, obwohl ihre Träger doch die Strafe Gottes für falsches Tun fürchten (müssten), um wieviel mehr sind dann Organisationen gefährdet, die Gott und damit auch eine Verantwortung vor Gott auch noch ablehnen? Es gibt also wohl keine Chance, dass die Lehren von Karl Marx irgendwo einmal in der Praxis funktionieren könnten. Sie sind und bleiben Illusion.

Und selbst wenn die Ideen von Marx erfolgreich in die Praxis umgesetzt würden, ob dabei auch die Ergebnisse herauskämen, die Marx prophezeit hat, also dass auch im persönlichen Bereich Harmonie unter den Menschen entsteht, dass also auch die Frau nicht mehr Sache ist, sondern dass wirkliche Emanzipation eintritt? Ich wage das zu bezweifeln. Denn die etwa 120.000 junge Frauen, die zur Zeit jährlich aus den osteuropäischen Ländern hier in den westlichen Ländern in der Prostitution landen (siehe Frauenhandel), kommen doch nicht, weil sie in ihren Ländern verhungern oder in ausgesprochener Sklaverei leben, sondern weil sie einfach falsche Vorstellungen haben - unter anderem die vom Traumprinzen, und dann reinschliddern, es ist also wohl eher eine Frage der vernünftigen und angemessenen Information und sich daraus ergebender sinnvoller Strategien. Mit einer Vorstellung von wirklicher Partnerschaft würden sie jedenfalls gewiss andere Wege finden - siehe zum "Heiratsmarkt" unter Marktgesetze!

Was wir tun können, ist also nicht eine Systemveränderung weg von den "natürlichen Systemen" (also von Systemen, in denen die Naturgesetze gelten), sondern die Menschen von Kind an fit zu machen, dass sie in diesen "natürlichen Systemen" nun einmal bestehen können.

Wenn dies auch in wirtschaftlichen Dingen schwierig sein dürfte, denn es geht ja nicht nur darum, wo man eine bestimmte Ware günstig kauft usw., sondern ob man manche angeblich so wichtigen Waren überhaupt braucht usw., so dürfte es in den Dingen, die die leibseelischen Dinge betreffen, durchführbar, also Utopie, sein. Und Menschen, die hier ein geglücktes Leben führen, dürften auch nicht mehr zu den brutalen Ausbeutern werden, die das Leben für viele so unerträglich machen, sondern eine Verantwortung sehen, wie sie ihren Beitrag zur Harmonie aller Menschen leisten können. Damit könnte sich vielleicht auch das Problem (von alleine) lösen, dass es dank unserer Technisierung in Zukunft immer mehr Arbeit für immer weniger Spezialisten geben wird und die meisten Menschen überhaupt ohne Arbeit sein werden. Denn wenn Menschen in einem wesentlichen Bereich ihres Lebens höchst rational und effektiv denken und handeln, ist zu erwarten, dass sie die Einstellung, die dahinter steckt, in anderen Bereichen des Lebens nicht vernachlässigen und denkfaul und ignorant werden. Sie werden also vermutlich mit schwierigeren Verhältnissen zurecht kommen. Doch das ist nicht vorauszusehen - weil solche Menschen einfach niemand erlebt hat - auf alle Fälle dürfte nichts Negatives dabei herauskommen!

Anmerkung: Die Befreiungstheologie ist ein Versuch heute, die Vorstellungen der Erlösung im christlichen Glauben und das Konzept der Befreiung des Menschen von Entfremdungen aus kommunistischer Sicht miteinander zu verbinden. Allerdings sieht diese Verbindung völlig anders aus als die hier vorgestellte. In wirklichem christlichen Glauben geht es nämlich um die Befreiung von Entfremdungen, die mit unserer Einheit von Leib und Seele zusammenhängen.

Eine Auseinandersetzung zwischen Marxismus und christlichem Glauben nach der Interpretation von basisreligion siehe in dem Buch Glaube ohne Aberlaube - Kapitel II.

