Eine MEINUNGSÄNDERUNG gilt vor allem bei ängstlichen und wenig selbstbewußten Menschen als Zeichen von Schwäche. Sie lassen sich daher selbst dann nicht zu einer Meinungsänderung bewegen, wenn die vorhandene Meinung ganz offensichtlich falsch und nachteilig ist.

Dagegen soll der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland Konrad Adenauer (1876 - 1967) gesagt haben, als er einmal von einem Journalisten auf eine seiner Meinungsänderungen angesprochen wurde: "Was hindert mich, daß ich jeden Tag klüger werde?"

Zu bedenken ist, daß eine zuerst gefaßte Meinung eigentlich immer nur durch ein wenig gut oder gar nicht geprüftes Vorurteil oder gar durch eine Manipulation zustande gekommen sein kann. Und dann können auch von Ängsten oder Tabus aufgebaute Mauern in den Köpfen wirksam sein, die uns gegen den Einfluß jeder anderen, auch besseren, Meinung sozusagen immun machen - und oft zu unserem Nachteil. Beispielsweise sahen sich die Amerikaner bei ihrem Einmarsch in Weimar bei Kriegsende (1945) uneinsichtigen Einwohnern gegenüber, die einfach nicht wahrhaben wollten, daß ganz in der Nähe ihrer Stadt eines der schrecklichen Konzentrationslager der Nationalsozialisten existierte. Die Amerikaner zwangen daher einen Teil der Weimarer Bevölkerung zu einem Besuch des Lagers, damit es zu einer Meinungsänderung käme.

Oder denken wir auch an den Hexenwahn. Die Menschen, die in diesem Wahn lebten, waren kaum bereit, sich belehren zu lassen, obwohl wir diesen Wahn heute als barbarischen Unfug empfinden und obwohl es durchaus schon zu Zeiten jenes Wahns einige großartige Männer gab, die sich um eine Meinungsänderung bemühten. Es kann und muß also auch für uns Meinungsänderungen geben, alles andere würde Stillstand und Verbohrtheit bedeuten. Aber wie?

Die einfachste Regel für eine Meinungsänderung ist: Bei einer notwendigen Meinungsänderung - und gerade bei einer, bei der viel Gefühl im Spiel ist - orientieren wir uns immer an den Zehn Geboten - so viel falsch können wir dann gar nicht machen!

Beispiele: Wenn wir bisher den Verzehr von Schnecken strikt abgelehnt und diesem Verzehr auch für alle Zukunft abgeschworen haben, so können wir doch ohne Schaden unsere Meinung ändern! Denn das Essen von Schnecken hat mit den Zehn Geboten nichts zu tun, allenfalls mit einer bewußten Einstellung zur Umwelt, nur so viel zu entnehmen, wie auch wieder nachwächst.

Oder: Wenn wir Befürworter der Todesstrafe sind und wir kommen zur Einsicht, daß die Todesstrafe nur weitere Morde produziert, so ist eine Meinungsänderung sogar angebracht, denn die Zehn Gebote verbieten die Tötung von Menschen, und Notwehr ist ja auch nicht gegeben.

Oder: Wenn ein Mädchen einem Freund den sogenannten Liebesbeweis versprochen hat, so darf es diese Meinung jederzeit ändern, ja sie muß es sogar tun, denn nach den Zehn Geboten gehört vollendeter Geschlechtsverkehr zum "ewigen Gefährtesein", also in die Ehe. (Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)