MEDIEN. Angeblich sind ja heute die Medien schuld an allem Bösen in der Welt, vor allem sind sie natürlich Schuld am Sittenverfall heute - sie haben nun einmal die Macht - und gegen diese Macht kann man einfach nichts machen. Zumindest habe ich dieses erfahren, als ich mein Konzept meinem Pfarrer vorlegte und mich anbot, beim Kinderunterricht mitzuarbeiten. Und es sieht aus, als ob dieser Pfarrer nicht der einzige ist, der so denkt, viele entschuldigen mit dieser Rationalisierung ihre Phantasielosigkeit und Untätigkeit und belächeln denjenigen, der da anders denkt.

Wer auf die (negative) Macht der Medien schimpft, sollte sich lieber erst einmal selbst kritisch sehen!

Denn gerade ein Pfarrer, der in einer Gemeinde tätig ist, sollte doch wirklich vorsichtig mit einer solchen Äußerung sein und sich einmal selbst nach seiner Macht fragen, die er doch auch hat - und ob er die denn vielleicht gar nicht richtig nutzt? Hat er nicht zuerst einmal alle jungen Menschen in einem Alter vor sich, in dem sie offen und auch für das aufgeschlossen, was er ihnen bringt? Was kann er da nicht alles machen? Welche Chancen der Initialzündung! Ist nicht jede Information ein Filter für die nächste Information, und wer sitzt denn hier als erster "am Hebel"? Natürlich muß er bei dem, was er den Kindern beibringt, bedenken, was die Kinder sonst noch hören und seine Lehre darauf abstimmen: Mit dem sogenannten Ansatz vom Glauben her legt er allerdings die Basis für Irrationales und das hat auf alle Fälle nichts mit rationalem Herangehen an Lebensfragen und damit auch nicht mit wirklich haltbaren Lebenskonzepten zu tun. Hier öffnen sich dann sozusagen Lücken, in die die Medien einspringen und natürlich ihre Konzepte da hineinbringen, nicht zuletzt sind sie ja auch Werbeträger und abhängig von bei ihnen werbenden Firmen und müssen machen, was die Auflage steigert - kann man ihnen das verübeln, daß sie nicht das tun, was die Kirche versäumt? Und schließlich muß auch den Faktor Zeit berücksichtigt werden, ob also das, was bei den jungen Leute später mit dem harmoniert, was man ihnen jetzt beibringt - siehe Kairos.  Was ist also, wenn wir unsere Chancen gar nicht nutzen? Mit einem sturen Bestehen auf irgendwelchen Traditionen und mit phantasielosem Dienst nach Vorschrift kommen wir jedenfalls nicht weiter...

Die Medien machen doch nur, was gerade Mode (in weitestem Sinn!) ist - und wenn etwas anderes Mode ist, würden sie auch etwas anderes machen - bis hin zum Werbeträger für wirklich gute Ideen!

Ein entsprechendes Konzept findet sich hier unter Kindererziehung und Erstkommunion, schauen Sie auch einmal in den Reisebericht über die Fahrt mit Frankfurter Kindern in den Bayrischen Wald und nach Österreich. Wenn die darin angesprochenen Konzepte erst einmal in den jungen Leuten drin sind, dann möchte ich die Medien sehen, die die jungen Leute wieder umzukrempeln versuchen und dafür Reklame machen, daß Sexualität eben nichts mit Partnerschaft und Liebe zu tun hat oder nur am Rande, daß das, was die Don Juans machen, ein hervorragender Beitrag zum Glück der Menschen ist und daß das Reinfallen eine schöne Sache ist, daß Liebesbeweise ein Zeichen höherer Intelligenz sind, daß ein wirklich ich-gesteuertes Gewissen nachteilig für den Menschen ist, daß die Phase der Ästhetik verklemmt und völlig überflüssig ist... Und wenn sie das einfach weglassen, werden kritische Leser - und die jungen Menschen sind kritische Leser - mißtrauisch gegenüber diesen Medien werden und sie irgendwann ablehnen. Kann man sich solche Medien überhaupt vorstellen? Hätten die denn dann noch eine Chance? Warum also sitzen wir immer noch wie das Kaninchen vor der Schlange und tun nichts oder genau das nicht, was wirklich überfällig ist? Dummheit oder Böswilligkeit oder Kindergarten

Jedenfalls würden die Medien auch etwas anderes bringen (auch etwa als Tutti Frutti!), wenn das angesagt wäre. Doch das soll nicht unsere Sorge sein. Wir dürfen nicht von unserer eigenen Unbeweglichkeit auf die anderer schließen!

Und nicht zuletzt sind die Medien durchaus auch notwendiges Korrektiv!

Was wäre, wenn es die Medien nicht gäbe? Dann gäbe es doch oft gar keine kritische Instanz! Ob das denn so viel besser wäre? (Oder steckt hinter dem Gezeter über die Medien am Ende der Ärger, dass man ihretwegen nicht unentdeckt schlampen kann - zumindest nicht auf Dauer?)

 

Medien sind nie die Ursache, allenfalls der Auslöser für irgendetwas, und das gilt auch für die Gewalt.

In einem Vortrag (am 22. 02. 2007 vor dem "Arbeitskreis Schule und Wirtschaft" der Vereinigten Industrieverbände Düren) wies der Fernsehwissenschaftler Prof. Dr. Lothar Mikos darauf hin, dass die Ursache von Gewalt etwa seelische Schädigungen wie mangelndes Selbstbewusstsein sind - und wenn ein davon betroffener Mensch dann einen Gewaltfilm sieht, dann kann es vielleicht zu einer Gewalthandlung kommen. Solche Filme sind also nie die Ursache, bestenfalls die Auslöser. Doch Auslöser können auch andere Ereignisse sein. Für eine wirklich effektive Erziehung gegen Gewalt bedarf es daher eines anderen Engagements, man muss bei den Ursachen anfangen, also man muss jungen Menschen etwa andere Perspektiven geben.

Oder etwas anders: Die Medien verstärken allenfalls vorhandene Stimmungen. So wird ein zur Gewalt neigender Mensch sich eher Gewaltfilme ansehen und dadurch sich noch in der Gewaltbereitschaft steigern, ein depressiver Mensch eher depressive Filme und ein lustiger Mensch eben lustige Filme - auch hier steigern diese Filme dann entsprechend die bereits vorhandenen Stimmungen. Und wer hier wirklich etwas ändern will, muss bei den Stimmungen anfangen! (Kommentar von basisreligion hierzu: Alles andere ist mehr oder weniger leerer Aktionismus - und für eine wirkliche Lösung der Probleme letztlich kontraproduktiv!)

Und die Überzeichnungen in den Medien? Ermuntern die die Zuschauer nicht, die nachzumachen? Mitnichten, denn schlechte Beispiele haben vor allem auch den Effekt abschreckend zu wirken! Damit können Überzeichnungen sogar einen sehr positiven Sinn haben. In gewisser Weise sind die Medienproduktionen ja Kunst und die Kunst lebt doch davon, dass Handlungen bis zum Ende durchkomponiert werden, was im praktischen Leben so nicht möglich ist - und die Zuschauer können also auch erkennen, wohin etwas führen kann und dass es besser ist, es im eigenen Leben eben nicht so zu machen (siehe Vorbild).

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)