Und noch einmal: Eine neue Variante der Theorie vom materiellen Überbau ist nach dem Zerfall der Wirtschaftssysteme in den Ländern des real existierenden Sozialismus die Theorie von der Zinsknechtschaft aller derer, die Zinsen bezahlen müssen. Jetzt geht es also nicht mehr um die Produktionsmittel, sondern um die Finanzierung der Produktionsmittel.

 

Diesem Stichwort liegt u.a. der folgende Beitrag zugrunde:

W. I. Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus

Aus „Prosweschtsdienije" Nr. 3, März 1913. Unterschrift: W. 1. Werke, Bd. 19, S. 3-9.

Hier aus: W. I. Lenin, Ausgewählte Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1964, Seite 83 ff

Die Lehre von Marx stößt in der ganzen zivilisierten Welt auf die erbittertste Feindschaft und den größten Hass der gesamten bürgerlichen Wissenschaft (der offiziellen wie der liberalen), die im Marxismus eine Art „schädlicher Sekte" erblickt. Ein anderes Verhalten kann man auch nicht erwarten, denn eine „unparteiische" Sozialwissenschaft kann es in einer auf Klassenkampf aufgebauten Gesellschaft nicht geben. Jedenfalls ist es Tatsache, dass die gesamte offizielle und liberale Wissenschaft die Lohnsklaverei verteidigt, während der Marxismus dieser Sklaverei schonungslosen Kampf angesagt hat. In einer Gesellschaft der Lohnsklaverei eine unparteiische Wissenschaft zu erwarten wäre eine ebenso törichte Naivität, wie etwa von den Fabrikanten Unparteilichkeit zu erwarten in der Frage, ob man nicht den Arbeitern den Lohn erhöhen sollte, indem man den Profit des Kapitals kürzt.

Doch nicht das allein. Die Geschichte der Philosophie und die Geschichte der Sozialwissenschaft zeigen mit aller Deutlichkeit, dass der Marxismus nichts enthält, was einem „Sektierertum" im Sinne irgendeiner abgekapselten, verknöcherten Lehre ähnlich wäre, die abseits von der Heerstraße der Entwicklung der Weltzivilisation entstanden ist. Im Gegenteil: Die ganze Genialität Marx' besteht gerade darin, dass er auf die Fragen Antwort gegeben hat, die das fortgeschrittene Denken der Menschheit bereits gestellt hatte. Seine Lehre entstand als direkte und unmittelbare Fortsetzung der Lehren der größten Vertreter der Philosophie, der politischen Ökonomie und des Sozialismus.

Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist. Sie ist in sich geschlossen und harmonisch, sie gibt den Menschen eine einheitliche Weltanschauung, die sich mit keinerlei Aberglauben, keinerlei Reaktion, keinerlei Verteidigung bürgerlicher Knechtung vereinbaren lässt. Sie ist die rechtmäßige Erbin des Besten, was die Menschheit im 19. Jahrhundert in Gestalt der deutschen Philosophie, der englischen politischen Ökonomie und des französischen Sozialismus hervorgebracht hat.

Auf diese drei Quellen und gleichzeitig Bestandteile des Marxismus wollen wir denn auch kurz eingehen.

I

Die Philosophie des Marxismus ist der Materialismus. Im Laufe der gesamten neuesten Geschichte Europas und insbesondere Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich, wo eine entscheidende Schlacht gegen alles mittelalterliche Gerumpel, gegen den Feudalismus in den Einrichtungen und in den Ideen geschlagen wurde, erwies sich der Materialismus als die einzige folgerichtige Philosophie, die allen Lehren der Naturwissenschaften treu bleibt, die dem Aberglauben, der Frömmelei usw. feind  ist Die Feinde der Demokratie waren daher aus allen Kräften bemüht, den Materialismus „zu widerlegen", zu untergraben und zu diffamieren, und nahmen die verschiedenen Formen des philosophischen Idealismus in Schutz, der stets, auf diese oder jene Art, auf eine Verteidigung oder Unterstützung der Religion hinausläuft.

Marx und Engels verfochten mit aller Entschiedenheit den philosophischen Materialismus und legten zu wiederholten Malen dar, wie grundfalsch jede Abweichung von dieser Grundlage ist. Am klarsten und ausführlichsten sind ihre Anschauungen in Engels' Werken „Ludwig Feuerbach" und „Anti-Dühring" niedergelegt, die - wie das „Kommunistische Manifest" - Handbücher jedes klassenbewussten Arbeiters sind.

Aber Marx blieb nicht beim Materialismus des 18. Jahrhunderts stehen, er entwickelte die Philosophie weiter. Er bereicherte sie durch die Errungenschaften der deutschen klassischen Philosophie und besonders des Hegeischen Systems, das seinerseits zum Materialismus Feuerbachs geführt hatte. Die wichtigste dieser Errungenschaften ist die Dialektik, d. h. die Lehre von der Entwicklung in ihrer vollständigsten, tiefstgehenden und von Einseitigkeit freiesten Gestalt, die Lehre von der Relativität des menschlichen Wissens, das uns eine Widerspiegelung der sich ewig entwickelnden Materie gibt. Die neuesten Entdeckungen der Naturwissenschaft - das Radium, die Elektronen, die Verwandlung der Elemente -haben den dialektischen Materialismus von Marx glänzend bestätigt, entgegen den Lehren der bürgerlichen Philosophen mit ihrer ständig „neuen" Rückkehr zum alten und faulen Idealismus.

Marx, der den philosophischen Materialismus vertiefte und entwickelte, führte ihn zu Ende und dehnte dessen Erkenntnis der Natur auf die Erkenntnis der menschlichen Gesellschaft aus. Der historische Materialismus von Marx war eine gewaltige Errungenschaft des wissenschaftlichen Denkens. Das Chaos und die Willkür, die bis dahin in den Anschauungen über Geschichte und Politik geherrscht hatten, wurden von einer erstaunlich einheitlichen und harmonischen wissenschaftlichen Theorie abgelöst, die zeigt, wie sich aus einer Form des gesellschaftlichen Lebens, als Folge des Wachsens der Produktivkräfte, eine andere, höhere Form entwickelt -wie zum Beispiel aus dem Feudalismus der Kapitalismus hervorgeht.

Genauso wie die Erkenntnis des Menschen die von ihm unabhängig existierende Natur, d. h. die sich entwickelnde Materie widerspiegelt, so spiegelt die gesellschaftliche Erkenntnis des Menschen (d. h. die verschiedenen philosophischen, religiösen, politischen usw. Anschauungen und Lehren) die ökonomische Struktur der Gesellschaft wider. Die politischen Einrichtungen sind ein Überbau auf der ökonomischen Basis. Wir sehen zum Beispiel, wie die verschiedenen politischen Formen der heutigen europäischen Staaten dazu dienen, die Herrschaft der Bourgeoisie über das Proletariat zu festigen.

Marx' Philosophie ist der vollendete philosophische Materialismus, der der Menschheit - insbesondere aber der Arbeiterklasse - mächtige Mittel der Erkenntnis gegeben hat.

II

Nachdem Marx erkannt hatte, dass die ökonomische Struktur die Basis ist, worauf sich der politische Überbau erhebt, wandte er seine Aufmerksamkeit vor allem dem Studium dieser ökonomischen Struktur zu. Das Hauptwerk von Marx - „Das Kapital" - ist der Erforschung der ökonomischen Struktur der modernen, d. h. der kapitalistischen Gesellschaft gewidmet.

Die vormarxsche klassische politische Ökonomie entstand in England, dem entwickeltsten kapitalistischen Land. Adam Smith und David Ricardo, die die ökonomische Struktur untersuchten, legten den Grundstein der Arbeitswerttheorie. Marx setzte ihr Werk fort. Er begründete diese Theorie exakt und entwickelte sie folgerichtig. Er zeigte, dass der Wert einer jeden Ware durch die Menge der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit bestimmt wird, die zur Produktion der Ware erforderlich ist.

Wo die bürgerlichen Ökonomen ein Verhältnis von Dingen sahen (Austausch von Ware gegen Ware), dort enthüllte Marx ein Verhältnis von Menschen. Der Austausch von Waren drückt die Verbindung zwischen den einzelnen Produzenten vermittels des Marktes aus. Das Geld bedeutet, dass diese Verbindung immer enger wird und das gesamte wirtschaftliche Leben der einzelnen Produzenten untrennbar zu einem Ganzen verknüpft. Das Kapital bedeutet eine weitere Entwicklung dieser Verbindung: Die Arbeitskraft des Menschen wird zur Ware. Der Lohnarbeiter verkauft seine Arbeitskraft dem Besitzer des Bodens, der Fabriken, der Arbeitsmittel. Einen Teil des Arbeitstages verwendet der Arbeiter darauf, die zu seinem " und seiner Familie Unterhalt notwendigen Ausgaben zu decken (Arbeitslohn), den anderen Teil des Tages jedoch arbeitet der Arbeiter unentgeltlich; er schafft Mehrwert für den Kapitalisten, die Quelle des Profits, die Quelle des Reichtums der Kapitalistenklasse.

Die Lehre vom Mehrwert ist der Grundpfeiler der ökonomischen Theorie von Marx.

Das durch die Arbeit des Arbeiters geschaffene Kapital unterdrückt den Arbeiter, ruiniert die Kleinbesitzer und erzeugt eine Armee von Arbeitslosen. In der Industrie ist der Sieg des Großbetriebs auf den ersten Blick sichtbar, aber auch in der Landwirtschaft sehen wir die gleiche Erscheinung: Die Überlegenheit des kapitalistischen landwirtschaftlichen Großbetriebs wächst, die Anwendung von Maschinen nimmt zu, die Bauernwirtschaft gerät in die Schlinge des Geldkapitals, sie verfällt unter der Last ihrer technischen Rückständigkeit dem Niedergang und Ruin. In der Landwirtschaft nimmt der Niedergang des Kleinbetriebs andere Formen an, doch der Niedergang selbst ist eine unbestreitbare Tatsache.

Durch die Zerschlagung der Kleinproduktion bewirkt das Kapital eine Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Schaffung einer Monopolstellung der Vereinigungen der Großkapitalisten. Die Produktion selbst wird immer mehr zur gesellschaftlichen Produktion - Hunderttausende und Millionen von Arbeitern werden zu einem planmäßigen Wirtschaftsorganismus zusammengefasst -, das Produkt der gemeinsamen Arbeit aber eignet sich eine Handvoll Kapitalisten an. Es wachsen die Anarchie der Produktion, die Krisen, die tolle Jagd nach Märkten, die Existenzunsicherheit für die Masse der Bevölkerung.

Die kapitalistische Ordnung, die die Abhängigkeit der Arbeiter vom Kapital steigert, schafft gleichzeitig die gewaltige Macht der vereinigten Arbeit.

Von den ersten Anfängen der Warenwirtschaft, vom einfachen Austausch an, verfolgte Marx die Entwicklung des Kapitalismus bis zu seinen höchsten Formen, bis zur Großproduktion.

Und die Erfahrungen aller kapitalistischen Länder, der alten wie der neuen, zeigen einer von Jahr „zu Jahr wachsenden Zahl von Arbeitern anschaulich die Richtigkeit dieser Lehre von Marx.

Der Kapitalismus hat in der ganzen Welt gesiegt, aber dieser Sieg ist nur die Vorstufe zum Sieg der Arbeit über das Kapital.

III

Als der Feudalismus gestürzt und die „freie" kapitalistische Gesellschaft zur Welt gekommen war, zeigte es sich sogleich, dass diese Freiheit ein neues System der Unterdrückung und Ausbeutung der Werktätigen bedeutet. Alsbald kamen verschiedene sozialistische Lehren auf, als Widerspiegelung dieser Unterdrückung und als Protest gegen sie. Doch der ursprüngliche Sozialismus war ein utopischer Sozialismus. Er kritisierte die kapitalistische Gesellschaft, verurteilte und Verfluchte sie, träumte von ihrer Vernichtung, phantasierte von einer besseren Ordnung und suchte die Reichen von der Unsittlichkeit der Ausbeutung zu überzeugen.

Der utopische Sozialismus war jedoch nicht imstande, einen wirklichen Ausweg zu zeigen. Er vermochte weder das Wesen der kapitalistischen Lohnsklaverei zu erklären noch die Gesetze der Entwicklung des Kapitalismus zu entdecken, noch jene gesellschaftliche Kraft zu finden, die fähig ist, Schöpfer einer neuen Gesellschaft zu werden.

Indessen enthüllten die stürmischen Revolutionen, von denen der Untergang des Feudalismus, der Leibeigenschaft, überall in Europa und besonders in Frankreich begleitet war, immer augenfälliger den Kampf der Klassen als Grundlage der gesamten Entwicklung und als ihre treibende Kraft.

Kein einziger Sieg der politischen Freiheit über die Klasse der Feudalherren wurde errungen ohne deren verzweifelten Widerstand. Kein einziges kapitalistisches Land bildete sich auf mehr oder weniger freier, demokratischer Grundlage, ohne dass ein Kampf auf Leben und Tod zwischen den verschiedenen Klassen der kapitalistischen Gesellschaft stattfand.

Die Genialität Marx' besteht darin, dass er es früher als alle anderen verstand, daraus jene Schlussfolgerungen zu ziehen und konsequent zu entwickeln, die uns die Weltgeschichte lehrt. Diese Schlussfolgerung ist die Lehre vom Klassenkamp[.

Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Betrug und Selbstbetrug, und sie werden es immer sein, solange sie nicht lernen, hinter allen möglichen moralischen, religiösen, politischen und sozialen Phrasen, Erklärungen und Versprechungen die Interessen dieser oder jener Klassen zu suchen. Die Anhänger von Reformen und Verbesserungen werden immer von den Verteidigern des Alten übertölpelt werden, solange sie nicht begreifen, dass sich jede alte Einrichtung, wie sinnlos und faul sie auch erscheinen mag, durch die Kräfte dieser oder jener herrschenden Klassen behauptet. Um aber den Widerstand dieser Klassen zu brechen, gibt es nur ein Mittel: innerhalb der uns umgebenden Gesellschaft selbst Kräfte zu finden, aufzuklären und zum Kampf zu organisieren, die, imstande - und infolge ihrer gesellschaftlichen Lage genötigt -sind, die Kraft zu bilden, die das Alte hinwegzufegen und das Neue zu schaffen vermag.

Erst der philosophische Materialismus von Marx hat dem Proletariat den Ausweg aus der geistigen Sklaverei gewiesen, in der alle unterdrückten Klassen bisher ihr Leben fristeten. Erst die ökonomische Theorie von Marx hat die wirkliche Stellung des Proletariats im Gesamtsystem des Kapitalismus erklärt.

In der ganzen Welt, von Amerika bis Japan und von Schweden bis Südafrika, mehren sich die selbständigen Organisationen des Proletariats. Es schreitet in seiner Aufklärung und Erziehung fort, indem es seinen Klassenkampf führt, es entledigt sich der Vorurteile der bürgerlichen Gesellschaft, schließt sich immer enger zusammen und lernt, an seine Erfolge den richtigen Maßstab anzulegen, stählt seine Kräfte und wächst unaufhaltsam.

Und ganz allgemein zum Marxismus: Eine Schülerin schrieb mir, dass sie mit dem Stichwort zum Marxismus im Wikipedia-Lexikon viel anfangen konnte, das war das, was sie für eine Prüfung brauchte! (Hier geht es eher um die Auseinandersetzung mit der Religion!)

Siehe den Schriftwechsel nach dem "Fenster"!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)

 

Und hier noch etwas aus einem Mailwechsel zu diesem Stichwort, ich habe mir erlaubt auszuwählen. Wenn Bedarf besteht nach dem kompletten Mailwechsel - bitte melden! Ich habe aber irgendwann aufgegeben, weil ich meinte, wir reden aneinander vorbei und es geht nur noch um Rechthaberei... Zuerst also die Kritik eines Besuchers:


Hallo!
Leider bin ich erst jetzt wieder auf Ihre homepage gestoßen, deswegen antworte ich Ihnen erst jetzt. Vielen Dank, dass sie meine Kritik berücksichtigt haben, in einigen Details kann ich Ihnen allerdings immer noch nicht ganz zustimmen, z.B. übernehmen nach Marx keine "Organisationen" (geschweige denn der Staat) die Lenkungsfunktion des Marktes, sondern es ist "der Mensch vor Ort", der sich quasi basisdemokratisch mit anderen Menschen mit den Themen der Verteilung und Produktion auseinandersetzt und ganz nach seinen persönlichen Bedürfnissen und gleichzeitig verantwortungsvoll handelt/konsumiert. Natürlich klingt dies extrem utopisch, doch muss man sich vor Augen halten, dass bereits heute mehr als genug von allem produziert wird auf der Erde (sei es Nahrung, Kleidung, etc.), nur die Verteilung extrem ungerecht ist und trotz "Sozialstaat" und WTO/Weltbank etc. werden diese Unterschiede jedes Jahr größer - genau wie Marx es beschrieben hatte. Marx wollte die "Marktgesetze" keineswegs außer Kraft setzen - im Gegenteil, er hat als einer der ersten Wissenschaftler überhaupt die innere Logik des Marktes (sprich: des Kapitalismus) sehr präzise analysiert. Aufgrund dieser Analyse (die übrigens von der Forschung noch heute als Großtat gelobt wird, auch von "Nicht-Linken") ist er zu dem Schluss gekommen, dass der Kapitalismus aufgrund seiner inneren Logik universalistisch und expansionistisch ist und sich über die gesamte Erde rasch verbreiten wird (also hat Marx die Globalisierung - also den globalen Markt - schon vor 150 Jahren vorausgesehen). Doch genau wegen dieser inneren Logik würde - so Marx - der Kapitalismus früher oder später zusammenbrechen (die Details erspare ich Ihnen jetzt an dieser Stelle) - und dann (und wirklich erst dann!) hat die Menschheit die Wahl zwischen "Kommunismus oder Anarchie" (O-ton Marx). Ein sozialistisches System in einem einzigen Land und das gar noch vor Ende des Kapitalismus ist deswegen völliger Schwachsinn und nach Marx logisch nicht möglich.

(kurze Randbemerkung: Marx ist keineswegs "geil" auf Arbeit - im Gegenteil, nach seiner Beobachtung nimmt uns die Maschinisierung und Technisierung in der Wirtschaft mehr und mehr die Arbeit ab und gibt uns so mehr Freiheit / Freizeit)

Apropos: Es hat mich ehrlich gesagt ziemlich umgehauen, was Sie über die "Naturgesetzlichkeit von Marktgesetzen" schreiben. Mir ist nicht ganz klar, wo hier irgendwelche "Gesetze" herrschen sollen und wie diese dann auch noch "natürlich" bzw. naturgegeben sein sollen. Meiner Meinung nach ist dies ein gefährlicher Irrtum, den leider viele immer noch machen.

In der (sogenannten) freien Marktwirtschaft agieren Menschen miteinander, es werden Waren ausgetauscht und gehandelt, etc. - überall sind es Menschen, die Entscheidungen treffen, dabei sehr oft äußerst irrational handeln (warum z.B. kauft man noch deutsche Autos wo doch allgemein bekannt ist, dass japanische Autos billiger und inzwischen auch von höherer Qualität sind?) oder teilweise extrem uninformiert sind (wer hat schon ständig die völlige Übersicht über das Warenangebot und die Preise?). Adam Smith & Co haben in ihren Abhandlungen untersucht, wie die Marktwirtschaft idealerweise (!!) funktioniert: Ein Konsument hat die völlige Übersicht über das Angebot und die Preise, er kauft ein Produkt nur dort, wo er am wenigsten dafür ausgeben muss, er kauft nur das Beste und hochqualitativste Produkt, der Warenhandel zwischen Volkswirtschaften geht reibungslos und ohne Handelsbarrieren (Zölle, Einfuhrgebühren, etc.), etc. etc.  - aber entspricht dieses Modell tatsächlich der Wirklichkeit? Nicht mal ein extrem-neo-liberaler Wirtschaftsspezialist würde dies behaupten! Konsumenten handeln extrem unvorhersehbar (z.B. hat die Werbung eine extreme Wirkung auf das Kaufverhalten - von wegen "Nachfrage bestimmt das Angebot" - es ist oft genau umgekehrt!), Aktienmärkte spielen verrückt wenn George Bush einmal zuviel hustet (wo ist denn dort irgendein "Gesetz"? Wenn sie eins hätten, könnten sie auf dem Aktienmarkt Milliardengewinne machen!), etc.  Auch der "Freihandel" ist eine völlige Illusion, der man sich nicht hingeben sollte, so schützt Europa/USA seine Agrarmärkte seit Jahrzehnten vor ausländischen Importen mit extremen Zöllen auf bestimmte Nahrungsmittel - wenn der Markt so "natürlich" sein soll und sich selbst reguliert (Smith's "unsichtbare Hand"), wie lässt sich dann der Protektionismus der Nationalstaaten erklären? Ein "normaler/natürlicher" (sprich: fairer) Handel liegt nicht im Interesse der Industriestaaten!

Ein weiteres Beispiel, dass es keine "Marktgesetze" oder so etwas wie "Natürlichkeit des Marktes" gibt zeigt sich allein an den aufgeblähten Staatshaushalten aller Nationen dieses Planeten: Wenn sich der Markt tatsächlich selbst reguliert und so natürlich ist - warum müssen die Staaten dann Aber-Milliarden finanzieren, um die Wunden, die der Kapitalismus reißt, zu flicken? (Sozialausgaben, Arbeitslosengeld, etc.) - und ist die extreme Ungleichheit zwischen Arm und Reich innerhalb der Staaten als auch zwischen den Staaten wirklich "natürlich"? Sind die Menschen in Afrika oder Südamerika einfach zu blöd und faul und deswegen arm?

Man muss sich klar machen, dass innerhalb unserer Volkswirtschaft als auch im globalen Handelssystem ständig Entscheidungen von Menschen getroffen werden. Arbeitslosigkeit, Abbau des Sozialstaates, die ökologische Katastrophe, Hunger, Armut und die Übernutzung der globalen Ressourcen: all dies ist nicht "natürlich" oder "schicksalsgegeben", sondern das Resultat von (falschen) Entscheidungen. Unsere Zukunft steht noch nicht geschrieben, wir können selbst entscheiden, in welcher Welt wir zukünftig leben wollen. Die Art und Weise, wie wir momentan wirtschaften und handeln (sprich: unser Wirtschaftssystem) ist alles andere als nachhaltig (sprich: die zukünftigen Generationen werden weniger natürliche Ressourcen vorfinden als wir es haben) und alles andere als gerecht (denn die Ungleichheit zwischen Arm und Reich nimmt weiter zu). Die Lösung ist sicherlich nicht technologischer Fortschritt (der natürlich auch nicht schlecht ist) sondern verantwortungsvolleres und umsichtigeres Handeln. Zum Christsein gehört meiner Meinung nach dazu, dass man sich für eine gerechtere Welt einsetzt, eine gerechtere und nachhaltigere Verteilung von Ressourcen, etc. Sollen wir unsere Kinder tatsächlich nur "fit machen", damit sie in der Marktwirtschaft (auch als Ellbogengesellschaft oder "dog eat dog"-System bekannt) bestehen können, einem System wo stets der Stärkere gewinnt, wo ständige Konkurrenz herrscht? Wie ist in einem System, in dem das Leben von Geld, Werbung und Konsumrausch bestimmt wird, so etwas wie Befreiung von Entfremdung oder eine Erlösung (im recht verstandenen christlichen Sinne) möglich?

Ich hoffe, meine etwas längere Abhandlung hat sie nicht allzu sehr genervt :) Ich muss noch bemerken, dass ich kein echter Marx-Experte bin sondern lediglich im Zuge meines Politik- und Geschichtsstudiums des öfteren auf seine Theorien gestoßen bin und einige Seminare zu diesem Thema besucht habe. Falls Sie Interesse an einer guten (und vor allem leicht verständlichen) Einstiegslektüre in diesen Themenbereich haben, kann ich Ihnen das Buch "Marx lesen - Die wichtigsten Texte von Karl Marx für das 21. Jahrhundert" und "Schwarzbuch Kapitalismus - Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft" (beide von Robert Kurz) empfehlen (Vorsicht: der Mann ist Kommunist! :) )

Mit freundlichen Grüßen
S. B.

Und hier die Antwort von basisreligion...

Hi,
auf diese Mail war ich noch nicht eingegangen...
Zum einzelnen kurz: Also auch basisdemokratische Zusammenschlüsse sind doch irgendwie Organisationen, also dem Braten würde ich nie trauen! Da mache ich lieber meine Website ganz allen - und wenn jemandem etwas darin nicht passt, dann tüftle ich, bis wir uns einig sind, aber ich entscheide...

Von der Perversion (oder Dekadenz) des Marktes habe ich geschrieben unter Marktgesetze, doch kann man hier offensichtlich nicht ansetzten, weil da zuviel Interessen bestehen... Doch einen Weg gibt es immer, man muss sich ja nicht immer nur auf die Wirtschaft fixieren! Ich habe im übrigen das Stichwort Marktgesetze noch ergänzt, es gibt auch keinen rechten Informationsmarkt, besonders nicht für junge Leute!

Und in der ganzen Welt gleichzeitig mit dem Sozialismus anfangen, da sträubt sich alles in mir! Abgesehen davon, dass das nie klappt, dass alle gleichzeitig anfangen, wäre ich dann ja irgendwelchen basisdemokratsichen Zusammenschlüssen unausweichlich ausgeliefert, bloß das nicht! Das klappt doch nie - über kurz oder lang werden doch immer die, die da nicht reinpassen, einen Kopf kürzer gemacht! Das war doch nicht nur bei den Marxisten so, das war doch schon in der Französischen Revolution! Waren Sie mal in den Gedenkmuseen in der Vendee? Wie dort fein säuberlich aufgelistet ist, wie die Bauern, die sich für König und Kirche entschieden hatten, mit Frauen und Kindern füsiliert wurden? Eine Revolution im Namen des Volkes? Alles Unfug! Also ich trau diesem Braten jedenfalls nie, ich müsste schön blöd sein!

Unter Fitmachen verstehe ich etwas anderes: Wer aus einer bewussten Moral heraus nackt sein kann (das ist nicht einfach das Naturerlebnis von FKK), der kann auch auf vieles sonst verzichten, weil er weiß, dass das doch alles Tand ist! Und der ist also auch nicht mehr so leicht korrumpierbar und manipulierbar!

Und eines vestehe ich nicht: Marx hat doch nicht nur die Zukunft vorausgesagt, sondern er wollte doch auch beeinflussen? Er meinte doch, dass die Philosophen immer nur die Welt erklären wollten, es komme darauf an, sie zu verändern. Und er hatte doch die Idee, die Produktionsmittel zu vergesellschaftlichen - und das bedeutet doch, dass er die Marktgesetze abschaffen wollte? Warum sagen Sie, dass das nicht stimmt???

Tschüs erst mal
Ihr M.P.

 

Wie gesagt, die Diskussion ging noch weiter, doch ich mache hier Schluss...